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Vielleicht bin ich ein Freak, ein Nerd, einer, der sich immer übersetzen muss, damit man ihn versteht. An diesem Ort sicher nicht der einzige, aber eben so weit anders, dass die eigene Sprache zur Fremdsprache wird. Ein Beispiel dafür, womöglich das wichtigste, ist mein Beharren auf die Wirkung des Systems, das Spiel der Kräfte, den Rahmen der Optionen, Möglichkeiten, Hindernisse, Illusionen. Dabei ist der Glaube, das sei anders - weil ja schließlich immer Menschen entscheiden - eher eine Modeerscheinung.

Als Foucault am Ende von "Die Ordnung der Dinge" schrieb, der Mensch sei wie ein Gesicht im Sand, das verschwinden werde, hatte er vermutlich Recht. Die Idee "Mensch", der moderne Glaube, Menschen träfen Entscheidungen, womöglich bewusste, und entschieden so über ihr Schicksal und das ihrer Nationen, ist jung und doch schon hinfällig. Noch vor zweihundert Jahren hätte man sich rechtfertigen müssen, wenn man dem Menschen solches Bewusstsein und solche Entscheidungsfähigkeit überhaupt nachgesagt hätte.

Gott lenkt

Es war Gott, der entschied. Was der Mensch tat oder nicht, war das Ergebnis der Wirkung höherer Mächte; Gottes selbstverständlich, aber auch des Teufels, der Dämonen, des Schicksals. Was heute noch in den Religionen - auch und gerade in den christlichen - an Irrationalem lauert und jedem Gedanken an Verstand und Vernunft Hohn spricht, ist ja noch immer nicht neutralisiert. Schaut man sich an, was die Menschen global bewegt, wie sie denken, entscheiden und wonach sie leben, spielen Bewusstsein und Rationalität überhaupt keine Rolle. Das gilt für alle Menschen, also auch für solche, die man "Entscheider" nennt.

Es ist also völlig normal, davon auszugehen, dass nicht die Einzelnen und ihr Wille, Ihr Verstand oder sonst etwas Menschliches darüber entscheidet, was sozial und politisch geschieht. Lediglich der fromme Wunsch der Intellektuellen des 18. Jahrhunderts und die damals als probat erkannte Basis von Verträgen haben dazu geführt, dass Willensbekundungen und Verhandlungen zu einer relevanten Größe wurden. Diese aber mit der Wirklichkeit zu verwechseln, ist allzu menschlich - und völlig widersinnig.

Gehen wir einmal mehr zurück zu Freund Luther und der Befreiung der Christen von der Jahrhunderte währenden Befehlsgewalt einer reaktionären Einrichtung, die jeden geistigen und technischen Fortschritt erfolgreich verhindert hatte. Mit der neuen 'Freiheit' kamen aber ebenso neue Ketten, Denkverbote und ein jetzt noch raffinierterer Psychoterror. Ja, der Mensch wurde befreit aus seiner Rolle als Sünder, der reuig zu seiner Kirche kriechen musste, um sich Gottes Gnade bescheinigen zu lassen. Er war jetzt frei davon.

Dein Wille geschehe

Künftig thronte ein zorniger Gott über ihm, dessen Gnade bis in alle Ewigkeit ungewiss ist. Man kann sich nie genug anstrengen, rechtfertigen, die Ordnung stützen, unterordnen. Besser, man bückt sich im Zweifelsfall tiefer. Man muss sich 'verantworten', all sein Leben lang, und bleibt doch ohne Absolution. Der von der kirchlichen Gnade 'Freie' ist fortan ein hoffnungsloser Sünder - es sei denn, Gottes Wille hat ihm zum Fürsten bestimmt.

In der Moderne sind die Fürsten Oligarchen, die Sünder nach wie vor Sünder, denen man ihre Eigenverantwortung einbläut. In der neuen Hölle erzählt man ihnen, sie seien nicht bloß selbst schuld, sondern sie - als Menschen - selbst ihres Glückes Schmied, denn das Ganze sei die Summe des Willens der Einzelnen und jeder einzelne Wille der Grund für das dazugehörige Los. Alles eine Frage der Mühe, der Einsicht, der Hingabe. Der Kontostand, so die Auslegung der Calvinisten und Kapitalisten, ist dabei der Indikator dafür, was man so 'verdient' hat (an Gottes Gnade).

Das, liebe Freunde des freien Willens, ist die ideologische Basis für den bekloppten Irrglauben an die Macht der Menschen, ihren Willen und wie man diesen bloß gestalten müsste, um jene zur Glückseligkeit aller einzusetzen. Es hat in der Geschichte der Menschheit noch kein Land gegeben, keine Gesellschaft und keinen Staat, deren Form, Wohl und Wehe von irgendeinem menschlichen Willen abhing. So etwas wird es auch niemals geben.

 
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Quelle: Pixabay

Ich hatte heute ein Gespräch mit jemandem, den man mit Recht als rechten Verschwörungstheoretiker bezeichnen kann. Er glaubt an "Gruppen", die das System "aufgesetzt" haben, weil sie davon Profitieren, deutete an, dass ihre Mittel "Papiergeld" und "Zinsen" sind und wusste auch sogleich zu bestätigen, dass es um Rothschilds und Rockefellers geht. Ein netter Kerl, der mit einer EU-Ausländerin verheiratet ist und den ich nicht verdächtige, jemanden in eine Gaskammer führen zu wollen. Jemand halt, der "im Internet" solche Quellen findet.

