kunstlyriklamauk


 
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Ich habe das schon häufiger hier angedeutet, dass mir Zeitgenossen regelmäßig auf die Murmeln gehen, weil sie Informationen mit Glaubensbekenntnissen begegnen. "Das glaube ich nicht" oder "woher weißt du das?" werde ich dann gefragt von Leuten, die sonst nie irgendetwas anzweifeln, das ihnen erzählt wird. Ich höre dergleichen auch von anderen, denen es ähnlich geht: Betest du die Tagesschau nach, giltst du bei den Meisten als seriös; widersprichst du den offiziellen Verlautbarungen, setzen sie dir einen Aluhut auf.

Fefe hat neulich die richtige Frage gestellt: "Was waren die Meldungen vom Oktober diesen Jahres?". Ich habe in meinem Studium einmal eine Studie aus den 70ern zitiert, die zu dem Schluss kam, dass Zuschauer der Tagesschau "sich informiert fühlen", aber schon kurz nach der Ausstrahlung nicht mehr wissen, was sie da gehört haben. Allein die Struktur, am Ende noch eine nette Anekdote und dann das Wetter, sei geradezu darauf angelegt zu vergessen. Zudem werden "Nachrichten" eben nicht nachhaltig in einen Zusammenhang gesetzt (siehe dazu auch hier).

Der Feind des Proletariats

Was war letzte Woche los und was hat das mit der vorletzten zu tun? Wer das nicht beantworten kann, ist im echten Leben verloren, egal ob es Job oder Familie anbetrifft. Nur im politischen Kontext werfen sie sich unsortierte Splitter zu und 'glauben', darin liege die Wahrheit. Es ist diese seltsame Kunst, einerseits keine Zeit zu haben, sich aktiv zu informieren (und passiv ist keine Information zu haben), aber immer so zu tun, als wüsste man bescheid - weil sich das so gehört.

Allein der ganze Unsinn von Wachstum® und Vollbeschäftigung®über faule Griechen® und die schwäbische Hausfrau® bis hin zu Terroristen®, gemäßigten Rebellen®, Regimen® und Machthabern® ist so sinnfrei, dass jeder, der sich das freiwillig anhört, damit seine Religionszugehörigkeit belegt.

Es gibt ein da Draußen und hier Drinnen; die große Filterblase des Mainstream ist kaum zu durchdringen. Wer andere Filter hat, zumal wer von grob bis fein alles wahrzunehmen versucht, ist ein Freak. Tröstlich ist vielleicht der Umstand, dass die Membran der Blase nur in eine Richtug durchlässig ist. Wer sie einmal verlässt, kehrt nie wieder zurück. Damit einher gehen könnte eine weitere Hoffnung; die nämlich, dass die Menschen immer weniger arbeiten werden und daher mehr Zeit haben. Roboter übernehmen, sie sind inzwischen sogar schon Hilfssheriffs und verjagen Obdachlose.

Antiautomatäre Linke

Die Krise wird sich immer mehr verschärfen, denn es werden nur mehr Leute gebraucht, die billiger sind als Roboter und solche, die den niederen Sklaven Beine machen. Bislang läuft die Konkursverschleppung vor allem in Deutschland noch bemerkenswert gut; es nährt den Verdacht, dass Menschen eigentlich nur noch beschäftigt werden, damit sie nicht auf kluge Gedanken kommen. Die Robotisierung birgt aber noch andere Gefahren.

Da Roboter nämlich nicht konsumieren, muss das einer der nächsten Schritte sein: Man wird sie entlohnen, damit sie sinnlos Sachen kaufen, um das Wachstum® zu sichern. Spätestens dann wird die Menschheit beinahe ihren wahren Feind erkennen: Nicht Jude oder Moslem, sondern Roboter. Der, und das ist die geile Ironie des Ganzen, ist aber nichts anderes als Privateigentum, d.h. Produktionsmittel. Die Revolution wird mithin eine marxistische sein.

 
bg

Der November geht in die dritte Verlängerung, diesmal mit Schnee. Es pladdert oder schneit wie aus Eimern, monatelang, um die dunkle Jahreszeit nicht etwa mit Sonnenstrahlen zu verunzieren. Was tun die Finnen dagegen? Komm, tu' ma noch einen! Wenigstens werden wir nicht regiert, und das desinspiriert unsere Journaille on top. Schlafwagen im Sackbahnhof, unterirdisch (das wäre übrigens eine lustige Lösung für Stuttgart 21 gewesen).

