bsWir werden noch erleben, dass die Rolle und Zusammensetzung des ARD-Programmbeirats diskutiert werden wird. Man wird Änderungen vornehmen, nachdem der Beirat seine Kompetenzen weit überschritten hat, indem er tat, wozu er da ist: sich kritisch mit dem Programmangebot auseinander zu setzen. Es werden jährlich Millionen an die wichtigsten ‘Journalisten’ gezahlt, um sie – treue Atlantiker – bei der Stange zu halten. So konnte man u.a. Claus Kleber davon abhalten, zum “Spiegel” zu gehen.

Solche Gehälter investiert keine Einrichtung in die Programmverantwortlichen und das System, wenn der Effekt dann durch Kontrollinstanzen neutralisiert wird. Schlimmer noch: Die ganze ‘Berichterstattung’, die sich als plumpe NATO-Propaganda entpuppte, geht nach hinten los. Offenbar war die Sicherung der Interessen bei der ARD besonders schlampig, denn es blieb nicht bei der Aufforderung zum Offenbarungseid durch den Programmbeirat. Vielleicht hätte man den verantwortlichen Redakteuren dort auch besser Angebote gemacht, die sie nicht ausschlagen können.

Offenbarungseid

Der GAU ist eingetreten, indem Tagesschau.de die Kapitulation unterschreibt. Ich habe mir diesen Text gespeichert. Darin wird zwar jämmerlich geheult, und die Ausreden dort sind schlicht peinlich, aber sie bestätigen die hier längst gestellte Diagnose einer tendenziösen und unqualifizierten Arbeitsweise. Man muss nicht Verschwörungstheoretiker sein, um ein wenig enttäuscht den Hinweis auf jene Seilschaften zu vermissen, die den Trend und die genehmen Informationen einspeisen und selektieren. Es ist aber hinreichend, zur Kenntnis zu nehmen, was das Geständnis hergibt, nämlich u.a. wörtlich:

Mit dem Wissen von heute hätten wir manchen Akzent anders gesetzt und manche Formulierung anders gewählt (hinterher ist man halt schlauer). Möglicherweise sind wir zu leicht dem Nachrichten-Mainstream gefolgt. Vielleicht hätten wir rechte Gruppierungen in der Ukraine früher thematisieren sollen. Der falsche Hubschrauber war sehr ärgerlich, aber wir sind damit wenigstens richtig (weil transparent) umgegangen. Wir hätten uns bei der Formulierung “OSZE-Beobachter” eher eine andere Formulierung wählen können. Vielleicht haben wir die russischen Interessen zu wenig für den deutschen Zuschauer “übersetzt”. Wir hätten evtl. die NATO-Position noch kritischer hinterfragen können.

Wo strömen sie denn?

Bei Lektüre des letzen Satzes wickelten sich bei mir die Spaghetti um die Lampe. Wie gern hätte ich ein einziges Beispiel, wo und inwiefern je “kritisch hinterfragt” wurde, wer welche Interessen im Sinne der NATO auf welche Weise verfolgt hat. Noch unkritischer wäre allenfalls die direkte Überlassung der Berichterstattung an die Pressestelle der NATO gewesen. Die oben genannten Details – hätte wenn und wäre – sind der Versuch einer Beichte in der irren Hoffnung, niemand fragte nach und es sei mit ein paar “Vater Unser” getan. Was hat sie denn davon abgehalten, die simpelsten Regeln eines ehemaligen Journalismus einzuhalten? Und warum beantworten sie diese Frage nicht von selbst? Was zur Hölle können die da eigentlich noch?

Am besten aber ist die Erklärung der eigenen Unzurechnungsfähigkeit – einmal mehr Anlass zu der Frage: Sind sie wirklich so dämlich oder lügen sie so dreist? – sie seien “dem Nachrichten-Mainstream gefolgt”, und zwar “zu leicht”, “möglicherweise”. Ja wenn ihr das immer noch nicht wisst, woher nehmt ihr die Frechheit, euch noch ein Gehalt überweisen zu lassen? Die Tagesschau und ihre Alpha-plus-Journalisten folgen also einfach und leicht wie auf Yoghurette einem “Mainstream”! Eine Frage hätte ich da noch: Wo liegt eigentlich die Quelle eures “Mainstreams”?

Dumme Frage, ich weiß: Nach Quellen fragt dort niemand mehr, schon gar nicht nach unabhängigen. Mea culpa, das Wetter!

 
goWie soll für die staatliche Sicherheit gesorgt werden, wenn der Feind jederzeit Einblick in die Mittel und Wege des Apparates hat, wenn das Rezeptbuch quasi offen zugänglich ist? Unser Großer Verbündeter, den es verstimmt, wenn seine Freunde ihre Geheimdienste kontrollieren, hat seine Lektion gelernt und wendet sie an: Wenn kein Feind einen klaren Anlass gibt zu tun, was du für richtig hältst, dann schaffe dir den geeigneten Feind.

Das funktioniert schon ganz gut durch Bombardements, die so viele Menschen ins Leid stürzen, dass immer ausreichend Hass erhalten bleibt, der für zu bekämpfende Feinde sorgt. Aber das ist ein sehr unpräzises Vorgehen, denn es kann die Aktionen des Feindes nicht steuern. Dazu bedarf es anderer Taktiken: Sogenannte Militärberater etwa und Waffen, die zur richtigen Zeit am richtigen Ort erscheinen. Ähnlich wie an der Börse, kann man so bei jedem Trend gewinnen: Schlägt der Feind zu, freut’s die Waffenindustrie genau so wie beim Gegenschlag. Schlägt der Feind in der richtigen Region zu, können Gegenschläge unmittelbar Handelswege und Ressourcen sichern.

