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Wie der Telegraph berichtet, sind Studenten an amerikanischen Universitäten angehalten, künftig Verträge abzuschließen, aus denen eindeutig hervorgeht, dass ein geschlechtlicher Akt einvernehmlich stattgefunden hat. Feynsinn hat auf dieser Basis einen Kontrakt entworfen, den auch junge deutschsprachige Kopulanten zur Grundlage eines sich anschickenden Sexualverkehrs machen können.

Vetrag nach der neuen deutschen Sexualverkehrsordnung

Das vorliegende Vertragswerk regelt im Folgenden den einmaligen Vollzug eines Aktes zwischen dem Vergewaltiger (V) und seinem Opfer (O). V bekundet hiermit die Absicht, mit seinem Geschlechtsteil in primitiver Weise Körperöffnungen von O penetrieren zu wollen im vollem Wissen, damit dasselbe zu tun, was Verbrecher ihren unrettbar traumatisierten Opfern anzutun pflegen. O stimmt dem in Kenntnis der unvermeidlich notwendigen Abläufe des biologischen Programms zu und erklärt sich hiermit bereit, V straffrei davonkommen zu lassen, sofern V sich an die Details der vorliegenden Vereinbarung hält.

Der Ablauf des Aktes wird zwischen den Vertragspartnern vereinbart und bedarf in sämtlichen Einzelheiten der ausdrücklichen Zustimmung von O. Das Nichteinholen der Zustimmung von O, die Missachtung einer verweigerten Zustimmung oder Handlungen, die nur vermeintlich unter Zustimmung von O zustande kommen, sind als Sexualverbrechen zu behandeln. Es ist dabei unerheblich, ob V irrtümlich und in gutem Glauben handelt. Es obliegt seiner Pflicht, jederzeit über diesbezügliche Inhalte informiert zu sein.

Abweichungen von den vereinbarten und videotechnisch dokumentierten Teilhandlungen und Praktiken sind durch einen neuen Vertrag oder einen dokumentierten Anhang festzuhalten, Die Schriftform reicht hierbei nicht aus. Zur Orientierung kann der Leitfaden 'Praktiken, Penetrationsziele und Hilfsmittel' (PPH) dienen. Dazu sind die entsprechenden Aktionsnummern und die Bezeichnung der Aktion aufzurufen und jeweils mit "ja" zu dokumentieren.

Dieser Vertrag hat auch dann Gültigkeit, wenn er nicht abgeschlossen wurde. In diesem Fall gelten jegliche haptischen und penetrativen Handlungen als ohne Zustimmung vorgenommen und werden entsprechende strafrechtliche Konsequenzen haben. Dabei ist es unerheblich, ob O einen Kontrakt vorgelegt hat. V hat sich aktiv um einen solchen zu bemühen.

Ort, Datum, Name des Opfers, Name des Vergewaltigers


Wir wünschen den Kopulierenden einen gelungenen Akt!
Ihre JLgS

 
xx

Wie neulich schon erwähnt, personalisiert die Journaille gern, und der „Spiegel“ ist dabei ganz weit vorn. Das Dauerfeuer gegen Putin ist dabei ein probates Mittel, gegen Russland zu hetzen ohne sich der sprichwörtlichen Volksverhetzung schuldig zu machen. Ich weiß nicht, ob sie dort so denken, allemal trauen sie sich aber nicht zu sagen, die Russen seien ein finsteres Volk, das stets Böses will, finstere Pläne schmiedet und an allem schuld ist, was irgendwo in der Welt vermeintlich schiefgeht. Dem Bösen Mann hingegen kann man's jederzeit in die Schuhe schieben.

Personalisierung birgt aber noch andere 'Vorteile', vor allem die Sündenbockfunktion. Die wiederum bietet zwei strategische Vorteile für Lügner und Propagandisten: Man kann jederzeit Gegner schlechtmachen, um die eigenen Interessen hinter solchen Bezichtigungen zu verbergen und man kann von den sachlichen Hintergründen ablenken. Letzteres, weil Information die eigene Position schwächt und windschiefe Lügen entlarvt. Menschen, deren Aufmerksamkeit sich auf Personen lenken lässt, denen man ihre Emotionen vorkauen kann, lassen sich leicht führen. Wer sich aktiv sein eigenes Bild macht, ist hingegen für die Propaganda verloren.

Er hat die Briten verführt

Das aktuelle Beispiel, der sogenannte „Brexit“, ist ein besonders trauriges. Zunächst war es Boris Johnson, der „begnadete Populist“, dem der Spiegel die Verantwortung für das „Leave“ zuschob: „Der Mann, der den Brexit herbeiführte, um sein Ego zu befriedigen“ (Letzteres ist übrigens derselbe Vorwurf, der schon GdL-Chef Weselsky gemacht wurde).

Als nächstes fanden sie Nigel Farage: „Der Rechtspopulist Nigel Farage hat 25 Jahre auf den Brexit hingearbeitet. Wer ist der Mann, der sein Land aus der EU gedrängt hat?“ Der Eine drängte die Briten also hinaus, der Andere führte das herbei.
Auch der ewige Putin durfte selbstverständlich nicht fehlen: „Putin wirds freuen“, wissen die Kampagneros, die geglaubt hatten, ihr „Bittebitte bleibt“-Dauerfeuer hätte irgendwen auf der Insel interessiert. Teufel Putin freut sich halt über alles Schlechte.