Mit Liebesentzug droht in Slowenien derweil der Tiefe Staat, weiß der Spon. Musst du dir vorstellen! Was ist eigentlich noch schöner als unregiert? Richtig, unbespitzelt. Nun streikt sogar die Stasi in Nordjugoslawien, man möchte sich kringeln. Prompt humpelt der Lohnschreiber zum nächsten lahmen Vergleich. Was wäre da angemessen? Der Thüringer Heimatschutz droht mit der Verbrennung von "Mein Kampf"? NSU legt die Waffen nieder? Terrormuslime geben ihre Ausweise zurück? Nein, das käme ggf. zwar der Wahrheit nahe, entspricht aber nicht dem Auftrag.

Der besteht darin, die losgelassenen Helfershelfer als Die Guten® darzustellen, schließlich ist Slowenien NATO-Mitglied. Okay, wie machen wir das am besten? Ja richtig. Ernsthaft. Ein Foto von Daniel Craig. James Bond. Ja doch. Nein, dafür gibt es keinen Link hier. Der Text ist auch geil: "Um das Land nicht in Gefahr zu bringen, werden die dringendsten Aufgaben allerdings weiterhin erledigt." Was mögen das für wichtige Aufgaben sein? Erfahren wir leider nicht, da muss also Phantasie her. Land in Gefahr! Genau. Wenn die scheiß Spitzel mal was Vernünftiges tun, nämlich nichts, ist sofort das Land in Gefahr. Wissen's schon: Dr. No. Goldfinger. Der Imperator. Hui Buh!

Alles paletti

Ansonsten alles roger auf der Titanic. Stimmung bestens. Immer positiv titeln: "Sechs von zehn Arbeitnehmern fühlen sich gerecht bezahlt". Du sollst. Nicht. Denken! Wenn sie das doch fühlen! Dass eine "gerechte Bezahlung" schlicht absurd ist und jedenfalls nicht definierbar, musst der Leser nicht wissen. Dass offenbar bald die Hälfte etwas anderes denkt und die Ausbeutung regulär "fühlt", zumal: was das in der Praxis bedeutet, wenn am Ende des Geldes noch verdammt viel Monat da ist? Who cares. Wir sind doch eine dolle Gemeinschaft, denn:

"Die Mehrheit der Deutschen schätzt den gesellschaftlichen Zusammenhalt im eigenen Umfeld als gut ein"
oder : "Gesellschaftlicher Zusammenhalt ist gut - aber gefährdet". Weder das Eine noch das andere lässt sich belastbar aus einer dusseligen Umfrage ableiten, selbst wenn die sonst korrekt wäre. Das beginnt wie fast immer damit, dass das Objekt der Frage nicht bestimmbar ist: "Gesellschaftlicher Zusammenhalt". Etwas so Vages, unter dem sich jeder etwas ganz Eigenes vorstellt, kann nicht Gegenstand einer validen Aussage sein. Das Ergebnis ist Datenmüll, von dem sich der Journaill wiederum ernährt. Na dann: Mahlzeit!

Auch immer wieder spannend, was der Spon so für relevant hält. Heute an prominenter Stelle: "Diese Speisen sollten Sie beim Geschäftsessen auf keinen Fall bestellen". Immer am Puls der Zeit. Wer schlägt sich nicht mindestens zwei Nächte pro Woche mit dieser existenziellen Frage schlaflos herum? Leider auch in dieser Nullrubrik entsprechend zero points, zumal sicher die wichtigsten Items fehlen: Asischale (aka "Pommes Schranke"), weil das Proletariat beim Geschäftsessen nix zu suchen hat; Dito "Nüdelkes mit Hackepeter". Man outet sich nicht als Prolet. Dann schon besser als Idiot, aber: Auch bei den Getränken ist Vorsicht geboten. Ein Pils oder ein Hefeweizen geht in Ordnung. Als sexistisch hingegen gilt es, bei der Kellnerin "Hefepilz" zu bestellen. Ja sicher; hier werden Sie geholfen.

 
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Nicht weniger als die Weltformel habe ich vor einigen Tagen veröffentlicht, aber das geneigte Publikum überliest so etwa geflissentlich. „Socken sind ihrem Wesen nach Einzelgänger“, schrob ich und eröffnete damit einen Blick in die Tiefen universaler Weisheit. Im Kern der Betrachtung stehen vordergründig die Fragen: „Wohin gehen sie? Wo ist die zweite? Wie geht das?“, dahinter aber steckt postmodernste Wissenschaft.

