Leider erst heute konnte ich mich mit einer Kritik von Heiner Flassbeck an Heinz-Josef Bontrup befassen, weil ich in der Internet-Diaspora gelandet bin.

Das Ganze Stück ist zäh, zumal für einen, der nicht der Glaubensgemeinschaft Angebot-Nachfrage-Weltgeist angehört. Da wirft einer dem anderen in ihrer Gummizelle vor, nicht ganz sauber zu ticken und versaut’s dann selbst. In beiden Erzählungen kann ich nämlich nicht erkennen, was da “Produktivität” heißt. Sollten damit (u.a./entscheidend) die Arbeitskosten gemeint sein, bricht das Gerüst nämlich zusammen, da nicht erkennbar ist, was darin Arbeitszeit ist und was eben Lohnsenkung (aka Arbeitskosten).

Sollte er hingegen den reinen Zeitaufwand meinen, verstehe ich da schon nicht, wie er das mit “Kaufkraft” in Zusammenhang bringt, denn trotz höherer Produktivität ist selbst bei entsprechendem “Wachstum” die ‘Kaufkraft’ gesunken. An anderer Stelle hatte er das bereits gemerkt. Schließlich fehlt mir auch noch der Ort des Geschehens, denn eine Volkswirtschaft, in der sich eine “Kaufkraft” als Größe abbildet, ist nicht konstruierbar.

Im VWL-Universum

Es mag ja sein, dass Bontrup sich die Sache da einfacher macht als sie ist – auf höchst ärgerliche Weise übrigens, aber Flassbecks ‘Korrektur’ ist keine. Bontrup fordert immerhin die Beteiligung der Lohnabhängigen am Zuwachs der technischen Produktivität, während Flassbeck ‘Produktivität’ wieder auf die Größe im VWL-Universum reduziert und ignoriert, dass die Vereinfachung des Kontrahenten mit einer Verschiebung der Begrifflichkeit einhergeht. Er hätte m.E. zwar dennoch Recht in der Konsequenz, argumentiert aber fröhlich an der Idee vorbei.

Hinzu kommt, dass eine Größe ‘Kaufkraft’, die nicht einmal klärt, wer Produkte von wo kauft, völlig sinnentleert ist. Als hätte die hiesige Produktivität einen unmittelbaren Einfluss auf Preise und Konsum von Produkten aus China! In der Tat fehlt da wie immer der Gesamtzusammenhang; es gibt real nämlich keine abgrenzbare Volkswirtschaft; es fehlt der Blick gerade auf deutsche Strategien, vor allem die, Arbeitslosigkeit zu exportieren;
es fehlt natürlich auch die Frage ‘Wachstum’ wozu und wohin. Das kommt halt davon, wenn man partout nicht von Profitraten sprechen will.

Bontrup wäre leicht zu fassen beim Widerspruch zwischen seinen Analysen und seinen Lösungsvorschlägen. Da kann Flassbeck natürlich nicht ran, weil es ihn selbst an dieser Stelle erst recht aus der Kurve haut. Beide können derweil nicht davon ablassen, die Möglichkeiten der Intervention in wirtschaftliches Geschehen als von irgend jemandes Willen abhängige zu denken: Man müsste nur … Das ist dann endgültig ein Niveau, das mit Wissenschaft nichts mehr zu tun hat.

 
wieher

Vor genau vier Jahren habe ich noch spaßeshalber die Haushaltsdebatte des Deutschen Bundestages live kommentiert. Damals war das schon eine Art Nachruf, Reminiszenz an den alten Untertitel dieses Blogs: “Satire womöglich” – wobei sich zeigte, dass Satire da nicht mehr mithalten konnte. Solche Rückblicke sind nicht unwichtig, weil sie zeigen, dass die ‘politische’ Hard-und Software inzwischen Verfallszeiten hat wie die in der IT. Damals musste ich noch nachschauen, wer denn dieser Schwätzer sei, der mir schon vorher durch unerträgliches Blabla aufgefallen war und von dem ich nur wusste, dass er der CSU angehörte. Inzwischen sind wir zwei Ministerposten und einen finalen Tritt weiter. Die Rede ist von Hans-Peter Friedrich.

Dazwischen liegt nebenbei die totale Desillusionierung über die realen Machtverhältnisse Urbi et Orbi und was die Macht damit macht. “Stasi 2.0 – wen interessiert’s?” ist der Film, den sich keiner mehr anschauen mag. Dem entsprechend geht noch jede(r) Zweite zur Wahl, davon wiederum die Hälfte Rentner und die andere Hälfte Psychopathen. Die Art, die genau weiß, wem wir all das Elend zu verdanken haben: Die Arbeitslosen leben in Saus und Braus und führen einen gnadenlosen Klassenkampf, indem sie die Fleißigen ausbeuten. Die Juden haben uns die D-Mark genommen. Die Ausländer wollen auch noch unser Geld. Arbeit und Fleiß werden uns wieder nach vorn bringen, sobald wir das angepackt haben.

Es ist dein Geld!

Wir hätten uns eine ganze Handvoll neuer Körperöffnungen gefreut, wäre zu Zeiten, da Politik noch relevant erschien, die FDP in dem Sumpfloch verschwunden, das sich inzwischen über ihr geschlossen hat. Aber so? Nicht bloß zu spät, sondern auch noch um den Preis, dass die Neoliberalen abgestraft werden, indem ihre Follower Lucke und Olaf Henkel anhimmeln?! Das Hirn in ihrer Cervelatwurst rät Ihnen dringend zu einem Upgrade.

