politik


 
xx

Der Terror ist auf den Straßen. Wie können sie nur, diese Gelbwesten! Pantoufle fasst hier schon einmal sehr gut zusammen, was damit auf sich hat, und ich ergänze mit dem Hinweis darauf, was ich Herrn Misik bei Gelegenheit meinerseits zu seiner großen Weisheit geantwortet hatte. Wissen sie denn nicht, diese Proleten, dass sie am Untergang des Abendlandes werkeln, im Auftrag Putins und der Dummen Linken, der Dummen Rechten und eben nicht der Schlauen Liberaldemokraten?

Was haben sie denn eigentlich gegen die Politik, die den freien Westen seit fast vierzig Jahren Freiheit und Welt verschafft? Arbeitsplätze und Wohlstand, Wachstum und fairen Wettbewerb? Ach, sie merken das nicht, weil sie nichts davon haben! Hätten sie doch bloß Misik gelesen oder wenigstens den Figaro oder unsere Liberopresse, die da singt: "Mit seiner Präsidentschaft wollte Emmanuel Macron ein "Heldenepos der Demokratie" erzählen. Mittlerweile regiert er mit dem Rücken zur Wand. Wie konnte es so weit kommen?"

Unsere Farben

Ja, wie nur? Macron hat uns doch alle gerettet, vor Le Pen, Putin und Kroatien. Ihr seid sogar Weltmeister, was wollt ihr denn noch? Wer sind diese Leute? Und dann gehen sie hin, ziehen sich alle dieselben Klamotten an und machen Randale. Was soll das sein? Revolution in Gelb? Für Gelb? Gelbe Revolution? Wo gib't denn sowas? Das kann ja nur Putins Idee gewesen sein. Anständige Menschen machen keine Farbenrevolutionen in freien Westen!

Schließlich haben sie ihn doch auch selbst gewählt. Es ist doch ihr Präsident. Wie kann man denn gegen die eigene Staatsmacht aufbegehren? Sehen sie denn nicht, dass sie in der besten aller Welten leben? Können sie ums Verrecken keine Verantwortung zeigen - oder sich wenigstens so verhalten, dass ein wohlerzogener, gut gebildeter Vertreter der vierten Gewalt® sie versteht?

 
xx

Es gibt Zeiten, in denen muss man sich begrenzen. Wohl dem, der das kann und dabei nicht aus den Augen verliert, dass er es tut. Es gibt Dinge, die sind wichtiger als alles andere und nehmen so viel Raum ein, dass für Banalitäten und Bagatellen einfach keine Zeit bleibt. Es besteht die Gefahr, dass irgendwann alles irrelevant wird.

Ich kümmere mich mal wieder und bin mir sogar im Klaren, dass das ein Fehler ist, weil ich im Grunde eine Fehlbesetzung bin. Zu nah dran, wo es immer wieder um inneren Abstand und richtige Entscheidungen geht. Die Alternativen sind nur eben noch schlechter. Es geht noch immer um Depression, das zieht sich, bis das Medikament wirkt. Nachgerade faszinierend ist die Kunst des Patienten, seine Welt in Irrelevanz versinken zu lassen.

Interessiert mich nicht

Als Begleiter ist das beinahe ansteckend, schon weil man seinerseits ja eine Priorität gesetzt hat, die alles andere verkleinert. Trost besteht darin, dass diese zehrende Aufgabe eine auf Zeit ist und man sich ein erreichbares Ziel setzt. Dennoch kostet es Kraft, die eben woanders fehlt. Wie irrelevant sind doch so viele Anstrengungen des Alltags. Alles, was nicht zur Entspannung oder bei entsprechender Gelegenheit Ablenkung taugt, wird aussortiert.

Auch das verändert den Blick auf den Normalbetrieb, zumal den derer mit einem normalen Leben. Da ist kaum Platz für eigene Prioritäten. An Eins bis Zehn steht "Arbeit", den Profit der Anderen sichern. Dann kommen vielleicht noch Kinder (wenn man sich welche leistet) und was man so tut, um das Geschwätz im Bekanntenkreis unter Kontrolle zu halten.