Ohne Relativitätstheorie ist keine Orientierung mehr in der Welt, was jeder weiß, der sich einmal mit GPS befasst hat. Ohne die Einsteinschen Korrekturen ginge die Ortung auf dem Weg zum Satelliten und zurück sprichwörtlich schief. Die Strecke reicht aus, um durch die Krümmung des Raums die Kreuzung zu verpassen, an der man hätte abbiegen sollen. Sie kennen das? Vielleicht haben Sie ja noch eines dieser kreationistischen Ortungssysteme oder ein veganes. Da müssen Sie leider auf ein Feature verzichten: dass es funktioniert.

Da wir nicht wissen können, wohin nach der wesengemäßen Trennung eines Sockenpaares der abwesende Teil verschwindet, müssen wir demnach die Raumkrümmung beachten, da gewöhnliche Socken die Größe einer Straßenkreuzung noch unterschreiten und daher entsprechend exakt geortet werden müssen. Doch selbst die Annäherung ist keineswegs einfacher.

Geht nicht, gibt‘s aber

Die nichtesoterische Physik arbeitet mit Unschärfen, Wahrscheinlichkeiten und Quantenzuständen. Auch wenn die gnostische Metaphysik hier vom Begriff „Quanten“ eine Beziehung zum Objekt „Socke“ dekonstruiert, muss die Naturwissenschaft derlei Annäherung nach ihrem Selbstverständnis ablehnen. Schon Heisenberg aber hilft hier weiter: Da wir offenbar nie exakt wissen können, wo sich die Socke befindet, liegt es nahe, den Raum nach Wahrscheinlichkeiten des Aufenthaltes darzustellen.

Die Quantenphysik schließlich bringt uns wie immer der Lösung am nächsten, die wir aber leider nicht verstehen, es sei denn, wir hätten Gott schon mal beim Kniffeln beobachtet. Letzteres führt freilich zu Zuständen, welche die Fähigkeit zur Mitteilung erheblich einschränken. Wir haben es also mit dem Problem zu tun, dass wir nur entweder den exakten Aufenthaltsort der Socke bestimmen können oder ihre Geschwindigkeit bzw. salopp ausgedrückt ihren Energiezustand.

Zunächst ging die Theorie bei Socken von einer Geschwindigkeit von null aus, was aber in eine Sackgasse führt, da eine Socke, die unbewegt verschwindet, in den meisten Modellen des Universums nicht erklärbar ist. Es ist demnach grundsätzlich möglich, die Geschwindigkeit bzw. Energie der abwesenden Socke zu berechnen. Hurra. Aber wo ist das Scheißding? Die Lösung ist vermeintlich einfach: Verschwindet die anwesende Socke, kann die abwesende wieder erscheinen; dies ergibt sich aus der Wesenheit des Einzelgängertums von Socken s¹.

Die Adams-Lösung

Zwar hinterlässt auch das den Hausmann verwirrt in einer Wolke des Mundgeruchs, der Wissenschaft aber verhilft es zu einem genaueren Verständnis des Universums. Führt man nämlich die universelle Konstante s¹ in eine beliebige Gleichung ein, winkt aus dieser spontan Schrödingers Katze, und ratet, was sie im Maul trägt! Jackpot! Doch was war mit der oben genannten „Sackgasse“ bezüglich der unbewegt verschwindenden Socke?

Zur Vollständigkeit sei auch das kurz erläutert: Es handelt sich hierbei um die Adams-Lösung, einen eher literarischen Ansatz des Amateurphysikers D. Adams, der Ähnliches für Kugelschreiber und Feuerzeuge postulierte, die auf einen eigenen Planeten teleportiert würden, wenn sie verlustig gingen. Dem widerspricht die Menge massiver Exoplaneten, von der man nach heutiger Berechnung ausgehen muss. Zudem dürften sich Socken nicht paarweise begegnen, was in der Tendenz bereits unendlich vieler Sockenplaneten bedürfte. Diese wiederum kann es nur in parallelen Universen geben. Okay, diese Multidimensionalität hat Adams (THGTTG V) auch bereits erkannt. Unentschieden!

Wem das alles zu kompliziert ist, der kann ja Spon Plus abonnieren und dort lesen, warum der Urknall gar nicht so laut war, dass deutsche Journalisten ihn hätten hören können. Und jetzt zum Wetter …

 
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Socken sind ihrem Wesen nach Einzelgänger. (Clementine Tilly)

Pappkamerad Klappspaten sah mich verdattert an. Er wusste es nicht, aber er war soeben Doppelopfer geworden; eines Eingangssatzes, der doch niemals einer werden würde. Seine gesamte Existenz verdankte sich einer grausamen Übung, einer Laune, einer spontanen sinnlosen Tat. Solange die Datenbank in jedweder Form, kopiert, gepackt, gebrannt oder verschlüsselt, noch irgendwo vorlag, würde er dasein, ohne Geschichte, ohne Charakter oder Gestalt. Nur das Eine, diese wohl intonierte Information über ihn, war.

