Es bleibt schwierig für den Chronisten; ganz unmöglich wird es, will er Relevantes berichten. Aus dem Dschungel der Beliebigkeit täglich frische Blumen zu schneiden, ist schon eine bescheuerte Metapher. Wer wollte daraus auch noch einen Job machen? Von daher heute eine Momentaufnahme dessen, worüber ich vor Jahren noch zu schreiben gewusst hätte:

Regierungsbefähigungsbescheinigung

Irgendein SPD-Vorderbänkler bescheinigt der Partei “Die Linke” aktuell “Regierungsfähigkeit”. Dergleichen Mitspielgenehmigungen eines Bullys vom Schulhof können das Leben erleichtern oder sind der endgültige Beleg für die totale Kapitulation. Wer das entscheiden mag, darf es sagen. Einen Hinweis gibt es zur Wahrheitsfindung aka Urteil: Mit Stefan Liebig ist der erste linke Bückling auf der Atlantikbrücke angekommen. Gewerkschafter ist er übrigens auch.

Arbeiterbewegung: Bück’ dich, wir verhandeln!

Die wiederum geben endlich Vollgas und stimmen für die Niederschlagung von Gewerkschaften, deren Macht den Standort bedroht. Alles dazu gesagt hat der Jochen mit dem Breitschwert. Kein Skalpell mehr nötig.

Von Bagdad nach Stanbul

Die Atlantiker, NATOdeserfahrene Krieger für Kapital und Chaos, brauchen aber auch dringend neue Unterstützer. Der nächste Irakkrieg wurde just ausgerufen von einem, der das kann: Dick Cheney. Hurrahurrahurra!

Das Geld ist weg

Was ist sonst noch wichtig? Ach ja, das Geld: PayPal integriert Bitcoin, Apple will, dass wir mit Uhren bezahlen – nein, nicht mit der geklauten Rolex vom Porsche Manni, mit dem Handydingsbums mit Funk und eben Internetz und unterwegs. Am besten gleich abbuchen, sobald man einem Produkt bzw. dessen Darstellung begegnet und die Appleuhr dem zentralen Prüfer erhöhten Puls meldet. Alles andere ist nämlich sowas von Nullerjahre!!1!

Analfixierung mit der Goldkante

Dagegen hilft nur Hartgeld, welches psychologisch, was mir der Haken auf meiner linken Schulter einzupflegen befiehlt, mit hartem Stuhl einhergeht. Gar nicht Unrecht hat der Kollege Puentes, wenngleich ich nicht weiß, was eigentlich gegen Bohnerwachs einzuwenden ist. Die AfD, ein Haufen ausgemachter Spießer. Angesichts von Whatsapp, Bitcoin und Google Surveillance Fashion möchte ich mich beinahe einreihe(r)n. [Fünf Mark ins Stilbruchschwein entrichtet. Säzzer]

Sie wollen die Welt anhalten, und ich kann es verstehen; leider nur sind es immer dieselben Volldödel, die vierfünftel gehirngewaschen sind und dann ein besseres Waschmittel fordern. Also gehen sie auf alles los, was ihnen nicht passt, ganz nach dem Geschmack eben derjenigen Herren, gegen die aufzubegehren sie glauben. Menü des Tages: Die Moschee muss weg! Dazu gibt es Eierlikör, Plätzchen und deutsches Liedgut.

Tüt BusseTuet Buße!

Zum Ende kommend, ist noch folgendes zu vermerken: Auf der Krim herrschen so grausame Zustände, dass “einige” der Krimaner “sogar in der Ost-Ukraine” kämpfen, weiß die konservative Wertstoffpresse. Nein! Doch! Ooh, dieser Putin! Was sagst du, Haken? Aus Deutschland England, den USA und überhaupt dem goldenen Westen laufen ständig junge Männer zu den Islamisten über? Also das ist doch wohl etwas völlig anderes!!elf!

Aber sowieso alles hinfällig, denn wie wir seit Monaten wissen, werden wir alle sterben. Liberia ist schon völlig ausgerottet und menschenleer: Alle 1200 Einwohner wurden von der Seuche dahingerafft. Das Ende ist da.

 
Da gibt es diesen Oettinger. Der kann gar nix und lässt es einfach raus. Ihr wisst schon: Der spricht Englisch akzentfrei. Also auch komplett ohne Englisch. Macht nix, denn er weiß ja, wessen Interessen er durchzunicken hat. So wie die ganzen anderen Korruptis. Der ist jetzt Internetirgendwas der EU-Spackokratie. Karnevalspräsident und Chefeselsmütze für das Großkapital. Lächerlich? Ja sicher. So wie alles andere in Westrom.

Genau so drollig ist Chefbosseselsmütze Juncker, der überführt und bewiesen devote Hanswurst illegal tätiger Geheimdienste und anderer Pleonasmen. Herrenreiter weißer Amtsschimmel. Generalmajorinette der berittenen Steckenpferdkavallerie. Was mit dem ist? Nichts ist mit dem, der hat also kund und zu wissen gegeben, dass er fortan “für Wachstum und Beschäftigung” sorgen wird. So wie alle halt. Laberrhabarberer, die dafür gewählt werden. Nicht abgewählt, nicht aufgehängt, nicht einmal ausgelacht.

