kollateralschaden


 
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Was ist das eigentlich für ein Wort, und in welcher behämmerten Welt lebe ich, in der jemand vom "postfaktischen Zeitalter" schwadronieren kann ohne dass ihm die Halsvenen explodieren? Die Bedingung der Möglichkeit dieses nicht einmal unpassenden Titels einer kaputten Epoche ist die totale Verblödung. Sagte er "Bedingung der Möglichkeit"? Wat dat denn? Intellektuelle Scheiße. Ja, richtig. Dergleichen findet keinen Salon mehr, in der Worte seziert und durchgedacht werden wie ein zähes Hirnsteak. Wo einmal die bürgerliche Aufklärung zu Kritik und Analyse strebte, trieft heute das Fett Sloterdijkschen Sozialdarwinismus’, bestenfalls Philosophische Fancy Fashion, präsentiert von Ihrem Schwiegersohn Richie Precht und Mäppelin Jade.

Wie kam das noch? Wartet, gleich sagt er wieder das K-Wort! Gemach, aber sicher. Als das Bürgertum den Adel als herrschende Klasse ablöste (Ja doch, mit Einschränkung. Selbstverständlich haben sie paktiert. Selbstverständlich hat sich nur ein Teil des Bürgertums tatsächlich an die Macht gekämpft), war Vernunft eine seiner Waffen. Klerus und Adel hatten Jahrhunderte lang den intellektuellen Fortschritt blockiert, nicht zuletzt weil die Dummheit der anderen ihre Macht sicherte. Nicht zuletzt, weil Aufklärung Herrschaft zersetzt, weil deren Rechtfertigungsstrategien unvernünftig sind, nicht logisch, falsch und erlogen - und zwar immer.

Der talentierte Organist

Deshalb ist die Beziehung von Aufklärung, Vernunft und Demokratie auch eine organische. Deshalb hat die Überwindung der Alleinherrschaft von Alleinherrschern Wissenschaft und Geist befreit. Deshalb werden diese unter der Ägide einer neuen Gewaltherrschaft in den Boden getreten und hinterlassen nicht einmal mehr eine neue Mythologie, sondern die Apokalypse. Der Antigeist geht um; Schwachsinn, Lüge, Psychose und Trollerei. Inhalt, Struktur und Sinn wurden einem vermeintlichen Zweck geopfert, der nicht einmal erreicht wird.

Vor den Kulissen werden Pappkameraden herumgetragen: Wenn man selbst nur mehr dummes Zeug propagiert, braucht es ersichtlich Geisteskranke, an denen man sich abarbeitet. Danke Internet, hier findet sich jede Art Idiot, die man zum Popanz aufblasen kann. Aluhut, Chemtrail, Ufologie - das sind die Quellen der Putinversteher. Verschwörungstheoretiker skandieren "Lügenpresse", woraus man nur folgern kann, dass die Presse die Wahrheit sagt. Dass übrigens in Zeiten wuchernder Geheimdienste und auffliegender Verschwörungen, Geheimverträgen und ausufernder Korruption der Vorwurf der Verschwörung denjenigen disqualifiziert, er ihn erhebt, Schwamm drüber. So macht's der Troll eben; weil er's kann und die Empörungsorgel beherrscht.

Das Mittel heiligt den Zweck

Es geht um Effekt, also Affekt. Es soll Wirkung erzielt werden. Man will etwas erreichen, und die Welt ist das Mittel dazu. Die ganze Welt, also folgerichtig auch die der Kommunikation, der Vernunft, der Logik, der Wahrheit. Das alles sind Instrumente, weiter nichts. Wahrheit ist das, was sich durchsetzt. Ein bisschen schummelt doch jeder. Tu' ich's nicht, tut's ein anderer. Man muss sehen, dass man nicht auf der Strecke bleibt. Das ist fairer Wettbewerb®. Die Konkurrenz aller gegen alle ist das allgemeine Gesetz. Vernunft war noch auf die Idee gemeinsamer Interessen angewiesen, war mit der Vorstellung allgemeiner Menschenrechte verbunden - auch weil dies eine Waffe im Kampf gegen die Erbhöfe war.

Inzwischen kann man sie nicht mehr gebrauchen. Im Gegenteil braucht die totale Konkurrenz wieder die stumpfe Blödheit des Glaubens an den Einzelnen. Diesmal sind es nur keine Fürsten mehr, sondern Milliarden Zerstreute, die alle ihr eigenes Reich zu bewirtschaften haben. Die Einen halt auf der Müllkippe, die Anderen im Marmorpalast. Das ist hetzutage eben so, und damit ist den Fakten Genüge getan. Ab hier geht es nur noch darum, wer Recht bekommt.

