netz


 
be

Ich habe heute diesen Bericht über den Twittertroll Anne Helm gelesen [via tuxprojekt] und mich ein wenig über Danischs Schlüsse bezüglich der "Linken" geärgert. Das Problem ist hier bereits ausreichend beschrieben, aber es geht über den völlig ausgehöhlten Begriff einer "Linken" hinaus. Dass sich inzwischen jede bizarre Neurose, aus der sich eine Ideologie schmieden lässt, wahlweise als "links" oder "alternativ" bezeichnet, macht kommunizieren schwierig. Nicht ganz zufällig brüllen sie sich daher auch lieber Schmähungen und Befehle zu auf ihrer Plattform der 140-Zeichen-Beschränkten.

Der Begriff "Politik" geht gleich mit unter, in trauter Eintracht zu Grabe getragen von Parlamentariern und Twittersprallos, die sich vor allem und teils nur noch dadurch auszeichnen, dass sie jeden Zusammenhang in Stücke hacken, um aus den Resten Parolen zu schmieden. Aufmerksamkeit und Effekt sind alles, was zählt. Es geht nicht um Inhalte, nie, denn das hieße, sich auf die Suche nach den richtigen Fragen und ersten Antworten zu machen, zu zweifeln, auch und gerade an sich selbst, und sich beharrlich an Problemen abzuarbeiten. Wie viel leichter, schneller, lauter und bunter ist es da doch, sich mit ein paar Rüpeln zusammen zu tun und über andere herzufallen, die einem nicht passen.

ACHTUNGALARMAUFPASSEN Wachstum!

Die 'parlamentarische' Arbeit beschränkt sich derweil längst auf die ewige Wiederholung der immer gleichen Phrasen aus der PR-Abteilung. Entscheidungen werden nicht diskutiert, sondern im Nachhinein verschlagwortet. Dieses dogmatische Verfahren ist bei den Vögeln des Zwitschermobs schon Selbstverständnis, weil eine Debatte ohne Nebensätze gar nicht führbar ist und daher auch nicht gewollt von denen, die dort krakeelen. Wie sich in den Zentren realer Macht (hier allerdings relevante) professionelle Zirkel gebildet haben, die den Außenkontakt nur mehr in Form von Verkündungen abwickeln, findet auf Twitter ein Nichts statt zwischen aggressiven Narzissten, das wirkt, als sei ganz großer Alarm.

Dieses ständig blinkende, heulende und donnernde Nichts ergänzt als Aufmerksamkeitsmagnet den routinierten Nihilismus der Parteipolitik. Passt schon, wenn deren Nachwuchs sich dort rekrutiert. Wer das ernst nimmt, glaubt auch, ein "Ich bring' dich um, du Drecksau" irgendwo ins Netz gerotzt, sei eine "Morddrohung". Ich weiß, es sind eher weniger, die solch infantiles Getöse nicht ernst nehmen. Das ändert nichts daran, dass die Plärrer weitgehend unter sich bleiben. Ein Beleg dafür: Hier geht ja reichlich Traffic ein, aber von Twitter kommt quasi null. Ich habe dort selbstverständlich auch keinen Account.

Wir haben also ein doppeltes Problem, wenn wir so etwas wie "Politik", zumal "linke Politik" auf die Beine stellen wollen. Die parlamentarischen Institutionen sind verseucht, weite Teile der Netzkommunikation ebenso. Eine Gesellschaft, in der Wirkungsmacht auf der persönlichen Ebene so attraktiv ist, weil alle Lebensbereiche von Machtstrukturen durchzogen sind, sägt an der Fähigkeit zu sprechen ebenso wie an der sich überhaupt zum Gespräch zu treffen. Vielleicht hängt vieles davon ab, Plattformen zu finden, auf der man wieder Zusammenhänge diskutieren kann, so dass sie Anschluss ans allgemeine Denken finden. Früher waren es Arbeitervereine, aus denen eine Bewegung entstand. Was könnte heute den Ausgebeuteten die Sprache zurückgeben?

 
lx

Am liebsten packe ich ja Geschichten aus den 80ern aus, weil sich die so exotisch anhören für die Einen und so heimelig für die Anderen. Oder gehen wir in die 70er zurück, das ist für viele Zeitgenossen schon prähistorisch, für mich erscheint es wie ein Wimpernschlag. Ich habe das eben noch gesagt: Ich denke an mein Viertel, Straßen, in denen Autos standen. Einzelne Autos. Man wusste von jedem, wem es gehörte und es gab keine Familie, die zwei hatte.

