ratrace

Nur kein Neid! Ich schmeiße ungern Dinge weg, die noch nicht endgültig unbrauchbar sind, und obwohl es mich zum Erbrechen nervt, Mäuse zu reparieren, weil es meist eh schiefgeht und beim Versuch immer irgend ein winziger Plastikzapfen zu Sollbruch geht oder dergleichen, meide ich diese Arbeit. Nun gibt es aber diese Teile nicht mehr, weil es der Firma Billyboy so gefällt. Es hat eben nicht gereicht, dass die Schalter nach einer Weile ständig doppelklicken oder hängenbleiben. In diesem Preissegment durfte es so etwas nicht geben. Also wurde gemodelt, umbenannt und eingestellt. Die Kohle, die man für gebrauchte dieses Modells inzwischen verlangt, ist eine Absurdität.

Aber so ist das halt. Warum ist eigentlich noch keiner auf die Idee gekommen, das für echte Haustiere auch so einzustielen? Hamster sind zu billig und Hunde leben zu lange. Da muss was gehen! Ein Bisnisplan muss mehr, kein Problem: Zielgruppe: das, was nach Hipster kommt, also unkritisches genormtes Volk, das sich über Äußerlichkeiten definiert und absolut Konsum- sowie normfähig bliebt. Mittelschichtsberufsjugendliche, die jeden Dreck kaufen, wenn sie sich dann für etwas halten dürfen. Die keine Gadgets mehr finden, die ihnen noch Identität spenden.

Das neue Bio

Denen dreht man die neuen Produkte an: Ein Freund ohne Ansprüche. Dose Futter, einmal am Tag ein paar paar Meter kacken, dafür schönes Fell, weiße Zähne und kurzes Haltbarkeitsdatum. Sagen wir drei Jahre, höchstens, dann muss ein neuer her. Rock'n Roll Hund zwonull, the best die young, yolo lol kewl. Spart ganz nebenbei die Last, das Viech mitnehmen zu müssen, wenn man eh alle paar Jahre umzieht. Der Trend geht zum Jahreshund, kaum gebraucht und hält sicher noch übern nächsten Frühling.

Wo wir dabei sind: Ist Jürgen Marcus eigentlich auch tot? Fallen ja um wie die Fliegen, diese Barden. Ich hätte besser nicht über Troubadix schreiben sollen, ja sicher! Warum Jürgen Marcus? Weil der doch immer sung: "Eine neue Leber wäre mir jetzt lieber". Gebrauchtteilehandel, da geht doch sicher auch noch was. Nein, ich meine jetzt keinen ordinairen Organhandel, der ist ja verboten. Leihorgane! Du kriegst das Ding nach ein zwei Jahren wieder, man macht einfach einen Ringtausch gegen Credits oder so. Da haben doch alle was von!

Okay, ich geb's zu: Mir geht diese düstere Schaumschlägerzeit einfach auf die Eier und ich suche Mitleid. Das findet man am sichersten, indem man andere mit leiden lässt. Yeah baby, let it trickle down!

 
mon

Dieses Jahr war anders. Anders scheiße. Dermaßen, dass ich diesmal auch ein bisschen zurückblicke, durchaus auch im Zorn. Nicht zornig, vielmehr zustimmend, zwischen Nicken und Schmunzeln, lese ich einen Beitrag, den ich so ähnlich geschrieben hätte, wenngeich der Matussek mir in dem Zusammenhang nicht eingefallen wäre. Ja, der Matussek ... ein Bot, das habe ich allerdings auch schon gewusst. Erinnert euch, ich habe Lanz entlarvt. Der Mattussek also auch.

Verschwörungsspinner

"Verschwörungstheorien", vor allem in Form des dumpfen Vorwurfs, haben das Jahr allerdings geprägt. Hier hat das sogar zu einer eigenen Kategorie geführt. Wir werden dran bleiben. Ansonsten war dieses Jahr des Kalten Krieges das 25. Nach dem "Mauerfall". Grund genug sich zu erinnern, dass alles Böse aus dem Osten kommt und im Kommunismus® endet, also in Moskau. Beides Böse®. Man könnte das ggf. umlabeln, allerdings vermutlich nicht lange. Ein dem Westen wohl gesonnener Milliardär als Staatschef und zur Korruptionsbekämpfung ein paar Investmentbänker des Guten® in der Regierung, dann kann sogar aus Moskau noch etwas werden. Hat in der Westrestukraine ja auch geklappt.

An dieser Stelle muss freilich ein Haftungsausschluss stattfinden. Der Herr Poroschenko, ein von Selbstlosigkeit und Menschenfreundschaft gezeichneter Schokoladenfabrikant, ist der beste Freund, den sich irgendwer vorstellen kann. Wir kennen aber die Verführungskünste der Hure Russland, denen zu erliegen ihm im Fadenkreuz des Finstren jederzeit droht. Wer weiß; vielleicht erweist auch er sich eines Tages als Hurenbock des Bösen, und wir müssen unsere Freiheit am Dnepr auch gegen ihn verteidigen.