 

Doch es gibt Menschen, die den offiziellen Angaben nicht trauen. Sie wittern eine Verschwörung. Eine ihrer Theorien hat es nun in ein Fachmagazin geschafft.

Die Verschwörungstheoretiker wollen uns weismachen, die drei Gebäude, die von den beiden Flugzeugen pulverisiert wurden, hätten gesprengt worden sein können. Dabei weiß jeder, dass solche Sprengungen monatelang hätten vorbereitet werden müssen. Sprengung an den dafür vorgesehen Stellen: Braucht Monate Vorbereitung, die sich nicht verbergen lässt. Eine Tankfüllung Kerosin: Braucht ein paar Stündchen. Hätte man nur das Geheimwissen dieser Terroristen!

Wem das noch nicht reicht, der möge gefälligst zur Kenntnis nehmen, dass einer der Attentäter seinen Ausweis dabei hatte, der am Rande der Trümmer der Wolkenkratzer gefunden wurde. Beweis! Terroristen tun so etwas. Sie hinterlassen Ausweise und Abschiedsbriefe, die sogar das Inferno überstehen. Kenntnisse haben die, unglaublich! Eines der Gebäude fällt in sich zusammen, weil die Sprinkleranlage versagt. Es wurde zwar gar nicht von einem Flugzeug getroffen, aber es geriet dennoch in Brand. Das reicht für so ein sensibles Gebäude. Alternativ hätte man monatelang tonnenweise Sprengstoff hinfahren müssen.

15 Years After

Ich erlaube mir 15 Jahre 'danach' nur diesen Hinweis auf ein paar der dümmsten Ungereimtheiten aus der offiziellen Version. Sie ist schlicht indiskutabel. Ich zitiere mich:

" Wir werden in einigen Jahrzehnten eine gefestigte Ahnung davon haben, wer was wie getan hat. Bis heute weiß das niemand. Es gibt keine Zeugen. Es gibt keine ernsthaften und glaubwürdigen Untersuchungen. Niemand sagt: “Ich habe das geplant”. Niemand sagt: “Ich habe die Sprengladungen angebracht”. Und niemand sagt: “Ich habe Piloten ausgebildet, virtuose Manöver zu fliegen, um damit Gebäude zu rammen”. Niemand erklärt, wie drei Hochhäuser sich mustergültig aus dem Stadtplan verabschieden können, bloß weil sie gebrannt haben. Niemand macht einen Aufstand, weil so ein Schrott gebaut wurde und man täglich Tausende von Menschen einer tödlichen Gefahr ausgesetzt hat. Es gibt keinen vernehmbaren Schrei nach Aufklärung, es gibt keine Zeugen, die Fragen bleiben offen."

Ich habe bis heute die Diskussion über das Ereignis hier blockiert. Es war mir wichtig, nicht in den Strudel der Verschwörungstheorien beider Seiten zu geraten, die eine Diskussion gar nicht zuließen. Noch wichtiger war es mir, dass die Folgen des Anschlags in keiner Relation zum Ereignis stehen und dass der Tod tausender missbraucht wurde, um weiteren Millionen den Tod zu bringen. Es war das Ende des Rechtsstaats und der Menschenrechte im 'Westen'. Guantanamo, Abu Ghreib, weitere Foltergefängnisse, Drohnenmorde, Totalüberwachung, Kriege. Glaubt heute irgendwer, diese Herren hätten Skrupel?

Ich glaube, dass es lange genug her ist. Allmählich kann man sagen, dass man das nicht glaubt, nicht glauben kann, und zwar ohne sich dafür zum Psychopathen erklären zu lassen. Hier ein kollabierendes Gebäude, dort eine falsche Anschuldigung, da ein willkommener Putsch. Sie wollen Krieg und sie führen ihn. Dazu ist ihnen jedes Mittel recht.

 
bf

In der Frage, was der Blödsinn bezüglich Vorratshaltung wohl soll, finden sich in den meisten Antwortversuchen Hinweise auf die bedrohte Energieversorgung. Das große Netz ist großteils marode, jedenfalls sehr anfällig für Störungen, auch ohne Terror und Voldemort. Selbst wer so gar nicht außerhalb der Gegebenheiten denken mag, stellt hier fest, dass Infrastruktur massiv totgespart wurde. Entweder ist sie noch staatlich, und der darf ja kein Geld ausgeben, oder sie ist privatisiert, dann wird sie eh bis an die Kante 'verschlankt', ausgequetscht und das Gerippe dem Staat zum Wiederaufbau vor die Füße gespuckt.