Charles M. Chools lachte heiser und steckte einen Stummel zu den anderen in den Aschehaufen. Erfolg! Erfolg war so banal, so simpel und kalt, eine Frage kruder Technik. Er konnte ein Schnitzel schreiben, und alle würden es fressen. Das Geheimnis des Starautors („Bestsellerautor“ verbat er sich. Das Wort hat mehr Silben als Sinn. Außerdem ist jeder Hinz und Kunz Bestsellerautor. Man vergleicht sich nicht mit den Top 100, wenn man gut genug ist für echte Ambitionen.) wurde bereits mit seinem Erstlingswerk gelüftet: Technik, Technik, Technik.

Rollenwechsel

Die erste Kritikerin, die ihm „Empathie“ unterstellte, hat noch an demselben Abend mit ihrem bisherigen Leben abgeschlossen. Wie der geniale Analytiker sie öffentlich vorführte, ihr Wort für Wort, Silbe für Silbe ins Stammbuch prügelte, dass ein gut programmierter Roboter hätte schreiben können, was sie „anrührend“ fand, hätte einem frühneuzeitlichen Gericht Ehre gemacht. Mancher hätte die peinliche Befragung jener Zeit vorgezogen. Sie wechselte kurz darauf die Seiten und schrieb ein vielgelobtes vierbändiges Racheepos.

Chools fuhr den PC herunter und ging ins Schlafzimmer. Er öffnete den großen Spiegelschrank und entnahm ihm die schwarze Uniform. Nachdem sie frisch gebürstet und parfümiert war, zog er sie über, schlüpfte in die Stiefel und band die Binde um. Er nahm die Mütze vom Huthaken, wienerte deren Schirm, sorgte für ihren perfekten Sitz und schloss den Schrank. Stolzierend, krächzte er wieder und wieder: „Heil Hättler, doo Drräcksaoo!“

[Hier Link zu einem Video mit Musikanten einfügen. Vielleicht Rammstein.]

 
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Was der Markt regelt, ist regelmäßig Gegenstand lustiger Aussagen. Meist sind sie ernst gemeint und damit umso lustiger - wenn man nicht in der neoliberalen Filterblase wohnt, wo sie darüber nicht lachen dürfen. So manches 'regelt' er aber tatsächlich, ohne dass er es sollte und selbstverständlich völlig anders als das gemeinhin dargestellt wird. Kurzer Schlenker; wie war das noch? November; "wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben". Ein Finne aus meiner Heimatstadt hat das gekontert mit dem großen Wort: "Weicher matschiger Boden. Wer jetzt nicht baggert, ist selber schuld". Reden wir einmal mehr von Sex.

Ich hatte neulich den Eindruck, dass in einer Veranstaltung des Flimmermediums eine gewisse krampfige Zurückhaltung zwischen recht ansehnlichen Exemplaren unserer Gattung herrschte, wo es eigentlich hätte knistern sollen. Weinstein was here. Überhaupt wird Sex derzeit kanalübergreifend als Belästigung mit Extras behandelt, weil es sich gerade so verkauft. Dabei steht am Anfang der Malaise gleich doppelt das Kapital mitten im Raum wie ein alter Sack, der seine Griffel überall hat.

Sagen Sie jetzt nichts

Die sexuelle Revolution® der naivsten Generation seit 1914 war bei Lichte betrachtet doch eher die Eröffnung eines Marktsegmentes. Selbst in der Hölle der Piefigkeit aka deutsches Werbefernsehen konnte sich zwischen Herrn Kaiser, Clementine und dem Lenorgewissen die hier schon Kult gewordene sexy-mini-top-op-Cola plazieren. Minirock and Roll, Plattenlabel, Bikini (auch ohne Plutonium), Bravo und Playboy, um nur einige Sterne im neuen Universum zu nennen, wiesen den Weg in unendliche neue Weiten. 'Aufklärung' war damit ebenso eine Ware geworden wie alles andere, das noch den Limbo unter der "Porno"-Kante schaffte. Immerhin war das Nähere noch eine Frage persönlichen Kontaktes.

Wie bereits geschildert, ist dieses Ende der Landkarte inzwischen durchs Internet ("is for porn", indeed) gezeichnet. Es herrscht allenthalben ein Überangebot an sprichwörtlichen Arschlöchern und anderen Körperbereichen, die mit Sekreten aller Art zur Erbauung des Publikums verziert werden. Ein Bewusstsein findet nicht statt; dessen Surrogat (lateinisch für "Bewusstseinsersatzstoff") verharrt seit irgendwann zwischen Weltkrieg eins und zwo in einem Grabenkrieg zwischen Kirche und Desinteresse. Ja wirklich, die Kirchen. Haben sich immer noch nicht daran gewöhnt, dass weder Keuschheit noch Askese etwas anderes erzeugen als Heuchelei und Gewalt.