Es gab überall kleine Läden, die heute bestenfalls als Kiosk durchgehen würden. Sie hießen wie ihre Inhaber, nicht wie eine Kette. Auf dem Weg zu meiner Schule gab es so ein Lädchen, in einem kleinen würfelförmigen Gebäude, das nur diesen Laden beherbergte. Die Besitzerin war eine gerüchteumwitterte blonde Frau mit meterlangen Beinen, die einen Opel GT fuhr. Sie war sehr nett zu uns Kindern und ich wahrscheinlich ein bisschen verliebt.

Oppa und der Kriech

Inzwischen kommt es mir vor, als würde ich solche Geschichten aus der Gruft murmeln, wenn ich nur ein paar Jahre zurück denke. So wie es Jahrzehnte gedauert hat, die Straßen vollzustopfen mit Blech, das alle paar Jahre das Einheitsdesign wechselt, komplett ausgetauscht und aufgestockt wird, hat es nur einzwei Jahre gebraucht, um die Köpfe der Konsumenten endgültig zu beugen. Es dauerte Jahrzehnte, bis das Autoland die Gehirne so getrimmt hatte, dass nicht mehr die Familie, sondern jedes einzelne Mitglied einen Zweitwagen braucht. Es hat wenige Jahre gebraucht, um die Menschen mit sinnlosem "Äpp"-Spielzeug zuzumüllen, auf dass sie nicht mehr sehen noch sprechen.

Am Anfang war das Internet. Wir waren auf hoher See. Es gab so viel zu entdecken, zu erforschen, zu suchen und zu finden. Von dieser Zeit zeugen Programmnamen wie „Explorer“ und „Navigator“ sowie das Wort „surfen“ für die virtuose Bewegung im unbekannten Raum oder „Anker“ für einen Link. Die Welt des Netzes war noch fast übersichtlich, dennoch war es oft schwierig etwas zu finden, wenn es konkret sein sollte, man aber nicht wusste, wo und wer. Man entdeckte daher viel, was man gar nicht gesucht hatte, machte Zufallsbekanntschaften und traf sich in den Spelunken der Foren, Newsgroups und Chats. Unendliche Weiten; und dann kam Google.

„Don't Be Evil“ sagten sie, sei nicht bösartig, und bis heute lassen sie daran glauben. Ernsthaft meint eine der relevanten Weltmächte: „Geld verdienen, ohne jemandem damit zu schaden“ sei ihr Unternehmensmotto. Das sollte jemand ihnen ins Gedächtnis rufen, wenn sie um Budgets verhandeln, ihre Rechtsabteilung losschicken oder einfach den nächsten Laden übernehmen, um ihm ihre Bedingungen zu diktieren. Google half einmal dabei, den schnellsten Weg zum wahrscheinlich gesuchten Hafen zu finden. Heute sind sie auf dem Weg zu einer Art Gehirnwäschemonopol. Niemand, der Werbung macht, kommt mehr an Google vorbei, und Google weiß das. Don't Be Stupid.

Sei keine Ameise

Aber es ist nicht Google, das diesen Weg bestimmt. Nicht einmal das geniale Google hatte der ganz großen Krake etwas entgegen zu setzen. Es hat sich entwickelt wie die Ideale junger Menschen und hat aus großen Ideen mit dem großen Erfolg das große Geld gemacht. Aus dem Guten wurde schon kurz nach dem Start das nicht ganz so Böse, und auch an das kann man nur noch glauben, weil man es sich jeden Tag selbst suggeriert. Geld verdienen, ohne jemanden zu sehen, dem man damit schadet, vor allem aber und eigentlich nur: Geld verdienen! Google ist erwachsen.

Ich habe die Anfänge erlebt, auch die von Amazon, Ebay, Facebook und Co.. Die waren fast alle mal sympathisch. Heute sind sie ausbeuterische Weltunternehmen, gesteuert von der Sorte Mensch, die so etwas halt steuert. Ihre Welt ist herrlich bunt, selbsterklärend und schön, und alle lieben sie.

Ich hingegen fahre weiterhin mit meinem Kutter zu den Spelunken. Kompliziert, alt und hässlich, aber ungebeugt.

 
bl

Früher wird auch immer später. Nicht nur, dass die Technik sich hier und da rasant entwickelt hat – ich wage bei der Gelegenheit übrigens die Prognose, dass nützliche Fortschritte in den kommenden 20 Jahren kaum mehr zu erwarten sind - es ist auch die Kapitalflut, die binnen kürzester Zeit alles hinfort spült, was auch nur so aussieht als hätte es Sinn und Zweck. Das betrifft vor allem das Internet, das WWW und Träume von Freiheit und Unabhängigkeit wie die um Blogs.

