journalismus


 
vg

Quelle: Pixabay

Via Kay Sokolowsky wurde mir folgendes Zitat zuteil:

"Mir ist sehr unwohl dabei, dass in diesen Tagen ein sehr kleiner Teil der Bevölkerung darüber bestimmt, ob wir nun jetzt endlich eine neue Regierung bekommen oder nicht. Ich bin mir auch nicht sicher, ob Abstimmungen wie der Mitgliederentscheid der SPD über die große Koalition unsere Demokratie wirklich besser machen – oder ob sie nicht am Ende (unabsichtlich) die Demokratie gefährden." Keinen Link dafür, "Zeit" und Michael Thumann.

In Ergänzung widme ich mich kurz dem Verbrechen gegen die Logik, das solche 'Argumente' ermöglicht: Entscheidet demnach also immer derjenige, der in der Zählung die Anzahl der Minderheit überbietet? Wenn also 199 für etwas sind und 199 dagegen, entscheidet dann der Zweihundertste (bzw. der 399.) ganz allein? Oder ist es so, dass eine Partei einer Koalition beitreten muss, weil eine andere, womöglich größere, sich schon dafür entschieden hat? Ausgerechnet in eine Koalition, die vorab bereits die Verschwörung gegen das Grundgesetz festgelegt hat? in einem politischen System, in dem schon traditionell kleine Klientelparteien die Richtung bestimmt haben?

Wir sind Volker

Ausgerechnet in einem System, das die Stellvertretung der Stellvertretung für "Demokratie" erklärt, in dem Fraktionsvorstände und Hinterzimmerzirkel abnicken lassen, was zuvor in Gremien oder undurchschaubaren Strukturen ausbaldowert wurde, ist "ein kleiner Teil der Bevölkerung" zu wenig und "gefährdet die Demokratie"? Ja genau, eben diese Demokratie®, die mit Mehrheiten nichts zu tun hat und schon gar nicht mit der "Bevölkerung" dem Volk, das sie im Titel trägt. So ist sie, die Demokratie der "Zeit": elitär, atlantisch, demagogisch.

Dabei ist der Spaß noch gar nicht zu ende. Ernsthaft, Sozen? Heiko Maas? Der reaktionärste, autoritätshörigste Nützling, der je im Amt des Bundesjustizministers dilettierte? Der den Faschisten hier dasselbe Bett gemacht hat, in dem sie sich in Österreich derzeit wälzen? Fefe fragt völlig zurecht (aus Sicht von Russen und Chinesen): "Sagen Sie, waren Sie nicht der Erfinder des Gesetzes, mit dem die Russen jetzt ihre Medien zensieren? Und SIE wollen UNS Vorhaltungen machen!?"

Not Amused But Entertained

Ich freue mich jedenfalls auf den Versuch, Nahles zur Vorsitzenden wählen zu lassen. Das wird sicher eine Riesenparty, diese Erneuerung®. Fürs Protokoll: Nein, ich bin keineswegs der Ansicht, dass die personelle Besetzung relevant für politische Strukturen ist in dieser Demokratie®, aber sie ist ein Symptom, so wie es die Besetzung des POTUS mit Donald Drumpf ist. So weit konnte es kommen. Im Schatten dieses Bösen gedeiht die Verschwörungstheorie auf offener Bühne. Wissens schon: Die Russen kommen!!1!

Alles, was bleibt, und das muss man ihnen lassen, ist Entertainment, und zwar vom Gröbsten. Jeden Tag etwas Neues zu lachen, zum Weinen, zum Spielen und Schokolade Popcorn. Der zuletzt Genannte trifft sich demnächst mit dem komischen dicken Jungen; sie spielen "Meiner ist aber Größer". Mal gucken, wohin sie zielen und womit und wo das dann landet. Wie auch immer; Putin wird sich freuen®.

 
xx

An einem Donnerstagabend saß ich hier und trank ein Bier, als ich mich fragte, ob ich etwas über Nahles schreiben sollte. Etwas in mir meinte, es hätte dann lieber die Grippe. Ich stand irgendwann auf, um die Toilette zu frequentieren, da erschien ein Ding auf dem Flur, schlug mir in die Fresse und schickte mich für die folgende Woche auf die Bretter.

