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Quelle: Pixabay

Vor einiger Zeit schrub ich:
"Daher ist Argumentieren auch ein Sport für Leute, die nichts Besseres zu tun haben. Doch, so sehe ich das wirklich. Machen wir uns nichts vor: Du kannst noch so brillant sein, geduldig, präzise und wach; die meisten lassen ihr Weltbild null beeinflussen von Diskursen und hauen Argumente nur raus, weil das ein Ritual ist."
Das kann ich gern noch anreichern, nicht zuletzt aus aktuellen Erfahrungen.

Die Fähigkeit, einen Diskussionsbeitrag von der Person zu trennen, die ihn leistet, ist eine Seltenheit. Wer 'böse' ist, hat Unrecht, egal, was er sagt. Was jemand sagt, wird grundsätzlich als Ausdruck seiner Befindlichkeit gewertet. Kann jemand nicht kühlen Kopfes und bei ruhigem Puls sehr deutliche Worte sprechen? Ist wohl denkbar, dass jemand mit einem dicken Hals und Puls 180 dennoch völlig sachlich bleibt?

Ich sehe was, ...

Oder, noch einfacher: Auf einem belebten Platz stehen an dessen vier ecken vier Menschen und schildern gleichzeitig, was sie beobachten. Können sie alle ehrlich sein und recht haben, obwohl jeder etwas anderes erzählt? Hat das etwas mit ihrer Einstellung zu tun, mit ihrer Laune oder ihrer Biographie? Kann jemand womöglich sogar freiwillig Dinge aus einer Perspektive sehen, die er gar nicht vertritt?

Für die allermeisten Diskutanten ist das zu hoch. Das hält sie aber keineswegs davon ab, sich im Recht zu wähnen. Mehr noch: Sie wissen alles über die anderen, die folgerichtig im Unrecht sind. Für sie gilt nur ihre eigene Erfahrung, ihre eigene Perspektive. Versuche, Dinge jenseits persönlicher Erfahrungen zu betrachten, lehnen sie ab. Das ist alles korruptes Teufelszeug, von Fake News über gefälschte Statistiken bis zur korrupten Wissenschaft. Es gibt keine Wahrheit außer ihrer eigenen.

Kantest du wen raus, weil er trollt, heult er, du ließest seine Meinung nicht zu. Haust du jemanden seinen Kommentar um die Ohren, weil er blödsinnig ist, fühlt er sich persönlich beleidigt. Es steht zwar geschrieben: "Du bist nicht gemeint, nur dein Kommentar"; aber wer liest schon, wenn er stattdessen selbst was schreiben kann?

Der Scharfrichter

Vernunft war einmal der Versuch, vom Besonderen zum Allgemeinen zu kommen und umgekehrt, und zwar auf der Basis von Regeln, die für alle gleich gelten. Dazu war es unerlässlich, persönliche Befindlichkeiten außen vor zu lassen - weil diese niemals gleich sein können. Ich fürchte, diese Haltung hat sich nie durchgesetzt. Im Gegenteil glaube ich eben, dass die Meisten das gar nicht können.

Hier wird es dennoch weiterhin um die Sache gehen, und der große Diktator am Zensurknopf wird weiterhin danach urteilen, was geschrieben steht und ob es zur Sache beiträgt. Dabei ist er gleicher als die anderen, weil den Job sonst keiner machen kann, was wiederum technisch bedingt ist. Paradox wie das Leben so spielt, werde ich weiterhin versuchen, so etwas wie Vernunft in den Diskussionen zu ermöglichen - egal, wer sich dadurch beleidigt fühlt.

 

Wer's braucht ... Feynsinn ist ab sofort über https erreichbar.

Jetzt neu: Gar nich wahr. Funzt net. Siehe Kommentare.

 
lm

Ich habe aus den Texten zum "deutschen Narrativ" inzwischen einen zusammenhängenden von ca. 120 Seiten gemacht, die man so veröffentlichen kann. Darauf aufbauend kann man auch mehrere Bände machen; ich finde es fast schwieriger wegzulassen als aufzuschreiben, aber bis hierher ist das Format glaube ich ganz brauchbar.