Homo Homini Canis

Geht mal einer hin und sagt: “Schluss mit Wachstum, das ist eh vorbei, war eh pures Gift.”? Oder vielleicht: “Arbeit die könnt ihr vergessen, die macht euch arm und kaputt.”? Würde wer dafür gewählt? Nee, das ist ja pfui. Sagen nicht mal die Kommunisten, so pfui ist das. Iih bah! Pfuipfuipfui. Pipikacka. Das ist das Niveau. Mach Sitz, mach Platz, mach Arbeitsplatz! Dann kriegst du auch ein Leckerli. Der Napf muss leider leer bleiben, mach mehr Sitz, mach mehr Platz, kriegst du mehr Leckerlis. Braver blöder Köter.

Eigentlich wirst du nicht mehr gebraucht, aber dir einfach einen Tritt zu geben, wäre nicht sozial®. Sozial ist das Leckerli. Dafür rennst du gegen andere Fifis, darauf kann man wetten. Haben doch alles was davon. Du bleibst fit und machst keinen Blödsinn, die Leckerliindustrie backt feine Schlachtabfälle für Duweißtschon und Duweißtschon, und der Rubel rollt.

Wetten kann man auch darauf, wie viele Leckerlis es gibt und wie viele Tritte (na klar, so ein Tritt muss auch schon mal sein, wenn du es nicht sozial® magst). Wetten kann man auf alles. Nur nicht darauf, dass du mit Deinesgleichen ein unkontrollierbares Rudel bildest. Dass du nach der Beute schnappst. Dafür haben wir nämlich ein Rudelbildungssystem aus kontrolliertem Rudelanbau, das euch Kläffer nur von der Leine lässt, um aufeinander loszugehen. Darauf kann man dann wieder wetten.

 
nato

Als Köhler zurückgetreten ist, hatten wir ihm vorgeworfen, aus dem Präsidentenamt heraus, also als Verfassungsorgan, eine militaristische Politik zu vertreten, die mit ‘Verteidigung’ nichts mehr zu tun hat. Das war richtig so, aber was wir in Form des pickelhaubigen Pastors Gauck inzwischen erdulden müssen, wirft uns um Jahrhunderte zurück. Der einzige Unterschied ist der, dass nicht im Namen von Volk, Führer und Vaterland und insofern ehrlich die Trommel gerührt wird, sondern dass er das auch noch “Demokratie”, “Frieden” und “Verantwortung” nennt.

In seiner kürzlich in Polen gehaltenen Rede lassen sich seine Mittel sehr anschaulich benennen, seine für sensible Ohren unerträgliche Rhetorik. Er stützt sich in seinem Salbadern und Schwadronieren auf religiösen Kitsch, die Legende eines Freiheitskampfes, den der Antikommunist vermeintlich schon führt, weil er einer ist, Geschichtsklitterung, die Attitüde eines Historikers, der er nicht ist sowie die Personalisierung und Moralisierung geostrategischer Kriege.

Gauck hebt an mit einem Lied von – zitiert – Leid (wiederholt), Grausamkeit, verdunkelten Seelen, Opfern, Wunden und Versöhnung, mithin dem Handwerkszeug des evangelikalen Predigers. Eine Analyse oder Kritik des Nationalsozialismus ist das nicht, aber ein “Kniefall”, mit dem “die Vergangenheit” erledigt zu sein hat, denn es gibt ja “nur noch wenige Menschen, die persönliche Schuld für die Verbrechen des NS-Staates tragen“. Persönliche Schuld ist sein Thema, denn es sind die Personen und der – ebenfalls mehrfach von ihm genannte “(starke) Wille“, die das Schicksal der Welt entscheiden, nicht etwa Interessen, Machtkämpfe oder – Köhler wusste das noch – Absatzmärkte, Rohstoffe und Handelswege.

Grusel, Grauen, Gruft und Gram

So ist es denn auch ein “Wunder”, das zu Erklärung der “Versöhnung” herhalten muss, rationale Erklärungen einer historischen und ökonomisch-militärischen Entwicklung passen weder in so ein Weltbild noch ins Kalkül, denn am Ende wäre Putin sonst doch nicht schuld. Gauck verweigert sich jeder wirklich historischen, geschweige denn wissenschaftlichen Betrachtung, weicht hier auf ein “Wunder” aus und baut da Ereignisse aus der Vergangenheit ohne Sinn in sein diffuses Stimmungsbild ein. Wo er die jüngere Geschichte – “nach 1989“, “nach dem Fall der Mauer” – interpretiert, strickt er wie immer an seiner Legende und ist sich für die übelsten Verdrehungen nicht zu schade. Die “NATO” habe die “Beziehungen zu Russland” so “entwickelt”, das Russland “integriert” worden sei.

Ein Blick auf die Karte reicht, solche “Integration” zu verstehen. Dass bei den 4+2-Gesprächen Gorbatschow das Gegenteil versprochen worden war, ist vermutlich die Integration in die westliche Demokratie: Die Sowjets durften sich danach einmal fühlen wie die Wähler drüben. Russland habe diese “Partnerschaft … aufgekündigt”. Das ist nicht nur ein dämlicher Witz, es ist auch noch falsch, denn eine “Partnerschaft”, die auf Betrug baut, kann man gar nicht kündigen, das ist nämlich keine.

