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2005-2013 (alle Beiträge)
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Haben die "68er" die Republik verändert? Was waren die Reaktionen auf die Proteste und die politischen Ansätze der linken Studentenbewegung? Zunächst ist der "Marsch durch die Institutionen" zu erwähnen, der zur Gründung der "Grünen" geführt hat. Was aus K-Gruppen und anderen radikal linken Verbänden in der etablierten Parteienlandschaft angekommen ist, hat sich zunächst dort gesammelt. Der militante Arm der Bewegung hat zu einem offensiven und öffentlichen Ausbau der nach wie vor von Nazis dominierten Dienste geführt, hier vor allem des BKA, und zwar mit großem Rückhalt in der Bevölkerung.

Was die RAF geleistet hat, war eine späte Legitimation für den autoritären Sicherheitsapparat. Dabei ist es ihr nicht im Mindesten gelungen, "die faschistische Fratze" hervorzuholen, sondern vielmehr die Nazis im Apparat als Wahrer des inneren Friedens erscheinen zu lassen. Die Stammheim-Prozesse haben dem noch die Pickelhaube aufgesetzt, indem der sogenannte "Rechtsstaat" ohne nennenswerten Widerstand zeigen durfte, wie weit man unbehelligt das Recht der autoritären Justiz entgegen beugen konnte.

Die u.a. durch die rechte Presse angeheizte Stimmung wäre geeignet gewesen, die Todesstrafe wieder einzuführen. Die gemäßigteren Medien hatten dem nichts entgegenzusetzen. Sie waren selbst antikommunistisch, und auch wer sich der Hysterie nicht anschloss, konnte dem Morden nicht zustimmen. Allein die Zerstörung des Rechtsstaats als Reaktion wurde vereinzelt thematisiert, u.a. durch Prominente wie Heinrich Böll.

Terror wie bestellt

Ein Zusammenhang zwischen der Ermordung deutscher Funktionäre, Anschlägen auf Kaufhäuser und NATO-Infrastruktur war nicht vermittelbar, und wer es versuchte, wurde bereits der Kollaboration verdächtigt. "Sympathisanten" waren diese, was für vorläufige Festnahmen, Berufsverbote und Haftstrafen oft ausreichte. Linksradikale Presse, Bücher, Zeitschriften wurden konfisziert und die Macher verurteilt. Der Sieg über die fundamentale linke Opposition war militärisch und politisch total. Eine Diskussion über Sinn und Gefahren des Kapitalismus wurde öffentlich nie geführt; der Vietnamkrieg wurde zwar geächtet, aber ein Zusammenhang mit geostrategischen Interessen nicht wirksam hergestellt.

Nach wie vor wurde der als "Soziale Marktwirtschaft" verniedlichte Kapitalismus befürwortet und die Systemalternative als das Böse schlechthin betrachtet. Breschnew gab einen formidablen Diktator ab und würgte die Freiheitsbestrebungen in Osteuropa gleich mit Panzern ab. Nach den 68ern hatte sich lediglich der Ton geändert. Gegenüber Moskau gab es "Wandel durch Annäherung", ein wenig mehr Reiseverkehr zwischen Ost und West. Im Lande selbst wurden die Nazis etwas leiser, und es bildete sich eine Kultur der getragenen Staatstrauer als Beschwichtigung derer, die den Holocaust nicht verdrängen wollten.

Die Deutsch-Amerikanische Freundschaft, längst zu einer Marke geworden, wurde durch den Vietnamkrieg ebenso wenig gestört wie durch Stellvertreterkriege, CIA-Morde oder die Förderung von Diktaturen. Im Gegenteil wurden Freundschaften wie die von Strauß zu Pinochet vorwärts verteidigt, als sei jeder eben ein Kommunist, der so etwas anrüchig findet. Es herrschte Meinungsfreiheit, so lange der Status Quo nicht infrage gestellt wurde, für den Rest gab es die Keule "verfassungsfeindlich". Dieser Rest hat sich aber in den 70ern ins Private zurückgezogen oder wandte sich konkreteren Themen zu: Umwelt, Frieden, Atomindustrie. Aus diesen Resten entstanden Anfang der 80er die Grünen - und eine Friedensbewegung, die weit über dieses Spektrum hinaus ging.

Der totale Krieg

Mit dem NATO-Doppelbeschluss, der Stationierung von Mittelstreckenraketen in der BRD, wurde der Kalte Krieg zu einem Ritt auf der Rasierklinge. Die Vorwarnzeiten schrumpften auf wenige Minuten, sodass jede Zuckung auf der einen Seite, falsch interpretiert, zum Drücken der Knöpfe auf der anderen hätte führen können. Überdies gab es Pläne der NATO, die das nackte Grauen inszenierten. In Strategien zur "Enthauptung" der Sowjetunion unter Preisgabe Westeuropas* (d.h. Vernichtung seiner Bevölkerung) kam wohl die neue militärische Ideologie zur Fusion faschistischer Vernichtungsphantasien der alten Nazis und der neuen Weltherren.

Auf den Punkt illustriert ein Artikel des "Spiegel" aus 1983 das Narrativ, in dem die Reaktionen auf eine Kritik dieses Irrsinns durch den SPD-OB von Saarbrücken aufgezeichnet sind. Überhaupt ist die SPD zu jeder Zeit die Repräsentanz der deutschen Schizophrenie gewesen. Motto hier: Wir wollen die Vernichtung Europas kritisch begleiten, aber dafür nicht den Kommunisten in die Hände spielen.

Obwohl Deutschlands Funktionäre treu bis zum Suizid den neuen Herren dienten und die gewählten Parlamentarier zu 100% mitzogen, obwohl die Medien dem nur äußerst sporadisch etwas entgegensetzten und vielmehr entschieden die NATO-Doktrin propagierten, schloss sich das Volk immer noch nicht der Militärpolitik an. Der Krefelder Appell, die Ostermärsche und die Großdemonstration 1982 in Bonn brachten millionenfachen Protest zum Ausdruck. Krieg wollte noch immer niemand, und nur die Drahtzieher in ihren Bunkern waren bereit, einen diesmal nuklearen Holocaust zu entfachen. Daran hatte sich in vierzig Jahren nichts geändert.

*edit: "Westeuropas", weil es dort die 'Verbündeten' verdampft hätte. Hinter dem Eisernen Vorhang war ja ohnehin nur der Feind.