Johannes Kahrs, jener verurteilte Stalker, der nie zu etwas gewählt wurde und seit Jahrzehnten für den "Seeheimer Kreis" die SPD auf braunem Kurs hält, hatte beschlossen, Nahles zur Parteivorsitzenden zu erklären. Ich bin erstaunt, dass die Vollidioten, die glauben, ihre glühende Verachtung gegenüber allem, das sie für unter sich stehend halten, ergäbe ein treffendes Bild ihrer Untertanen, mich noch immer überraschen können. Nicht nur, dass sie gar keinen Gedanken mehr daran verschwenden, was eine "Wahl" ist. Nein, sie sind auch zu und zu dämlich, wenigstens einen Blick ins Manual zu werfen. Nahles kann gar nicht kommissarisch bestimmt werden. Haben sie jetzt immerhin auch bemerkt.

Schnittstelle verödet

Einen kurzen Blick nach Pjöngjang: Dort treten nordkoreanische Zombieroboter auf, um das Restpublikum zu verstören. Man hat diesen Winke-und Grinsepüppchen jegliche Schnittstellen zur Realität verödet, was dem nicht-Nordkoreaner sofort auffällt. Ein sehr vergleichbares Syndrom. Die Gefilterten aus dem Politmedienzirkus haben ebenfalls den mental stabilen Orbit verlassen. Für sie ist es ganz selbstverständlich, dass selbst nach der ungemein peinlichen Inszenierung von Martin Schulz ihre Hohlphrasen über Hohlphrasen noch immer das Maß der Dinge seien. Ein kurzer Realitätsabgleich:

"Wir [orientieren] uns an Arbeit und Leistung und nicht nur an staatlicher Umverteilung wie die Linkspartei."
"Es kann nicht sein, dass Arbeit nicht zum festen Tagesablauf gehört."
"Es kann nicht sein, dass Partikularinteressen die Interessen anderer bestimmen." (zum angestrebten Streikverbot für kleinere Gewerkschaften)
"Pünktlichkeit ist hier aber ein so zentraler Punkt. Muss man sonst nicht sagen: Dann gibt es Konsequenzen?
Wer das nicht tut, wer sich nicht integrieren will, dem werden wir die Leistungen kürzen.

Einige Zitate von der 'Linken' Nahles, die auch prominent forderte, man solle Flüchtlingen ihr Vermögen abnehmen. Hier draußen sehen wir eine in der Wolle gefärbte Neoliberale, die in ihrem Eifer gar nicht heftig und oft genug nach unten treten kann; die permanent Menschen zu harter Arbeit® zwingen will, ohne je selbst etwa Nützliches geleistet zu haben. Niemand glaubt ihr irgendetwas. Ihre Sprüche sind aufgesetzt, ihre Attitüde schal, ihre Auftritte mitunter peinlich und hart an der Grenze zum Irrsinn.

Kasperletheater

Wenn man freilich meint, jemand der seine Krawatte lockert und die Stimme künstlich presst, halte eine 'kämpferische Rede' und sich niemals fragt, was er da eigentlich redet, sieht die Welt anders aus. Vermutlich legt es sich der Journaill so zurecht, dass der dumme Pöbel, dem man die Welt erklärt, die Inszenierung nicht erkennt und meint, "authentisch" sei, was jener eben zu glauben habe. Das geht dann so weit, bis man selbst glaubt, was man selbst inszeniert. Alles eine Frage der Übung, bis man so etwas schreibt:

"Sie kennt die Sprache der Malocher und kann eben auch Mal so richtig auf den Tisch hauen, wenn es sein muss. Sie kann aber auf Menschen zugehen, Nähe erzeugen, mit einem der typischen, lauten Nahles-Lacher das Eis brechen. Diese Volksnähe und die Kämpferqualitäten á la Gerhard Schröder werden für den Neustart in der SPD gebraucht. Die Partei muss zu ihren Wurzeln und Wählern zurück. Dass sie da liefern kann, ist ein großer Pluspunkt für Nahles."

bzw.