Selbstverlag kickt mich irgendwie nicht so; ich fände es schön, wenn da jemand drüber schaute, der das kann, und so eine Infrastruktur ist ja auch nicht das Schlechteste. Ich kann auch über einen eigenen Server ein e-Book anbieten, aber auch da wäre es mir recht, wenn das Ganze Dunstkreis und Filterblase überschreiten würde.

Reichweite bringe ich fast schon selbst genug mit - der Artikel "Was ist ein Narrativ" (wahrlich nicht der beste, aber mit einem recht kugelfreundlichen Titel ;-) ist mit bislang 45.000 Direktaufrufen ziemlich weit vorn. Alsoo: Wer einen freundlichen Verleger kennt oder wen kennt, der einen kennt, sich verschafft oder in Umlauf bringt, sei gepriesen, wenn ich es erführe. Wenig hilfreich sind jetzt Zurufe, wie ich doch selbst eine Pappe rausbringe oder Adressen von Verlagen, zu denen kein Kontakt besteht. Okay, wenn jemand meint, da draußen gebe es einen, der das quasi veröffentlichen muss ... aber nur dann! [Was hast du getan, Trottel? Säzzer]

Ich tu' mal noch nen knappen Exposé dazu:

Das deutsche Narrativ

Der Text ist ein Versuch, möglichst kurz (er ließe sich auf ein Vielfaches ausweiten) eine Geschichte der Deutschen in ihrer Bundesrepublik darzustellen: das Selbstverständnis, wiederkehrende Elemente der großen Erzählung und ein Blick darauf, was dahintersteckt.

Zunächst wird versucht, das Wort „Narrativ“ zu erklären. Im Verlauf geht es dann um konkrete Teile der Erzählung: Wie die BRD aus dem Dritten Reich hervorging, wie in kürzester Zeit „Demokratie“ wurde, was kurz zuvor noch Nationalsozialismus war – mit demselben Personal; Ein Überblick über die Jahrzehnte von der Nachkriegszeit bis heute; die Geschichte eines Landes, das durch seinen Antikommunismus und seinen Wirtschaftsglauben zusammengehalten wird. Die großen politischen Ereignisse werden eingeordnet so wie der Weg von der „Sozialen Marktwirtschaft“ in den Neoliberalismus. Einen hohen Stellenwert wird die Auseinandersetzung mit dem Holocaust haben. Dieses und andere Themen finden sich nicht zuletzt in den großen Reden deutscher Politiker, von Konrad Adenauer über Philipp Jenninger bis hin zu Roman Herzog.

Im Hintergrund finden sich ungebrochene Traditionen und ideologische Momente, religiös wie politisch. Man kommt nicht umhin festzustellen, dass vor allem eine wirksame Auseinandersetzung mit dem Faschismus, seinen Wurzeln und seinen Hinterlassenschaften bis heute nicht stattgefunden hat.

Versuch macht kluch ...

 
udowahrSich alt zu fühlen, hat mit vielem zu tun. Dass ich noch ungeheuer gut aussehe und fit bin wie mit Ende 20, versteht sich, das ist nicht das Problem. Was mir oft auffällt, ist dass ich mich übersetzen muss, wenn ich mit Jüngeren rede. Meine Jugend ist die Zeit, die die 50er waren, als ich jung war. Man muss sich klar machen, dass das vermeintlich Selbstverständliche für andere bereits Geschichte ist. Etwas, das sie nicht erlebt haben und für das sie sich interessieren oder eben nicht.