Vade retro

Der „Spiegel“ sucht überhaupt fieberhaft nach all den bösen Motiven jener Abtrünnigen, die nicht länger Bürger der EU sein wollten (es war die Mehrheit, hört ihr?). Schon die Unfähigkeit sich klar zu machen, dass nicht die Mehrheit der Briten vom Teufel besessen sein kann und daher kein böser Wille den Ausschlag gegeben haben kann, verweist auf die Qualität solchen Denkens. Es ist religiöser Wahn, kollektives magisches Denken, das sich den Zugang zu Analysen zwanghaft verbietet. Die bleiben daher aus, stattdessen projiziert man die eigene Scheu vor der Rationalität auf den Gegner, der sich hat verführen lassen.

Der einzig zielführende Weg zur Erklärung des Ereignisses führt über die Frage, was die EU eigentlich ist. Ihr Anspruch - bei ihrer Gründung und heute, ihre Wirklichkeit und das, was bei den Menschen davon ankommt. Wenn man freilich glaubt, die Glaubenssätze der Guten müssten es doch sein, die in den Köpfen sitzen und plötzlich feststellt, dass die ganze Wucht der medialen Verkündung nicht ausreicht, kann man nur noch nach Schuldigen und Bösen suchen, die den wahren Glauben zersetzen. Auf dieses Niveau ist solcher „Journalismus“ gesunken. Es schreiben dort bloß noch mäßig nützliche Idioten, und selbst die haben sich nicht selbst gemacht.

 
bo

Die Superreichen sind eine marginalisierte Minderheit, ähnlich den Obdachlosen. Man solle sie verehren, gar heiligsprechen für ihre Steuern, Wohltaten und die Arbeitsplätze, die sie schaffen, meint Boris Johnson, der laut tagesschau.de "charismatisch. und volksnah" ist. Hier zur Erinnerung die Ansicht des Taxifahrers "chunkymark" zum "Übertroll" Boris Johnson.

 
hl

Das gängige Bild von der Inquisition ist das der Eisernen Jungfrau, Torturen und grausamen Hinrichtungen, aber Inquisition bediente sich im Regelfall ganz anderer Mittel. Die Anfänge liegen vermutlich im beginnenden Spätmittelalter, die Exzesse der Hexenverfolgung, die oft mit der Inquisition verwechselt werden, in der Neuzeit. Dabei waren übrigens Protestanten besonders eifrig, deren Vorgehen mit der Inquisition wiederum gar nichts zu tun hatte.

Inquisition war ein mehrstufiges Verfahren, um insbesondere Ketzer in den Schoß der Kirche zurück zu holen. Es ging darum, deren Wirkung einzudämmen, was in der nämlichen Zeit eine wichtige Säule des Machterhalts für den Klerus darstellte. Dessen geschlossenes Weltbild war durch neue Erkenntnisse, Techniken und die sich allmählich formierende Wissenschaft bedroht. Es gab da ein Denken, das die Religiosität und damit die Autorität im Kern erschütterte. Das musste im Zaum gehalten werden.

Die Mittel dazu waren zunächst der Besuch von dafür ausgebildeten Geistlichen, Gespräche und Befragungen (daher auch der Name). Die Verdächtigen wurden zur Ordnung gerufen und ermahnt. Sie wussten in der Regel schon, was ihnen drohte, wenn sie der Mahnung nicht nachkämen. Dabei war die Möglichkeit des Ausschlusses aus der Kirche gemeinhin nicht weniger beängstigend als das letzte Mittel, Folter und Tod (meist durch weltliche Gerichte).

Zurück ins Glied

Herr Steinmeier hat jüngst auf recht zurückhaltende Weise darauf aufmerksam gemacht, dass eine Konfrontation mit Russland nicht ungefährlich ist. Dabei hat er sogar brav den Dicsclaimer aufgesagt, dass er gar nicht die aktuellen Manöver der NATO infrage stellt. Egal, sie springen sofort aus den Büschen, die Bündnistreuen und sind "empört". Er schwäche die NATO, so CDU und Medien, er erfreue die Linke und man dürfe jetzt "Keine Nachgiebigkeit gegenüber Putin" zeigen.

Ich zitiere im Folgenden aus einer unvollendeten Arbeit, an der ich gerade tippe, es geht um die 80er Jahre und das Original des Kalten Krieges:

"
Auf den Punkt illustriert ein Artikel des "Spiegel" aus 1983 das Narrativ, in dem die Reaktionen auf eine Kritik dieses Irrsinns durch den Oberbürgermeister von Saarbrücken aufgezeichnet sind. Der hieß seinerzeit Oskar Lafontaine und hatte gesagt: „Leute, die einen Atomkrieg für führbar und gewinnbar halten, die können niemals unsere Bündnispartner sein. Das sind Verrückte. […] Es gibt Bedingungen, zu denen eine Mitgliedschaft in der Nato nicht mehr tragbar ist, das heißt, wenn diese Nato uns auf ein Pulverfass setzt, bei dem die Lunte gleich mitgezündet wird.

