geostrategie


 
rs

Es ist schon ganz richtig, den Nationalisten ins hohle Gemurmel zu trommeln, dass der Kapitalismus und seine hässlichen Ausläufer das Problem sind, nicht die Menschen, die von ihm gehetzt werden. Einer jener hässlichen Ausläufer, das ist der asymmetrische Dritte Weltkrieg, den nicht der Spuk des Terrormoslems ausgelöst hat, sondern die USA und ihre NATO nach Nine-Eleven.

Ich werde mir noch immer nicht die Kommentarspalte zerfaseln lassen mit Spekulationen darüber, wer was getan habe im Jahr 2001, als ein paar Amateure mit Teppichmessern unter anderem New York und das Pentagon bombardieren konnten. Es ist mir egal, wer da wen wobei wie unterstützt hat. Es ist irrelevant. Worüber es nämlich keine Spekulation gibt und keiner kruden Theorien bedarf, das sind die Folgen, siehe oben.

Der permanente Krieg

Afghanistan habe ich bis heute nicht recht verstanden, am ehesten mag der permanente Krieg als Selbstzweck Sinn dieses hirnlosen Feldzuges sein. Wenn man sich heute die Resultate des Irakkrieges anschaut, ergibt das eben jenes Bild des endlosen Krieges, das die USA nach Afrika, Arabien, Asien und Europa getragen haben. In Asien dürfen sie nur die Ränder anbomben, Pakistan eben und Afghanistan.

Nordafrika ist nach den Kriegen in Irak, Libyen und Syrien sowie die Destabilisierung weiterer Staaten (Tunesien, Ägypten, zeitweise Algerien) ein einziges Chaos. Was nicht unmittelbar ins Chaos gestürzt wurde, hat mindestens mit den Flüchtlingsströmen zu kämpfen. Die erreichen in Südeuropa das vom Kapital verwüstete Ödland am Rande des kürzlich noch reichen Kontinents: Griechenland, Spanien, Süditalien. Von dort aus versuchen die Flüchtlinge vor dem noch größeren Elend, sich ein neues Zuhause zu suchen.

Es kam schlimmer

Im Nordosten ist es mit der Ukraine gelungen, an der Grenze Russlands Ähnliches zu schaffen. Noch ein bis zwei weitere Erfolge dieser Art würden die Völkerwanderung perfekt machen und auch Europa zum Failed Continent werden lassen. Bislang gibt es nur die Fluchtrichtung nach (Nord-)Osten, aber das kann sich schnell ändern.

In dieser Situation von Abschiebungen, Wirtschaftsflüchtlingen und verantwortlichen Schlepperbanden zu schwadronieren, ist so geisteskrank, dass man es gar nicht mehr kommentieren kann. Wenn dergleichen aus der Fäulnis der Parlamentarischen Demokratie und ihrer willfährigen Medien verbreitet wird, ist das ein weiteres Symptom. Sie würden sicher bald wieder Bücher verbrennen, aber wie zündet man bloß das Internet an? Da haben sie ein echtes Problem. Ob da auch ein paar Teppichmesser helfen?

 
Ich habe hier mehrfach betont, dass ich mich als Deutscher nicht zur Politik des Staates Israel äußern möchte, insbesondere nicht zu Verbrechen israelischer Sicherheitskräfte an Palästinenser/innen. Das können andere besser, die keine Nazienkel sind, selbst wenn sie dasselbe sagen.

Ich muss das inzwischen aus einer anderen Perspektive betrachten, inspiriert durch Hartmuts Artikel[edit: Artikel wurde gelöscht]. Dazu ein kleiner Bogen:

Ein Staat wie jeder andere

Ich habe mit hartem Kopfschmerz eine Menge Beiträge von Herrn Broder gelesen und gehört; sie fielen fast allesamt in Kategorien wie Schwachfug, Provokation, reaktionärer Geifer, kurzum: rechtes Getrolle. Es war aber auch eine Formulierung darunter, die eines Zitats würdig ist, nämlich, dass weder die Juden noch der Staat Israel eine weitere „Sonderbehandlung“ wollen.

Das bedeutet für mich noch immer nicht, dass jeder Stammtischprediger etwas fruchtbares zum Diskurs beiträgt, indem er sich zum Schutzpatron Palästinas aufbläst. Es gibt aber einen anderen Ansatz, der es verbietet, die Politik des Staates Israel und seiner Regierungen zu ignorieren. Die traditionell reaktionären Kriegstreiber in den Kabinetten und dem Militär sind nämlich Teil geostrategischer Konzepte, die global dieselben Ziele verfolgen: die Vormacht der herrschenden Kapitalmacht zu sichern.

Dabei spielen Herkunft und Religion höchstens eine Nebenrolle und sind ebenso Mittel zum Zweck wie alles andere, das inzwischen wieder hoffähig ist: Mord, Folter, Krieg und Chaos. Dabei ist Israel keine besondere treibende Kraft, schon gar nicht „die Juden“. Als Intimpartner der USA ist Israel allerdings einer näheren Betrachtung wert.