Man müsste sich glatt Gedanken machen, ob die gedungenen Analysten dieses Kopfschmerzkinos, die in den Sendern und Redaktionen noch so tun müssen, als sei das alles wirklich Wirklichkeit, nicht Anspruch auf Schadenersatz hätten, aber sie werden ja gemeinhin mit einem ordentlichen Schmerzensgeld geschmiert und haben dem Affenzirkus so oft zugestimmt, dass wohl die andere Befürchtung zutrifft: Sie nehmen das immer noch ernst. Allerdings sollte der Bundesrechnungshof schnellstens dafür Sorge tragen, dass an Maniacs wie Claus Kleber nicht noch Millionen verpulvert werden für einen Wirrwahn, den der Mann auch ganz von allein auswirft, weil er eben so tickt.

Irre geworden

Aua. Habe ich da eben gefordert, kein Geld zu verschwenden? Was bin ich doch für eine Bürgerliche Fotze©. Nein, besser wäre es wohl, ihm Milliarden in den geschulten Mundgeruch zu werfen. Vielleicht – eine klitzekleine Hoffnung hätte ich da – merkte dann jemand etwas. Aber ich bin schon wieder viel zu weit abgeschwiffen. Oder nicht? Bleiben wir noch ein gemütliches Momentchen beim Geld, seinem Fetisch und der flüssigen Macht. “I’ve Had Enough” heißt ein Stück Populärmusike, in dem ein irrer junger Mann seine fortgeschrittene Schizophrenie feiert und zu dem wahrlich verrückten Schluss kommt – nur um die Winzigkeit eines Buchstabens hier abgewandelt: “There’s a Billionaire above you – and you’re under his Suspicion“*. Das kann uns in der besten aller freiheitlich gewählten Demokratien ja nicht passieren.

p.s.:
*Die Übersetzung des Originals “There’s a Millionaire above you – and you’re under his Suspicion“: Es gibt einen Millionär über dir, und du stehst unter seinem Verdacht. Die Variante spielt mit dem Umstand, dass “you” auch Plural sein kann: Es gibt einen Milliardär über uns, und wir stehen unter seinem Verdacht. Finden Sie die Verschwörungstheorie und lesen Sie das Parteiprogramm von 1989 Ihrem Wahlkampfleiter vorsichtig vor!

 
wiwa

Über die Macht Erich Mielkes in der DDR gibt es keinen großen Streit der Gelehrten. Man mag darüber fachsimpeln, ab wann und in welchem Ausmaß Figuren wie Mischa Wolf die Geschäfte in die Hand nahmen, aber den generellen Einfluss der Stasi auf den Staat bestreitet schon deshalb niemand, weil die es selbst nicht tat und ebenso wenig die Nomenklatura. So transparent war die DDR.

Gorbatschow, Putin und George H. W. Bush zum Beispiel waren Geheimdienstler, letzterer sogar Direktor der CIA. Es ist also normal, dass Geheimdienstler unmittelbar politische Macht ausüben, und es ist schon aus dieser Sicht anzunehmen, dass eine entsprechende Vernetzung herrscht. Das ist ebenso normal wie undemokratisch.

Wenn in diesen Zeiten die Herrschaft der Geheimdienste offenbar wird und jede Verschwörungstheorie in den Schatten stellt, hat das entsprechende Folgen. Die Bundesregierung versteckt sich wortwörtlich hinter “geheimdienstlichen Gründen“, um die Erklärung ihrer politischen Einschätzungen und Handlungen zu verweigern. Die Regierung handelt also erklärtermaßen unmittelbar im Sinne der Geheimdienste, nicht umgekehrt.

Wer kontrolliert wen

Ebenso sieht es aus mit der Kontrolle: Niemand kontrolliert die ‘Dienste’. Der zuständige Ausschuss des Parlaments wird regulär vorgeführt, wenn Akten nicht verschwinden, werden sie halt komplett geschwärzt. Das ist nicht weniger als eine Demonstration der Dienste in einem offenen Machtkampf, den sie wohl nach ihrer Einschätzung gewonnen haben.

Wie auch nicht, wo wäre denn ein Gegner? Im Inneren haben sie gerade gezeigt, dass sie faschistische Mörderbanden finanzieren, unterhalten und gegen Strafverfolgung schützen können. Im Äußeren sind sie Teil einer NATO-Struktur, die ebenfalls völlig offen die Herrschaft über die Regierung ausübt, vom Parlament ganz zu schweigen: Informationen über jene Vorgänge, die schon aus geheimdienstlichen Gründen verweigert wurden, werden auf anderen Kanälen unterdrückt, um “die Freundschhaft zu den USA nicht zu gefährden“.

Aus solchen Gründen wird das Recht auf Information unterlaufen. Die Dienste verantworten sich nicht vor dem Parlament, die Regierung nicht vor der Öffentlichkeit. Priorität hat das Interesse eines militärisch-geheimdienstlichen Komplexes, der ausdrücklich Industriespionage für die USA betreibt.

Geheimhaltungsarbeit

Dagegen hilft auch keine Aufklärung, weil das Gegenteil stattfindet. Die mediale Öffentlichkeit, bestehend aus Medienmanagern, (politischen) Funktionären und Experten, hat ein unmittelbares Interesse an Desinformation. Die Informationen auch hierzu sind völlig öffentlich, die Clubs bekannt, in denen sich Industrielle, Banker, Politiker, Journalisten und sonstige Funktionäre treffen. Allen voran mein Lieblingsverein “Atlantik-Brücke“. Die Überschneidungen von deren Mitgliedern mit denen neoliberaler Think Tanks und anderer NATO-Anhängsel sind frappierend.

