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Ich habe mit den Sozen gesprochen. Tom Wellbrock hat moderiert, Roberto hat versucht, witzig zu sein. Einfach reinhören. Es folgt eine öffentliche Selbstkritik und im letzten Absatz Hinweise für diejenigen, die hier ggf. einen ersten Kommentar abgeben wollen.

Sollst du mit Sozen reden? Denen von den Landmirabellen? Ja sicher, die schreiben immerhin Zeugs, das Leute lesen, die mein Zeugs lesen. Hat das Sinn und Zweck? Ich weiß es nicht. Podcast ist ein Format, das ich schon immer interessant fand, wenngleich ich auch immer Bedenken hatte. Das fängt damit an, dass Aufnahmen der eigenen Stimme eher Missfallen auslösen. Das größte Problem ist aber, dass man sich quasi entscheiden muss, wie man sich da verhält.

Bizarr

Ich bin es betont locker angegangen, was merklich zur minderen Sprachqualität beiträgt. Das Ganze ist ein quasi ungeschnittenes Gespräch via Skype. Klingt ein bisschen wie aus einer Dose, aber wir sind halt nicht beim Rundfunk. Seltsam finde ich im Nachgang, dass ich bei der Vorstellung keinen Nachnamen habe. Aber Titel und Namen scheinen dem anderen alten Mann Probleme zu bereiten.

Ich kann mich nicht recht entscheiden, ob ich mich über die eigene Schnoddrigkeit in der Rede ärgern soll oder das gut finde, weil die Alternative für jemanden ohne jede Übung immer die ist, gekünstelt daher zu salbadern. Alles andere ist eine Frage der fehlenden Erfahrung. Die ganze Situation ist ein wenig bizarr. Du sitzt zuhause, glotzt wie immer auf deinen Monitor und telefonierst mit zwei zwielichtigen Typen in dem Bewusstsein, dass das nachher eine Menge Leute hören werden.

Das Produkt

Inhaltlich fasziniert mich, dass das Format uneingeschränkt die Auseinandersetzung bestimmt hat. Es bleibt häufig sehr oberflächlich, weil es das Ding sofort gesprengt hätte, wenn ich jedem Aspekt widersprochen hätte, der mir gegen den Strich ging. Du merkst dann auch irgendwann, dass du gegen die Position des Gegenübers ein paar Dinge unbedingt in Stellung bringen willst und fragst dich, ob du schon tickst wie ein Politiker, der in jeder Sendung dieselbe Message runterleiert.

Herausgekommen ist ein Austausch über grundsätzlich unterschiedliche Perspektiven. Ich glaube, das ist sogar gelungen. Da ich nicht versuche, jemanden umzudrehen, von dem ich weiß, dass er eh nicht mitgeht, macht mich das tiefenentspannt. Was soll ich mich da streiten? Wenn ich gute Argumente habe, wirken die auch ohne Zustimmung des Gegenübers. Ein bisschen mehr Polemik hätte ich mir trotzdem gewünscht, das können wir beide besser. Für Stammleser ist inhaltlich eh nix Neues dabei, außer dass man mich sprechen hört.

Zu den Kommentaren

Sollte jemand hier zum ersten Mal kommentieren wollen, lest die Nutzungsbedingungen! Das erhöht die Wahrscheinlichkeit enorm, dass ich euren Kommentar freischalte, und wenn nicht, habt ihr ggf. eine Ahnung, warum nicht. Wer es dann immer noch nicht rafft, ist bereit für Twitter.
Wünsche, Spaß gehabt zu haben.

 
Ich bin nicht gut mit Worten über die Sterberei, hätte dir aber sagen können, dass das scheiße ist für die, die bleiben.
Du hast den kurzen Anlauf genommen; gute Wahl!
Dein unverschämtes linksradikales Schandmaul wird mir fehlen.

 
cp

Es fehlt eine Wissenschaft, eine ganze. Ich habe mich gefragt, was etwa von Internet der 90er Jahre heute noch übrig ist. Die Frage ist nicht einfach, schon gar nicht beantwortet mit Schlaumeiereien wie "Es gibt doch die Wayback Machine!". Eine passende Meldung gab es neulich: Die Bibliothek des US-Kongresses hat das Archivieren von Twitter eingestellt. Es werden einfach zu viele Daten.