Lafontaine hatte also deutlich gemacht, dass er es für Irrsinn hielt, eine „Partnerschaft“ zu pflegen, bekannt als „Deutsch-Amerikanische Freundschaft“, in der einer den anderen in einem Atomkrieg der Vernichtung preisgibt. Hier nun zeigte sich die geballte Kraft des Narrativs, denn selbst um den Preis der Vernichtung Europas oder der Welt durfte nicht angezweifelt werden, was im Glaubensbekenntnis stets wiederholt wurde. So sprang nicht nur die bürgerliche Presse auf und stellte (durch die Springerpresse) fest, Lafontaine stehe den Sowjets jetzt näher als den „Freunden“, es war auch der Fraktionsführer und Kanzlerkandidat Hans-Jochen Vogel, der sofort öffentlich die „Bündnistreue der SPD“ erklärte und deutlich machte, Lafontaines Kritik sei "nicht mehrheitsfähig".

Im Westen nichtes Neues

Die deutsche Sozialdemokratie stand treu bis in den Tod zu USA und NATO. Der totale nukleare Krieg wurde ebenso wenig infrage gestellt wie die strategischen Interessen, die hinter dem Kalten Krieg standen. Überhaupt ist die SPD zu jeder Zeit die Repräsentanz der deutschen Schizophrenie gewesen. Motto hier: Wir wollen die Vernichtung Europas kritisch begleiten, aber dafür nicht den Kommunisten in die Hände spielen. Obwohl Deutschlands Funktionäre treu bis zum Suizid den neuen Herren dienten und die gewählten Parlamentarier zu 100% mitzogen, obwohl die Medien dem nur äußerst sporadisch etwas entgegensetzten und vielmehr entschieden die NATO-Doktrin propagierten, schloss sich das Volk immer noch nicht der Militärpolitik an. Eines der faszinierendsten Momente in der ungebrochenen Einstellung dieses schrägen Volkes ist der Unwille Krieg zu führen. "

Im Westen nichts Neues. Wer auch nur den leisen Verdacht erweckt, aus der Glaubensgemeinschaft auszuscheren, dem wird sofort die Inquisition geschickt. Zurück in die Reihe, wenn du einer von uns bleiben willst! Die Funktionäre und Eliten, diejenigen, die Zugang zur medialen Öffentlichkeit haben, werden eingeschworen und überwacht, dass sie stets in Treu und Glauben handeln. Draußen wurde dieser Wahn nie angenommen. Seit Jahrzehnten will niemand mehr dem Ruf zu den Waffen folgen, und Feinde haben wir auch keine. Aber so ist das mit dem Klerus, der braucht manchmal ein paar hundert Jahre, um sich mit einfachen Erkenntnissen anzufreunden. Bis dahin müssen sie die Welt halt ein paar Mal anzünden.

 
rn

Immer wieder "Lügenpresse"; wie schön, dass es ein paar Deppen gibt, denen man (im Ansatz zurecht) Naziterminologie und Einfältigkeit vorwerfen kann, dann ist der Vorwurf ja vom Tisch. Gefehlt! Die Techniken der Propaganda lassen sich benennen und massenhaft in den Massenmedien nachweisen. Während man von Boulevard und Springerpresse längst an Propaganda gewöhnt ist, werden dieselben Methoden inzwischen fast überall angewendet.

Das beginnt bei der klassischen Kampagne. Medien schießen sich auf bestimmte Personen oder Gruppen ein, um sie zu fördern oder niederzuschreiben. Beispiele: In Obamas erstem Wahlkampf 2008 hielten sich "Spiegel", "Zeit" und "Welt" für bemüßigt, Clinton quasi ins Amt zu schreiben. Schon damals glaubte der "Spiegel", selbst Politik machen zu können; Weltpolitik, versteht sich. Steingart brüstet sich mit gar mit Einflussnahme und sagt auch, wie das geht:

"Der „Spiegel“ hat mit seinen Titelstorys Rot-Grün konsequent aufs Korn genommen, geradezu kampagnenartig.

Ich widerspreche nicht: Wenn Kritik und wiederholte Kritik eine Kampagne ist, dann haben wir eine Kampagne betrieben."

Kritische Kampagne

Er nennt das, wiederum in Verdrehung des Begriffs, "Kritik". Eine wiederholt geäußerte Ablehnung in Form einer Parteinahme ist aber nicht "kritisch", sondern verstößt gegen genau die journalistischen Prinzipien, die genau solche Hanswurste gern für sich in Anspruch nehmen. Ein Beispiel für eine Kampagne, der man nicht entgehen kann, ist die aktuelle gegen Putin, i.e. Russland. Jeder einzelne Vorwurf trifft entweder nicht zu oder wird selektiv gegen Russland gewendet, obwohl er sich gegen Gott und die Welt richten ließe.

Beispiel Doping: Wie gesagt dopt jeder Leistungssportler, Ausnahmen sind äußert rar gesät. In Deutschland gab es dafür eine Spezialabteilung in Freiburg (s. Armin Klümper). Nachdem Birgit Dressel bereits infolge ihres Arzneimittelmissbrauchs gestorben war, hat man diesen Stall nicht etwa dichtgemacht; im Gegenteil waren teils dieselben Ärzte z.B, für das Team Telekom um Jan Ullrich zuständig, einen dieser Rennställe mit den vielen Einzelfällen. Die Uniklinik Freiburg ist übrigens eine staatliche Einrichtung, aber allein der alberne Unterschied zwischen "Staatsdoping" und staatlich gefördertem Doping im kapitalistisch verwerteten Sport ist schon Propaganda.