Die schärfste Waffe

Wenn das aber auch nicht mehr reicht, weil etwa die Welt so mit Waffen und Warlords gesättigt ist, dass niemand mehr den Ablauf steuern kann, kommt die wirksamste und obendrein günstigste Waffe zum Zuge: Der selbst erfundene Feind, die maßgeschneiderte Propaganda. Während bislang Propagandagetöse wie die Brutkastenlüge oder das Massaker von Rugova auf reale Geschehnisse aufsetzten, haben die USA endlich den mutigen Schritt getan und eine Terrorgruppe angegriffen, die nur aus Schall und Rauch besteht.

Die “Khorasan Gruppe” wurde durch die eingebetteten Medien aufgebauscht als die Superterrortruppe, die gleichzeitig im Nahen Osten kämpfen und unmittelbar die Sicherheit des Westens bedrohen konnte. Von Erkenntnissen, dass Anschläge auf Fluglinien unmittelbar bevorstünden, war die Rede. Natürlich wurden diese in der Region vorbereitet, in der die USA eben militärisch eingreifen wollten, für die sie aber kein UN-Mandat hatten. Da ja aber die unmittelbare Bedrohung® bestand, firmiert jedes Bombardement unter “Verteidigung”.

Behauptung Enthauptung, Verteidigung

Bestanden schon berechtigte Zweifel an all den Spukgeschichten rund um Osama und seine Qaeda, wurde jetzt also auf offener Bühne und provozierend dilettantisch das Gespenst aus dem Hut gezogen, das gerade ins Drehbuch passte. Die Autoren der Militärmacht konnten sich dabei wie immer auf ihre Lautsprecher in den Medien verlassen. Der Islamist, dein Freund als Feind des Feindes, dein Feind in jeder brauchbaren Facette, ein Passepartout für Diktatoren und besser aufgestellte Imperialisten. Heute für, morgen gegen dich, in beliebiger Taktung.

Deine Propagandamaschine hat alle Rücksicht auf Logik und Kontext abgestreift und verkündet nur noch den Tagesfeind. Im Hintergrund steht der Popanz eines Feindes, heiße er nun Emmanuel Goldstein oder sonstwie, den du selbst erfunden hast. Ist es einmal so weit, dass du eine Bedrohung der eigenen Bevölkerung konstruiert hast, opferst du die Freiheit der Sicherheit, wortwörtlich, wie das die australische Regierung nach angeblich geplanten Enthauptungen ihrer Bürger getan hat.

Krieg ist Frieden

Die Propaganda hat längst die Sprache so durch den semantischen Fleischwolf gedreht, dass man nur noch mitheulen kann oder die Gemeinschaft der Willigen verlassen. “Verteidigung“® nennen sie jeden blutigen Akt überall auf der Welt, wenn nicht gar “Verantwortung“®. Die Destabilisierung beliebiger Regionen heißt “Unterstützung“® und “Entwicklung“®, die Verarmung der Welt “Wohlstand“® und “Wachstum“®, das Zerstören und Plündern von Infrastruktur nennt sich “Reformen“®.

Vom Zwiesprech und Neusprech über die Totalüberwachung der Bevölkerung bis hin zum erfundenen Feind und ständig wechselnden Koalitionen haben wir es dabei mit Strategien zu tun, die allesamt in Orwells “1984″ nachzulesen sind. Das ist die Blaupause; man sollte das Buch schnellstens verbieten, ehe eine kritische Masse das noch bemerkt und die logischen Schlüsse daraus zieht: Glaube niemals einer Regierung, glaube niemals den Massenmedien!

 
nineWenn man alt wird, spielt der Geburtstag keine so große Rolle mehr. Ich habe in meinen jungen Jahren, als und weil ich es mir nicht leisten konnte, jedes Jahr eine Flasche ordentlichen Champagner geschlürft. Albern. Wenn man merkt, dass das gar nicht kult ist und man eben nicht über Berge und Geröllhalden klettern muss, um an das edle Artefakt zu kommen, sondern es für dreißig Tacken im Supermarkt kriegt, verliert es seinen Witz.

Wenn ich ihn aber ganz vergesse, gar nicht merke, dass Feynsinn Jahrestag hat, dann lässt das doch tiefer blicken. Auf das Blog und das Jahr 2014. Letzteres bereichert mich um die unkuschelige Erfahrung, dass ein Kampf ums Überleben alles andere sehr sehr klein macht. Für das Blog hieß dies, dass es nach der Krise zur Jahreswende, die noch im Zeichen dieser Frage stand, nicht mehr wichtig war, ob und wieviel ich schreibe. Wenn ich dazu komme und die Muße habe, tue ich’s halt.

Um das Jahr rund zu machen, werde ich bald auch arbeitslos sein, was in meinem Alter einen langen Urlaub erwarten lässt. Als Erzieherin bin ich derart überqualifiziert, dass ich mich nur ohne Zeugnisse bewerben könnte; für alles andere bin ich zu alt. Blöd, denn der Halbtagsjob war prima, da ich dort sozialversichert war. Tja, man kann nicht alles haben.