Schwindel

Ich habe versucht ihm deutlich zu machen, dass Personen austauschbar sind und auch die Frage in den Raum gestellt, was diese Herren der Welt denn machen würden, wenn sie den Kapitalismus doch nicht mehr wollten. Welche Möglichkeiten sie da so hätten. Im Übrigen skizzierte ich ihm, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen Industrialisierung und Geldwirtschaft, durfte ihn das holde Prinzip Geld-Ware-Geld darlegen und erklären, dass über die Notwenigkeit hinaus, aus Geld mehr Geld zu machen, Lohnarbeit charakteristisch für Kapitalismus ist.

Er hat sich das alles geduldig angehört und blieb ganz ruhig. Ich bin nicht sein Feind; er denkt nur anders. Und hier haben wir den Schlamassel. Ich gerate immer wieder in Szenarien wie das Höhlengleichnis. Ein Problem beim Versuch, sich verständlich zu machen, ist die Komplexität eines Weltbildes. Der Mensch mag es einfach. Wenn alles stets in Bewegung ist, alles Wissen Halbwertszeiten hat und Erkenntnisse nicht mehr greifbar sind, sondern sich nur durch komplexe Zusammenhänge und historische Hintergründe erklären, macht das einen furchtbar anstrengenden Eindruck. Was hat man auch davon?!

Wem man folgen kann

Das kannst du auch bewusst langsam und dosiert versuchen, du kannst geradezu sehen wie dein Gegenüber aussteigt. Zweitens, das halte ich für das viel größere Problem, ist die Neigzung zur Personalisierung ein so dickes Brett, dass du spätestens daran scheiterst. Dieses Handicap haben ja wahrlich nicht nur die Experten für jüdische Verschwörer, sondern beinahe alle anderen auch. Wir haben das hier regelmäßig, wenn es um die Sozialdemokraten geht und ihre Überzeugung, man könne die Welt mithilfe des richtigen Willens ändern. Ähnlich sieht es aus mit Leuten, die sich gegen Wissenschaft sträuben und ernsthaft einer Art Bauchgefühl vertrauen®.

Die Lebenswelt der Desinteressierten besteht - mit oder ohne Elektronikspielzeug - ohnehin aus einer Kette von persönlichen Erfahrungen und Konflikten; eine Abstraktion davon findet selten statt. Schlimmer aber noch; Die 'Gebildeten', die sich für politisch interessiert halten. Von ihnen höre ich regelmäßig, dass "der ein guter Mann ist", "die alles schuld ist" und dass alles besser würde, wenn nur "die richtigen ans Ruder" kämen, in der Steigerung der Starke Mann.

Die ganze politische Repräsentanz und ihre mediale Aufbereitung bauen ja darauf auf, dass es Personen zu wählen gibt und Personen stellvertretend streiten, wobei die Mittel, mit denen sie zu überzeugen versuchen, wiederum auf persönliche Befindlichkeiten abzielen. Plausibilität wird durch Vertrauen ersetzt, Logik durch Sympathie. Es stellt sich die Frage, ob in sich schlüssige Erklärungsmodelle dagegen überhaupt bestehen können.

 
vg

Quelle: Pixabay

Via Kay Sokolowsky wurde mir folgendes Zitat zuteil:

"Mir ist sehr unwohl dabei, dass in diesen Tagen ein sehr kleiner Teil der Bevölkerung darüber bestimmt, ob wir nun jetzt endlich eine neue Regierung bekommen oder nicht. Ich bin mir auch nicht sicher, ob Abstimmungen wie der Mitgliederentscheid der SPD über die große Koalition unsere Demokratie wirklich besser machen – oder ob sie nicht am Ende (unabsichtlich) die Demokratie gefährden." Keinen Link dafür, "Zeit" und Michael Thumann.

In Ergänzung widme ich mich kurz dem Verbrechen gegen die Logik, das solche 'Argumente' ermöglicht: Entscheidet demnach also immer derjenige, der in der Zählung die Anzahl der Minderheit überbietet? Wenn also 199 für etwas sind und 199 dagegen, entscheidet dann der Zweihundertste (bzw. der 399.) ganz allein? Oder ist es so, dass eine Partei einer Koalition beitreten muss, weil eine andere, womöglich größere, sich schon dafür entschieden hat? Ausgerechnet in eine Koalition, die vorab bereits die Verschwörung gegen das Grundgesetz festgelegt hat? in einem politischen System, in dem schon traditionell kleine Klientelparteien die Richtung bestimmt haben?

Wir sind Volker

Ausgerechnet in einem System, das die Stellvertretung der Stellvertretung für "Demokratie" erklärt, in dem Fraktionsvorstände und Hinterzimmerzirkel abnicken lassen, was zuvor in Gremien oder undurchschaubaren Strukturen ausbaldowert wurde, ist "ein kleiner Teil der Bevölkerung" zu wenig und "gefährdet die Demokratie"? Ja genau, eben diese Demokratie®, die mit Mehrheiten nichts zu tun hat und schon gar nicht mit der "Bevölkerung" dem Volk, das sie im Titel trägt. So ist sie, die Demokratie der "Zeit": elitär, atlantisch, demagogisch.