Der unter dem Bingobuzzword "Big Data" gehandelte Vorgang, riesige Datenmengen nach schlauen Algorithmen zu filtern, hilft hier nur bedingt bis gar nicht. Man stelle sich vor, in vierzig oder hundertvierzig Jahren möchte sich jemand darüber informieren, was in einem der wichtigsten Medien der Menschheit kommuniziert wurde. Autsch. Gibt es überhaupt schon Ansätze für eine Systematik, nach der man heute Daten archivieren kann? Ressourcen dafür?

Datum transit, scripta manent

Während wir total überwacht werden, dürfte es schon (nahezu) unmöglich sein, ein ungefähres Bild, eine Karte, zu zeichnen von der Vernetzung Mitte der Neunziger. Ist noch etwas davon zu bergen? Wir reden hier von einer Zeit, in der solche Verbindungen noch übersichtlich waren. Wie ist es heute, in einer Zeit, in der Milliarden Menschen das Netz nutzen? Ist es Fluch oder Segen, dass die meisten Verbindungen inzwischen über Datenkraken wie Google und Facebook stattfinden? Gehören denen diese Daten wirklich? Dann haben sie nicht zuletzt die Hand an der Klospülung der Zeitgeschichte.

Während diese Ausbeuter unserer Lebens- und Kommunikationsdaten also weltumspannende Datendiktaturen errichtet haben, müsste sich eigentlich wer darum kümmern, wie man Informationen anders filtert als zu dem Zweck, Scheißturnschuhe zu verhökern. Dabei käme es unter anderem darauf an, exemplarisch Verbindungen, deren Entstehen und Vergehen, aufzuzeichnen und aufzuarbeiten. Kommunikationen müssten analysiert und der Nachwelt überliefert werden im Rahmen ihres Zustandekommens. Die große Kunst des Auslassens muss dabei erst noch entwickelt werden.

Archivieren heißt demnach eben nicht mehr, möglichst viel zu sammeln und zu bewahren, sondern schon vorweg eine Auswahl zu treffen in der Absicht, noch irgendwie historische Forschung für spätere Zeiten zu ermöglichen. Allein die Form, in der Daten 'gespeichert' werden sollen, ist ein eigenes Problem der Geschichtswissenschaft. Es ist kein Witz, dass Ausdrucken tatsächlich nicht die Dümmste Idee sein wird. Schriften haben Jahrtausende überlebt; elektronische Daten sind nach einem Jahrzehnt oft unrettbar verloren. Man stelle sich vor, es blieben sonst nur die Printprodukte der Verlagsmedien; die Historiker der Nachwelt würden sich doch scharenweise totlachen!

 
de

Socken sind ihrem Wesen nach Einzelgänger. (Clementine Tilly)

Pappkamerad Klappspaten sah mich verdattert an. Er wusste es nicht, aber er war soeben Doppelopfer geworden; eines Eingangssatzes, der doch niemals einer werden würde. Seine gesamte Existenz verdankte sich einer grausamen Übung, einer Laune, einer spontanen sinnlosen Tat. Solange die Datenbank in jedweder Form, kopiert, gepackt, gebrannt oder verschlüsselt, noch irgendwo vorlag, würde er dasein, ohne Geschichte, ohne Charakter oder Gestalt. Nur das Eine, diese wohl intonierte Information über ihn, war.