Bedingt verzichtbar

Die Orwellschen Dimensionen rein destruktiver Kriegsführung durch die NATO und ihre Verbündeten ist kein Versehen oder eine Serie von Pannen. Dass zuletzt ganze Regionen ins Chaos gestürzt wurden, ohne jeden Gewinn an Boden oder Ressourcen, ist Kalkül im Kampf um Profite. Die USA verschaffen sich so auf Kosten ihrer 'Partner' einen kontinentalen Standortvorteil. Gleichzeitig ist das Durchregieren in den verkrusteten Strukturen der Despotien aller Art ein Leichtes, denn schließlich ist man dauerhaft „im Krieg“.

In der Folge treiben regierende Vasallen stabile Staaten in unüberwindbare Krisen. Für Israel bedeutet dies – jenseits aller depperten Diskurse um ein „Existenzrecht“ - eine zunehmende Bedrohung. Sowohl Scharfmacher wie Netanjahu und ähnliche 'Falken' als auch die losgelassenen Weltkrieger in Washington D.C. sind jederzeit bereit, die Existenz Israels und jedes anderen Landes – mit Ausnahme der Mutter des Imperiums - für ein paar Prozent 'Wachstum' aufs Spiel zu setzen. Deutschlands Rolle dabei ist die, willenlos absolut alles zur Unterstützung des Großen Bruders zu tun. Sollte dazu die Vernichtung Israels gehören, wird auch dafür keine Ausnahme gemacht. Freundschaft sieht anders aus.

 
jupp

Wie waren gleich noch die christlichen Werte? Ich habe schon lange verstanden, was die Betonung des "jüdisch-christlichen Abendlandes" und seiner angeblichen Werte bedeutet, und inzwischen wird es sichtbar. Die verbrämte Religiosität taugt nur zu einem, nämlich zum Ausschluss aller Menschen, die eben nicht dazugehören. "Diskriminierung" nennt sich das Spiel, und am Ende ist es ebenso rassistisch wie es gegenaufklärerisch ist. Die Menschenrechte werden durch das Feindbild und das ihm unmittelbar folgenden Feindrecht teilbar. Damit sind sie natürlich ausgelöscht, aber der Westmensch wähnt sich auf der richtigen Seite, weil er nicht sehen mag, dass die nicht im Norden oder Süden ist, bei den Christen oder Muslimen, sondern oben, wo er gar nicht hin kommt.

Ich frage mich oft, wie militärische Verbrechen geplant werden, die freilich unter "Politik" firmieren. Sitzen da ein paar alte Männer zusammen und einer sagt: "Lasst uns was zerstören und viele Leute töten"? Was ich heute lese, raubt mir nur deshalb nicht den Atem, weil ich mich längst daran gewöhnt habe, dass Menschen massenhaft entrechtet und ermordet werden. Die NATO hat den Iran (noch unter Pahlevi) aufgerüstet, dann den Irak, Saudi-Arabien, die Taliban, die 'Opposition' gegen Syrien, hat Libyen teils boykottiert, teils ebenfalls bewaffnet, verfuhr ähnlich mit den Kurden, die erst als Terroristen galten und dann auch bewaffnet wurden.

Die NATO hat Afghanistan und den Irak besetzt und teils zerstört. Sie hat Libyen zerstört. Die bewaffneten Horden aus Taliban, Al Qaeda, irakischer Armee und sonstigen Mördern haben die gesamte Region ins Chaos gestürzt. Die NATO hat reagiert, indem sie immer mehr Waffen geschickt hat. Das ist nur ein Teil des Problems, da ist noch nicht näher erwähnt, was das verhätschelte Fundamentalistenregime in Saudi-Arabien in der Region veranstaltet oder die Destabilisierung Ägyptens, Algeriens und Tunesiens für Folgen zeitigt. Die Menschen in Nordafrika geben allmählich auf. Viele von ihnen wollen es in Europa versuchen.

Let's Destroy Someone

Was tun wir? Wir gehen hin und zerstören ihre Boote. Nehmen Menschen fest. Töten vermutlich wieder welche. Wir gehen hin und zeigen ihnen, dass es keine Hoffnung gibt. Bloß weil wir eure Länder zerstören, habt ihr noch lange nichts bei uns verloren. Baut halt wieder auf, vielleicht gibt es sogar Kredite von Weltbank und IWF.

Wer zynisch genug ist, dass ihm das am Arsch vorbei geht, fragt sich aber vielleicht noch, wo da das Sicherheitskonzept ist. Wie war das noch? Wir führen Krieg gegen Terroristen? Welche genau? Wir gehen hin und zerstören den Nachbarkontinent zu unserer Sicherheit? Wir schützen uns vor Terroristen, indem wir nebenan Millionen Menschen entwurzeln, sie an tägliches Grauen gewöhnen, zu einer Existenz zwischen Leben und Tod verdammen? Das tun wir ganz nebenbei im Namen der Menschenrechte?