"Andrea Nahles hat als Politikerin viele Talente. Sie kann die Volksnahe, Bodenständige geben. Die Frau aus der Eifel verkörpert die Rolle der Arbeiterführerin glaubwürdig." - "Auf Menschen zugehen, ihre Sprache sprechen - das gelingt Nahles mühelos." - "Nahles kann aber auch das andere, das Staatstragende, Seriöse." - "Sie schafft das nicht nur, weil sie authentisch wirkt."

For The Record

So authentisch wie M.Chulz, der "die Ärmel hochkrempelt und den Helm aufzieht", wenn er in seinen Buchladen geht. So bodenständig wie das Gör, das vom Studium unmittelbar ins Präsidium aufgerückt ist, "die Sprache der Malocher" kennt. Jemanden "geben", etwas "verkörpern" - das mag ja aus Sicht der Claqueure die Kunst der Politik sein, aber haben sie sich jemals gefragt, warum der Erfolg ausgerechnet dieser Partei mit ausgerechnet diesen Figuren ausgerechnet diese Entwicklung nahm? Weil das "authentisch" ist? Wirklich?

Vom Hundertsten in Tausendste, es gibt zwei Anforderungen: einen kompromisslos neoliberalen Kurs und die Befehlsgewalt in Händen derer, die man darauf eingeschworen hat. Warum ich das so episch darlege, fragt ihr? Weil es die Wirklichkeit beschreibt. Was parallel dazu von den Lohnschreibern aufgeblasen wird, ist nordkoreanische Choreographie. Am totalen Untergang der SPD ändert beides nichts. Ich finde, der Name "Nahles" sollte getrost damit verbunden werden.

 
bn

Im Disput über einen 'Panorama'-Beitrag vom Oktober zu kurdischen Organisationen erklärt die Redaktion kurzerhand alle, die sich auf Öcalan beziehen, für "PKK" und diese - trotz erheblicher programmatischer Veränderungen - für "marxistisch", so dass der Zuschauer weiß: Hier sind linke Terroristen am Werk. Im noch immer felsenfest antikommunistischen deutschen Narrativ werden die Kurden, die im Irak, der Türkei und Syrien um ihr Überleben kämpfen, auf 'böse' gelabelt. Verheerend sind die Argumente der Redaktion, die keine Untiefen scheuen und so etwas hervorbringen:

"Alle wissen: es ist die PKK [...]. Diese Formulierung ist dann gestattet, wenn Belege für einen Sachverhalt so überwältigend und ubiquitär sind, dass man den Sachverhalt als Gegenstand einer breiten öffentlichen Übereinstimmung, eines Konsenses, des sogenannten "Weltwissens", betrachten kann. "Konsens" und "Weltwissen" bedeuten nicht, dass die Zustimmung 100 Prozent der Subjekte betragen muss. Es geht um die Zustimmung der überwältigenden Mehrheit.", vom 'lowerclassmag' zusammengefasst:
Es muss stimmen, weil ein Großteil der Menschen denkt, dass es stimmt.“

Weiß doch jeder

Von diesem bizarren Glaubensbekenntnis ("Weltwissen") ist es nur mehr ein winziger Schritt zum bedingungslosen Nachplappern dessen, was die Bezugsgruppe für wahr und richtig hält. Die Kapitulation jeder Kritik, für wahr zu erklären ("öffentliche Übereinstimmung"), was eine Mehrheit angeblich denkt, ist der Untergang der Aufklärung. Da die angebliche Mehrheit aber jeder seriösen Überprüfung entbehrt, wird hier konsequent erklärt: Wahr ist das, von dem wir annehmen, dass es wahr ist, weil das "alle so sagen." - die Definition einer Filterblase ohne Korrektiv. "Theorie-Diskussionen müssen andere führen", sagt die Redaktion dazu. Klar, wenn man nur verkündet, muss man nicht selbst denken. Das ist es, was kritischen Journalismus® heute ausmacht.

