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Der folgende Artikel wird euer Leben völlig verändern. Es gibt kein Zurück zum ‘Vorher’, also überlegt euch gut, ob ihr das wissen wollt! Was da auf euch zukommt, hat man noch vor wenigen Tagen für völlig unmöglich gehalten – nicht bloß aus ideologischen Gründen, sondern weil es schon physikalisch unmöglich zu sein schien. Eine solche Sensation ereignet sich nur einmal in vielen tausend Jahren, aber wir müssen dem ins Auge sehen. Es mag sein, dass sich Legenden als wahr erweisen. Menschen, die übers Wasser gehen, Feuer speiende Drachen oder Zauberkräfte sind ein müder Abklatsch gegen diese Nachricht. Lesen Sie jetzt bei Clickbaiter’s, wie Sie auch bald über sagenhafte magische Fähigkeiten verfügen!

Es gab in den letzten Wochen einige Diskussionen um Medienkompetenz, in deren Rahmen ich u.a. des Begriffs “Clickbaiting” gewahr wurde, den ich noch nicht kannte. Früher benannte man dergleichen mit dem ebenfalls schönen Deutschen Wort “Awareness” in diversen Kombinationen wie -hure oder -schleuder. Die Variante des Clickbaiting ist allerdings nicht nur weit verbreitet, sondern auch besonders nervig. Es reicht mir schon völlig aus, wenn ein Teaser, die kurze Einleitung zu einem Artikel, mir nicht mitteilt, worum es geht. Dann bin ich weg und komme nicht wieder.

+++EILT+++SENSATIONELL+++ACHTUNG+++LOSLOS AUFMACHEN!!!+++

Auch jene Teaser haben es mir schwer angetan, die mir absichtlich eine einfache Information vorenthalten. Man soll dann einen ganzen Artikel aufrufen, um etwas zu erfahren, das auch in drei Wörtern oder zwei Zahlen geht. “So sensationell gewann der FC Bla gegen den VfL Blub” etwa. Anstatt das Ergebnis mitzuteilen, wird der Quatsch aufgeblasen, man soll dann noch eine weitere Seite aufrufen und wird mit noch mehr Werbung beglückt. Das kann jeder, es funktioniert immer gleich und ist nichts als publizistischer Spam.

Natürlich gibt es ganze Domains, die nichts anderes machen, aber ich kenne auch kaum einen Medienverlag, der auf diese Beleidigung der Intelligenz seiner Kunden verzichtet. Es ist die nächste Attacke des Boulevards auf den Restjournalismus. Mich ätzen dabei schon Ankündigungen an, die mit Fragepronomen daherkommen: “Wie Sie …“, “Was er …“, “Warum wir…“. Anderes Beispiel; “So” oder “Darum”, Beispiele von heute: “Knigge 2.0 So leicht blamieren Sie sich am Handy“; “So kommt die Milch ohne Kleckern aus der Tüte“; “Darum haben Amerikaner mehr Kinder als Deutsche” (alle von stern.de).

Darum ist der Russe so brutal

Derart wird behauptet, es würden relevante Fragen beantwortet, tatsächlich aber hat sie niemand gestellt, die Antwort bleibt aus und der Sermon ist obendrein banal. Vor allem aber ist dieser Ankündigungsstil der Ersatz für eine Information, für die zu interessieren ich mich entscheiden könnte. Wenn ich eine Vorstellung davon habe, was mich erwartet, kann ich mir das anschauen oder nicht.

Das genau aber ist nicht gewollt, ebenso wenig wie Zustimmung oder Ablehnung im Rahmen einer kritischen Lektüre. Es wird vielmehr eine Belehrung angekündigt über eine scheinbar relevante Frage, und dann kommt heiße Luft. Wenn die Entmündigung schon im Auftakt stattfindet, hat das aber Folgen: Auf die Dauer wird der vorletzte Depp lernen, dass es sich nicht lohnt, so einen Stuss zu lesen. Zahlen wird dafür auch niemand mehr. Vermutlich ist dann wieder Google schuld.

 
ijunk

Für mich das Symbol dieses Jahrhunderts: Menschen gehen gebeugt durch die Straßen, kein Blick links oder rechts, schon gar nicht für Mitmenschen, und streicheln ein Spielzeug. Ein Spielzeug, für dessen Besitz sie ungeheure Ressourcen aufbieten müssen und das ihnen dafür suggeriert, sie hätten Kontakt zu anderen Menschen.

Das Phänomen ist nicht von langer böser Hand geplant, aber natürlich ein Kollateralschaden, den der Kapitalismus nicht bloß hinnimmt, sondern nach Kräften vergrößert, weil er den Profiten dient. Eine Voraussetzung für dieses Verhalten ist die beinahe totale Entfremdung, und diese wiederum ist das Resultat einer zeitlichen Verwerfung, die sozial nicht mehr handhabbar ist. Es geht um Kommunikation, für die keine Zeit mehr ist, Kommunikationsersatz in Echtzeit, der die Zeit verschlingt, die für Kommunikation eigentlich nötig wäre.