On the Road

Ich will aber gar nicht jammern. Das Problemchen haben andere auch, und es gibt wie gesagt welche, gegen die das Ganze von weitem aussieht wie Ameisen. Zurück also zum Blog: Es wird auch zehn werden, ich will mir ja nicht Inkonsequenz nachsagen lassen, Weicheitum oder Schattenparkerei. Es finden auch hier und rundherum Trennungen statt. Wie ich neulich schon sagte, müsste ich die Blogroll rasieren, hätte ich dort nur noch Auftritte verzeichnet, die ich überzeugend finde. Ich versuche mit der Zeit tiefer zu graben und weiter zu denken, wo andere lieber mit dem Aufsitzmäher über ihren Englischen Rasen fahren und die Oberfläche polieren.

Wer die letzten Jahre nicht sediert zugebracht hat und immer noch glaubt, das System könne von innen reformiert werden, durch Wahlen und gute Argumente, muss einen Trick kennen, der mir verborgen bleibt. Appelle an Vernunft oder Autoritäten, Aufrufe an Politiker etwa – meint ihr das ernst? Nennen wir es “kognitive Selbstbeherrschung”, um friedlich zu bleiben oder übersetzen wir uns den Begriff “bürgerliches Subjekt” noch einmal wörtlich. Nicht mein Ding.

Es juckt mir ein wenig in den Fingern, Zeitgenossen beim Namen zu nennen, zumal solche, die sich einmal “linksliberal” nannten und inzwischen zu Trommelschlägern der NATO-Gehirnwaschanlange geworden sind. Lassen wir das. Ich weigere mich immer noch zu akzeptieren, dass das Sein das Bewusstsein derart bestimmen muss. Dass sich das wenigstens anders denken lässt, dafür schreibe ich hier.

 
Ehe ich mich wiederhole – was ich gelegentlich noch tue, weil es sich nachgerade aufdrängt – ein Hinweis auf die wichtige Lektüre. Es verhält sich nämlich so, dass der exportierte Jihadist ein Killerspieler ist, wie Spezialdemokrat Otto Pendl weiß. Verbote müssen her! Die helfen auch gegen die Ausreise der Killerspielerislamisten. Einfach ein J einen Vermerk in den Ausweis, und schon ist das Gesindel unter Kontrolle. Doch, ernsthaft: Die große Koalition mit ihren Widerständlern von der SPD will wieder Ausweise stempeln.

Die Killerspielerislamistenkritik habe ich bereits vor einigen Jahren komplettiert, als wieder einmal der Terror eines mordenden Nazis anderen in die Schuhe geschoben werden sollte:

Moslems und Killerspieler

 
Das Böse ist unser uns. Es heißt “Terror”, seine Verursacher sind Ausländer und Internetnutzer, Killerspieler und Moslems. Die eben, die nicht zur christlichen Leitkultur gehören. Die in Moscheen gehen, von denen bärtige Hassprediger ihre unheimlichen Schreie schreien, anstatt dem Ruf der Glocken zur Sonntagsmesse zu folgen. Die im Dunkeln sitzen und mit dem Computer das Land kaputtmachen.

Für solche Unholde haben wir unsere Experten. Der Experte hat Bücher gelesen, dann eines geschrieben oder sogar mehrere. Darin legt er dar, warum welche so sind wie sie sind. Das folgert er daraus, dass sie tun, was sie tun. Passt das Schema, hat er recht, was sich so gehört, denn er ist ja Experte. Passt es nicht, hat er halt beim nächsten Mal wieder recht.

Dumm Doom 1984

qaedaAls gestern die Meldungen von Anschlägen in Oslo die Runde machten, erfuhren wir aus allen Rohren, was wir schon immer wussten – von Al Qaeda. Dabei hatte das Ziel des Ferienlagers die Vermutung nahegelegt, dass rechtsextreme Schwachköpfe dahinter stecken könnten. Ich habe diese Vermutung auch geäußert, soviel Besserwisserei sei erlaubt, um sie den Experten herzhaft in die Goschn zu schlagen. Vielleicht liege ich auch falsch, aber der tumbe Qaeda-Reflex ist “1984″ pur. Man hat das Gefühl, die mediale Öffentlichkeit freue sich nachgerade über jede Bestätigung ihres Feindbildes. Man wird jetzt hoffentlich wenigstens ein paar ‘Killerspiele’ bei den Tätern finden, die letzte Rettung fürs gepflegte Weltbild.

“Rechtsextrem” oder “christlich-fundamentalistisch” sind die aktuellen Diagnosen, die journalistischerseits angeboten werden. Ob das den “islamkritischen” Rassisten wenigstens ein bisschen wehtut? Wohl kaum. Eher wird es unter den Schmerzbefreiten eine Fraktion geben, die in dem stolzen Normannen einen Märtyrer sieht. Der hat es ihnen gezeigt, den Gutmenschen, und als nächstes sind die Kameltreiber dran. Für die anderen wird er ein Verwirrter sein, ein Irrer, der nicht weiß, was er tut. Als Westmensch nämlich ist er ein Individuum mit Eigenschaften, während die Araber eben der Pool des Bösen sind, der nur eine Eigenschaft hat: Den unbedingten Willen zum Terror.

Experten für fast alles

Zwischen diesen und den anderweitig Psychiatriereifen steht der gemeine Killerspieler, ein schmarotzender Maschinenmensch, der bei den Eltern im Keller haust und im Internet Pornos und das Abschlachten von Menschen genießt. Auch dafür gibt es Experten, die erklären, wie aus Mangel an Verboten und Kontrolle Pädophilie und Blutrausch entstehen. Das alles könnte verhindert werden, wenn Liberale, Linke und 68er nur den politischen Willen dazu hätten.

