netz


 
de

Socken sind ihrem Wesen nach Einzelgänger. (Clementine Tilly)

Pappkamerad Klappspaten sah mich verdattert an. Er wusste es nicht, aber er war soeben Doppelopfer geworden; eines Eingangssatzes, der doch niemals einer werden würde. Seine gesamte Existenz verdankte sich einer grausamen Übung, einer Laune, einer spontanen sinnlosen Tat. Solange die Datenbank in jedweder Form, kopiert, gepackt, gebrannt oder verschlüsselt, noch irgendwo vorlag, würde er dasein, ohne Geschichte, ohne Charakter oder Gestalt. Nur das Eine, diese wohl intonierte Information über ihn, war.

Charles M. Chools lachte heiser und steckte einen Stummel zu den anderen in den Aschehaufen. Erfolg! Erfolg war so banal, so simpel und kalt, eine Frage kruder Technik. Er konnte ein Schnitzel schreiben, und alle würden es fressen. Das Geheimnis des Starautors („Bestsellerautor“ verbat er sich. Das Wort hat mehr Silben als Sinn. Außerdem ist jeder Hinz und Kunz Bestsellerautor. Man vergleicht sich nicht mit den Top 100, wenn man gut genug ist für echte Ambitionen.) wurde bereits mit seinem Erstlingswerk gelüftet: Technik, Technik, Technik.

Rollenwechsel

Die erste Kritikerin, die ihm „Empathie“ unterstellte, hat noch an demselben Abend mit ihrem bisherigen Leben abgeschlossen. Wie der geniale Analytiker sie öffentlich vorführte, ihr Wort für Wort, Silbe für Silbe ins Stammbuch prügelte, dass ein gut programmierter Roboter hätte schreiben können, was sie „anrührend“ fand, hätte einem frühneuzeitlichen Gericht Ehre gemacht. Mancher hätte die peinliche Befragung jener Zeit vorgezogen. Sie wechselte kurz darauf die Seiten und schrieb ein vielgelobtes vierbändiges Racheepos.

Chools fuhr den PC herunter und ging ins Schlafzimmer. Er öffnete den großen Spiegelschrank und entnahm ihm die schwarze Uniform. Nachdem sie frisch gebürstet und parfümiert war, zog er sie über, schlüpfte in die Stiefel und band die Binde um. Er nahm die Mütze vom Huthaken, wienerte deren Schirm, sorgte für ihren perfekten Sitz und schloss den Schrank. Stolzierend, krächzte er wieder und wieder: „Heil Hättler, doo Drräcksaoo!“

[Hier Link zu einem Video mit Musikanten einfügen. Vielleicht Rammstein.]

 
fa

Screenshot "Flatterwatch"

Die Mangelnde Lesekompetenz der Netznutzer, insbesondere derer, die Twitter für einen "Nachrichtendienst" halten, ist erschütternd. Wenn wer nur oft genug über dasselbe textet, beginnt eine kritische Masse, ihn für einen Experten zu halten, auch wenn jeder einzelne Beitrag nicht einem Mindestmaß an Qualität genügt. Dabei ist es der Attraktivität offenbar noch zuträglich, wenn der Autor immer dieselben auf dieselbe Weise diffamiert - wenn es denn die vermeintlich Bösen sind.

"Der Herr Karl" war ein berüchtigter Troll, der in linken und linksliberalen Blogs vor einigen Jahren Hausverbote sammelte oder eben seine Hetze betrieb. Ich habe ihn im September 2012 hier auf die Bannliste gesetzt, weil er nicht nur hier ständig provozierte, sondern damit begann, blogübergreifend über mich und andere zu trollen. Dies inspirierte ihn zu seinem ersten und bislang wohl konsequentesten 'Blog' namens "flatterwatch(blogspot.com)", das ausschließlich dazu diente, Gülle über mich auszukippen. Ich habe versucht, das völlig zu ignorieren; leider gelang es ihm aber, die Aufmerksamkeit anderer zu wecken.