Der nächste Schuss

Es gab vor dem Internet auch schon Kommunikation in Echtzeit und solche mit Zeitverschiebung. Letztere war der klassische Brief, für den sich die Schreiber gemeinhin Zeit nahmen, häufig ihre Formulierungen wohl bedachten und sich darüber im Klaren waren, dass bis zur Antwort Zeit vergehen konnte – Tage, vielleicht Wochen. Alles andere, telefonieren und das persönliche Gespräch, verlangte Anwesenheit, zumindest direkte Aufmerksamkeit. Das Gespräch hatte einen Anfang und ein Ende. Die Partner bewegten sich bewusst innerhalb dieser Grenzen.

Im Netz ist das anders. Die Kommunikation erfüllt niemals mehr die Erwartungen, weil sie unbegrenzt ist. Niemand kann unbegrenzt kommunizieren, sehr wohl aber unbegrenzte Erwartungen entwickeln. Für Menschen, die nicht die nötige Disziplin und Vernunft aufbringen, ist sie also stets frustrierend und hinterlässt das Bedürfnis nach mehr. Sie sind Getriebene einer unerfüllbaren Erwartung, Süchtige. Sie sind die Mehrheit der Nutzer, zumal der jüngeren.

Die unbegrenzte Zeit der Kommunikation und ihre Erwartung führen dazu, dass ständig irgend eine Antwort auf irgend eine Antwort ersehnt wird, ohne dass man wüsste, ob und wann diese erfolgt. Das Stakkato eingehender Nachrichten ohne Relevanz ist derweil ebenso unerträglich wie das vergebliche Warten, das den Zweifel nährt: Bin ich vielleicht unbeliebt, irrelevant, langweilig?

Bald, vielleicht …

Eine Gesellschaft, die sich Sorgen um die psychische Integrität ihrer Angehörigen machte, müsste dieses Problem weit oben auf die Agenda setzen und sich mit Strategien befassen, die helfen Grenzen einzuziehen, um der manischen Sucht nicht freien Lauf zu lassen. Man müsste zumindest eine intensive Debatte darüber führen, ob man das so will, es zulassen kann oder gegensteuern will. Es wäre dringend erforderlich zu analysieren, inwieweit diese Entwicklung andere Erfordernisse des sozialen Lebens unmöglich macht.

Selbstverständlich wird diese Diskussion aber nicht ernsthaft geführt, schon gar nicht mit Aussicht auf eine Eingrenzung oder Entlastung der grenzenlos Getriebenen. Schließlich kann ein auf Wachstum® d.h. Profite fixiertes System nur froh und dankbar sein über bewusstlos konsumierende, immer unzufriedene Zombies, denen man vorgaukeln kann, das Glück, die Freundschaft, die Geborgenheit läge vielleicht in der nächsten Maschine, die das alles noch besser kann mit der Kommunikation. Die uns immer dorthin führt, wo alle sind – die uns mögen, alles mit uns teilen oder einfach mal quatschen.

 
Ich kenne deinen Namen, ich weiß, wo du wohnst. Nicht nur das. Ich kenne eine Menge deiner Freunde, ihre Namen, ihre Adressen. Ich weiß, in welche Schule deine Kinder gehen. Habe ich jemals von diesem Wissen Gebrauch gemacht? Nicht, dass ich das nicht könnte. Ich bin nicht irgendwer, weißt du. Ich bin so gut vernetzt und habe so viele Verbindungen auch zu einflussreichen Leuten, ich könnte dich zerquetschen wie eine Laus, wenn es mir einfiele. Wenn ich deinen Namen im Zusammenhang mit gewissen Vorgängen nenne, bist du erledigt. Es gibt kaum ein Land, in das du dann noch auswandern kannst.

Gestern hast du bei Hans kommentiert, ziemlich früh am Morgen. Das machst du doch sonst nicht, konntest wohl nicht schlafen, was? Schlechtes Gewissen? Oder fühlst du meinen Atem schon in deinem Nacken? Hast dich geärgert, dass ich ein bisschen was von dir ausgeborgt habe und es woanders mal ins rechte Licht gerückt? Kannst mich ja verklagen. Doch, meine Anwälte hätten einen Riesenspaß, dich und einen Feld- Wald- und Wiesenjuristen zum Frühstück zu fressen. Sie warten schon drauf.

Vielleicht hast du ja auch andere Ideen, wie du dich rächen kannst. Ich glaube ja nicht, dass du die Eier hast und schon gar nicht die Statur, mir im Dunkeln zu begegnen, aber du musst wissen, dass ich nicht weit laufen muss, um eine immer geladene Knarre zu finden. Nur für den Fall, man weiß ja nicht, was kommt. Wie dem auch sei: Du kannst mir gar nichts und ich dir alles. Wenn du wissen willst, wie es dir geht, kannst du gern bei mir reinschauen. Du weißt ja, ich teile mein Wissen gern.