Der Sargnagel auf diesen Strukturen sind die eingebundenen Journalisten, Teils eitle Adabeis, teils überzeugte Propagandisten. Durch deren Einbindung, die vor allem schon im Frühstadium der Karrieren stattfindet, wird eine kritische Berichterstattung im Keim erstickt und eben durch Propaganda ersetzt. Die Resultate sehen wir nicht nur in der Propaganda für ‘Antiterrorkampf’ und Ukraine-Krieg, sondern vor allem in der Zurückhaltung gegenüber Totalüberwachung und Ermächtigung durch Geheimdienste.

Der feine Unterschied

Ich kann auf Anhieb zwei Dutzend deutsche Journalisten finden, die sich unter Industriellen, Politikern und sonstigen Mächtigen wohlfühlen und zur Geheimhaltung verpflichten lassen. Das sind nur diejenigen, die ohne Aufwand zu finden sind und ihre Kontakte nicht leugnen, darunter einige der einflussreichsten und höchst bezahlten.

Nur weil im ‘Westen’, der seit Jahrzehnten den fördernden Einfluss des Kapitals direktem Zwang vorzieht, keine offene Zensur herrscht, sind die Zustände keinen Deut demokratischer als im ehemaligen Ostblock oder sonstwo. Im Gegenteil fehlt noch die Hoffnung auf die Kraft der Wahrheit, weil diese untergeht im Dauerfeuer einer Propaganda, die gezielt alle die Aspekte der Wirklichkeit angreift, die nicht ins gewünschte Bild passen. Eine viel effektivere Strategie.

Wolfgang Storz hat mich einmal gefragt, ob ich glaubte, Blogger könnten die traditionellen Medien ersetzen; Jakob Augstein hat ähnliche Zweifel geäußert. Ich glaube das immer noch nicht, aber etwas muss sie ablösen, denn sie sind nicht mehr zu retten. Wir brauchen dringend eine Öffentlichkeit, die nicht komplett produziert ist, um den Interessen einer kleinen Minderheit zu dienen.

 
Es bleibt schwierig für den Chronisten; ganz unmöglich wird es, will er Relevantes berichten. Aus dem Dschungel der Beliebigkeit täglich frische Blumen zu schneiden, ist schon eine bescheuerte Metapher. Wer wollte daraus auch noch einen Job machen? Von daher heute eine Momentaufnahme dessen, worüber ich vor Jahren noch zu schreiben gewusst hätte:

Regierungsbefähigungsbescheinigung

Irgendein SPD-Vorderbänkler bescheinigt der Partei “Die Linke” aktuell “Regierungsfähigkeit”. Dergleichen Mitspielgenehmigungen eines Bullys vom Schulhof können das Leben erleichtern oder sind der endgültige Beleg für die totale Kapitulation. Wer das entscheiden mag, darf es sagen. Einen Hinweis gibt es zur Wahrheitsfindung aka Urteil: Mit Stefan Liebig ist der erste linke Bückling auf der Atlantikbrücke angekommen. Gewerkschafter ist er übrigens auch.

Arbeiterbewegung: Bück’ dich, wir verhandeln!

Die wiederum geben endlich Vollgas und stimmen für die Niederschlagung von Gewerkschaften, deren Macht den Standort bedroht. Alles dazu gesagt hat der Jochen mit dem Breitschwert. Kein Skalpell mehr nötig.

Von Bagdad nach Stanbul

Die Atlantiker, NATOdeserfahrene Krieger für Kapital und Chaos, brauchen aber auch dringend neue Unterstützer. Der nächste Irakkrieg wurde just ausgerufen von einem, der das kann: Dick Cheney. Hurrahurrahurra!

Das Geld ist weg

Was ist sonst noch wichtig? Ach ja, das Geld: PayPal integriert Bitcoin, Apple will, dass wir mit Uhren bezahlen – nein, nicht mit der geklauten Rolex vom Porsche Manni, mit dem Handydingsbums mit Funk und eben Internetz und unterwegs. Am besten gleich abbuchen, sobald man einem Produkt bzw. dessen Darstellung begegnet und die Appleuhr dem zentralen Prüfer erhöhten Puls meldet. Alles andere ist nämlich sowas von Nullerjahre!!1!

Analfixierung mit der Goldkante

Dagegen hilft nur Hartgeld, welches psychologisch, was mir der Haken auf meiner linken Schulter einzupflegen befiehlt, mit hartem Stuhl einhergeht. Gar nicht Unrecht hat der Kollege Puentes, wenngleich ich nicht weiß, was eigentlich gegen Bohnerwachs einzuwenden ist. Die AfD, ein Haufen ausgemachter Spießer. Angesichts von Whatsapp, Bitcoin und Google Surveillance Fashion möchte ich mich beinahe einreihe(r)n. [Fünf Mark ins Stilbruchschwein entrichtet. Säzzer]

Sie wollen die Welt anhalten, und ich kann es verstehen; leider nur sind es immer dieselben Volldödel, die vierfünftel gehirngewaschen sind und dann ein besseres Waschmittel fordern. Also gehen sie auf alles los, was ihnen nicht passt, ganz nach dem Geschmack eben derjenigen Herren, gegen die aufzubegehren sie glauben. Menü des Tages: Die Moschee muss weg! Dazu gibt es Eierlikör, Plätzchen und deutsches Liedgut.