Während er auf seinem 'Blog' also Texte und Kommentare von mir postete, sie ohne jeden Kontext bespuckte und über mein Privatleben spekulierte ("Ist er in seiner Jugend etwa missbraucht worden?"), zog er durch die Blogs, die ich verlinkt hatte und postete dort unter seinem Trollnamen Auszüge aus meinen Texten. Als das alles meine Aufmerksamkeit nicht wecken konnte, begann er damit, dasselbe mit Stammkommentatoren und Bloggern aus meiner Blogroll zu tun. Jeder, der mit mir in Verbindung stand, war ein potentielles Opfer seiner Hetze. Insbesondere die Kommentarspalte des "Spiegelfechter" nutzte er für sein Getrolle, bis er auch dort gesperrt wurde.

Vom Troll zum Experten

Beim Spiegelfechter geschah es dann auch, dass ein Leser seinen Klarnamen veröffentlichte, den er aus den EXIF-Daten eines von "Herrn Karl" geposteten Bildes entnommen hatte. Wenige Tage später hat Hüssy sein Hetzblog gelöscht, wohl in der berechtigten Furcht, jemand könnte ihn verklagen. Fortan trat er also mit seinem Klarnamen auf und wechselte die Objekte seiner Obsession. Statt offensichtlich persönlich motivierten Internetstalkings verlegte er sich auf "Watchblogs". Erste Opfer waren der Spiegelfechter und die Nachdenkseiten, über „Herr Karls Blog“ und "Journalistenhatz" ging es weiter zu krudem Geschwafel über eine vermeintliche "Querfront".

Die Strategie nahm dabei die Wendung, anstatt zum Zwecke des Stalkings meiner Person mein Umfeld zu behelligen, künftig ähnliche Verbindungen zu suchen, um eine vermeintliche Verschwörung vermeintlicher Rechts- und Linksextremisten zu konstruieren. Als 'Verbindung' reichen ihm dabei jegliche Verlinkungen, vor allem aber direkte Kommunikation. Jeder, der sich von Jebsen interviewen lässt, gehört ebenso dazu wie Personen, die mit seinen Schlüsselfiguren (Elsässer, Wecker, Dehm u.v.a.) auch nur sprechen. Eine herrliche Spielwiese für einen Denunzianten.

Es ist mir völlig schleierhaft, wie ein derart substanzloses Wer-kennt-wen eines weithin bekannten Trolls und Stalkers von irgendwem ernst genommen werden kann. Wer auch nur ein Minimum an journalistischem Werkzeug im Kasten hat, fasst so etwas nicht einmal für Satirezwecke mit der Kneifzange an. Kann man die von (Ab-)Wertungen nur so triefenden Texte eines Autors solch nicht mehr fragwürdigen Charakters, der sich noch moralische Urteile anmaßt, zitieren, ohne sich für alle Zeiten zur Wurst zu machen?

 
lu

Schon Kinder brauchen Ordnung um mögen daher die Wiederholung. Kluge Kinder, die nicht mit Gewalt verblödet werden, sind aber neugierig und finden bald viel mehr Vergnügen an den Geschichten und den Kapiteln, die sie noch nicht kennen. Das ist die Dialektik des Narrativs: Es knüpft an und erzählt neue Kapitel; derweil zerren die Kapitel der Vergangenheit an allem Neuen wie an Materie, die ein Schwarzes Loch verlassen will. Manches Kapitel muss wieder und wieder entstehen, um endlich an der Oberfläche zu bleiben.

So finden sich diejenigen, die längst in den Irrtum eingewobene Kapitel schließen und durch andere, zeitgemäß wahre ersetzen wollen, in einer paradoxen Situation: Sie wiederholen das Neue. Wieder und wieder erzählen sie ihre Gegengeschichte, verneinen, korrigieren und klären auf. Teils so lange, dass sie Gefahr laufen, ihrerseits das zeitgemäß Neue nicht mehr wahrzunehmen. Es gibt tatsächlich Korrekturen der großen Erzählung, des 'Common Sense', die sich überleben, ohne je dauerhaft 'Öffentliche Wahrnehmung' zu werden. Das Kapitel von der gerechten Marktwirtschaft etwa ist ein solches. Es hatte seine Zeit in den 70ern, sein Held ist Willy Brandt. Das Kapitel vom Russen, der gar nicht böse ist, ein anderes. Es ist mit der Figur des Gorbatschow verbunden.