Nun ist da also etwas aufgebrochen, das einen allzu lockeren Umgang mit Sex und dessen Objekten für die Zeitspanne vergällt, die eine etwas fettere Sau für den Weg durchs Dorf braucht. Keine Anzüglichkeiten bitte, höchstens gucken und keinesfalls anfassen! Was gäbe ich für die aktuellen Serverstatistiken von Pornhub! Kann man eigentlich darauf wetten? Wie dem auch sei, es muss jetzt überall konsequent durchgegriffen und darüber ausgiebigst berichtet werden. Wer weiß, wann die Welle abebbt? Jede Empörung hat schließlich eine begrenzte Haltbarkeit. Als nächstes dann ein paar Beiträge über die neue Prüderie, ehe wir wieder zur Bikinifigur und ganz neuen Sexspielen mit dem cloudvernetzten VR-Dildo kommen. Erfahren sie jetzt bei Spiegelbild, was wirklich angesagt ist!

 
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Es ist November 2017. Grau, nasskalt und ungemütlich - nicht nur ich, auch das Wetter. Was sagt der Terrorismusexperte dazu? Jetzt sagen Sie nicht "Naagh"! Die Sache ist zu ernst, sagen Sie vielmehr? Ja, das ist das Problem. Es geht immer um Mord und Krieg, um Verbrechen, die in Qualität und Ausmaß das Wort "Terror" rechtfertigen, was ja "Schrecken" bedeutet. Alle Jahre wieder erfahren wir Dinge, die damit zu tun haben. Nicht nur aus sogenannten "Leaks", sondern auch und vor allem aus den Archiven der CIA. Einer der wenigen Horte der Transparenz ist bislang das amerikanische Recht, das immerhin nach wenigen Jahrzehnten die Akten offenlegt.

Aus den Kennedy-Akten, um deren heikelste Passagen - da deutet sich ein Rückschritt an - noch gefeilscht wird, erfahren wir heute, dass ein CIA-Mann für einen weiteren klassischen Terroranschlag verantwortlich ist. Das ist längst kein Grund zur Empörung mehr, sondern schlicht Routine. Man erwartet nichts anderes, wenn man die Geschichte der CIA kennt. Die Agency fördert schon immer Terror, bewaffnet Terroristen und begeht selbst Anschläge, bis hin zur Exekution von Staatschefs. Kriege Anzetteln ist eine klassische Disziplin dieser unserer Amerikanischen Freunde®. So sind sie, die Guten, und man ehrt sie dafür. Schon mal den Namen "Henry Kissinger" gehört? Aha. Keine weiteren Fragen.

Staatsgefährdend

Man mag jetzt darüber streiten, ob die Akteneinsicht eine Art Feigenblatt ist, eine politische Beruhigungspille gar. Ganz wunderbar passt diese Kultur schließlich in die erweiterte Orwellsche Propaganda, die hie darauf verweisen kann, wie transparent und daher demokratisch® doch der amerikanische Rechtsstaat ist, während er da alles, was Konsequenzen hätte, als "geheim" klassifiziert und somit recht effektiv verhindert, dass Betroffene noch zu Lebzeiten zu ihrem Recht kommen. "Lebzeit" wird häufig überbewertet.

Während die Amerikaner so tun, um erfolgreich schmutzige imperiale Politik zu machen, versucht das kleine Brüderchen, dieses widerwärtige Treiben auf ganz eigene Weise in den Schatten zu stellen. Liebe Landsleute, auf die Akten über den Staatsbesuch des Zars Nikolaus II. müsst ihr noch ein Jährchen warten. Alles andere würde die Integrität des Deutschen Reiches der Weimarer Republik des III. Reiches der Bundesrepublik Deutschland gefährden. Klingt albern? Ist aber so.

