kunstlyriklamauk


 
iu

Beim vernünftigsten Exnachrichtenmagazin der Welt haben Sie die besten Ideen. Wie wir wissen, wird alles immer schlimmer, und dagegen helfen nur härtere Strafen®. Nun ist das so eine Sache mit dem Strafrecht: Da hat es diese lästige Unschuldsvermutung, da gibt es nicht nur Strafen, sondern auch 'Rechte' (muss man sich mal vorstellen!) und überhaupt ist das alles so zäh, mit Gerichtsverfahren und dergleichen. Für kurzen Prozess völlig ungeeignet.

Da unsere Hartstrafer vom SpOn aber nicht schlappmachen, bloß weil ihnen der Rechtsstaat mit einer Blutgrätsche die kurzen Beine wegdrischt, haben sie Ideen: Sanktionen statt Strafen! Nach deren Verständnis von Recht und Ordnung (eigentlich ein Wort: "Rechtundordnunk") kann der Staat nämlich auch ohne diesen ganzen Firlefanz mit aller Härte des Gesetzes® zuschlagen.

Durchgreifen!

"Eltern haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen Kitaplatz für ihr Kind. Diesen könnte man an den Nachweis von Impfungen koppeln."
Sinnvoll! "Gesetzliche Ansprüche", die Älteren unter meinen Lesern kennen dies noch unter dem missverständlichen Begriff "Rechte", werden nicht nur überbewertet; sie sind gemeinhin schädlich, überflüssig und wehrkraftzersetzend. Was das auf einen Kitaplatz anbetrifft, so ist es nur recht, wenn die Aluhutspacken ihre genetisch versaute Brut nicht zum Realitätsabgleich vor die Tür schicken. Das soll mal schön zu Hause die Paranoia pflegen.

Das hilft noch nicht? Warte, dann eben so: "Wer aber diesen Beitrag nicht leisten will, sollte nicht noch vom Steuerzahler in Form von Kindergeldzahlungen belohnt werden." Wir erinnern uns: Strafe muss sein, muss aber nicht gleich Strafrecht sein, weil siehe oben. Kriegen die halt kein Kindergeld mehr, die Impfgegner-Kinder! Wir investieren doch nicht in tickende Zeitomben!

Als Ausgleich geben wir ihnen kostenlose Lebensmittel (so kann man wenigstens die Schluckimpfung besorgen) und Kleidung (z.B. T-Shirts mit dem Aufdruck "Achtung, Krankheiteserreger!"). Mutiger Journalismus kapituliert halt nicht vor den Tücken einer wuchernden Anspruchshaltung, die einem als "Rechtsstaat" daherkommt. Schließlich haben wir das Hartzer-Pack auch im Griff. Marktkonforme Demokratie bedeutet, dass man sich seine 'Rechte' verdienen muss. Wer sich das nicht leisten kann, muss spuren. Das können die Lütten gar nicht früh genug lernen.

 
Jaa, wer mitreden will, muss wählen gehen. Spätestens seit Elke Twesten der Welt gezeigt hat, was ein echter Verräter ist und sogar die Verräterpartei verraten hat, ist der vierlagige Wahlzettel im Trend, sanft und weich. Eigentlich interessiert mich das Getue ja nicht mehr, aber ich kann mir doch einige Kommentare nicht ganz verkneifen.
 

sp
 
Schallend gelacht habe ich. Gleich eingangs muss ich den einsamen Sieger bekanntgeben: Nur wo Verräter draufsteht ... "Damit die Rente nicht klein ist, wenn die Kinder groß sind". Sagt die Hartz-Partei. Die Banditen, deren Arbeitsminister die Renten kastriert hat, um die Finanzhaie zu päppeln. Die die Löhne so kaputtgehartzt hat, dass wir vor einer riesigen Armutswelle stehen - vor allem Altersarmut. Die ein Jahrhundertmassaker am deutschen Rentensystem geriestert hat und das bis heute richtig findet. Die! Wagen es! Pfui Deibel.
 