Fefe hat heute die VT aufgeworfen, das könne ein Plan der Amerikaner sein, sich die Konkurrenz aus Europa vom Hals zu halten. Eine These, die in der entschärften Form noch mehr Sinn ergibt: Die USA führen einen 'Krieg', der sie wieder einmal nicht erreichen kann, auf Kosten zweier Kontinente, und finden kollateral den Grund, alle Welt permanent zu überwachen. Alles, was es brauchte, war ein einziger Anschlag auf ihrem Territorium. Seitdem ist ihr Krieg der Rassen ein Problem anderer Leute.

Herrenopfer, Täterplebs

Ich erinnere aus diesem Anlass daran, wie die Saat hier aufging; wie ein bewährtes Muster die Reihen der Rassisten geschlossen hat gegen die neuen Untermenschen:

So spielen bei Migranten aus dem Nahen Osten auch genetische Belastungen, bedingt durch die dort übliche Heirat zwischen Verwandten, eine erhebliche Rolle und sorgen für den überdurchschnittlich hohen Anteil an angeborenem Schwachsinn und anderen Erbkrankheiten.

Damit durchseuchen sie Deutschland und Europa. Es ist immer dasselbe. Wenn man erst einmal "drüber redet", wird auch wieder marschiert. Erbarmungslos. Die Täter, das sind „Schlepper, Terroristen, Illegale, Schmarotzer“. Opfer ist das Herrenvolk, das sich dagegen schützen muss. Wir Verteidigen nur unsere Freiheit, jetzt an den Küsten Nordafrikas.

 

Was dieser Putin sich da wieder für Verschwörungen ausdenkt!!1!

 
Die FAZ schreibt: „Doch muslimische Verbände müssen sich fragen, wieso ihre Religion so viele Terroristen hervorbringt.

Allein während es ersten Terrorjahres starben 479 Menschen, davon 247 Zivilisten. Binnen weniger Jahre erhöhte sich die Zahl getöteter Terroristen, Sicherheitskräfte und Zivilisten auf über 1000.

Die Dienste setzten daraufhin auf Infiltrierung. Nach Massenverhaftungen wurden Spitzel angeworben, denen sonst drakonische Haftstrafen gedroht hätten. Deren Denunziationen führten zu hunderten weiterer Verhaftungen. Die Gewalt hielt dies alles nicht auf. Die Terroristen wurden von religiösen Extremisten in Protesten unterstützt. Binnen 20 Jahren starben mehr als 3000 Menschen, und zwar nur in Nordirland, wo sich Protestanten und Katholiken, Royalisten und Nationalisten gegenseitig abschlachteten.

Friedliebende Christen

In etwa derselben Zeit tötete die Euskadi Ta Askatasuna 823 Menschen, und zwar zwischen den Sechziger und Zweitausender Jahren. Auch die ist keine islamistische Organisation, sondern die als „ETA“ bekannte Organisation der baskischen Separatisten, die zunächst gegen Franco kämpfte und dann gegen die spanische konstitutionelle Monarchie.

Die Grundkonflikte waren dabei vergleichbar, wobei in Nordirland der Kampf um Souveränität entlang derselben Fronten verlief wie der der Konfessionen. Es wäre hier genauso falsch zu behaupten, es handele sich dabei um religiös motivierten Terror wie es falsch ist, Anschläge durch Muslime auf religiöse Motive zu reduzieren. Die Parallelen zwischen den Kämpfen der ETA und der IRA bzw. UUP sind ein guter Hinweis darauf, dass es mit wie ohne Religion geht.

Religion und andere Motive

Der Verdacht drängt sich auf, dass je nach Tätern und Opfern sowohl die Dimensionen völlig unterschiedlich dargestellt werden als auch die Gefahr, die tatsächlich besteht sowie die Reaktionen des Staates. Von 1971-1993 gab es 34 Todesopfer durch die RAF. Die Reaktionen darauf haben einen völlig neuen Sicherheitsapparat zur Folge und waren teils hysterisch. Es wurden seinerzeit ganze Autobahnen gesperrt für die Fahndung, und der Ruf nach der Todesstrafe wurde häufig laut. Die Medienkampagnen dazu waren entsprechend.

Bevor ich zu den Medienreaktionen komme, kurz zurück zur Religion als Motiv: Die Verbindung von religiösem Eifer mit Mord- und Selbtsmordkommandos ist nur logisch. Religionen helfen ggf. dabei, sein Leben zu geben und auf ein Jenseits zu hoffen, sie kitten jede Irrationalität und relativieren den Wert des Menschen, indem sie ihn vom Bezug zu Gottheiten abhängig machen. Das ist praktisch für den Fanatiker, es geht aber wie gesagt auch ohne diese Hilfe.

Hinzu kommt, dass keine Religion der Welt von ihren Anhängern erwartet, dass sie Menschen töten. Auch nicht der Islam. Wir sprächen sonst ohnehin nicht von „Terroristen“ und ihren Anschlägen, sondern befänden uns im Krieg mit Milliarden entschlossener Feinde. Während NATO-Staaten seit Jahrzehnten ununterbrochen überall in der Welt Kriege führen, wirft man aber hier „den Muslimen“ vor, Terroristen hervorzubringen.