Der Prekar ist geduldig

Was war noch? 10 Jahre Hartz IV, aka "Probleme lösen, Menschen stärken, Existenzen sichern, Chancen bieten, Zukunft planen, Ziele setzen, Geduld haben, Wege finden, Mut machen, Hoffnung geben." Ja, der Große Bruder liebt Weihnachtskarten. Wie war das noch mit dem großen Plan? Die Profite tendieren gegen Null? Nur Mut¹, all die Menschen², deren Existenzen³ in Industrie und Handel gefährdet sind, haben wieder Hoffnung⁴. Chancengerechtigkeit® ist das Zauberwort, deine Chance⁵ auf Profit ist da, da muss der Prekar halt mal Geduld⁶ haben und Lotto spielen, wenn er je wieder über die Runden kommen will. Die Zukunft⁷ ist der Niedriglohn, der Weg⁸ dorthin Sozialabbau, dieses Ziel⁹ längst erreicht.

Und die Profite? Oops. Das reicht ja immer noch nicht. Na dann: Alles muss raus! Kauft griechische Inseln, Elektrizitätswerke, Wasserwerke, Bahnhöfe, und wenn ihr seht, dass es dann vorbei ist mit dem Wachstum®, seid ihr nur phantasielos. Man kann noch viel mehr kaufen und verkaufen. Das Ereignisfach. Spielbrett und Figuren. Die Nieren des Gegners. Seine Mutter, die Erde, Feuer, Luft (Wasser hatten wir doppelt, das müssen wir abziehen). Gott, Engel, Teufel, die verfickte dunkle Materie. Ihr glaubt, Kapitalismus sei endlich? Frevler, Dummköpfe, linke Spinner!

 
bushoba

Das Interview mit Murat Kurnaz sollte zunächst jeder(r) gelesen oder gehört haben (trotz JavaScripthölle). Ich bin zwar nicht begeistert von der Interviewführung, die durch bemüht flapsige Bemerkungen die Unsicherheit des Interviewers schlecht kaschieren, aber Kurnaz gibt hier einen tiefen Einblick in das, was "Folter" bedeutet. hier und heute, von Menschenschindern, die unsere politischen Funktionäre ihre "Freunde" nennen.

Es ist ein Beispiel für etwas, das man offenbar erst begreift, wenn es Geschichte ist. Ist es Geschichte, kann man es aufarbeiten, bewerten, moralisch wie politisch. Man kann den großen Zusammenhang analysieren und Beispiele darin einordnen. Als aktuelles Beispiel bleibt es abstrakt, obwohl oder weil es so konkret ist. Das muss ich erklären:

Ein Beispiel ist nicht das Ganze, es ist immer nur ein Teil des Ganzen, aus dem Zusammenhang gerissen (abstrahere=wegziehen, wegreißen, entfernen, trennen). Dennoch veranschaulicht es das Ganze. Das Beispiel ist für den Betroffenen absolut konkret, es ist ein Bericht aus seiner Welt. Sein Erleben in seinem Leben, seine Erfahrung mit dem Ganzen. Für Außenstehende ist es nur eines von vielen; es gibt auch anderes Leben und Erleben in diesem Ganzen.

2014

Wir sprechen von Folter. Folter existiert. Es gibt Schinder, Befehlshaber und Rechtsgebilde, die Folter organisieren und durchführen. Die vorgeblichen "Rechtsstaaten" der NATO organisieren Folter, die sich von der des Mittelalters vor allem durch eine Ästhetik unterscheiden. Der Gefolterte soll möglichst unbeschädigt aussehen, das ist der große Unterschied, der die Techniken bestimmt. Folter findet nicht auf dem Marktplatz statt, zur Abschreckung, sondern im Geheimen.

Folter und (durch Folter begangener) Mord werden ausgeführt im Auftrag jener Staaten, die beides ausdrücklich ächten. Es werden Verträge geschlossen, die gegen ihre eigene Grundlage verstoßen, und zwar zivilrechtlich wie die Strafen betreffend. "Strafrechtlich" kann man hier nicht mehr sagen, denn der Folter- und Mordapparat stellt sich außerhalb jeden Rechts. Er stell sich sogar noch außerhalb der Vereinbarungen, die für den Kriegsfall die schlimmste Barbarei verhindern soll.