Dabei ist der Spaß noch gar nicht zu ende. Ernsthaft, Sozen? Heiko Maas? Der reaktionärste, autoritätshörigste Nützling, der je im Amt des Bundesjustizministers dilettierte? Der den Faschisten hier dasselbe Bett gemacht hat, in dem sie sich in Österreich derzeit wälzen? Fefe fragt völlig zurecht (aus Sicht von Russen und Chinesen): "Sagen Sie, waren Sie nicht der Erfinder des Gesetzes, mit dem die Russen jetzt ihre Medien zensieren? Und SIE wollen UNS Vorhaltungen machen!?"

Not Amused But Entertained

Ich freue mich jedenfalls auf den Versuch, Nahles zur Vorsitzenden wählen zu lassen. Das wird sicher eine Riesenparty, diese Erneuerung®. Fürs Protokoll: Nein, ich bin keineswegs der Ansicht, dass die personelle Besetzung relevant für politische Strukturen ist in dieser Demokratie®, aber sie ist ein Symptom, so wie es die Besetzung des POTUS mit Donald Drumpf ist. So weit konnte es kommen. Im Schatten dieses Bösen gedeiht die Verschwörungstheorie auf offener Bühne. Wissens schon: Die Russen kommen!!1!

Alles, was bleibt, und das muss man ihnen lassen, ist Entertainment, und zwar vom Gröbsten. Jeden Tag etwas Neues zu lachen, zum Weinen, zum Spielen und Schokolade Popcorn. Der zuletzt Genannte trifft sich demnächst mit dem komischen dicken Jungen; sie spielen "Meiner ist aber Größer". Mal gucken, wohin sie zielen und womit und wo das dann landet. Wie auch immer; Putin wird sich freuen®.

 
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So, jetzt wird wieder eingehegt und sozial gerechtelt, Freunde. Die GröKo ist da. Die nächste dürfte dann CDU/CSU/AfD sein, also die nächste Gröko oder auch GrömöKo. Noch werden sie zu schüchtern sein sie umzusetzen, aber vielleicht werden einige von uns in acht Jahren ja auch noch leben. Merkels Kanzlerinnenrekordeinstellung wird derweil begleitet vom willigsten Stück politischen Gammelfleischs, das sich in alle Öffnungen ... Was ist? Findet ihr das, was da in Berlin abgeht, etwa appetitlicher?

Zwei Drittel knapp sind also für die von den Chefs gewählte Geschmacksrichtung des Untergangs. Glauben wir das einfach mal, dann zeigt sich: Die Spezialdemokratie schafft es inzwischen routiniert, stets so viel Verstand aus der Mitgliederschaft zu vertreiben, dass die nächste Dimension hirnloser Anbiederung an die Macht® jeweils noch abgenickt wird. Die nächste Fluchtwelle steht an, sodass beim nächsten Mal die verbliebenen dreißigtausend Mitglieder auch für einen AfD-Kanzler stimmen werden, wenn der Befehl ergeht.

Feiglinge

Über die neoliberalen Promis, ihre charakterliche, intellektuelle und politische Befähigung, ist jede Aussage Energieverschwendung. So ein Bit verbraucht schließlich Strom. Ein klitzekleines bisschen interessanter ist da noch die Basis®, die immer unter Schmerzen®, inzwischen wohl überall gepierct, wo es wirklich säuisch wehtut, staatstragend abstimmt. Das Chaos droht, der Russ, der Beelzebub, die Neuwahl. Oh ach und weh!

Es ist ja keine Überraschung, dass es nicht die Mutigsten sind, die noch der Verrräterpartei angehören. Die Partei von Hartz vier, von Afghanistan, von Totalüberwachung, von Deregulierung, Rentenkürzung, Ausbeutung und Treue zum Kapital. Die sich nicht schämt, eine Tradition als 'Arbeiterpartei' abzufeiern und von 'sozialer Gerechtigkeit' zu faseln - als hätte sie in den vergangenen 30 Jahren je etwas anderes getan, als ihre Menschenverachtung in Floskeln zu gießen. Die ihr noch angehören, waren einmal mehr folgsam.

Die Erpressung war mit Händen zu greifen. Nahles, Scholz, Schulz, Gabriel und andere Neoliberale hatten also beschlossen, die Koalition anzustreben, die sie zuvor ausgeschlossen hatten. Diese Komplettversager des parteipolitischen Managements haben die SPD vor die Wahl gestellt, sofort oder erst in vier Jahren das Zeugnis ihrer Verzichtbarkeit ausgestellt zu bekommen. Die hat die Hosen voll und drückt sich zunächst vor der Konsequenz. Das ist eigentlich das Einzige, das mich ein wenig ärgert. Ich kann diesen korrupten Haufen nicht schnell genug untergehen sehen. Jetzt müssen wir uns halt noch etwas gedulden.

 
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Ich habe zugesagt, dieses Buch zu lesen und zu besprechen. Ersteres war hart. Das Folgende ist eine Kurzfassung; ich könnte mir jeden zweiten Satz zur Brust nehmen.
Eine Grundabsicht kann ich sogar verstehen; Was heute so alles als "links" etikettiert wird, verdankt sich einer Aufmerksamkeitsökonomie, die zwischen Maischberger, Twitter und Facebook jeden ernsthaften politischen Diskurs zermahlt. Dies hätte man analysieren können, was aber leider nicht stattfindet. Im Gegenteil sind die genannten Medien diejenigen, auf die sich der Autor selbst stützt. Inhalt war aus, dafür war noch reichlich Wertung da. Permanent werden Menschen, Gruppen und "Theorien" bewertet, ohne dass man eigentlich erfährt, was sie sagen und warum das falsch ist.