 
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Nachdem der anfänglich einsichtige Antifaschismus schnell überwunden war und die Nazis still rehabilitiert, wurden die Reste der Erwischten verurteilt. Die Auschwitz-Prozesse, in denen 1965 die Urteile gefällt wurden, schlossen das Kapitel ab und versenkten das Thema endgültig in Schweigen. Millionen Tote, ein bestialischer industrieller Massenmord war kein Thema, wurde erst gar keines. Was hingegen Thema war und höchste Priorität genoss, war weiterhin die 'Sicherheit'. Die großen publizistischen Skandale waren die Lockheed- und die 'Spiegel'-Affäre, bei beidem ging es jeweils um die Bundeswehr, und der je betroffene Minister Strauß, ehedem Offizier für politische Führung, ließ 1962 den vorlauten Journalisten Augstein verhaften wegen ("Abgrund von") Landesverrat. Immerhin stellte sich hier noch ein Leitmedium gegen die Regierung.

Stets treu den Adenauers und den Amerikanern verbunden hingegen waren Axel Springer und seine Kampfblätter. Nicht zufällig wurden sie kurz später zur Zielscheibe militanter Proteste. Bevor wir dazu kommen sei noch der Stand des Antifaschismus erwähnt. Bei den Prozessen salutierten einige Polizisten den angeklagten hochrangigen SS-Angehörigen, die Quellen sind sich nicht ganz einig ob beim Eintreten oder Verlassen des Gerichtssaals. Offenbar war aber im Angesicht des namenlosen Grauens noch immer Rang und Stand wichtiger als irgend etwas, das mit auch nur rudimentären ethischen Grundlagen der Zivilisation zu tun hat. Man solidarisierte sich mit den Herrenmenschen, um kollektiv eine Schuld von sich zu weisen, die man nicht tragen konnte.

Den Spießer umgedreht

Während überall in Europa und in den USA freiheitliche linke Gruppen anwachsen und protestieren, hetzt die rechte Presse aus allen Rohren gegen "Gammler" und "kommunistische Aufrührer". Die Proteste entzünden sich an ganz unterschiedlichen Themen, teils soziale, teils politische. Die unterdrückte Linke wendet sich demonstrativ dem Marxismus-Leninismus zu, Jugend tut das Verbotene. In Deutschland verschärft sich die Lage durch das Ausbrechen eines Generationenkonflikts, in dem die Jungen entsetzt entdecken, was ihre Eltern verschwiegen haben. Zudem ziehen die Politisierten den logischen Schluss, dass das schöne Wirtschaftswunder ebenso über Leichen geht und die alten Nazis mit den neuen Imperialisten unter einer Decke stecken. Egal, wo sie unter den Teppich schauen, finden sie das nackte Grauen: Auschwitz, Vietnam, Gas und Napalm waren die Grundpfeiler des Aufschwungs.

Fast intuitiv, aber ebenso durch fundierte Analyse, wenden sich die Proteste gegen das Konglomerat, das teils still, teils autoritär die Fäden zog: Industrie, Militär, Politik und Presse. Die Gewalt der NATO, die antikommunistische Hetze, das anhaltende Schweigen zum Holocaust, der bodenlose moralische Abgrund eines mörderischen Kapitalismus und einer Generation, die nichts wissen wollte von ihrer Verkommenheit. Dabei verlief die Frontlinie wieder entlang derselben alten Erzählung: Marktwirtschaft, Freundschaft zu Amerika, der böse Russe und sein Kommunismus, die Rolle der Sicherheitskräfte. Der Unterschied: Zu verschweigen war da nichts mehr und die Rollen wurden neu bewertet. Das Schweigen musste in den kommenden Jahrzehnten sehr beredt wiederhergestellt werden.

Beredte Amnesie

Einen Grundstock für die Fortschreibung der Geschichte einer 'jungen Demokratie' (als hätte Weimar nicht die Nazis hervorgebracht) legte die Amtszeit Willy Brandts. Seine Leistung besteht nicht zuletzt in der Rettung eines Narrativs unter unmöglichen Bedingungen. Als selbst Verfolgter der Nazis setzte er sich dem Geifer der alten Garde aus, um deren Erbe zu retten. Ganz große Symbolpolitik ersetzte das Schweigen und versöhnte es mit dem Geschwätz. Der Kniefall von Warschau war eine der wenigen Möglichkeiten, die Ruhe wiederherzustellen. Wir sind auf die Knie gefallen, was denn jetzt noch?!

Auch sein Motto "Wir wollen mehr Demokratie wagen" passt ins Bild. Unter seiner Regierung ging die Kommunistenhatz fröhlich weiter, und der Radikalenerlass stand auch Brandts "Demokratie" nicht im Weg. Zu Vietnam fiel den Sozialdemokraten ebenfalls herzlich wenig ein. Übrig geblieben ist eine innige Freundschaft zwischen Schmidt und dem Kriegsnobelpreisträger Kissinger. Das einzige, das sich wirklich geändert hat, war die Beziehung zu Osteuropa und der DDR, was die USA veranlasste, Untergrundarmeen aufzubauen. Die treue CDU bekam gleich eine eigene.

Die deutschen Verbrechen wurden fortan mit Trauermiene abgefeiert, wobei es nach wie vor keine lebenden Schuldigen gab. Nach dem Abebben der Proteste der "68"er wurde die Freundschaft zu den USA weiterhin behauptet, als habe es nie einen Zweifel gegeben. Die Spannung stieg einmal mehr, als die Pazifisten zu Millionen auf die Straße gingen.

 
Die Geschichte der jungen Bundesrepublik aufarbeiten zu wollen, trägt einem heute wie automatisch den Vorwurf der "Verschwörungstheorie" ein, denn was sich dort tatsächlich abgespielt hat, wer welchen Einfluss auf Entscheidungen hatte, ist kaum mehr nachzuvollziehen. Eines ist hingegen gewiss: Die BRD war weder demokratisch noch souverän. Dass sie nicht souverän war - vielleicht besser so - liegt auf der Hand, da die Alliierten keinen Grund hatten, ein neues Deutschland ungestört aus dem alten entstehen zu lassen. Demokratisch war auch nahezu nichts, das zeigt sich anhand der Konflikte der Adenauer-Ära und ihrer autoritären 'Lösung'.