Darüber zu sprechen ist beinahe unmöglich, weil es eben kaum konkretisierbar ist. Es gibt kein Medium, in dem das Ganze erfassbar ist und gleichzeitig der Fall. Dieses Medium bedürfte einer Atmosphäre, einer Geisteshaltung, eines Diskurses, der in den betroffenen Gesellschaften nicht vorherrscht. Ich halte es für meine Aufgabe, eine solche Atmosphäre zu schaffen. Darüber hinaus sollten wir zusehen, dass die Beispiele wahrgenommen werden. Vielleicht entsteht daraus das Bedürfnis, sie zu begreifen.

p.s.: Hier ist noch ein Beispiel. Allmählich sollte da niemand mehr wegschauen können.

Update:

tort

Thanks to Jen Sorensen
via DaMax.

 
lunat

Das Niveau journalistischer Produkte sinkt ins ewig Finstre, umso schneller, je mehr die Journaille auf ihre angebliche Qualität pocht oder ihren neuen Feind bekämpft, den Kommentator. Reflexhaft wird da ein Totschläger aus jenem bösen "Internet" geschwungen, das sonst doch immer Unrecht hat, der Vorwurf der "Verschwörungstheorie", der auf alles angewendet wird, was nicht passt, von der rein sachlichen Kritik bis zum alkoholisierten Rant. Differenzieren ist nicht ihre Domäne, "im Internet" ist alles dasselbe.

Zwei Beispiele allein aus den letzten Tagen für die Vorwärtsverteidigung einer ruinierten Zunft, die exakt auf dem Niveau von Trollen angekommen ist. Blindwütige frei erfundene Vorwürfe, genau die Form der Projektion, für die man hier aus den Kommetaren fliegt:
Anna Prizkau sieht nur irre Verschwörer am Werk, "wo solche Geschichten immer stehen, im Internet". Fehlt nur die Warnung vor Schreibtischen, wo so etwas ja immer geschrieben wird.

Katja Thorwarth kann gleich ganz faktenfrei und stellt fest, dass jemand, der zwei flugs eingebürgerte Manager von Goldman Sachs in der Ukrainischen Regierung anrüchig findet, ja nur ein Paranoiker sein kann. Ich muss dazu nichts sagen; diese Texte richten sich selbst. Hätten sie doch nur verstanden, dass man so etwas besser nicht ins Internet stellt. Nun stellt sich in der Tat die Frage:

Warum tendiert eine so große Zahl von Journalisten, die sich nur auf ihre ‘Freiheit’ berufen, auf eigenes Risiko zu publizieren, dahin, ganz spontan und ohne Zwang immer wieder eine Weltauffassung zu reproduzieren, die sich innerhalb der selben ideologischen Kategorien bewegt? Warum verwenden sie immer wieder ein so eingeschränktes Repertoire innerhalb des ideologischen Feldes?

Stuart Hall, zitiert nach Burks.

Die einfachen Antworten darauf vermuten tatsächlich Verschwörungen. Sie sind angesichts der (atlantisch dominierten) Zirkel von Adabeis und der Hierarchien einer Medienindustrie auch nachvollziehbar, aber zu einfach und daher eben falsch. Allerdings ist der journalistische Reflex, sich immer gegen das Dümmste zu richten, das der vermeintliche Feind in Stellung bringt, ein Offenbarungseid. Argumentieren ist das nicht mehr.

Es gibt viele Thesen zu bilden, und ich werde mich jedenfalls demnächst näher mit Stuart Hall befassen. Derzeit umschmeichelt mich die Ahnung, dass Kompetenzen wie Intelligenz, Trotz, Mut und Neugier, die zu einer kritischen Haltung befähigen, nicht nur in der Schule, sondern danach noch einmal sehr effektiv im System Journalismus ausgesiebt werden. Warum sollte es dort auch anders sein als in den meisten anderen Branchen? Welchen Stellenwert jene Talente haben, die zur Selbstkritik und zu umsichtiger Auswertung von Fakten befähigen, lässt sich an ihren 'Argumentationen' jedenfalls deutlich ablesen.

Dabei sind zwei Tendenzen erkennbar, die sich vermutlich fatal auswirken. Erstens ein aus dem politischen Establishment eingesickertes Freund/-Feind-Denken. Wer nicht für sie ist, ist gegen sie. Der Ton wird aggressiver, die Urteile schnell und ohne Anhören der Gegenpartei gefällt. Dies im Verbund mit zweitens der immer noch gepflegten Überheblichkeit, sie, die Qualitätsjournalisten, hätten stellvertretend für alle anderen das alleinige Recht, Nachrichten zu bewerten, atmet den Geist der Diktatur, ohne dass jemand Befehle geben muss.