Was man von der "linken Linken", an der sich DeLapuente reibt, zu halten hat, ist leicht zu erkennen, die Sprache verrät es:
"Fundis/Fundamentalisten", "chaotisches Geschwader", "Schwarzblockwarte", "Chaotentum", "Kaste von Hohepriestern", "Fundi-Zunft", "Jünger des Grundeinkommens", das sind diejenigen, die "Wähler verschrecken", "sich im Milieu einnisten", "Parolen skandieren" und einem "Wahn der Weltrettung" anhängen.

Wer schuld ist

Ich empfehle ja immer dringend, sich mit konkreten Texten auseinanderzusetzen und diese zu analysieren, anstatt der Beliebigkeit einer Bewertung von Personen und den Stereotypen eines Urteils über Gruppen zu verfallen. Der Autor hält es umgekehrt; hier wird personalisiert, dass es scheppert, bis hin zu naiven pseudopsychologischen Scheindiagnosen. Die Guten sind hier Wagenknecht und Lafontaine, die Bösen linke Linke wie die Altgrünen Ebermann und vor allem Ditfurth. Letzterer sagt er halbgar ein "aufgestautes Psychotrauma" nach, ganzen Gruppen linker Linker diagnostiziert er "Narzissmus". Weitere Urteile: "Geriatrischer Radikalismus", "Verbitterung und poststalinistischer Säuberungszwang". Kein Kommentar dazu.

Wo es Inhalte streift, wird es zumindest ärgerlich. Das Niveau der 'Theorie' ist naiv und verdreht zentrale Begriffe gar ins Gegenteil. Da wird "Marxisten" nachgesagt, sie "tun sich schwer mit Praxis ohne Theorie", was "materialistisch" sei; "idealistische" "Maoisten" hingegen "verabscheuen eine Theorie ohne Praxis". DeLapuente identifiziert Materialismus mit Ökonomie und Idealismus mit politischen Zielen. Mit diesem vorwissenschaftlichen Verständnis kann man so etwas wie Produktionsbedingungen freilich nicht denken.

Es ist viel die Rede von "Kapitalismus", ohne dass auch nur gestreift wird, was das ist, bis auf diese kapriziöse Formulierung: Kapitalismus sei "jene Produktionsweise [...], die in den letzten 200 Jahren einen massiven Gewinn an Lebensqualität verursacht hat." Wo soll man da anfangen? Beim den Unterschieden zwischen technischer Entwicklung, Produktionsweisen, Produktionsbedingungen, Privateigentum, Produktivität, Arbeitsteilung? Nein, das Gute, das uns BMW und Iphone beschert, ist der Kapitalismus, wie wir ja wissen. Alles andere ist Marx, und der ist zwar "brillant" (warum eigentlich?), aber so was von Achtzehnhundert. Genau wie dieser Darwin. Oder Newton. Olle Kamellen halt.

Rettet Jürgen!

Den Vogel abgeschossen hat der Autor aber mit seinen Aussagen zu Brandts Radikalenerlass. Er nennt sie "Berufsverbote für Sympathisanten des terroristischen Milieus", an anderer Stelle: "Man hatte es immerhin mit der Sympathisantenszene der RAF-Mörder zu tun". Ist das übelste Geschichtsklitterung, macht er sich mit den damaligen Denunzianten der "Sympathisanten" gemein oder hat er schlicht null Ahnung, wovon er da redet? Nehmen wir gnädig Letzteres an, dann soll er das bitte am Stammtisch erzählen, aber nicht ein Buch schreiben, dessen Klappentext von "brillanter Analyse" schwafelt. Ja, ich rege mich gerade auf.

Seine Gegner zu kriminalisieren, zu pathologisieren und zu infantilisieren ist die feine Art nicht, DeLapuente scheut aber kein Mittel, um seinen Kampf um die vielfach erwähnte "Deutungshoheit" strikt auf der persönlichen Ebene zu führen (dafür bekommt man hier gemeinhin Hausverbot). Das Sahnehäubchen ist der rote Faden in Form von Joe the Plumber, der bei ihm "Jürgen" heißt, sein Bekannter, der doch so gern die Linke wählen würde, sich aber wegen der schlimmen linken Linken nicht traut und lieber Mutti gewählt hat. Die Moral der Geschichte: Wir verlieren Jürgen an die Rechte, weil die kindisch-narzisstischen Verbrecherfreunde der Radikalen die gute Idee der "regierungsfähigen" Linken beschmutzen. Brillant.

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Und dann kommen sie alle an, die Putinversteher, und jeder hat seinen anständigen Russen. Es ist ja klar, die anderen sind Schweine, aber dieser eine ist ein prima Russe. Jetzt bei Olympia hat es sich doch wieder gezeigt: Die dopen sogar beim Curling. Und dann geht ein deutscher Schmierfink, der den kritischen Journalismus in den Schmutz zieht, zu Russia Today und ist auch noch stolz drauf.

Hajo Seppelt ist Stammgast in den Spocht-Schauen, was mir nicht entging, weil ich im Halbkoma tatsächlich eine Woche lang meinen Fernseher als Hörspielautomat laufen ließ, während ich mit der Couch zu einem haarigen Schleimklumpen fusionierte. Hajo Seppelt, das ist derart unterste Charge, dass ich noch halluzinierend und röchelnd nach der Sternfeuerung griff, um das weg zu zappen. Dann lieber in Würde sterben.