Ich mache dich fertig

Ich hoffe, dass sich an dieser Stelle alle fragen, ob mir ein ungünstiger Wind wohl alle restlichen Latten vom Zaun geblasen hätte. Es ist nicht wie ihr denkt. ;-) Das da oben ist so eine Art Mustertext. In ihn sind schon einige Erfahrungen geflossen, die ich mit dem Komplex Stalking gemacht habe. Die Form aber und die Techniken sind übertragbar. Anlass ist übrigens dieser Text hier [via].

Ich kann durchaus dazu raten, den Text so zu lesen, dass ihr persönlich gemeint seid. Wenn man so etwas das erste Mal in der Mailbox hat, seinen Namen das erste Mal in einem Haufen Scheiße liest oder das erste Mal von jemandem angesprochen wird, der etwas gehört hat, das ein seltsames Licht auf einen wirft, trifft einen das. Kann einem den Tag versauen. Ängstliche Menschen kann es krank machen. Es ist aber beliebig. Die allermeisten Stalker sind Scheinriesen. Sie fürchten nichts mehr als beim Wort genommen zu werden, denn ihre Inhalte dienen dem Effekt: Aufmerksamkeit und Selbstüberhöhung. Die Vorstellung, man ärgerte sich, hätte womöglich Angst, macht sie geil.

Ich glaube, dass man sich darauf vorbereiten kann, daher auch der Text da oben. Wer in den Fokus gerät, bekommt so etwas zu lesen. Wer das auf sich bezieht, erlebt etwas, das er/sie nicht erleben will und gegen das sich kaum jemand effektiv wehren kann. Das einzige, was hilft, ist die gesetzte Erkenntnis: Du bist nicht gemeint. Er will dir nichts. Der Stalker ist ein kleines Arschloch, das für seine Phantasien ein Abziehbild braucht. Was er über dich sagt, meint er von sich selbst. Gib ihm nicht nach – ignoriere ihn.

p.s.: Ich bin ebenfalls der Ansicht, das man weder gegen solche Trolle noch gegen Terroristen eine freidrehende Justiz braucht.

 
Ich bin ein Aufklärer. Viele Menschen wissen nicht, wie sie sich richtig im Netz bewegen, was wichtig ist was unwichtig und wie man die Dinge hier sehen muss. Ich helfe ihnen gern dabei. Einige Beispiele, wie man auf andere reinfallen kann und worin meine Aufklärungsarbeit besteht:

Jemand glaubt, er könne etwas, das ich nicht kann.

Schreiben zum Beispiel. Jemand kommt lockerer daher als ich. Oder kompetenter. Besser informiert oder besser vernetzt. Kann Dinge schneller auffassen oder in fundiertes Hintergrundwissen einordnen. Und bildet sich natürlich was drauf ein.

Na und? Ich kann auch schreiben. Okay ich weiß nicht so gut wo die Kommas, hinkommen. Ich wahr in der Schule oft krank und kann seiddem nicht gut rechtschreibung. Aber ich kann trotzdem mitreden. Die “Informationen”, die ich brauche, habe ich in Nullkommanix von Wikipedia und aus den Blogs, die ich gut finde. Wer das nicht kennt und sich damit nicht befasst, ist sofort entlarvt! “Hintergrundwissen”, dass ich nicht lache! Nur Sektengründer arbeiten mit sowas. Ich kann doch auch alles ganz einfach erklären. Seht ihr, schon wieder gewonnen! Wer mir zu flapsig kommt,. ist ein Clown, und wer mich nicht witzig findet, ist ein Spießer. Lasse ich sie dann sofort wissen.

Fotografieren zum Beispiel. Die Fotos werden von vielen gelobt.

Pah, sieht ein Blinder, dass die mit Photoshop bearbeitet sind, kann ja jeder. Ich habe damals noch analog fotografiert und sogar einmal selbst entwickelt. Wer das nicht kennt, hat keine Ahnung. Alles Kitsch hier. Lasse ich die anderen sofort wissen.

Unterhalten zum Beispiel, reden, komisch sein.

Wenn das Taug hätte, käme das im Fernsehen, und überhaupt: Ich mache doch nicht die Glotze aus, um mir hier doch wieder Geflimmer anzutun. Lasse ich sie gern wissen, diese Hobbyanimateure.

Jemand ist beliebt und zieht viele Nutzer an

Ja, wie macht der das wohl? Macht die Leute von sich abhängig. So etwas geht nur mit Techniken, die auch Parteien und Kirchen einsetzen. Wer das nötig hat, hat’s nötig. Mache ich denen auch gleich klar und ihren unkritischen dummen Anhängern sowieso.

Jemand wird dauernd nach seiner Meinung gefragt

Wahrscheinlich ist der das alles selber. Kommentiert sich selbst unter verschiedenen Nicks. Stellt sich Fragen und beantwortet die dann. Das kann absolut jeder. Solchen Leuten mache ich ihre Irrelevanz täglich deutlich. Womöglich macht der das auch noch unter seinem Klarnamen. Wer so eitel ist, gibt ganz klar zu erkennen, dass er sich nur größer machen will als er ist. Außerdem haben diese Narzissten keine Ahnung vom Internet, wie kann man nur so blöd sein? Ich schreibe doch auch unter Pseudonym. Kann der Amateur gern von mir lernen.