Der Burschenschaftler und gut vernetzte Atlantiker Claus Kleber hat derweil ein Büchlein verübt, in dem er uns erklärt, warum Gott groß ist und seine Stellvertreter auf Erden ("von Berufs wegen faktenorientierte Wesen") uns von der Weltweisheit künden. Tausende mies bezahlter Schreibarbeiter, die am Hungertuch nagend Auftragsartikelchen zusammen hecheln und Agenturmeldungen variieren, werden einmal mehr pauschal für kritisch®, hier "faktenorientiert" erklärt, weil sie eben von denen bezahlt werden, die solche 'Fakten' verkaufen. Die Abhängigkeit von diesem Geschäft wird hier ausdrücklich mit dem Besitz der Wahrheit identifiziert. Der verlinkte Artikel antwortet der Kleberschen Anmaßung angemessen.

Es ist Propaganda, und zwar auf einem Niveau, das sie inzwischen sehr durchschaubar macht. Der Akt, in dem die unterschiedlichen kurdischen Organisationen allesamt mit der PKK identifiziert und für "marxistisch" erklärt werden, ist ja noch regulär komplex im Vergleich zum haarsträubend simpel gestrickten Feindjournalismus in Bezug auf Russland - das größte Land der Erde mit der zweitgrößten Militärmacht, das regelmäßig "Putin" genannt wird. Wie kritisch® berichten sie da? Wer erwähnt je den Einfluss der CIA auf die Wahl Jelzins, der seinerseits Putin hervorbrachte? Wer erwähnt je die Geschichte der NATO-Osterweiterung? Das gehört offenbar zur dunklen Seite des Weltwissens®. Das muss der Zuschauer nicht wissen.

 
bg

Der November geht in die dritte Verlängerung, diesmal mit Schnee. Es pladdert oder schneit wie aus Eimern, monatelang, um die dunkle Jahreszeit nicht etwa mit Sonnenstrahlen zu verunzieren. Was tun die Finnen dagegen? Komm, tu' ma noch einen! Wenigstens werden wir nicht regiert, und das desinspiriert unsere Journaille on top. Schlafwagen im Sackbahnhof, unterirdisch (das wäre übrigens eine lustige Lösung für Stuttgart 21 gewesen).

Mit Liebesentzug droht in Slowenien derweil der Tiefe Staat, weiß der Spon. Musst du dir vorstellen! Was ist eigentlich noch schöner als unregiert? Richtig, unbespitzelt. Nun streikt sogar die Stasi in Nordjugoslawien, man möchte sich kringeln. Prompt humpelt der Lohnschreiber zum nächsten lahmen Vergleich. Was wäre da angemessen? Der Thüringer Heimatschutz droht mit der Verbrennung von "Mein Kampf"? NSU legt die Waffen nieder? Terrormuslime geben ihre Ausweise zurück? Nein, das käme ggf. zwar der Wahrheit nahe, entspricht aber nicht dem Auftrag.

Der besteht darin, die losgelassenen Helfershelfer als Die Guten® darzustellen, schließlich ist Slowenien NATO-Mitglied. Okay, wie machen wir das am besten? Ja richtig. Ernsthaft. Ein Foto von Daniel Craig. James Bond. Ja doch. Nein, dafür gibt es keinen Link hier. Der Text ist auch geil: "Um das Land nicht in Gefahr zu bringen, werden die dringendsten Aufgaben allerdings weiterhin erledigt." Was mögen das für wichtige Aufgaben sein? Erfahren wir leider nicht, da muss also Phantasie her. Land in Gefahr! Genau. Wenn die scheiß Spitzel mal was Vernünftiges tun, nämlich nichts, ist sofort das Land in Gefahr. Wissen's schon: Dr. No. Goldfinger. Der Imperator. Hui Buh!