Das ist Deutschland hier

Die NSU-Akten sollen bekanntermaßen 120 Jahre geheim bleiben. Nationalsozialisten, die im 21. Jahrhundert unter der Aufsicht, mit Wissen und Unterstützung der deutschen Geheimdienste unbehelligt mordend durchs Land marodieren, müssen auch posthum geschützt werden. Für 120 Jahre. Man fragt sich jetzt, wie die Nazis sich damit gegen den ganzen Tand und Tüll der von ihnen geschützten Verfassung und deren Organe haben durchsetzen können. Mehr noch, wie sie auf ausgerechnet 120 Jahre kommen. Nun, immerhin da kann ich abhelfen:

Der Beamte, der diesen Beschluss zu Papier brachte, war aufgefordert worden, eine angemessene Frist von 10.000 Jahren festzusetzen. Der Mann hatte Jahrzehnte im Finanzamt gedient, flugs ausgerechnet, dass ein 1000-Jähriges Reich 12 Jahre dauert und das Ganze korrekt umgerechnet. Wie aus gut informierten Quellen verlautet, wurden die Budgets der betroffenen Dienste adäquat erhöht, um für den avisierten Zeitraum mögliche Whistleblower ausfindig und unschädlich zu machen. Bei Fluchtversuchen ist der Gebrauch der Dienstwaffe ausdrücklich erwünscht.

 
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Bloggerismus kostet nicht nur Koks und Whisky, sondern auch Geld. Das ist bekanntlich schwer zu beschaffen und mit diesen unangenehmen Risiken verbunden. Die Opfer, mit denen man es aufnimmt, werden ja auch nicht jünger. Unsere Qualitätstexterei an den #feynsinn dran ist zwar der zwanghafte Auswurf eines Überzeugungstäters. Aber ich kann natürlich länger und öfter, gewissenhafter [Das ist so geil, das muss ich einfach aus dem Original so stehen lassen. Wenn ihr nicht zahlt, kann ich auch anders. Geiler Scheiß! säzzer] und effektiver an euch rummachen, wenn ich dafür Angebote bekomme, die ich nicht ablehnen kann.

Eine kleine Spende tut helfen, große Spenden tuten natürlich mehr; einmalige Ablasszahlungen sind ebenso hilfreich wie lebenslang Freibier.
Wir freuen uns über jede Spende!1!!
Schreibt uns einfach an, dann teilt euch der Säzzer mit, wo die Kontoverbindung steht und sagt euch auch gleich (einschließlich Tiernamen), woran es liegt, dass ihr sie nicht von selbst findet. Selbstverständlich könnt ihr mir nicht mit PayPal in den Schritt greifen. Sonst natürlich schon. Ich mache haptisch alles, wisst ihr ja: Französisch, von hinten und ins Knie.

[Gruß an die gemäßigten #rebellen; säzzer]

tl;dr: Ihr habt mir letztes Jahr entscheidend über die Straße geholfen. Heißen Dank an alle, die "da Button" gefolgt sind. Das nächste Jahr wird auch wieder recht eng, ich empfehle mich daher auch den Anderen.

Immer für Sie daa ...

 
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Die Sachsen sind mal wieder Avantgarde. Seitdem die Dödel aus dem Tal der Ahnungslosen Westfernsehen haben, kann man sie nicht mehr als treudoofe Grenzer und Spitzel gebrauchen, aber die Elite dieser deutschesten aller Deutschen (sieht man einmal von der Simulation einer Sprache ab, die dort gepflegt wird), marschieren noch immer voran, wenn es darum geht, die Grenzen zu schützen.

Ihr Landesobergockel Michael Kretschmer hat jetzt angesagt, wie einfach man kriminelles Pack erkennt:
Wenn ich da sehe, dass ein Gepiercter ein großes Auto fährt, dann ist das verdächtig und kann ihn kontrollieren.

So einfach ist das. Linkszecken und Kanaken können sich kein großes Auto leisten; sie können höchstens welche klauen oder mit Drogen finanzieren. Weiß doch jeder. Endlich sagt es mal einer!

Alles Scheise

Von Sachsen lernen, heißt völkisch lernen. Der aktuelle Exportschlager heißt daher "Heimat" und wird von allen getrommelt und gepfiffen, die glauben, das wolle der kleine Mann auf der Straße gern von ihnen hören. Von Seehofers bis Eckardts Göring stehen sie neuerdings auf "Heimat" wie sonst nur auf der Leitung. Du bist Heimat. Ich bin Heimat. Sexy Mini Pop-op Heimat. Alles ist in deutscher Heimat. Ausgerechnet die ganze neoliberale Mischpoke stimmt den braunen Schlager an, was witzig ist:

Den Sachsen wurde übel mitgespielt, wie dem ganzen Osten, wurden ihnen doch nicht nur sämtliche Straßen bis zur Unkenntlichkeit saniert. Schlimmer noch, sind sie seit 89 Fremde im eigenen Land. Ihre Lebensleistung ein untergegangener Staat, der nur mehr in Gruselgeschichten für Kinder vorkommt. Die Arbeit weg oder mies bezahlt, die Rente ein feuchter Traum. Alles, wofür sie aufdietraßegegangen® sind, ist weg, schon seit 2002. Kaum hatten sie sich die D-Mark erkämpft, war sie schon wieder futsch. Stattdessen kam Hartz vier.