Where Ham Is Spam

Ich habe mich vor einer Weile gefragt, ob die Bloggerei eine Art Spam ist. Das Netz ist eine ewige Flut von Texten, die immer weniger zu bewältigen ist. Jeder neue trägt dazu bei, dass man die meisten nicht mehr lesen kann. Aber das ist ein Problem der Archivare, die sich eben umstellen müssen - eine Aufgabe übrigens, die noch kaum irgendwo begonnen wurde. "Big Data" ist hier nicht der Weg, sondern die Kunst, Quellen zu bestimmten Fragen zu finden und zusammenzustellen. Eine ganz neue Art von Redaktion, die nicht zuletzt im Auslassen besteht. Das Internet ist definitiv der Tod der Vollständigkeit.

Auf der anderen Seite bleibt es bitter nötig, weiter zu drängen, zu widerstehen; die Kapitel einer zeitgemäßen, aufgeklärten Erzählung zu schreiben und auch zu wiederholen. Das Klügste wird aufs Dümmste angewiesen bleiben: Ohne quasi rituelle Wiederholung besteht nichts. Was verschwiegen wird, wird verschwinden. Ob es dann je wieder auftaucht, ist ungewiss. Immerhin kann man es variieren; das kann manchmal sogar spannend oder komisch sein. Tragisch ist es allemal.

 
tq

Die Begriffe "Klickstricher" und "Awarenesshure" sind völlig aus der Mode gekommen; dafür spricht man heute über "Stars", wie in "Instagram-" oder "Youtube-". Als Anfang der 2000er eine relevante Kultur von Textblogs in deutscher Sprache entstanden war, galt es als unfein, sich an Leser heran zu wanzen, indem man statt Inhalten bloß Zeugs lieferte, das Aufmerksamkeit erregen sollte. Auch das Besprechen von 'Produkten', die man für solche Schleichwerbung geschenkt bekam, war anrüchig.

Der Wind weht längst aus der ganz anderen Richtung, was sich jenem Sog verdankt, in dem sich Kapital und Massen von Idioten zu einer großen Kloake vereinen. Wussten die zumeist irgendwie professionellen oder zumindest sachkundigen Benutzer früherer Zeiten noch, warum man von "virtuell" sprach, wenn Identität im Internet gemeint war, toben inzwischen Schwärme von Lemmingen durch den Äther, die in gebückter Haltung ihre Maschinen streicheln und ein "Pokemon" nicht mehr von einer Laterne unterscheiden können.

Helden in Strumpfmasken

Der "Standard" hat so ein Beispiel, warum man nichts. glauben. darf., Grundgesetz und Kernkompetenz der Netznutzung. Wir Alten wissen das noch. Schauen wir uns diesen widerlichen Aufschneider aka "Instagramstar" und seine halbgescheite Klientel einmal näher an:

Ein Krebsopfer also - zumindest eine der gröbsten Schablonen, mit der Arschlöcher zu Werke gehen, denen jedes Mittel recht ist, sich in den Mittelpunkt zu rempeln. Look! At! Me! Wo immer ich hier lese "Ich habe Krebs", ist selbstverständlich mein erster Gedanke: "Nein, hast du nicht, du Wichser." Man tut sich keinen Gefallen, wenn man sich im Internet auf Drama und große Gefühle einlässt. Das gehört nicht hierher.

Du willst es doch auch

Wer Krebs hat, braucht zwei Dinge ganz sicher nicht: Schmalziges 'Mitleid' oder Heldenverehrung - gemeinhin genau das, was diese Simulanten einheimsen. Allein schon "hat den Krebs besiegt", dieser Bullshit aus dem Boulevard, sieht aus Sicht der Kranken und ihrer Angehörigen ganz anders aus und bedeutet meist: Hat die Chemo überlebt und bangt weiter. Krebs ist null rührend. Krebs ist scheiße, egal ob du damit lebst oder stirbst. Das Geschäft mit dieser Aufmerksamkeit ist etwas für Halsabschneider und Zuhälter.