Nützliche Idioten

Der faktische Zusammenhang ist dabei derart offensichtlich, dass man schon ein Depp sein muss, um ihn nicht zu sehen. Palästina, Irak, Iran, Afghanistan, Libyen, Syrien – die Liste der betroffenen Staaten und Regionen ist nicht vollständig, aber überall sind es mehrheitlich muslimische Bevölkerungen, die von der NATO militärisch angegriffen werden. Der Bevölkerung ist es übrigens völlig egal, ob dabei Gute oder Böse angegriffen werden, wenn sie nur genug unter den Invasionen leidet. Die Antwort darauf ist teils militant, was hier eben „Terror“ heißt.

Die Täter sind dabei zwar persönlich motiviert, sind durch ihren Fanatismus aber Nützliche Idioten für jede Art von Hintermännern. Das hat mit Religion nichts zu tun, das ist Interessenpolitik mit Waffengewalt. Nichts anderes ist übrigens auch der unmittelbar kapitalistische Terror des Drogenkrieges. Was in Mexiko etwa an der Tagesordnung ist, scheint nicht zu interessieren, weil es ja nur Geld ist, für das dort täglich Menschen ermordet werden.

Es ist absolut nichts dran an der Behauptung, der Islam bringe Terroristen hervor. Der Krieg bringt sie hervor, die Gewalt, der Bombenterror. Dabei ist es vollkommen egal, wessen Bombe Menschen tötet. Jede Bombe erzeugt Hass, und der findet seine Rächer. Katholische, muslimische, kommunistische und nationalistische.

Gute Täter, böse Opfer
 
Allein die offizielle Statistik der Terroropfer von Nazis allein in Deutschland seit 1990 liegt bei 58. Die Verbindung von rechtsextremen Mördern zum Verfassungsschutz ist nicht zu leugnen. Dennoch findet kein Aufschrei statt, keine Großdemonstration, und in der Presse ist nichts zu lesen von Geheimdiensten, die Terroristen hervorbringen. Während von eineinhalb Milliarden Muslimen ein paar Dutzend in den letzten Jahrzehnten mit Anschlägen in Verbindung gebracht werden, flog hier auf, dass fast ein Drittel der Mitglieder des rechtsextremen „Thüringer Heimatschutzes“ dem Verfassungsschutz angehörten. Wer aber spricht von Terroristen im Staatsdienst?

Es ist offensichtlich, dass „Terror“ eine Kategorie ist, um Taten und Opfer unterschiedlicher Gruppen unterschiedlich zu bewerten. Sind die Täter „Kommunisten“ und ihre Opfer Repräsentanten von NATO-Staaten, ist der Alarm allumfassend. Sind die Täter Nazis und ihre Opfer 'Ausländer', wird bestenfalls weggeschaut. Sind die Täter Christen oder Juden und die Opfer Muslime, ist das „Verteidigung“ in aller Welt; ist es umgekehrt, spricht man von einer terroristischen Religion.

Terror ist furchtbar. Jede Form von Bombenanschlag, Schusswaffengewalt und Massenmord hält die Spirale in Gang. Wer sie aufhalten will, muss den Kreis der Rache durchbrechen. Dabei ist es wenig hilfreich, wenn in Gut und Böse, geborene Täter und unschuldige Gegentäter unterschieden wird. Es hilft vielmehr den Rächern, rassistische Ressentiments als Kriegsgrund zu liefern. Der Krieg wird dabei nicht nur gegen den erklärten Feind geführt, sondern genau so gegen die Bürgerrechte. Das ist das Schlimmste an diesem Terror, dass er ein gefundenes Fressen ist für die Faschisten auf beiden Seiten.

 
t34

Ein oft unterschätzter Aspekt der neoliberalen Agenda ist die ausdrückliche Vorgabe, positiv über wirtschaftliche Zusammenhänge zu sprechen. Daraus resultiert nicht bloß die Pflicht zur Propaganda, sondern ein 'Denken'. das stets vom gewünschten Resultat her die Wirklichkeit kommuniziert. Weil das oft nicht mehr geht ohne sich in den Schleudergang der Gehirnwäsche zu begeben, werden Techniken wie Neusprech, Zwiesprech und das absurdeste Argumenteyoga veranstaltet. Ein Beispiel für erschreckende Dimensionen des Realitätsverlusts schenkt uns aktuell die FAZ:

Deutschland hat gute Laune. Kaum einer ist arbeitslos, alle konsumieren, viele sind optimistisch. Nur die Firmen halten sich zurück und horten Bares, statt zu investieren. Es fehlen die Ideen. Und der Mut.

Ähm, ja genau. Nein, ich habe das nicht erfunden und es finden sich auch keinerlei Anzeichen für Ironie, das ist ernst gemeint. Millionen Aufstocker, weitere Millionen Arbeitslose, noch weitere, die in Maßnahmen, wegen ihres Alters oder anderer Tricks nicht erfasst werden, ganz zu schweigen von prekär Beschäftigten, und die Kapelle da oben spielt "Uns geht's gut". Dass wir unsere Arbeitslosigkeit obendrein größtenteils in die Länder unserer Währungspartner exportiert haben, wird nur mit einer weiteren Jubelmeldung quittiert, nämlich dass Deutschland Wachstum Wachstum®, während "um uns herum" alles schrumpft. Alles super!