Tüt BusseTuet Buße!

Zum Ende kommend, ist noch folgendes zu vermerken: Auf der Krim herrschen so grausame Zustände, dass “einige” der Krimaner “sogar in der Ost-Ukraine” kämpfen, weiß die konservative Wertstoffpresse. Nein! Doch! Ooh, dieser Putin! Was sagst du, Haken? Aus Deutschland England, den USA und überhaupt dem goldenen Westen laufen ständig junge Männer zu den Islamisten über? Also das ist doch wohl etwas völlig anderes!!elf!

Aber sowieso alles hinfällig, denn wie wir seit Monaten wissen, werden wir alle sterben. Liberia ist schon völlig ausgerottet und menschenleer: Alle 1200 Einwohner wurden von der Seuche dahingerafft. Das Ende ist da.

 
Da gibt es diesen Oettinger. Der kann gar nix und lässt es einfach raus. Ihr wisst schon: Der spricht Englisch akzentfrei. Also auch komplett ohne Englisch. Macht nix, denn er weiß ja, wessen Interessen er durchzunicken hat. So wie die ganzen anderen Korruptis. Der ist jetzt Internetirgendwas der EU-Spackokratie. Karnevalspräsident und Chefeselsmütze für das Großkapital. Lächerlich? Ja sicher. So wie alles andere in Westrom.

Genau so drollig ist Chefbosseselsmütze Juncker, der überführt und bewiesen devote Hanswurst illegal tätiger Geheimdienste und anderer Pleonasmen. Herrenreiter weißer Amtsschimmel. Generalmajorinette der berittenen Steckenpferdkavallerie. Was mit dem ist? Nichts ist mit dem, der hat also kund und zu wissen gegeben, dass er fortan “für Wachstum und Beschäftigung” sorgen wird. So wie alle halt. Laberrhabarberer, die dafür gewählt werden. Nicht abgewählt, nicht aufgehängt, nicht einmal ausgelacht.

Homo Homini Canis

Geht mal einer hin und sagt: “Schluss mit Wachstum, das ist eh vorbei, war eh pures Gift.”? Oder vielleicht: “Arbeit die könnt ihr vergessen, die macht euch arm und kaputt.”? Würde wer dafür gewählt? Nee, das ist ja pfui. Sagen nicht mal die Kommunisten, so pfui ist das. Iih bah! Pfuipfuipfui. Pipikacka. Das ist das Niveau. Mach Sitz, mach Platz, mach Arbeitsplatz! Dann kriegst du auch ein Leckerli. Der Napf muss leider leer bleiben, mach mehr Sitz, mach mehr Platz, kriegst du mehr Leckerlis. Braver blöder Köter.

Eigentlich wirst du nicht mehr gebraucht, aber dir einfach einen Tritt zu geben, wäre nicht sozial®. Sozial ist das Leckerli. Dafür rennst du gegen andere Fifis, darauf kann man wetten. Haben doch alles was davon. Du bleibst fit und machst keinen Blödsinn, die Leckerliindustrie backt feine Schlachtabfälle für Duweißtschon und Duweißtschon, und der Rubel rollt.

Wetten kann man auch darauf, wie viele Leckerlis es gibt und wie viele Tritte (na klar, so ein Tritt muss auch schon mal sein, wenn du es nicht sozial® magst). Wetten kann man auf alles. Nur nicht darauf, dass du mit Deinesgleichen ein unkontrollierbares Rudel bildest. Dass du nach der Beute schnappst. Dafür haben wir nämlich ein Rudelbildungssystem aus kontrolliertem Rudelanbau, das euch Kläffer nur von der Leine lässt, um aufeinander loszugehen. Darauf kann man dann wieder wetten.

 
nato

Als Köhler zurückgetreten ist, hatten wir ihm vorgeworfen, aus dem Präsidentenamt heraus, also als Verfassungsorgan, eine militaristische Politik zu vertreten, die mit ‘Verteidigung’ nichts mehr zu tun hat. Das war richtig so, aber was wir in Form des pickelhaubigen Pastors Gauck inzwischen erdulden müssen, wirft uns um Jahrhunderte zurück. Der einzige Unterschied ist der, dass nicht im Namen von Volk, Führer und Vaterland und insofern ehrlich die Trommel gerührt wird, sondern dass er das auch noch “Demokratie”, “Frieden” und “Verantwortung” nennt.

In seiner kürzlich in Polen gehaltenen Rede lassen sich seine Mittel sehr anschaulich benennen, seine für sensible Ohren unerträgliche Rhetorik. Er stützt sich in seinem Salbadern und Schwadronieren auf religiösen Kitsch, die Legende eines Freiheitskampfes, den der Antikommunist vermeintlich schon führt, weil er einer ist, Geschichtsklitterung, die Attitüde eines Historikers, der er nicht ist sowie die Personalisierung und Moralisierung geostrategischer Kriege.

Gauck hebt an mit einem Lied von – zitiert – Leid (wiederholt), Grausamkeit, verdunkelten Seelen, Opfern, Wunden und Versöhnung, mithin dem Handwerkszeug des evangelikalen Predigers. Eine Analyse oder Kritik des Nationalsozialismus ist das nicht, aber ein “Kniefall”, mit dem “die Vergangenheit” erledigt zu sein hat, denn es gibt ja “nur noch wenige Menschen, die persönliche Schuld für die Verbrechen des NS-Staates tragen“. Persönliche Schuld ist sein Thema, denn es sind die Personen und der – ebenfalls mehrfach von ihm genannte “(starke) Wille“, die das Schicksal der Welt entscheiden, nicht etwa Interessen, Machtkämpfe oder – Köhler wusste das noch – Absatzmärkte, Rohstoffe und Handelswege.