Das Ahlener Programm der CDU etwa wollte keinen Kapitalismus mehr nach den Erfahrungen, was daraus geworden war, sondern "Sozialismus". Die SPD wollte eh keinen und die Kommunisten schon gar nicht. Dennoch kam es ganz anders. Niemand wollte mehr Krieg, und die große Mehrheit wollte auch nicht sofort wieder eine Armee. Wie ein aktueller Artikel im "Freitag" darlegt, gingen Adenauer und die durch ihn repräsentierten Mächte aber mit aller Gewalt gegen jedweden Antimilitarismus vor. Wer gegen die Wiederbewaffnung und Aufrüstung war, wurde als 'Kommunist' und möglicher Hochverräter angegangen. Dabei waren selbst 'linke' Gruppierungen ausdrücklich antikommunistisch.

Die neuen Eliten

Adenauer und die USA konnten bei ihren Plänen hauptsächlich auf Reaktionäre aus Wehrmacht und NSDAP bauen, die ja auch die neuen Eliten stellten. Die Spannung zwischen der pazifistischen Tendenz der Deutschen nach den Erfahrungen unter den Nazis und der militaristischen Ausrichtung der Eliten ist bis heute nicht gelöst, wenngleich wichtige Funktionseliten wie Kirchen, Gewerkschaften und Sozialdemokraten inzwischen auf Linie gebracht wurden. Dies wiederum geht allerdings auf Kosten der Spannung zwischen jenen Eliten und denen, die ihnen folgen. Die SPD hat es zerrissen, die Kirchen folgen ihren eifrigen Funktionären wie Gauck oder Göring-Eckart keineswegs geschlossen. Von Anfang an waren offizielle Sprachregelungen und Prioritäten von oben her diktiert.

Dies stößt wiederum durchaus auf Zuspruch, denn die Deutschen hatten zu keiner Zeit ein grundsätzliches Problem mit Autoritäten. Kanzler wie Adenauer und Kohl hatten kaum mehr zu bieten als ihr Amt und die dazugehörige Attitüde, und auch Helmut Schmidt dürfte nicht zuletzt deshalb beliebt sein, weil er an seiner Autorität keinen Zweifel zulässt. Gerade vorgeblich 'linke' Parteien wie SPD und Grüne haben sich als ausgesprochen autoritätshörig und entsprechend wendig erwiesen. Die letzten Zuckungen einer wirksamen "Basis" war die vereinzelte innere Opposition von SPDlern gegen Schmidt beim NATO-Doppelbeschluss. Zu Fall gebracht haben ihn freilich andere. Gleichzeitig zeigte sich Anfang der 80er Jahre aber, dass die Bevölkerung nach wie vor pazifistisch eingestellt war, trotz Jahrzehnte langer Bevormundung durch ihre Führungen.

Brüche in der Erzählung

Die BRD war von Anfang an geprägt durch Antikommunismus, Autoritätsglauben, einen unterdrückten Pazifismus und Proamerikanismus. Die Bruchlinien dieses Narrativs sind aber vielschichtig: Diejenigen, welche die neue Schutzmacht als Führerersatz akzeptierten und gern wieder mitmarschierten, haben den Holocaust durch fortgesetzten Antisemitismus verwunden, was sie wiederum in unterdrückte Konflikte zwang. Wenigstens diese jüdischen Bänker waren ihnen nach wie vor zuwider, obwohl man die 'Marktwirtschaft' aggressiv verteidigte. Abweichende politische Haltungen wie Pazifismus und Antikapitalismus gingen hingegen häufig einher mit dem Bewusstsein, dass es die Alliierten waren, die Deutschland von den Faschisten befreien mussten und dass jene es waren, die den Holocaust beendet hatten.

Die Rechte war großenteils also nach wie vor antisemitisch und daher auch tendenziell antiamerikanisch und betrachtete die Besatzer als Fremdkörper. Andere Teile der Rechten verbündeten sich hingegen eng mit ihnen und beanspruchten für sich, die wahren Demokraten zu sein, da sie ja jetzt gemeinsam mit der Oberdemokratie das Land befehligten. Das sorgt übrigens bis heute für Verwirrung. Die Sozialdemokratie kämpfte erst gegen das neue alte Militär, murrte dann noch eine Weile und vertrat schließlich selbst aggressiv die Interessen der NATO. Wohlgemerkt: Die Funktionärskaste der SPD, keineswegs deren "Basis". Weiter Links wurde eine No-Go-Zone errichtet, indem alles, was die neuen Herren nachhaltig infrage stellte, kriminalisiert wurde.

Das ging anfangs alles sehr gut, so lange das sogenannte "Wirtschaftswunder" anhielt und niemand wirklich ausprobierte, was man mit 'Demokratie' so alles tun konnte. Dann öffneten sich einige Brüche, symbolisch dafür steht "1968".

 
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Die Bundesrepublik Deutschland als Staat von Gnaden der drei Mächte legte sofort los mit der Sicherung der neuen 'Demokratie', indem Parteien verboten und Anhänger einer bestimmten politischen Ausrichtung verfolgt wurden. Zunächst wurde mit der "Sozialistischen Reichspartei" ein Versuch alter Nazis verboten, die NSDAP unter anderem Namen weiter zu betreiben. Da hatten einige nicht kapiert, dass es neue Autoritäten gab und die alten tatsächlich in ihrer originären Ausrichtung unerwünscht waren. Das führte allerdings nicht dazu, dass Nazis lange behelligt wurden. Im Gegenteil konnten sie schon bald wieder Beamte werden, auch wenn sie Kriegsverbrechen begangen hatten.

Man schoss sich dann auf eine andere Gruppe ein, die sich nicht ohne Widerstand der Nachkriegsordnung beugen wollte: Die Antifaschisten. 1951 wurde ein "Strafrechtsänderungsgesetz" erlassen, das drakonische Strafen für eine politische Betätigung verhängte, die den neuen Herren nicht behagte. Unmittelbar danach wurde das Verbotsverfahren gegen die KPD eingeleitet, dass Jahre später zu deren Verbot führte. Gleichzeitig wurde die Verfolgung der Antifaschisten, u.a. auch der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, von denselben Juristen vorangetrieben, die sie schon vorher gehetzt hatten. (Unbedingte Leseempfehlung dazu hier.)

Weiter so

Die Konstellation war schon damals nicht rein antikommunistisch, auch wenn sich die Machthaber stets darauf beriefen, einen stalinistischen Umsturz verhindern zu wollen. Von Anfang an waren es antimilitaristische Kräfte, die verfolgt wurden und jene, die sich gegen den wieder aufblühenden Kapitalismus engagierten. In derselben Zeit, als in den USA McCarthy "unamerikanische Umtriebe" mit totalitären Mitteln verfolgte, sorgte ein gut geölter Apparat aus Kalten Kriegern der Alliierten und alten Faschisten für eine politische Linie, die bestimmte Ansätze im Keim erstickte. Parallel zur massiven Unterdrückung missliebiger politischen Aktivitäten wurde der Aufbau der Inneren und Äußeren Sicherheit durch die Gründung der Bundeswehr und neuer Geheimdienste unter Führung ehemaliger Naziverbrecher vollendet.