Darf nicht, kann nicht

Kreuzerbärmlich dumm genug, aber diese Höchstleistung ist nur einmal mehr die Folge eindimensionaler Analyse, wenn man die denn noch so nennen mag. Die Kernaussage ist nämlich die, Wirtschaft sei Resultat eines Willens. Woher kenne ich das bloß? Die Angst sogenannter "Ökonomen" und ihrer schreibenden Kolonne vor einer Wahrheit aus dem Jenseits ist grotesk. Die geringste Anleihe bei Marxschen Theoremen ließe ihnen sofort einen hässlichen Bart wachsen und russische Panzer auffahren. Wir wagen es trotzdem:

Wie schon öfter betont, warten auf einen Dollar, der irgendwo auf der Welt umgesetzt wird in Produktion oder Dienstleistungen, drei Dollar, die vermehrt werden wollen. Sogenanntes "Wachstum", was nichts anderes bedeutet als Profit, ist also real kaum mehr zu schaffen. Nettowachstum geht nur über höhere Schulden, gesucht werden also Schuldner, die noch mehr aufnehmen als andere längst zurückzahlen müssten. Wo sollen die herkommen? Irgendwo ist da ein Ende der Fahnenstange.

Es ist nebenbei ja überhaupt nicht so, das niemand investiert, welch ein Unsinn! Es wird nur insgesamt eben weniger investiert, weil das große Fressen im Gange ist. Das holde Wachstum geht nur noch auf Kosten anderer. Monopole fressen die Konkurrenz; gerade jüngere Wirtschaftsbereiche bilden extrem schnell Riesenkonzerne mit gewaltiger Macht. Google, Microsoft, Amazon, Facebook, Apple zum Beispiel. Kalte Wette: in den nächsten fünf Jahren wird mindestens eine dieser Marken auch von einer der anderen aufgekauft. Das nur am Rande.

Das Paradies, zum Greifen nah

Ja, und selbst Wachstumsexportweltmeister Deutschland wie gesagt konkurriert andere an die Wand, um noch ein mickriges Prozentchen zu wachsen. Das ist eine Heuschreckenstrategie, denn die so ruinierten Wirtschaften "um uns herum" werden "wir" als Kunden noch bitter vermissen. Obendrein lassen wir uns von den Amis zwingen, nicht mehr beim Russen zu kaufen. Deren Strategie ist derweil ein imperialistischer Amoklauf. Nicht nur TTIP soll eine US-dominierte Handelszone schaffen, gleichzeitig wird eine "transpazifische" aufgebaut, um die Wirtschafts-NATO zu ergänzen.

Hier schließt sich der Kreis, denn was ich da lese, macht mich hart lachen. "120 Milliarden Dollar" soll der ganze Spaß jährlich bringen. Das sind etwa 0,5 Promille des um die Welt schwappenden Kapitals. Das geht ab wie Rizinus, wetten dass? Kommt Leute, wir müssen das positiv kommunizieren!

Im übrigen sind Wille und besseres Wissen überall vorhanden. Die New York Times hat eine erhellende Analyse der Kommunikation von Fracking-Unternehmen erstellt. Daraus geht hervor, dass intern immer klar war, wie wackelig der Boom war, dass die mit Fracking verbundenen Hoffnungen völlig überzogen waren und die Vision, die USA könnten Energie netto exportieren, geradezu idiotisch. Aber so kannst du das natürlich nicht sagen. Nicht als Mitarbeiter, nicht als Ökonom und schon gar nicht als journalistischer Marktschreier.

 
bushoba

Das Interview mit Murat Kurnaz sollte zunächst jeder(r) gelesen oder gehört haben (trotz JavaScripthölle). Ich bin zwar nicht begeistert von der Interviewführung, die durch bemüht flapsige Bemerkungen die Unsicherheit des Interviewers schlecht kaschieren, aber Kurnaz gibt hier einen tiefen Einblick in das, was "Folter" bedeutet. hier und heute, von Menschenschindern, die unsere politischen Funktionäre ihre "Freunde" nennen.

Es ist ein Beispiel für etwas, das man offenbar erst begreift, wenn es Geschichte ist. Ist es Geschichte, kann man es aufarbeiten, bewerten, moralisch wie politisch. Man kann den großen Zusammenhang analysieren und Beispiele darin einordnen. Als aktuelles Beispiel bleibt es abstrakt, obwohl oder weil es so konkret ist. Das muss ich erklären:

Ein Beispiel ist nicht das Ganze, es ist immer nur ein Teil des Ganzen, aus dem Zusammenhang gerissen (abstrahere=wegziehen, wegreißen, entfernen, trennen). Dennoch veranschaulicht es das Ganze. Das Beispiel ist für den Betroffenen absolut konkret, es ist ein Bericht aus seiner Welt. Sein Erleben in seinem Leben, seine Erfahrung mit dem Ganzen. Für Außenstehende ist es nur eines von vielen; es gibt auch anderes Leben und Erleben in diesem Ganzen.