Dies und die Monopolbildung bei den Energieversorgern ist ein klassischer Fall für die Kategorie "Kollateralschaden", denn so sieht es aus, wenn man partout kapitalistisch wirtschaften will. Derselbe Staat hat aber nach der gängigen Doktrin alles zum Ausschlachten den 'Privaten' zu übergeben (siehe Griechenland, da wird das Verbrechen besonders gut sichtbar). Jetzt wird also den Bürgern untergejubelt, sie seien selbst dafür verantwortlich wie es weitergeht, wenn einem der rostige Rest einmal so richtig um die Ohren fliegt. Nicht aus irgend einer Sorge, eher schon aus kalkulierendem Zynismus. Alles für das Wachstum®, alles für Profit.

Die Entscheidung

Die Abhängigkeit von den großen Netzen ist derweil völlig unnötig (Achtung, wir verlassen jetzt das Lalaland der Marktwirtschaft®). Das Kapital und seine verfassten Staaten füttern Großkonzerne für den Profit, so dass es nicht nur zu der üblichen Monopolbildung kommt, sondern mit Projekten wie Desertec zu Strategien einer imperialistischen Energiepolitik, die jeden Ansatz einer vernünftigen Politik mit Füßen tritt. Installiert werden Mammutkraftwerke in Mammutnetzen, beides für sich schon höchst empfindlich und angreifbar, zusammen und als Verwertungsmaschine eine gewollte Katastrophe. Man muss sich hier nur fragen, wem es schadet, wenn eine Infrastruktur zusammenbricht und wem es nützt. Wenn die Konzerne Profite rausquetschen bis es kracht und qualmt, wen wird man dann mit dem Neuaufbau auf wessen Kosten beauftragen?

Die Alternative wäre dezentrale Energieversorgung; kleine bis winzige Netze und 'Kraftwerke', das geht auch für einzelne Häuser. Es wird aber nicht gemacht. Im Gegenteil wird dergleichen gesetzlich verboten und Riesenprojekte mit Kapital von Staat und Unternehmen so eingedeckt, dass Alternativen sich nicht lohnen. Das Resultat: Es wird für alle teuer, unsicher, dreckig und bedrohlich - nicht zuletzt, weil sich immer mehr Menschen keinen Strom mehr leisten können; ganz ohne Russenpanzer und Alienattacke. Na, wer schreit jetzt wieder "man müsste nur wollen"? Nein, es ist wie immer eine Entscheidung: entweder Geld oder Verstand, entweder Profit oder Lebensqualität. Kapitalismus ist inzwischen ein gigantischer Klotz am Bein der technischen Entwicklung - wenn man darunter eine versteht, die noch irgendwem wirklich nützt.

 
sf

Okay, das ist schon so etwas wie das Ceterum Censeo der Dilettanten, von denen ihr uns regieren lasst: Wir brauchen mehr Überwachung aller Bürger, da die Täter alle aktenkundig waren. Wir brauchen mehr Aktenkunde, denn nur so lässt sich nie wieder ein Anschlag verhindern. Wir brauchen außerdem härrtere Strrafen, denn Selbstmordattentäter und Selbstmord-Amokläufer haben furchtbare Angst vor diesen Strafen. Wir müssen den Terror dort bestrafen, wo er keimt, nämlich im Nahen Osten, wo endlich der Sieg errungen werden muss. Mehr Militär, mehr Waffen, mehr Krieg.

Wir müssen mehr verbieten, brauchen schärfere Gesetze, denn wer sich illegal eine Waffe besorgt hat, dem muss das verboten werden. Wir müssen Messer verbieten, Äxte, Sägen, Rucksäcke, Feuerzeuge, Benzin, Nägel, Schrauben, Nagellackentferner, ach was Nagellack, selbstverständlich Radikalisierung, mithin Schriften, Videos, Texte, Internet. Sowieso Ausländer raus. So viel wie immer und vorab.

Kommen wir nunmehr zu Fragen, die nicht diskutiert werden, weil sie nicht ins religiöse Weltbild der Feindrechtler und ihrer verblödeten Presseheinis passt:
Warum sprengt sich ein junger Mann in die Luft, erschießt sich ein anderer, lässt sich der nächste erschießen? Was führt dazu, das ist exakt die richtige Frage, "dass ein Amoklauf wie eine valide Handlungsoption aussieht"?.

Optionen

Ich überspringe einmal die Option, Menschen einfach nicht mehr zu bombardieren, womit ein Großteil des Jobs getan wäre. Für die Zukunft ist das der heiße Tip, für den es sogar überwältigende Mehrheiten gibt. Da wir uns aber bereits in die Bredrouille gemordet haben, sind die Entwurzelten und Traumatisierten eben hier. Wie wäre es da mit ... Integration? Auch hier wieder ein Sprung, denn man hätte das alles kommen sehen und sich vorbereiten können. Stattdessen kam das Merkel und meinte, mal eben eine Gesellschaft einladen zu müssen, für die es weder Tische noch Stühle gab.