Putins Hater

Nun ist das ja nicht das Einzige, das die Russen böse, schlecht und fies macht, weswegen wir sie vermutlich irgendwie demnächst wieder werden ausrotten müssen, auf den Spuren Napoleons und seines größten Nachfolgers aller Zeiten. Nein, sie sind zum Beispiel auch Hasser. Schwulenhasser zumal, die unsere homosexuellen Freunde diskriminieren.

Infam, wie Putins Russen so tun, als sei es ein krimineller Akt, wenn Schwule schwul leben, und zwar mit der abscheulichen Begründung, sie machten quasi Werbung für eine Art Sexualverbrechen. Zu sagen, was ist, stellt das Regime des Machthabers Putin unter Strafe, und seine Russen applaudieren noch!

Es entgeht einem eine ganze Menge, wenn man man die mühsam eingefügten Links in einem Text völlig ignoriert. Zumindest dem im letzten Absatz hier sollte man Beachtung schenken. Das nämlich ist unsere progressive, aufgeklärte, menschenfreundliche und emanzipierte Gesellschaft, vertreten durch sämtliche größten und kleinsten Koalitionen. Wie kommt man eigentlich auf die Idee, eine christliche Leitkultur® könne irgendwem da draußen moralisch kommen? Ach ja, wir sind ja die Guten.

 
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Quelle: Ludwig Binder Haus der Geschichte CC BY-SA 2.0

Ich bin schon lange müde, gegen die Einordnung gewisser symbolpolitischer Ansätze als "links" zu zetern. Es hat keinen Zweck. Die Einen bilden autoritäre Ideologien aus, um dem weißen Patriarchat® eine aus ihrem Tunnelblick perfekte Welt aufzuzwingen, die Anderen treiben Personenkult, gern auch so weit, dass sie im kackbraunen Sumpf landen. Eine wahre Meisterleistung dieser Charge hat Lisa Fitz hingelegt, die in gebrochenen Reimen Blödheiten aneinander reihert, in denen sich alles findet, das eine Paranoia so braucht: dunkle Bedrohungen, Juden, geheime Weltenlenker.

Das ist kein Zufall. Die Dummheit beginnt bei Sozialdemokraten wie Flassbeck, die es nicht begreifen wollen, dass Politik und Macht keine Frage von Personen ist und endet bei Faschisten, die ihren intellektuellen Kahlschlag in Feindbilder münden lassen. Der Pilz wuchert schon immer in der Sozialdemokratie, die seit ihrem Bestehen zwei Säulen der Linken bekämpft hat: eine klare Analyse und starke außerparlamentarische Strukturen.

Der Übergang

Letzterem mag man mit gewissem Recht widersprechen, denn sowohl Marx als auch die Gewerkschaften waren in den Frühzeiten der Sozen ihre Wegbegleiter. Sie haben sich aber eben nicht zufällig von beidem getrennt bzw. die Macht der Gewerkschaften selbst aktiv so verstümmelt, dass diese Jahrzehnte lang um niedrige Löhne gebettelt haben und sowieso nur mehr Tarifpartei sind, wo sie einmal relevante Politische Macht waren.

Inzwischen hat es der Parlamentsstaat geschafft, dass Millionen Lohnabhängige ohnmächtig und unorganisiert sind. Dass überhaupt in Deutschland 'politische Streiks' von Anfang an verboten waren, zeigt, dass es nie vorgesehen war, das Proletariat an politischer Macht zu beteiligen. Während der Kommunismus vernichtet wurde, wurde als Sozialdemokratie eine Organisation von Funktionären und Emporkömmlingen gepeppelt, die bei der ersten Gelegenheit ihre Klientel endgültig verraten und sich ganz in den Dienst des Profits gestellt hat.

Der Untergang

Bis dahin vergingen allerdings einige Jahrzehnte, in denen Personalisierung und Symbolpolitik so eingeschliffen wurden, dass eine zunächst am 'Wachstum' beteiligte Bevölkerung völlig desorganisiert und auf den Parteien-Wahlkult dressiert wurde. Das Meisterstück auch in dieser Kategorie war die Zähmung der Grünen, ihr medial beförderter Wandel zur Führerpartei und die Korrumpierung der Funktionäre, die jegliche außerparlamentarische Politik lahmgelegt hat.

Gäbe es noch einen sinnvollen begriff von "links", er müsste sich zuallererst mit dem epischen Versagen der eigenen Partei und all seiner Organisationsformen identifizieren. Wir haben verloren, und zwar in einem Ausmaß, das bezweifeln lässt, ob es noch jemals eine relevante linke Kraft geben kann. Für die Interessen der Lohnabhängigen, der Armen, der Ausgebeuteten und Arbeitslosen kämpft heute niemand mehr außer ihnen selbst, vereinzelt, schwach und gedemütigt.

Was bleibt

Dagegen hilft kein Feindbild. Es sind nicht die Juden, die Freimaurer, die Syrer oder ein alter weißer Mann, die man besiegen muss, um uns aus dem Elend zu erlösen, sondern seit zweihundert Jahren und mehr zuerst der Kapitalismus. Der wird uns nicht füttern; er hat uns nie mehr gelassen als das, was dem Profit diente. Er wird auch nicht aufhören Kriege zu führen, Menschen zu unterjochen, zu töten und zu korrumpieren. Es gibt keinen 'Richtigen am Ruder' und schon gar keinen Staat, der uns hilft, während er verfassungsgemäß das Eigentum der Eigentümer schützt.