Wenn Gauck Fakten bemüht, lügt er. “Wir” (die NATO) hielten “am Recht fest”, seien gegen das Brechen internationalen Rechts und die Unterstützung von Abspaltungen in fremden Ländern. Die NATO bricht seit Jahrzehnten ohne jede Pause internationales Recht, spaltete im Verein mit der EU schon Jugoslawien, es wurde u.a. der Spaltung des des Sudan zugestimmt, der Irak de facto gespalten, die ganze Region ins Chaos gestürzt. Ist das also “unser Recht”? Sichern wir so staatliche Integrität? Ehrlicher wird es, wenn er wieder schwurbelt, so von einer

Sicherheitspolitik, die Prinzipienfestigkeit mit Kompromissfähigkeit, Entschiedenheit mit Elastizität verbindet“. Einfacher: Wir führen Krieg, wo wir wollen, aber nicht unbedingt, wenn wir nicht gewinnen können.

Das Böse und seine Einzeltäter

Er sprengt sein eigenes Konzept schließlich, wo er den Bogen vom bösen Russen zu den bösen Islamisten versucht. Diesen wirft er vor, sie leugneten “die Universalität der Menschenrechte”. Dies ausgerechnet um die “Bekämpfung des Terrorismus” zu rechtfertigen. Guantanamo, Abu Ghreib, Totalüberwachung, die von Manning geleakten Jagdszenen im Irak, Drohnenmorde, Angriffskriege, Destabilisierung – vor diesem Hintergrund leugnen die Terroristen also jene Menschenrechte, die wir universal missachten, kaum das wir sie für gültig erklärt haben. “Universales Recht” heißt dann wohl so etwas wie “gilt für alle anderen”, was in der Praxis auch genau so gehandhabt wird.

Gauck backt sich aus den Weltkriegen, dem Naziterror, militanten Muslimen und dem bösen Putin die Frage “wozu Menschen heute fähig sind”, um das Böse ganz inquisitorisch in den Einzelnen zu suchen und ihnen Moral beizubiegen. Das Mittel dazu heißt ‘Verantwortung’, getragen von der NATO, dem strategischen Guten, das die Menschenrechte nicht leugnet, sondern sie zum Glaubensbekenntnis macht und selektiv verteidigt. Ich weiß noch immer nicht, ob der Mann so zynisch ist oder so dumm, aber er ist auf jeden Fall ein steter Quell bohrenden Kopfschmerzes.

Update: Dank an Spencer für diesen Hinweis – Gaucks Redenschreiber, ein Atlantiker und Embedded Horenalist.

 
Ich habe in den vergangenen Jahren einiges an Journalismuskritik versucht. Der Versuch ist mir als Blogger weitgehend unter den Fingern zerronnen, weil das Objekt der Kritik vielleicht schon zu Beginn meinen ignoranten Ansprüchen nicht mehr genügte. Ansprüchen, die es längst nur noch suggerierte, vor allem sich selbst. Vielleicht ist der Journalismus aber auch gerade in diesen neun Jahren noch schneller noch tiefer gesunken.

Ich will da gar nicht mehr nachkeilen, das hat erstens keinen Zweck und zweitens auch keinen, weil sich ja kaum mehr ein gemeinsamer Raum ergibt, in dem sich Anspruch und Wirklichkeit des ‘Qualitätsjournalismus’ begegnen könnten – der als Begriff inzwischen selbst nur mehr zum traurigen Running Gag taugt.

Drittens, und darauf will ich hinaus, geht es sinnvollerweise eher darum. was dem entgegenzusetzen ist. Eine deshalb schwierige Frage, weil die Ansprüche ja durchaus formuliert sind und wie ein Türschild vor einer Ruine an all das erinnern, was hier eigentlich wohnen sollte. Wie ebenfalls bereits erwähnt, ist die Auszeichnung ausgerechnet Claus Klebers mit ausgerechnet dem Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis nicht mehr zu unterbieten, aber keineswegs unerreicht. Dessen Motto aber ist deshalb ja nicht falsch:

Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache.”

Laber mich nicht voll

Schall und Rauch. Was noch relevant ist, ist Quote, ist Umsatz, ist Profit. Da das gemeine Management es wiederum für geboten hält, diesem Prinzip folgend einen kritischen Anstrich für gewinnfördernd zu halten, werden Kritik und andere Qualitäten eben in grausamen Ritualen endgültig zugrunde gerichtet. Dagegen scheint nichts bestehen zu können.

Dennoch sind weder Qualität noch Kritik totzukriegen, nicht einmal im Business. Das liegt übrigens nicht daran, dass sie gegen die Prinzipien des Marktes bestehen könnten, im Gegenteil: Sie können und sie könnten vor allem bestehen, wo sie dem Geschäft nützen. Die Strukturen in den Medien sind offenbar so verkrustet, [via], dass die Unfähigkeit des Establishments es fertigbringt, miese Qualität, Selbstbeweihräucherung und Untertanengeist sogar gegen jeden Geschäftssinn zu fördern.

Dabei kann man das, was gewünscht wäre, nach wie vor auf einfache Formeln bringen. In Zeiten des Internets mag alles viel zu schnell gehen. Es mag sein, dass man zwischen lärmenden Schreihälsen und grellen Lichteffekten um Aufmerksamkeit buhlen muss. Das kann aber gekontert werden. Sicher nicht, indem man Berichte abfasst wie vor hundert Jahren oder wie von einer Software selbsttätig generiert. Es kann auch nicht so gehen, dass man einen Aufriss macht, als müsse man mit Porno und Koksparties wetteifern.