Den ersten Underdog habe ich vor zehn Jahren verliehen. Die Älteren wissen, was die Jüngeren nicht wissen können, dass es nämlich einen Anlass gab. Mario Sixtus, einer der ersten Alphablogger, hatte sich in die Jury des neuen Grimme Online Awards berufen lassen, sich dabb nachnominiert und und daher konsequenterweise auch selbst ausgezeichnet. Dazu ist er fix aus der Jury zurückgetreten, sonst wäre das ja Mauschelei gewesen. *

Yo, dachte ich mir, als angehender Betablogger kann ich das auch und bilde gleich die gesamte Jury. Diese meine Macht nahm ich wahr, um mich vom damaligen Weltherrscher mit einem weiteren Preis behängen zu lassen, während ich ihm den Publikumspreis zuschanzte. Das Publikum war ich. Alle sind bis heute sehr zufrieden mit diesem transparenten Verfahren. Die bisherigen Preisträger sind:

2007: Kiesow (dauerhaft down)
2008: Hokey's Blog
2009: Der Morgen (nicht mehr betrieben)
2010: Notizen aus der Unterwelt
2011: Die roten Schuhe (nicht mehr betrieben)
2012: daMax
2013: Alarmknopf (nicht mehr betrieben)
2014: Kiezneurotiker (gelöscht)
2015: Die Wahrheit über die Wahrheit
2016: Radikale Heiterkeit

Tzia, die Hälfte existiert schon nicht mehr. Im Neuland werden wenige alt. Gesucht wird auch dieses Jahr wieder ein Blog, das sein verdientes Millionenpublikum noch nicht erreicht hat. Kriterien sind: Ich muss es irgendwie geil finden und wenn möglich, soll es noch nicht gar so viel Zulauf haben, damit ich ihm den ersten Schwarm Trolle zuführen kann. Ein bisschen Spaß muss sein. Na kommt, gebt euch Mühe; meine Blogroll kenne ich selbst.

*Text geändert. Ursprünglich hatte ich einen anderen Blogger genannt, der aber nur für eine andere Panne verantwortlich war. Mein Gehirn hatte sich eh schon gewundert, begehrt aber selten auf, weil es um seine Unzulänglichkeit weiß.

 
sn

Vor Jahren haben einige hier gesagt, es sei wichtig, sich gelegentlich zu wiederholen. Das einmal Gesagte verliert nicht an Gültigkeit, wird aber ggf. vergessen, und es gibt immer Menschen, zumal jüngere, die es nicht gelesen haben.
Das Ganze ist ein Art Verlegerarbeit. Ich habe mir heute angeschaut, was ich in den vergangengen zehn Jahren so zum Frühlingsanfang gepostet habe. Eine recht interessante Mischung:

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Das beginnt immer mit der irrwitzigen Ankündigung, es schaffe Arbeitsplätze, wenn man Arbeitslosigkeit anders verwalte. Dann kommt grundsätzlich ein Vorschlag, wie man denen, die nichts haben, noch etwas wegnimmt. Schließlich werden alle, die eh schon den Kürzeren gezogen haben, gedemütigt und für alle wirtschaftlichen Probleme des aktuellen Jahrzehnts verantwortlich gemacht.

"
Am liebsten würde man Arbeitnehmerrechte ganz abschaffen. Dazu ist nicht nur die ‘Gesetzgebung’ aus der Feder des VW-Managers Hartz hoch willkommen, mit der man Arbeitslose in prekäre Arbeitsverhältnisse treibt. Wie sollen wir im globalen Wettbewerb bestehen, wenn wir Gewerkschaften zulassen?

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Eine Airline, die kuschelweiche fliegende Gefängnisse baut, um die “Schüblinge” weich auf den Boden von Elend und Verfolgung zu verfrachten, ist das, was vom Humanismus übrig bleibt, wenn die Marktwirtschaft zuschlägt. Man fragt sich da tatsächlich: Ist der Schlagstock, der die Nase des Opfers zertrümmert, nicht wenigstens ehrlich?

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Das unerträgliche Wiederkäuen kuhjournalistischer Stupiditäten wie die Behauptung aufwendiger Recherche will niemand mehr hören. Jörges mag beim “Stern” eine Qualitätsoffensive erkennen wollen, die das Niveau der Hitlertagebücher überbietet. Daraus sollte er freilich nicht die Lizenz zum Steinewerfen ableiten.

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Wenn nun Fukushima ein Anlass war, die AKWs hierzulande mit anderen Augen zu sehen, sollte dieser GAU der Lobbyisten erst recht ein Anlass sein, endlich Gesetze gegen Korruption zu verabschieden. Aber wer sperrt sich schon gern selbst ein?