Jemand stellt unmoralische oder sogar verbotene Inhalte ins Netz

Der muss ja wissen, was er tut, also erzähle ich es ihm. Immer wieder, denn ein bisschen Ordnung muss ja sein. Natürlich – natüürliich macht er das anonym, der Feigling! Wenn er wirklich dahintersteht, warum dann anonym? Ist ja lächerlich!

Das sind nur einige wenige Beispiele, wie mein Widerstand dafür sorgt, dass das Internet nicht ganz zu einem Tummelplatz von Unwissenden und ihren Verführern verkommt. Ich werde hier bald ein anschauliches Beispiel geben, wie ich jemanden widerlegt, entlarvt und bloßgestellt habe. Also Leute, denkt immer dran: Nicht bloß reden!

 
udoalframNein, nicht dass ich den aktuellen Preisträger abwählen möchte. Vielleicht möchte ich dem Grimme Offline Achwat einmal zuvorkommen, dessen schon am Start korrumpierte Jury dereinst den Anlass zur Auslobung des Feynsinn Underdog bot. Es ist nämlich auch so, dass der nächste Preisträger längst feststeht, und da ich die unbestechliche Jury bin, jeder Versuch, dies noch zu beeinflussen, zum Scheiterhaufen verurteilt ist. Nun, es sei denn vielleicht … aber ich kann mir nicht wirklich vorstellen, dass jemand meinen Preis bezahlt – also den, der fällig wäre, um mich zu ‘überzeugen’.

Da das Wetter eh schon Juni gespielt hat, nehme ich also ab sofort Vorschläge entgegen. Es ist dabei ein Äußerstes an Sinnlosigkeit, ein Blog vorzuschlagen, von dem bekannt ist, dass ich es kenne. Metabekanntschaft führt also zum sofortigen Ausschluss des Vorschlagenden, was nicht weniger bedeutet als dass ich ihn ohne Essen ins bett schicke. Die Stadt wird hier eh noch gebraucht. HA! Für diejenigen, die es bis hierher nicht verstehen, weil sie es nicht kennen: Ich suche gute Blogs, die mehr Resonanz verdient haben. Große Kleine, die ich durch die Zuführung von Trollkommentariat – Begleiterscheinung der Prominenz – unglücklich machen kann. Harhar.

Frisches Blut!

Das Hauptmotiv neben dem Hauptnebenmotiv, dem Kollateralanlass also des Feststehens der künftigen Preisträgerschaft, ist mein Bedürfnis nach frischem Blut. Vielleicht ist ja derdiesdas nächstjährige Preisbehang darunter. Wie kommt es aber manifest zu dem Bedürfnis? Nun, ich bin ein wenig unzufrieden mit gewissen Tendenzen, die zu verstärken ich selbst nicht ganz unschuldig bin. Es stellen sich nämlich Lesegewohnheiten ein von der Art, dass immer wieder mal jemand sich auf eine Mission begibt, sein Gehirn in den sicheren Hafen der Reaktion klatschen lässt oder – schlimmster Fall – einfach aufhört zu schreiben, ohne dass ich das genehmigt hätte. In den See mit ihnen! Da geht also immer mal wer verloren, und es kommt nicht so schnell jemand nach.

Ich mag mir auch etwas vormachen, aber ich kehre manchen den Rücken, wenn und weil sie nicht nur zunehmend durch inakzeptable politische Willensäußerungen auffallen, sondern – und das ist entscheidend – durch nichts anderes mehr. Das bürgerlich-gemütliche Geschwalle, das manche nur mehr ablassen, nachdem sie sich die Hörner jugendlicher Attitüde abgestoßen haben, zeichnet sich nicht durch eine ‘falsche Gesinnung’ aus, sondern durch Langweiligkeit. Nichts ödet mehr an als reaktionäre Abwehrrhetorik und die Wiederholung von Parolen. Da wird so mancher Ex-Publizist zum Troll. Anders gesagt: Wenn alt gleich grau, ist das für die Frisur in Ordnung, aber nicht für das Texten. Manche ergrauen in diesem Sinne übrigens schon in den Zwanzigern.

Ich kann mich des Eindrucks auch nicht erwehren, dass ich selbst in der erweitertesten Nachbarschaft schon ziemlich alles abgegrast habe. Sicher gibt es da aber noch Gefilde, die ich nie befuhr, also immer her mit den Reiseberichten aus der Exotei. Wenn ich schon weniger schreibe, will ich wenigstens mehr lesen.

 
Ich habe mich bereits in diesem Artikel eingangs über das Demokratieverständnis geäußert, das gemeinhin Petitionen zugrunde liegt. Es wird in Zeiten der Langeweile, die manche vor ihrem PC partout nicht totgeschlagen bekommen, aber immer erbärmlicher, was an sogenannten “Petitionen” – die übrigens meist gar keine sind, sondern eine Art Statement zum Abnicken – im Internet kursiert. Für ein Highlight in dieser Hinsicht haben just die Nachdenkseiten samt ihrer Tochterfirma Spiegelfechter gesorgt. Dort heißt es – nachdrücklich ernsthaft – “Anstand retten“, gemeint ist eine Kampagne gegen den Verbleib von Uli Hoeneß im Amt des Präsidenten des FC Bayern, drei Wochen vor dem ersten April. Welch ein intellektueller Limbo!