Wieder nicht im Mittelpunkt stehen wird die Frage, wie unsere Irren und all die Moslems an ihre Waffen kommen. Warum diese überhaupt kilotonnenweise produziert und verhökert werden. Wer daran verdient und wer dafür stirbt und ob das Ganze irgend ein System hat. Dafür haben wir nämlich keine Experten. Wer sollte die auch bezahlen?

 
Ich kenne deinen Namen, ich weiß, wo du wohnst. Nicht nur das. Ich kenne eine Menge deiner Freunde, ihre Namen, ihre Adressen. Ich weiß, in welche Schule deine Kinder gehen. Habe ich jemals von diesem Wissen Gebrauch gemacht? Nicht, dass ich das nicht könnte. Ich bin nicht irgendwer, weißt du. Ich bin so gut vernetzt und habe so viele Verbindungen auch zu einflussreichen Leuten, ich könnte dich zerquetschen wie eine Laus, wenn es mir einfiele. Wenn ich deinen Namen im Zusammenhang mit gewissen Vorgängen nenne, bist du erledigt. Es gibt kaum ein Land, in das du dann noch auswandern kannst.

Gestern hast du bei Hans kommentiert, ziemlich früh am Morgen. Das machst du doch sonst nicht, konntest wohl nicht schlafen, was? Schlechtes Gewissen? Oder fühlst du meinen Atem schon in deinem Nacken? Hast dich geärgert, dass ich ein bisschen was von dir ausgeborgt habe und es woanders mal ins rechte Licht gerückt? Kannst mich ja verklagen. Doch, meine Anwälte hätten einen Riesenspaß, dich und einen Feld- Wald- und Wiesenjuristen zum Frühstück zu fressen. Sie warten schon drauf.

Vielleicht hast du ja auch andere Ideen, wie du dich rächen kannst. Ich glaube ja nicht, dass du die Eier hast und schon gar nicht die Statur, mir im Dunkeln zu begegnen, aber du musst wissen, dass ich nicht weit laufen muss, um eine immer geladene Knarre zu finden. Nur für den Fall, man weiß ja nicht, was kommt. Wie dem auch sei: Du kannst mir gar nichts und ich dir alles. Wenn du wissen willst, wie es dir geht, kannst du gern bei mir reinschauen. Du weißt ja, ich teile mein Wissen gern.

Ich mache dich fertig

Ich hoffe, dass sich an dieser Stelle alle fragen, ob mir ein ungünstiger Wind wohl alle restlichen Latten vom Zaun geblasen hätte. Es ist nicht wie ihr denkt. ;-) Das da oben ist so eine Art Mustertext. In ihn sind schon einige Erfahrungen geflossen, die ich mit dem Komplex Stalking gemacht habe. Die Form aber und die Techniken sind übertragbar. Anlass ist übrigens dieser Text hier [via].

Ich kann durchaus dazu raten, den Text so zu lesen, dass ihr persönlich gemeint seid. Wenn man so etwas das erste Mal in der Mailbox hat, seinen Namen das erste Mal in einem Haufen Scheiße liest oder das erste Mal von jemandem angesprochen wird, der etwas gehört hat, das ein seltsames Licht auf einen wirft, trifft einen das. Kann einem den Tag versauen. Ängstliche Menschen kann es krank machen. Es ist aber beliebig. Die allermeisten Stalker sind Scheinriesen. Sie fürchten nicht mehr als beim Wort genommen zu werden, denn ihre Inhalte dienen dem Effekt: Aufmerksamkeit und Selbstüberhöhung. Die Vorstellung, man ärgerte sich, hätte womöglich Angst, macht sie geil.

Ich glaube, dass man sich darauf vorbereiten kann, daher auch der Text da oben. Wer in den Fokus gerät, bekommt so etwas zu lesen. Wer das auf sich bezieht, erlebt etwas, das er/sie nicht erleben will und gegen das sich kaum jemand effektiv wehren kann. Das einzige, was hilft, ist die gesetzte Erkenntnis: Du bist nicht gemeint. Er will dir nichts. Der Stalker ist ein kleines Arschloch, das für seine Phantasien ein Abziehbild braucht. Was er über dich sagt, meint er von sich selbst. Gib ihm nicht nach – ignoriere ihn.

p.s.: Ich bin ebenfalls der Ansicht, das man weder gegen solche Trolle noch gegen Terroristen eine freidrehende Justiz braucht.

 
Heiner Flassbeck hat eigentlich fast immer recht. In diesem von mir seit langem eingestellten Vortrag sagt er zum Beispiel, dass es einen fast unmittelbaren Zusammenhang gibt zwischen Löhnen und Preisen, genauer: Zwischen Lohnstückkosten und Preisen. Dieser empirisch wasserdicht nachgewiesene Zusammenhang wird von der gängigen Ökonomie ignoriert oder sogar geleugnet. Sie kann das u.a. deshalb, weil es eben eine Ideologie ist, die zeitgemäß auch von Medien so verbreitet wird.

Dieselbe Ideologie, auch darauf weist er hin, verordnet sich ein Dogma der Schuldenfreiheit, sehr gut illustriert durch den CDU-Slogan “Für eine Zukunft ohne Schulden“. Das ist in der Tat so unfassbar widersinnig, dass man sich fragt, wie es so weit kommen konnte. Für Wirtschaftslaien noch einmal: Ohne Schulden gibt es keine Guthaben, keine Zinsen, keine Investitionen, kein ‘Wachstum’. Die Summe aller Konten ist immer Null. Flassbeck dokumentiert also, dass da Leute nicht wissen, was sie tun.