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Sie zieht es vor, sinnlose Eingriffe in die Freiheitsrechte vorzunehmen, wenn es dem Empörungs-Management dient. Diese Strategie hat noch jede Diktatur gewählt, um einen Fuß in die Tür zu den Bürgerrechten zu bekommen. Was hier “verboten” wird, ist nicht das Verbrechen, sondern die Freiheit, die auch das Verbrechen ermöglicht.

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Allein Deutschland hat bislang etwa 36 Milliarden Euro in das Wohlergehen der Afghanen investiert. Einige danken es uns, indem sie in die europäischen Sozialsysteme einwandern®. Aufgrund der demogeographischen Lage führt ihr Weg häufig über Griechenland, wo wir derzeit äußerst wenig Verständnis aufbringen für die Anspruchshaltung® von Wirtschaftsflüchtlingen. Da wundern sie sich darüber, dass sie eher von privaten Organisationen der Volkshygiene betreut werden als dass sie Hilfe von der Polizei erwarten dürfen. Die Hoffnung auf letztere belegt im übrigen eine grobe Unkenntnis der europäischen Kultur und damit wiederum bereits einen erkennbaren Unwillen zur Integration. Das wird man doch wohl einmal sagen dürfen.

"
“Hilfe” und “Rettung” sind die Titel für die Prügelei um die letzten Plätze auf dem Floß, dessen Passagiere sich am Ende gegenseitig fressen werden. Das ist der “Linksruck”, das bedeutet “Sozialdemokratisierung”. Die Frage an die Hinterbliebenen ist offen: Wohin treibt es uns?

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Das bürgerlich-gemütliche Geschwalle, das manche nur mehr ablassen, nachdem sie sich die Hörner jugendlicher Attitüde abgestoßen haben, zeichnet sich nicht durch eine 'falsche Gesinnung' aus, sondern durch Langweiligkeit.

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Die Marktmacht in Kombination mit Eingriffen in die Freiheit der Rede ist schädlicher als staatliche Zensur. Kein Grund nachzudenken, Facebook ist nämlich cool und gratis!

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Selbstverständlich haben die Amerikaner gewusst, was sie da gezüchtet haben, und sie haben eine Menge von ihnen gelernt. Den flexiblen und phantasievollen Einsatz der Folter etwa. Dass ein Feindleben nichts wert ist zum Beispiel. Dass eine Weltmacht keine Skrupel gebrauchen kann. Die Five Eyes sind da schon ziemlich weit, da kann sich Deutschland nicht lumpen lassen, schließlich ist die GeStaPo unser Ricola.

 
Es ist Herbst; Zeit wieder ein wenig zurück zu schauen und in eine kleine Bettelei zu münden. Feynsinn ist beinahe unbemerkt ins zwölfte Jahr gegangen, da tragische Umstände keine Geburtstagsfeier zuließen. Am 26.09. wurde das Blog elf, am Morgen darauf ist Uena gestorben, meine liebe Frau, die ich in den zweieinhalb Jahren davor betreut und gepflegt habe. Die staatliche Unterstützung häuslicher Pflege ist ne dolle Sache, zuletzt gab es immerhin 65 Cent/Stunde bei einem 24/7-Job. Wir haben doch den besten Sozialstaat der Welt!

Immerhin haben mich die paar Moppen, ein bisschen Substanz, Hilfe von Freunden und einige Dollar für ein paar Texte mäßig über Wasser gehalten. Inzwischen kommt noch weniger rein, ich brauche also Anfang nächsten Jahres dringend einen Job. Bis dahin und ggf. darüber hinaus muss ich mich mit Kleingeld und Spenden durchschlagen. Herzlichen Dank an dieser Stelle an alle, die Feynsinn schon unterstützt haben und ein kleines Zaunpfählchen für solche, die es auch erwägen. Spenden Sie jetzt, denn schon morgen kann Hillary dem Iwan zeigen, wie ein toughes Weib der Welt den Frieden® bringt.

Update: Fast vergessen, der Putin des Tages with no comment.