Die Aussichten waren noch nie so miserabel wie heute. Ganze Dörfer verlassen, die Frauen weg, die Akademiker weg, kurzum: alles, was die Mauer einmal aufgefangen hatte. Jobwunder nicht in Sicht und kein ‚Drüben‘ mehr, das man sich erträumen kann. Heimat kaputt. Alles kaputt. Und jetzt sollen noch diese Flüchtlinge kommen. Die alles kriegen. Umsonst. Platz im Heim, warme Decken, Deutschkurse. Später sogar unser Hartz vier!

Auch die noch?!

Da weiß der Sachse: Genug ist genug. Alles, was wir hier noch haben an Heimat, sind unsere Gesichter. Solides verkniffenes Grau, aus dem der Klang der guten alten Zeit® erschallt wie das Mittagessen nach durchzechter Nacht. Wo sich „Frühaufsteher“ auch dann noch auf „Aktentasche“ reimt, wenn der letzte Angestellte vom Sachbearbeiter zum Minijob bei Amazon sanktioniert wurde. Da passt er nicht hinein, der Nafri, der Musel, der Wirtschaftsflüchtling aus Aleppo. Wenn du den antanzen lässt, begrapscht er dich noch anstatt strammzustehen.

Unsere Heimat ist kaputt genug, unsere Hoffnungen schon am Boden zerstört. Alles ist besser als das, was die Etablierten und ihre Lügenpresse aus unseren blühenden Landschaften gemacht haben. Selbst Zerstörung und Krieg sind besser, weiß der Kämpe auf der Barrikade in Leipzig-Grünau, und jetzt schicken sie uns auch noch die auf den Hals, die schon wissen, wie man so was überlebt. Aber nicht bei uns. Hier sind wir® nämlich das Volk! Wir sind das Volk! Wir sind das Volk!

p.s.: In Sachen Lesekompetenz suchen Sie die Kommentare auf. Hier gibt es nichts zu sehen.

 
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(Zu Teil 1)

(Zu Teil 2)

Auf vielen Ebenen und mit vielen Techniken wird an den Schulen sozial selektiert und die Klassenzugehörigkeit festgelegt. Teils subtil, teils brachial werden Verhaltensmuster antrainiert, die dafür sorgen, dass die vorgezeichneten Bahnen nicht verlassen werden. Am unteren Rand stehen Dynastien, aus denen noch nie ein Kind die gymnasiale Oberstufe erreicht hat. Solche Familien sind ein Integrationsproblem, und zwar exakt dasselbe wie ghettoisierte Ausländer. Wenn man "soziale Brennpunkte" etwa "Stadtteil mit Entwicklungsbedarf" nennt, ändert das nichts an der Lage im Asiviertel. Dem entrinnt kaum jemand.

Dabei ist auch das wie bei den Migranten: Die Unterschicht bildet ihre eigene Kultur. Für viele Kinder wäre es ein Horror, das Gymnasium zu besuchen, weil sie dort niemanden kennen und von Fremden umgeben wären. Umgekehrt ist es für das Kind der Mittelschicht unmöglich, sich mit solchem Pöbel abzugeben. Ich selbst enstamme der Unterschicht, freilich einem Aufsteigerhaushalt (die gab es damals noch). "Sage mir, mit wem du umgehst und ich sage dir, wer du bist", hieß es selbst bei uns. Selbst der obere Bodensatz hielt sich für etwas Besseres.

Kommunistische Demagogie

Dementsprechend 'solidarisch' ist die hiesige Arbeiterklasse. Dass auch der Filialleiter der Sparkasse dazugehört, kann er nicht wissen. Die große Suggestion, dass du bist, was du leistest, sitzt in der Mittelschicht am tiefsten. Wenn aus der jemand abstürzt (was derzeit massenhaft geschieht), sieht er das als furchtbaren Schicksalsschlag und als Ungerechtigkeit an, weil er nicht begreifen kann, dass der Boden schon immer unter ihm war. Es wird uns gelehrt, dass wir Konkurrenten sind, wir werden zu gehorsamen Strebern erzogen, die noch glauben, unerhört individuell zu sein. Alles, was die Identifikation mit der Arbeiterklasse ausmacht, wird systematisch ausgemerzt. Divide-et-impera wird in den Schulen angelegt.