Grusel, Grauen, Gruft und Gram

So ist es denn auch ein “Wunder”, das zu Erklärung der “Versöhnung” herhalten muss, rationale Erklärungen einer historischen und ökonomisch-militärischen Entwicklung passen weder in so ein Weltbild noch ins Kalkül, denn am Ende wäre Putin sonst doch nicht schuld. Gauck verweigert sich jeder wirklich historischen, geschweige denn wissenschaftlichen Betrachtung, weicht hier auf ein “Wunder” aus und baut da Ereignisse aus der Vergangenheit ohne Sinn in sein diffuses Stimmungsbild ein. Wo er die jüngere Geschichte – “nach 1989“, “nach dem Fall der Mauer” – interpretiert, strickt er wie immer an seiner Legende und ist sich für die übelsten Verdrehungen nicht zu schade. Die “NATO” habe die “Beziehungen zu Russland” so “entwickelt”, das Russland “integriert” worden sei.

Ein Blick auf die Karte reicht, solche “Integration” zu verstehen. Dass bei den 4+2-Gesprächen Gorbatschow das Gegenteil versprochen worden war, ist vermutlich die Integration in die westliche Demokratie: Die Sowjets durften sich danach einmal fühlen wie die Wähler drüben. Russland habe diese “Partnerschaft … aufgekündigt”. Das ist nicht nur ein dämlicher Witz, es ist auch noch falsch, denn eine “Partnerschaft”, die auf Betrug baut, kann man gar nicht kündigen, das ist nämlich keine.

Wenn Gauck Fakten bemüht, lügt er. “Wir” (die NATO) hielten “am Recht fest”, seien gegen das Brechen internationalen Rechts und die Unterstützung von Abspaltungen in fremden Ländern. Die NATO bricht seit Jahrzehnten ohne jede Pause internationales Recht, spaltete im Verein mit der EU schon Jugoslawien, es wurde u.a. der Spaltung des des Sudan zugestimmt, der Irak de facto gespalten, die ganze Region ins Chaos gestürzt. Ist das also “unser Recht”? Sichern wir so staatliche Integrität? Ehrlicher wird es, wenn er wieder schwurbelt, so von einer

Sicherheitspolitik, die Prinzipienfestigkeit mit Kompromissfähigkeit, Entschiedenheit mit Elastizität verbindet“. Einfacher: Wir führen Krieg, wo wir wollen, aber nicht unbedingt, wenn wir nicht gewinnen können.

Das Böse und seine Einzeltäter

Er sprengt sein eigenes Konzept schließlich, wo er den Bogen vom bösen Russen zu den bösen Islamisten versucht. Diesen wirft er vor, sie leugneten “die Universalität der Menschenrechte”. Dies ausgerechnet um die “Bekämpfung des Terrorismus” zu rechtfertigen. Guantanamo, Abu Ghreib, Totalüberwachung, die von Manning geleakten Jagdszenen im Irak, Drohnenmorde, Angriffskriege, Destabilisierung – vor diesem Hintergrund leugnen die Terroristen also jene Menschenrechte, die wir universal missachten, kaum das wir sie für gültig erklärt haben. “Universales Recht” heißt dann wohl so etwas wie “gilt für alle anderen”, was in der Praxis auch genau so gehandhabt wird.

Gauck backt sich aus den Weltkriegen, dem Naziterror, militanten Muslimen und dem bösen Putin die Frage “wozu Menschen heute fähig sind”, um das Böse ganz inquisitorisch in den Einzelnen zu suchen und ihnen Moral beizubiegen. Das Mittel dazu heißt ‘Verantwortung’, getragen von der NATO, dem strategischen Guten, das die Menschenrechte nicht leugnet, sondern sie zum Glaubensbekenntnis macht und selektiv verteidigt. Ich weiß noch immer nicht, ob der Mann so zynisch ist oder so dumm, aber er ist auf jeden Fall ein steter Quell bohrenden Kopfschmerzes.

Update: Dank an Spencer für diesen Hinweis – Gaucks Redenschreiber, ein Atlantiker und Embedded Horenalist.

 
Ich habe in den vergangenen Jahren einiges an Journalismuskritik versucht. Der Versuch ist mir als Blogger weitgehend unter den Fingern zerronnen, weil das Objekt der Kritik vielleicht schon zu Beginn meinen ignoranten Ansprüchen nicht mehr genügte. Ansprüchen, die es längst nur noch suggerierte, vor allem sich selbst. Vielleicht ist der Journalismus aber auch gerade in diesen neun Jahren noch schneller noch tiefer gesunken.

Ich will da gar nicht mehr nachkeilen, das hat erstens keinen Zweck und zweitens auch keinen, weil sich ja kaum mehr ein gemeinsamer Raum ergibt, in dem sich Anspruch und Wirklichkeit des ‘Qualitätsjournalismus’ begegnen könnten – der als Begriff inzwischen selbst nur mehr zum traurigen Running Gag taugt.