Von Anfang an kooperierten die alten Faschisten mit den Amerikanern gegen den Feind im Osten. Zu keiner Zeit danach hat es einen Bruch in der personellen Besetzung gegeben, und auch die gesellschaftlichen Konflikte der "68er" haben an diesen Strukturen nichts verändert. In den 60er Jahren entledigte man sich im BND still einiger Kriegsverbrecher, bis heute aber wird die Frühgeschichte der 'Dienste' verschleiert; im Zweifelsfall verschwinden Akten. Eingebettet in Stay-Behind-Strukturen und ausgelagerte illegale Dienste überdauerte das Konglomerat aus Faschisten und NATO-Kräften offenbar bis heute.

Autoritäre Demokratie

Diese Dienste machten freilich nicht unmittelbar Politik, auch wenn man annehmen muss, dass sie durch gezieltes Lancieren von Informationen oder im Einzelfall direkte Erpressung Entscheidungen beeinflussen konnten. Zunächst muss festgehalten werden, dass hinter den Kulissen die Verteidigung der Ordnung durch autoritäre Strukturen höchste Priorität hatte. Es wurde keineswegs ein Bruch mit dem Nationalsozialismus favorisiert, sondern eindeutig die vorhandenen Naziseilschaften genutzt, um die Systemkonkurrenz aus dem Osten zu bekämpfen.

Dies wiederum deckte sich völlig mit der Oberfläche der Innen-und Außenpolitik, auf der eben das Bild der Bedrohung durch die Kommunisten im Osten und im Untergrund gemalt wurde. Das Adenauer-Regime war ungebrochen antikommunistisch, nationalistisch und autoritär, was unter den Bedingungen eines offiziellen Antifaschismus und einer 'modernen Demokratie' spezifische Brüche hervorrief. Diese sind der Kern des deutschen Narrativs, der im nächsten Artikel genauer zu betrachten sein wird.

 
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Bundesarchiv, B 145 Bild-F015051-0003 / Patzek, Renate / CC-BY-SA

Wenn man sich in diesen Tagen fragt, warum eine bestimmte 'Wirklichkeit' präsentiert wird von Medien und dem politischen Establishment, eine, die keine Hemmungen zeigt gegen Biegen und Brechen, eine, die von Lesern und Zuschauern aggressiv fordert, man solle sie gefälligst glauben und nichts anderes, ist es schwierig, einen Ansatzpunkt für eine Erklärung zu finden.

Beispiele: Ein brutaler islamischer Despot wird posthum nicht nur zum Friedensengel verklärt, sondern auch noch zum Freund der Frauen. Da werden Bildausschnitte gewählt, aus denen eine völlig andere Geschichte spricht als sich ereignet hat und Kritik daran rüde abgebürstet. Da wird nach immer drastischeren Beschneidungen der Bürgerrechte geschrien, just nachdem sich wieder einmal gezeigt hat, dass dies den vorgeblichen Zweck völlig verfehlt.

Die Agenda

Dennoch sieht man sich einer Front gegenüber, einer Einheitspropaganda, die provozierend tölpelhaft erscheint. „Wie können sie das ernsthaft erzählen?" ist die Frage. Dabei hilft es wenig, auf die Arroganz der Macht zu verweisen und auf Interessen, die dahinter stehen. Natürlich ist das meist so, aber es erklärt weder die konkreten Inhalte noch die Selbstverständlichkeit, mit der die Balken gebogen werden. Dazu muss man weiter zurückgehen.

Die beherrschenden Themen, zu denen die absurdesten Konstrukte von 'Wahrheit' geliefert werden, sind die Ökonomie der 'Krisen', die militarisierte Außenpolitik als 'Antiterrorkampf' sowie das Handeln und Behandeln der Geheimdienste, deren unkontrollierter Macht von Seiten derer, die sie kontrollieren sollten, mit immer mehr Befugnissen begegnet wird. Dabei fallen hierzulande zwei Phänomene auf: Einerseits sind deutsche 'Dienste' eng mit einem wuchernden Konglomerat der NATO verbunden, andererseits hat sich herausgestellt, dass sie im Inland mit Netzwerken von Neonazis verfilzt sind.

Wenn man weiß, dass die deutschen Dienste von Nazis und Alliierten aufgebaut worden sind und dass auch die staatliche Strafverfolgung und Justiz zutiefst von Nazis durchdrungen waren und von ihnen aufgebaut wurden, liegt die Frage nach einer Kontinuität nahe. Gibt es noch andere Stränge der Geschichte, die nie abgerissen sind? Kann es sein, dass die Lebenslüge einer nie demokratisch gewordenen Gesellschaft sich offenbart? Dazu müssen wir uns in die Zeit zurück begeben, in der das Nazireich in die Bundesrepublik Deutschland überführt wurde. Ein Seitenblick auf die DDR wird ebenfalls hilfreich sein, da die aber nicht zur NATO gehörte, sondern dereinst zum 'Feind', ist dort ein Bruch nur logisch.

Nützliche Nazis, gefährliche Linke

Für mich war ein Anlass zu diesem Versuch der hervorragende Artikel von Thomas Fischer, der gleich zwei Aspekte des Problems berührt: Die Frage, warum ein Richter solche Qualität abliefert, zu der Journalisten nicht mehr fähig scheinen und sein bemerkenswerter Satz: "Die ersten sechs Generalbundesanwälte unserer Republik waren frühere Mitglieder der NSDAP" (dezente Korrektur und weitere Informationen dazu hier). Die Kontinuität der Herrschaft von Nazis ausgerechnet im Bereich Innere Sicherheit war nahezu total. Das muss man sich zunächst vor Augen halten, wenn man verstehen will, wie der Apparat noch heute aufgebaut ist.