Es muss vielmehr berichtet werden, indem erzählt wird. Es muss erzählt werden, was passiert. Es muss erklärt werden, wie die Erzählungen funktionieren und warum passiert, was passiert, und zwar so, dass die Leute das verstehen, es hören, sehen und lesen wollen. Das kann man sich ganz einfach verdeutlichen: Ich kenne Menschen, die das erleben, was ich erlebt habe, die waren, wo ich selbst war. Dennoch erzählen sie mir eine ganz andere Geschichte als meine. Weil sie mehr wissen, weil sie anders sehen, weil sie anders denken oder anders sprechen. Es interessiert mich, weil es auf die eine oder andere Weise gut erzählt ist. So einfach ist das.

 
Ich war schwimmen mit Kindern. Ich. Schwimmen. Mit Kindern! Wenn man in meinem Alter noch so bescheuert ist, quasi freiwillig dergleichen beizuwohnen, obwohl niemand einem seine geladene Knarre ans Ohr hält, lässt das ja schon tief blicken. Ich meine: Wir können zum verfickten Mars fliegen oder von interstellaren Handelsabkommen träumen, die uns traumhafte Wachstumsraten bescheren. Wir können nicht nur Minicomputer bauen, die man streicheln kann und die immer mehr immer bessere Features bieten, wir können sogar immer schlechtere Minicomputer mit immer mehr Bugs in immer kürzerer Zeit für immer mehr Kohle verhökern. Aber eine Lautstärkeregelung für Staubsauger oder die Scheißblagen kriegen wir nicht hin.

Wie auch, wenn sich Mulithonks wie ich mit solchen Schallterroristen auch noch in die geflieste Hölle eines bekackten echooptimierten Schwimmbades begeben, ohne dass man bis zur Unkenntlichkeit in Kabelbinder gewickelt dorthin gezerrt oder wenigstens vorher erschossen wird, was ja noch in Ordnung wäre. Das heißt doch schon „Hallenbad“, weil es eben hallt wie St. Paul’s. Man muss wohl auf eine nachgerade magische Weise, hinter der sich wie bei aller Magie eine bizarre Psychose verbirgt, betäubt sein. In meinem Fall leider nicht ausreichend, weswegen ich auch immer, wenn ich am Rande solch chlorierter Kleintiertümpel vor mich hin deliriere, an Saufen, Kiffen und weniger gesundheitsfördernde Genüsse denken muss.

Jegliches Grauen wartet hier auf das Auge des Betrachters, um den kurzen Weg durch den Sehnerv ausnutzend dem geplagten Hirn seine toxischen Eindrücke in die graue Masse zu fräsen. Während an einem solchen Ort das Jungvolk von Breifresser bis Hormonopfer seine Adipositas beim Wettwälzen auf dem Luftkissen durchknetet, geben in der abgetrennten Spalte nebenan quietschvergnügte freundliche Wassersportler dem noch nicht ganz bewegungsunfähigen Restgespross Schwimmunterricht. Nett, freundlich, hilfsbereit.

“Ein neuer Tiefpunkt”, wie ich auch ohne die drei Weizen erkenne, die ich mir notgedrungen virtuell, dafür aber intravenös verabreiche. Was soll das?! Zu meiner Zeit, als noch alles seine Richtigkeit hatte, gab es noch echte Trainer. Wenn da ein „Merkel” „eine „Raute“ machte, hieß der nicht Angie und glotzte hohl aus dem Hosenanzug, sondern Max und peitschte seine Opfer buchstäblich über den Rasen. Ein Schwimmtrainer hat dich seinerzeit gescheucht, bis du blau anliefst und zum Abschluss deinen Kopf ins Wasser gedrückt mit der Ansage: “Trink’ aus, wir wollen gehen!”. Danach warst du Kampfschwimmer oder hast nie wieder einen Zehnagel in so eine gekachelte Pissfütze getaucht. Ich habe die weise Entscheidung getroffen, mich fortan davon fernzuhalten.

Das Zeug darin ist sowieso immer zu kalt, wenn es nicht gerade eklig warm ist, definitiv zu nass, schmeckt scheiße und dröhnt kein Stück. Wozu wird dann eigentlich das ganze Gift da reingekippt? Clusterbullshit! Und dann kommen also diese Dealer von halogenisierter Plörre und Puls Hundertfuffzich daher und fixen unsere Kinder mit ihrem Spocht an, bloß weil sie sich keine anständige Murderline leisten können, die zivilisierte Menschen an dieser Stelle vorziehen. Wenn ich diesen brutalen Extremisten eines wirklich gönne, sind es Kinder!

 
1994x

Ich lese gelegentlich meine alten Texte. Das ist eine wunderbare Funktion des eigenen Blogs, das auf dessen Bezeichnung als “Log” hinweist (nein, nicht die Vergangenheitsform von “lüge”; das englische Wort für “Tagebuch”): Man kann sich auf einer zeitlichen Ebene reflektieren, die eigene Entwicklung betrachten, um sich zu schämen, auf die Schulter zu hauen, zu nicken oder sich zu schütteln.

Ich weiß, dass ich sehr lange gezehrt habe von Kommentaren zum vor allem politischen Geschehen. Das ist eine sehr dankbare Aufgabe, weil man sich immer an anderen Texten abarbeiten kann, Personen bewerten oder Aussagen prüfen. Das geht an der Stelle nicht mehr, wo man nichts dergleichen mehr findet, wo sich ein surreales Szenario über den Alltag legt und das Leben zu einer PR-geschönten Kopie der Kopie von Leben wird. Wenn so etwas hier längst nicht nur das Nachmittagsfernsehen, sondern genau so den ‘Qualitätsjournalismus’ und fast die gesamte Kommunikation prägt.