Drittens, und darauf will ich hinaus, geht es sinnvollerweise eher darum. was dem entgegenzusetzen ist. Eine deshalb schwierige Frage, weil die Ansprüche ja durchaus formuliert sind und wie ein Türschild vor einer Ruine an all das erinnern, was hier eigentlich wohnen sollte. Wie ebenfalls bereits erwähnt, ist die Auszeichnung ausgerechnet Claus Klebers mit ausgerechnet dem Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis nicht mehr zu unterbieten, aber keineswegs unerreicht. Dessen Motto aber ist deshalb ja nicht falsch:

Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache.”

Laber mich nicht voll

Schall und Rauch. Was noch relevant ist, ist Quote, ist Umsatz, ist Profit. Da das gemeine Management es wiederum für geboten hält, diesem Prinzip folgend einen kritischen Anstrich für gewinnfördernd zu halten, werden Kritik und andere Qualitäten eben in grausamen Ritualen endgültig zugrunde gerichtet. Dagegen scheint nichts bestehen zu können.

Dennoch sind weder Qualität noch Kritik totzukriegen, nicht einmal im Business. Das liegt übrigens nicht daran, dass sie gegen die Prinzipien des Marktes bestehen könnten, im Gegenteil: Sie können und sie könnten vor allem bestehen, wo sie dem Geschäft nützen. Die Strukturen in den Medien sind offenbar so verkrustet, [via], dass die Unfähigkeit des Establishments es fertigbringt, miese Qualität, Selbstbeweihräucherung und Untertanengeist sogar gegen jeden Geschäftssinn zu fördern.

Dabei kann man das, was gewünscht wäre, nach wie vor auf einfache Formeln bringen. In Zeiten des Internets mag alles viel zu schnell gehen. Es mag sein, dass man zwischen lärmenden Schreihälsen und grellen Lichteffekten um Aufmerksamkeit buhlen muss. Das kann aber gekontert werden. Sicher nicht, indem man Berichte abfasst wie vor hundert Jahren oder wie von einer Software selbsttätig generiert. Es kann auch nicht so gehen, dass man einen Aufriss macht, als müsse man mit Porno und Koksparties wetteifern.

Es muss vielmehr berichtet werden, indem erzählt wird. Es muss erzählt werden, was passiert. Es muss erklärt werden, wie die Erzählungen funktionieren und warum passiert, was passiert, und zwar so, dass die Leute das verstehen, es hören, sehen und lesen wollen. Das kann man sich ganz einfach verdeutlichen: Ich kenne Menschen, die das erleben, was ich erlebt habe, die waren, wo ich selbst war. Dennoch erzählen sie mir eine ganz andere Geschichte als meine. Weil sie mehr wissen, weil sie anders sehen, weil sie anders denken oder anders sprechen. Es interessiert mich, weil es auf die eine oder andere Weise gut erzählt ist. So einfach ist das.

 
Ich war schwimmen mit Kindern. Ich. Schwimmen. Mit Kindern! Wenn man in meinem Alter noch so bescheuert ist, quasi freiwillig dergleichen beizuwohnen, obwohl niemand einem seine geladene Knarre ans Ohr hält, lässt das ja schon tief blicken. Ich meine: Wir können zum verfickten Mars fliegen oder von interstellaren Handelsabkommen träumen, die uns traumhafte Wachstumsraten bescheren. Wir können nicht nur Minicomputer bauen, die man streicheln kann und die immer mehr immer bessere Features bieten, wir können sogar immer schlechtere Minicomputer mit immer mehr Bugs in immer kürzerer Zeit für immer mehr Kohle verhökern. Aber eine Lautstärkeregelung für Staubsauger oder die Scheißblagen kriegen wir nicht hin.

Wie auch, wenn sich Mulithonks wie ich mit solchen Schallterroristen auch noch in die geflieste Hölle eines bekackten echooptimierten Schwimmbades begeben, ohne dass man bis zur Unkenntlichkeit in Kabelbinder gewickelt dorthin gezerrt oder wenigstens vorher erschossen wird, was ja noch in Ordnung wäre. Das heißt doch schon „Hallenbad“, weil es eben hallt wie St. Paul’s. Man muss wohl auf eine nachgerade magische Weise, hinter der sich wie bei aller Magie eine bizarre Psychose verbirgt, betäubt sein. In meinem Fall leider nicht ausreichend, weswegen ich auch immer, wenn ich am Rande solch chlorierter Kleintiertümpel vor mich hin deliriere, an Saufen, Kiffen und weniger gesundheitsfördernde Genüsse denken muss.

Jegliches Grauen wartet hier auf das Auge des Betrachters, um den kurzen Weg durch den Sehnerv ausnutzend dem geplagten Hirn seine toxischen Eindrücke in die graue Masse zu fräsen. Während an einem solchen Ort das Jungvolk von Breifresser bis Hormonopfer seine Adipositas beim Wettwälzen auf dem Luftkissen durchknetet, geben in der abgetrennten Spalte nebenan quietschvergnügte freundliche Wassersportler dem noch nicht ganz bewegungsunfähigen Restgespross Schwimmunterricht. Nett, freundlich, hilfsbereit.

“Ein neuer Tiefpunkt”, wie ich auch ohne die drei Weizen erkenne, die ich mir notgedrungen virtuell, dafür aber intravenös verabreiche. Was soll das?! Zu meiner Zeit, als noch alles seine Richtigkeit hatte, gab es noch echte Trainer. Wenn da ein „Merkel” „eine „Raute“ machte, hieß der nicht Angie und glotzte hohl aus dem Hosenanzug, sondern Max und peitschte seine Opfer buchstäblich über den Rasen. Ein Schwimmtrainer hat dich seinerzeit gescheucht, bis du blau anliefst und zum Abschluss deinen Kopf ins Wasser gedrückt mit der Ansage: “Trink’ aus, wir wollen gehen!”. Danach warst du Kampfschwimmer oder hast nie wieder einen Zehnagel in so eine gekachelte Pissfütze getaucht. Ich habe die weise Entscheidung getroffen, mich fortan davon fernzuhalten.