Die Alliierten unter Führung der USA hatten einige prominente Nazis hinrichten lassen und mit den anderen einfach weitergemacht. Sogar einen gemeinsamen Feind hatte man mit 'den Russen', der Sowjetunion. Die Deutschen kamen vor allem nicht darüber hinweg, von den "Untermenschen" des Ostens besiegt worden zu sein und die USA mussten die Systemkonkurrenz angreifen. Die Einigkeit gegen den bösen Russen trug vom ersten Tag - bis heute. Dazu konnte man ehemalige Nazis hervorragend gebrauchen, während etwa Sozialisten beide Projekte aufs Äußerste gefährdet hätten. Dazu mehr im nächsten Artikel.

 
pestIch habe einmal einen Artikel über Jan Duweißtschonwer geschrieben. Ein Mal. Da steht eigentlich alles drin. Wie er funktioniert, dass er ein Troll ist und dass er auch schamlos die brutalsten Nazis heranzieht, um das zu untermauern, was er als Moral ausgibt. Auch die ist eher so etwas wie eine Tagesmoral, denn wie alle anderen Moralen ist sie wandelbar wie das Wetter, und ihr Urheber schert sich nicht um sein Gehetz von gestern.

Ich habe auch dem Wagner einmal geantwortet. Ein Mal. Der ist so etwas wie die Sparausgabe, der Typ Stammtischkasper, der nicht mit Messer und Gabel essen kann, aber am Ende in dasselbe Horn stößt. Es fällt dabei übrigens auf, dass der Pöbelpapst im dreckigen Bademantel noch eher Hemmungen zeigt als der im Zwirn. Was soll er auch machen? Göbbels zitieren? Das fiele dann ja doch auf. Wie dem auch sei, sie sind halt Trolle, die ihrer Rolle treu bleiben müssen. So ist das im Showbiz.

Immer wieder lese ich dennoch Repliken auf die gammeligsten Auswürfe ihrer klaffenden Rachen, regelrechte Shitstorms, als sei es hilfreich, dem Pesthauch auch noch die Fäkalfahne zu reichen. Verzichtbar.

Die Quinte des Trolls

Ich habe darüber nachgedacht, was die Quintessenz des gut dotierten Medientrollens ist und landete nach der üblichen Zeit, die meine CPU zum Kalkulieren solcher Gedanken braucht, wieder beim ersten Gedanken, mit dem ich bei „Hartz IV“ losgelaufen war. Hatz IV, das kann man auch austauschen gegen Griechen, Moslems, 'Wirtschaftsflüchtlinge', Kinderficker oder Handtaschendiebe.

Die rassistische Grundkonstellation, die Menschen ausweglos Minderwertigkeit bescheinigt, sich selbst darüber erhebt und in der Folge härteste Urteile fällt (gern begleitet durch eine blasse Vision, sie auch ohne weiteren Prozess vollstrecken zu können) ist der Fluchtpunkt solcher Hetze. Da es aber verpönt ist, Menschen ihrer bloßen Existenz wegen dem Hass auszusetzen, muss der rechte Troll ihnen Verfehlungen andichten; eine Schuld, die sie zu sühnen hätten.

So wird der Hilfebedürftige flugs zum „Schmarotzer“ und der Profiteur derselben Veranstaltung zum „Leistungsträger“ qua Kontostand. Hat jemals wer eine Kampagne gegen Milliardärserben gelesen, die täglich Millionen verprassen und sich benehmen wie Ernst August auf Koks? Nein. Die Moral der Geschichte ist schnell erzählt: Jeder kriegt, was er verdient, und wer nichts verdient, hat es verdient zu leiden. Je schlimmer, desto besser. Das ist Gerechtigkeit unterm Kapital, schon immer gewesen.

Gönnen können

Sieht man das anders und hat etwas über die Elite zu melden, ist das „Sozialneid“. Denn es geht nicht um die Personen, auch da ist der Propagandist ganz nah an der Wahrheit, sondern darum, nicht das Ganze anzuzweifeln, das die Rollen zuweist.
Es ist daher auch schwierig, denen zu zürnen, die es aufs Oberdeck gespült hat und die in ihrer eigenen Unzulänglichkeit auf die unter ihnen spucken in dem Ansinnen, doch wieder die Einzelnen für ihre Situation verantwortlich zu machen. Die Reaktion ist menschlich.

Ich neide es ihnen nicht und gönne ihnen gar nicht das Schlechteste. Ich wünsche ihnen und mir vielmehr das größte Vergnügen. Bewegung an frischer Luft zum Beispiel. Wie wäre es mit einem Ausritt durchs Stadttor? Ich würde nicht sparen und ihnen reichlich geben. Teer vom Fass um Beispiel, da wäre ich extrem großzügig. Und auch an Federn soll es ihnen nicht mangeln, gern auch bunt und groß. Beim Feiern ist man nicht geizig, das haben wir uns schließlich verdient!

 
waha

Eigentlich war es als Opener nicht gedacht, aber diese Nachricht passt einfach zu gut: Die Entwicklungsorganisation Oxfam meldet heute, dass 2016 das reichste Prozent der Menschen mehr Vermögen haben wird als die restlichen 99% zusammen. Dabei sind die folgenden 9% auch noch verdammt reich!

Ich möchte über die nächsten vier Buchstaben sprechen, heute "TISA", was als "Dienstleistungsvertrag" um den Globus gelogen wird. Nach ACTA, CETA, TTIP und was weiß ich der nächste Anschlag auf die Reste von Demokratie und Rechtsstaat. Diesmal, um direkt zur schlimmsten Konsequenz zu kommen, soll die Infrastruktur des Westens®, namentlich die Wasserversorgung, nicht nur geplündert werden, sondern das Ganze gleich unumkehrbar gemacht. Die Wasserwerke sollen also künftig Privateigentum werden und ausdrücklich nie mehr in Gemeineigentum zurückgeführt.

Ewige Sklaverei

Dieser Clusterskandal wird wieder einmal geheim eingestielt, wieder einmal trifft die Wirtschaftsnato Verabredungen jenseits allen geltenden Rechts und hält ihre Völker in Unwissenheit - bewusst, geplant und auf allen Ebenen rechtswidrig. Es handelt sich hierbei übrigens um eine mustergültige Verschwörung. Es ist ganz offenbar, dass sie stattfindet, nur ihre Inhalte bleiben zum Teil unbekannt. Lieber wäre es den Mobstern, die sich da treffen, dass alles unbekannt bliebe, aber da hat schon wieder jemand das Wasser nicht halten können.

Vor dem Hintergrund sogenannter "Schuldenbremsen" wird die Sache erst richtig appetitlich. Die Staaten sollen in der (bewusst herbeigeführten) Not nicht mehr Geld aufnehmen dürfen, sondern gezwungen sein, Infrastruktur zu verkaufen. Nach TISA eben unumkehrbar. Das heißt, dass unsere korrupten Vertreter, die sich für ein paar Jahre haben wählen lassen, ihre Völker für alle Zukunft an Investoren® verkaufen wollen. Wir werden ihre Sklaven sein und für sie arbeiten.