Ich bin ein Spätstarter der Generation Dotcom, vielleicht auch zweite Generation, das geht ja inzwischen in wenigen Jahren von einer zur nächsten. Anfang bis Mitte der Nullerjahre etablierten sich Blogs in deutscher Sprache, deren 'erfolgreichste' Betreiber, also die mit der höchsten Reichweite, großenteils noch heute bekannt sind (wenn sie noch aktiv sind). Techies und Journalisten, die eben vor den anderen da waren und etwas zu sagen hatten. Eine der großen Anlaufstellen für Diskussionen und Selbstreferenz war die inzwischen verwaiste Blogbar von Don Alphonso, an der man sich fröhlich feierte, vors Bein trat oder eine großartige Zukunft ausmalte.

Generation Keinezeit

Ich habe damals in einer der Diskussionen gesagt, man solle einmal 10 Jahre abwarten, dann könne man sagen, wo die Bloggerei steht, was sie kann, was sie nicht kann und wohin die Reise geht. Das war vor etwa zehn Jahren, und inzwischen kann man das ziemlich deutlich sehen. In einer Veranstaltung an einer Uni habe ich junge Frauen, die sich für Bloggerinnen hielten, weil sie sich Klamotten anziehen und davon Fotos machen können, die sie dann mit drei Standardsätzen bejubeln, gefragt, wie sie das zehn Jahre lesenswert gestalten wollten. Die Reaktion war geradezu empört. Wie man auf die Frage kommen könne, was in zehn Jahren sei. Das ist schon einer der wesentlichen Unterschiede: Ein Morgen gibt es nicht mehr.

Unabhängigkeit war ebenfalls vorgestern. Wie sie sich dem Kapital zur Verwertung anwanzen, diese eingefleischte Nuttigkeit, ist das furchtbare Gegenteil all dessen, was wir uns vorgestellt hatten. Beauty, Reise, Fashion, man möchte kotzen. Alles, was man verticken kann, so kritiklos, seicht und nichtssagend, dass es sich dem Kommerz eben so anschmiegt wie dem hirnfreien Konsum, treu wie Herpes. Ach, wie schön, ach wie neu, das muss ich auch haben! Da muss ich unbedingt mal hin, jetzt pauschal und inklusive einheimischer Begleiterin noch günstiger! Längst sind das auch die "Blogger", die von den Massenmedien und ihren verkeimten PR-Formaten noch wahrgenommen werden. Den Rest, die alten Männer, haben sie bei SpOn und FAZ verklappt, wo sie brav das jeweilige Verlagsspektrum mit heißer Luft befüllen und selbst damit noch qualitativ ziemlich weit vorn liegen.

Höraufmitderlaberei

Umso mehr belustigt es mich, wenn ich (gern übrigens nicht einmal hier in den Kommentaren, sondern in den laissez-faire moderierten Spalten der Nachbarschaft) lese, dass ich hier die Weltrevolution verhindere, weil ich partout den Zusammenschluss, die vereinigte Linke, nicht zur obersten Direktive mache. Bloß weil ich vor Jahren einmal einen Wahlaufruf verbrochen und mich an einem lustigen Kongress beteiligt habe, werde ich wohl immer noch verwechselt mit einem, der Partei machen will. Nein, auch dazu taugt es nicht.

Es scheint, als wolle eigentlich niemand so recht unabhängige Blogs. Es scheint, denn das ist nur der Chor derer, die etwas zu meckern haben; schlimmstenfalls derer, die sich eine Vorstellung machen und der freien Meinung® sind, jene Blogger, als deren Qualitätsleser sie wirken, hätten gefälligst umzusetzen, was demnach das Richtige ist. Willkommen wäre stattdessen schon die simple Erkenntnis, dass der Vorwurf "Ihr redet ja nur" zutrifft. Dazu reicht es aber nicht bei exakt denen, die ihn so gern erheben. Ja richtig, ich rede nur. So wie es mir einfällt und so wie ich es mag. Mit denen, die mich vorwärts bringen. Und wisst ihr, wie ich das nenne? Unabhängigkeit.

 
ba

Oh my, mal wieder ein paar Twitter-Beiträge gelesen. Warum tut man sowas? Warum vor allem verfolgen mich diverse Blogger und sowieso das Journallala mit diesem Rotzforum, der Trollachterbahn im Empörungspark? Wenn ich das haben will, kann ich ja gleich zu den Piraten gehen. Dieses Gebaren kenne ich noch von der Uni, und da kommen sie ja alle her, aus der Studentenpolitik. Dort setzt sich seit vierzig Jahren keine gute Idee mehr durch, sondern stets die Geschäftsordnung.

Ich habe Anfang der 90er an diesem studentischen Bildungsgipfel teilgenommen und bin bis heute davon gezeichnet. Die Unipolitikelite aus hundert Hochschulen, allesamt Figuren, die es gewöhnt sind, dass ihr Geschwätz relevant ist; dass sie reden und andere zuhören. Argumentieren - und das wurde dort zelebriert - dient einzig dazu, den Gegner zu ermüden. Entscheidungen werden in einer Art Last-Man-Standing Battle gefasst, für die Teile des Verfahrens, die noch nicht per Geschäftsordnung zertrümmert wurden.