Kurz noch eine Parallele: Dieselbe Politik, die sich einen Dung für Menschen interessiert, dafür um so mehr für die geostrategischen Interessen der westlichen Geldwertegemeinschaft, hat es als opportun betrachtet, sich auf Erdogan einzulassen. Prima, jetzt paktieren wir also mit einem eiskalten Diktator. Das ist nicht nur für sich ein Schlag ins Gesicht, es steht auch in Verbindung mit der schon traditionellen deutschen Blödheit, sich Fremde ins Land zu holen und dafür zu sorgen, dass sie fremd bleiben.

Wir haben allein fast 3 Millionen Menschen hier, die Wurzeln in der Türkei haben. Wir haben sie hierher geholt, um die Löhne schön knapp zu halten und Drecksarbeit zu machen; dafür haben wir sie in Ghettos leben lassen. Sie haben sich dennoch sehr weitgehend integriert. Sie, nicht wir, obwohl es ein Prozess auf Gegenseitigkeit sein sollte. Was wissen wir nun von ihnen? Wie steht es um den Kontakt des Establishments zu diesem Teil der Bevölkerung? Oh! Jetzt liegt es in der Luft, dass ein Teil von denen auf einen anderen losgeht. Wissen wir nicht, denn wir kennen sie nicht und wir wissen nichts von ihnen.

Sowas von sowas

Und weil sich eben keiner, der sich in die Marmorhallen tragen lässt, sei es als Erbe oder als Funktionär und Lobbydiener, Gedanken um Menschen und deren Probleme macht, kennen sie nur ihr Business und das, was es gefährdet. So sagen sie es auch: Das sind Gefährder, Gefahren, Kriminelle. Denen kommt man eben mit Härte, Gewalt und Verboten. Heute lockt man sie her, morgen will man sie schon wieder abschieben.

Das alles schließt an den ebenfalls schon traditionell eifersüchtigen und unsolidarischen Umgang an, auf den die Menschen regelrecht gedrillt werden. Man ist etwas Besseres, immer, und dazu muss jemand schlechter sein; durchgefallen, ausgeschlossen, besiegt, abgewertet. Womit sich der Kreis schließt: Wer sich immer und immer wieder als Verlierer erlebt in einer Gesellschaft, die nur die Siegerpose erlaubt, wer sich permanent bewerben muss und dessen Hochglanzbroschüre ihn immer noch zu schlecht aussehen lässt, was hat der für Optionen?

Die Reaktionen der so dressierten Nationalbürger sind in diesem Zusammenhang verständlich. Sie erwehren sich der fremden Gefahr. Sie sorgen dafür, dass ihr Teil vom Kuchen namens "Neid" nicht den Anderen zufällt. Sie tun etwas, wo jene, die ihnen das eingeimpft haben, nur schwätzen, und sie haben erfolgreich verinnerlicht, dass erst das Ego kommt und dann der Mensch. Blöd nur, dass die Lage damit außer Kontrolle geraten ist, nicht mehr beherrschbar. Selbst das Prinzip Divide-et-impera trägt nicht mehr. Es bleibt das nackte "Divide" mit seinen wenig überraschenden Folgen.

 
la

An Tagen, an denen es für die beginnende Altersweisheit zu heiß ist, beschleicht mich regelmäßig die Verzweiflung. "Gamification" ist so ein Phänomen, das löst in mir die ganze Batterie der Wünsche aus. Ich wünsche ihnen, dass sie für den Rest der Ewigkeit auf Wesen ihrer eigenen Intelligenz angewiesen sein werden. Nein, schlimmer: Ich wünsche ihnen, dass sie in einer Welt leben müssen, in der alle so beschränkt sind wie sie selber und in der es auch nichts gibt, dass jemand mit einem höheren Grad an Orientierung geschaffen hat. Sie sollen in einer exklusiven Gesellschaft von Idioten leben, in der ihnen niemand mehr den Arsch abwischt.

Was hilft's, wir müssen das analysieren. Es lassen sich also Massen von Smartfonnutzern dazu abrichten, virtuellen Tierchen hinterher zu rennen, was zu entsprechenden Ansammlungen führt. Du kannst ihnen sagen, dass ein übermächtiger Staat alles über sie weiß, ihre Kommunikation speichert und zensuriert, dass ein paar Kilometer weiter das nackte Elend herrscht und langsam auf sie zu kriecht, das interessiert sie einen Dung. Aber wenn in ihrem verfickten Streichelbrett ein mies gezeichnetes Comictier sich anschickt zu erscheinen, rennen sie meilenweit dafür, massenhaft und wie die Lemminge. Ach ja, zu gewinnen gibt es auch was. FACE. PALM!