Die Analyse muss ehrlich sein, die verbleibenden Möglichkeiten klar und frei von Illusionen. Dann können sich - vielleicht - Zellen bilden, aus denen etwas entsteht, das sich mit Macht zurückholt, was das Kapital an sich gerissen hat. Es wird mindestens Jahrzehnte brauchen und ist in dieser Puppenstübchen-Demokratie nicht zu haben. Da kannst du nur ein rechter Hanswurst werden, deine Feindbilder und deine falsche Moral pflegen und hoffen, dass es die Anderen erwischt. Die sind dann schon irgendwie selbst schuld.

 
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An einem Donnerstagabend saß ich hier und trank ein Bier, als ich mich fragte, ob ich etwas über Nahles schreiben sollte. Etwas in mir meinte, es hätte dann lieber die Grippe. Ich stand irgendwann auf, um die Toilette zu frequentieren, da erschien ein Ding auf dem Flur, schlug mir in die Fresse und schickte mich für die folgende Woche auf die Bretter.

Johannes Kahrs, jener verurteilte Stalker, der nie zu etwas gewählt wurde und seit Jahrzehnten für den "Seeheimer Kreis" die SPD auf braunem Kurs hält, hatte beschlossen, Nahles zur Parteivorsitzenden zu erklären. Ich bin erstaunt, dass die Vollidioten, die glauben, ihre glühende Verachtung gegenüber allem, das sie für unter sich stehend halten, ergäbe ein treffendes Bild ihrer Untertanen, mich noch immer überraschen können. Nicht nur, dass sie gar keinen Gedanken mehr daran verschwenden, was eine "Wahl" ist. Nein, sie sind auch zu und zu dämlich, wenigstens einen Blick ins Manual zu werfen. Nahles kann gar nicht kommissarisch bestimmt werden. Haben sie jetzt immerhin auch bemerkt.

Schnittstelle verödet

Einen kurzen Blick nach Pjöngjang: Dort treten nordkoreanische Zombieroboter auf, um das Restpublikum zu verstören. Man hat diesen Winke-und Grinsepüppchen jegliche Schnittstellen zur Realität verödet, was dem nicht-Nordkoreaner sofort auffällt. Ein sehr vergleichbares Syndrom. Die Gefilterten aus dem Politmedienzirkus haben ebenfalls den mental stabilen Orbit verlassen. Für sie ist es ganz selbstverständlich, dass selbst nach der ungemein peinlichen Inszenierung von Martin Schulz ihre Hohlphrasen über Hohlphrasen noch immer das Maß der Dinge seien. Ein kurzer Realitätsabgleich:

"Wir [orientieren] uns an Arbeit und Leistung und nicht nur an staatlicher Umverteilung wie die Linkspartei."
"Es kann nicht sein, dass Arbeit nicht zum festen Tagesablauf gehört."
"Es kann nicht sein, dass Partikularinteressen die Interessen anderer bestimmen." (zum angestrebten Streikverbot für kleinere Gewerkschaften)
"Pünktlichkeit ist hier aber ein so zentraler Punkt. Muss man sonst nicht sagen: Dann gibt es Konsequenzen?
Wer das nicht tut, wer sich nicht integrieren will, dem werden wir die Leistungen kürzen.

Einige Zitate von der 'Linken' Nahles, die auch prominent forderte, man solle Flüchtlingen ihr Vermögen abnehmen. Hier draußen sehen wir eine in der Wolle gefärbte Neoliberale, die in ihrem Eifer gar nicht heftig und oft genug nach unten treten kann; die permanent Menschen zu harter Arbeit® zwingen will, ohne je selbst etwa Nützliches geleistet zu haben. Niemand glaubt ihr irgendetwas. Ihre Sprüche sind aufgesetzt, ihre Attitüde schal, ihre Auftritte mitunter peinlich und hart an der Grenze zum Irrsinn.

Kasperletheater

Wenn man freilich meint, jemand der seine Krawatte lockert und die Stimme künstlich presst, halte eine 'kämpferische Rede' und sich niemals fragt, was er da eigentlich redet, sieht die Welt anders aus. Vermutlich legt es sich der Journaill so zurecht, dass der dumme Pöbel, dem man die Welt erklärt, die Inszenierung nicht erkennt und meint, "authentisch" sei, was jener eben zu glauben habe. Das geht dann so weit, bis man selbst glaubt, was man selbst inszeniert. Alles eine Frage der Übung, bis man so etwas schreibt:

"Sie kennt die Sprache der Malocher und kann eben auch Mal so richtig auf den Tisch hauen, wenn es sein muss. Sie kann aber auf Menschen zugehen, Nähe erzeugen, mit einem der typischen, lauten Nahles-Lacher das Eis brechen. Diese Volksnähe und die Kämpferqualitäten á la Gerhard Schröder werden für den Neustart in der SPD gebraucht. Die Partei muss zu ihren Wurzeln und Wählern zurück. Dass sie da liefern kann, ist ein großer Pluspunkt für Nahles."

bzw.