Dass die Konsumenten ihnen allmählich dieses Recht streitig machen, aus besserem Wissen, Unbehagen, Unsicherheit oder Enttäuschung, können sie nicht akzeptieren. Wie herrlich einfach ist es dann doch, die bizarrsten Meinungen der Enttäuschten ans Licht zu zerren und ihren unbeholfenen Widerspruch bloßzustellen. Im nächsten Schritt wird jede Kritik darauf reduziert. Mit berechtigter Kritik, die jederzeit auch zu finden wäre, muss man sich dann nicht mehr befassen. So sehen Sieger aus.

 

qui ipsorum lingua celtae, nostra galli appellantur

In der Sprache der Kelten hießen die Kelten "Kelten". Die Römer nannten sie "Galli", was heute und hier wiederum "Gallier" genannt wird. Sie hießen so in der Sprache der Imperialisten und ihres Feldherrn, jenes Aggressors, der später erster "Caesar" werden sollte und die Ära der Gottkaiser des Römischen Reiches begründete. Warum also heißt es dann "Asterix der Gallier" und nicht "der Kelte"? Schon im Titel zeigt sich die unkritische bis zustimmend reaktionäre Haltung der Autoren und ihrer Leser.

Aber es kommt noch dicker. Rassistisch, frauenfeindlich, ethnozentrisch - die "Asterix"-Comics sind alles, was an politisch widerwärtigen Attributen zu vergeben ist. Man sehe sich nur den einzigen Schwarzen an, der regelmäßig erscheint. Er ist der Einzige, der nicht anständig sprechen kann. Dabei stünde ihm mit seinem Kameraden auf dem Piratenschiff der einzige Mann zur Seite, der Lateinisch spricht - einschließlich der Römer!

Die Frauenfiguren nehmen, wie es sich in einem patriarchalischen Paradies gehört, kleine Nebenrollen ein. Die Frau des Chefs ist eine und heißt "Gutemine". Die Frau des Fischhändlers(!), "Jellosubmarine" zankt sich ständig mit ihr, das ist alles, was wir von ihnen erwarten dürfen. Der Dorfälteste hält sich derweil eine junge Blondine mit Modelmaßen, die gar nicht erst einen Namen trägt. Die anderen Frauen im Dorf schweigen. Die Protagonisten geben sich erst gar nicht mit welchen ab, bekennen sich aber auch nicht zur Homosexualität, sondern gaukeln asexuelle 'Männerfreundschhaft' vor.

Eine Schande für alle Linken

Die männliche Figur, der es nicht nur um Prügeln und Fressen geht wie den "Helden" dieser Saga, der Barde "Troubadix", wird stets am Ende des "Abenteuers" zusammengeschlagen und gefesselt, um zusehen zu müssen, wie alle anderen ein Gelage feiern. Die ganze Reihe ist eine Ode auf Dummheit, Gewalt und die Herrschaft chauvinistischer weißer Männer. Dabei geriert sie sich vordergründig antiimperialistisch, denn schließlich ist es ja das große Rom, gegen das Klein-Gallien sich wehren muss.

Wem es um eine Kultur der Gerechtigkeit geht, wer will, dass Werte wie Geschlechtergerechtigkeit, Völkerverständigung und eine humane Kultur ohne patriarchale Bevormundung vorangebracht werden, muss sich dafür einsetzen, dass derartiger Schund keine weitere Verbreitung findet. Wahre Linke kennen keine Toleranz gegenüber dem Gedankengut der Unterdrückung, schon gar nicht als scheinbar harmloser Comic.

Die anderen werden es wie das Leben und den Rest des Universums mit Fassung tragen und womöglich auf Ressourcen wie Humor und Ironie zurückgreifen, die schon immer der Feind revolutionären Fortschritts waren.

Originalbild: Uderzo

 
bb

Originalbild: Barbara Klemm

Die Machenschaften in Putins Imperium, wie Europas investigativstes Nachrichtenmagazin neulich vor dem Hintergrund systematischen Dopings im Sport so trefflich formulierte, sie werden immer schlimmer. Der kriegslüsterne Fürst des Ostens regiert mit eiskalter eisenharter Hand und beruft sich dabei auch noch auf westlichen Rat!

Unter der Knute des ehemaligen KGB-Agenten ist das Land tief gespalten. Wenige Reiche stehen einem Volk gegenüber, das immer ärmer wird. Schuld sind angeblich jene EU-Staaten, die gut wirtschaften. Ausgerechnet Frau Dr. Merkel habe diese Politik verlangt! Es herrscht allenthalben Korruption. Putins Regime ist mit absoluter Mehrheit an der Macht, obwohl das Volk überall murrt und aufbegehrt. Seltsam! Ganze Regionen wollen sich lossagen vom Zentralstaat. Der aber lässt Volksabstimmungen nicht zu, wo es ihm nicht in den Kram passt.

Das Maß ist voll, Herr Putin!