Das Zeug darin ist sowieso immer zu kalt, wenn es nicht gerade eklig warm ist, definitiv zu nass, schmeckt scheiße und dröhnt kein Stück. Wozu wird dann eigentlich das ganze Gift da reingekippt? Clusterbullshit! Und dann kommen also diese Dealer von halogenisierter Plörre und Puls Hundertfuffzich daher und fixen unsere Kinder mit ihrem Spocht an, bloß weil sie sich keine anständige Murderline leisten können, die zivilisierte Menschen an dieser Stelle vorziehen. Wenn ich diesen brutalen Extremisten eines wirklich gönne, sind es Kinder!

 
1994x

Ich lese gelegentlich meine alten Texte. Das ist eine wunderbare Funktion des eigenen Blogs, das auf dessen Bezeichnung als “Log” hinweist (nein, nicht die Vergangenheitsform von “lüge”; das englische Wort für “Tagebuch”): Man kann sich auf einer zeitlichen Ebene reflektieren, die eigene Entwicklung betrachten, um sich zu schämen, auf die Schulter zu hauen, zu nicken oder sich zu schütteln.

Ich weiß, dass ich sehr lange gezehrt habe von Kommentaren zum vor allem politischen Geschehen. Das ist eine sehr dankbare Aufgabe, weil man sich immer an anderen Texten abarbeiten kann, Personen bewerten oder Aussagen prüfen. Das geht an der Stelle nicht mehr, wo man nichts dergleichen mehr findet, wo sich ein surreales Szenario über den Alltag legt und das Leben zu einer PR-geschönten Kopie der Kopie von Leben wird. Wenn so etwas hier längst nicht nur das Nachmittagsfernsehen, sondern genau so den ‘Qualitätsjournalismus’ und fast die gesamte Kommunikation prägt.

Ich weiß nicht, wann mich diese Krise erwischt hat und das Schreiben ein ganz anderes Gewicht bekam, immer öfter zur Last wurde. Es könnte im September 2009 gewesen sein. Da schrub ich noch über Namen und Parteipolitik, war aber eigentlich bereits fertig damit. Ich wiederhole mich:

quote

Es scheint niemanden so recht zu interessieren, jedenfalls nicht in der Opiumhöhle einer deutschen Medienlandschaft. Das Volk wird eingelullt mit Kuschelbullshit wie “Angie steht auf Richard und Robbie”, während an demselben Tage ein einziger großer Wahlboykott stattfindet – von Seiten der Kanzlerkandidaten. Nachdem Merkel ihr dreistes Versteckspiel mit der Absage der heutigen Elefantenrunde gekrönt hat, hat Steinmeier nachgezogen. Es bleibt also beim Verkündungs- und Stichwortbingo.

Zwar darf man von einem Aufeinandertreffen der Parteichefs bzw. Spitzenkandidaten nicht allzu viel erwarten, aber selbst wenig und mager wären noch eine ganze Menge gewesen im Vergleich zu dem, was uns bislang alles nicht geboten wurde. Die Ausgangssituation wäre sogar äußerst spannend gewesen:

Westerwelle hätte sich fragen lassen müssen, wie er sich auf eine Union festlegen könne und vor allem auf welche. Der aktuelle Steuerporno der CSU etwa – rauf runter, rein raus – kann ihm wohl kaum behagen. Was CDU und CSU überhaupt eint, hätte sicher jemand gefragt. Wie Steinmeier sich den Eismännern der sozialen Kälte anbiedert, mit denen er ja doch irgendwie koalieren will. Was die Grünen eventuell einmal nicht mitmachen und wie die Linke sich in dem Spiel verhält, dessen Zuschauer sie ist. Das sind nur einige wenige Themen, über die eine konzentrierte direkte Auseinandersetzung nicht stattgefunden hat.

Man redet aber lieber “im Zusammenhang”, will heißen: auswendig gelernt, man redet lieber übereinander und setzt eingeübte Schläge und Tritte ins Nichts. Man redet nur über Themen, die zuvor von einem Stab esoterischer PR-Berater freigegeben wurde und nur mit Menschen, deren Unbedenklichkeit schon in die Geburtsurkunde eingetragen ist. Man hat gern recht. Man ist vollkommen unfähig zu jedweder Diskussion.

Die ARD hat den rhetorischen Totalausfällen und Feiglingen vor dem Volk heute eine deftige Klatsche verabreicht, was aber kaum jemand notiert hat. Es wurden, wohl eher aus purer Not, die Elefantenrunden aus früheren Wahlen gezeigt. Nicht nur, daß fast jeder Politiker dieser Generation(en) mehr Format hatte als diese “Elite”. Allein daß diese Sendung zustande kam, ist ein ungemein zynischer Kommentar zur Lage der Nation. Zeigen wir eben historische Wahlkämpfe, wenn es keinen aktuellen gibt. Zeigen wir den Leuten, daß es einmal etwas zu entscheiden gab. Zeigen wir ihnen leidenschaftliche Politik. Stoßen wir sie mit der Nase tief ins Elend des Gehirnwaschsalons 2009.