Im vorliegenden Fall haben wir dann noch einen Poser, dem das nicht reicht und der den Helden spielt, indem er Bilder von Kriegsopfern klaut. So etwas wird also "Star" im Internet, obwohl seine 'Werke' so offensichtlich und leicht nachweisbar zusammengeklaut sind, dass jeder, ja wirklich jeder, der mit einem Minimum an Zweifel solchen Trash konsumiert, das erkennen müsste. Tun sie aber nicht. Der Schwarm schwärmt und träumt, und wenn dann der Wecker klingelt, werden sie patzig. Dabei ist das nicht einmal Betrug. Das ist Kundendienst, oder deutlicher gesagt: Dienst am Freier.

 
udowahrIch werde alt. Mir ist selbst die hauseigene Korruption inzwischen zu langweilig, da nehme ich mir lieber ein Rätselheft vor (um ein Auto damit anzuzünden). Schlimmer noch: Ich lasse mir von Lesern Vorschläge machen und nehme sie an. Leser! Dieses Volk, das meine schöne Datenbank mit ekligen Inhalten vollsaut, meine gute Laune mit Meinungen torpediert und im ärgsten Fall einfach still liest. Widerlich. Das seht ihr doch auch so, richtig? Sag' ich doch.

Muss ich Pantoufle erwähnen? Der hat zum elften Mal den zweiten Platz gemacht. Das nur am Rande. Aber ehe ich den behänge, preise ich mich selber. Wie, das mache ich schon dauernd? Okay, dann vielleicht nächstes Jahr. Ihr seht, der Text kommt voran. Worum geht es noch? Ach so, ja, um den Hund und das neue Teilzeitfrauchen. Er kommt ja auch viel besser mit Frauen zurecht. Oder kam jedenfalls. Also das Original. Hier musste er ja meist bei Kerlen abhängen.

No. 11

Kommen wir also zu ihr, der Preisträgerin. Das ist lustig. Ich lese unvermeidbar gelegentlich Artikel, die mich interessieren, will heißen: thematisch. Dann fängst du an zu lesen und denkst irgendwann - die hohe Kunst schafft das in wenigen Zeilen - "Nee, ne? Och nee, lass ma!" Hat nix zu sagen, kann nich schreiben, redet Blödsinn, weiter geht's. Bei der Dame® nunmehr ging es andersherum. Da ihr mich lesen geschickt habt, fügte ich mich und las. Nicht alles meines Ding. Oft sehe ich die Welt® anders. Kurzum: Ich war in der Fremde, beim Anderen! Gruselschauer!

Was es aber auch war, ich war schnell im Text und blieb. Ob Kollage oder Kommentar; es fällt mir auf, wenn ich nichts vermisse. Viel zu wenige hier draußen können schreiben, wissen, wovon sie reden und halten sich mit ihrer Mission zurück. Bei ihr kommt schreiben von lesen; wer Quellen sucht, wird hier reichlich bedient. Mag ich. Kann ich leiden. Andere haben sie lange vor mir entdeckt. Auch wenn ich ich denke, ich denke ganz anders als sie - oder vielleicht gerade darum: Willkommen im Club, dame.von.welt!

 
udowahrSich alt zu fühlen, hat mit vielem zu tun. Dass ich noch ungeheuer gut aussehe und fit bin wie mit Ende 20, versteht sich, das ist nicht das Problem. Was mir oft auffällt, ist dass ich mich übersetzen muss, wenn ich mit Jüngeren rede. Meine Jugend ist die Zeit, die die 50er waren, als ich jung war. Man muss sich klar machen, dass das vermeintlich Selbstverständliche für andere bereits Geschichte ist. Etwas, das sie nicht erlebt haben und für das sie sich interessieren oder eben nicht.