Dingsbums befiehl ...

Okay, das war noch nicht die Analyse. Was sind das für Menschen, was zeichnet sie aus? Am Ende dasselbe wie die Zyniker, die sie umher laufen lassen: Sie hinterfragen nicht für einen Cent den Sinn ihres Handelns und ebenso wenig die Konsequenzen. Sie sind, da hat Fefe völlig Recht mit seinem Vergleich, Befehlsempfänger, die sich von einer Maschine vorgeben lassen, was sie tun sollen und glauben, das sei gut für sie. Ich will gar nicht hören, welche irren Ausreden aus solchem Gewürm kommen, wenn man sie darauf aufmerksam macht.

Er hat "Gewürm" gesagt, wie die Nazis! Ja, was soll ich denn machen, wenn Vertreter einer Spezies mit dem Potential zu Verstand und Vernunft sich benehmen wie Amöben? Wir streiten uns, so wir politisch, sozial, oder geisteswissenschaftlich denken, um Konzepte von Vernunft, Individualität und Freiheit, und eine Masse von Sprallos bittet ersichtlich darum, von irgendwem oder irgendwas möglichst sinnfreie Befehle zu erhalten, ohne eine Sekunde über die Folgen nachzudenken. Was Gamification repräsentiert, ist dabei dasselbe, was in der großen Masse zumindest schlummert: die Sucht nach starken Männern, das anbeten von Autorität, die dümmlichen Vereinfachungen, Stereotypen, Vorurteile, die allesamt nur der Flucht dienen - vor den Mühen, sich als Individuum in der Welt zu orientieren.

Endgegner Auschwitz

Die Katastrophe besteht nun darin, dass auf dieser Individualität und deren blöde wiederholten Behauptung das ganze Konzept von Demokratie und bürgericher Gesellschaft fußt. Die Lebenslüge der kapitalistischen Gesellschaft und ihrer Freiheit findet inzwischen Ausdrucksformen wie Hammerschläge in die Fresse. Kann das dann vielleicht auch mal jemand zur Kenntnis nehmen? Erinnert sich wer:

"Die einzig wahrhafte Kraft gegen das Prinzip von Auschwitz wäre Autonomie, wenn ich den Kantischen Ausdruck verwenden darf; die Kraft zur Reflexion, zur Selbstbestimmung, zum Nicht-Mitmachen“ ?

Gibt es vielleicht einen Zusammenhang zwischen dem Wildbrand politischer Brutalität, der entsetzlichen Dummheit unkritischer Konsumenten und dem völligen Versagen bürgerlicher Bildung? Ich rede hier nicht von romantischen Vorstellungen von Menschwerdung, sondern von einer weiteren Form, in der der Kapitalismus sich selbst in seinen Grundfesten zersetzt. Die übelsten vorzeitlichen Tyranneien konnten die Freiheit nicht annähernd so gründlich zerstören.

 
ln

Kollege Pantoufle wirft fahrlässig mit Konfetti um sich, weil ein paar Physiker behaupten, es sei jetzt aber endgültig irre wahrscheinlich, dass sie Gravitationswellen nachgewiesen hätten. Ich bin ja der Ansicht (womit ich ausdrücklich nicht den Kollegen meine), dass Leute, die sich noch nie mit Gravitation befasst haben, dergleichen nicht lesen müssen und schon gar nicht schreiben dürfen. Sonst kommt dabei herum, dass es ein deutscher, ein deutscher ein deutscher!!! Laser war, der das gemessen hat. So kommt der Laser zum Leser. Ich halte die bisher bekannt gewordenen Fakten für wacklig - sprichwörtlich. Zudem meldet der "Spiegel" das, was immer ein Indiz für eine Ente ist, und erblödet sich der Forderung eines "schnellen" Nobelpreises. Das hat sich ja schon bei Obama bewährt.

Ich kommentierte heute, ich sei früher immer Hintertorwart oder Ball gewesen, wenn Fußball gespielt wurde. Hier möchte ich ergänzen, dass ich dereinst mit meiner ersten Freundin am Strand lag, in den Sternenhimmel schaute und über die Rotverschiebung im Spektrum sich entfernender Lichtquellen sinnierte. Eine dieser Geschichten ist möglicherweise wahr, zumindest signifikant wahrscheinlich.