Obwohl die staatlichen und privaten Medien, die zutiefst verflilzt sind mit einem Kartell aus politischen Funktionären und privaten Profitinteressen, in ihrer Berichterstattung entweder schweigen oder abwiegeln, gehen immer öfter immer mehr Menschen auf die Straße, um gegen Korruption und Armut zu demonstrieren. Sie wollen nicht länger unter Putins wirtschaftlicher Inkompetenz leiden, der von den Armen nimmt und den Reichen gibt.

Aber jetzt ist Schluss mit Demonstrieren. Ein aberwitziges Paket neuer Gesetze wird Demonstranten bestrafen, die wie bisher ihrem Unmut Luft machen wollen. Der Trick des Diktators: Protestler sollen wirtschaftlich ruiniert werden. Bis zu 600 000 Euro werden bei Verstößen gegen das neue Demonstrationsrecht fällig. Dieser Höchstbetrag dürfte nach den Regeln des russischen Unrechtsstaats eher die Regel sein. Wenn es dem Regime gefällt, sind bestimmte Schauplätze verboten und Verstöße werden drastisch betraft. Auch reichen drei Bagatellverstöße gegen das Versammlungsunrecht, um den Rest seines Leben dafür zu büßen.

Das Schlimmste: Künftig dürfen Polizisten vor Ort ohne Richter oder Anwalt gnadenlos abkassieren. Das ist ausdrücklich so gewollt, um die Menschen zum Schweigen zu bringen, denn zuletzt wurde immer wieder bekannt, dass Polizisten Falschaussagen gemacht haben. Wer jetzt immer noch nicht einsieht, dass Putins Russland ein furchtbarer Terrorstaat ist, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen. Madrid muss endlich von diesem Despoten befreit werden, die Sanktionen können gar nicht scharf genug sein.

 
green

Wie verflochten die Probleme sind in einer Welt, in der aus Geld ständig mehr Geld gemacht werden muss, zeigt sich sehr deutlich an der Entwicklung im journalistischen bzw. publizistischen Bereich. Besonders der Umgang mit dem Publikum, Diskussion und Debatte, offenbaren die Entwicklung einer Spirale, auf der sich die Qualität des Journalismus Richtung Nirwana bewegt.

Wir haben durch das Internet einen immensen wirtschaftlichen Druck auf die Verlage, schon allein weil es nicht mehr nötig ist, Zeitungen aus Papier zu lesen. Der Einbruch bei den Einnahmen von Abonnenten und Anzeigenkunden kann nicht aufgefangen werden. In der Folge werden Journalisten entlassen oder – schlimmer noch für die Qualität – so schlecht bezahlt, dass sie sich den Luxus von Recherche und Gründlichkeit nicht mehr leisten können. Zudem sitzt allen die Angst im Nacken, den Job zu verlieren. Das fördert nicht gerade den Mut zur Kritik.

Nachtbereitschaft?

Eine der Errungenschaften des Internets ist die Möglichkeit für Publizisten, mit ihren Lesern in Kontakt zu treten. Das ist die Domäne der Blogger, die aus Leidenschaft schreiben und ihrer Leserschaft für die Diskussion als Autoren zur Verfügung stehen. Eine solche Möglichkeit haben die Verlage nicht. Alles, was sie bislang in dieser Richtung getan haben, ist nicht zu ihrer Zufriedenheit ausgefallen, so dass sie zunehmend lieber auf die Diskussion verzichten.

Wie auch immer dies ein Armutszeugnis für die betreffenden Redaktionen ist, so steht dahinter aber auch ein Problem, das unter den gegebenen Umständen nicht lösbar ist: Man kann nämlich niemanden bezahlen für die Arbeit, die Blogger ganz selbstverständlich leisten. Die Zeitspanne, in der Blogger ihre Blogs betreuen, wäre schon als Bereitschaftsdienst unfinanzierbar. Der Aufwand, den die Diskussion bedeutet, kann nicht zur Arbeitszeit werden.

Andererseits kann es auch nicht hingenommen werden, dass Journalisten sich bereit erklären, 24/7 für ihre Verlage im Einsatz zu sein. Schon die Betreuung von Diskussionen als Job im Job würde entweder die Kassen sprengen oder bedeuten, dass solche Autoren für einen sittenwidrigen Stundenlohn arbeiten. Dieser würde wiederum Druck auf die Gehälter des ganzen Standes bewirken. Im Kapitalismus vulgo Marktwirtschaft® ist ein wirklich interaktiver Journalismus nicht organisierbar.

Kapitalismus ohne Markt®

Blogger können also von ihrer Arbeit niemals leben, wenn sie denn ernsthaft welche sind und sich der Diskussion stellen. Das geht nämlich nicht ein bis zwei Stunden täglich, sondern es erfordert eine Dauerpräsenz, auch wenn man nur sporadisch die Diskussion aufruft. Gerade wenn eine solche aber lebhaft läuft, kann man nicht Feierabend machen, schon gar nicht regelmäßig. Modelle, die das Beste beider Welten versucht haben – in der Regel durch roboterhafte Moderation, freie Fahrt für freie Trolle oder Praktikanten im Tageseinsatz, sind kläglich gescheitert.