sp
 
Das ist schon ganz schön mutig. Wer aber ist noch mutiger? Schwiegersohn Lindner. Schon wieder was zum Lachen. Mut. Muut. Muuuh. Sie sind ja mutig, die "durch eigene Leistung" vorankommen. Lindner zum Beispiel, der in Eigenleistung eine fette Pleite hingelegt und dabei reichlich KfW-Kohle versenkt hat. Muutig! Nicht ganz so mutig, dass Wikipedia-Beiträge zu seiner Person von IP-Adressen aus Landtag und Bundestag manipuliert wurden. Ein Held ist er, der Einmann-FDP. So fesch. Und so mutig. Vor allem mit dem Geld anderer Leute.
 

sp
 

Kommen wir zu den Öden. Den Oliven. Den …b z njvijk oh, sorry, ich bin kurz eingenickt. "Cem und Katrin" begrüßen einen auf der Website. Mist, jetzt ist mir auch noch ... pfui Deibel! Jetzt supi neu und fresh: "Zukunft wird aus Mut gemacht" ist die fette Headline. Nee, ne? Echt jetzt? Und und und: Ja, seht doch selbst! "Darum grün". Ist klar. Der Mond ist aus blauem Käse. Darum dings, äh ... wo ist der Koks? Ich habe eine Schaaffenskriiise!
 

weitoLinksrum ist auch nicht das, was es mal war. Macht keinen Spaß mehr. Nope. Zuletzt noch wurde beschlossen, in Deutschland im Jahr 2017 (doch, so spät ist das schon!) endlich die Trennung von Staat und Religion zu fordern. Tja, diese Abstimmung musste dann leider wiederholt werden. Oh, und guck mal, ne Kopftuchuschi! Das ist voll antirassistisch. Gender hatte wohl gerade Pause. Das wäre ja jetzt kulturimperialistisch. Wenn die Muslima zuhause was auf die Fresse kriegt, ist das Folklore. Hauptsache kein Weißbrot mit Dreadlocks, das wär' nämlich kulturelle Aneignung. Jo. "Menschen vor Profite". Heißt eigentlich was genau, außer nix?
 
 

sp
 

Tja, dann zu den einzig wirklich Wahren: CDU. Sagt, was ihr wollt, aber das ist die einzige Partei, die ihrer Klientel bietet, was sie verspricht. Muff, Weiter-so und ne echte Kanzlerin. Motiv: Mutti, die Falten nur dezent fotogeshoppert, grinst doof und singt uns in den Schlaf. Alles gut! Nix zu denken, zu wissen oder zu fragen. Kein Stress. Kein Problem. Keine Experimente.
Ich liebe sie. Ich will für immer ihr Kind sein.

 
tp

Früher war mehr Salbe. Fand ich irgendwie nicht schlecht. Also dieses Salbungsvolle im Unterton der Denkbefehle. Ich meine jetzt nicht die Experten aus den Sportpalästen, den Klumpfuß aus Rheydt mit seinem Singsang oder die Melone aus Bonn, die auch besser schunkeln konnte als einen korrekten hochdeutschen Satz formen. Auch nicht die Aushilfsgoebbelse von der Wochenschau.

Nein, mehr so den bürokratischen Stil der Gazetten und des Rundfunks. Diese zwanghaft auf neutral und wetterfest gebrasseltenen Nachrichtentexte, die jederzeit Maxime eines Gesetzbuchs hätten werden können. Vier Fünftel der Adressaten haben damals zwei Drittel nicht verstanden, aber es wurde deutlich weniger gelogen. Schon gar nicht platt und primitiv. Okay, dafür gab es schon immer den Springerkonzern und dessen Ausscheidungen. Aber das war damals auch noch Gosse.

Jetzt red I

Es gab auch noch keine Talkshowbots. Es gab Befragungen und kleine Runden, in denen Menschen mit Interesse Fragen stellen, die seriöse Vorbereitung erkennen ließen. Solch furchtbare Strapazen will man heute keiner Dompteuse eines Celebrity Death Matches mehr zumuten. Sie muss ja schon am Abend der Show so schlimm schwitzen und das Gekeife ertragen – worin ihre Hauptqualifikation besteht.