Er gehört zu denen, die von einer ‘Marktwirtschaft’ träumen, die funktioniert, in der vernünftige Entscheidungen auf allen Ebenen getroffen werden. Wir haben hier schon vielfach kritisiert, dass er sich nie fragt, wozu das Spiel überhaupt gut sein soll; heute will ich einmal genauer hinschauen und konkretere Kritik leisten. Das beginnt mit seiner eigenen Erkenntnis: Es wird unvernünftig gehandelt bis über den Rand des Irrsinns hinaus. Ist das Zufall? Ein Unfall?

Hätte, wäre, könnte

Eine Theorie und ihre praktischen Lösungsvorschläge sollten tunlichst die Bedingungen einbeziehen, die sie selbst setzt. Wenn es also der Vernunft bedarf, um solche Theorie umzusetzen, hat sie zu klären, wie die Vernunft etabliert werden könnte, wo heute der Irrsinn waltet. Das kann sie aber nicht. Wieviel Vernunft ist also notwendige Bedingung für Flassbecks Vorschläge? Ist eine Marktwirtschaft vorstellbar, die solche Vernunft fördert und nicht hemmt?

Wenn die Theorie funktioniert, so wie ich sie verstehe, müssten verschiedene Aspekte des Wirtschaftens sehr sensibel beachtet werden, so zum Beispiel die Entwicklung der Löhne und die Handelsbilanzen. Ist das unter den Bedingungen einer technisch vernetzten globalen Wirtschaft, in der Geschäfte ‘in Echtzeit’ abgewickelt werden (lassen wir den Hochgeschwindigkeitshandel einmal beiseite) überhaupt möglich? Gibt es ein Medium, in dem sich ein solcher Interessenausgleich international entwickeln kann? Ist hier nicht vielmehr auch entgegen aller Erfahrung jene Vernunft vorausgesetzt, die sich noch nie eingefunden hat?

Und wenn es denn so wäre, liefe also das Wirtschaften friedlich auf ein weltweites Nullwachstum hinaus. Die ‘Wachstumsraten’ würden sich immer weiter verringern, die Preisanstiege aber auch, so dass alle zufrieden sein könnten. Nehmen wir an, das wäre möglich, dann frage ich mich: wozu dann solche ‘Marktwirtschaft’ mit dem steten Risiko eines Umkippens in Unvernunft?

Wie es aussieht

Letzteres muss ich erklären. Auch hier wiederhole ich, dass ich im Kern(!) Marxens Theorem vom tendenziellen Fall der Profitraten für richtig halte. Wo er ‘widerlegt’ worden ist, haben sich die Kritiker m.E. auf die Illustration bezogen und nicht auf den dargestellten Zusammenhang. Nun können viele das schon deshalb nicht verstehen, weil sie “Profit” nicht kennen wollen*. Für diese also einfach: Die Wachstumsraten sinken mit der Zeit immer weiter.

Ob das wohl stimmt? Ich denke ja. Dabei mache ich gern darauf aufmerksam, wie viele neue Märkte in der dargestellten Zeit erobert wurden und dass die betroffene Wirtschaft ständig mehr exportiert als sie importiert. Wie sieht es dann erst woanders aus? Natürlich ist ‘Wachstum’ nicht dasselbe wie Profitraten, die eben durch die neoliberalen Eingriffe immer wieder gerettet werden, mit dem bewusst eingegangenen Risiko des Zusammenbruchs. Sinkendes Wachstum lässt also die Profitraten sinken, wenn man nicht äußerst unvernünftig gegensteuert.

Der andere Beleg ist – auch häufig wiederholt, dass inzwischen für jeden Dollar, der weltweit erwirtschaftet wird, drei Dollar Kapital auf Vermehrung warten. So weit haben es die ganzen Tricksereien gebracht, um die Profitraten zu retten, deren katastrophaler Einbruch droht, wenn die Blasen unkontrolliert platzen. Ich erkenne da eine klare Logik: Selbst ein Versuch wie im Nachkriegsdeutschland, der unter optimalen Bedingungen mit viel Vernunft auf den Weg gebracht worden ist, musste scheitern, weil die Gesetzmäßigkeiten des Kapitals: tendenziell sinkende Profitraten und der Zwang gegen jede Vernunft die Profite zu retten (anstatt Rückschläge im Sinne eines Ausgleichs hinzunehmen), dem Kapitalismus eben zueigen sind.

*p.s.: Die Rechtschreibkorrrektur kennt den Begriff “Profitraten” ebenfalls nicht.

 
Ich habe hier mal ein paar Sachen gesammelt und hätte gern noch ein paar Fragen, die euch hier fehlen sowie ggf. Korrekturvorschläge.

Warum wird mein Kommentar nicht freigeschaltet ?

Weil du die Nutzungsbedingungen nicht gelesen hast, sonst wüsstest du das. Dort steht:

“Erstkommentare schalte ich nur noch frei, wenn ich den Eindruck habe, es mit einer Person zu tun zu haben, die liest, versteht und dann freundlich antwortet. Manchmal ist ein Kommentar einfach zu kurz, um diesen Eindruck zu erwecken. Dann kommt er nicht durch. Ich habe zu oft die Erfahrung gemacht, dass ein anderes Vorgehen Ärger und Arbeit beschert. Und ja: Ich selektiere immer noch. Was ich für Schwachsinn halte, schalte ich auch nicht frei. Wir hätten alle keine Freude mit Diskussionen darüber. Es kann auch sein, daß mal jemand im Spamfilter hängen bleibt.”