Hier ist eine weitere Tätigkeit, für die Bedarf besteht, die aber eben nicht verwertbar ist und ihren Akteuren daher nicht das Brot zum Essen einbringt. Wir haben hier eigentlich alles, was Markt® angeblich ausmacht: Angebot, Nachfrage und Produktion. Aber alles, was die Produzierenden in diesem System einfahren, sind Almosen oder Einnahmen aus Werbung, die wiederum alles konterkariert, wofür diese Form des Publizierens steht - und obendrein auch kaum etwas einbringt.

p.s.: Für die Unterstützung meiner Arbeit möchte ich mich bei dieser Gelegenheit wieder einmal herzlich bei allen großzügigen Spender/innen bedanken.

 
Ich möchte hier eine Diskussion aufgreifen, die Pantoufle bei sich angeleiert hat und mit einem Zitat von ihm anheben:

Niemand ist gezwungen, dem Geschrei eines Ken Jebsen zu lauschen so wenig wie denen hysterisch kreischender Blogs und Netzwerke. Dort sitzt die eigentliche Minderheit, die Stimmen, die niemand ohne rot zu werden zitieren mag

In der Diskussion dazu habe ich folgendes gesagt:

"Ich finde Jebsen unerträglich, und es bedarf keiner Kampagnen, um seine Texte ihrer Tendenzen zu überführen. Er arbeitet permanent mit Assoziationen, an die sich alles Mögliche hängen lässt, in denen auch Neonazis finden, was sie gern hören. Das ist die primäre Technik von Demagogen, dass sie mehrdeutig bleiben, es ist die von Trollen, derart Aufmerksamkeit zu erregen und eine Diskussion in die Endlosschleife zu schicken, weil sie nicht eindeutig Position beziehen.

Überreden, über Reden reden

Ich will daher (und werde es auch nicht) hier nicht über Jebsen diskutieren(!), sondern diese strategische ‘Offenheit’ auf die sogenannten “Friedensdemos” beziehen. Sie sind genauso abstrakt wie das Gelaber der Demagogen. Die großen Friedensdemos und -Aktivitäten wie oben [Siehe Artikel in der "Schrottpresse"] benannt, hatten konkrete Anlässe und Ziele. Ende der Irakkriege, Ende des Wettrüstens, gegen den NATO-Doppelbeschluss. Da kann man ganz klar sagen: Ich will das jetzt und das jetzt nicht. Dann geht man hin oder lässt es. Aber irgendwie für Frieden sein, irgendwie gegen irgendeinen Kapitalismus, dann halt auch gegen Wucherer und Israelis und dann doch wieder jüdische Politiker und Bänker, das ist Bullshit. Einen Pudding muss niemand spalten.

Wenn ich jemandes Meinung hören will und sie (weiter) publizieren, dann weil sie mir etwas sagt, ich etwas daraus lernen kann, sie konkret ablehne oder befürworte. Die Trolle, die ewig durch die Diskussionen gerollt werden, bringen nichts auf die Beine und kein Denken oder Tun weiter. Ihre größten Kompetenzen sind ihre Eitelkeit und ihr Talent, Ablehnung zu provozieren, aus deren Ablehnung sie ihren Zuspruch beziehen. Das braucht kein Mensch.
Also meine Bitte: Formuliert konkrete Forderungen und Ziele, wenn ihr etwas bewegen wollt. Dann spart man sich das Gekeile um die Frage, was solche B-Promis eigentlich meinen und was nicht.".

Hier kommen einige Dinge zusammen, die es wert sind, einmal verdichtet formuliert zu werden. Wie auf allen Ebenen in politischen Auseinandersetzungen wird zuerst einmal personalisiert, was ich immer sehr bedauerlich finde. Ich möchte mich mit Inhalten befassen; für mich heißt "Meinung" so, weil es meine ist. Ich habe sie nicht geliehen oder kopiert, und ich will mich auch nicht mit Leihmeinungen befassen. Leider bilden sich aber ständig Gruppen, die sich einer Meinungsführerschaft anschließen.

Leihmeinungen

Jemand hört eine Rede, die ihn überzeugt und lobt den Redner. Prompt kommt ein anderer und sagt: Der Mann ist schlecht, den kannst du nicht zitieren. Reflexhaft wird sich dann verteidigt, und schon bilden sich Fronten. Das gelingt wie gesagt am besten nicht durch kluge Reden, sondern durch demagogische. Man muss sich aber nicht schämen, jemandes Rede gut gefunden zu haben, der sich als Hanswurst entpuppt. Hört auf euch mit Großmäulern zu identifizieren! Ich selbst bin einmal auf Peer Steinbrück hereingefallen, no shit. Ich habe ihn aber nie verteidigen müssen, denn dass einer ein Lügner ist, kann immer sein.