"Andrea Nahles hat als Politikerin viele Talente. Sie kann die Volksnahe, Bodenständige geben. Die Frau aus der Eifel verkörpert die Rolle der Arbeiterführerin glaubwürdig." - "Auf Menschen zugehen, ihre Sprache sprechen - das gelingt Nahles mühelos." - "Nahles kann aber auch das andere, das Staatstragende, Seriöse." - "Sie schafft das nicht nur, weil sie authentisch wirkt."

For The Record

So authentisch wie M.Chulz, der "die Ärmel hochkrempelt und den Helm aufzieht", wenn er in seinen Buchladen geht. So bodenständig wie das Gör, das vom Studium unmittelbar ins Präsidium aufgerückt ist, "die Sprache der Malocher" kennt. Jemanden "geben", etwas "verkörpern" - das mag ja aus Sicht der Claqueure die Kunst der Politik sein, aber haben sie sich jemals gefragt, warum der Erfolg ausgerechnet dieser Partei mit ausgerechnet diesen Figuren ausgerechnet diese Entwicklung nahm? Weil das "authentisch" ist? Wirklich?

Vom Hundertsten in Tausendste, es gibt zwei Anforderungen: einen kompromisslos neoliberalen Kurs und die Befehlsgewalt in Händen derer, die man darauf eingeschworen hat. Warum ich das so episch darlege, fragt ihr? Weil es die Wirklichkeit beschreibt. Was parallel dazu von den Lohnschreibern aufgeblasen wird, ist nordkoreanische Choreographie. Am totalen Untergang der SPD ändert beides nichts. Ich finde, der Name "Nahles" sollte getrost damit verbunden werden.

 
fw

Abb.: Experimentelle Katzen-KI bei Wachstum und Wohlstand

Freut euch, das Groko kommt bald, denn dafür werden alle Register gezogen. Die Experten, die Elite, die politischen Führer, sorgen für uns, indem sie für eine stabile Regierung® sorgen. Die Grokos haben sich schon lange auf das wichtigste geeinigt, der Rest sind Details:

Im Bundestag und in allen von ihm beschickten Gremien stimmen die Koalitionsfraktionen einheitlich ab. Das gilt auch für Fragen, die nicht Gegenstand der vereinbarten Politik sind. Wechselnde Mehrheiten sind ausgeschlossen.“ heißt es schon im Sondierungspapier. Das ist unter genau der Bedingung nicht verfassungswidrig, dass sich die Koalitionäre vor jeder Abstimmung so lange kloppen, bis auch der Letzte von einer gemeinsamen Entscheidung überzeugt ist. Alles andere heißt, dass das Gewissen der Abgeordneten einem Zwang untergeordnet wird.

Wählt euch ein Volk!

Wohl gemerkt, das war der Anfang der Sondierungen. Am Ende dieser ‚Demokratie‘ spielt der Springer Verlag den Schlager „SPD torpediert die repräsentative Demokratie“ - indem die Parteimitglieder ein Votum abgeben zu der Frage, ob eine Koalition zustande kommen soll. Als Delegierte und Verhandler gibt es den verfassungsrechtlichen Schutz des „Gewissens“ aber nicht. Nun. Es ist ja auch die „repräsentative Demokratie“ in Gefahr, die der Funktionäre eben.

Ernsthaft überprüft aber das Bundesverfassungsgericht diesen Umstand, für den es gar nicht zu ständig ist, während der offene Verfassungsbruch oben einfach so durchgeht. Hier bestimmen nämlich ein paar Hanseln über das Volk und nicht etwa umgekehrt. Dafür wird aus allen Rohren gesorgt, denn Widerspruch ist eine Kriegserklärung (sprich: „Torpedieren“).

Das sind die Fakten, und ich kann es mir partout nicht klemmen, dem die Weissagung des Flassbeck gegenüber zu stellen, so gesprochen nach Lindners Abgang aus den 'Jamaica'-Verhandlungen:

Der Prophet

Kommt es zu Neuwahlen, und das ist jetzt trotz aller rechtlicher Hindernisse das wahrscheinlichste Ergebnis …“ Tja, schon daneben!

… bietet sich für die Linke insgesamt eine einmalige Chance. […] In dieser Lage könnte eine vereinte Linke (schon mal ein guter Name!) mit einem pragmatischen und wirtschaftspolitisch zugleich mutigen Konzept den Bürgern ein Angebot machen, das unschlagbar ist."

Ach, kann sie? Weil der Name so doll klingt? Ein Haufen völlig zerstrittener Berufsschauspieler, der seit Jahrzehnten keine Idee hatte und sich allein darin einig ist, dass der Kapitalismus unantastbar ist? Jene Fraktionen, die gen Null zusammenschrumpfen? Die sind dann „unschlagbar?“ Wieso? Was muss dafür passieren?

… sobald sich in der SPD eine kritische Masse findet, die einen neuen Kopf präsentiert.“

Sagen, wo's lang geht

Au weia. Die kritische Masse, die bislang noch alles, aber wirklich jede Schweinerei abnickt, die irgendwer von oben als das neue Gerecht® verbrämt? Die finden … einen Kopf?! Selbst wenn man so deutsch, untertänig und autoritätshörig wäre zu glauben, ein verdammter „Kopf“ müsste Befehle sprechen, auf dass die Seelen gesund würden – hat der sich mal umgeguckt, wer da so zur Verfügung steht?