Das bedeutet, dass ich jeden neuen Kommentator erst einmal freischalten muss. Dazu muss ich seinen Kommentar erst einmal lesen, und das kann schon mal dauern, bis ich dazu komme. Mancher, der bereits freigeschaltet ist, schreibt vielleicht seine Mailadresse falsch, dann kommt er auch nicht durch, weil die Maschine ihn nicht kennt. Wer nach zwei Minuten schon “Zensur” schreit, wird hier niemals kommentieren dürfen.

Darf ich deinen Artikel übernehmen?

Grundsätzlich nein, auch das steht im Manual. Gib mir einen wirklich guten Grund, warum ein Auszug mit Link nicht reicht. Einen wirklich guten!

Was ist mit Copyright?

Aha, immer noch nicht das Manual gelesen. Meine Texte, meine Texte. Ohne Nachfrage geht gar nix. Die Bilder sind in der Regel auch von mir oder gemeinfrei. Himmel, ich zitiere schon wieder Pausenlos das Manual!!1!

Kann ich etwas spenden? Wenn ja, wie?

Sidebar rechts, da ist ‘da Button’; einfach draufklicken. Er beißt nicht und bucht auch nicht automatisch ab.

Kann man das nicht viel einfacher sagen?

Kann sein, aber ich vielleicht nicht. Kann auch sein, dass man es nicht kann. Du verstehst etwas nicht? Frage einfach nach. Es kann dir allerdings passieren, dass du auf bereits erledigte Diskussionen hingewiesen wirst. Manches setze ich freilich voraus, in einem Fußballforum wird auch nicht erklärt, was ein Tor ist.

Kannst du das alles besser, oder woher nimmst du das Recht zur Kritik?

Ja, kann ich. Nein, muss ich nicht. Als der Typ am Riesenrad kritisiert hat, dass da ein paar Haltebolzen fehlten, wurde er vor die Tür gesetzt, denn er hatte noch nie einen Haltebolzen geschmiedet, der Penner.

Warum schreibst du nicht über Thema xyz? Das wäre viel wichtiger als das, worüber du schreibst!

Weil ich das anders sehe. Eröffne en Blog und schreib’s selbst!

Warum bist du so unfreundlich?

Bin ich das? Wird oft so aufgefasst, ist aber nicht so gemeint. Wenn ich jemanden persönlich anranze, erkennt man das meist an der Ankündigung, ihn zu sperren. Alles andere ist Streit, das heißt, dass ich entschieden anderer Ansicht bin oder Argumente schlecht finde. Tatsächlich ist meine Reaktion auch von menschlichen Befindlichkeiten geprägt. Das sagt nichts über dich. Ich habe hier schon Leute angerempelt, die mir sehr sympathisch sind und andere sehr freundlich behandelt, die ich nicht leiden kann. Kommt alles vor. Im Zweifelsfall gilt: Du bist nicht gemeint, nur dein Kommentar.

Warum respektierst du nicht meine Meinungsfreiheit?

Weil du die grundgesetzlich geschützte Meinungsfreiheit nicht von einem Recht unterscheiden kannst, deinen Stuss in meinem Blog zu veröffentlichen. Es gibt in der Nachbarschaft reichlich Blogs mit freier Fahrt für freie Trolle. Tob’ dich da aus und bestell’ nen Gruß!

 
zara

Es ist eine Frage des politischen Willens, die Wirtschaft zu gestalten. Das ist der zentrale Glaubenssatz der Reformatoren vor allem Keynesianischer Schulen. Man müsste nur dies und das ändern, es so und so wollen. Dazu müsste man nur den und den informieren, hier und da überzeugen und dann tun, was einzig vernünftig wäre. Keynesianer sind die Könige des Konjunktivs. Aber nicht nur die, ich will mich schon gar nicht auf welche beschränken, die sich so nennen. Jeder, der glaubt, man könne mit dem nötigen Willen die Welt verändern, hat sich als Wissenschaftler disqualifiziert.

Die nötigen Belege dazu hat die Geisteswissenschaft erbracht, und zwar in ihren Sternstunden wie in ihrem Versagen. Eine wissenschaftliche Betrachtung des Wirtschaftens, von Anfang bis Ende durchgedacht, hat sie seit Marx nicht mehr hingelegt, Nicht einmal den Zottelbart auf den Stand einer kommunizierbaren Sprache gebracht. Interessiert sie nicht mehr. Sie hat vor dem Ökonomischen vielmehr kapituliert und sich selbst zur Hure der herrschenden Ideologie gemacht.

In ihren guten Tagen hat sie die Erklärungen geliefert und dargelegt, was Macht ist. Schon Kant lieferte eine brauchbare Blaupause mit einer einzigen Formulierung: Als er nämlich von der „Bedingung der Möglichkeit (der Erkenntnis)“ sprach. Was muss gegeben sein, um bestimmte Möglichkeiten zu verwirklichen? Foucault hat das ergänzt durch seine Diskursanalyse, die akribische Darstellung von Machtverhältnissen und Denkmustern. Er musste dabei weder erklären noch voraussetzen, dass die einen von den anderen abhängen, es ergibt sich einfach durch die Beschreibung des Gegebenen.