Wen interessiert es da noch, wie und von wem man verwaltet wird? "Politik", das ist etwas für Fachleute, die sie einem in kleinen Häppchen zubereiten. Keine Zeit für mehr. Es muss reichen zu wissen, wer die Guten sind und wen man so sympathisch findet, dass man ihn am Ruder® sehen will. Für den Rest kann man dann seinen unterdrückten Hass ausleben, bis auch der im Nebel der Depression abkühlt. Und jetzt wie immer das Wetter.

 
fi

Mit Hans-Georg Maaßen hatten wir einen Chef beim Bundesverfassungsschutz, der nicht nur wie schon seine nationalsozialistischen Vorgänger außerhalb jeder Kontrolle Untergrundaktivitäten steuern und Verbrechen begehen durfte; wir hatten auch einen, der sich in obszöner Weise öffentlich damit brüstete und es obendrein für seine Aufgabe hielt, totalitäre Politik zu machen.

Man könne "all das machen, was man schon immer machen wollte, aber man ist straflos", so sein Vorstoß, um Verbrechernachwuchs für seine Behörde zu rekrutieren. Er bedrohte Journalisten, beriet Rechtsextreme und ließ zuletzt erkennen, dass er selbst paranoiden rechtsextremen Verschwörungstheorien anhängt, indem er "linksradikale Kräfte" in der SPD sehen wollte, die ihm übel mitspielten.

Chef der Pannen selbst panne

Letzteres, so soll es scheinen, war dann zu viel. Es darf aber auch vermutet werden, dass die Schwäche des ihn protegierenden Innenministers seine Entlassung auslöste. Wie dem auch sei - dass diese Person so handeln konnte, setzt den unfassbaren Skandalen von Wehrsportgruppe Hoffmann über Celler Loch, NPD, NSU bis hin zu Amri die Krone auf. Da macht einer buchstäblich, was er will, wozu unter anderem totalitäre rechtsextreme Politik gehört - als Chef des Verfassungsschutzes.

Die Person ist wie immer ein Symptom. Dass der VS zum Himmel stinkt, hat man lange vorher gewusst. Hier draußen muss man sich zwangsläufig fragen, wie das System funktioniert, in dem Politik einen solchen Sumpf nicht austrocknet und kommt ebenso zwangsläufig zu der Annahme, dass der VS Kompromat über jeden sammelt, der ihn ggf. kontrollieren könnte. Es scheint die blanke Angst der 'Demokraten' vor dem 'Schutz' zu herrschen.

Symptom beseitigt

Maaßen war als Chef des VS dafür verantwortlich, wie dieser arbeitet. Es muss also vermutet werden, dass der VS selbst verfassungsfeindlich operiert. Spätestens nach diesen Offenbarungen gehört der ganze Laden aufgelöst und sämtliche Aktivitäten der vergangenen Jahrzehnte überprüft. Das ergibt sich schon allein aus dem, was öffentlich bekannt ist.

Was machen derweil der Rohrkrepierer der Demokratie und die Vierte Gewalt des Profits? Bauen seinen Nachfolger Haldenwang zum "Anti-Maaßen" auf, um die Öffentlichkeit weiter ruhigzustellen. Als hätte sein Stellvertreter nichts gewusst, keinen Einfluss gehabt und könne den ganzen Mief neutralisieren, den der Misthaufen verbreitet, auf dem er selbst gewachsen ist. Gehen Sie weiter, es gibt nichts zu wissen. Wie wird eigentlich das Wetter morgen?

 
xx

Wenn ich an Friedrich Merz denke, wieso fällt mir das bezaubernde Wörtchen "Dreilochstute" ein, das sich einmal in die hiesige Kommentarspalte verlaufen hat? Wie dem auch sei - drei Eingänge werden im Kanzleramt nicht ausreichen, um all die Lobbyisten durchzuschleusen, die sich mithilfe dieses Netzwerknützlings dort einfinden werden, um sich nach dem Tafelsilber und den Möbeln die ganze Bude und den Spreebogen unter den Nagel zu reißen.