Alles paletti

Ansonsten alles roger auf der Titanic. Stimmung bestens. Immer positiv titeln: "Sechs von zehn Arbeitnehmern fühlen sich gerecht bezahlt". Du sollst. Nicht. Denken! Wenn sie das doch fühlen! Dass eine "gerechte Bezahlung" schlicht absurd ist und jedenfalls nicht definierbar, musst der Leser nicht wissen. Dass offenbar bald die Hälfte etwas anderes denkt und die Ausbeutung regulär "fühlt", zumal: was das in der Praxis bedeutet, wenn am Ende des Geldes noch verdammt viel Monat da ist? Who cares. Wir sind doch eine dolle Gemeinschaft, denn:

"Die Mehrheit der Deutschen schätzt den gesellschaftlichen Zusammenhalt im eigenen Umfeld als gut ein"
oder : "Gesellschaftlicher Zusammenhalt ist gut - aber gefährdet". Weder das Eine noch das andere lässt sich belastbar aus einer dusseligen Umfrage ableiten, selbst wenn die sonst korrekt wäre. Das beginnt wie fast immer damit, dass das Objekt der Frage nicht bestimmbar ist: "Gesellschaftlicher Zusammenhalt". Etwas so Vages, unter dem sich jeder etwas ganz Eigenes vorstellt, kann nicht Gegenstand einer validen Aussage sein. Das Ergebnis ist Datenmüll, von dem sich der Journaill wiederum ernährt. Na dann: Mahlzeit!

Auch immer wieder spannend, was der Spon so für relevant hält. Heute an prominenter Stelle: "Diese Speisen sollten Sie beim Geschäftsessen auf keinen Fall bestellen". Immer am Puls der Zeit. Wer schlägt sich nicht mindestens zwei Nächte pro Woche mit dieser existenziellen Frage schlaflos herum? Leider auch in dieser Nullrubrik entsprechend zero points, zumal sicher die wichtigsten Items fehlen: Asischale (aka "Pommes Schranke"), weil das Proletariat beim Geschäftsessen nix zu suchen hat; Dito "Nüdelkes mit Hackepeter". Man outet sich nicht als Prolet. Dann schon besser als Idiot, aber: Auch bei den Getränken ist Vorsicht geboten. Ein Pils oder ein Hefeweizen geht in Ordnung. Als sexistisch hingegen gilt es, bei der Kellnerin "Hefepilz" zu bestellen. Ja sicher; hier werden Sie geholfen.

 
cf

Wenn die Massenmedien, ihre Verlagshäuser, Redakteure und Lohnschreiber, den großen Holzhammer rausholen und ihren Kritikern "Verschwörungstheorien" vorwerfen, dann müssen wir das im Grunde ignorieren. Zu tief ist längst die Kluft zwischen den Erzählern der Mittelschichtsmärchen und den Werktätigen, mit denen sie außerordentlich hohen Kontakt haben. Dabei wirkt das Versagen der Medienprofis doppelt: Sie sind selbst auf Ignoranz getrimmt und ihre eindimensionale Kommunikation ermutigt auf der anderen Seite die größten Deppen, sich auch für qualifiziert zu halten.

Für das, was sich hierzulande noch "Journalismus" nennt, habe ich keine Hoffnung mehr. Gerade in den letzten Tagen und Wochen bin ich kurz vor der Verzweiflung, wenn ich 'Berichte' lese über Russland, Katalonien oder die Feiern zur "Reformation". Sie sind geprägt durch Unwissen, Dummheit und schlicht dreiste Lügen. Da helfen dann auch keine 'journalistischen Standards' mehr. Die verlangen etwa so etwas wie zwei unabhängige Quellen; wenn man aber ohnehin planvoll die ganz eigene Realität bastelt, fährt man halt auf Standspur und Gegenfahrbahn. "Du sollst nicht lügen" steht nicht im Pressekodex.

Wenn man das besser machen will, empfiehlt es sich, anders zu denken und dann anders zu sprechen bzw. zu schreiben. Beginnen wir hinten unten: Wenn mir die Galle überläuft, habe ich zwei Optionen: Ich halte die Klappe oder lasse laufen. Letzteres muss schon mal sein; dann gibt man es als Ranting zu erkennen und lässt keinen Zweifel daran, dass man sich gerade gehen lässt. Ein solcher Text ist unanständig, ungerecht und persönlich. Er sagt viel über den Sprecher aus und wenig über das Objekt seiner Rage. Es ist Pöbelei. So etwas kommt vor, aber es kann nicht den Anspruch auf irgendeine Seriosität erheben.