Ich denke, das liegt nicht nur daran, dass früher die graue Autorität besser funktioniert hat, so dass der Rezipient sich gefälligst nach denen zu richten hatte, die sprachen. Es war eben nicht bloß Entertainment, sondern auch Vordenken und Andacht. Das Wichtigste ist wohl, dass früher noch keine nivellierte Mittelschicht die Spiele zum Brot unter sich austrug. Es musste jederzeit damit gerechnet werden, dass nicht nur wirklich gebildetes Publikum lauschte, sondern auch Arbeiter. Mitunter lesende Arbeiter.

Heute liest nicht mal mehr das Abiturientenpack, und um deren Aufmerksamkeit für die zur Verfügung stehende Spanne von einigen Millisekunden zu erwischen, müssen sie halt alle bei Illner, Will und Maischberger den Chrustschow auf Koks in Endlosschleife geben. Propaganda für verblödete Mittelschichtszombies, von Atlantikern für Atlantiker bei steif neoliberaler Brise aus West-Nordwest.
Die weht übrigens alternativlos seit 35 Jahren. Die zweite Generation, die nichts anderes kennt, ist völljährig. Hurra!

Schö mit ö

Das Gute daran: Nicht nur das ohnehin untergewichtige Hirn der mental desinfizierten Rezipienten schrumpft in diesem Zirkus, sondern auch die schon immer kleine Klientel der Gläubigen. Diese Form der Abendmesse ist eine Filterblase par excellence. Die Sekte, die A. Nahles oder die Grünen für „Linke“ hält, glaubt, im Schloss Bellwü wohnte ein Staatsoberhaupt oder Maas und de Maisière sorgten für Innere Sicherheit® gegen Terroristen® besteht aus ca. vierhundert* Mitgliedern, die immer enger und schneller um sich selbst rotieren.

Denen geht nicht einmal ein Licht auf, wenn sie dabei in dessen Geschwindigkeit frontal mit Photonen kollidieren. Dafür werden sie eines Tages in ein dunkles unbekanntes Universum namens „Realität“ hinaus geschleudert, aus dem sie nie wieder zurückkehren. Man kann sich getrost schon heute von ihnen verabschieden und etwas Sinnvolles tun. Zum Beispiel Kreuzworträtsel lösen, ein Omelett aufhängen oder sich in den Fuß schießen.

*[Update: Es können auch 40 sein, 40.000 oder das ganze verblödete Pack - sagen wir einfach: 8 Millionen Nützliche Idioten. Die zehn Prozent, die sich für richtig wichtig halten.]

 
pd

Seitdem der Dieselskandal seine volle Wucht entfaltet, steht die Republik Kopf. Die Bürger nehmen Fahrverbote und kalte Enteignungen nicht länger hin. Das Vorbeiregieren an den Interessen der Massen mündet in eine revolutionäre Situation. Spätestens die Großdemonstration in Berlin am vergangenen Wochenende hat gezeigt, dass das alte System am Ende ist. Erstmals seit dem Fall der Mauer und dem Ende der DDR-Diktatur haben Demonstrationen zu einer Situation geführt, die nach Umsturz riecht.

Angeführt vom Porsche-Cayenne-Club zogen hunderttausende SUVs in einer Sternfahrt zum Kanzlermat und haben dort sprichwörtlich die Mauern eingerissen. Diese Machtdemonstration aus der Mitte der Bevölkerung zog die Massen in ihren Bann; selbst Fußgänger schlossen sich dem Sturm an. Auf dem Weg in die Hauptstadt hatten Automobilclubs und andere Organisationen wie der Hartmannbund, Facebook und Rotary International für eine Aufbruchstimmung gesorgt. Es gab Häppchen für die Schaulustigen, zubereitet von Sterneköchen, Giveaways von bekannten Designern und ein Kulturprogramm vom Feinsten. Die Philharmoniker spielten das Kaiserquartett in allen drei Strophen.