Das kann der Politik guttun. Das Blöde ist nur: Prognosen sind so schwierig. Kapital braucht Substanz, die sie verflüssigen kann. Wenn die Mütter und Omas schon verhökert sind, gräbt man halt die Leichen aus. Selbst wenn die erst einmal keiner haben will, kann man auf dem Geschäft zumindest verbriefte Anleihen aufsetzen und sie an die Börse bringen. Irgendwo muss die Kohle ja hin.

Da müssen wir durch

Widersprechen muss ich an dieser Stelle dem Kollegen vom Landkiez: Er hat recht bis zu der Stelle, wo er meint, Merz würde nach rechts rücken und die AfD überflüssig machen. Das hat die CSU schon nicht geschafft. Nein – er wäre der Hyperschröder mit den entsprechenden Folgen. Da Kapitalismuskritik in der deutschen Politik nicht vorkommt, wird der Feind im Dunkeln bleiben. Es können mithin nur die Aliens sein, die uns alles wegnehmen wollen: Kanaken und Kommunisten.

Die Frage ist ohnehin nur die, wie, wie schnell und auf welchem Weg das Kapital in seiner wieder einmal finalen Phase solche Flurschäden anrichtet, dass die Waldbewohner gezwungen sind, es zum Teufel zu jagen. Der kommt bekanntlich gern in Uniform und Schirmmütze persönlich gucken, ehe ihn wer zurück in die Hölle stürzt - sofern der Welt dieses Glück zuteil wird. Danach fängt man halt von vorn an.

Typen wie Merz halten den brutalsten Plünderern und den widerlichsten Despoten die Türen auf. Konkret hat er sich bereits bei allen angedient, deren Leidenschaft darin besteht, den Planeten aufzuteilen und alles, was darauf kreucht und fleucht, in Stückgut zu verwandeln. Er könnte die wohl ohnehin unaufhaltsame Entwicklung entsprechend beschleunigen. Wir wüssten dann halt ein wenig früher, ob es noch irgendetwas gibt, das widersteht. Schadet das?

 
sw

Ich finde nicht viel Gefallen an Don Alphonsos Kolumnen, ganz gleich, wo er sie veröffentlicht, gehöre sicher auch nicht zur Zielgruppe und fühle mich keineswegs angesprochen. Nicht, weil er bei den 'Rechten' gelandet ist und auch nicht, weil er sich gern an vermeintlich 'Linken' abarbeitet, sondern weil die von ihm gepflegte Form der Literatur mich nicht anspricht. Ich mag es politisch gern analytischer und literarisch gern kreativer.

Parteinahme interessiert mich grundsätzlich weniger, es sei denn als Kriterium für schlechte Argumente; auch das ist daher kein Grund, sich mit dem Text zu befassen. Es ist vielmehr - das ist quasi epidemisch - die Entdeckung des politisch 'Anderen' im Arschloch, hier "Feliks" als 'Linker' ("aus dem linken Spektrum/Lager";"Teil einer linken Clique").

Die sind so

Was Herr Feliks da offenbar getrieben hat, sind Arschlock-Aktionen, menschlich unanständig, sachlich falsch und zersetzend sowie persönlich motiviert. Warum also muss so einer, der in jeder Hinsicht deplaziert, impertinent und widerwärtig um die Ecke kommt, hier mit seiner vorgeblich politischen Orientierung identifiziert werden, wo doch sogar ausdrücklich seine Motive (zumindest auch) anderer Natur sind?