Beispiel Krieg: Bosnien, Irak, Afghanistan, noch einmal Irak, Libyen, Syrien usf., sind Kriege 'für Menschenrechte“ - es sei denn Russland "mischt sich in den Bürgerkrieg ein". Die Anerkennung jugoslawischer Teilrepubliken durch den Westen Anfang der 90er Jahre steht im diametralen Gegensatz zur Verurteilung Russlands wegen des Anschlusses der Krim. Deren Annexion wird ernsthaft als "Überfall" bezeichnet, obwohl jeder wissen kann, dass die Krim vertragsgemäß immer von russischen Truppen 'besetzt' war.

Trolle, Doping, Krieg: Diese Russen!

Beispiel Trolle: Es gibt keinen einzigen belegten Fall, in dem russische Trolle irgend ein deutschsprachiges Forum heimgesucht haben, dagegen dutzende, dass sowohl politisch Einfluss durch Parteien und ihre Unterstützer genommen wird, ganz zu schweigen vom Dauerfeuer bezahlter Mietmäuler im Interesse des Kommerzes. Obendrein ist es schon witzig so zu tun, als hätte 'Putin' Zauberargumente, mit denen er die hilflose deutsche Öffentlichkeit manipuliert.

Ach ja, die Hacker sind übrigens auch Russen, z.B. die vom IS, siehe dazu auch unten "Verdachtsjournalismus", dessen primitivste Variante die Wahnphantasie ist: "Putin könnte 2017 einen Atomkrieg starten" ist die endgültig unterste Schublade. Dieser Schwachsinn suggeriert, es gäbe quasi einen Plan, denn nur so kann ja ein Zeitpunkt genannt werden. Der vermeintlich korrekte Inhalt (vermutlich könnte Putin das, aber ich kann auch die Kinder der Nachbarin aufschlitzen) besteht in einer infamen Unterstellung.

Beispiel Hooligans: Es gibt russische Hooligans, erfahren wir, und: Es gibt irgendwen in Russland, der mit irgend einer staatlichen Instanz zu tun hat, den das nicht stört. Schon ist es "Putin", der dahinter steht. Überhaupt ist die dauernde Personalisierung, die Gleichsetzung Russlands mit Putin, ein Mittel der Propaganda. Personen kann man nämlich mit beliebigen negativen Eigenschaften behängen; bei Völkern wäre das offensichtlich Hetze, deshalb braucht es das personifizierte Böse.

Eines der übelsten Mittel der Propaganda ist Verdachtsjournalismus. Als es noch die Vorstellung gab, Journalismus könne seriös sein, war es ein Tabu, unbelegte Verdachtsmomente auszusprechen. Es war ein Sakrileg, nicht zwischen Vermutung, Verdacht und Tatsache zu unterscheiden. Die denkbar schlimmste Variante ist die, wüste Spekulation als Tatsache zu verkaufen und damit die Forderung nach Konsequenzen zu verbinden. Den absoluten Nullpunkt journalistischer Qualität und die Rückkehr der Hetzpropaganda hat der Spiegel mit seinem Titel vom 28.07.2014 erreicht. Dass die Hinterbliebenen der Opfer des Anschlages, mit denen dort Kasse gemacht wird, nicht gefragt wurden, macht den Braten auch nicht mehr fett,

Tausende Geisterfahrer

Die Reaktion der Redaktion (siehe Link) ist typisch: Unter den Kritikern dieser widerlichen Hetze "waren auch organisiert auftretende, anonyme User, die schon seit Monaten jegliche Kritik an Russland mit einer Flut an Wortmeldungen in den Foren vieler Online-Medien kontern.", so der "Spiegel". Propaganda kann man nicht inhaltlich verteidigen. Die Reaktion auf Kritik ist daher folgerichtig das beleidigte Spinnen an Verschwörungstheorien. Da sie nichts falsch machen, kann Kritik nur von Putins Trollen kommen, da sieht man's wieder!

Die Wortwahl ist nicht minder verräterisch. In den 80er Jahren wurden die Taliban der "Nordallianz" als "gemäßigte Rebellen" bezeichnet, jene Truppen, die später "Terroristen" waren und mit "Al Kaida" verschmolzen. So lange irgendwer auf Seiten der NATO kämpft, gilt er immer als "gemäßigt", über die anderen werden Horrormärchen wie die Brutkastenlüge oder Scharpings kranker Verbalamok von den gegrillten Föten erzählt. DIe NATO kämpft nur gegen Unmenschen, die unsagbar böse sind. Ganz anders der Russe: Der bombardiert "moderate Oppositionelle".

Eine Medienlandschaft, die sich längst an ein Neusprech gewöhnt hat, das vor allem wirtschaftliche Hintergründe tendenziös darstellt (so wie es das Lambsdorff-Papier und das Schröder-Blair-Papier ausdrücklich fordern), kann sich vielleicht noch damit herausreden, dass sie in ökonomischen Fragen das Vokabular von neoliberalen Experten gestellt bekommt. Das wäre auch schon traurig, aber in Sachen Poltik, vor allem wenn eindeutig Feindbilder aufgebaut werden, gibt es keine Rechtfertigung mehr. Es gibt nur noch Ausreden wie im Kindergarten, derer sich die Propaganda stets fleißig bedient. Sie erwartet unmündige Gefolgschaft, sonst funktioniert sie nicht. Wer sie kritisiert - gleich ob verblendet oder sachlich - gehört zum Feind und wird entsprechend behandelt.

 
mf

Sie glauben, dass ein unsichtbarer Mann alles über uns weiß, dass er uns Regeln gibt und wir uns zu unterwerfen haben. Wer sich unterwirft, kommt ins Schlaraffenland; wer nicht, der wird geschunden, gequält und wird ewig brennen. Andere glauben, dass jeder kriegt, was er verdient und alle das so akzeptieren müssen. Demokratie ist zwar eine der schlechtesten aller Gesellschaftsordnungen, die Menschen haben sich aber aber mangels echter Autorität denen zu unterwerfen, die herrschen. Das Unsichtbare Wesen, das uns das abverlangt, liebt uns*. Man kann ihm Wünsche antragen, und wer sich besonders eifrig unterwirft, darf auf Erfüllung hoffen.