Ich rede!

Die Raubritter solcher Bürokratie haben keinerlei Verständnis von Gemeinschaft, keine Ahnung, wie man sich mit anderen einigt oder wenigstens verständigt. Für sie ist "Solidarität" etwas Militärisches (uneingeschränkt), und Regeln sind dazu da, andere zu knebeln. Es geht schließlich darum, irgendwas durchzusetzen und nicht darum, miteinander zu leben. Worte sind Werkzeuge oder gleich Waffen. Es geht um die Deutungshoheit.

So kommt es auch, dass für sie der schlimme Twitterror viel schlimmer ist als echter Krieg. Ernsthaft zwitschern professionelle Opfer ihrer eigenen kommunikativen Idiotie, ein beherzter Spruch im Deppenchat bewirke ein Trauma, gleichzusetzen mit Kriegserlebnissen, man müsse daher von "posttraumatischer Belastungsstörung" sprechen, wenn jemand dort spontan angedisst wird. Die Forderung an den modernen Attentäter liegt dann wohl darin, statt "Allahu Akbar" doch "Triggerwarnung!" zu skandieren, dann ist alles halb so schlimm.

Ich bin getroffen!

Die Speerspitze derartiger Aktivitäten und -isten hält sich für Krieger, genauer "Social Justice Warriors", der Irrtum bremst mich freilich schon vor der dritten Silbe aus. "Social" ist da gar nichts. Es herrscht die Selbstgerechtigkeit gehätschelter Mittel- und Oberschichtsbälger, die auch mal was unterdrücken wollen und keine Lust haben darauf zu warten, bis sie Chef von irgendwem werden. Da sie unendlich gelangweilt sind, machen sie dabei einen auf Revoluzzer und nennen das "links", weil das in ihren Kreisen eben unerhört rebellisch erscheint.

Im Kaminzimmer, wo die Kiste mit den Zigarren schon auf sie wartet, lächeln ihre Zieheltern gnädig und wissen, dass sich die Hörner schon abstoßen werden. Eigentlich sind sie doch ganz gelungen, die Kleinen. Zielstrebig, gnadenlos gegen ihre Feinde und ausgestattet mit der richtigen Einstellung. Wer Opfer ist und wer Täter, wer immer im Recht ist und wer nie, dies Wissen liegt ihnen im Blut. Sie bekämpfen alles und jeden, sprechen aber nie den unverzeihlichen Fluch gegens Wachstum®. Man beißt halt nicht die Hand, die einen füttert.

 
xx

Die Sueddeutsche unkt, der Link sterbe aus. Ich halte das zwar für reichlich vorschnell geurteilt, aber der damit angedeutete Trend ist real. Das Netz der Nerds und das der Nutzer ist tot, es lebe das Kapitaltransfermedium! Das Protokoll könnte bei der Gelegenheit oder einer anderen in "ctp" umbenannt werden.

Die Idee des Netzes, einer Verbindung beliebig vieler gleichrangiger Knoten, von denen aus jeder jeden erreicht, war gestern. Heute baut man nicht nur Zäune, die Millionen von Flüchtlingen aufhalten sollen, sondern auch welche, die Kunden ("Nutzer" oder "User" ist auch sowas von 2000er) nicht mehr hinaus lassen, und das geht ungefähr so:

Wenn ich mich in meiner Wohnung der Korridortür nähere, erklingt auf dem letzten Meter ein Warnton. In grellen LED-Lettern werde ich gewarnt: Achtung! Sie verlassen die Heimzone! Wollen Sie wirklich die Außenwelt betreten?! Bitte bestätigen Sie! Bitte bestätigen Sie! So ist das auch wenn ich mein Auto abstelle, dann piepsen nicht nur die üblichen "Licht ist an, du bist nicht angeschnallt, dein Parfum ist abgelaufen"-Töne, sondern es erschallt auch die eindringliche Warnung: "Achtung Achtung! Sie verlassen Ihren BMW! Wollen Sie wirklich Straße betreten, einen der gefährlichsten Orte der Welt??!!

Leaving the Sane Sector

Wer einen Facebook-Account hat, wird das völlig normal finden, und das ist der Skandal. Tatsächlich ist die Warnung beim "Verlassen" von Facebook noch hundert dööfer (nicht nur, weil sie "vertraulich" nicht von "vertrauenswürdig" unterscheiden können), denn man verlässt ja gar nichts. Wie denn auch? Man sitzt an einem verdammten Rechner, hat eine verdammte Internetverbindung und damit den Anbieter Zuckerberg Unlimited Exploit angesurft. Bloß weil ich danach etwas anderes aufrufe, habe ich weder etwas betreten noch etwas verlassen.