Sie bestimmen, wie lange jeden Tag. Sollten sie eines Tages freilich feststellen, dass es sich nicht mehr lohnt, weil Wasser auch Leitungen und Kanalisation braucht und das zu teuer wird, gehen sie wieder. Dann arbeiten wir, um den Schaden zu reparieren. Sollte es jemand wagen, diese "Verträge" zu kündigen, zahlen wir für die Kündigung. Sonst zahlen wir eben dafür, dass es ihnen gehört. Was sie dafür leisten? Nichts.

Das Biest

Natürlich unterwandern sie derweil jede Rechtsgrundlage, auf der so etwas steht. Verfassungswidrig, ein Verstoß gegen EU-Recht, ja im Kern so marode, dass zurecht von einem "Systembruch des Völkerrechts" die Rede ist. Verabredungen ohne rechtliche Prinzipien, der endgültige Umbau der Staaten in ein mafiöses Konglomerat.

Sozialdemokratisch sozialisierte Zeitgenossen fragen sich hier, wie das so weit kommen konnte, warum die Gier plötzlich so aggressiv auftritt und die Hyperreichen alles tun, um ihren absurden Reichtum noch zu vergrößern. Sie fragen sich das, weil sie es nicht begreifen wollen. Ich halte es für völlig abwegig zu glauben, es gebe auch nur fünf Hanseln, denen ihre Milliarden so sehr zu wenig sind, dass sie die Völker derart gegen sich aufbringen. Sie handeln aus schierer Not.

Das letzte Gefecht ist im Gange, alle Claims abgesteckt, und jetzt wird alles verramscht, was noch nicht ausgequetscht wurde, mit aller Gewalt. Kein Profit mehr machbar da draußen, also fluten sie jetzt den ganzen Laden vom Keller bis zum Dach. Die Blaupause dafür liegt derweil noch immer im Giftschrank. Seltsam? Aber dort steht es geschrieben.

 
tbDas dem unabhängigen Verleger dienende "Blatt" interviewte heute den Terrorexperten Teewissen. Wir drucken das zuvor genehmigte Gespräch im folgenden ab:

Blatt: Wir sprechen heute mit dem Terrorexperten Teewissen über Terror. Herr Teewissen, was sagen Sie?

Teewissen: Naagh.

Blatt: Wie bitte?

Teewissen: Naagh.

Blatt: Hm. Versuchen wir es anders: Wie gefährlich sind die muslimischen Terroristen?

Teewissen: Drei gefährlich. Vier noch mehr, ab hundert oh-ooh! Naagh.

Blatt: Ähm, aha. Müssen wir künftig auch mit mehr Anschlägen in Deutschland rechnen?

Teewissen: Doppelt. Dreifach. Hundertfach.

Blatt: Ist die Lage wirklich so bedrohlich? Woran machen Sie das fest?

Teewissen: Das wissen wir von Heinrich Welsch, Kaygasse. Kannte sich wie kein anderer aus mit Terroristengesocks. Und natürlich mit der Mathematik des Horrors.

Blatt: Mathematik des Horrors?

Teewissen: Mathematik des Horrors. Da bleibt nichts übrig am Ende, egal wie weit sie vervielfältigen.

Blatt: Das heißt, wir haben keine Chance?

Teewissen: Nein, das Ergebnis bleibt immer dasselbe.

Blatt: Wir müssen uns also wirklich fürchten?

Teewissen: Ja Selbstverständlich, das ist erste Bürgerpflicht.

Blatt: Was kann der Einzelne jetzt tun?

Teewissen: Bonker. Gehen Sie in den Bonker! Rufen Sie unterwegs die Polizei und melden Sie alles, was Sie sehen. Vor allem Verdächtige. Vor allem Ausländer. Vor allem mit Bart. Und Turban. Und so komischen Klamotten. Und Kalaschinkows, ganz wichtig. Melden Sie jeden mit Kalaschnikow! Und natürlich die mit Bombengürtel.

Blatt: Wie unterscheidet man denn den friedlichen Islam von den anderen?

Teewissen: Friedliche Terroristen lassen ihre Ausweise nicht liegen. Wenn sie irgendwo einen Ausweis sehen, wo er nicht hingehört, gehen Sie geordnet nach Hause. Gehen Sie in den Keller! Sehen Sie zu, dass immer Vorräte da sind und ihre Fenster weiß getüncht. Lagern Sie nicht nur Nahrungsmittel, auch Kleidung, Elektronik, Handtaschen etcetera. Der Terrorist will nur, dass wir die deutsche Wirtschaft jetzt im Stich lassen.

Blatt: Von wem geht derzeit die größte Gefahr aus?

Teewissen: Putin.

Blatt: Nein!

Teewissen: Doch!

Blatt: Oh! Was können wir tun, um ihm nicht in die Hände zu fallen?

Teewissen: Ich sehe da keine großen Möglichkeiten. Jodtabletten sollten auch im Keller sein. Wer hat, Gasmasken, Geigerzähler, Wassertank. Putin kann in zwei Tagen mit Panzern vor unserer Tür stehen, russische Soldaten nicht viel später.

Blatt: Sind Sie beunruhigt?

Teewissen: Ja sicher. Alles extrem aufregend. Und alle machen mit. Wir sind ja auch alle bedroht. Haha. Hahaha. Naagh. Unser Leben ... ist ... in Gefahr. Gniihiihii.

Blatt: Aber Sie machen gar keinen besorgten Eindruck.

Teewissen: Das ist muuhahaa ... Verzweiflung. Übersprungshandlung. Naagh. Und schließen Sie besser noch heute eine ... huahuahua ... Lebensversicherung ab! Am besten bei der ... ichkannichtmehr ... Extremus ... gniihi

Blatt: Herr Teewissen, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

Teewissen: Naagh.

 
paris

Kai Gniffke schäumt schon wieder und sieht sich von „Verschwörungstheoretikern“ - die er gleich drei Mal erwähnt - umzingelt. Furchtbar, alle diese Geisterfahrer! Er vergreift sich für einen Mr. Seriös arg im Ton und fürchtet "auf die Fresse" zu kriegen; aber vielleicht ist das auch nur ein sprachlicher Hinweis auf den Tagesbefehl: Fresse halten, Verschwörungstheoretiker! So viel zur Souveränität im Angesicht der Kritik.