Charles M. Chools lachte heiser und steckte einen Stummel zu den anderen in den Aschehaufen. Erfolg! Erfolg war so banal, so simpel und kalt, eine Frage kruder Technik. Er konnte ein Schnitzel schreiben, und alle würden es fressen. Das Geheimnis des Starautors („Bestsellerautor“ verbat er sich. Das Wort hat mehr Silben als Sinn. Außerdem ist jeder Hinz und Kunz Bestsellerautor. Man vergleicht sich nicht mit den Top 100, wenn man gut genug ist für echte Ambitionen.) wurde bereits mit seinem Erstlingswerk gelüftet: Technik, Technik, Technik.

Rollenwechsel

Die erste Kritikerin, die ihm „Empathie“ unterstellte, hat noch an demselben Abend mit ihrem bisherigen Leben abgeschlossen. Wie der geniale Analytiker sie öffentlich vorführte, ihr Wort für Wort, Silbe für Silbe ins Stammbuch prügelte, dass ein gut programmierter Roboter hätte schreiben können, was sie „anrührend“ fand, hätte einem frühneuzeitlichen Gericht Ehre gemacht. Mancher hätte die peinliche Befragung jener Zeit vorgezogen. Sie wechselte kurz darauf die Seiten und schrieb ein vielgelobtes vierbändiges Racheepos.

Chools fuhr den PC herunter und ging ins Schlafzimmer. Er öffnete den großen Spiegelschrank und entnahm ihm die schwarze Uniform. Nachdem sie frisch gebürstet und parfümiert war, zog er sie über, schlüpfte in die Stiefel und band die Binde um. Er nahm die Mütze vom Huthaken, wienerte deren Schirm, sorgte für ihren perfekten Sitz und schloss den Schrank. Stolzierend, krächzte er wieder und wieder: „Heil Hättler, doo Drräcksaoo!“

[Hier Link zu einem Video mit Musikanten einfügen. Vielleicht Rammstein.]

 
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Screenshot "Flatterwatch"

Die Mangelnde Lesekompetenz der Netznutzer, insbesondere derer, die Twitter für einen "Nachrichtendienst" halten, ist erschütternd. Wenn wer nur oft genug über dasselbe textet, beginnt eine kritische Masse, ihn für einen Experten zu halten, auch wenn jeder einzelne Beitrag nicht einem Mindestmaß an Qualität genügt. Dabei ist es der Attraktivität offenbar noch zuträglich, wenn der Autor immer dieselben auf dieselbe Weise diffamiert - wenn es denn die vermeintlich Bösen sind.

"Der Herr Karl" war ein berüchtigter Troll, der in linken und linksliberalen Blogs vor einigen Jahren Hausverbote sammelte oder eben seine Hetze betrieb. Ich habe ihn im September 2012 hier auf die Bannliste gesetzt, weil er nicht nur hier ständig provozierte, sondern damit begann, blogübergreifend über mich und andere zu trollen. Dies inspirierte ihn zu seinem ersten und bislang wohl konsequentesten 'Blog' namens "flatterwatch(blogspot.com)", das ausschließlich dazu diente, Gülle über mich auszukippen. Ich habe versucht, das völlig zu ignorieren; leider gelang es ihm aber, die Aufmerksamkeit anderer zu wecken.

Während er auf seinem 'Blog' also Texte und Kommentare von mir postete, sie ohne jeden Kontext bespuckte und über mein Privatleben spekulierte ("Ist er in seiner Jugend etwa missbraucht worden?"), zog er durch die Blogs, die ich verlinkt hatte und postete dort unter seinem Trollnamen Auszüge aus meinen Texten. Als das alles meine Aufmerksamkeit nicht wecken konnte, begann er damit, dasselbe mit Stammkommentatoren und Bloggern aus meiner Blogroll zu tun. Jeder, der mit mir in Verbindung stand, war ein potentielles Opfer seiner Hetze. Insbesondere die Kommentarspalte des "Spiegelfechter" nutzte er für sein Getrolle, bis er auch dort gesperrt wurde.