Vorwärts immer, rückwärts nimmer

Ich wollte aber auf etwas ganz anderes hinaus, nämlich auf die sogenannte "Wissenschaft" der Politologie. Was die so an Wissen schafft und ausspuckt, ist mit signifikantester Wahrscheinlichkeit peinlicher Blödsinn, die Systemtapete in den geschlossenen Räumlichkeiten eines psychotischen Paralleluniversums. So ungefähr wie "Being John Malkovich", nur mit Sigmar Gabriel anstelle von John Malkovich. Vor einigen Jahrzehnten trug ich einmal die Idee vor, soziale Systeme, zumal politische, müssten redundant sein, wenn sie nicht zwangsläufig im Innern zuwuchern und als Schwarzes Loch enden sollen. Will heißen: Eine Gesellschaft, die ihre Entwicklung und deren Prozesse nicht revidieren kann, wird instabil und zerstört sich selbst.

So weit, so Idee. Keine große, sondern historisch fast beliebig nachweisbar, das, was wir gerade wieder erleben und sowieso banal. Wo, frage ich mich jetzt, bleibt also die wissenschaftliche Forschung zu der Frage, wie sich Gesellschaft so formieren kann, dass sie fatale Prozesse erkennt, revidiert und korrigiert anstatt wie doof ins Verderben zu laufen? Man lacht sich ja tot, wenn man aus diesem Blickwickel so etwas wie Kapitalismus betrachtet. Ach, ihr meint, genau deshalb fragt sich das niemand an den Brutstätten solcher 'Wissenschaft'? Na gut, ich geh' dann mal wieder hinters Tor.

 
bh

Ich habe bei einigen Gelegenheiten bereits darauf hingewiesen, dass Vernunft oder das bessere Argument kaum eine Rolle spielen in 'Diskussionen', am ehesten noch die einer Staffage, einer chicen Applikation. Klaus Baum hat zu diesem Komplex angemerkt, er gehe davon aus, dass die Dummköpfe in dieser Gesellschaft "gezüchtet" werden. Das mag sein, aber vielleicht wird umgekehrt ein Schuh draus.

Die europäische "Aufklärung" fiel ineins mit einer revolutionären Phase, die Jahrtausende der Autorität zum Teufel jagte. Eine der scharfen Waffen der Revolution war die Vernunft, das Argument, das an die Stelle der göttlichen Ordnung trat. Man hatte sich zu legitimieren durch Gründe, nicht durch die schiere soziale Stellung. Diese Ehe von Vernunft, Argumentation und verbalem Streit manifestierte sich in den "Parlamenten", in denen fortan politisch gestritten wurde.

Wen interressiert's?

Das ging so ein bis zwei Jahrhunderte gut, bis die "Vernunft" in den Institutionen so abgenutzt und korrumpiert war, dass von ihr nur mehr ein Kult übrig war. Hie die "Propagandaministerien", dort die Ansprache an den Instinkt aka "Werbung", verlor das Wahre jede Majestät. Die bizarren Lügen der neuen Herrscherkasten, seien es sogenannte "kommunistische", Faschisten oder biegsame Profiteure, die sich noch mit jedem Regime arrangiert haben, aus ihnen sprach die Macht und was sie kund zu tun hatte, so wie in den Jahrhunderten zuvor schon Klerus und Adel.

Es mag sein, dass befeuert durch die Schrecken zweier Weltkriege, die Wahrheit in Form eines sich kritisch versuchenden Journalismus und eines noch einmal um das Wahre und Rechte bemühten Parlamentarismus eine Renaissance feierte. Zu deutlich war geworden, wohin eine von der Macht entstellte Wahrheit führt. Es dauerte aber nicht lange (mit einem Intermezzo in den späten 60er Jahren, als die Jugend massenhaft am Schleier zerrte), bis der Reflex, das industriell perfektionierte 'Argument' und das virtuose Spiel der professionellen Lügner mit den Hormonen der Massen neue Dimensionen erreichte.

Ja, die Dummköpfe werden gezüchtet, vor allem, weil Wahrheit und Vernunft so langsam und ineffizient sind. Da mag der Geist sogar um die Sache wissen, er mag völlig klar sein in seinem Urteil; wo die Reflexe unter dem Dauerfeuer von Zeichen, Verlockungen und Triggern stehen, kapituliert der Verstand schon allein deshalb, weil er das Tempo nicht mitgehen kann. Niemand hat ein Interesse an der Wahrheit. Das aber ist es, was zählt: Interessen. Es gibt keine Klasse mehr, der Vernunft und Wahrheit dienlich wären. Im Gegenteil müssen inzwischen alle Angst vor ihr haben, weil sie ausspricht, was niemand hören will: Dass die Menschheit versagt hat.

 
Hier und bei allen, die ihren Verstand nicht im Club der Hurras abgegeben haben. Pantoufle bringt es schmallippig auf den Punkt. Von mir dazu nur einen Satz:
Der Funktionär heißt Funktionär, weil er funktioniert.