Ich weiß nicht, wann mich diese Krise erwischt hat und das Schreiben ein ganz anderes Gewicht bekam, immer öfter zur Last wurde. Es könnte im September 2009 gewesen sein. Da schrub ich noch über Namen und Parteipolitik, war aber eigentlich bereits fertig damit. Ich wiederhole mich:

quote

Es scheint niemanden so recht zu interessieren, jedenfalls nicht in der Opiumhöhle einer deutschen Medienlandschaft. Das Volk wird eingelullt mit Kuschelbullshit wie “Angie steht auf Richard und Robbie”, während an demselben Tage ein einziger großer Wahlboykott stattfindet – von Seiten der Kanzlerkandidaten. Nachdem Merkel ihr dreistes Versteckspiel mit der Absage der heutigen Elefantenrunde gekrönt hat, hat Steinmeier nachgezogen. Es bleibt also beim Verkündungs- und Stichwortbingo.

Zwar darf man von einem Aufeinandertreffen der Parteichefs bzw. Spitzenkandidaten nicht allzu viel erwarten, aber selbst wenig und mager wären noch eine ganze Menge gewesen im Vergleich zu dem, was uns bislang alles nicht geboten wurde. Die Ausgangssituation wäre sogar äußerst spannend gewesen:

Westerwelle hätte sich fragen lassen müssen, wie er sich auf eine Union festlegen könne und vor allem auf welche. Der aktuelle Steuerporno der CSU etwa – rauf runter, rein raus – kann ihm wohl kaum behagen. Was CDU und CSU überhaupt eint, hätte sicher jemand gefragt. Wie Steinmeier sich den Eismännern der sozialen Kälte anbiedert, mit denen er ja doch irgendwie koalieren will. Was die Grünen eventuell einmal nicht mitmachen und wie die Linke sich in dem Spiel verhält, dessen Zuschauer sie ist. Das sind nur einige wenige Themen, über die eine konzentrierte direkte Auseinandersetzung nicht stattgefunden hat.

Man redet aber lieber “im Zusammenhang”, will heißen: auswendig gelernt, man redet lieber übereinander und setzt eingeübte Schläge und Tritte ins Nichts. Man redet nur über Themen, die zuvor von einem Stab esoterischer PR-Berater freigegeben wurde und nur mit Menschen, deren Unbedenklichkeit schon in die Geburtsurkunde eingetragen ist. Man hat gern recht. Man ist vollkommen unfähig zu jedweder Diskussion.

Die ARD hat den rhetorischen Totalausfällen und Feiglingen vor dem Volk heute eine deftige Klatsche verabreicht, was aber kaum jemand notiert hat. Es wurden, wohl eher aus purer Not, die Elefantenrunden aus früheren Wahlen gezeigt. Nicht nur, daß fast jeder Politiker dieser Generation(en) mehr Format hatte als diese “Elite”. Allein daß diese Sendung zustande kam, ist ein ungemein zynischer Kommentar zur Lage der Nation. Zeigen wir eben historische Wahlkämpfe, wenn es keinen aktuellen gibt. Zeigen wir den Leuten, daß es einmal etwas zu entscheiden gab. Zeigen wir ihnen leidenschaftliche Politik. Stoßen wir sie mit der Nase tief ins Elend des Gehirnwaschsalons 2009.

Was Lobbyisten aus der Gesetzgebung gemacht haben, was Funktionäre aus den Abstimmungsverfahren gemacht haben, haben PR-Berater und journalistische Hofschranzen aus der politischen Kommunikation gemacht. Es wird verkündet und genickt, eingeschärft und geprüft, wiederholt, abgesichert, abgesprochen, noch einmal wiederholt und eingeübt und abgenickt und wieder eingeschärft. Es werden die Begriffe zurechtgebogen und eingeschliffen, tabuisiert und verteufelt, emotional angereichert und nach Effizienzkriterien in der Wählerschaft verklappt. Es werden Alternativen in aufwendigen Verfahren mehrfach ausgesiebt und endgelagert, bis es nur noch eine “Wahrheit” gibt, die dann das oben beschriebene Verfahren durchläuft. Widerspruch ist zwecklos.

Und wenn er dann doch droht, weil es jemanden geben könnte, der etwas sagen könnte oder dazu verleiten könnte, daß etwas gesagt würde, das nicht eingeübt, geprüft und abgenickt ist, dann gehen sie einfach nicht hin. Die Kanzlerkandidaten, alle beide!
Wer sich derart aus dem Kampf verdrückt, wer sich so feige aus dem Staub macht und diejenigen im Regen stehen läßt, die er zu führen beansprucht, dem wird in diesen Zeiten zum Dank noch eine Limousine gestellt, anstatt ihm die Pistole zu reichen. Gerechter wäre es, der Anfang einer kleinen Gerechtigkeit, wenn man nachher wenigstens notieren dürfte: “Auf der Flucht abgewählt”.

 
Ich bin ein Aufklärer. Viele Menschen wissen nicht, wie sie sich richtig im Netz bewegen, was wichtig ist was unwichtig und wie man die Dinge hier sehen muss. Ich helfe ihnen gern dabei. Einige Beispiele, wie man auf andere reinfallen kann und worin meine Aufklärungsarbeit besteht:

Jemand glaubt, er könne etwas, das ich nicht kann.