Das ist sie, unsere repräsentative Dingsbums, ihre Politik und deren Experten. Wehe, es beschwert sich noch mal jemand, wenn ich hier Food- und Katzencontent verklappe! Da besteht wenigstens die Aussicht auf ein kleines bisschen Niveau.

 
kl

Unterdrücker beim Blackfacing. Quelle: Pixabay

Die erste Studentengeneration, die politisch in die Manege sprang und sich als links definierte, waren die "68er"; ihre Bewegung erfasste sämtliche Hochschulen, die ganze Gesellschaft und ließ niemanden außen vor. Ganz bewusst wollte sie die Arbeiter einbeziehen und die ganze Bäckerei stürmen - auch wenn das nicht gelang. Ihre intellektuelle Basis war massiv; hauptsächlich marxistisch geprägt, war die Debatte wissenschaftlich, fundiert und regte dazu an, sich aktiv zu bilden.

Diese Generation versackte schließlich in den Institutionen und gründete eine längst etablierte Partei, die "Grünen". Diese sind inzwischen von ihren Idealen weitest denkbar abgerückt und ein klerikal geprägter Haufen, der seinen Funktionären hinterher dackelt. Die nächste Generation hat sich dieser pseudolinks-grünen Infrastruktur von vornherein angeschmiegt. Die 89er haben sich noch sporadisch auf gesellschaftliche Zusammenhänge bezogen, spielten aber vor allem im eigenen Sandkasten. Ihre Proteste richteten sich gegen eine Studienreform, ihre Instrumente waren die der studentischen Selbstverwaltung und ihr Engagement galt einzelnen Gruppen.

Filterblase

'Grüne' Themen, vor allem Anti-Diskriminierung, dominierten die Politik. Frauen-, Schwulen -, Lesbenreferate wurden eingerichtet. Während Minderheiten gut vertreten waren, hatte die große Mehrheit der Studenten der Unipolitik den Rücken gekehrt. Die Aktivist/innen, die sich gegenseitig mit Tagesordnungsanträgen und Resolutionen auf die Nerven gingen, wurden außerhalb der Filterblase kaum wahrgenommen. Umso eifriger wurden Vorschriften erlassen, wie eine 'geschlechtergerechte Sprache' in den Publikationen der ASten oder die Verpflichtung zum Bekenntnis zu einem "politischen Mandat", was auf mehreren Ebenen illegal war, letztlich aber irrelevant.

Aus dieser Blase gehen die jüngeren Studiengänge ebenso hervor wie politische Funktionäre, die glauben, sie könnten und müssten mit Verboten, Vorschriften und Eingriffen in gesellschaftliche Kommunikation die Welt verändern. Schließlich haben sie an der Uni ja auch jede Diskussion gewonnen. Ihnen folgt inzwischen eine weitere Generation, die in deren Schlepptau das Versagen dieses Konzepts durch Eifer wettzumachen versucht. Sie halten das alles noch immer für 'links', vor allem, weil ihr Geschichtsbewusstsein mit dem Verlauf ihrer WhatsApp-Nachrichten endet.

Wo ihre Vorgängergeneration es immerhin mit Basisdemokratie versucht hat, hat diese das Stellvertretertum bereits völlig verinnerlicht und hält sich jenseits aller Kritik selbst für Stellvertretung. Ihre Legitimität ist ihr überlegenes Wissen um die Unterdrückung derer, denen sie auf diese Weise Recht und ein bisschen Macht abluchsen. Flankiert wird dieses windschiefe Konzept durch eine Inkarnation des Bösen, den (alten) weißen Mann. Dieses für jeden Außenstehende ersichtlich sexistische und rassistische Weltbild ist das Anti zum Pro, mithin dasselbe, nur dass diese ursprünglich politisch rechtsextremen Einstellungen jetzt 'links' sind und die Rollen (höher- bzw. minderwertig) vertauscht werden.

Fair is Foul

Es ist ihnen mit keinem Argument beizukommen, weil sie jeden Kontext und jeden Hintergrund mit ihrer sauren Moral erschlagen. Ein fundierter Gedanke wird somit zur 'Verhöhnung von Opfern', wissenschaftliche und historische Erkenntnisse sind 'patriarchalische Machtausübung', männliche Schwärmerei ist 'Herabsetzung'. Auf der Strecke bleibt alles, was sich aus Sicht dieser fanatischen Religion für Empörung eignet: Sex, Humor, Poesie, Kunst, Wissenschaft und politische Alternativen. Ihr Vorgehen entspricht in jeder Hinsicht der Inquisition. Geändert haben die alten weißen Männer lediglich, dass heute kein Gericht mehr peinliche Strafen und Hinrichtungen gegen die Ketzer verhängt.

Eines der amüsanten Details dieser hässlichen Zeiterscheinung ist die Blödheit der Eiferer, ihre eigene soziale Stellung nicht wahrzunehmen - von Reflexion will ich hier gar nicht anfangen. Fast durchweg Teil der (auch noch überwiegend weißen) akademischen Mittelschicht, wagen es diese Spaten, selbst einer Mehrheit von hoffnungslos Ausgebeuteten nicht etwa beizustehen, sondern ihnen wegen ihrer Hautfarbe und ihres Geschlechts das Recht auf eine abweichende Meinung einzuschränken. Jedenfalls versuchen sie es - dort, wo sie in der Mehrheit sind, lauter schreien und andere einschüchtern können. Das reale Leben scheuen sie derweil ebenso wie eine gleichberechtigte Argumentation. Die gute Nachricht: Diese Mutation unterliegt derselben Evolution wie alle anderen.

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