 

Ich habe mir neulich einen Unterhaltungsfilm angeschaut. Der Titel ist "The Man From U.N.C.L.E.", deutsch "Codename U.N.C.L.E.". Die Handlung ist eine Art billiger James-Bond-Imitation, die Anlehnung an die Original-Serie auch nur in dem Sinne gelungen, dass sie eben an 'Handlung' übrig lässt, was vom klassischen James Bond bleibt, wenn James Bond fehlt. Der Film soll die Optik der 60er/70er Jahre umsetzen und schießt dabei derart übers Ziel hinaus, dass Leni Riefenstahl feucht würde.

Die Bilder sind schlicht perfekt. So perfekt, dass es schon auffällt, wenn ein Stuhl nicht rechtwinklig zu den anderen Möbeln plaziert ist. Alles ist aufeinander abgestimmt; Farbe und Muster von Tapeten, Kleider, Frisuren, Schmuck, Accessoires. Selbst das Wasser, in dem ein Auto versinkt, harmoniert mit der Farbe des Kleides der Darstellerin. Alles ist geputzt, makellos. Keine Flecken, kein Stäubchen. Auch die Szene, in der eine Offroad-Fahrt stattfindet, zeigt vollendete Einstellungen, hier von den Sprenkeln im Gesicht des Darstellers, und obwohl es regnet, scheint die Sonne.

Alles bestens

Dieser Terror totaler Schönheit wird nur durchbrochen vom bösen Nazi, der alt und vernarbt über die Leinwand marodieren muss. Dieses Detail ist wie der finale Axthieb in den Schädel, um unmissverständlich zu klären, dass es sich bei all dem um brutal perfekten Kitsch handelt, der über jeden Verdacht eines Augenzwinkerns erhaben ist. Es gibt keine Ironie, nur Plattitüden und Zitate, die ohne jede Distanz die Produkte der Industrie aka "Stars" abfeiern. Es tut weh, hinzuschauen. Man sucht verzweifelt irgend etwas Natürliches, Schmutziges, Ungewolltes. Es ist aber nicht da.

Als ich "Grand Budapest Hotel" gesehen hatte, hielt ich die Akribie der Inszenierung für liebevoll, einfach tolle Bilder (die eine originelle Handlung untermalten, jedenfalls im Rahmen eines Unterhaltungsfilms). Vielleicht stimmt das sogar, aber diese visuelle Vergewaltigung eines Streifens lässt mich inzwischen daran zweifeln. Kann ein solches Stilelement, dass tendenziell alles Fehlerhafte ausmerzt, etwas anderes sein als totalitäre Ästhetik?

Ästhetischer Terror

Zugerichtet, produziert, passend gemacht, harmonisch abgestimmt, schön, perfekt sind alle Objekte, einschließlich der stoffwechselnden Staffage, früher auch als "Menschen" bekannt. Das heißt folgerichtig, dass jeder Ton, der nicht passt, jede störende Farbnuance, jede Ecke oder Rundung, jeder Makel, alles, das nicht als dazugehörend identifiziert wurde, ausgemerzt worden sein muss. Es ist nicht die Lust am Leiden anderer, die der Quotennazi verkörpern muss, sondern die 'Logik' eines gnadenlosen Designs, die hier den Faschismus feiert.

Als der Nazi versehentlich in seinem elektrischen Stuhl verbrennt, veranlasst das den Hauptdarsteller zu der lakonischen Bemerkung: "Zu dumm! Ich hab mein Jackett darinnen gelassen.". Auch das ist keine Ironie. Zwar ist es nur der personifizierte Unmensch, dessen Wert gegen den des chicen Sakkos vernachlässigenswert ist, es fehlt aber jeder Anker für die Vermutung, dass anderes Hässliche oder eben nicht Perfekte mehr Gnade erführe. Fürs Wachstum ist es freilich das Beste: Was kann man nicht alles kaufen, um sich zu verschönern! Die Alternative nämlich ist das Verschwinden aus jeder Szene, die Wertlosigkeit als Opfer der ästhetischen Selektion.

 
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Reingefallen, mal wieder. Fehleingeschätzt, wie alte Männer das so zu tun pflegen. Ihr wisst schon, die Jungs, die immer noch alles taxieren, was nicht bei drei auf dem Baum ist und für die es zwei Definitionen von "alt" gibt: Erstens Frauen, die nicht mindestens zehn Jahre jünger sind und Zweitens können wir ein anderes Mal besprechen. Eigentlich wusste ich das ja und hatte bereits vor Jahren gesagt, das sei das letzte Mal, aber ich bin ja fit. Wer vierstellige Kilometerzahlen pro Jahr und zehn Prozent Steigung zum Frühstück frisst, kann ja wohl ein paar Treppen hoch und runter laufen.