Es geht um die Bilder, die suggerieren - und das tun sie nachgewiesenermaßen - Staats- und Regierungschefs hätten den Trauermarsch von Paris angeführt. Tatsächlich haben sie nur in einem abgesperrten Areal posiert. Alles kein Problem, den Gniffke bescheinigt Gniffke:

"Das ist harte journalistische Arbeit, die sich an ethischen und handwerklichen Standards messen lassen muss.".
Die Quintessenz:
"Wenn sich Politiker vor eine Kamera stellen, ist das immer eine Inszenierung [...] müssen wir uns – bei aller Selbstkritik – nicht [...] aus Angst vor den Verschwörungstheoretikern die eigene Arbeit schlecht reden.."

Der Mann erklärt hier, wenn auch im Eifer verquer formuliert, dass die Arbeit der Journalisten darin besteht, Teil einer Inszenierung zu sein. Der Zuschauer hat das so hinzunehmen - und für was zu halten? Die Wahrheit? Oder nur irgend eine Geschichte, die so erzählt wird, wie sich die Herrschaft eben sehen will? Er bleibt die Antwort schuldig, allemal bleibt es allerdings eine Bankrotterklärung.

Reingefallen!

Einige Beispiele, warum es sehr wohl so aussehen sollte als ob: Spitzenreiter der harten journalistischen Arbeit ist das (auch bei Spiegel Online verlinkte) manager-magazin (Siehe Screenshot oben). Sicher sind sie dort nicht so klug wie die Zuschauer der Tagesschau und deshalb auf die Bilder hereingefallen. Dabei hätte das doch wohl jeder wissen müssen!

Der Tagesspiegel formulierte:

"Als am Sonntag viele Staats- und Regierungschefs in Paris vor dem Trauermarsch für die Opfer der Attentate in Frankreich hermarschierten ..."

Ich war nicht dabei. Glaube ich also jetzt, dass die Herrschaften an der Spitze des Marsches waren oder erkenne ich die wahre Volksnähe dieser solidarischen Mitmenschen?

Und überhaupt, so derselbe an anderer Stelle, sei das ja gar keine "Seitenstraße" gewesen, wo sich die Prominenz traf, sondern ein abgesperrter Teil einer ... na eben Nichtseitenstraße!! Angeblich seien sie sogar "250 m" marschiert. Die Inszenierung hat sich also an der Wahrheit orientiert, die sie gern gewesen wäre. Macht sie das besser?

Der "Spiegel" rührt ein wenig Spannung hinein und schreibt von "eine[r] logistische[n] Meisterleistung der Sicherheitskräfte" – ohne jeden Hinweis darauf, dass die Prominenz unter sich „marschierte“. Was stelle ich mir vor, wenn ich diese Worte lese? Dass da meisterhaft die Straße für ein Foto gesperrt wurde?

Meisterleistung, große Geste - Lobet die Herrschaft!

Die Sueddeutsche stellt im Nachhinein fest:

"Jetzt kommt heraus: Die Aufnahme entstand in einer gesicherten Straße. An der Aufrichtigkeit der Geste ändert das jedoch nichts. … Immer schon war Politik auch Geste, Symbol, Haltung. Der Porträtist wie der Fotograf, der Blick des Betrachters und die Wahrheit im Auge des Betrachters: Das war immer schon Kalkül,"

"Die Wahrheit liegt im Auge des Betrachters". Diese Karikatur einer dümmlichen Ausrede kenne ich aus dem Kinderfilm "Der König der Löwen". Auch hier wird so getan, als hätte sich der Qualitätsjournalismus schon immer als Theater verstanden, in dem Politik nur inszeniert wird.

Auch anderswo wird übrigens über diese Inszenierung diskutiert, ganz Europa ist fest in der Hand der Verschwörungstheoretiker!

Der Trümmerhaufen eines Journalismus, der sich inzwischen völlig der Hoftheorie verschrieben hat, zerfällt zu Pulver. Sie behängen sich mit Preisen, die ihre Unabhängigkeit® betonen, sie behaupten, sich "mit keiner Sache gemein" zu machen und tun das Gegenteil. Die "Gatekeeper", die objektiv "Fakten, Fakten, Fakten" auswerten, bespucken ihr enttäuschtes Publikum, wenn sie als Regisseure eines Schmierentheaters auffliegen und werfen ihm vor, es müsse doch wissen, dass alles nur inszeniert ist. Obendrein gelingt diese Inszenierung über Staatsgrenzen hinweg, fast flächendeckend. Eine konzertierte Inszenierung. Doch, das darf der Zuschauer "Propaganda" nennen und auch "Gleichschaltung", denn es kann ihm nicht abverlangt werden, sich immer differenzierter zu äußern als die Profis, von denen er getäuscht wird.

Ganz folgerichtig wird das - sicher alles andere als schöne oder wohl gewählte - Wort "Lügenpresse" zum "Unwort des Jahres". Was soll das? Ich weiß als Profi schon lange, dass die Journaille inszeniert und arbeite mich seit Jahren daran ab, dass sie dauernd das Gegenteil behauptet. Die Leute da draußen sind maßlos enttäuscht, stinksauer und haben völlig recht, wenn sie von der "Lügenpresse" sprechen. Sie wurden belogen, sie werden belogen, und zwar von denen, denen sie vertraut haben. Wie sollen sie sich jetzt eine Vorstellung machen von dem, was los ist in der Welt? Wenn sie es nur versuchen, werden sie der Majestätsbeleidigung bezichtigt und zu Psychopathen erklärt. Verbrannte Erde.

Update; Ich habe nicht das Ziel, ein vollständiges Bild der Berichterstattung zu zeichnen, aber der hier ist noch wichtig:
"Dutzende Staats- und Regierungschefs aus aller Welt marschierten vorneweg" schrieb wer? Die Tagesschau.

 
Die FAZ schreibt: „Doch muslimische Verbände müssen sich fragen, wieso ihre Religion so viele Terroristen hervorbringt.

Allein während es ersten Terrorjahres starben 479 Menschen, davon 247 Zivilisten. Binnen weniger Jahre erhöhte sich die Zahl getöteter Terroristen, Sicherheitskräfte und Zivilisten auf über 1000.

Die Dienste setzten daraufhin auf Infiltrierung. Nach Massenverhaftungen wurden Spitzel angeworben, denen sonst drakonische Haftstrafen gedroht hätten. Deren Denunziationen führten zu hunderten weiterer Verhaftungen. Die Gewalt hielt dies alles nicht auf. Die Terroristen wurden von religiösen Extremisten in Protesten unterstützt. Binnen 20 Jahren starben mehr als 3000 Menschen, und zwar nur in Nordirland, wo sich Protestanten und Katholiken, Royalisten und Nationalisten gegenseitig abschlachteten.