“Anstand retten”! Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll, den in diesem Imperativ geronnenen Schwachsinn zu sezieren. Ein Appell ausgerechnet an die FC Bayern AG, in deren Vorstand schon ein verurteilter Steuerhinterzieher sitzt, deren Ex-Präsident aus steuerlichen Gründen gar nicht erst in Deutschland wohnt und nebenbei keine “Büßerkäppis” oder “Ketten” in Katar zu sehen bekam, womit für ihn das Thema “Sklavenarbeit” dort erledigt war. Ein Verein, dessen sportlicher Anstand seit Jahrzehnten darin besteht, der Konkurrenz die besten Spieler abzukaufen, um sie notfalls auf die Tribüne zu setzen. Vor allem aber, und da darf der Unterkiefer dann endgültig auf den Schuhspitzen Urlaub machen, ein Laden mit Millionen Fans. “Fans”, das ist nicht nur die Abkürzung von “Fanatics”, die sind auch tendenziell so.

Hoffentlich merkt’s keiner

Die Speerspitze der linksliberalen Publizistik macht sich hier also auf, einen millionen Köpfe starken Pöbel mit den Mitteln des Pöbels herauszufordern. Das ist eine der mutigsten Troll-Aktionen, die mir bislang begegnet sind. Hoffentlich merkt das keiner! Immerhin ist diese Aktion en passant dazu geeignet, eine große Schwäche sogenannter “Petitionen” jenseits des Petitionsrechts aufzuzeigen. Es kann nämlich nur dafür votiert werden und nicht dagegen. Ihr Glück diesmal, denn der durchaus mit Siegen verwöhnte FCB würde diesen Mumpitz in einer Weise pulverisieren, die Grund zu einer Extrafeier gäbe. Sowohl der Fußballverein, der da plötzlich zur moralischen Instanz avancieren soll als auch dessen Anhänger- und Kundschaft würden euch also sicher gern zeigen, was sie unter “Anstand” verstehen, aber die werden ja nicht wirklich gefragt.

So viel kurz und launig zum Kontext, in dem sich das bewegt. Was mir aber wirklich die Hand ins Gesicht nagelt, ist das Niveau dieser Hetze, das mit viel Schwung vielleicht die Stammtischkante von unten erreicht. Nur weil das Opfer dieser Ameisen ein Elefant ist, bloß weil man Uli Hoeneß aus nachvollziehbaren Gründen für einen Drecksack halten kann, erklären diese Musterdemokraten einmal mehr das rechtsstaatliche Prinzip der Unschuldsvermutung für eine Marginalie. Ja richtig: Auch Uli Hoeneß ist unschuldig – im Gegensatz zu Karl-Heinz Rummenigge übrigens. Der Mann ist noch nicht verurteilt, und wer nicht kapieren will, dass exakt das mit “Unschuldsvermutung” gemeint ist, stellt seine selbstherrliche Moral über die Rechtsstaatlichkeit.

Hinzu kommt, aber das kapieren diese Reförmchenschubser ja eh nicht, dass es einem kapitalistischen Unternehmen egal sein muss, welche moralischen Standards ihr Spitzenpersonal spazieren trägt. Im Zweifelsfall sind gar keine die besten. Moral ist ineffizient. Moral kostet Geld. Moral ist etwas für Leute, die es sich leisten können zu verlieren.
Auf der anderen Seite ist sie ein tolles Spielzeug für Leute, die immer recht haben. Die schon den kurzen Prozess kaum abwarten können. Auf jeden Fall für solche, die das intellektuelle Rüstzeug nicht mitbringen, Prozesse und Systeme zu analysieren und stattdessen darauf beharren, sie würden nach Maßgabe eines höheren Willens bestimmt.

 
Es lichtet sich bedenklich wenig im Gewirr von Informationen, Desinformation, Propaganda und Rechthaberei bei völliger Ahnungslosigkeit, kurz: auf dem Feld, wo jeder Journalist offenbar weiß, was von ihm erwartet wird und er es hemmungslos schreibt, sich mit der Sache gemein macht, die Redaktion und Verlag im Chor der ewigen Kalten Krieger anstimmen lassen. Putin, der Despot, Putin, der “bestraft” werden muss, das imperialistische Russland dort; hier die EU, immer auf der Seite des Völkerrechts, der Menschenrechte, und überhaupt immer im Recht.

Wenige halten dagegen, lobend zu erwähnen Jakob Augstein etwa. Noch deutlicher wurde Egon Bahr [der Link wird in wenigen Tagen vermutlich hinfällig sein, Säzzer] , der es keinem mehr recht machen muss. Es klingt zwar beinahe zynisch, was der Mann zu sagen hat, aber er weiß wenigstens, dass er nicht von einem Sandkastenspielchen redet.