Das geht in die andere Richtung freilich auch so, wovon ebenfalls rege Gebrauch gemacht wird: Wenn ein 'Rechter' sich als besonders moralisch angreifbar erweist, obwohl kein Zusammenhang besteht zwischen seinem Handeln und seiner Meinung, wird er von Linken gern als Beispiel für seine Partei an die Wand gestellt. Wozu soll das gut sein?

Wer sind "die"?

Ich habe reichlich Erfahrungen gemacht mit Trollen, auch den ganz üblen, mit Stalkern und kleinen Wichshähnchen, die mir Gewalt angedroht haben (bis hin zu 'Morddrohungen', die für mich freilich keine sind, wenn einer nur mit dem Schwanz in der Hand eine Mail schreibt.). Es waren darunter alle möglichen Freaks - der eine nennt mich "Ausländerhasser", der andere "Stalinist", der nächste "Verräter". Was haben sie gemein? Die politische Orientierung?

Gerade von Menschen, denen ich Expertenkenntnisse in Sachen Internetkommunikation unterstellen muss, erwarte ich, dass sie diese Kategorien nicht durcheinander werfen. Was im Netz trollt, ist Troll. Wenn Troll etwas für eine Mission missbraucht, kann deren politischer Hintergrund nichts dafür. Wenn im Netz als 'links' nur mehr wahrgenommen wird, was andere niederbrüllt, stalkt und mit Dreck bewirft, was hat das dann mit politischer Meinung zu tun?

 
wk

Bei den Nachbarn, die so virtuos an der Oberfläche der Dinge surfen und dort stets nach dem Erlöser suchen, sollte man vielleicht mal an ein paar Ohren ziehen und ihnen deutlich machen, dass ihr Kult um Personen und Parteien eher genau das bewirkt, was sie vermeintlich zu verhindern trachten. Aktuell fragen sie, ob da eine "Machtergreifung" anstehe.

Ich habe mir ein paar Minuten zu den "Linkspopulisten" angehört und immerhin festgestellt, dass das harmlos, ist, was sie da bequatschen - es ist zu langweilig, um damit Schaden anzurichten. Dabei könnte man durchaus lernen aus den Machtergreifungen und -übernahmen. Vor allem eines nämlich: dass sie bloß Symptome waren und sind.

Die Reichstagswahlen der Dreißiger Jahre haben gezeigt, dass ihre Ergebnisse völlig belanglos waren und fehlinterpretiert wurden - vor allem die vom November 1932. Der Durchmarsch in den totalitären Staat war längst im Gange, und Hitler brauchte nicht einmal eine Mehrheit, um sich zu inthronisieren. Die Ursachen waren andere.

Déjà vu

Es sind Gesellschafts- Staats- und Wirtschaftskrisen, die totalitäre Regime hervorbringen. Ihre Vorboten sind Verschärfungen der Sicherheitsgesetze, Abbau von Bürgerrechten, Unzufriedenheit mit dem politischen Establishment und die Bereitschaft einer großen Masse von Bürgern, aggressiv an der Zerstörung des Bestehenden teilzunehmen, um die politische Macht einer einzelnen politischen Kraft zu überlassen, die niemand mehr kontrollieren kann.

Wer demnach glaubt, es bräuchte eine "AfD", um dem Rechtsstaat den Todesstoß zu versetzen, hat den Knall nicht gehört. Das Bett ist wie gesagt gemacht. Sie marschieren schon überall; in Polen, Ungarn, Russland, China, der Türkei und anderswo. Der Clown in D.C. ist derweil nicht analysierbar. Große Wundertüte, aber gefährlich allemal.