Was Wissenschaft wusste

Die Vorstellung, der Wille sei entscheidend für die Wirklichkeit, das Bewusstsein könne das Sein in eine beliebige Form zwingen, ist die Wahnvorstellung einer Zeit, die nicht zufällig in Weltkriege mündete. Nicht zufällig, weil der ‘Wille’, umgemünzt in den Volkswillen, nur eine bestimmte soziale Basis formt, die mit den Mitteln der Zivilisation die Barbarei organisiert. Der Wille folgt nicht der Vernunft, er formuliert keine Ziele, er marschiert nur, wohin auch immer die Macht ihn führt – niemals umgekehrt.

Daher kann auch kein Wille die Macht verändern. Diese bildet ihre eigenen Strukturen, sie macht das eine möglich und das andere unmöglich; das eine leicht und das andere schwierig.

Die Macht im Kapitalismus hat das Kapital. Es drängt zur Vermehrung. Alle machen mit, weil es für die Mehrheit die Notwendigkeit zum Leben bedeutet und für die Minderheit den Erhalt ihrer Position. Wo soll da ein Wille etwas verändern? Doch wohl nicht bei Bilderbergers und Atlantikern? Zumal, wenn es für die Mächtigen immer schwieriger wird, ihr Kapital noch zu vermehren, wenn sie befürchten müssen(!), dass ihr Imperium zusammenbricht und mit ihm eine globale Ordnung? Für jeden Dollar, der umgesetzt wird, warten weltweit drei Dollar auf Vermehrung. Marx hat beschrieben, dass das so kommen muss – in jeder Form von Kapitalismus.

In die nächste Runde?

Warum soll wer also jetzt diesen Kapitalismus reformieren? Die Minderheit, die davon profitiert und doch bemerkt, dass das Spiel ein Ende hat? Die Mehrheit, die nicht ahnt, wie das Spiel läuft und es nicht versteht? Oder vielleicht eine intellektuelle Minderheit, die es versteht und wissen muss, dass ‘Reform’ nur bedeutet, dasselbe Spiel noch einmal aufzusetzen, das Elend vielleicht zu verlängern? Und dann? Wird dann jeder, der Profit macht, auf eine Obergrenze festgelegt? Wird das dann täglich streng kontrolliert und sofort bestraft? Wird es einen Staat geben, der so viel Macht hat und sie nicht mehr mit der Wirtschaft teilt? Das wäre genau der Brutal-Pseudosozialismus, von dem die Neoliberalen ihre Albträume ableiten.

Wer nicht will, dass es immer wieder so endet, muss die Struktur der Macht ändern und nicht von einer Kontrolle durch den Willen schwadronieren. Wenn es so weit ist – zweifellos nach einem Zusammenbruch, man weiß nur nicht, dem wievielten – müssen sich die Menschen entscheiden, die Macht des Kapitals nicht mehr zuzulassen. Sonst wird es sie immer wieder immer schneller in die Knie zwingen.

 
Leider erst heute konnte ich mich mit einer Kritik von Heiner Flassbeck an Heinz-Josef Bontrup befassen, weil ich in der Internet-Diaspora gelandet bin.

Das Ganze Stück ist zäh, zumal für einen, der nicht der Glaubensgemeinschaft Angebot-Nachfrage-Weltgeist angehört. Da wirft einer dem anderen in ihrer Gummizelle vor, nicht ganz sauber zu ticken und versaut’s dann selbst. In beiden Erzählungen kann ich nämlich nicht erkennen, was da “Produktivität” heißt. Sollten damit (u.a./entscheidend) die Arbeitskosten gemeint sein, bricht das Gerüst nämlich zusammen, da nicht erkennbar ist, was darin Arbeitszeit ist und was eben Lohnsenkung (aka Arbeitskosten).

Sollte er hingegen den reinen Zeitaufwand meinen, verstehe ich da schon nicht, wie er das mit “Kaufkraft” in Zusammenhang bringt, denn trotz höherer Produktivität ist selbst bei entsprechendem “Wachstum” die ‘Kaufkraft’ gesunken. An anderer Stelle hatte er das bereits gemerkt. Schließlich fehlt mir auch noch der Ort des Geschehens, denn eine Volkswirtschaft, in der sich eine “Kaufkraft” als Größe abbildet, ist nicht konstruierbar.

Im VWL-Universum

Es mag ja sein, dass Bontrup sich die Sache da einfacher macht als sie ist – auf höchst ärgerliche Weise übrigens, aber Flassbecks ‘Korrektur’ ist keine. Bontrup fordert immerhin die Beteiligung der Lohnabhängigen am Zuwachs der technischen Produktivität, während Flassbeck ‘Produktivität’ wieder auf die Größe im VWL-Universum reduziert und ignoriert, dass die Vereinfachung des Kontrahenten mit einer Verschiebung der Begrifflichkeit einhergeht. Er hätte m.E. zwar dennoch Recht in der Konsequenz, argumentiert aber fröhlich an der Idee vorbei.

Hinzu kommt, dass eine Größe ‘Kaufkraft’, die nicht einmal klärt, wer Produkte von wo kauft, völlig sinnentleert ist. Als hätte die hiesige Produktivität einen unmittelbaren Einfluss auf Preise und Konsum von Produkten aus China! In der Tat fehlt da wie immer der Gesamtzusammenhang; es gibt real nämlich keine abgrenzbare Volkswirtschaft; es fehlt der Blick gerade auf deutsche Strategien, vor allem die, Arbeitslosigkeit zu exportieren;
es fehlt natürlich auch die Frage ‘Wachstum’ wozu und wohin. Das kommt halt davon, wenn man partout nicht von Profitraten sprechen will.