Friedliebende Christen

In etwa derselben Zeit tötete die Euskadi Ta Askatasuna 823 Menschen, und zwar zwischen den Sechziger und Zweitausender Jahren. Auch die ist keine islamistische Organisation, sondern die als „ETA“ bekannte Organisation der baskischen Separatisten, die zunächst gegen Franco kämpfte und dann gegen die spanische konstitutionelle Monarchie.

Die Grundkonflikte waren dabei vergleichbar, wobei in Nordirland der Kampf um Souveränität entlang derselben Fronten verlief wie der der Konfessionen. Es wäre hier genauso falsch zu behaupten, es handele sich dabei um religiös motivierten Terror wie es falsch ist, Anschläge durch Muslime auf religiöse Motive zu reduzieren. Die Parallelen zwischen den Kämpfen der ETA und der IRA bzw. UUP sind ein guter Hinweis darauf, dass es mit wie ohne Religion geht.

Religion und andere Motive

Der Verdacht drängt sich auf, dass je nach Tätern und Opfern sowohl die Dimensionen völlig unterschiedlich dargestellt werden als auch die Gefahr, die tatsächlich besteht sowie die Reaktionen des Staates. Von 1971-1993 gab es 34 Todesopfer durch die RAF. Die Reaktionen darauf haben einen völlig neuen Sicherheitsapparat zur Folge und waren teils hysterisch. Es wurden seinerzeit ganze Autobahnen gesperrt für die Fahndung, und der Ruf nach der Todesstrafe wurde häufig laut. Die Medienkampagnen dazu waren entsprechend.

Bevor ich zu den Medienreaktionen komme, kurz zurück zur Religion als Motiv: Die Verbindung von religiösem Eifer mit Mord- und Selbtsmordkommandos ist nur logisch. Religionen helfen ggf. dabei, sein Leben zu geben und auf ein Jenseits zu hoffen, sie kitten jede Irrationalität und relativieren den Wert des Menschen, indem sie ihn vom Bezug zu Gottheiten abhängig machen. Das ist praktisch für den Fanatiker, es geht aber wie gesagt auch ohne diese Hilfe.

Hinzu kommt, dass keine Religion der Welt von ihren Anhängern erwartet, dass sie Menschen töten. Auch nicht der Islam. Wir sprächen sonst ohnehin nicht von „Terroristen“ und ihren Anschlägen, sondern befänden uns im Krieg mit Milliarden entschlossener Feinde. Während NATO-Staaten seit Jahrzehnten ununterbrochen überall in der Welt Kriege führen, wirft man aber hier „den Muslimen“ vor, Terroristen hervorzubringen.

Nützliche Idioten

Der faktische Zusammenhang ist dabei derart offensichtlich, dass man schon ein Depp sein muss, um ihn nicht zu sehen. Palästina, Irak, Iran, Afghanistan, Libyen, Syrien – die Liste der betroffenen Staaten und Regionen ist nicht vollständig, aber überall sind es mehrheitlich muslimische Bevölkerungen, die von der NATO militärisch angegriffen werden. Der Bevölkerung ist es übrigens völlig egal, ob dabei Gute oder Böse angegriffen werden, wenn sie nur genug unter den Invasionen leidet. Die Antwort darauf ist teils militant, was hier eben „Terror“ heißt.

Die Täter sind dabei zwar persönlich motiviert, sind durch ihren Fanatismus aber Nützliche Idioten für jede Art von Hintermännern. Das hat mit Religion nichts zu tun, das ist Interessenpolitik mit Waffengewalt. Nichts anderes ist übrigens auch der unmittelbar kapitalistische Terror des Drogenkrieges. Was in Mexiko etwa an der Tagesordnung ist, scheint nicht zu interessieren, weil es ja nur Geld ist, für das dort täglich Menschen ermordet werden.

Es ist absolut nichts dran an der Behauptung, der Islam bringe Terroristen hervor. Der Krieg bringt sie hervor, die Gewalt, der Bombenterror. Dabei ist es vollkommen egal, wessen Bombe Menschen tötet. Jede Bombe erzeugt Hass, und der findet seine Rächer. Katholische, muslimische, kommunistische und nationalistische.

Gute Täter, böse Opfer
 
Allein die offizielle Statistik der Terroropfer von Nazis allein in Deutschland seit 1990 liegt bei 58. Die Verbindung von rechtsextremen Mördern zum Verfassungsschutz ist nicht zu leugnen. Dennoch findet kein Aufschrei statt, keine Großdemonstration, und in der Presse ist nichts zu lesen von Geheimdiensten, die Terroristen hervorbringen. Während von eineinhalb Milliarden Muslimen ein paar Dutzend in den letzten Jahrzehnten mit Anschlägen in Verbindung gebracht werden, flog hier auf, dass fast ein Drittel der Mitglieder des rechtsextremen „Thüringer Heimatschutzes“ dem Verfassungsschutz angehörten. Wer aber spricht von Terroristen im Staatsdienst?

Es ist offensichtlich, dass „Terror“ eine Kategorie ist, um Taten und Opfer unterschiedlicher Gruppen unterschiedlich zu bewerten. Sind die Täter „Kommunisten“ und ihre Opfer Repräsentanten von NATO-Staaten, ist der Alarm allumfassend. Sind die Täter Nazis und ihre Opfer 'Ausländer', wird bestenfalls weggeschaut. Sind die Täter Christen oder Juden und die Opfer Muslime, ist das „Verteidigung“ in aller Welt; ist es umgekehrt, spricht man von einer terroristischen Religion.

Terror ist furchtbar. Jede Form von Bombenanschlag, Schusswaffengewalt und Massenmord hält die Spirale in Gang. Wer sie aufhalten will, muss den Kreis der Rache durchbrechen. Dabei ist es wenig hilfreich, wenn in Gut und Böse, geborene Täter und unschuldige Gegentäter unterschieden wird. Es hilft vielmehr den Rächern, rassistische Ressentiments als Kriegsgrund zu liefern. Der Krieg wird dabei nicht nur gegen den erklärten Feind geführt, sondern genau so gegen die Bürgerrechte. Das ist das Schlimmste an diesem Terror, dass er ein gefundenes Fressen ist für die Faschisten auf beiden Seiten.

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