Volkswille durchgesetzt

Millionen lagen sich in den Armen, als Andrea Berg und Helene Fischer auf dem Brandenburger Tor die Ode an die Freiheit anstimmten. Während des Kulturprogramms und der gesamten Aktion sorgten in ganz Deutschland private Sicherheitsdienste für einen ordnungsgemäßen Ablauf. Finanziert wurde das Ganze durch Teilnehmer und Sponsoren. Hundertschaften der Polizei, die den Einsatzbefehl von den Innenministerien bekommen hatten, marschierten in Formation mit. Am Ende des Zuges folgten Mannschaftswagen und Wasserwerfer. Einer der Fahrer sagte gut gelaunt: "Vorn Porsche, hinten Mercedes, so demonstriert Deutschland heute!"

Die Ereignisse haben sich heute Vormittag überschlagen. Der ADAC forderte den Rücktritt der Bundesregierung, der Cayenne-Club erklärte seinerseits, der ADAC sei zwar sicher nicht der schlechteste Ansprechpartner, aber in dieser Sache seien die Veranstalter diejenigen, die Forderungen zu stellen hätten. „Wir haben gezeigt, dass wir keine Regierung aus Berufspolitikern brauchen. Wir haben hier alles im Griff: Die öffentliche Ordnung, vernünftige Entscheidungen und den Willen des Volkes“, sagte Bodo Bolko, der Sprecher des Clubs.

Er forderte die Öffentlichkeit auf, Ruhe zu bewahren. Man werde jetzt mit den „Vertretern der Quasselbuden“ verhandeln und deren Schließung angehen. Experten aus allen Bereichen von Wirtschaft und Handel haben sich den Demonstranten angeschlossen. Die Zukunft Deutschlands werde, wenn alles gutgehe, von Experten geprägt, denen etwas an Volk und Land liege und nicht mehr von Bürokraten, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der Aufständischen, die auf der Website der „Initiative Gerechtes Deutschland" veröffentlicht wurde.

 
ac

Erwähnte ich, dass meine Stimmung gelegentlich zu Reizungen in der Bartrandzone führen? Desweiteren, dass die Bartrandzone sich über mehrere Stadtteile ausbreiten kann, in denen die Menschen in Angst spontan Schutz suchen? Gewitter waren zwar erst für heute Abend angesagt, aber bereits am Vormittag donnerte es und blitzte aus einer Wohnung im Süden der Stadt, wo ein Einzelfall explodiert war. Ganz recht, der Einzelfall war ich, und das kam so:

Soll ich das Wort wieder sagen? Das mit K? Aus dem paranoiden Kindergarten? Okay, das wäre öde, also kaufe ich ein C: Fuck that fucking arse of pissing bloodspraying CAPITALISM! Argh! Die verfickte POST! Ich meine jetzt ausnahmsweise einmal nicht das magentafarbene Stück Scheiße, das sie aus dem Gedärm der Genannten geholt und rosa lackiert haben, auch nicht den Dödel auf dem Fahrrad in der bescheuerten Jacke, dessen Fahne man erst dienstags riechen muss, weil er montags nicht nur blau ist, sondern auch macht; ich meine De Ha El. What the FUCK!

Wie lange dauert es im Jahr 2017 in einer deutschen Großstadt, ein Paket aufzugeben? Kommt wohl drauf an. Ich weiß ja nicht, was andere machen, aber ich habe schon fast eine Stunde gebraucht, um das behämmerte Label auszudrucken, das man auf das Paket kleben muss. Ich weiß schon, warum ich einen verdammten Skriptblocker benutzte. Wenn ich bei dhl.de die Skripte freigebe, damit ich das mistige Pickerl bekomme, friert mir der Browser ein. Drei verschiedene Browser in zwei verschiedenen Betriebssystemen. Was haben die da für einen verkackten Ranz gecoded?

Privat kann besser

Da sind wir übrigens schon an der Baustelle vorbei, wo du alles fünfmal eingegeben hast, weil der Scheißladen Cookies nur setzen kann, wenn du vorher drei Formulare unterschrieben hast, dass er das darf. Mal abgesehen davon, dass er eine Adresse, bei der ich auf Google Street View die Vase auf dem Wohnzimmertisch sehen kann, für nicht existent erklärt. Woher soll auch die Post wissen, wie man eine Adresse findet?!