Wer wie was

Ansonsten halt sachlich. Wie macht man das? Indem man sich nicht mit dem befasst, was irgendwer will, wünscht oder für gut und richtig hält. Anders gesagt: Nur eine strikt materialistische Sichtweise schützt vor Spekulationen, die in VTen enden können. Es ist völlig nutzlos, sich vorzustellen, was mächtige Leute aufgrund ihres Charakters wollen, was sie planen oder verabreden; vor allem, wenn es nicht öffentlich ist. Schon die Vorstellung, ein Regierungschef könne quasi einen Befehl geben, der dann gehorsam umgesetzt wird, ist Unsinn.

Die erste Frage ist: Was kann ich wissen? Was ist wann wo wie passiert? Welche Kräfte sind wirksam? Mit wieviel Geld, wie vielen Waffen, Rohstoffen und Ressourcen sind bisher welche Ziele verfolgt worden? Welche davon wurden erreicht, welche nicht? Woran liegt das? Welche Interessen werden wie verfolgt? Dies klingt jetzt nach einem Widerspruch, schrieb ich doch gerade noch, man solle sich nicht mit "wollen, planen oder verabreden" befassen. Hier kommen wir zum zentralen Unterschied:

Interessen sind weitgehend objektiv; in der Regel handelt es sich um das, was uns als 'Wachstum' verbrämt wird und "Profite" meint. Profite brauchen Ressourcen, Rohstoffe, Handelswege, Einfluss, Militär. Es gibt hier Konzerne, Staaten, Verträge, Koalitionen. Einige davon bestehen seit Jahrzehnten, andere nur kurzfristig. Interessen werden in solchen Strukturen verfolgt, dazu gibt es Strategien. Diese sind teils erkennbar (NATO-Osterweiterung, Kriege im Nahen Osten), teils werden sie öffentlich kommuniziert (Weißbuch, Think-Tanks, Regierungserklärungen ...). Aus diesen Daten und Quellen ein konsistentes Bild zusammen zu fügen, ist die Kunst. Irrtümer stets vorbehalten, Korrekturen immer wieder nötig.

Haltbar bis

Das bedeutet von Alpha bis Omega, seine vermeintlichen Erkenntnisse täglich zu hinterfragen. Es gibt kein Wissen, das ewig währt und schon gar keine Mächte, die immer überall das Geschehen bestimmen. Nein, nicht einmal die NATO. Auch nicht Rockefeller oder die Bilderberger. Das liegt schon allein daran, dass ihnen ob ihrer Dummheit, Ignoranz, Eitelkeit oder schlicht der Grenzen des menschlichen Denkens die Fähigkeit fehlt, einen ganzen Planeten zu regieren. Wer sich schließlich mit den Gesetzen und Zwängen kapitalistischen Wirtschaftens beschäftigt, weiß, dass dessen Eigendynamik ohnehin nicht beherrschbar ist. Gerade die Reichen und Mächtigen rennen den Problemen längst hinterher, die das System erzeugt.

Verschwörungstheorie und Propaganda gehen Hand in Hand. Dem kleinen VTler aus der Klapse nebenan kann man freilich keine "Propaganda" vorwerfen, weil sein Gebrabbel zu irrelevant ist. Den großen Verlagen muss man hingegen Propaganda vorwerfen, wo sie statt der materialen Analyse regelmäßig mit Personenkult, Schuld, Gut und Böse und sonstigem alltagstheoretischen Kitsch daherkommen. Die Rollen sind darin vorab festgelegt und das Ganze wird in Endlosschleife wiederholt.

Auch das ist aber keine Verschwörung, sondern das Narrativ ihrer kleinen Welt. Sie sind vor allem so blöd, dass sie das selbst glauben; auch ihnen ist die Welt längst zu komplex geworden. Sie neigen daher selbst zu Verschwörungstheorien, die in ihre Propaganda einfließen (Russen, Hacker, Trolle, Terroristen). Sicher, ein paar von ihnen wissen, was sie tun. Aber selbst für die ist der Rahmen festgelegt, in dem sie sich bewegen können. Limousine und Golfclub wollen schließlich bezahlt sein.