Kretschmann betet und hat einen Schutzengel. Göring-Eckardt ist Präses der Evangelischen Kirche. Die Grünen haben dafür gesorgt, dass ein Pfarrer Präsident wurde. In ihren Reihen haben Geistliche überhaupt immer wieder Konjunktur. Giegold verlangt einen "Europäischen Kirchentag" und "christliche Werte", er würde die EU gern zur religiösen Instanz machen:

Lasset uns beten

"Die [Kirchen] haben doch ein großes Kompetenzplus und viel zu sagen: Dass die Schwächsten nicht zurückgelassen werden, dass die Ungleichheit nicht zu groß wird. Europa braucht das für seine Legitimation.
[...]
Die europäische Idee entspricht auch deshalb christlichen Ideen, weil sie Grenzen überwindet und Menschen letztlich, zumindest in Europa, zu Gleichen macht."

Es ist also nicht etwa so, dass die Idee der Menschheit selbst eine von Gleichen wäre. Es sind die Christen, und sie sind nur durch die Christlichkeit gleich. Ungleichheit werde durch die Kirchen weniger ungleich.
Diese hemmungslose Geschichtsklitterung hält keinem Blick in eine beliebige Epoche stand. Die protestantische Ethik hat die Ungleichheit zu Gottes Willen erklärt. Christen haben den Feudalismus, den Absolutismus und jede Diktatur gesegnet, es sei denn die der kommunistischen Gleichmacher. Giegold ist ein Missionar übelster Sorte.

Die Grünen haben gemeinsam mit der SPD ihre Klientel brutal verraten, stehen für Angriffskriege, Laufzeitverlängerung, Hartz IV und das Führerprinzip in ihrer Partei. Ihr Pietismus, der moralische Daueramok - Gesundheitsfanatismus, Genderirrsinn, Sprachpolizei, Bürokratismus, ihr Eifer bei der Erfindung neuer Ge- und Verbote, sind derselbe alte Muff, der schon zu Adenauers Zeiten herrschte. Eine Mischpoke aus Kirchen und Autoritätshörigen weiß stets, was gut ist für alle, schreibt es vor und sieht zu, dass es eingehalten wird. Man unterwirft sich der Macht, selbstverständlich auch der militärischen. Allerdings ist inzwischen die Hemmung abgelegt, mit Bomben zu missionieren.

Vor Gott und Kaiser

Wir übernehmen, so der christliche Duktus, "Verantwortung". Gegen Russland, gegen den Moslem und selbstverständlich fürs Kapital. Sie haben keine Berührungsängste mit Faschisten, Frau Beck möchte eine von deren Heldinnen gern persönlich kennenlernen. Wenn es im Interesse der NATO ist, dann ist es gut. Die Konstellation ist dieselbe wie in der Nachkriegszeit, als Christen, Nazis und Alliierte das Geschäft gemeinsam besorgten. Auch der Feind ist derselbe, dazu ist keine Propaganda zu dämlich (dringende Leseempfehlung!).

Kurzum, das Grüne Menschenbild ist das eines auf den Knien rutschenden Befehlsempfängers, dessen Verantwortung® vor Gott und den Autoritäten Selbstaufgabe bis in den Tod (gern der anderen) verlangt. Nichtchristen und andere von der Autorität benannte Feinde sind mit allen Mitteln zu bekämpfen. Glaube ersetzt Aufklärung, Vorschriften den Diskurs. Es gibt eine höhere Wahrheit, die man zu glauben hat. So denken sie und so handeln sie, als Eiferer und Nützliche Idioten für das Regime, das sich ihnen gerade als von Gott gegeben offenbart.

*Für den Spaß die Langfassung von George Carlin

 
pl

Also Himmel oder Hölle, in Ihrem Fall ist das nicht so einfach. Himmel dürfte für Sie ein bisschen öde sein, aber Hölle … das ist schon für die echt Fiesen nicht leicht, da nen Job zu finden und ohne Job …

Job? Ich brauche einen Job in der Hölle?

Ja was denn sonst? Sie machen mir Spaß. Seit ein paar Generationen wisst ihr alle nicht mehr, was Hölle bedeutet. „Lasciate ogne speranza, voi ch'intrate“, das heißt nicht, dass ihr da auf der faulen Haut rumsitzt, bloß weil ihr keinen Job kriegt. Im Gegenteil. Klar könnt ihr auch die Hoffnung auf einen Job aufgeben, aber so was von, nur heißt das, dass ihr eben … beschäftigt werdet.

"Beschäftigt."