2014

Wir sprechen von Folter. Folter existiert. Es gibt Schinder, Befehlshaber und Rechtsgebilde, die Folter organisieren und durchführen. Die vorgeblichen "Rechtsstaaten" der NATO organisieren Folter, die sich von der des Mittelalters vor allem durch eine Ästhetik unterscheiden. Der Gefolterte soll möglichst unbeschädigt aussehen, das ist der große Unterschied, der die Techniken bestimmt. Folter findet nicht auf dem Marktplatz statt, zur Abschreckung, sondern im Geheimen.

Folter und (durch Folter begangener) Mord werden ausgeführt im Auftrag jener Staaten, die beides ausdrücklich ächten. Es werden Verträge geschlossen, die gegen ihre eigene Grundlage verstoßen, und zwar zivilrechtlich wie die Strafen betreffend. "Strafrechtlich" kann man hier nicht mehr sagen, denn der Folter- und Mordapparat stellt sich außerhalb jeden Rechts. Er stell sich sogar noch außerhalb der Vereinbarungen, die für den Kriegsfall die schlimmste Barbarei verhindern soll.

Darüber zu sprechen ist beinahe unmöglich, weil es eben kaum konkretisierbar ist. Es gibt kein Medium, in dem das Ganze erfassbar ist und gleichzeitig der Fall. Dieses Medium bedürfte einer Atmosphäre, einer Geisteshaltung, eines Diskurses, der in den betroffenen Gesellschaften nicht vorherrscht. Ich halte es für meine Aufgabe, eine solche Atmosphäre zu schaffen. Darüber hinaus sollten wir zusehen, dass die Beispiele wahrgenommen werden. Vielleicht entsteht daraus das Bedürfnis, sie zu begreifen.

p.s.: Hier ist noch ein Beispiel. Allmählich sollte da niemand mehr wegschauen können.

Update:

tort

Thanks to Jen Sorensen
via DaMax.

 
vdsMan muss einfach glauben. An den Kampf. An den Sieg. An die Niedertracht des Feindes An die Segnung aller Mittel. An den Endsieg und die heilige Pflicht, dafür zurückzustehen, sich einzureihen und einzustimmen in die heiligen Gesänge. Allah ist groß. Wir leben in der besten aller Demokratien.

Nicht zu glauben, zu zweifeln, heißt sich außerhalb der Gemeinschaft zu stellen. Wer dies tut, gehört nicht mehr dazu und wird nicht mehr gehört. Zum Beispiel wenn er das Absurde sieht, wo der Gläubige den Weg der Seligkeit weiß. Im Kampf gegen den Terror gab es ein Ereignis, dass die Gläubigen hat aufheulen lassen in ihren Gebeten, der Herr möge die Feinde endlich vernichten. Ein Attentäter, der seit Monaten persönlich beobachtet wurde, hieß es, habe die Gemeinschaft der Freien erneut auf eine Propbe gestellt.

Inzwischen wurde diese Meldung verwaschen. Er sei doch nicht beobachtet worden, man habe ihm allerdings zuvor den Pass abgenommen und außerdem habe er psychische Probleme gehabt (weswegen man ihn nicht beobachtet hat?!). Nach dieser Tat, die er nach allen Fakten allein beging, sucht man dennoch Mittäter. Die Gläubigen gruseln sich, sehen die Gefahr und das Ziel des gemeinsamen Kampfes bestätigt und sind doch auch beruhigt, dass die Sicherheitskräfte etwas tun.

Religiöser Wahn

Wer solchem religiösen Wahn nicht verfallen ist, kann nur die Tischkante mit der Stirn zertrümmern angesichts des Irrsinns, der sich da manifestiert. Man darf selbstverständlich nicht mehr damit rechnen, dass sich irgendein Lohnschreiber fragt, was Überwachung taugt, wenn Leute, die unmittelbar beobachtet werden, Anschläge verüben können. Wenn jemand, der aktenkundig gestört ist und allen Mustern entspricht, die so ein Terrorist sonst gern verschleiert, nicht aufgehalten werden kann, fragt trotzdem niemand, wozu wohl die Totalüberwachung dient. Der Fall hat alle Behauptungen widerlegt, mit denen das Ausspitzeln von Völkern und Industrien rechtfertigt wird.

Insofern ist auch der Artikel im Standard ein Ablenkungsmanöver, ja selbst der logische Schluss, dass das Jahrzehnte währende Bombardieren von Muslimen irgendwann Konsequenzen hat, lockt hier auf die falsche Fährte und ist wieder nur eine Nachricht für die Gläubigen. Dem entsprechend endet das Geschwalle auch in einem schmierigen Pathos:

" "Kanada wird sich nie einschüchtern lassen", erklärte Premierminister Harper. Aber jetzt müssen die Kanadier einer brutaleren Welt ins Gesicht schauen."