Vom Troll zum Experten

Beim Spiegelfechter geschah es dann auch, dass ein Leser seinen Klarnamen veröffentlichte, den er aus den EXIF-Daten eines von "Herrn Karl" geposteten Bildes entnommen hatte. Wenige Tage später hat Hüssy sein Hetzblog gelöscht, wohl in der berechtigten Furcht, jemand könnte ihn verklagen. Fortan trat er also mit seinem Klarnamen auf und wechselte die Objekte seiner Obsession. Statt offensichtlich persönlich motivierten Internetstalkings verlegte er sich auf "Watchblogs". Erste Opfer waren der Spiegelfechter und die Nachdenkseiten, über „Herr Karls Blog“ und "Journalistenhatz" ging es weiter zu krudem Geschwafel über eine vermeintliche "Querfront".

Die Strategie nahm dabei die Wendung, anstatt zum Zwecke des Stalkings meiner Person mein Umfeld zu behelligen, künftig ähnliche Verbindungen zu suchen, um eine vermeintliche Verschwörung vermeintlicher Rechts- und Linksextremisten zu konstruieren. Als 'Verbindung' reichen ihm dabei jegliche Verlinkungen, vor allem aber direkte Kommunikation. Jeder, der sich von Jebsen interviewen lässt, gehört ebenso dazu wie Personen, die mit seinen Schlüsselfiguren (Elsässer, Wecker, Dehm u.v.a.) auch nur sprechen. Eine herrliche Spielwiese für einen Denunzianten.

Es ist mir völlig schleierhaft, wie ein derart substanzloses Wer-kennt-wen eines weithin bekannten Trolls und Stalkers von irgendwem ernst genommen werden kann. Wer auch nur ein Minimum an journalistischem Werkzeug im Kasten hat, fasst so etwas nicht einmal für Satirezwecke mit der Kneifzange an. Kann man die von (Ab-)Wertungen nur so triefenden Texte eines Autors solch nicht mehr fragwürdigen Charakters, der sich noch moralische Urteile anmaßt, zitieren, ohne sich für alle Zeiten zur Wurst zu machen?

 
lu

Schon Kinder brauchen Ordnung um mögen daher die Wiederholung. Kluge Kinder, die nicht mit Gewalt verblödet werden, sind aber neugierig und finden bald viel mehr Vergnügen an den Geschichten und den Kapiteln, die sie noch nicht kennen. Das ist die Dialektik des Narrativs: Es knüpft an und erzählt neue Kapitel; derweil zerren die Kapitel der Vergangenheit an allem Neuen wie an Materie, die ein Schwarzes Loch verlassen will. Manches Kapitel muss wieder und wieder entstehen, um endlich an der Oberfläche zu bleiben.

So finden sich diejenigen, die längst in den Irrtum eingewobene Kapitel schließen und durch andere, zeitgemäß wahre ersetzen wollen, in einer paradoxen Situation: Sie wiederholen das Neue. Wieder und wieder erzählen sie ihre Gegengeschichte, verneinen, korrigieren und klären auf. Teils so lange, dass sie Gefahr laufen, ihrerseits das zeitgemäß Neue nicht mehr wahrzunehmen. Es gibt tatsächlich Korrekturen der großen Erzählung, des 'Common Sense', die sich überleben, ohne je dauerhaft 'Öffentliche Wahrnehmung' zu werden. Das Kapitel von der gerechten Marktwirtschaft etwa ist ein solches. Es hatte seine Zeit in den 70ern, sein Held ist Willy Brandt. Das Kapitel vom Russen, der gar nicht böse ist, ein anderes. Es ist mit der Figur des Gorbatschow verbunden.

Where Ham Is Spam

Ich habe mich vor einer Weile gefragt, ob die Bloggerei eine Art Spam ist. Das Netz ist eine ewige Flut von Texten, die immer weniger zu bewältigen ist. Jeder neue trägt dazu bei, dass man die meisten nicht mehr lesen kann. Aber das ist ein Problem der Archivare, die sich eben umstellen müssen - eine Aufgabe übrigens, die noch kaum irgendwo begonnen wurde. "Big Data" ist hier nicht der Weg, sondern die Kunst, Quellen zu bestimmten Fragen zu finden und zusammenzustellen. Eine ganz neue Art von Redaktion, die nicht zuletzt im Auslassen besteht. Das Internet ist definitiv der Tod der Vollständigkeit.