Ich will noch immer nicht die Lage bewerten, obwohl einige Korrekturen sicher bitter nötig sind an dem, was da politisch und medial dilettiert wird. Vor allem die Anerkennung einer ‘Regierung’, die durch ausufernde Demonstrationen an die Macht kam, die Akzeptanz von Faschisten im Bündnis sogenannter “Gesprächspartner” und das völlige Ausblenden von Maulwurfsaktivitäten auf allen Seiten machen mich doch stutzen. Als sei das “Volkes Wille”, was da passiert – schlimm genug – aber gleichzeitig von Rechtsstaatlichkeit zu palavern ist so ungemein dreist, da wird der Mund doch arg trocken.

Spucke weg

Worauf ich mich beziehen möchte ist ein rhetorisches Manöver, das sich derzeit allseits größter Beliebtheit erfreut, obwohl es plumper nicht sein könnte. Weil es aber ‘alle’ machen, ist das scheinbar wie die Benutzung von Facebook und WhatsApp – dämlich, verwerflich, aber Lemmingspflicht: Ich spreche vom Aufrechnen der Missetaten und Makel des einen, um damit die des anderen zu rechtfertigen. Es ist wie im Kindergarten: “Wenn der das darf …”

Wenn ich etwa mit gewisser Bestürzung lese, dass ein eigentlich kluger Mann mir erzählt, “eher” seien es doch die von Putin gesteuerten russischen Medien, die einseitig berichteten, um damit die hiesige Propaganda vom Tisch zu wischen, bin ich dezent befremdet. Was soll das? Selbst wenn Putin jeden Abend Grimms Märchen vorliest, was hat das mit den Ressentiments und der Verblödungsmaschinerie hier zu tun? Natürlich gilt das auch umgekehrt: Selbstverständlich hat auch die russische Nomenklatura (Putin als Despoten zu betrachten, ist übrigens naiv) kein Recht, die Menschen zu belügen, aber ich kritisiere meine Presse hier. Das ist mein Job.

Der kleine Unterschied

Der Unterschied zwischen Rechtfertigung und diskursiver Betrachtung kommt in den Diskussionen als erster unter die Räder. Das Aufrechnen ist eine moralisierende Strategie. Etwas völlig Anderes ist es aber, die Konsequenzen von Handlungen aus der Betrachtung von Machtstrukturen abzuleiten. Legitimation – völkerrechtliche Betrachtungen etwa – ist gut und schön, wer aber weiß, wie es um deren Relevanz in strategischen und militärischen Entscheidungen bestellt ist, kann mir doch nicht mit dem Argument kommen, Russland verletze das Völkerrecht.

Ja warum tut es das denn? Weil es das kann. Warum kann es das? Weil es einen hässlich mächtigen Militärapparat hat. Ja darf es das denn? Nein, genau so wenig wie die NATO im Irak einmarschieren durfte, die Bundeswehr nach Afghanistan oder Killerdrohnen nach Pakistan. Das ist immer noch kein Aufrechnen, weil und insofern man das als Handlungsoption betrachtet. Wenn Legitimation überhaupt irgend eine reale Macht bremsen kann, weil diese ein Ohr für ethische Einwände hat, dann muss diese Ethik erst einmal gelten. Von einem Metzger lässt sich aber niemand das vegane Leben predigen.

Der Westen hat völlig versagt, weil er ein Spiel spielt, das er nicht beherrscht und moralisch längst derart verkommen ist, dass ihn niemand mehr ernst nimmt. Wenn also irgend etwas stimmte an der Legitimität des Illegalen durch das Illegale, dürfte der Mörder morden und der Lügner lügen, weil es Mord und Lüge halt gibt. Das wäre das Ende jeder Ethik. Nein, es ist ihnen nicht erlaubt, auch wenn man wissen muss, dass sie’s tun.

[Update:] In einer aktuellen Pressekonferenz macht Putin u.a. deutlich, dass Janukowitsch der legitime Präsident der Ukraine sei, da seine Absetzung nicht den Vorgaben der ukrainischen Verfassung entsprach. So kann das enden, wenn man auch noch auf dem Gebiet der (juristischen) Legitimität versagt und stattdessen meint, aus einer höheren Moral handeln zu können. Einer Moral basierend auf dem tumben Prinzip “Wir sind die Guten”. (Danke, Jens)

 
Ich muss irgendetwas richtig machen, denn mir wirft niemand ein Stöckchen zu, obwohl sie in der Nachbarschaft nur so umher fliegen. Ich brauche daher auch keine schalen Disclaimer, ich nehme sie einfach nicht auf. Doppelter Vorteil: Ich lasse mich nicht in solche Albernheiten einbeziehen und kann trotzdem damit Zeilen schinden, wenn sie mich inspirieren. Im übrigen empfehle ich für den Fall, dass jemand etwas von jemandem wissen will, ihn doch einfach zu fragen, und zwar nicht, weil man dasselbe gefragt wurde, sondern weil man interessiert ist. Dann können die Fragen sogar richtig sinnvoll werden; man nennt das dann unter Fachexperten auch “Interview”.