Ich halte schließlich dagegen, dass in Blogs außer Trollen und "Liken" nichts gewesen ist. Im Gegenteil werden sich zwar immer jene Halbhirne die Kelle geben, die sich nie langweilen, weil für sie mangels Möblierung im Oberstübchen jede Runde die erste ist. Der Rest wird auf die Dauer aber weiterziehen. Vielleicht sind es wenige, die sich weiterentwickeln wollen, aber die werden sicher ihre Plätzchen finden, an denen echte Diskussionen stattfinden. Wo nicht, werden halt Clubfähnchen geschwenkt. Die halten aber weder Geist noch Hunger auf. So what?

 
pling

Die Mehrheit der Deutschen habe Probleme mit der Linkspartei und einem Ministerpräsidenten aus deren Reihen, weil diese sich nicht von der DDR-Vergangenheit gelöst habe, so lese ich und lese ich, bis ich es auswendig kann. Es ist müßig, sich immer und immer wieder selbst zu wiederholen, aber noch einmal: Was ist das für ein hohles Selbstverständnis, wenn die Herrscher der Öffentlichkeit nicht einmal mehr erwägen, dass solche 'Meinungen' mit dem zu tun haben, was die Gefragten zuvor gehört und gelesen haben?

Hier ist der erste Schritt zur Wissenschaft entscheidend: Das wissen-Wollen, das unmittelbar zum Fragen führt, zum Nachfragen nämlich. Wenn ich wissen will, wie die Probanden zu ihrer Einstellung kommen, wenn ich wissen will, ob sie da vielleicht einfach etwas nachplappern oder ankreuzen, was man ihnen zuvor förmlich eingetrichtert hat, frage ich nach. Ich prüfe, ob sie überhaupt verstehen, was sie da sagen. Einfache Frage: Inwiefern hat sich da wer von seiner DDR-Vergangenheit nicht gelöst? Worin zeigt sich das? Wetten, da kommt nur heiße Luft mit Mundgeruch?

Ewig hallt die Grotte

Oder anders: Was hat Bodo Ramelow denn in der DDR so gemacht? Ich wäre auf die Antworten nur zu gespannt, denn Ramelow war Bürger der BRD. So einfach ist Wissenschaft. Wissenschaft, da bin ich mir sogar mit meinem Erzgegner Popper einig, ist zuerst die Kunst des Ausschlusses. "Falsifikation" heißt das. Man stellt fest, ob etwas falsch ist, die Wahrheit muss sich dann woanders befinden. Ich versuche also Aussagen, die ich zu veröffentlichen drohe, ihrer Falschheit zu überführen. Wenn mir das gelingt, halte ich die Klappe.

Nicht so die Presse und ihr Widerhall Zwo Null. Seit Wochen lese ich jeden Tag Aussagen von Fachexperten der neoliberalen Konkurrenz, den Stuss über eine DDR-Vergangenheit; die alten Lügen, die noch 25 Jahre 'danach' verschweigen, wo die Stalinisten der Ost-CDU, der Bauernpartei und der LDPD zum Beispiel alle geblieben sind. Kein Wort davon. Dafür wird ein alter Sozialdemokrat zum SED-Büttel verklärt, als seien wir wieder in den Sechzigern. Und nachdem also dieser Quatsch täglich verbreitet wurde in dieser Republik der Wendehälse im Kanzler- und Präsidentenamt, dieser aschhkalten Ära von Kommunistenfeinden und Russenhassern, da wird er wieder eingeholt und als 'Meinung' verkauft. Das macht mich nur noch müde. Unendlich müde.

 
screws

Neulich schrieb ich, es werde einsam. Gemeint war damit die Einsicht, dass linke Blogs und Publizisten demselben Niveauverlust anheimfallen wie die allgemeine politische Geschwätzigkeit. Es scheint nur mehr wichtig zu sein, sich irgendwie zu äußern, seine Meinung zu wiederholen oder abstrakte Statements abzugeben, anstatt zu analysieren, sich zu streiten und nach anderen Lösungen zu suchen als denen, die seit Jahrzehnten nichts taugen.