Was Lobbyisten aus der Gesetzgebung gemacht haben, was Funktionäre aus den Abstimmungsverfahren gemacht haben, haben PR-Berater und journalistische Hofschranzen aus der politischen Kommunikation gemacht. Es wird verkündet und genickt, eingeschärft und geprüft, wiederholt, abgesichert, abgesprochen, noch einmal wiederholt und eingeübt und abgenickt und wieder eingeschärft. Es werden die Begriffe zurechtgebogen und eingeschliffen, tabuisiert und verteufelt, emotional angereichert und nach Effizienzkriterien in der Wählerschaft verklappt. Es werden Alternativen in aufwendigen Verfahren mehrfach ausgesiebt und endgelagert, bis es nur noch eine “Wahrheit” gibt, die dann das oben beschriebene Verfahren durchläuft. Widerspruch ist zwecklos.

Und wenn er dann doch droht, weil es jemanden geben könnte, der etwas sagen könnte oder dazu verleiten könnte, daß etwas gesagt würde, das nicht eingeübt, geprüft und abgenickt ist, dann gehen sie einfach nicht hin. Die Kanzlerkandidaten, alle beide!
Wer sich derart aus dem Kampf verdrückt, wer sich so feige aus dem Staub macht und diejenigen im Regen stehen läßt, die er zu führen beansprucht, dem wird in diesen Zeiten zum Dank noch eine Limousine gestellt, anstatt ihm die Pistole zu reichen. Gerechter wäre es, der Anfang einer kleinen Gerechtigkeit, wenn man nachher wenigstens notieren dürfte: “Auf der Flucht abgewählt”.

 
Ich bin ein Aufklärer. Viele Menschen wissen nicht, wie sie sich richtig im Netz bewegen, was wichtig ist was unwichtig und wie man die Dinge hier sehen muss. Ich helfe ihnen gern dabei. Einige Beispiele, wie man auf andere reinfallen kann und worin meine Aufklärungsarbeit besteht:

Jemand glaubt, er könne etwas, das ich nicht kann.

Schreiben zum Beispiel. Jemand kommt lockerer daher als ich. Oder kompetenter. Besser informiert oder besser vernetzt. Kann Dinge schneller auffassen oder in fundiertes Hintergrundwissen einordnen. Und bildet sich natürlich was drauf ein.

Na und? Ich kann auch schreiben. Okay ich weiß nicht so gut wo die Kommas, hinkommen. Ich wahr in der Schule oft krank und kann seiddem nicht gut rechtschreibung. Aber ich kann trotzdem mitreden. Die “Informationen”, die ich brauche, habe ich in Nullkommanix von Wikipedia und aus den Blogs, die ich gut finde. Wer das nicht kennt und sich damit nicht befasst, ist sofort entlarvt! “Hintergrundwissen”, dass ich nicht lache! Nur Sektengründer arbeiten mit sowas. Ich kann doch auch alles ganz einfach erklären. Seht ihr, schon wieder gewonnen! Wer mir zu flapsig kommt,. ist ein Clown, und wer mich nicht witzig findet, ist ein Spießer. Lasse ich sie dann sofort wissen.

Fotografieren zum Beispiel. Die Fotos werden von vielen gelobt.

Pah, sieht ein Blinder, dass die mit Photoshop bearbeitet sind, kann ja jeder. Ich habe damals noch analog fotografiert und sogar einmal selbst entwickelt. Wer das nicht kennt, hat keine Ahnung. Alles Kitsch hier. Lasse ich die anderen sofort wissen.

Unterhalten zum Beispiel, reden, komisch sein.

Wenn das Taug hätte, käme das im Fernsehen, und überhaupt: Ich mache doch nicht die Glotze aus, um mir hier doch wieder Geflimmer anzutun. Lasse ich sie gern wissen, diese Hobbyanimateure.

Jemand ist beliebt und zieht viele Nutzer an

Ja, wie macht der das wohl? Macht die Leute von sich abhängig. So etwas geht nur mit Techniken, die auch Parteien und Kirchen einsetzen. Wer das nötig hat, hat’s nötig. Mache ich denen auch gleich klar und ihren unkritischen dummen Anhängern sowieso.

Jemand wird dauernd nach seiner Meinung gefragt

Wahrscheinlich ist der das alles selber. Kommentiert sich selbst unter verschiedenen Nicks. Stellt sich Fragen und beantwortet die dann. Das kann absolut jeder. Solchen Leuten mache ich ihre Irrelevanz täglich deutlich. Womöglich macht der das auch noch unter seinem Klarnamen. Wer so eitel ist, gibt ganz klar zu erkennen, dass er sich nur größer machen will als er ist. Außerdem haben diese Narzissten keine Ahnung vom Internet, wie kann man nur so blöd sein? Ich schreibe doch auch unter Pseudonym. Kann der Amateur gern von mir lernen.

Jemand stellt unmoralische oder sogar verbotene Inhalte ins Netz

Der muss ja wissen, was er tut, also erzähle ich es ihm. Immer wieder, denn ein bisschen Ordnung muss ja sein. Natürlich – natüürliich macht er das anonym, der Feigling! Wenn er wirklich dahintersteht, warum dann anonym? Ist ja lächerlich!

Das sind nur einige wenige Beispiele, wie mein Widerstand dafür sorgt, dass das Internet nicht ganz zu einem Tummelplatz von Unwissenden und ihren Verführern verkommt. Ich werde hier bald ein anschauliches Beispiel geben, wie ich jemanden widerlegt, entlarvt und bloßgestellt habe. Also Leute, denkt immer dran: Nicht bloß reden!

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