Okay, irgendwie fummelst du dich da durch, natürlich frisst der ätzende Drucker das Papier erst mal quer, weil er ein eins A Teil ist, das sich dieser Qualitätsoffensive selbstverständlich ungespitzt anschließt. Der liegt jetzt übrigens auf dem Dach gegenüber, die dumme Sau. Also, trotzdem alles irgendwie geregelt, der Lappen mit dem Strichercode klebt auf dem Karton, also auf zur Post.

Die Post - das Postamt - die Hauptstelle dieses Stadtteils, in der noch Beamte in die Pension hinüber gepflegt werden, also das Ding, in dem früher beim Wort "korrekt" die Serifen auf den tausendstel Millimeter ex-akt ausgerichtet waren, die hat hier Öffnungszeiten wie in einem Hunsrückweiler anno 1970 bei Tollwutbefall. Immerhin aber heute bis 12:30 Uhr. Ich stehe um 11:50 da vor der Tür, und was ist? ZU IST! ZU!!

Ich hab keinen Bock mehr, diesen Drecksartikel zu Ende zu schreiben, macht euren Scheiß doch alleine!

 
xx

Bundesarchiv B 145 Bild-F041446-0036 / Reineke / CC-BY-SA 3.0

Er war der Kanzler der Einheit. Der deutschen Einheit. Der europäischen Einheit. Der Währungseinheit. Der Einigkeit. Der Dreieinheit. "Noch im Tod brachte er Menschen zusammen", stellt der kritische Journalismus fest. Ja, ich habe es am eigenen Leibe erfahren. Als mir Helmut erschien, überkam mich sofort, unverzüglich, der Drang mich zu vereinen. Hunderte Kollegen standen beieinander, nachdem sie die Fotos von Kohls Erben geschossen hatten. Vereint in Trauer und Helmut Demut.

Allein die deutsche Einheit, sie ist sein Werk und alle danken es ihm unter Tränen. Wer erinnert sich nicht daran, wie die DDR-Bürger, die nichts hatten, ihm ihre letzten Lebensmittel zuwarfen als Zeichen ihres Respekts. Wie er sich durch die Massen wälzte, um den Spender persönlich zu umarmen? Seine Dankbarkeit gegenüber Spendern war legendär wie seine Treue und Zuverlässigkeit. Wer sich ihm anvertraute und die richtige Einheit mitbrachte, war sicher wie das Gold in Fort Knox.

Gleich nach dem ersten Schultag bringt "Helle" – das war sein Spitzname – ein paar seiner neuen Freunde mit nach Hause. Als Schüler ist er eher mittelmäßig.

Die europäische Einheit, der Euro, eine einzige Erfolgsgeschichte. Alle sind unter einem Dach vereint: Geber, Nehmer, Schuldner, Gläubiger, Importeure und Exporteure, Große und Kleine, Arme und Reiche, Schwache und Starke - und alle lieben Helmut. Sie werden auch Wolfgang lieben lernen, Helmuts treuen Truchsess, der den deutschen Koffer längst gegen die europäische Kreditkarte getauscht hat. Es ist Ordnung, wo Helmut seinen Samen gesät hat. Deutsche Ordnung ist europäische Ordnung, und alle folgen sie. Alle sind sie vereinigt und können gar nicht mehr loslassen von Helmuts Europa.

Wir werden sein großes Herz vermissen. Sein Herz für Spender - Flicks, Schreibers, Ehlerdings, seine jüdischen Freunde; unvergessen! Sein Herz für Gestrauchelte und Vergessliche wie seine Minister Zimmermann, Kanther und Lambsdorff oder seinen Vize Leisler-Kiep. Bei Kohl hatten viele eine zweite Chance auf ein drittes Gehalt. Rührend auch sein väterliches Verhältnis zu Journalisten und Medien; bald streng, wenn die Kleinen dem gefährlichen Rotfunk zu nahe kamen, bald großherzig, wenn die Großen auf dem rechten Weg waren.