Jetzt erst recht

Aha, "jetzt" muss Kanada eine Brutalität erkennen, weil einer ihrer Staatsbürger ermordet wurde. Die Leichenberge, die Kanada im Verbund mit der NATO zusammengebombt hat, zählen noch immer nicht, der groteske Unsinn, der sich an allen Flanken offenbart, führt nicht einmal ansatzweise zu einem Zweifel an der Mission. "Nie einschüchtern lassen" heißt niemals den Verstand einschalten. Der Ausnahmezustand als Regel, der inflationäre Einsatz erwiesen untauglicher Mittel, radikaler Abbau von Bürgerrechten zur Rettung des Rechtsstaats, die Konzentration von Macht als "Demokratie" - das alles führt bei den Gläubigen nur zum Ruf nach "mehr" und "härter".

Als hätte es noch einer Illustration gebraucht, wird die jederzeit prompt geliefert, heute in folgendem Wortlaut:
"Um die Separatisten zu bekämpfen, hat Kiew Freiwilligen-Bataillone mit schweren Waffen ausgerüstet. Manche der Kommandeure sind rechtsradikal, Nazi-Runen schmücken die Wappen ihrer Einheiten. Einige Verbände haben offenbar Kriegsverbrechen verübt, Menschen entführt und Gefangene erschossen. Das alles schreckt uns Europäer ab. Es sollte aber nicht den Blick auf das Wesentliche versperren."

Das Wesentliche. Das Heilige, Unantastbare, gegen das jeder Zweifel zurücksteht. Was sind angesichts solcher Treue im Glauben frevlerische Sätze wie "Cogito ergo sum" oder "Das Absurde ruiniert das 'und' der Aufzählung."?

 
schahsEs gibt keine Politik mehr, es gibt keinen Journalismus mehr, es gibt nicht einmal mehr ernsthafte Versuche den Schein zu wahren, dass es dergleichen noch gäbe. Okay, es ist stilistisch nicht günstig, derart mit der Tür ins Haus zu fallen, aber was soll ich machen angesichts einer Entwicklung, die die einen ratlos und die anderen restlos verblödet hinterlässt?

Ich rede hier von der geostrategischen Lage, von der Ukraine und vor allem vom Nahen Osten. Wir hatten einige peinliche Erweckungserlebnisse im Rahmen der Berichterstattung zur Ukraine, die gar zur öffentlichen Kasteiung der ARD führte, die zugab, tendenziös und unseriös gearbeitet zu haben. Der Einfluss eingebetteter Propagandisten aus NATO-Klüngelklubs führte nicht nur zu eben jenem Ruin des Journalismus, sondern in der Folge auch noch zur Beschimpfung des kritischen Publikums. Manche stellten den Kontakt zu Lesern und Zuschauern gleich ganz ein.

Werbefernsehen

Das Werbefernsehen für beliebige Feldzüge des 'Westens' führte vor allem dazu, dass nur mehr das Handeln eines festgelegten Feindes hinterfragt wird. "Was erlaubt sich dieser Putin?" ist hier das Motto; "Wie wir die Islamisten besiegen" dort. Über die definierten 'Freunde' hingegen wird nur berichtet, wie es um die 'Freundschaft' steht, zuletzt, dass alles wieder gut ist zwischen Obama und Merkel. Wie es den überwachten Völkern, den Menschenrechten oder dem Frieden dabei geht, ist hier kein Thema. Menschenrechte spricht man in China und Nordkorea an, wo sie hingehören.

Man muss kein studierter Politologe sein oder Nahost-Experte, um mit wenigen Blicken zu erkennen, dass die Politik der NATO, der USA und ihres Gefolges ein vollkommenes Desaster ist. Selbst wenn man gute Absichten unterstellte - was schon ein beachtliches Maß an Dummheit erfordert - müsste man erkennen, dass da alles schief läuft und die Lage völlig außer Kontrolle geraten ist. Einzig diese Absicht - die Region ins Chaos zu stürzen - wäre erfolgreich umgesetzt worden.

Kinderstunde

Wo bleibt also der Aufschrei? Wer fordert ein Ende dieser katastrophalen Interventionen? Wer schreit nach Alternativen? Wo ist die drängende Diskussion um eine andere Verwendung der Billionen, die immer nur in Zerstörung 'investiert' wurden? Wer fordert endlich, dass 'unsere' angeblichen 'Freunde' die Menschenrechte einhalten oder diese 'Freundschaft' zu beenden? Wo ist auch nur der Versuch einer Kritik, einer Korrektur, wer stellt noch Fragen außer dem ratlosen Teil des Publikums, dem niemand mehr zuhört? Stattdessen Kinderstunde mit Angie und ihren Freunden.