Das Stöckchen, das der Kiezneurotiker aufgeschnappt hat und das mir schon bei Pantoufle begegnet ist, hätte ich dem Hundetrainer vermutlich in den Hals gestopft, allein der Frage wegen: “Pädophile sollten …”. Was ist das für ein Niveau; anders gefragt: Wo ist vom Erdkern aus betrachtet “unten”?
Der Kollege vom Exkiez aber ist kein Dummer nicht und spielt nach anderen Regeln, hat er doch die Liste der Fragen komplett gefraggt und seine eigene aufgesetzt. Die will ich doch gleich mal bearbeiten, weil auch er mich nicht gefragt hat:

1. Ukraine. Russland. EU. Wer hat eigentlich Recht?

Ähm; ist das eine offene Frage oder eine dumme? Ich sage mal: Ja. Weil das Thema aber aktuell ist und ich darüber nicht schreibe, zitiere ich mich:
“Ich werde mich nach wie vor nicht in einem Posting zum Wirrwarr in der Ukraine äußern, weil es mir einfach nicht möglich ist, die Informationen zu bewerten.” Nicht nur das, ich klaue auch dem Rainer seine und nehme ihr jede Ironie:
Ich warte jetzt einfach ein paar Monate, bis ich mir eine Meinung bilde.

2. Olympia? Kuckst du?

Okay, ist vorbei. Und: Nein. Wintersport interessiert mich nicht. Deutschland interessiert mich nicht. Deutsche Sportreporter interessieren niemanden. Das einzige, was ich wirklich interessant finde, wurde nie beantwortet: “Wo ist Behle?“, vor allem aber: Was ist Behle?

3. Edathy. Verschwörung, Dummheit oder was ganz anderes?

Habe ich hinreichend beantwortet, bei der Gelegenheit nutze ich eine weitere, auf die Kommentare aufmerksam zu machen. Da ist auch der Link auf den Prantl. Ansonsten: Edathy wurde zurecht zurückgetreten, weil er hirngefickt ist. Bezahlt mit seiner Kreditkarte und lässt sich seinen Läppi “klauen” anstatt seine Platten zu verschlüsseln. Zu Unrecht bleiben derweil Hunderte andere im Amt.

4. Bedingungsloses Grundeinkommen. Sinnvoll?

Och nee, nicht schon wieder. Nicht in der Form. Schaffen wir erst Hartz IV, dann den Grundbesitz und dann den Rest des Kapitalspiechens ab; wer dann noch möchte, spricht über BGE. Das Nähere regelt die Eurobankenfinanzwirtschaftsschuldenkrise.

5. Europawahl. Wählen gehen?

Wozu? Um zu dokumentieren, dass wir auch dann noch unsere Pflicht tun, wenn ein inkompetentes Kasperleparlament ohne Kompetenzen legitimiert werden soll, dessen Beschlüsse von der korruptesten Truppe nach der FIFA in die Tonne getreten werden? Come on!

6. Bloggen. Bringt das noch was?

Yip. Ich schreibe was, du liest es. Du schreibst was, ich lese es. Wie beschissen wäre das Leben, wenn ich darauf auch noch verzichten müsste. Was käme als nächstes? Kein Bier mehr? Kippen alle? Verbot von Sex am Steuer?

7. Was würdest du arbeiten, wenn für dein Einkommen gesorgt wäre?

Wozu der Konjunktiv, was genau bedeutet “arbeiten” und darf man auch essen, wenn man nicht arbeitet? An deiner Stelle wüsste ich es: An der Präzision meiner Fragen.

8. Was wollen wir trinken?

Ja, gern.

9. Wo wollen wir das trinken?

Bei mir oder bei dir? Meinetwegen auch auf der Straße, ich habe nur noch meinen Ruf, und man sollte sich nicht von so etwas abhängig machen. Der Arbeitsmarkt verlangt ja auch Flexibilität.

10. Was singen wir dazu?

Keine Ahnung. Sing’ du was, ich spiele ein Solo drüber.

11. Und wen laden wir noch ein?

Hemmungslose Weiber. Damit aber auch wer kommt, auch die üblichen Verdächtigen: Hässliche alte Männer, die uns alles wegsaufen.

So, wem werfe ich jetzt das Stöckchen zu? Genau. Vergiss es.

 
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[l] Was macht eigentlich meine Selbsthilfegruppe? Kommt ihr nie drauf: Hat sich mal wieder getroffen. Die gute Nachricht: Alle haben überlebt. Die schlechte: Nach DEM Wochenende sieht keiner mehr annähernd jünger aus als er ist. Eher älter. Noch älter! Im folgenden einige Nachrichten dazu und aus der Welt vor dem Fenster:

[l] Bug des Tages: Aus geschlossenen Bierflaschen saufen geht immer noch nicht. Normalerweise ist der Versuch klarer Indikator für einen Buffer Overflow. Solch ersichtliche Schäden in der Laufzeitumgebung kann man natürlich ignorieren und fröhlich weiter streamen. Ist ja egal, aus welcher Schnittstelle das nachher wieder rausläuft.