Den ersten Underdog habe ich vor zehn Jahren verliehen. Die Älteren wissen, was die Jüngeren nicht wissen können, dass es nämlich einen Anlass gab. Mario Sixtus, einer der ersten Alphablogger, hatte sich in die Jury des neuen Grimme Online Awards berufen lassen, sich dabb nachnominiert und und daher konsequenterweise auch selbst ausgezeichnet. Dazu ist er fix aus der Jury zurückgetreten, sonst wäre das ja Mauschelei gewesen. *

Yo, dachte ich mir, als angehender Betablogger kann ich das auch und bilde gleich die gesamte Jury. Diese meine Macht nahm ich wahr, um mich vom damaligen Weltherrscher mit einem weiteren Preis behängen zu lassen, während ich ihm den Publikumspreis zuschanzte. Das Publikum war ich. Alle sind bis heute sehr zufrieden mit diesem transparenten Verfahren. Die bisherigen Preisträger sind:

2007: Kiesow (dauerhaft down)
2008: Hokey's Blog
2009: Der Morgen (nicht mehr betrieben)
2010: Notizen aus der Unterwelt
2011: Die roten Schuhe (nicht mehr betrieben)
2012: daMax
2013: Alarmknopf (nicht mehr betrieben)
2014: Kiezneurotiker (gelöscht)
2015: Die Wahrheit über die Wahrheit
2016: Radikale Heiterkeit

Tzia, die Hälfte existiert schon nicht mehr. Im Neuland werden wenige alt. Gesucht wird auch dieses Jahr wieder ein Blog, das sein verdientes Millionenpublikum noch nicht erreicht hat. Kriterien sind: Ich muss es irgendwie geil finden und wenn möglich, soll es noch nicht gar so viel Zulauf haben, damit ich ihm den ersten Schwarm Trolle zuführen kann. Ein bisschen Spaß muss sein. Na kommt, gebt euch Mühe; meine Blogroll kenne ich selbst.

*Text geändert. Ursprünglich hatte ich einen anderen Blogger genannt, der aber nur für eine andere Panne verantwortlich war. Mein Gehirn hatte sich eh schon gewundert, begehrt aber selten auf, weil es um seine Unzulänglichkeit weiß.

 
zn

Ein täglicher Offenbarungseid der Nützlinge aus Journaille und Politik ist die Verwendung des Begriffs "Cyber" und eigentlich alles, was mit Internet zu tun hat. Sehr großes Tennis aktuell der Satz: "IP-Adressen sind aus dem Internet nicht mehr wegzudenken." (tagesschau.de). Ja wahrlich, telefonieren ohne Telefonnummern, das gibt es praktisch nicht mehr. Selbst die Postzustellung ohne Anschrift gehört der Vergangenheit an.

"Cyber" hat exakt eine Funktion: Verblödung. Cyber klingt nach Magie, Mythos, Unheimlichem. Darknet, Blackjack, finsteres Tal. Cyber ist "Angriff", "Terrorist" und Hui Buh. Ganz schlimm auch der Missbrauch des Begriffs "Hacker". Ich habe hier einmal versucht, "hacken" zu erklären. Im Fernsehen und am Kabinettstisch ist es "hacken", wenn DDoS-Attacken gefahren werden oder jemand Mails mit Malware verschickt.

Kapuzenpulli aus Moskau gefunden

Nennt man jemanden einen "Mechaniker", wenn er mit dem Schraubenschlüssel Scheiben einschlägt? Ist es "reparieren", wenn wer damit droht, mir die Radmuttern zu lockern? Nur weil einer Kenntnisse und Werkzeuge aus dem Bereich Computer und Netzwerk nutzt, ist er noch lange kein "Hacker". Die meisten sind Verbrecher oder gelangweilte Randalierer. Von denen gibt es tausende, vielleicht Millionen, während echte Hacks selten bleiben und meist keine Schäden anrichten.

Wie dumm die Autoren von "Hacker"- Und "Cyber"-Berichten sind, lässt sich gar nicht hoch genug einschätzen. Sie haben in der Regel null Ahnung, wovon sie reden und ersetzen diese durch geradezu religiösen Glauben. Dieser wiederum befähigt sie, die dümmstem Gerüchte und Propagandalügen zu verbreiten. Sie kennen die Guten und die Bösen, und sobald ihnen wer zuraunt, die Bösen hätten gecybert, singen sie "Putin", "Assad", "Nordkorea". Jeder Verdacht, der die abonnierten Bösen trifft, wird breitgetreten. Niemand hält es für nötig, sich so weit mit der Materie zu beschäftigen, dass er wenisgtens erkennt, wenn er kompletten Schwachsinn faselt. Der Leser weiß ja auch nicht mehr, und das soll auch genau so bleiben.