Beschäftigt. Wenn es nichts zu tun gibt, arbeitet sich wer an euch ab, aber wenn es etwas zu tun gibt, dann habt ihr das zu tun; seit Pandora eine der zuverlässigsten Säulen der Pein. Selbstverständlich geht das dann so, dass die ganz Fiesen die ganz fiesen Jobs machen, die weniger Fiesen die weniger fiesen Jobs und für Gasthörer wie Sie müssen wir uns etwas ausdenken.

Hm.

Sie haben sicher eine Menge Fragen?

Ja, schon, aber ,,,

Einfach drauf los! Wir haben eine Ewigkeit Zeit.

Hm … darf man rauchen?

Na sicher, aus allen Poren, hahahaha! Nein im Ernst: Sie dürfen. Übrigens in allen drei Abteilungen.

Drei?

Na klar. Himmel, Hölle und Management.

Aha. Was geht denn so im Himmel ab? Choräle singen, beten und so?

Haahaha, der war gut. Nein, im Himmel können Sie machen, was sie wollen. Die meisten nehmen Drogen und vögeln sich erst mal den Verstand raus, aber nach ein paar Jahrzehnten wird das so was von fad, das können Sie sich gar nicht vorstellen. Das finden nur die Dümmsten auf die Dauer gut. Bei den meisten folgt dann die Phase 'Sport und Unterhaltung', dann werden sie kultiviert und schon ziemlich bald, lassen sie's drei vier Jahrhunderte sein, wollen alle woanders hin. Aber dann brauchen sie halt nen Job. Alles nicht so einfach.

Und das Management?

Sehen Sie ja. Kleine Lichter wie ich kümmern sich um die Zuteilung, größere lassen sich alle paar Äonen neue bescheuerte Regeln einfallen und dann gibt es noch die ganz Großen, die Sie nie zu sehen kriegen.

Was ist mit denen?

Weiß keiner so genau. Es gibt Gerüchte, die seien so wichtig, dass sie sich in Nichts auflösen. Andere meinen, das seien Geister, die überall und nirgends sind. Man streitet sich darüber, ob sie noch einen Bezug zum Rest der Welt haben oder auch eher Nirwana. Es gibt da ein paar Schleusen, da müssen Sie durch. Von dort ist noch niemand zurück gekommen außer dem, der seitdem seine eigene Abteilung leitet. Sie wissen schon, die für die Hoffnungslosen.

Hm. Was würden Sie mir denn empfehlen?

Ach, schauen Sie sich erst mal um. Ich trage Sie solange als „selbständig“ ein, und wenn Sie sich entschieden haben, kommen Sie einfach wieder her.

 
bi

Der De Lapuente ist diese Art linker Spießer, der aufpasst wie ein Spitz, ob einer nicht zu radikal daherkommt. Nachher wird noch das Geld abgeschafft oder die Marktwirtschaft®, wie furchtbar! Solche sind "Fundamentalisten", die müssen angezeigt werden. Aktuell pinkelt er Jutta Ditfurth ans Bein, weil er die Gelegenheit hat, derart an ein wenig Aufmerksamkeit zu kommen für sein ödes Genöle.

Da bei ihm daheim niemand mehr liest und sowieso niemand kommentieren darf (es sei denn liebedienerisch), verbreitet er sich bei seinem Kollegen Jens Berger. Sogar der hat immer viel mehr Aufmerksamkeit, obwohl er selbst den Esprit eines Versicherungsvertreters des Linksliberalismus versprüht. Egal, wenn man erst mal dort unten ist, macht man alles: Facebook, PayPal, Gastautor.

Bis hierher soll die Fingerübung reichen. Was davon ich wörtlich meine und was nicht, interessiert mich im Grunde selbst nicht. Es ist nur das, was herauskommt, wenn einen Inhalt nicht mehr anficht und man sich stattdessen einen 'Standpunkt' sucht, wo der eine gut ist und der andere halt nicht, Die Nichtguten sind dann rhetorisch zum Abschuss freigegeben. Ditfurth hat Blödsinn erzählt? Dann haue ich ihr den um die Ohren, wenn es mich interessiert. Welche Motive sie angeblich hat, ihre politische Haltung in meine womöglich kleinkarierten Kategorien zu klemmen und sie dafür zu verurteilen, wozu soll das gut sein? Wem nützt das?

Meine Freunde, meine Feinde

Einen ähnlichen Fehler begeht Wolfgang Storz, der auch schon gute Arbeit abgeliefert hat, in - ja was eigentlich? Eine Studie ist das nicht. Ich kann das nur in der Luft zerreißen, denn es verfehlt nicht nur jeden wissenschaftlichen Standard, es lässt auch nicht erkennen, worum es eigentlich geht. Storz will eine "Querfront" gefunden haben. Die Kriterien für das, was dazugehört und was nicht, bleiben aber diffus. Bliebe er bei den eingangs genannten Akteuren (Kopp Verlag, Compact, Jebsen), wäre das Ganze halbwegs stimmig, der Gegenstand wäre aber eine Art Rechtspopulismus.

Dass vor allem Jebsens Interviewpartner, der suggeriert, sie wären irgendwie Weggefährten, das Zentrum der Betrachtung bilden, führt zur unauflösbaren Konfusion, wenn dies zum politisch aktiven Netz aufgeblasen wird. Hier wäre Akribie vonnöten, denn es gibt keine benennbare Beziehung von Jebsen zu seinen Gästen. Auch dessen (ehemalige?) Nähe zu Elsässer und dessen Umfeld bleibt assoziativ. Storz besorgt hier Jebsens Arbeit, indem er solche Assoziationen auffährt ohne zu klären, wer da mit wem was zu tun hat. Das 'Wer' ist Jebsens Visitenkarte und leicht zu erkennen, aber das 'Was' eben nicht. Damit kann jeder Demagoge arbeiten, indem er eben heute dies andeutet, morgen jenes und sich immer im Bunde weiß mit welchen, die er so kennt.