Wer glaubt ernsthaft, dass nach den Entwicklungen der letzten Jahre hier und einer drohenden Wirtschaftskrise ausgerechnet Deutschland dagegen gefeit wäre? Wer glaubt ernsthaft, eine AfD sei die Ursache für irgendeinen Umstand, der die kommende Diktatur begünstigt?

 
mu

Angesichts der Mehrfachverwendung des Spitzennützlings Eckart von Klaeden erfolgt im Anschluss eine erweiterte Drittverwertung meines ersten Artikels über ihn vor zehn Jahren. Der stramme Atlantiker hat sich nicht nur einen Namen gemacht, indem er für einen ewigen Krieg in Afghanistan trommelte, sondern vor allem als Lobbyist, zuletzt in der Diesel-Affäre. Sein Bruder ist derweil Cheflobbyist bei Springer. Ich zitiere mich:

Bis zum Endsieg

"Wo ist hier bloß der Ausgang? Ein neues lustiges Spiel der willigen Feuerwehr geht so: Man geht mit einem großen Kanister Brandbeschleuniger in ein Gebäude, in dem ein kleiner Schwelbrand ausgebrochen ist. Der Kanister wird vollständig am Brandherd entleert. Das Gebäude darf nicht durch den Eingang verlassen werden. Sodann sucht man nach einem Notausgang. Wenn dieser sich nicht findet, schickt man mehr Leute hinein und berät, wie man sie wieder hinaus bekommt. Für jeden, der das nicht überlebt, werden zwei neue hinein geschickt.

So blöd ist nicht mal die freiwillige Feuerwehr Eifel-Südost morgens um 5 nach der Frühjahrskirmes. Deutsche Strategen und ihre Freunde von der Achse der guten Hoffnung sehr wohl. Während CSU-Ramsauer sich immerhin erfolglos Gedanken macht, steht das außenpolitische Großgenie von Klaeden vor der Tür und sieht zu, dass keiner sich feige aus dem kollabierenden Haus macht:

Von Bagdhad nach Kabul

"Die einzige Rückzugsstrategie, die wir haben, ist unser Erfolg in Afghanistan", sagt von Klaeden.
Ersetzen Sie "Afghanistan" durch "Stalingrad", und Sie erkennen die überlegene militärische Haltung, die sich da offenbart.
"Aber erst wenn Afghanistan über selbsttragende Stabilität verfügt, können die Truppen abgezogen werden";
"Wenn wir die Menschen in Afghanistan wieder wie nach dem Abzug der Sowjets im Jahr 1989 im Stich lassen, wären die Gefahren für unsere Sicherheit noch weit größer als vor dem 11. September 2001."

Vergessen wir einen Moment die grammatikalische und historische Verwirrung, die der Mann da stiftet - "Wir" haben nicht mit den Sowjets gekämpft oder jemanden im Stich gelassen, "wir" haben die Mudschahedin unterstützt und gepäppelt. Das Volk war "uns", dem Westen, wurscht, "wir" wollten um jeden Preis die Sowjets loswerden. Das hat auch prima geklappt.

Was stimmt: Seitdem die Russen abgezogen sind, in den letzten 20 30 Jahren also, ist Afghanistan instabil. So wie Dutzende anderer Staaten und Gebiete anderswo. In Afghanistan soll jetzt Ordnung geschaffen werden. Wie, mit wem, was, das sind Fragen, die "wir" mit einem Achselzucken beantworten. Von Klaeden weiß, dass die Terroristen aus Afghanistan kommen. Sie kommen zu uns und töten uns alle, wie schon am Dooms Day 2001. Das hat ihm der Teufel verraten, und den treibt er uns aus. Wenn nur ein verwirrter bayerischer Parteifreund öffentlich darüber nachdenkt, ob es denn auch ein Ende des Krieges geben darf, liest er ihm die Leviten.