[l] Aus der beliebten Serie “bei UNS ist Kernkraft SICHER”: Es besteht keine Gefahr für die Bevölkerung. Gehen Sie weiter, das ist wirklich völlig harmlos! Wait, whut?

[l] Und dann war da noch der Kerl, der sich erst mit der Quad Damage auflädt und dann einen Rocket Jump versucht. Kann man sich gar nicht ausdenken sowas! Klarer Kandidat für den Anatoli-Bugorski-Preis.

[l] Kurze Durchsage von Standard&Poors: Wenn die EU nicht im Gleichschritt marschiert, wird mal eben das Rating gesenkt. Vielleicht sollten Politiker doch besser kurz nachfragen, ehe sie etwas sagen oder sogar Entscheidungen treffen. Sonst kann man sich nachher nicht beschweren, wenn es was auf die Fresse gibt.

[l] Und wo wir gerade bei guter Führung sind: Macht’s wie die SPD, dann klappt’s auch mit den Umfragen: Kaum hat Gabriel ein Wunschergebnis an Zustimmung zur GroKo herbei gepeitscht, da wird mal eben das Rating der Verräterpartei hochgepusht. Die zeitliche Nähe beider Ereignisse steht in keinerlei Zusammenhang!!1!

[l] Als französischer Staatspräsident kann man sich ja eine Menge leisten, vor allem Frauen. Hat bislang noch nie jemanden gestört, wenn so ein Präsident sein Baguette in fremden Betten verkrümelt hat. Es gab da eine stillschweigende Vereinbarung, dass darüber nicht berichtet wird. Bis Hollande kam – ihr erinnert euch, der Typ, der die Reichen mit 80% besteuern wollte. Tja, nu ist seine Freundin in aller Munde (SCNR), prompt schaltet der Mann um und will “Wirtschaft entlasten und Sozialausgaben kürzen”. (Danke, Klaus!) Aber hey, die Antrittsrede war super!

[l] Update: Ihr habt sicher mitbekommen, dass die Brauereien auf Kosten ihrer Kunden Preisabsprachen getroffen haben und dafür hohe Geldstrafen zahlen müssen. Jetzt ratet mal, wer die am Ende zahlen wird: Richtig, die Kunden. Also DAMIT konnte ja wohl NIEMAND rechnen!

[l] Update 2: Oh, und ich lese gerade, dass die Deutsche Bank auch Strafzahlungen leisten muss. Ein Blogger ist der Auffassung, die Strafzahlungen seien jetzt endlich hoch genug, dass “die Bankster” sie wahrnähmen. Captain Obvious kann sich dem nur bedingt anschließen.

 
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Mein Korrespondent in Hamburg hat folgenden Bericht unter Einsatz seines Lebens gekabelt. Er wurde u.a. dabei erwischt, wie er fotografierte! Ihr glaubt, das sei völlig normal? Ihr glaubt vermutlich auch, Gravitation sei normal. Am Ende glaubt ihr auch noch an das Christkind oder “Privatsphäre”?

Wir befinden uns in … nun, die einen sagen “Geek Woodstock”, die anderen “Nerzfarm”. Oder so. Man verschanzt sich hinter Rechenmaschinen und seltsamen Manieren, trägt T-Shirts mit Hinweisen auf die Retrozeit und trinkt Limo aus dem Barrique. Wir hören die Eröffnungsrede von einem künstlerischen Bloggerhackeventmanager. Ich verstehe ihn nicht. Aber dafür bin ich hier, ich Noob. Schlau sabbeln über Sachen, in denen ich mich halbwegs auskenne, war gestern. Nutzlos.

You all are Popes

Nach einem Kinotrailer des CCC (1984-2012), wobei die es nicht einmal fertigbringen, die Leinwand an einem Stück aufzuhängen, kommt es also zur Eröffnugsrede. Herr Pritlove, ein Brite mit deutschem Akzent, diagnostiziert: “Dieses Jahr lachen wir nicht mehr“. Dies im Rahmen der Erklärung, warum der diesjährige Chaos Communicatin Congress kein Motto hat. Der schlimmste Alptraum ist wahr geworden, lächerliche Hollywood-Szenarien von allmächtigen Geheimdiensten nicht nur wahr, sondern öffentlich geworden.

Totale Überwachung also. Ist noch Kuchen da? Und was kommt heute Abend im Fernsehen? So viel zu Gravitation. Relevanz. Relationen. In dieser Parallelwelt gibt man sich also entsetzt über Zustände, die in der wirklich wahren Wirklichkeit gar keine Rolle spielen. How nerdy! Schatz, ich will auch sowas haben!

Das Resultat? Die 1984 als kleine Gruppe gestartete Avantgarde, deren Rat ignoriert wurde, war zwischenzeitlich eine Bewegung geworden – deren Rat ignoriert wird. Bis hierher widerspricht sich der Mann also wohltuend. Galgenhumor. Was dann kommt, erdet das Auditorium wieder. Wir seien alle Päpste. Wir sollen Teil der Lösung sein. Neue Standards für das Netz etablieren. Nicht dem Geld folgen. Durchhalteparolen; kein gutes Zeichen.

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