Auf der anderen Seite bleibt es bitter nötig, weiter zu drängen, zu widerstehen; die Kapitel einer zeitgemäßen, aufgeklärten Erzählung zu schreiben und auch zu wiederholen. Das Klügste wird aufs Dümmste angewiesen bleiben: Ohne quasi rituelle Wiederholung besteht nichts. Was verschwiegen wird, wird verschwinden. Ob es dann je wieder auftaucht, ist ungewiss. Immerhin kann man es variieren; das kann manchmal sogar spannend oder komisch sein. Tragisch ist es allemal.

 
tq

Die Begriffe "Klickstricher" und "Awarenesshure" sind völlig aus der Mode gekommen; dafür spricht man heute über "Stars", wie in "Instagram-" oder "Youtube-". Als Anfang der 2000er eine relevante Kultur von Textblogs in deutscher Sprache entstanden war, galt es als unfein, sich an Leser heran zu wanzen, indem man statt Inhalten bloß Zeugs lieferte, das Aufmerksamkeit erregen sollte. Auch das Besprechen von 'Produkten', die man für solche Schleichwerbung geschenkt bekam, war anrüchig.

Der Wind weht längst aus der ganz anderen Richtung, was sich jenem Sog verdankt, in dem sich Kapital und Massen von Idioten zu einer großen Kloake vereinen. Wussten die zumeist irgendwie professionellen oder zumindest sachkundigen Benutzer früherer Zeiten noch, warum man von "virtuell" sprach, wenn Identität im Internet gemeint war, toben inzwischen Schwärme von Lemmingen durch den Äther, die in gebückter Haltung ihre Maschinen streicheln und ein "Pokemon" nicht mehr von einer Laterne unterscheiden können.

Helden in Strumpfmasken

Der "Standard" hat so ein Beispiel, warum man nichts. glauben. darf., Grundgesetz und Kernkompetenz der Netznutzung. Wir Alten wissen das noch. Schauen wir uns diesen widerlichen Aufschneider aka "Instagramstar" und seine halbgescheite Klientel einmal näher an:

Ein Krebsopfer also - zumindest eine der gröbsten Schablonen, mit der Arschlöcher zu Werke gehen, denen jedes Mittel recht ist, sich in den Mittelpunkt zu rempeln. Look! At! Me! Wo immer ich hier lese "Ich habe Krebs", ist selbstverständlich mein erster Gedanke: "Nein, hast du nicht, du Wichser." Man tut sich keinen Gefallen, wenn man sich im Internet auf Drama und große Gefühle einlässt. Das gehört nicht hierher.

Du willst es doch auch

Wer Krebs hat, braucht zwei Dinge ganz sicher nicht: Schmalziges 'Mitleid' oder Heldenverehrung - gemeinhin genau das, was diese Simulanten einheimsen. Allein schon "hat den Krebs besiegt", dieser Bullshit aus dem Boulevard, sieht aus Sicht der Kranken und ihrer Angehörigen ganz anders aus und bedeutet meist: Hat die Chemo überlebt und bangt weiter. Krebs ist null rührend. Krebs ist scheiße, egal ob du damit lebst oder stirbst. Das Geschäft mit dieser Aufmerksamkeit ist etwas für Halsabschneider und Zuhälter.