Der Lobbyist

Dieser hanebüchene Irrsinn ist für jeden Verstand, der noch ein "Ping" absetzen kann, so unzugänglich, dass mir jede Idee für eine Analyse fehlt. Vielleicht ist von Klaeden ein Gnostiker, der durch ein Wurmloch ins 20. Jahrhundert gekrabbelt ist und dort spontan mit einer Krawatte fusionierte. Der wohl untalentierteste Außenpolitiker seit Carl Ranseyer versucht seit seiner Erweckung, das "Wir" in uns allen als Erlösung aus dem "Ich" virtuos in politische Ahnunglosigkeit zu transformieren. Das gelingt ihm so unnachahmlich, dass er das Zeug zum Guru hat. Muss er aber als Abgeordneter und Funktionär der Politeska wirklich öffentlich zitiert werden? Ich hätte da eine bessere Idee:

Gebt dem Mann eine Insel, auf der er mit Zombies seinesgleichen den Hirntod bei intakten Körperfunktionen zelebrieren kann, lasst ihn teure Nahrungsmittel und saubere Luft verbrauchen, aber verschont mich doch mit seinem unerträglichen Gelalle, BITTE!

Reichlich Arbeit

Eckart von Klaeden ist im Vorstand der "Atlantikbrücke", Mitglied im Beirat der "Atlantischen Initiative" und ehemaliges Mitglied im Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentages, also in denselben Zirkeln wie die führenden Grünen. Die FR meinte 2013, er wechsele "aus dem Zentrum der Macht zu Daimler", da hat wohl wer etwas verwechselt."(Zitat Ende)

Klaedens Vorgänger bei Daimler ist der Diplomat Martin Jäger. Er kam aus dem Auswärtigen Amt. Jäger war Sprecher von Frank-Walter Steinmeier, seinerzeit Chef im Kanzleramt, sowie im Außenministerium, bevor er 2008 zum Autokonzern wechselte. 2013 kehrte er in den Auswärtigen Dienst zurück und wurde Botschafter in Afghanistan.

Hier ist jetzt bitte eine Verschwörungstheorie fällig, was Daimler, die Bundesregierung und Afghanistan miteinander verbindet.

 
zo

Quelle: Pixabay

Es wird geraunt und getuschelt, eine "nächste Bankenkrise" könne sich bald ereignen. Nun ist das ja wie so oft gesagt eine Teilkrise des Kapitalismus im Endstadium, weil im Zuge der Konkursverschleppung eben Profite vorgetäuscht werden müssen, die nicht existieren. Rund um das Bankgeschäft bedeutet dies, dass Profite der Zukunft (Schulden, Zinsen) versprochen werden, die sich niemals ereignen können. Es ist ähnlich wie beim Doping im Sport: Jeder weiß es, alle halten still, und Putin ist schuld.

Der Vergleich endet da, wo der Kollaps nicht nur ein paar Aktive und Vereine trifft, sondern das gesamte System. Wir hatten das ja alles schon; damals wurde der Steuerzahler in Geiselhaft genommen, um mit extremem Aufwand gerade das Schlimmste zu verhindern. Verhindern? Nein, wieder nur verzögern, denn das war nur die Spitze des Eisbergs. Beim nächsten Mal wird alles Geld der Welt nicht mehr reichen, schon gar nicht das der Staaten.

Unaufhaltsam?

Ich erwähne dies, weil ich mich spätestens seit 2007 (man konnte es kommen sehen) frage, wo eigentlich der Plan B bleibt. Anfangs ging es mir dabei noch um die Linke, die ja immerhin wissen darf, dass Kapitalismus nicht funktioniert. Ich vermisste jegliche Konzepte für den Fall des Domino Day. Es gibt sie bis heute nicht. Vom Staat selber, in dem neoliberale Berufsoptimisten das ständige Wirtschaftswunder begrinsen müssen, ist da eh nichts zu erwarten. Es ist, als ob jegliche Vorbereitung die Katastrophe nur auslösen würde.

So, und jetzt haben wir eine neue Volkspartei. Eine, die regional bereits die stärkste ist und sich bundesweit bereits auf den zweiten Platz vorschiebt. Was mag jetzt wohl passieren, wenn die Wirtschaft vor die Wand fährt, die Preise unerträglich steigen, die Arbeitslosigkeit uferlos wird und der Staat pleite ist? Wer wird dann wohl mit dem größten Erfolg Sofortmaßnahmen versprechen? Wem ist das Bett bestens gemacht mit Polizeigesetzen, Totalüberwachung, Sündenbock-Prinzip und Nazis in den Sicherheitsdiensten?