 
se

Zu Weihnachten gab es im Hunsrück immer nur Lasagne

Als meine jüngere Tochter sehr klein war, verbrachte sie viel Zeit bei ihrem Opa, der auch RTL hatte. Sie berichtete mir dann gern, was es dort so alles gab und achtete sehr darauf, dass ich "Exkluusiv" nicht mit "Exploosiv" verwechselte. Die "Zeit" recherchiert derweil aktuell über "Vorbilder" - und wird ganz sicher bei Helmut Schmidt landen oder Henry Kissinger oder anderen großen Militärstrategen. In der Hood hier um den (nein, das!) Blog kann ich alles auf einmal haben: Kiezneurotiker, Kiezschreiber, Vorbilder und Asi-TV.

Die beiden sind meine Vorbilder. Warum? Weil sie so obszön sind, und das kommt verdammt gut an bei den Weibern. Ich komme überhaupt nicht an bei den Weibern, nur bei den uralten, und ich sage ja immer: "Was soll ich mit einer Vierzigjährigen?". Ich verstehe ihn natürlich nur zur Hälfte, höchstens, den ganzen Buzz, finde auch nicht raus, wo da die Ironie wie ein schwarzer Rabe angaloppiert kommt und sein Raubtiergebiss zeigt, aber dies und das schon. Zum Beispiel, dass der Exklusiv dem Explosiv quasi vorwirft, er sitze im Glashaus und werfe mit Steinen. Ha, das weiß ich besser, denn der Explosiv sitzt im Glashaus und wirft mit Steinen. Weil er's kann und das auch noch geil findet.

Selfmade Mediocre

Der Explosiv hat außerdem recht, wenn er sagt: "Exklusiv, das Buch ist scheiße.". War das nicht der Anlass der Sendung, ein wenig zu zitieren und dezent die Nase zu rümpfen? Wollte er nicht nur mit etwas Trockenbrot und Gammelsalat das vernichtende Urteil in einen Imbiss von Autobahnraststättenformat verzaubern um zu zeigen, dass es ja nur auf der Durchfahrt und überhaupt irrelevant? Auch das Scheitern, von dem Klusiv fragt, wer denn das sage? Zurecht, denn es kann doch noch etwas werden, wir sind ja noch jung!

Andererseits hat der Exklusiv natürlich auch recht, wenn er sich gegen unberechtigte Vorwürfe wehrt. Er sei kein "Sozialhilfeempfänger". Charlie, übernehmen Sie! Nein, er hat vielmehr "noch nie Miete gezahlt" - und nicht etwa wegen Erbe und Eltern, sondern selbst verdient®. Mehrere Wohneigentümer nennt er sich und weiß so dem Anzugboss Paroli zu laufen. An dieser Stelle befielen mich Visionen von Friedenspfeifen, Sweet Smoke, der vom Idarkopf gemächlich gen Ost-Nordost wabert, bis beide Erfolgsmenschen selig lächelnd in etwas ungeheuer Teures pissen und es aus dem Fenster werfen. Stattdessen klirrt der Fehdehandschuh durchs Gewächshaus und es schallt: "Power-Point-Penner aus dem Trump Tower irgendwo in Arschfotzenhausen".

Owowow, da kriegt der Rantingking aber mächtig was auf die Hasskappe! Der Pseudo, der sich zu schade ist, viertklassige Literatur unter seinem Klarnamen zu veröffentlichen; Feigling, friss das! Sie sehen also, liebe Zuschauer, wie ich mich auf die Seite des Plosiv zu schlagen scheine, obwohl der Klusiv völlig im Recht ist und nur, so will es weiterhin scheinen, weil mir dessen stilistischer Schlaganfall auch eher das Mütterliche in die Brust treibt. Nur ganz unterschwellig und in zwei Halbsätzen deute ich an, dass ich mich als Loser in meiner Ehre gleich doppelt gekränkt fühle durch diese "Mein Haus, mein Auto, mein Blog"-Attitüde zweier offenbar noch adoleszenter Mittelschichtsopfer, die hie vergaßen und da nie eine Ahnung davon hatten, dass man sich das Prädikat "gescheitert" verdienen muss. Ins Bett, ohne Essen!