 
tl

Abb.: Russische Hackertrolle bei ihren dunklen Machenschaften

Diese Russen! Alles haben sie in der Hand. Zum Beispiel Twitter und Facebook. Die Wochenschau hebt an mit den bekannten Geschichten von furchtbaren russischen "Trollen", die alle Diskussionen im westlichen Internet beherrschen. Tja, so ist das hier: Da wir die Guten sind, können wir so etwas nicht und sind ihnen hilflos ausgeliefert. Aber mehr noch: Ihnen gehört das Internet jetzt. "Millionen" haben sie in "Twitter und Facebook" investiert! Ein paar Zeilen weiter ist es schon "eine Milliarde", dann aber heißt es: "Die Anteile hatte DST mit Hilfe von Gazprom vor dem Börsengang von Facebook im Jahr 2012 bereits erworben und hält sie heute offenbar nicht mehr." und "DST hat die fraglichen Anteile an Twitter mittlerweile wieder verkauft."

Geht ab wie auf der "wilden Maus". Kaum hat es dir den Hals nach links verrenkt, fliegt die Bandscheibe schon wieder in die Gegenrichtung. Diese Russen machen Geschäfte mit unseren Social Media! Kaufen Aktien und verkaufen sie wieder! Und dann haben sie diese Trolle!!1! Geht aber noch weiter: Trump haben sie ja auch in der Tasche. Russische Oligarchen! Hier heißen diese hochverehrten Leistungsträger übrigens schlimmstenfalls "Milliardäre"; gemeinhin kennt man sie als Investoren®. Trumps Russen aber, die Oligarchen® und ihre Unternehmen, werden "aus Putins Umfeld gesteuert". Mit der Oligarchenfernsteuerung nämlich.

Oligarchen, Trolle, Steueroasen

Das haben sie jetzt alles knallhart recherchiert und rausgekriegt, also gelesen. In einem Leak. Ich bin verwirrt. Dachte ich doch, dieses Leaking sei Verräterei. War das nicht das, was diese Putinfreunde Assange und Snowden gemacht haben? Ah, ich sehe, es geht hier gegen die Bösen: "Korruption, Geldwäsche, Steuerhinterziehung". Wie machen die Russen das? Ah, hier: Über eine Steueroase. Auf den Jungferninseln. Warte, die sind doch britisch! Ach, und BP ist auch beteiligt. Und guck mal hier, der "unabhängige Aufsichtsrat" der Firma heißt Gerhard Schröder, genau wie der Exkanzler. Oops, das ist er ja höchstselbst!

Diese Russen, haben alles im Griff. Übrigens auch in der Ukraine, bei den Separatisten. Nein, warte, bei den anderen, den Guten, ihr erinnert euch? Joe Biden, sein Sohn und die lustige Seilschaft im Gasgeschäft? Nur mal so als Beispiel. Der Präsident des Landes ist übrigens Schokoladenmilliardär, so heißen Sieger. Alles klar so weit? Übersicht komplett verloren, Weltbild gefestigt? Mission accomplished.

Man kann das nach Belieben veranstalten. Eurasien, Ozeanien, Russland, der IS, Juden, Türken, Aliens. Am Klang der Worte erkennt jeder Halbgescheite, auf welcher Seite er zu stehen hat. Kann sein, dass da mal einer auf dieser Seite auftaucht und dann wieder auf jener, aber das ist Inhalt, den merkt sich eh keiner. Na ja, und einiges hat ja doch Bestand - oder hat schon mal jemand was vom guten Russen gehört? Haha. Hahahaha! Sehr praktisch übrigens auch, dass das ganze Gewese um Geiz, Gier und Steuerverbrechen, Verzeihung, Steuersünden gar nicht erst groß auffällt. Man stelle sich mal vor, wir hätten hier Medien, die Wörter wie "Klassenkampf" kennten. Nee, hör auf jetzt! Der war gut. Hahahaha. Haaahahahahaa!

 
ct

Endlich gesiegt! Wir haben die rechte Hand Bin Ladens erwischt. Das ist ein Running Gag bei Fefe seit vielen Jahren. Dessen Leser wissen das. Wer in diesem Land die Schrottmedien konsumiert, weiß es nicht. Keine Ahnung, wie deren Leser und Zuschauer es fertigbringen, sich jahrzehntelang dieselben Lügen auftischen lassen; wie das noch immer funktioniert, obwohl sie inzwischen allesamt auffliegen.