Bahnbrechend seine Genderpolitik. Kein anderer Kanzler lebte so offen seine Männerfreundschaften: Strauß, Flick, Kirch, Mitterrand, Thatcher, Reagan, Clinton, Jelzin. Zwischen Sauna und Saumagen steht Kohl für die zweite sexuelle Revolution. Auch seine Expertise in Fragen einer visionären Wirtschaftspolitik ist sprichwörtlich: Treuhand, Soli, sechzehn Jahre Aufschwung. Schon in fünf Jahren wird niemand mehr von Problemen der Einheit sprechen und die blühenden Landschaften bewundern, die seine Politik wird geschaffen haben. Ein Gigant. Ein Koloss. Ein Titan. Ein Gott!

 
db

Sommerloch, bodenlos. Wenn etwas passiert, wird es unterschätzt und in "Netzwelt" verschoben. Die neue Variante des NSA-Virus ist wirklich und echt krasse Scheiße. Wir werden noch mehr davon hören. Ist aber auch zu geil: Die da für unsere Sicherheit® sorgen, basteln Malware und sorgen dafür, dass alle großen Hard- und Softwarehersteller angreifbar bleiben. Doppelt lustig. Aber wichtig ist ja jetzt "Ehe für alle". Mein Toaster heiratet meine Sonnenbrille.

Unter allem komplett Irrelevanten dieser Tage ist eine Jubelarie über das JK Rowling und sein Potterding besonders widerlich. "Verdient" habe sie "Millionen", schleimt der "Stern". Nein, es sind hunderte, und die eher mit Gewalt abkassiert. Für den Erfolg verklagt sie auch gern persönlich alles, was sie auf ihrem Weg zur ersten Milliarde bedroht. Es ist doch "ihr Harry". Gern redet sie "unter Tränen". Glaube ich sofort, Die Alte lacht sich in Scheiben. Grausames Schicksal!

Ich wiederhole mich also, wusste ich doch schon vor ziemlich genau zehn Jahren:

Potter senkt die Steuern

Eine einzigartige Karriere geht zu Ende: Zehn Jahre nach dem Erscheinen des ersten Bandes kommt in Kürze der letzte Band über den talentfreien größten Zauberer aller Zeiten heraus. Gleichzeitig kommt die Verfilmung des faschistoiden Gothicschinkens “Der Orden des Phönix” in die Kinos. Es ist also bald überstanden.

Im Film wie in den Büchern entwickelte sich Harry ähnlich wie seine Autorin: Er wurde immer spießiger, unsympathischer, verkniffener. Es fehlt ihm zusehends an Kreativität, Mut und Verstand, aber er ist eben wer, darum bleibt er auch wer. Was als kitschige Geschichte mit Liebe zum Detail entstanden war, geriet immer tiefer in den Strudel von Schacher, Depression und Darmkrankheit, so dass die Bezeichnung “Kinderbuch” schon längst nur noch Marketing ist, genau wie die ganzen überflüssigen Tässchen, Schulranzen, Bleistifte, T-Shirts, Kappen und was sich sonst noch so verhökern lässt.

Schon bei der Kinopremiere des ersten Bandes fiel den Lesern auf: Der Typ hat nichts mit dem Harry aus dem Buch zu tun. Der war nämlich eine Art Punk unter der Treppe, und geboten wurde ein Streber mit Attitüde. Daniel Radcliffe wird inzwischen zurechtgebürstet wie ein Schleimer von der Schülerunion, und man wartet nur darauf, dass er du-weißt-schon-wem mit dem Anwalt droht. Mal sehen, wie’s ausgeht. Wahrscheinlich werden auch die letzten Sympathieträger noch entlassen, und Harry besiegt nach einer Orgie blutrünstiger Qualen, die er lieber erträgt, als aufzubegehren, seinen Peiniger mit einem neuen Zauberspruch: “Steuern runter!”