 
udowahrAlles muss man selber machen. Alles. Es ist nicht nur heiß, schwül oder beides, mein Leben scheiße und die Handkreissäge, die mir leihweise zuflog, ein 7,5-Kilo-Monster (Danke, P., damit kann man sicher super ein paar Bretter und Latten mal eben kürzen. Wenn man sich vorher eine verfickte Werkbank baut!), ich muss jetzt auch noch eine Eloge schreiben. Warum? Weil dieser Stony nicht mehr als das hier anzubieten hat:

"Genau genommen bin ich schon damit überfordert auf den Punkt zu bringen, warum es mir 'gefällt'."

Sind wir hier beim Mädchenabend oder was? Schatz, aber es ist soo süüß! (Nein, ich bin nicht frauenfeindlich, ich bin Sexist aus Erfahrung. Sexismus ist übrigens eine Wissenschaft, nicht so ein Punktesystem für Gemoppel wie diese Gender-Astrologie.) Wo waren wir eigentlich? Soll das vielleicht ein Zusammenhang sein? Nein; vielleicht lest ihr bitte mal sinnentnehmend, es ist eine Eloge.

Warum, warum ...

Ich muss mir also nicht nur aus den Fingern leiern, warum mein jüngstes Opfer preiswürdig ist, es also verdient hat, wenn der eine oder andere Troll demnächst auch ein Ründchen bei ihm freidreht und er von der Vereinigung der Blogwarte in die Querfront berufen wird. Ich muss mir alles selbst einfallen lassen, weil derjenige, der den Preisträger vorgestellt hat (wobei der wie immer eh schon feststand), nix dazu beiträgt. Ich sag mal so: Es wird schwierig, auf den Punkt zu bringen, warum es mir 'gefällt'.

Na klar, er hat Stil. Schreibe. Findet man nicht so oft hier draußen, eher ... ach sucht doch selbst! Dann diese, soll man es "Themenauswahl" nennen? Ich meine, wenn man hier liest, weiß man im Februar ja schon, was im April kommt, ööde! Bei ihm komme ich nicht ganz dahinter. Mag ich. Poliddisch ist er auch, aber anders. Nicht so wie die üblichen Verdächtigen, von denen einer nach dem anderen aus dem Geschwader ausschert und vor den Atlantikwall klatscht oder sonstwie verblödet.

Fokussierter, aber immer knapp daneben fokussiert. Früher nannte man das auch "essayistisch", nur war das dann immer so geschwätzig, wo er dich damit stehen lässt, dich zu fragen, was jetzt genau? Hat er vielleicht von diesem Brecht; was sind wir kultiviert! Und dann noch für den Rest Blicke aufs Leben, die einen ähnlichen Effekt hinterlassen. Wundern statt nicken, das schont die HWS. Was einzig stört, ist dass es mal wider Berlin ist, Berlin sucks. Schreibt doch mal was aus Bielefeld oder Dingolfing!

So ähnlich halt. Mehr geht heute nicht. Ist aber vielleicht besser als ihm in die Fresse zu rotzen. Wer's wirklich besser kann oder wenigstens motivierter ist, wohlan! Sag's ihm, aber sei lustig, beim Oliver ist nämlich Radikale Heiterkeit angesagt.

 
udowahr Immer dasselbe hier. Der gute Thomas hat das brave Tierchen jetzt ein ganzes Jahr gepflegt, jetzt muss es mal was Neues sehen. Wie immer suche ich tolle eher unbekannte Blogs, denen ich das schöne Bild in die Stube hängen kann, den röhrenden Hirsch gibt's selbstverständlich gratis dazu. Sagte ich eben "immer dasselbe"? Nein! Es wird diesmal etwas geben, das es lange nicht gab, nämlich einen Gewinner, der noch nicht auf der Blogrolle steht.
Was ein Underdog ist, fragt ihr? Ich bin heute sehr unmotiviert und verklinke daher die Erklärung vom letzten Jahr. Wohlan!

Nächste Seite »