Schreiben zum Beispiel. Jemand kommt lockerer daher als ich. Oder kompetenter. Besser informiert oder besser vernetzt. Kann Dinge schneller auffassen oder in fundiertes Hintergrundwissen einordnen. Und bildet sich natürlich was drauf ein.

Na und? Ich kann auch schreiben. Okay ich weiß nicht so gut wo die Kommas, hinkommen. Ich wahr in der Schule oft krank und kann seiddem nicht gut rechtschreibung. Aber ich kann trotzdem mitreden. Die “Informationen”, die ich brauche, habe ich in Nullkommanix von Wikipedia und aus den Blogs, die ich gut finde. Wer das nicht kennt und sich damit nicht befasst, ist sofort entlarvt! “Hintergrundwissen”, dass ich nicht lache! Nur Sektengründer arbeiten mit sowas. Ich kann doch auch alles ganz einfach erklären. Seht ihr, schon wieder gewonnen! Wer mir zu flapsig kommt,. ist ein Clown, und wer mich nicht witzig findet, ist ein Spießer. Lasse ich sie dann sofort wissen.

Fotografieren zum Beispiel. Die Fotos werden von vielen gelobt.

Pah, sieht ein Blinder, dass die mit Photoshop bearbeitet sind, kann ja jeder. Ich habe damals noch analog fotografiert und sogar einmal selbst entwickelt. Wer das nicht kennt, hat keine Ahnung. Alles Kitsch hier. Lasse ich die anderen sofort wissen.

Unterhalten zum Beispiel, reden, komisch sein.

Wenn das Taug hätte, käme das im Fernsehen, und überhaupt: Ich mache doch nicht die Glotze aus, um mir hier doch wieder Geflimmer anzutun. Lasse ich sie gern wissen, diese Hobbyanimateure.

Jemand ist beliebt und zieht viele Nutzer an

Ja, wie macht der das wohl? Macht die Leute von sich abhängig. So etwas geht nur mit Techniken, die auch Parteien und Kirchen einsetzen. Wer das nötig hat, hat’s nötig. Mache ich denen auch gleich klar und ihren unkritischen dummen Anhängern sowieso.

Jemand wird dauernd nach seiner Meinung gefragt

Wahrscheinlich ist der das alles selber. Kommentiert sich selbst unter verschiedenen Nicks. Stellt sich Fragen und beantwortet die dann. Das kann absolut jeder. Solchen Leuten mache ich ihre Irrelevanz täglich deutlich. Womöglich macht der das auch noch unter seinem Klarnamen. Wer so eitel ist, gibt ganz klar zu erkennen, dass er sich nur größer machen will als er ist. Außerdem haben diese Narzissten keine Ahnung vom Internet, wie kann man nur so blöd sein? Ich schreibe doch auch unter Pseudonym. Kann der Amateur gern von mir lernen.

Jemand stellt unmoralische oder sogar verbotene Inhalte ins Netz

Der muss ja wissen, was er tut, also erzähle ich es ihm. Immer wieder, denn ein bisschen Ordnung muss ja sein. Natürlich – natüürliich macht er das anonym, der Feigling! Wenn er wirklich dahintersteht, warum dann anonym? Ist ja lächerlich!

Das sind nur einige wenige Beispiele, wie mein Widerstand dafür sorgt, dass das Internet nicht ganz zu einem Tummelplatz von Unwissenden und ihren Verführern verkommt. Ich werde hier bald ein anschauliches Beispiel geben, wie ich jemanden widerlegt, entlarvt und bloßgestellt habe. Also Leute, denkt immer dran: Nicht bloß reden!

 
Ich hatte neulich das Missvergnügen mit jemandem von einer Krankenkasse zu telefonieren in dem Ansinnen, über die Kostenbeteiligung an einer Therapie zu sprechen, die die Gesetzliche noch vor einigen Jahren voll finanziert hat. Seitdem nicht mehr, ohne auffindbare Begründung, und als ich bemerkte, da habe wohl jemand den Rotstift kreisen lassen, antwortete der Mann: „Die werden sich dabei wohl etwas gedacht haben“.

Ich erwähne das hier nicht, weil ich mich über derartige Stereotypen ärgere, die solche Bücklinge ernsthaft für Argumente halten. Ich erwähne es wegen des Phänomens dieser Zeitgenossen, die hier in den Diskussionen immer wieder herumspuken als „Blödmichels“, „Lemminge“, „Bürger Blöd“ und ähnliches.

Sein und Handeln

Es ist mir dabei einerseits völlig klar, dass Menschen, die sich beizeiten so verhalten, vermutlich in der Mehrheit sind und es sich schon allein daher verbietet, sie in Bausch und Bogen für untauglich zu erklären. Ich kann es andererseits genau so wenig durchgehen lassen, dass sich geistige Funktionsmöbel im Schutz eines vermeintlichen Common Sense immer wieder zu Richtern und Henkern aufschwingen. Das Eichmännchen ist der unterdrückte Unterdrücker, der nur seine Pflicht tut, sich stets im Einklang mit der Obrigkeit wähnt und seine Zugfahrpläne eifrig auf Pünktlichkeit trimmt, egal ob andere darunter leiden und womöglich zu Tode kommen.