Viele hier kennen sie noch als Kommentatorin. Nach zweieinhalb Jahren Kampf hat sie es am Dienstag Morgen geschafft.
Sie war die "für mich Maßgebliche" aka fmM, mein Mensch, meine Partnerin, meine Liebe, meine beste Freundin und schärfste Kritikerin. Sie lebte in meiner Welt.
Erst der Tod hat uns geschieden. Vermutlich eine unerhört schöne Erfahrung, die ich irgendwann so sehen kann. Fürs erste bin ich fassungslos.

 
lw

Broken Hartz ... irre witzig, oder? Hahahaha. Der Dezember steht vor der Tür und damit das Ende meiner friedlichen Kooperation mit dem Vorhof der Hartzhölle aka "Arbeitsagentur". Eine Erfahrung, die man mal machen kann. Das ganze System ist blödsinnig, eigentlich glaubt niemand daran, dass es etwas taugt, man macht auf beiden Seiten des Schreibtischs gute Miene zu dem Quatsch, folgt dem Ritual und lässt sich leben, wenn man klug ist.

Das Sachbearbeiter tut seine Pflicht und druckt Papiere aus wie "Vermittlungsvorschläge", die qua Gesetz keine Vorschläge sind, sondern Befehle und zur "Vermittlung" vollkommen untauglich. Das Kunde tut seine Pflicht und simuliert "Bewerbungen", die keine sind, weil es den Job nicht will und ihn ohnehin nicht kriegt. Dafür gibt es für beide Seiten am Ende des Monats ein Schmerzensgeld. Für die eine allerdings nur zwölf Monate lang.

Hartz funktioniert

Was danach kommt, wissen wir alle. Ich selbst habe es als Begleitung bei einigen Besuchen im "Job Center" erlebt. Das braucht kein Mensch. "Hartz 4" funktioniert. Die einen werden schikaniert und gezwungen, ihres spärlichen Vermögens und ihrer Bürgerrechte beraubt, die anderen verzichten auf die Sicherung ihres Existenzminimums. Zu letzteren gehöre auch ich. Ich werde dann nur noch "selbständig" sein, und sollte mich die Künstlersozialkasse aufnehmen, könnte ich so gerade eben über die Runden kommen. Als kleiner Selbständiger killt einen sonst nämlich zuerst die Krankenversicherung.

Man lebt ansonsten ziemlich von der Hand in den Mund. Ein paar Seminare hier, ein Text dort, ein Zubrot woanders. In diesem Jahr waren die Spenden fürs Blog nicht zahlreich, aber großzügig. Danke dafür! Ich bemühe mich zwar stets, mich in den Kommentaren mit allen zu zanken, deren Äußerungen mir kritikwürdig erscheinen, meine sture Leserschaft lässt sich davon aber partout nicht vergraulen. Danke auch dafür. So weit die Vorrede für den dezenten Hinweis, dass eure Spenden nie so wertvoll waren wie heute.

Ich werde übrigens trotzdem auch künftig weder Amazon-Links plazieren noch Pillepalle nutzen. Auch wird es hier keine Ads oder sonstiges Generve geben. Das ist einfach keine Gegenleistung für Glaubwürdigkeit, die ist teurer. Was ich allerdings einführen werde, ist erweiterter Katzencontent. Warum, das habe ich vergessen; vermutlich waren es diese Stimmen, die mir das befohlen haben. Die meinten jüngst, man solle das nicht so furchtbar wichtig nehmen mit der Menschheit, es bleibe noch viel Schöneres, wenn die sich zum finalen Abgang entschlossen habe. Dann zeigten sie mir diesen Leierschwanz (Klick aufs Bild führt zu Youtube). Ich glaube, sie haben recht.

 
cm

Ich habe mit wachsendem Unmut die letzte Diskussion hier mäßig durchgestanden, und wenn manche hier wüssten, was ich so denke, wären sie sehr glücklich über meine höfliche Wortwahl. Was mir ungeheuer auf den Sack geht, ist Ignoranz gegenüber bereits formulierten Statements und dem Stand der Diskussion. Man muss hier nicht alles gelesen haben, aber sich bitte einmal darüber orientieren, wo man ist.