Ich muss hier einmal kurz den Begriff "abstrakt" erläutern, denn er ist wichtig in der Debatte: Eine abstrakte Äußerung ist eine, die ohne Zusammenhang ist. 'Meinungen', die unter jeden Text passen, Phrasensammlungen, die zu jedem Thema abgegeben werden können. Abstrakte Beiträge gehen nicht auf konkrete Probleme ein und scheuen die exakte Analyse, sie konfrontieren die Lösung nicht mit der Erfahrung oder dem Problem. Hier ein Beispiel:

"Wie sich im Zweiten Weltkrieg gezeigt hat, sind die Russen ein überaus leidensfähiges Volk. Aber aufgrund der Sanktionen und der Hetze der westlichen Politiker und ihrer Medien hat der Nationalismus im Land inzwischen stark zugenommen."

Diese Russen ...

Der erste Satz ist so ein dummes Klischee, dass es für Lehrbücher taugt. Das abstrakte Geschwätz entzieht sich jeder Nachfrage: Inwiefern hat es sich "im Zweiten Weltkrieg gezeigt"? Was davon ist auf die heutige Situation übertragbar? Was ist dabei spezifisch für "die Russen"; da es damals die Sowjetunion war, die von den Nazis überfallen wurde - gilt das auch für die anderen betroffenen Völker der SU? Was genau bedeutet "leidensfähig"? Was wäre anders gewesen, wären "die Russen" nicht "überaus leidensfähig" gewesen? Nichts in diesem Satz hat irgend einen Bezug zur Realität.

Der nächste Satz ist nicht besser. Es beginnt schon damit, dass eine Überprüfung des Wahrheitsgehaltes kaum möglich ist. Inwiefern hat "der Nationalismus stark zugenommen"? Woran ist das erkennbar? Wie ist der zeitliche Ablauf dieser Zunahme? Woran erkennt man, dass "die Sanktionen" und die "Hetze" dafür ursächlich sind? Schließlich: Selbst wenn belegbar wäre, dass ein Nationalismus zugenommen hätte, wie sind dann die Ursachen (Sanktionen/Hetze) zu isolieren, wie kann man andere Ursachen ausschließen?

Hier wird eine Behauptung an die andere gereiht, mit großem Tamtan, ohne dass Belege dafür auch nur denkbar sind. Ich bin nicht gegen Behauptungen, die nicht alle einzeln belegt werden, das geht in der Debatte auch gar nicht, aber sie müssen zumindest belegbar sein. Wenn sie hingegen erkennen lassen, dass ein solcher Beleg gar nicht erbracht werden soll, sondern jemand hier einfach sein Weltbild ausrollt und auf Zustimmung hofft, ist das genau die blöde Propaganda, die die Rechten jederzeit besser bedienen.

Ich könnte den ganzen Text derart zersägen, aber wer will so etwas lesen? Ich komme daher zum Lösungsvorschlag von der Resterampe, die das Gros linker Reformer beliefert, jenes unerträgliche "Man müsste nur" und den täglich dümmer werdenden Glauben, es seien Personen, die für die Weltlage verantwortlich seien:

Charismatische Führer

"Ich habe in meinem Buch geschrieben, dass ich den USA Politiker wünsche, die endlich einmal das eigene Land als Interventionsfall erkennen. [...]
Den Staaten Europas wünsche ich vor allem fähigere Politiker, Persönlichkeiten nämlich, die sich nicht in die verhängnisvolle Politik der US-Eliten einbinden lassen, sondern sich stattdessen auf die Souveränität ihrer Staaten besinnen und die Interessen der Bevölkerung in den Blick nehmen.
"

Das eigene Land, die Souveränität des Staates und fähige Politiker gibt es bei Wünschdirwas, und dann wird alles gut. Er wünscht sich vor allem eine Welt, in der seine Helden die Geschicke bestimmen. Ich hätte da ein paar Beispiele für solche Helden:

Schröder/Fischer, die ihren Souverän zur Plünderung freigegeben haben und ihre Arbeiterwähler versklaven ließen. Obama, der Friedensengel, der so viele Kriege führt wie keiner vor ihm. Hollande, der mit furchterregender Reichensteuer anhob und bei neoliberalen 'Reformen' landete. Gabriel, der als TTIP-Gegner seine Partei so lange Konvent spielen lässt, bis der endlich TTIP zustimmt. Die Liste lässt sich bei vermeintlich fähigen Politikern mit guten Absichten verlängern, bis die Rolle voll ist. Na ja, man kann auch standhaft bleiben wie Herr Lafontaine, der "gefährlichste Mann Europas", "Populist" und Zerstörer der Marktwirtschaft.

Wer da kein Muster erkennt, will nicht. Wer da nicht fragt, wie die Macht tatsächlich wirkt, ist entweder zu dumm oder hat andere Gründe, sich nicht damit zu befassen. Wer das Austauschen von Personen oder das Wirken eines Willens als Lösung für politische und wirtschaftliche Probleme vorschlägt, sollte besser zum fliegenden Spaghettimonster beten, das macht wenigstens Spaß. So ein Stuss wie da oben zitiert, bettelt jedenfalls nur um Ohrfeigen.

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