Hätte mir vor zwanzig Jahren wer gesagt, dass wir so schnell so nah an den nächsten deutschen Faschismus heranrücken, ich hätte ihn ausgelacht.

 
vw

Quelle: pixabay

Es gibt eine Tendenz sich das Denken nicht nur leicht zu machen, sondern es gleich ganz durch Bauklötzchen zu ersetzen, und zwar rechts wie links. Von der Rechten kennen wir bereits den Begriff "Identitär", er passt aber genau so gut auf die postmoderne Linke. Beide sind derweil ebenso rassistisch wie sexistisch. Ja, richtig, auch die Linke, und zwar insbesondere die, die da ein "Anti-" vorschiebt.

Was diese Ideologien auszeichnet, ist dass sie nicht aufmerksam beobachten, analysieren und differenzieren, sondern eben identifizieren, will heißen: abstempeln. Es geht einzig darum, ob wer dazugehört, und dies ist in der Regel an Äußerlichkeiten gebunden: Hautfarbe, Geschlechtsmerkmale, Slogans, Auftreten. Wer sich der Gruppe unterwirft, darf mitmachen, sofern er nicht von vornherein zu den Unerwünschten gehört (Neger, Nafri, alter weißer Mann).

Weil sie böse sind

Eine Aktivistin der Pseudolinken hat jüngst eine ganz schlimme Sache entdeckt, die sie "Meritocracy" nennt, also die Dominanz der Verdienten und Fähigen, hier im Zusammenhang mit Programmieren. Das Schlimme daran sei, dass diese "böse Leute dafür belohnt, dass sie guten Code schreiben". Es soll also jemand nicht mehr für gute Arbeit belohnt werden, wenn er böse® ist.

Wer böse ist und warum, entscheiden natürlich die Aufpasser und Moralwächter. Wenn jemand einmal gegen deren Ideologie verstößt und sich womöglich noch uneinsichtig zeigt, gilt er als böse und hat fortan keine Rechte mehr. Insbesondere wenn er den Opferkult der Neurassisten nicht anerkennt und ein weißer Mann ist. Es ist mithin exakt dasselbe, was Faschos mit Juden, Schwarzen und anderen Minderheiten gemacht haben, bloß dass sich hier angebliche Fürsprecher der Minderheiten gegen eine der größten sozialen Gruppen wenden.

Der Mob

Das Kernproblem dabei ist ein verrottetes Denken, das keinerlei Stimmigkeit mehr bieten muss, sondern durch eine stetig wachsende Menge an Dogmen die Gruppe derer definiert, die gut® sind. Abweichungen davon sind böse®. Gute® dürfen alles, also beleidigen, mobben und ggf. sogar Gewalt ausüben, für Böse® gilt das Gegenteil: Schon deren Widerspruch gilt als Gewalt.

So wie sich in ländlichen Gebieten, hier insbesondere in Ostdeutschland, Identitäre der Rechten zusammenrotten, die Kriminelle und Gewalttäter an der dunkleren Haut- und Haarfarbe erkennen, so dass sie gewaltsamen Widerstand gegen diese leisten dürfen, haben sich an vielen Hochschulen und in sozialen Medien (insbesondere Twitter) die linken Identitären breitgemacht.

Wir sind ...

Stereotypen, Schnellschüsse und Verdachtsurteile bestimmen die Szene. Was böse® erscheint, ist dadurch bereits böse®. Das muss ausgemerzt werden, damit die Opfer/die Guten® nicht darunter leiden müssen. Hier sind die weißen Männer allesamt (potentielle) Vergewaltiger, dort eben die Nafris, die unsere treuen Hausfrauen schänden wollen. "Die sind so" - dieser Kern des Identifizierens, dieser maximale Schwachsinn als Leitmotiv jeden erlaubten Gedankens, ist die oberste Direktive.