Nun gibt es auch solche, die haben es etwas schwer mit dem Nachvollziehen anderer Meinungen, aber spätestens, wenn es an der Logik hapert, ist es nicht mehr angezeigt, andere zu belehren. Zum Thema "Korruption" hatte ich das nicht zum ersten Mal, dass argumentiert wurde, 3+3 könne nicht 6 sein, weil 1+5 ja schon 6 sind. Konkret muss ich mir immer wieder anhören, Korruption könne nicht charakteristisch für Kapitalismus sein oder es könne keine spezifisch kapitalistische Korruption geben, weil es auch jenseits desselben welche gebe.

Das Zebra, ein Tiger mit Hufen

Kapitalismus fördert Hierarchien, die besonders korruptionsanfällig sind. Gibt es auch Hierarchien jenseits des Kapitalismus? Ja. Ist das ein Gegenargument? The fuck, no! Es gibt extreme Armut und extremen Reichtum im Kapitalismus. So extrem wie in keinem anderen System. Das macht Korruption nachgerade zur Selbstverständlichkeit. Aber selbst wenn es woanders auch solche Extreme gibt, ist das ein Gegenargument? Nein.

Kapitalismus ist das einzige globale System, und in dem ist Macht verflüssigt. Natürlich kann mir eine Frau Sex anbieten, damit ich ihren Mann kille oder für sie eine Kuh stehle. Das ist auch Korruption. Das Potential aber, sämtliche Systeme zu korrumpieren, und zwar ohne dass noch das Mittel dazu (Geld) verschwunden geht, gibt es nur im Kapitalismus. Ich mag an dieser Stelle nicht die Diskussion über theoretisch andere Modelle von Geldwirtschaft führen, denn die sind m.E. erstens auch nur noch als Kapitalismus denkbar, und zweitens gibt es nicht ganz zufällig kein anderes (mehr).

Gerade in dem Zusammenhang, in dem ich das Problem Korruption häufig nenne, nämlich als Gegenkraft zu allen guten Wünschen und Vorstellungen, die innerhalb des Kapitalismus ansetzen, hier vor allem Keynesianische, ist das doch offensichtlich. Kapitalismus ist zu korrupt, um Mehrheiten unter den Entscheidern zu finden, die ihn begrenzen. Warum entscheiden immer wieder Funktionäre gegen ihre 'Basis' und die Programme, für die sie gewählt wurden? Weil sie die Wahl haben, sich mit der kapitalistischen Elite anzulegen oder von ihr zu profitieren und sich im Glanz der Macht zu sonnen.

Korruption als System

"Korruption" kommt übrigens von "Bestechung". Jemand wird bezahlt, um dafür etwas zu tun. Das nennt sich heute auch "Lohn". Das Beste aber ist, dass diese Art der Korruption auf jeder denkbaren Ebene abläuft und schon in den Köpfen verankert ist. Als "fairer Wettbewerb" zwischen Monopolbildung und Preisabsprache. Als Stöckchen vor dem Kopf, dem Traum vom Lottogewinn; die Zustimmung zur Ungleichheit ausgerechnet bei den Ausgebeuteten, das ist die finale Korruption, für die man so ein System erst mal erfinden müsste. Korrupter geht nicht. Es sei als Ergänzung noch erwähnt, dass sich die Staaten als oberster Eigentumsschützer noch Geheimdienste und Militär halten, um "Handelswege zu sichern", denn Macht im Kapitalismus kennt keine Grenzen.

Hinzu kommt, dass ich in den Diskussionen hier seit Jahren betone, ein nichtkapitalistisches System müsste auf allen Ebenen die Möglichkeit von Korruption eingrenzen. Daran erkennt der Halbgescheite, dass ich nie behauptet habe, es gebe nur im Kapitalismus Korruption. Es ist allein daher schon befremdlich, mir das zu unterstellen. Der Clou hier ist, dass es im Kapitalismus schlicht paradox ist, Korruption bekämpfen zu wollen. Da lacht Herr Sisyphos.