Besser noch, klebt mir Facebook aber obendrein weiter an den Hacken, denn die Skripte und Cookies, die ich mir von denen ungefragt unterjubeln lasse, bin ich erst los, wenn ich entsprechende Gegenmaßnahmen treffe. Jetzt noch geiler: Künftig wollen Facebook und andere Hirnverwurster noch mehr dazu tun, riesige Ghettos im Netz zu errichten, die man nicht so einfach betritt und verlässt (siehe Link oben).

Verblödung der Kunden ist dabei nicht die einzige Waffe, die zum Einsatz kommt, sondern, wenn das hier stimmt, auch das aktive Blockieren* von Links. Wer sich das im Einzelfall bieten lässt, hat sicher auch nichts dagegen, wenn es schrittweise schlimmer wird, bis es gar keine Verbindung mehr zwischen der Datenkrake und den Rest des Netzes gibt. Tja, Kinder, ihr müsst euch dann entscheiden: Facebook oder Internet.

Schö mit Ö

Es gab Zeiten, da habe ich mich über solche Trends aufgeregt, genau wie über so manches, das faule verblödete Lemminge so ihr "Nutzerverhalten" nennen und das sie von Leuten unterscheidet, die sich darüber orientieren, was Internet eigentlich ist. Wisst ihr was? Verblödet doch einfach weiter! Lasst euch womöglich "Antivirussoftware" unterjubeln und meckert nachher, wenn die euch nicht schützt. Lasst fröhlich jedes Script auf eure Rechner los, das wer euch "vertraulich" anbietet.

Bleibt doch "bei Facebook", Whatsapp und Wasweißich, verschenkt eure Fotos, Texte und Kontakte, macht es euch einfach und gemütlich und lebt damit. Selbst wenn meine Mailadresse dabei mal unter die Räuber fällt, dann schalte ich die halt ab. Mir wurscht. Nur eines macht euch bitte klar: Ich werde niemandem von euch mehr irgend einen Gefallen tun, wenn eure Mistkiste mal wieder spinnt. Ich werde keine eurer doofen Fragen mehr beantworten, wenn ihr mal wieder nicht wisst, wo der Einschaltknopf ist. Fragt mich einfach nichts mehr; ihr wollt die Antwort ja eh nicht hören.

Derweil wird es noch ruhiger werden und ich betue mich mit denen, die den Knall noch hören. Ich bin es ohnehin leid, immer denselben Vortrag zu halten.

*Inhalt der Quelle ist nicht geprüft.

 
udowahrEs fiel mir recht schwer, einen neuen Preisträger zu finden, weil mir nicht nur die Muße fehlt, sondern ich auch nicht launisch genug unterwegs bin, einfach einen auszusuchen. Willkür braucht mehr Kraft als mancher denkt. Dennoch ist es wieder passiert, dass mein Favorit das Rennen gemacht hat, wer hätte das gedacht? Ich hatte noch einen zweiten, den ich derzeit sehr gern lese, aber das wäre einfach zu viel Inzucht gewesen. Dein Pech, Pantoufle.

Die Hauptaufgabe haben wir auch diesen Jahr wieder gemeistert, nämlich geile Blogs vorzustellen, die noch nicht jede(r) kennt. Was mich selbst anbetrifft, kannte ich tatsächlich schon alle. Originell fand ich übrigens die Idee, Gärtner vorzuschlagen. Der ist mir zwar gerade nicht under genug, aber das erweitert meinen Horizont. Vielleicht sollte ich mal den Wagner auszeichnen, har har.

So wird das nix

Ich werde selbstverständlich nichts dazu sagen, warum mir dies oder jenes Blog nicht so dolle zusagt, denn im Gegensatz zu meiner sonstig ätzenden Präsenz will ich hier ja niemanden vorführen, sondern wem huldigen. Kritik allerdings so weit: Wieso schlagt ihr eigentlich keine Frauen vor, ihr Maskuschweine?

Kommen wir also zum Gewürdigten: Sein Blog besticht durch raffiniertes Design, professionelle Produktpräsentation und zeitgemäße Einbindung der Social Media. Ach nee, das waren ja die ganz anderen. Schelm, ich! Nein, in Zeiten, in denen uns die Propagandamaschine nur mehr rottes Gemüse und peinlichste Lügenkonstrukte präsentiert, beißt er sich an seinen Berichten fest, entwickelt ganz offen, mit wissenschaftlichem Geist und dennoch völlig verständlich seine Recherchen.