Auf keiner politischen Ebene herrscht dafür ein Bewusstsein; im Gegenteil wird schon semantisch ausgeschlossen, dass darüber gesprochen werden könnte. "Klasse", "Arbeiterklasse" gar, sind verbotene Vokabeln aus dem Arsenal kommunistischer Kampfrhetorik. Sie zu verwenden ist schlimmer als Rülpsen und Furzen. Wo ein Hauch von Ahnung aufkommt, dass Schule selektiert, wird das klammheimlich begrüßt. Selbstverständlich geht Thorben-Malte zum Gymi und Schackeline-Schantall zur Hauptschule. Schließlich geht das hier streng nach Leistung.

Den finalen Kopfschuss verpassen dann die Bologna-Hochschulen der Idee von einem durchlässigen Bildungssystem. Um die Unis endlich von linken Revoluzzern zu befreien und ihnen die Bildung auszutreiben, mit dem schönen Nebeneffekt, dass Milliarden für langjährige Studienverläufe eingespart werden, gibt es noch drei Jahre akademische Grundausbildung. Man nimmt gar den Effekt hin, dass junge Akademiker/innen völlig planlos in ihre Anschlussverwendung rutschen und viele komplett untauglich sind für das, wozu sie angeblich ausgebildet wurden. Die Priorität in diesem System ist offensichtlich. Mit Bildung hat sie nichts zu tun.

 
nt

In einer Verkaufsstelle für Elektronikwaren hielt ich heute Ausschau nach einem Fernsehgerät und fragte gezielt nach Produkten aus der Region. Es sollte umweltbewusst hergestellt worden sein, kurze Transportwege zum Einzelhändler aufweisen, von deutschen Arbeitern mit Fleiß und Schweiß erbaut nach den Plänen deutscher Ingenieurskunst, wie es seit Jahrhunderten zuverlässig und einzigartig der Fall war. Es ist nicht einfach. Da muss der Kunde beharrlich sein und sich nicht abspeisen lassen mit irgend einem herkömmlichen Schund, den halbgescheite Fließbandsklaven im Dienste des internationalen Finanzkapitals billig zusammenschustern.

Das taugt nichts, und man muss ja angesichts der Haltbarkeit solcher Erzeugnisse mutmaßen, dass der etwa asiatische Produzent es geradezu darauf anlegt, dass seine Massenware so schnell als möglich funktionsuntüchtig wird, damit er noch mehr davon seinem eigens dazu dumm gehaltenen Käufer andrehen kann. Das entspricht nicht der Mentalität des Deutschen, sei es als Kunde, als Arbeiter oder als Techniker. Deutsche Technik hatte einmal Weltruf. Was Thyssen, Krupp und Siemens seinerzeit an Qualität ablieferten, war für tausend Jahre gebaut. Ich ging unverrichteter Dinge heim.

Ist es heute besser?

Ich habe dann, meine Neigungen eisern beherrschend und der Pflicht gehorchend, einen deutschen Rasen gemäht, wie er noch nie auf deutschem Boden gemäht wurde. Halm um Halm, Kraut um Kraut erbarmungslos niedergemäht. Jeden Auswuchs einer unverschämten Länge zurechtgestutzt und die Reste auf dem Komposthaufen der Geschichte verklappt. Wir dürfen jetzt wieder stolz sein auf unseren Boden. Das Schicksal hat mich zum Werkzeug einer höheren Verheißung gemacht und ich nahm diesen Auftrag, diesen Ruf der abendländischen Kultur nach einem entschlossenen willensstarken Meister der Gartenpflege wahr.

Dem Tüchtigen sei dann auch das kleine Glück nach deutschem Reinheitsgebot gegönnt. Ein rustikales Brot auf der Terrasse, dazu eine Flasche Bier und eine Zeitung. Ich lese, dass die Kinder immer dicker werden. Bewegungsmangel, schlechtes Essen, keine Erziehung. War man früher stolz auf ranke und schlanke Racker, die wie die Wiesel herumtollten und den Älteren Respekt zollten, sitzen sie heute mit ihrer Lustelektronik auf dem fetten Hintern und lassen sich verwöhnen. Dabei haben sie für jene, die ihnen das ermöglichen, nur mehr Verachtung übrig.

Wo bleibt der starke Arm des Vaters, der das in Ordnung bringt? Oder ist das vielleicht erstrebenswert, dass die Zukunft des deutschen Volkes von fetten Faulpelzen abhängt, die kaum lesen und schreiben können, nicht mehr aus den Sessel hochkommen und mit 40 ihren zweiten Schlaganfall haben? Muss man sich schämen für Disziplin, Fleiß und Sauberkeit, während diese Brut gehätschelt und getätschelt wird? Darf man das noch sagen? Muss man sich dafür als "Nazi" beschimpfen lassen?

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