Diese Mentalität beginnt nicht im Extremfall, den unser oben genannter Exekutor vielleicht gar nicht bemerkt. Es sind für ihn nur Formalitäten, während es am anderen Ende ums Überleben geht. Was soll er da selber denken? Auch Faschismus beginnt nicht in Auschwitz, wie schon öfter hier vermerkt; er endet nur dort. Widerstand seinerseits beginnt nicht im militanten Kampf gegen die grausame Diktatur, sondern ist der tägliche Widerspruch gegen Ungerechtigkeit und Erniedrigung. Mitmachen ist das Gegenteil. Was zählt, ist hier nicht der Erfolg, sondern der Beitrag.

Wie verfahre ich aber mit den Micheln, den Eichmännchen? Entschuldige ich sie, weil sie ja Mitmenschen sind und und lasse ihnen ihre kleine Macht, mit der sie ihre Mitmenschen wiederum behandeln wie Stückgut? Oder bekämpfe ich sie, weil sie der Unmenschlichkeit täglich Tür und Tor öffnen? Ich schlage an dieser Stelle vor, zunächst eine Unterscheidung zu treffen zwischen Idioten und Nützlichen Idioten. Letzteres ist ein feststehender Begriff. Er bezeichnet eben jene Mitmacher, austauschbare Söldner beliebiger Herrschaften, im Gegensatz zum Idioten – ehedem Inbegriff für den angeboren Schwachsinnigen. Es ist eigentlich ganz einfach: Sie sind nicht so, sie handeln so. Für ihre Taten muss man sie verantwortlich machen.

Eine Frage der Ethik

Aber selbst ein Mörder ist nicht nur ein Mörder. Er ist ebenso vielleicht ein Handwerker, Vater, Autofahrer. Die Tat macht ihn zwar zum Mörder, aber damit sind nicht seine Eigenschaften verändert, er hat lediglich auf eine Weise gehandelt, die ihn eben zu einem solchen macht. Nicht anders ist es mit den Micheln und Eichmännchen (übrigens auch mit Autofahrern und Vätern). Wenn sie sich verhalten wie welche, ist es auch grundsätzlich richtig, sie so zu nennen. Die Hampelmänner, die einem mit Stammtischweisheiten kommen wie der da oben, die schwadronieren: „Mach ich’s nicht, macht’s ein anderer“ oder „das haben wir schon immer so gemacht“, „da kann ja jeder kommen“, darf man für diese Haltung durchaus verachten.

Allerdings: Jeder Tag ist ein neuer Tag. Ein Tag, an dem wieder neue Entscheidungen zu treffen sind. Man kann sich dann wieder entscheiden, sich zu ducken, zu funktionieren und wegzuschauen. Es ist nicht leicht, aber es muss das Ziel sein: wissen wollen, was man tut und Entscheidungen treffen, die man auch dann akzeptieren kann, wenn man selbst davon betroffen ist. Dazu muss man weder Kant lesen noch Philosophie studieren.

 
buta

Wir müssen uns deutlich machen, dass ein Finanzierungsvorbehalt nicht einfach vorgebracht wird, weil niemand über Alternativen nachdenkt. Das bedeutet aber auf der anderen Seite nicht, dass es allein deshalb schon Alternativen gibt, weil man gern welche hätte. Im Ringen um Möglichkeiten und Entscheidungen ist die freiheitliche Demokratie darauf angewiesen, dass bei allem Mut und aller Entschlossenheit das Augenmaß nicht verloren geht. Die Märkte sind äußerst sensibel gegenüber politischen Entwicklungen, und wie wir gerade in den vergangenen Jahren gesehen haben, wäre es töricht, sie zu vernachlässigen oder gar Politik gegen die Märkte zu machen. Das führt zu gar nichts. Wer heute versucht, durch bürokratische Hürden die heimische Wirtschaft zu schwächen, hat die Globalisierung nicht verstanden und ist nicht zukunftsfähig.

Nachhaltigkeit kann nicht durch mehr Staat gewährleistet werden, denn gerade in Zeiten der Krise bedeutet mehr Staat weniger Markt, weniger Wachstum und weniger Freiheit. Wer kann das wollen? Es ist auch niemandem damit gedient, wenn ausgerechnet jetzt der Standort Deutschland durch steigende Lohnnebenkosten belastet wird. Die Gewerkschaften, die mit großem Einsatz und großer Disziplin moderate Lohnabschlüsse mitgetragen haben, um das zarte Pflänzchen Wachstum nicht zu gefährden, hätten sicher auch wenig Verständnis dafür, wenn die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer am Ende des Tages weniger in der Lohntüte haben, weil wir sie mit höheren Staatsausgaben bestrafen.

Zukunft schaffen!

Anhand der überbordenden Staatsverschuldung nicht nur hierzulande, sondern gerade in den Nachbarstaaten können wir sehen, dass “Staat” gleichbedeutend ist mir Ausgaben. Sollen noch mehr Schulden gemacht werden oder vielleicht die Konjunktur endgültig durch höhere Steuern abgewürgt werden? Sollen wir auf Kosten künftiger Generationen und zu Lasten der Leistungsträger den Besitzstandwahrern jeden Wunsch erfüllen, den sie äußern? Was sagt wohl die hart arbeitende Krankenschwester dazu, wenn wir ihr dafür hintenrum das Geld aus der Tasche ziehen? Nein, wir müssen der privaten Wirtschaft ein gutes Investitionsklima bieten. Damit sorgen wir für Wachstum und Arbeitsplätze, nur so schaffen wir Zukunft für uns und folgende Generationen.