Ergänzungen durch Kommentare werden in Updates eingebunden, wenn sie plausibel sind. So wirst du nie im Mainstream ankommen, mein Lieber. Wenn einer schlauer ist als du, heißt der "Verschwörungstheoretiker"! Manche lernen es nie. Beispiele für Recherche, wie er sie versteht, hier und hier. Ach ja, und witzig ist er auch noch, wenn witzig dran ist. Grund genug, ihn ins Rähmchen zu hängen. Willkommen im Club, Thomas!

 
udokiezEs ist mal wieder soweit und kommt mir halbwegs gelegen. Ich bringe es, wie ihr schon bemerkt habt, derzeit nicht auf die Reihe, regelmäßig Substanzielles vorzulegen. Einen neuen Underdog sollten wir trotzdem suchen, der aktuelle hat ja nun lange genug im Rähmchen gehangen.

In der Wahnvorstellung, ich hätte Leser/innen, die nicht seit Jahren hierher finden, zur Erklärung: Ich zeichne jährlich ein Blog aus, um deren Betreiber/in ein paar Trolle auf den Hals zu jagen mich in der Nachbarschaft umzuschauen, stets auf der Suche nach Erleuchtung und Erbauung. Gerade in Zeiten einer Propaganda, der man gar nicht zugetraut hätte, dass sie noch derart degenerieren kann, tut gute Lektüre Not.

Ich bitte also wieder um Vorschläge; tolle Blogs, die nicht in den Charts sind, die mehr Aufmerksamkeit verdient haben oder einfach freaky funky sind, werden gesucht und sollen hier in den Kommentaren vorgestellt werden. Eine objektive Jury, bestehend aus mir, wird dann den Preisträger preistragen lassen. Hier ein kurzer Überblick über die bisherigen Champions :

2007: Kiesow (dauerhaft down)
2008: Hokey's Blog
2009: Der Morgen
2010: Notizen aus der Unterwelt
2011: Die roten Schuhe
2012: daMax
2013: Alarmknopf
2014: Kiezneurotiker

Im letzten Jahr fiel mir die Wahl sehr leicht, daher wurde der Hund auch recht früh ausgeführt. Diesmal bin ich unentschlossen. Es gibt ein zwei Vettern in der Wirtschaft, die da infrage kämen, aber es wäre doch nett, mal ein Blog auszuzeichnen, das ich nicht schon vorher kenne. Wie dem auch sei; es ist ja vor allem eine Gelegenheit, auf ein paar Kolleg/innen aufmerksam zu machen. Wohlan!

 
1Der Erfolg ist ihm wohl zu Kopf gestiegen. Haben mich schon lange angewidert, seine ewigen Lobhudeleien über irgendwelche Fressbuden, in denen man sich totes Tier in die Kanalisation eines Gedärms schaufeln kann, dort, wo der Pilz blüht und Industriefraß in Alkohol schwimmt. So oft wie er beteuert, er werde dafür nicht bezahlt, muss er es nötig haben, dieses Mantra des "Ich nehme nichts", ist längst zum Treppenwitz geworden. Es gibt hier aber noch ein paar, die riechen Korruption, wenn sie Korruption ist. Ganz sicher auch unter denen, für die es gedacht ist und auf die eine aufgehaltene Hand nur wartet.

Zuletzt hat er sich als fanatischer Feind der Bäume geoutet, als einer, der sprichwörtlich den Ast absägt, auf dem wir alle sitzen, jetzt kommt er uns mit gefühlsduseligem Verständnis für Faschisten. Ja, alles ganz harmlos! Dabei sollte ihm allein die enge Verbindung zum Gammelfleisch den Weg weisen. Currywurst - welch eine abgefeimte Metapher! Warum bläst er nicht gleich zum Sturm auf die Dönerbuden? Vielleicht hat er ja das Charisma. Eine kaum verhohlene Drohung, die wir verstanden haben.

Wer es nicht glauben mag, stelle sich einfach vor, er hätte dasselbe über den anderen Rand geschrieben - launige Artikel über unsere Helden, Cochise vielleicht oder 'Gänsehaut'. Für die hätte er nur Spott und Häme übrig, und hätte noch eines Beweises bedurft, welch Geistes Kind dieser "Kiezneurotiker" ist, hier hat man es vor Augen, in grellen Farben und großen Lettern. Er ist ein Rechter geworden, und es darf niemanden wundern, wenn bald schon die Trommeln gerührt und nationales Pathos angestimmt werden. Das Liedgut hat ja schon Einzug gefunden.

Erst das Liedgut, dann der Stechschritt

Das war es für mich. Mein Abo ist gekündigt. Nie wieder! Ich habe mir eben einen Feed-reader installiert, aus dem ich ihn sofort entfernt habe. Hier hilft nur totaler Boykott. Sprecht auch mit eurem Freunden, Eltern und Nachbarn darüber! Wehret den Anfängen! Nie wieder Krieg! Postet es auch auf Facebook und Twitter, leistet Widerstand!