Ich habe keine Lust, mich mit Jebsen zu befassen. Seine Vorträge sind strukturlos, öde und überengagiert. "Der Wald braucht keine Demokratie"? Mir reicht der eine Satz. Seine Interviews wiederum sind immer wieder suggestiv, er gibt dauernd Input aus seiner Sichtweise, aber dennoch ist es ihm gelungen, Menschen einzuladen, die etwas zu sagen haben. Daher bleibt es für viele Zuschauer interessant. So einfach ist das. Querfront? Was soll das sein? Die Rede ist hier von einem, der sich effizient ranwanzt, ohne relevante Verbindungen zu schaffen.

Was, nicht wer

Auch die anderen Anlaufstellen (Kopp-Verlag, Compact, was da sonst noch rechts und links abfällt wie der unvermeidliche Albrecht Müller) bleiben assoziativ und entsprechen keinen gemeinsamen Kriterien, weder inhaltlich noch bezüglich der Reichweite. Für eine Studie wäre es darüber hinaus wichtig zu wissen, wer warum nicht genannt wurde (z.B. PI, Fefe, Netzpolitik oder "Freiheit statt Angst") - wenn das Inhaltliche schon auf der Strecke bleibt. Verwirrt lässt mich vor allem der Schlußsatz zurück:

"In dem Untersuchungsgegenstand kann ein Beispiel für eine zwar vergleichsweise (noch) begrenzte, aber gut funktionierende und leistungsfähige eigenständige ‚Gegenöffentlichkeit‘ jenseits der traditionellen Massenmedien gesehen werden."
Das also war der Untersuchungsgegenstand? Worin genau besteht dann die "leistungsfähige eigenständige ‚Gegenöffentlichkeit‘"?

Der Fokus auf Personen und deren Verbindungen führt zu gar nichts, zumal nicht im Internet und mit Blick auf politische und publizistische Strukturen. Für die Analyse von Organisationsstrukturen haben wir schon die NSA, für 'wer-mit-wem' gibt es Watchblogs und Stalker, die täglich aufschreiben, wer vor wessen Tür parkt, und für charakterliche Bewertungen haben wir unsere Trolle. Wenn ich etwas erfahren will über politische Entwicklungen, Ansichten und Anschlussfähigkeit, muss ich Inhalt mit Inhalt und Meinung mit Meinung abgleichen. Das ist das Potential des Internets. Daraus kann man dann lernen oder eben auch nicht.

 
cp

Nicht nur in der Schweiz, in der jüngst eine Volksabstimmung dazu stattfand, wird das Bedingungslose Grundeinkommen diskutiert als 'Lösung' der Verteilungsprobleme, die der Kapitalismus mit sich bringt. Der Ansatz ist alt, er wird von einigen Kapitalisten genau so begrüßt wie von Sozialdemokraten; die Ablehnung geht allerdings ebenso durch alle Fraktionen. Ich will dabei gar nicht auf die einzelnen Argumentationen eingehen, die zumeist mit dem groben Keil zur Sache gehen und die komplexen Wirkungen eines solchen Ansatzes nicht berücksichtigen. Diese Argumentationen sind schon deshalb füreinander unzugänglich, weil sie auf völlig unterschiedlichen Vorstellungen von Wirtschaft beruhen, die häufig erschreckend naiv und simpel sind.

Das BGE scheint aber deshalb diskutabel, weil es am Großen Ganzen nichts ändert und jeder sich seine Vorstellung davon machen kann ohne sich geistig zu bewegen. Ablehnen kann man das, weil sich doch nie etwas ändert und das nur eine weitere Finte des Kapitals ist. Man kann es ablehnen, weil es die faulen Nichtsnutze fördert und dann niemand mehr arbeiten geht oder weil es den Staat ruiniert. Begrüßen kann man es, weil es den Staat entlastet, die Menschen vom Joch der Arbeit befreit oder weil es Automatisierung endlich profitabel macht ohne Sorge um mehr Arbeitslose. Die Einen fürchten Inflation, die Anderen das Gegenteil, weil das BGE für viele unterhalb des Existenzminimums angesiedelt sein würde.

Unter Kontrolle

Im Grunde ist die Diskussion schon gelaufen und erprobt, nämlich in Form des Mindestlohns. Viele Auswirkungen des BGE sind dort bereits eingetroffen. Es gab herzzerreißendes Wehklagen, der Mindestlohn würde Deutschland in den Ruin treiben, und heute wissen wir, dass er nicht einmal die Zahl der Aufstocker gesenkt hat. Von 8,50 € die Stunde kann man nicht leben, vom BGE wird man auch nicht leben können, und wer dann nicht zusätzlich arbeiten geht, findet das Sozialamt wahrscheinlich verwaist. Vielleicht auch nicht, und das BGE wird so hoch angesetzt, dass man drinnen das Volk gut nähren kann (ja, man kann ja mal spinnen), weil der Exportweltmeister draußen reichlich erntet. Dann exportieren wir halt statt der Arbeitslosigkeit die Armut.