Wer so denkt, denkt gar nicht mehr. Das gilt freilich nicht nur für die Fanatiker rechts und links, sondern gleichermaßen für die 'Mitte', die ebenso schnell erkennt, es bei Rechten und Linken mit dem Bösen® zu tun zu haben. Auch ihnen reichen in der Regel ein paar Äußerlichkeiten oder einzelne Aussagen, um andere in ihren Setzkasten einzuordnen und die immer gleichen Urteile abzugeben. Es ist trostlos.

 
pl

In den Diskussionen hier wird häufig angemahnt, es habe ja schon vor dem Kapitalismus Herrschaft gegeben, zumal autoritäre. Ich weise das meist zurück, weil eben im Kapitalismus Herrschaft eine bestimmte Form annimmt und diese jenem dient, eben nicht umgekehrt. In der Entwicklung von Alternativen entbindet uns das freilich nicht von der Auseinandersetzung mit dem Problem.

Ich will mein Steinchen einmal mehr etwas weiter werfen und versuchen zu verstehen, wie Herrschaft und autoritäre Strukturen jenseits des Kapitalismus zu denken sind. Der Stand der Dinge hier, wo es um Gegenmodelle geht, ist der, dass grob gesagt eine Art Mix von Kommunismus und Anarchie bevorzugt würde. Kommunismus, weil die gesellschaftlich unterste Ebene oberste Priorität hätte, Anarchie, weil niemand das Recht hat, über andere zu herrschen.

Power Is a Bitch

Das klingt für viele schon schlimm, weil sie diese erzdemokratische Grundidee nicht mit den Begriffen zusammenbringen. Andere stoßen sich an der nicht vorhandenen Herrschaft – auch weil die Vorstellung schwierig ist, dass es dann trotzdem noch Regeln geben kann, ja sogar muss. Man unterwirft sich ihnen nur freiwillig – so weit das geht, denn das Paradoxon liegt darin, dass die Alternative wiederum ein Verlassen der 'Kommune'/Gemeinschaft wäre, die sich den Regeln unterwirft, was unvermeidlich auch wieder eine Form von Machtkonstellation bedeutet.

Strittig war und ist hier schon die Frage, ob es einen Übergang in Form einer Art Staatssozialismus geben dürfe – sei es auch einer, der auf Geld und vor allem Lohnarbeit verzichtet. Ich selbst halte das für eine der realistischsten Möglichkeiten, die Entwicklung der menschlichen Organisation voran zu bringen. Es gibt aber jenseits des Organisationsproblems auch eines, das diese Ebene mit dem schlichten menschlichen Umgang verbindet und so die sozialen Beziehungen bestimmt: Autorität.

Beherrscht euch

Es wäre unwissenschaftlich und nicht belegbar zu behaupten, es würden sich keine autoritären Strukturen ausbilden, weil eine wie auch immer geartete Gesellschaft das nicht 'wollte'. Es ist nicht bloß zu erwarten, dass sich Menschen auch unter anderen Umständen anderen unterordnen, die sich das wiederum gern gefallen lassen – es ist vielleicht sogar unvermeidlich, dass sich gewisse Hierarchien bilden, um das Überleben einer Massengesellschaft (i.e. unserer Spezies) zu ermöglichen.

Wir kennen derweil solche Hierarchien nur aus Herrschaftssystemen, in der die Herrschaft selbst ihre Ausübung legitimiert - Monarchien, Feudalsysteme, autoritäre Staaten, Militär und Kapitalismus. Einerseits ist es nicht zu leugnen, dass diese Systeme Hierarchien und Autorität erzeugen, andererseits kann man nicht behaupten, es gäbe sie nicht auch ohne. Die Frage stellt sich also, wie man intelligent mit diesem Problem umgeht, das eben auch eine mächtige Ressource darstellt.

Nächste Seite »