Zuschauerreaktionen auch andernorts. Vielleicht ist solches literarisches Daumenkino ja die zeitgemäße Form epischen Theaters, eine weitere Übung der Lesekompetenz. Zu mehr sind wir wohl nicht fähig. Ich hätte nicht nur keine Antwort auf die Frage nach dem Zusammenhang von Charisma, Mitläufern, Alltag der Abgehängten und politischer Relevanz, ich hätte sogar eine ganze Reihe davon. Ich stelle sie mir bloß nicht.

Mit zunehmendem Abstand zu den Dingen lernt man nämlich, Relevantes von Irrelevantem zu unterscheiden. Von Ersterem bleibt dann wenig übrig, und du kannst endlich alles über alles schreiben oder halt nichts über nichts. Das kann im Einzelfall in jeder Hinsicht besser sein als Appelle. Auf jeden Fall besser als moralische. Zumeist ist es ohnehin irrelevant.

 
gmn

Er kommt daher wie der hanswurstige rechte Opa, bei dem man nicht mehr weiß, ob er deliriert oder schon immer ein Brauner gewesen ist, der "Don", wie eben die Rechten, die sich als "gemäßigt" betrachten, weil sie den Verzicht aufs aktive Schlachten bereits als Mäßigung begreifen. Ihre Mäßigung ist eine rhetorische, garniert mit der Attitüde, sich von "Nazis" oder "Rechtsextremen" zu distanzieren, die sie darum mit "Linken" gleichsetzen. Alle eben nicht demokratisch, daher anders und daher ein Pöbel, den man bestenfalls noch angewidert duldet.

Selbst die Duldsamkeit hat ihre Grenzen, am Ende tropft es dann doch etwas aus den Mundwinkeln, wenn es kulminiert: "die provokative, obszöne Schande am ideologisch vernagelten Bodensatz einer gefestigten Demokratie". Das ist nicht ganz der Rattenvergleich, mit dem noch selig der Goebbels Josef und der Strauß Franz-Ebenso um die Ecke kamen, aber als Mäßigung keine Leistung mehr, die dem Beobachter Respekt abnötigt. Nein, das ist dann doch eher Gülle. Der Passepartout, mit dem sich dergleichen zu richten herausnimmt, folgt auf dem Fuß, Chronistenpflicht:

"Demokratie, die mit der Aufarbeitung des katastrophalen 20. Jahrhunderts bewiesen hat, dass sie genau diese komplexen Debatten ohne diese Extremisten inzwischen recht gut, flexibel und praxisnah führen kann.".

La démocratie c'est moi

Ich habe keine Vorstellung von einer "Demokratie", die Debatten führt, das tun immer noch die, die leben, ob in der Demokratie oder am Tegernsee. Ich kenne aber die Debatten, die hier geführt werden, die Rhetorik und was am Ende dabei herumkommt. Das ist wahrlich kein Fels, der das Schöne und Gute trägt, umgeben von einer See aus Schande. "Aufarbeitung" in Form eines neuen Kalten Krieges, Erosion des Rechtsstaats, Krieg gegen den Islam, gegen Nordafrika und eine Mauer gegen die Flüchtlinge - sieht so "Aufarbeitung" aus?

Aber da sind wir bei Inhalten, bei der Substanz der "Debatte", nicht mehr beim ausgestreckten kleinen Finger, der immer einem klügeren Kopf gehört, einem, der weiß, was seine Richtigkeit hat und was eben nicht. Solche Köpfe brauchen keinen Inhalt, keine Substanz, keine Analyse und kein differenzierendes Urteil. Da ist der Rechte wie der Linke, der im Übrigen wahlweise "Antifa" ist, "Kommunist" oder sonstwie links. Das sind alles die Wimpel der Vereine aus den unteren Spielklassen; mit denen hat man schon im Sandkasten nicht. So geht einem der Unterschied flöten zwischen der "Heldenverehrung" eines blutrünsitigen Terrorregimes und einer Aktion, die zehntausendfachem namenlosem Sterben ein Gesicht enthebt.

So schön hier

Wohin das führen soll, warum diese aufgeblasene Kunstfigur sich derart gehen lassen darf, es andererseits aber nicht lassen kann, in die benachbarte Surrealität hinein zu schwadronieren, verstehe ich nicht. Es ginge ja noch an, wäre ein wenig Ironie zu erkennen. Es wäre vielleicht amüsant, bliebe der „Don“ bei seinen krachledernen Büchern, aber spätestens wo die Trollpiste der Smartfonchatter zu seiner ständigen Referenz wird, nehme ich ihm die Kunst in der Figur nicht mehr ab. Da lese ich einen, der jetzt Zur FAZ gehört, zu der nach Schirrmacher, die nicht mehr zweifelt, sondern wieder Bescheid weiß.