Apropos: Sloterdijk ist siebzig; aber man kann ja nicht in jeder Gülle schwimmen.

 
vg

"Der Gedanke kommt vor dem Wort, das Wort kommt vor der Tat", sagten Bundesinnenminister Thomas de Maizière, BKA-Chef Holger Münch und Bundesjustizminister Heiko Maas unisono. Das Internet ist kein rechtsfreier Raum, und deshalb muss hart und konsequent gegen Hasskriminalität vorgegangen werden. Diese beginne nicht erst mit dem Mord an Andersdenkenden, sondern beim Hass selbst. Wer Hassgedanken pflegt, lässt ihnen oft freien Lauf. Dies gefährdet und bedroht nicht nur Einzelpersonen oder Gruppen, die verhetzt werden, sondern die Sicherheit aller.

Hass ist der größte Feind der Meinungsfreiheit und nicht durch das Grundgesetz geschützt. "Wir haben Null Toleranz für Hassverbrecher", betonte de Maizière. "Die Gesetzeslage ist dank meiner Initiative eindeutig", ergänzte Maas, "wir werden jeden verfolgen, der andere verfolgt, sei es durch Werke oder Worte." Münch machte deutlich, dass BKA und Polizei den Auftrag von Regierung und Parlament vernommen haben und mit vollem Einsatz ausführen werden. "Wir zögern nicht und wir schrecken nicht zurück", erklärte er, beklagte aber, dass die Strafen für Hasskriminalität möglicherweise nicht hart genug seien.

Mehr Freiheit für alle

Maas machte deutlich, dass dies Sache des Gesetzgebers sei, man aber "jederzeit nachjustieren" könne. In Vorbereitung sind weitere Verbesserungen der Sicherheitslage durch Früherkennung von Meinungsverbrechen. "Man muss nicht immer darauf warten, bis jemand mit dem Tode bedroht wird", betonte de Maizière, "oder schlimmer noch, bis jemand solche Aufforderungen in die grausame Tat umsetzt." Als sehr erfolgversprechend haben sich Versuche mit Algorithmen erwiesen, die Hass auch in solchen Fällen erkennen, in denen noch keine strafbaren Äußerungen wie Beleidigung, Nötigung oder Volksverhetzung vorliegen.

Das Ziel dieser Früherkennung ist ein früheres und schnelleres Eingreifen. Sobald ein möglicher Hasstäter identifiziert ist, soll er zur Kasse gebeten werden. Dies sei für alle Beteiligten ein Fortschritt, so die Sicherheitsbehörden. Nur wo Taten verhindert würden, würden Opfer effektiv geschützt, und auch die Täter kommen häufiger mit einer Verwarnung davon, wo sie bei späterem Eingreifen eine Haftstrafe erwarten würde. So können Strafen erzieherisch wirken. Die Sozialen Netzwerke müssten die Gedanken ihrer Nutzer wahrnehmen und konstruktiv begleiten. "Freiheit für alle, nicht nur für Hasstäter", so das Motto der Aktion.

 
bb

Angela Merkel will also nicht die oben Genannte sein, oha. Das müssen russische Hacker gewesen sein. Warum? Weil es zuallererst ein Trojanischen Pferd ist. Mit einer vorgeblichen Meldung, die wie so oft keine ist, werden Messages verklappt, Anweisungen, wie man zu denken habe. Hätte jemand geschrieben, Angela Merkel wolle nicht erste Drachenhüterin am Hofe Arthurs sein, wäre das aufgefallen. Nicht so bei diesem anderen Tinnef.

Fangen wir mal mit der tauben Stelle ein, auf die sie seit siebzig Jahren einschlagen. Immer wieder dieselbe Stelle. Wer nicht irre wurde, hat dort Hornhaut. Freie Welt®. Ein Vehikel des Kalten Krieges. Hier frei, dort unfrei. Dort Kommunismus, hier Steaks und tolle Autos. Freie Welt. Damit kommen sie uns 2017 immer noch. Gehört eigentlich Saudi-Arabien schon dazu? Ist ja immerhin kein Kommunismus.

Wer nicht fragt ...

Okay, dann die "Führerin", eigentlich Führer. Kommen wir irgendwie nicht von los. Der Führer und Reichskanzler wurde bekanntlich ersetzt durch den President of the JU ES. Der war nicht mehr Führer von "morgen die ganze", dafür aber immerhin von "freie" Welt. Mächtig mächtig, den nehmen wir. Und natürlich die Steaks und die Autos. Janz kolossal! Demokratie ist, wenn die Welt einen Führer hat. Kennen wir, ist gebongt.