Staatliche Konzepte zur Verwaltung des Kapitalismus haben allesamt den Makel, dass sie nur reparieren, korrigieren und verteilen, was die ihm äußere Wirtschaft dem Staat bietet. Das ist ein Grund, warum der 'Markt' alles regeln soll, weil nur wirtschaftliche Entscheidungen Einfluss auf die Wirtschaft haben, vulgo: "Wirtschaft findet in der Wirtschaft statt". In vielem haben die Neoliberalen recht, wenn es um die Möglichkeiten des Staates geht, nur sind sie nie so ehrlich zu sagen, dass dadurch eine "soziale Marktwirtschaft" völlig unmöglich ist. Kapitalismus beruht auf Konkurrenz, da ist für Solidarität kein Platz. Vor allem, wenn der Reparaturbetrieb in Konflikt gerät mit dem Kapital, wird sehr schnell deutlich, wer von wem abhängig ist.

Jeder Staat, der eine selbständige Wirtschaft zulässt, ist zwangsläufig von ihr abhängig, und zwar umso mehr, je größer die Machtballung in dieser Wirtschaft ist. Im Spätkapitalismus, der Monopole und Superreichtum erzeugt, steht der Staat auf verlorenem Posten, dazu bräuchte man ihn nicht einmal zu korrumpieren. Zumindest in einer Welt komplexer hoch effizienter Produktion und entsprechender Ökonomie ist der Gegensatz von Staat und Wirtschaft nicht mehr zu handhaben. Auf lange Sicht führt dies entweder zu einer voll staatlich kontrollierten Wirtschaft oder zu einer Gesellschaft, die vollständig der wirtschaftlichen Macht unterworfen ist oder zu einer Wirtschaft, die in die Gesellschaft integriert ist (die keine staatliche sein muss). An diesen Möglichkeiten müssen sich realistische Modelle orientieren.

 
wh

Der Neoliberalismus sei am Ende, meint Aditya Chakrabortty im Guardian (hier die Übersetzung im "freitag"). Er stellt zurecht fest, dass die Gläubigen der Heiligen Kirche selbst allmählich vom Glauben abfallen, dass seine Institutionen beginnen, ihr Fundament zu zernagen, dass aber dennoch nach denselben Rezepten weiter gewurschtelt wird. Am Beispiel des IWF wird das besonders deutlich, dessen Wissenschaftsabteilung all das zerlegt, was die Exekutive derweil in Südeuropa und anderswo verbockt.

Auch interessant ist eine Äußerung des Agenda 2010-Architekten Wolfgang Streeck, der nicht mehr wahrhaben mag, was er einst für die Lösung hielt:
"Anfang der 2000er Jahre zeigte sich jedoch, dass das ein Irrtum war und die Liberalisierungstendenzen des finanzialisierten Kapitalismus zu eigensinnig waren, als dass man als Sozialdemokratie auf ihnen hätte reiten können. Insbesondere die Finanzkrise hat mir dann endgültig die Augen dafür geöffnet, dass eine »radikalere« Perspektive vonnöten ist, also eine, die auf die kapitalistischen Wurzeln geht. Heute denke ich, dass die sozialdemokratische Wette, auf die ich lange gesetzt habe, verloren ist."

Diesseits des Kreidestrichs

Selten genug ist die Einsicht, dass sich Kapitalismus nicht zähmen lässt, zumal von einem, der den ganzen Weg mitgegangen ist bis hin zum Öffnen der Schleusen, im Glauben, man könne erst einmal die Profite retten und dann den Sozialstaat. Wäre da nur nicht dieser Kreidestrich, den irgendwer auf dem Boden gezogen hat mit den Worten: "Diese Linie darf nie ein Rechtschaffener überschreiten!" Auf der anderen Seite treffen wir das Böse; Marx, Sozialismus, Kommunismus, eben das Jenseits des Kapitalismus, wo irgendwo die Lösung liegen muss, wenn sie diesseits nicht liegen kann. Zu groß ist die Angst, zu fest der Glaube oder die Konditionierung.

Auch Chakrabortty formuliert strikt im Diesseits: "(2010) war bereits klar, dass die neoliberale Ideologie des Kapitalismus' von heute nicht trägt." Er sieht sie gar im Sterben liegen, mag aber nicht schlussfolgern, dass es der Kapitalismus selbst ist, der immer wieder an diesen Punkt kommt, bis er vielleicht eines Tages selbst sterben muss. Die Chancen sind heute wieder einmal besser denn je, denn der Planet ist abgegrast, alle Tricks verbraucht. Vom Drehen an der Ausbeutungsschraube über das Drucken von Geld über geplante Obsoleszenz, Verplundern von Ressourcen, permanente Blasenbildung an den Börsen bis hin zu andauerndem Krieg wurde alles aufgeboten und doch sind die Profite nicht zu retten außer für die ins Finale strebenden Monopole.

Alles, was dem entgegen steht, sind staatliche Konzepte über die klassische sozialdemokratische "Umverteilung", ein bedingungsloses Grundeinkommen oder sonstige Krücken, mit denen Staat die Reste des Kapitalismus irgendwie so verwalten soll, dass es noch weitergeht. Als Alternative ist ein Staatssozialismus im Angebot. Das sollten wir uns einmal genauer anschauen.

p.s.: Ich habe OXI bis auf weiteres in die Blogroll übernommen.

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