In diesem Umfeld solche Plattitüden aufzureihen, ohne sich um jeglichen Kontext zu bemühen, die Oberfläche mit dem "Alles ist gut"-bestickten Deckchen zu schmücken, auf dass es die Schande verberge, das ist eine Entscheidung. Es wird nicht von Geostrategie gesprochen am gedeckten Tisch, nicht von Ursachen und Folgen, von gescheiterten oder erlogenen Idealen und schon gar nicht von wirklich klugen Analysen dazu, wo es doch so viele Schändliche gibt als Beispiel dafür, dass die Anderen alle gleich sind; rechts, links oder Drogenhändler. Diese Entscheidung hat nicht Don Alphonso getroffen, sondern Rainer Meyer. Ich habe keine Ahnung, was der mir damit sagen will.

 
desk

So lala launisch, die Lage hier ist zum Fürchten, versuche ich mich abzulenken. Vielleicht sollte ich mich auch ablecken, das wäre eine Möglichkeit, aber man kommt ja kaum mehr an die Zehen heran, ohne dass einem ein Wirbel durchs Zimmer springt. Ich könnte mir alte Fußballspiele angucken und mich fragen, ob man einigen, die da kicken, schon ansieht, dass sie einmal gierige alte Arschlöcher werden oder ob man schon erkennt, dass sie gierige junge sind.

Ich habe heute nach langer Zeit mal wieder einen Artikel von Don Alphonso gelesen, der mir gefallen hat. Es geht mir dezent auf die Murmeln, dass alle möglichen Leute, die es wirklich besser wissen müssen, ständig Twitterhonks und ihre Trolleria zitieren, um in ein Geheul einzufallen über verlotterte Sitten, schreckliche Feministas und andere depperte Zeiterscheinungen.

Bringt gar nichts und geht bloß den Aufmerksamkeitsvampiren auf den Schleim. Was er heute schreibt, liefert aber endlich einmal Kontext und zeigt deutlich auf, wie der Apparat funktioniert, den Denunzianten und moralische Extremisten betriebsbedingt am besten bedienen. Danach kann nichts mehr kommen, und es wäre an der Zeit, sich anderen Themen zuzuwenden. Das gilt auch für Herrn von Leitner, bitte, oder Hartmut oder Burks oder und und.

Ich rede gern

Womit wir bei der Blogumschau sind, im zehnten Jahr, einmal rauf und runter. Ich wundere mich darüber, wie viele der Kollegen offenbar kein Interesse haben, miteinander zu kommunizieren. Bislang hat es nur einer fertiggebracht, meine Antwort auf sein Geschwurbel in den Mülleimer zu routen, aber ich meine das eben nicht passiv. Ich selbst finde es selbstverständlich, ab und an bei den Kolleg/innen etwas Senf aufzustreichen (nicht bei allen, aber bei fast allen). Ich lese auch die Kommentare bei anderen, und da gibt es eben eine ganze Charge, die Texte anderer offenbar keiner Bemerkung für würdig halten. Kann ich nicht verstehen.

Ich mache keinen Hehl daraus, ich glaube, Kommentare sind auch eine Art Applaus. Ist das auch so eine Art Konkurrenzgebaren, dass man den Kollegen nicht beachtet, weil man ihm nicht mehr gönnt als man selbst einfährt? Was mich dabei wundert, ist nicht zuletzt das Schweigen derer, die sich sichtbar auseinander entwickeln. Das würde es doch gerade interessant machen, zu erfahren, was jemand über mich denkt, der die Dinge offenbar anders sieht. Ich wüsste gern wenigstens, warum bei einigen Funkstille herrscht. Ausdrücklich akzeptiere ich die Ausrede nicht, man habe "keine Zeit".

Mag es Desinteresse sein, Enttäuschung, Frust? Schreiben die anderen so ein langweiliges Zeugs? Sind sie noch nicht in den erlauchten Kreis emporgestiegen, es nicht wert, beschmutzt man sich mit solchen Kontakten? Was hält gerade diejenigen, die regelmäßig Weltbild liefern, Moral absondern, Bären erklären, Urteile sprechen und Texte absondern, davon ab, den Kolleg/innen die Meinung zu sagen? Ich bin immer befremdet, wenn Menschen Reden halten, aber nicht mit anderen reden. Mag sein, dass ich Politik einfach noch immer nicht verstanden habe.

p.s.: Dass ich selbst einigen öfter applaudieren sollte, weiß ich. Ich verspreche nichts ;-)

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