So viel dazu. Ich hatte überdies angekündigt, die Nutzungsbedingungen hier einmal zu diskutieren und nachzufragen, ob die unverständlich sind. Siehe auch die FAQ. Das will ich an dieser Stelle dann direkt tun. Wie gesagt geht es mir darum, miteinander zu diskutieren und nicht aneinander vorbei. Das ist manchmal schwieriger als man sich das so vorstellt. Grundsätzlich erwarte ich also, dass man nicht in die Tasten haut, weil man ein Stichwort aufgeschnappt hat und sich mitteilen will, sondern erst liest, dann versteht und dann antwortet. Danke dafür.

 
frdw

Die Zeiten sind hart, und oft tut es mir leid, dass ich nicht umhin komme, das hier auch noch zu betonen. Obendrein bin ich aus privaten Gründen nicht so schrecklich unterhaltsam in den letzten eineinhalb Jahren. Hier ist Leben in jeder Hinsicht auf Notstrom, davor scheut die Muse wie das Reh vor dem Investor. Oder so. Sorry for that.

Immerhin, ich muss feiern, da hilft ja nix. Immerhin, das zehnte Jahr ist auch rum, und Kummer oder Jammern hin oder her, es ist noch immer nicht genug. Ich bin recht froh, dass ich Ende 2013 einen guten Dreh gefunden habe, mich nicht weiter unter Druck zu setzen, sodass mir das Blog inzwischen wieder guttut. Kann ich gut gebrauchen, und es ist kein großes Geheimnis, dass das an euch liegt. Die inzwischen gängige Bezeichnung "Opener" für meine Texte sagt da alles.

Those were the Days

Alle Jahre wieder ein Blick zurück. Das mache ich natürlich aus meiner Sicht, wie auch sonst. Vor zehn Jahren habe ich begonnen, die alte Idee eines politischen Tagebuchs umzusetzen, die recht bald zu einer Vernetzung mit 'linksliberalen' Bloggern geführt hat. Ich bin noch immer links und liberal (das kommt für mich von „Toleranz“), aber in den Jahren wieder bei Marx, einem anarchistischen Fundus mit radikaldemokratischem Einschlag und jenseits der parlamentarischen Demokratie gelandet. Andere trampeln auf der Stelle oder haben sich nach rechts in die transatlantische Gemütlichkeit verabschiedet. Farewell!

Was hatten wir nicht alles: Kommentarschlachten mit und ohne Trolle, Wahlaufrufe, Linksrutsche, Albereien, Stalker, Spender, Präsidentenrücktritte, beleidigte Journalisten, Kongresse, Relaunches, Duelle, Todesfälle, Blogschließungen, Drohungen, Blues, Pausen, Aufstieg und Abstieg, Kritiker, Anhänger, Neider, Gitarren, Bilder, Preise und die Diele des Grauens – um nur das Wichtigste in einer ausgeklügelten Reihenfolge zu nennen.

Eine große Zukunft

Auch nach zehn Jahren gibt es noch Ideen, die nicht zur Sprache kamen und Möglichkeiten, die nicht genutzt wurden. Die Friedhofsbank, auf der man wartet, bis man dran ist, steht woanders. Der Mensch lebt auch in einer Zukunft, die nach ihm kommt. Schmeichler haben mich mit Ossietzky und Tucholsky verglichen. Ich Pfau hab' mir einen drauf gehobelt, bis ich bemerkte, dass man mir wohl nur ein gewaltsames Ende wünschte. Die Einladung zum Suizid muss ich aber ebenso zurückweisen wie ein Ende als Märtyrer.

Neben dem ganzen Konfettiregen, der in den Kommentaren gleich über mir niedergehen wird, bin ich nach wie vor dankbar für Anregungen. Vielleicht mache ich ja sogar ein Fashion-und Beautyblog aus Feynsinn. Kommt, ihr wollt es doch auch!

p.s.: Bei der Gelegenheit einen besonderen Dank an meine edlen Spender und der dezente Hinweis auf die geänderte Kontoverbindung.

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