So, die Kanzlerin der Deutschen verzichtet also auf den Status. Frage wäre, wenn man sich überhaupt noch irgendetwas fragt, wie man eigentlich zu dem Titel kommt. Muss man etwas dafür können? Oder tun? Sein vielleicht? Kann man den kaufen? Kriegt man den verliehen? Braucht man einen Schein? Come on, das ist nur Journaille hier, die fragen nie was. Not their Job. Erinnert mich immer öfter an das tote Tier auf der Landstraße, über das jemand den Mittelstreifen lackiert hat. Wird sich gedacht haben: "Ich bin Mittelstreifenmaler, kein Tierbeseitiger!" und wäre auch ein guter Journalist.

Was sind wir doch bescheiden. Weltmeister reicht uns. Wir scheißen die Welt zu, frei oder nicht, mit Waffen und anderen Waren. Wir nehmen jede Währung, frei oder unfrei, gern auch Schuldscheine. Wer heute nicht bezahlen kann, zahlt halt morgen. Oder übermorgen, mit den üblichen Aufschlägen: Häfen, Flughäfen, Inseln; wir nehmen alles. Wir führen keine Welt, wir führen Buch. Frau Merkel ist unsere gute Mutti. Wer brav ist, hat nichts zu fürchten. Wer nicht, den holt die Schwarze Null. Der muss dann schon mal ohne Essen ins Bett. Mehr Führung braucht es für uns nicht.

 
rl

Meine Tochter schaut Rülpsfilme. Die Bilder blieben mir erspart, aber ich hörte immer wieder minutenlanges Gerülpse. Es handelte sich dabei um die Serie "The Walking Dead", in der es ganz zeitgemäß um Zombieapokalypse geht. Meine Liebste Uena (die übrigens gern Geräuschespiele spielte) hatte vor einiger Zeit darauf aufmerksam gemacht, dass, wo früher Serien wie Star Strek eine glorreiche Zukunft illustrierten, heute Endzeit und eben Zombieapokalypse herrschen.

Unterhaltung, Film und Kunst scheinen gleichermaßen die Zukunft verloren zu haben oder zumindest aufgegeben. Sie löst sich nicht einmal auf in ungewinnbare Kämpfe gegen die zurückschlagende Natur oder losgelassene Technik; sie stürzt ins Bodenlose, Hoffnungslose, in ewige Verdammnis. Die Hölle auf Erden. Wie bereits erwähnt, ist das keine Nische, sondern der große Trend.

Gegen die Kapitulation

Auf der anderen Seite steht der ewige Widersacher der Kunst: verblödender Kitsch, der die Sinne benebelt und mithilfe dummer Klischees so etwas wie Zufriedenheit produziert. Es gibt Gut und Böse, Liebe und Hass; das Gute gewinnt und am Ende lockt der nächste heroische Kampf oder die Romanze ist perfekt. Kurzum war lange Zeit gute Laune in Film und Literatur ein deutliches Anzeichen für Kitsch. Erst die Kunst hielt aus, was das Leben ausmacht: Niederlagen, Schmerz, Elend und Tod, und zwar ohne jeden falschen Trost.

Es stellt sich daher die Frage, ob es in diesen Zeiten quasi kritisch ist, eine Perspektive in der Kunst zu entwickeln, die anders wäre als niederschmetternd. Kann es Kunst sein, muss Kunst vielleicht sogar danach trachten, eine lebenswerte Zukunft zu entwerfen? Schreit die lustvolle Liaison mit dem Untergang, die Kapitulation vor dem Elend, nach Widerstand - und zwar einem, der Zukunft als gute und schöne denkbar macht? Vielleicht ist diese Zeit eine Provokation, neue Narrative zu finden, Geschichten zu erzählen, die Hoffnung nähren, indem sie dem Zeitgeist trotzen. Etwas besseres als den wandelnden Tod wird man doch irgendwo finden?

« Vorherige SeiteNächste Seite »