Im vorliegenden Fall haben wir dann noch einen Poser, dem das nicht reicht und der den Helden spielt, indem er Bilder von Kriegsopfern klaut. So etwas wird also "Star" im Internet, obwohl seine 'Werke' so offensichtlich und leicht nachweisbar zusammengeklaut sind, dass jeder, ja wirklich jeder, der mit einem Minimum an Zweifel solchen Trash konsumiert, das erkennen müsste. Tun sie aber nicht. Der Schwarm schwärmt und träumt, und wenn dann der Wecker klingelt, werden sie patzig. Dabei ist das nicht einmal Betrug. Das ist Kundendienst, oder deutlicher gesagt: Dienst am Freier.

 
udowahrIch werde alt. Mir ist selbst die hauseigene Korruption inzwischen zu langweilig, da nehme ich mir lieber ein Rätselheft vor (um ein Auto damit anzuzünden). Schlimmer noch: Ich lasse mir von Lesern Vorschläge machen und nehme sie an. Leser! Dieses Volk, das meine schöne Datenbank mit ekligen Inhalten vollsaut, meine gute Laune mit Meinungen torpediert und im ärgsten Fall einfach still liest. Widerlich. Das seht ihr doch auch so, richtig? Sag' ich doch.

Muss ich Pantoufle erwähnen? Der hat zum elften Mal den zweiten Platz gemacht. Das nur am Rande. Aber ehe ich den behänge, preise ich mich selber. Wie, das mache ich schon dauernd? Okay, dann vielleicht nächstes Jahr. Ihr seht, der Text kommt voran. Worum geht es noch? Ach so, ja, um den Hund und das neue Teilzeitfrauchen. Er kommt ja auch viel besser mit Frauen zurecht. Oder kam jedenfalls. Also das Original. Hier musste er ja meist bei Kerlen abhängen.

No. 11

Kommen wir also zu ihr, der Preisträgerin. Das ist lustig. Ich lese unvermeidbar gelegentlich Artikel, die mich interessieren, will heißen: thematisch. Dann fängst du an zu lesen und denkst irgendwann - die hohe Kunst schafft das in wenigen Zeilen - "Nee, ne? Och nee, lass ma!" Hat nix zu sagen, kann nich schreiben, redet Blödsinn, weiter geht's. Bei der Dame® nunmehr ging es andersherum. Da ihr mich lesen geschickt habt, fügte ich mich und las. Nicht alles meines Ding. Oft sehe ich die Welt® anders. Kurzum: Ich war in der Fremde, beim Anderen! Gruselschauer!

Was es aber auch war, ich war schnell im Text und blieb. Ob Kollage oder Kommentar; es fällt mir auf, wenn ich nichts vermisse. Viel zu wenige hier draußen können schreiben, wissen, wovon sie reden und halten sich mit ihrer Mission zurück. Bei ihr kommt schreiben von lesen; wer Quellen sucht, wird hier reichlich bedient. Mag ich. Kann ich leiden. Andere haben sie lange vor mir entdeckt. Auch wenn ich ich denke, ich denke ganz anders als sie - oder vielleicht gerade darum: Willkommen im Club, dame.von.welt!

 
udowahrSich alt zu fühlen, hat mit vielem zu tun. Dass ich noch ungeheuer gut aussehe und fit bin wie mit Ende 20, versteht sich, das ist nicht das Problem. Was mir oft auffällt, ist dass ich mich übersetzen muss, wenn ich mit Jüngeren rede. Meine Jugend ist die Zeit, die die 50er waren, als ich jung war. Man muss sich klar machen, dass das vermeintlich Selbstverständliche für andere bereits Geschichte ist. Etwas, das sie nicht erlebt haben und für das sie sich interessieren oder eben nicht.

Den ersten Underdog habe ich vor zehn Jahren verliehen. Die Älteren wissen, was die Jüngeren nicht wissen können, dass es nämlich einen Anlass gab. Mario Sixtus, einer der ersten Alphablogger, hatte sich in die Jury des neuen Grimme Online Awards berufen lassen, sich dabb nachnominiert und und daher konsequenterweise auch selbst ausgezeichnet. Dazu ist er fix aus der Jury zurückgetreten, sonst wäre das ja Mauschelei gewesen. *

Yo, dachte ich mir, als angehender Betablogger kann ich das auch und bilde gleich die gesamte Jury. Diese meine Macht nahm ich wahr, um mich vom damaligen Weltherrscher mit einem weiteren Preis behängen zu lassen, während ich ihm den Publikumspreis zuschanzte. Das Publikum war ich. Alle sind bis heute sehr zufrieden mit diesem transparenten Verfahren. Die bisherigen Preisträger sind:

2007: Kiesow (dauerhaft down)
2008: Hokey's Blog
2009: Der Morgen (nicht mehr betrieben)
2010: Notizen aus der Unterwelt
2011: Die roten Schuhe (nicht mehr betrieben)
2012: daMax
2013: Alarmknopf (nicht mehr betrieben)
2014: Kiezneurotiker (gelöscht)
2015: Die Wahrheit über die Wahrheit
2016: Radikale Heiterkeit

Tzia, die Hälfte existiert schon nicht mehr. Im Neuland werden wenige alt. Gesucht wird auch dieses Jahr wieder ein Blog, das sein verdientes Millionenpublikum noch nicht erreicht hat. Kriterien sind: Ich muss es irgendwie geil finden und wenn möglich, soll es noch nicht gar so viel Zulauf haben, damit ich ihm den ersten Schwarm Trolle zuführen kann. Ein bisschen Spaß muss sein. Na kommt, gebt euch Mühe; meine Blogroll kenne ich selbst.

*Text geändert. Ursprünglich hatte ich einen anderen Blogger genannt, der aber nur für eine andere Panne verantwortlich war. Mein Gehirn hatte sich eh schon gewundert, begehrt aber selten auf, weil es um seine Unzulänglichkeit weiß.

 
zn

Ein täglicher Offenbarungseid der Nützlinge aus Journaille und Politik ist die Verwendung des Begriffs "Cyber" und eigentlich alles, was mit Internet zu tun hat. Sehr großes Tennis aktuell der Satz: "IP-Adressen sind aus dem Internet nicht mehr wegzudenken." (tagesschau.de). Ja wahrlich, telefonieren ohne Telefonnummern, das gibt es praktisch nicht mehr. Selbst die Postzustellung ohne Anschrift gehört der Vergangenheit an.

"Cyber" hat exakt eine Funktion: Verblödung. Cyber klingt nach Magie, Mythos, Unheimlichem. Darknet, Blackjack, finsteres Tal. Cyber ist "Angriff", "Terrorist" und Hui Buh. Ganz schlimm auch der Missbrauch des Begriffs "Hacker". Ich habe hier einmal versucht, "hacken" zu erklären. Im Fernsehen und am Kabinettstisch ist es "hacken", wenn DDoS-Attacken gefahren werden oder jemand Mails mit Malware verschickt.

Kapuzenpulli aus Moskau gefunden

Nennt man jemanden einen "Mechaniker", wenn er mit dem Schraubenschlüssel Scheiben einschlägt? Ist es "reparieren", wenn wer damit droht, mir die Radmuttern zu lockern? Nur weil einer Kenntnisse und Werkzeuge aus dem Bereich Computer und Netzwerk nutzt, ist er noch lange kein "Hacker". Die meisten sind Verbrecher oder gelangweilte Randalierer. Von denen gibt es tausende, vielleicht Millionen, während echte Hacks selten bleiben und meist keine Schäden anrichten.

Wie dumm die Autoren von "Hacker"- Und "Cyber"-Berichten sind, lässt sich gar nicht hoch genug einschätzen. Sie haben in der Regel null Ahnung, wovon sie reden und ersetzen diese durch geradezu religiösen Glauben. Dieser wiederum befähigt sie, die dümmstem Gerüchte und Propagandalügen zu verbreiten. Sie kennen die Guten und die Bösen, und sobald ihnen wer zuraunt, die Bösen hätten gecybert, singen sie "Putin", "Assad", "Nordkorea". Jeder Verdacht, der die abonnierten Bösen trifft, wird breitgetreten. Niemand hält es für nötig, sich so weit mit der Materie zu beschäftigen, dass er wenisgtens erkennt, wenn er kompletten Schwachsinn faselt. Der Leser weiß ja auch nicht mehr, und das soll auch genau so bleiben.

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