Immer wieder wird der große Quirl hervorgeholt, kleine Wahrheiten unter große Lügen gemischt, um jederzeit jede Entscheidung des Führers im Westen und seiner Alliierten so auszulegen, dass sie richtig und notwendig erscheinen. Aktuell kommen sie uns wieder mit "Massenvernichtungswaffen". Das ist zwar diesmal etwas glaubwürdiger, aber der Zeitpunkt, der konstruierte Zusammenhang und vor allem das Resultat (dasselbe wie schon immer) entlarven die Propaganda: Der Feind hat Giftgas. Wir müssen ihn stoppen, mit allen Mitteln!

 
goWie soll für die staatliche Sicherheit gesorgt werden, wenn der Feind jederzeit Einblick in die Mittel und Wege des Apparates hat, wenn das Rezeptbuch quasi offen zugänglich ist? Unser Großer Verbündeter, den es verstimmt, wenn seine Freunde ihre Geheimdienste kontrollieren, hat seine Lektion gelernt und wendet sie an: Wenn kein Feind einen klaren Anlass gibt zu tun, was du für richtig hältst, dann schaffe dir den geeigneten Feind.

Das funktioniert schon ganz gut durch Bombardements, die so viele Menschen ins Leid stürzen, dass immer ausreichend Hass erhalten bleibt, der für zu bekämpfende Feinde sorgt. Aber das ist ein sehr unpräzises Vorgehen, denn es kann die Aktionen des Feindes nicht steuern. Dazu bedarf es anderer Taktiken: Sogenannte Militärberater etwa und Waffen, die zur richtigen Zeit am richtigen Ort erscheinen. Ähnlich wie an der Börse, kann man so bei jedem Trend gewinnen: Schlägt der Feind zu, freut's die Waffenindustrie genau so wie beim Gegenschlag. Schlägt der Feind in der richtigen Region zu, können Gegenschläge unmittelbar Handelswege und Ressourcen sichern.

Die schärfste Waffe

Wenn das aber auch nicht mehr reicht, weil etwa die Welt so mit Waffen und Warlords gesättigt ist, dass niemand mehr den Ablauf steuern kann, kommt die wirksamste und obendrein günstigste Waffe zum Zuge: Der selbst erfundene Feind, die maßgeschneiderte Propaganda. Während bislang Propagandagetöse wie die Brutkastenlüge oder das Massaker von Rugova auf reale Geschehnisse aufsetzten, haben die USA endlich den mutigen Schritt getan und eine Terrorgruppe angegriffen, die nur aus Schall und Rauch besteht.

Die "Khorasan Gruppe" wurde durch die eingebetteten Medien aufgebauscht als die Superterrortruppe, die gleichzeitig im Nahen Osten kämpfen und unmittelbar die Sicherheit des Westens bedrohen konnte. Von Erkenntnissen, dass Anschläge auf Fluglinien unmittelbar bevorstünden, war die Rede. Natürlich wurden diese in der Region vorbereitet, in der die USA eben militärisch eingreifen wollten, für die sie aber kein UN-Mandat hatten. Da ja aber die unmittelbare Bedrohung® bestand, firmiert jedes Bombardement unter "Verteidigung".

Behauptung Enthauptung, Verteidigung

Bestanden schon berechtigte Zweifel an all den Spukgeschichten rund um Osama und seine Qaeda, wurde jetzt also auf offener Bühne und provozierend dilettantisch das Gespenst aus dem Hut gezogen, das gerade ins Drehbuch passte. Die Autoren der Militärmacht konnten sich dabei wie immer auf ihre Lautsprecher in den Medien verlassen. Der Islamist, dein Freund als Feind des Feindes, dein Feind in jeder brauchbaren Facette, ein Passepartout für Diktatoren und besser aufgestellte Imperialisten. Heute für, morgen gegen dich, in beliebiger Taktung.

Deine Propagandamaschine hat alle Rücksicht auf Logik und Kontext abgestreift und verkündet nur noch den Tagesfeind. Im Hintergrund steht der Popanz eines Feindes, heiße er nun Emmanuel Goldstein oder sonstwie, den du selbst erfunden hast. Ist es einmal so weit, dass du eine Bedrohung der eigenen Bevölkerung konstruiert hast, opferst du die Freiheit der Sicherheit, wortwörtlich, wie das die australische Regierung nach angeblich geplanten Enthauptungen ihrer Bürger getan hat.

Krieg ist Frieden

Die Propaganda hat längst die Sprache so durch den semantischen Fleischwolf gedreht, dass man nur noch mitheulen kann oder die Gemeinschaft der Willigen verlassen. "Verteidigung"® nennen sie jeden blutigen Akt überall auf der Welt, wenn nicht gar "Verantwortung"®. Die Destabilisierung beliebiger Regionen heißt "Unterstützung"® und "Entwicklung"®, die Verarmung der Welt "Wohlstand"® und "Wachstum"®, das Zerstören und Plündern von Infrastruktur nennt sich "Reformen"®.

Vom Zwiesprech und Neusprech über die Totalüberwachung der Bevölkerung bis hin zum erfundenen Feind und ständig wechselnden Koalitionen haben wir es dabei mit Strategien zu tun, die allesamt in Orwells "1984" nachzulesen sind. Das ist die Blaupause; man sollte das Buch schnellstens verbieten, ehe eine kritische Masse das noch bemerkt und die logischen Schlüsse daraus zieht: Glaube niemals einer Regierung, glaube niemals den Massenmedien!

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