Ich gestehe: Ich habe schon wieder jemandem beim Umzug geholfen. Alles richtig gemacht und wegen ewig Rücken wirklich in jeder Höhe alles fein aus den Beinen gehoben. Ich hatte seit dreißig Jahren, wenn überhaupt jemals, nicht mehr einen solchen Muskelkater. In den Beinen. Ich. Scheiße, ich bin wirklich zu alt für so etwas. Seid so gut und erinnert mich gelegentlich daran.

Alles so schön bunt

Ich frage mich manchmal, ob diese Form der Verblödung unvermeidlich ist und selbst unsereiner am Ende noch eingefangen wird von der Bilderproduktion, die einem ständig vorgaukelt, man müsste und wäre. Jung, dynamisch, bescheuert. Der Kollateralschaden, den schon das frühe Wirtschaftswunder® derbe ausgelebt hat, die Lüge von der ewigen Party, unendlichem Komfort, Lust ohne Reue, weiß und weich zugleich. Das Lenorgewissen strahlt, und Mutti greift zu, weil alles gut ist. Ein Glasreiniger warb vor Jahrzehnten mit dem Spruch "Mit Super Salmiak", um nach der Grünen® Gehirnreinigung mit der Riesenwaschkraft den Slogan "Ohne Salmiak!" der nächsten Generation um die doofen Ohren zu hauen.

Ich bin so frei, Dingscafé ist dabei, ich will so bleiben wie ich bin, da weiß man, was man hat, Blabla muss mit, Tilly spült ihre Hände in Quietschsauber, während Villarriba schon wieder Ex und Hopp sexy mini top hop, aber hallo Herr Kaiser! Der freundliche Tankwart empfiehlt wie immer Egal, Hauptsache den Schwanz versichert - Sicherheit mit Dividende! Noch nicht genug? Dann hört euch doch das Gewäsch der Kapitalsauger von Banken und Versicherungen an, denen offenbar keine Slogans mehr einfallen und die deshalb das wehrlose RTL-Opfer minutenlang vollschwallen. Tenor: Du Bank, du, sag' mir doch mal, warum ich dir ganz dolle vertrauen darf, du, und wie supi du mein Partner bist und dich um mich kümmerst und gäähn ..., da lobt man sich am Ende noch die Ficksimulationen der Stinkstofflabore, in denen bis zur Unkenntlichkeit entkleidetes abgemagertes Jungvolk die hervorstehenden Beckenknochen ineinander verhakt, dass es knirscht. Sexy!

So ist das Leben

Wir nehmen das alles hin. Nicht nur das, allen ist bekannt, dass die offizielle Lügenindustrie ganz selbstverständlich die Nachrichtenproduktion finanziert. Kein Verlag, der nicht am Tropf der Werbung hängt. Kein Problem, oder? Tatsächlich haben diese Medien allein deshalb schon den Titel "Lügenpresse" verdient, weil es ihr Job ist: Lügen über Waren zu verbreiten. Lügen, die mit jedem denkbaren Aufwand so gesponnen werden, dass sie wirken, dass niemand merkt, wie alle betrogen werden. Die Zitate da oben kullern mir am Band aus dem Kopf, ich habe hunderte, wenn nicht tausende Slogans verinnerlicht. Ist das kein Schaden? Muss ich das hinnehmen? Ich will jemanden verklagen!

Gegen diesen Clusterfuck ist eine Gemüsezwiebel Kernobst. Lügen finanzieren die gängige Erzählung, die als Wahrheit gehandelt wieder aufgenommen wird. Dabei kommt alles zur Sprache, wird jede Intimsphäre einmal mit dem Bagger durchgewalkt, nur nicht das Eine: Die Notwendigkeit, der die Lügen entspringen, seien sie als "Werbung" oder "redaktioneller Anteil" oder gar nicht mehr deklariert. Im Gegenteil ist es sogar gelungen, nachdem ganz selbstverständlich die politischen Wahrheiten direkt von der Lügenindustrie vorformuliert werden, den Deppen, an die sie adressiert sind, unbemerkt die Eselsmütze aufzusetzen.

Die große Psychose wurde erfolgreich so kalibriert, dass sämtliche Probanden sich nach dem Schleudergang und dem anschließenden All-You-Can-Eat am Halluzinogenbuffet für total souverän halten. "Werbung? Davon lasse ich mich nicht beeinflussen!". Findet mir zwei Menschen, die sich anders einschätzen. Ergo: Werbung findet gar nicht statt, hat keinen Effekt, schadet niemandem. So muss man das sehen. So ist die Welt halt. So dumm sind die Menschen nämlich nicht. Die wissen doch, dass das ein klitzekleines bisschen geflunkert ist, und solange es nicht wehtut, ist es doch okay, oder?

p.s.: Das Ganze gibt's auch in der Kurzversion. Die gefällt mir eigentlich noch besser.

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