Bontrup wäre leicht zu fassen beim Widerspruch zwischen seinen Analysen und seinen Lösungsvorschlägen. Da kann Flassbeck natürlich nicht ran, weil es ihn selbst an dieser Stelle erst recht aus der Kurve haut. Beide können derweil nicht davon ablassen, die Möglichkeiten der Intervention in wirtschaftliches Geschehen als von irgend jemandes Willen abhängige zu denken: Man müsste nur … Das ist dann endgültig ein Niveau, das mit Wissenschaft nichts mehr zu tun hat.

[Update: hier Bontrups Antwort(.pdf); kam gerade per E-Post.]

 
wieher

Vor genau vier Jahren habe ich noch spaßeshalber die Haushaltsdebatte des Deutschen Bundestages live kommentiert. Damals war das schon eine Art Nachruf, Reminiszenz an den alten Untertitel dieses Blogs: “Satire womöglich” – wobei sich zeigte, dass Satire da nicht mehr mithalten konnte. Solche Rückblicke sind nicht unwichtig, weil sie zeigen, dass die ‘politische’ Hard-und Software inzwischen Verfallszeiten hat wie die in der IT. Damals musste ich noch nachschauen, wer denn dieser Schwätzer sei, der mir schon vorher durch unerträgliches Blabla aufgefallen war und von dem ich nur wusste, dass er der CSU angehörte. Inzwischen sind wir zwei Ministerposten und einen finalen Tritt weiter. Die Rede ist von Hans-Peter Friedrich.

Dazwischen liegt nebenbei die totale Desillusionierung über die realen Machtverhältnisse Urbi et Orbi und was die Macht damit macht. “Stasi 2.0 – wen interessiert’s?” ist der Film, den sich keiner mehr anschauen mag. Dem entsprechend geht noch jede(r) Zweite zur Wahl, davon wiederum die Hälfte Rentner und die andere Hälfte Psychopathen. Die Art, die genau weiß, wem wir all das Elend zu verdanken haben: Die Arbeitslosen leben in Saus und Braus und führen einen gnadenlosen Klassenkampf, indem sie die Fleißigen ausbeuten. Die Juden haben uns die D-Mark genommen. Die Ausländer wollen auch noch unser Geld. Arbeit und Fleiß werden uns wieder nach vorn bringen, sobald wir das angepackt haben.

Es ist dein Geld!

Wir hätten uns eine ganze Handvoll neuer Körperöffnungen gefreut, wäre zu Zeiten, da Politik noch relevant erschien, die FDP in dem Sumpfloch verschwunden, das sich inzwischen über ihr geschlossen hat. Aber so? Nicht bloß zu spät, sondern auch noch um den Preis, dass die Neoliberalen abgestraft werden, indem ihre Follower Lucke und Olaf Henkel anhimmeln?! Das Hirn in ihrer Cervelatwurst rät Ihnen dringend zu einem Upgrade.

Man müsste sich glatt Gedanken machen, ob die gedungenen Analysten dieses Kopfschmerzkinos, die in den Sendern und Redaktionen noch so tun müssen, als sei das alles wirklich Wirklichkeit, nicht Anspruch auf Schadenersatz hätten, aber sie werden ja gemeinhin mit einem ordentlichen Schmerzensgeld geschmiert und haben dem Affenzirkus so oft zugestimmt, dass wohl die andere Befürchtung zutrifft: Sie nehmen das immer noch ernst. Allerdings sollte der Bundesrechnungshof schnellstens dafür Sorge tragen, dass an Maniacs wie Claus Kleber nicht noch Millionen verpulvert werden für einen Wirrwahn, den der Mann auch ganz von allein auswirft, weil er eben so tickt.

Irre geworden

Aua. Habe ich da eben gefordert, kein Geld zu verschwenden? Was bin ich doch für eine Bürgerliche Fotze©. Nein, besser wäre es wohl, ihm Milliarden in den geschulten Mundgeruch zu werfen. Vielleicht – eine klitzekleine Hoffnung hätte ich da – merkte dann jemand etwas. Aber ich bin schon wieder viel zu weit abgeschwiffen. Oder nicht? Bleiben wir noch ein gemütliches Momentchen beim Geld, seinem Fetisch und der flüssigen Macht. “I’ve Had Enough” heißt ein Stück Populärmusike, in dem ein irrer junger Mann seine fortgeschrittene Schizophrenie feiert und zu dem wahrlich verrückten Schluss kommt – nur um die Winzigkeit eines Buchstabens hier abgewandelt: “There’s a Billionaire above you – and you’re under his Suspicion“*. Das kann uns in der besten aller freiheitlich gewählten Demokratien ja nicht passieren.

p.s.:
*Die Übersetzung des Originals “There’s a Millionaire above you – and you’re under his Suspicion“: Es gibt einen Millionär über dir, und du stehst unter seinem Verdacht. Die Variante spielt mit dem Umstand, dass “you” auch Plural sein kann: Es gibt einen Milliardär über uns, und wir stehen unter seinem Verdacht. Finden Sie die Verschwörungstheorie und lesen Sie das Parteiprogramm von 1989 Ihrem Wahlkampfleiter vorsichtig vor!

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