Wir müssen uns auch darüber im Klaren sein, dass der Finanzstandort durch falsche Schuldzuweisungen und populistische Maßnahmen gefährdet wird. Die Investoren ziehen weiter, wenn man ihnen nicht ein gesundes Geschäftsklima bietet. Natürlich muss es Regeln geben, aber das darf nicht dazu führen, dass wir diejenigen enteignen, die mit ihrem Einsatz und ihrer Risikobereitschaft bei uns investieren wollen. Wir sollten uns darüber freuen, wenn in diesem Land gute Gewinne gemacht werden, dann davon profitieren alle, insbesondere die Arbeitnehmer. Die wissen das auch ganz genau, denn auch hier reicht wieder ein Blick über den Gartenzaun: Während die anderen mit Minuswachstum und Massenarbeitslosigkeit zu kämpfen haben, kann hier schon in einigen Jahren wieder Vollbeschäftigung herrschen.

Also: Runter mit den Staatsschulden, runter mit den Steuern, runter mit den Staatsausgaben, mehr Freiheit für alle, rauf mit Wachstum und Beschäftigung! Für eine gemeinsame Kraftanstrengung von Politik, Arbeitnehmern und Arbeitgebern – darauf müssten wir uns doch alle einigen können!

Anhaltender Applaus von CDU/CSU, FDP, SPD und Grünen.

 
Ich hatte dieser Tage einige Gespräche mit jemandem, der sich erklärtermaßen nicht sonderlich “für Politik interessiert”. Der Mann hat hier und da seltsame Ansichten, und als ich jung war, hätte ich ihm vermutlich Tiernamen gegeben und ihn für hoffnungslos unwürdig erklärt. Stattdessen nahm ich seine Erlaubnis über uninteressante Dinge zu sprechen wahr, um ihm einige interessante Informationen zu geben; prüfbare Informationen, die er dann tatsächlich auch ganz interessiert aufnahm.

Derselbe sprach mich heute ganz von selbst auf das Thema Ukraine und Konvoi an; da hatte ich noch gar nicht zur Kenntnis genommen, was gleich noch folgen wird. Ehrlicherweise sagte ich, dass ich nur zwei Quellen hätte, aus denen ich Informationen dazu hätte, nämlich das, was die versammelte Journaille so recherchiert hatte: Die Ukrainische Regierung und Ria Novosti. Was soll ich mit solchen ‘Informationen’? Die meisten benennen dabei nicht einmal Poroschenkos Kriegspartei, und im Internet Zeitung lesen kann ich eh selber. Dazu brauche ich keine Zweitverwerter.

Abschreiben, verkünden, vollstrecken

Einen Schritt zurück kurz: Ich hatte mir eh gestern schon folgendes notiert:
In Spanien gibt es einen Ebola-Verdachtsfall“, meldete die FR. Soso, einen “Verdachtsfall”, und das ist dann eine Meldung? Wieso? Es kann nur einen Grund geben: Klingt gefährlich, erregt Aufmerksamkeit. Hat aber null Inhalt. Kann man da nicht warten, bis sich das bestätigt hat oder eben nicht? So geht Qualitätsjournalismus.

Die nächste: “IS-Miliz soll 700 Stammesangehörige getötet haben“, steht in der Sueddeutschen und einem Dutzend anderer Medien, wird auch im Radio erzählt. “Soll”, könnte, hat vielleicht, vielleicht auch nicht. Ist das eine Meldung? Und was habt ihr für mich dahinter? Waren es vielleicht mehr oder weniger als 700? Vielleicht hat das gar nicht stattgefunden? Oder es hat etwas stattgefunden, man weiß aber nicht, wer, wo und was genau? Q-Journalismus halt.

Derweil hört man nach der gespielten Empörung der Propaganda überhaupt nichts mehr vom Flugzeugabsturz in der Ukraine. Nicht einmal Fragen. Der “Spiegel”, das Hetzblatt für transatlantische Gemütlichkeit, hatte doch so auf die Trommel gehauen. Was ist denn nun, ihr Superreporter? Kuhjournalismus ist, und die Viecher wieder im Stall. Auf jedem Dorf kriegst du Watschen, wenn du so einen Mist verzapfst und dann so tust, als hättest du nie etwas gesagt.

Suche nach dem Tiefpunkt

So ist es auch derselbe Stall, aus dem ernsthaft ein zweifelnder Leser, der nach Belegen für Behauptungen fragt, abgespeist wird mit der Gegenfrage: “Gibt es eigentlich konkrete Belege, dass dem nicht so ist?
So denken sie da. Es wird etwas verkündet, in der Regel auf Befehl aufgeschrieben oder stumpf abgeschrieben, und daran hat man gefälligst nicht zu zweifeln, bis das Gegenteil bewiesen ist. Der Leser ist hier dummer Untertan, sonst nichts.

In Grunde kann man sich solche Beispiele schon schenken, denn es gibt keinen Journalismus mehr. Wahrscheinlich wird dieser Nützliche Idiot noch einen Preis verliehen bekommen für seine treuen Dienste, so wie Obama den Friedensnobelpreis und Kleber den Hans-Joachim-Friedrichs-Preis. Diese Farce kann nämlich kein Ende finden, solange kulturell und intellektuell noch ein Stein auf dem anderen steht. Da gibt es immer etwas, das man noch nicht ganz ruiniert hat. Am Montag. Am Kiosk.

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