Wir erinnern uns an Taliban aus der "Nordallianz", die "gemäßigten", die dann Al Kaida wurden. Dieselben Leute, 'unsere Verbündeten', waren plötzlich so schrecklich, dass wir seit 16 Jahren Krieg führen - niemand weiß, wohin das führen soll. Zuletzt gab es eine "gemäßigte Opposition" von "Rebellen" in Syrien, die sich kurz nach dieser medienweiten Einheitsbezeichnung dabei haben erwischen lassen, wie sie einem Teenager gemäßigt den Kopf abgeschnitten haben.

Gemäßigt brutal

Heute wird gemeldet, wie eine Drohne den "Anführer der brutalsten und aktivsten pakistanischen Talibangruppe" getötet hat. Nicht gemeldet wird, wer dabei noch getötet wurde. Nicht gemeldet wurde, was so brutal an ihm ist. Einziger Hinweis: "JuA steckte zum Beispiel 2016 hinter einem schweren Anschlag in der Großstadt Lahore, wo sich ein Selbstmordattentäter in einem Park voller Ostern feiernder Familien in die Luft sprengte. 70 Menschen starben."

Schon 2015 betrug die Zahl der Opfer der NATO-Kriege von Irak bis Afghanistan über eine Million Tote. Eine Million Menschen in unserem gerechten, "Krieg gegen den Terror", der gemäßigt ist, rücksichtsvoll und für die Menschenrechte. Wie kann man so etwas glauben? Wie kann man so etwas schreiben? Wie kann man dann noch erwarten, dass die Leser das auch alle glauben?

Die andere Baustelle, unsere von Gestapo und anderen Nazis in Kooperation mit den Faschisten der McCarthys aufgebauten Geheimdienste und Sonderpolizeien, wird derweil noch immer behandelt als seien das nette Leute, die sich öfter mal in der Tür vertun. Pannen über Pannen. Immer mehr Geld für immer mehr Pannen und immer mehr Anschläge, die mutmaßlich oder bewiesenermaßen von ihnen selbst begangen werden. Wer darin keine Panne sieht, ist Extremist oder irre.

So dumm sind die Leute nicht

Ein geschlossenes Weltbild ist nötig, um die offensichtlichen Zusammenhänge zu leugnen und anstelle derer welche zu konstruieren, die so verstrahlt sind, dass sie im Dunkeln leuchten. Ein Nebeneffekt dieser Märchen ist der, dass in einer Atmosphäre, die so etwas als Narrativ durchprügelt, wirklich jede Idiotie zur attraktiven Alternative wird. Wahrheit ist eine Behauptung, es regiert die These als Beweis. Der Versuch etwas zu widerlegen, ist Ketzerei.

Seit dem 11.09.2001 gilt: Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Wer Fragen stellt, ist nicht für uns. Das führt längst nicht mehr zu der Trotzreaktion, jetzt erst recht alles zu hinterfragen und sich auf die Suche nach konsistenten Antworten zu machen. Inzwischen bastelt sich jeder Verein seine eigene Religion. Ständig höre ich von Halbgescheiten, die es wagen, mir Diskussionen aufzudrängen, "das glaube ich nicht", wenn ich ihnen Hintergrundinformationen gebe.

Diese Simulation von Verstand beleidigt meine Intelligenz. Erst stellen sie Fragen als sei ich Google, und wenn ihnen die Antwort nicht gefällt, kommen sie mir mit ihrem Glauben. Für euch, hiermit beschlossen und verkündet: Das nächste Mal, wenn ihr mich fragt, schreib' ich für die Antwort eine Rechnung. Vielleicht glaubt ihr ja an Mahnbescheide.

 
seDie Propaganda ist schon lange unerträglich, insbesondere was das dümmliche Getrommel gegen Russland anbetrifft, das gemeinhin mit seinem Präsidenten identifiziert wird. Es ist ja nicht Russland, das handelt, seine Regierung, seine Verbündeten oder seine Armee, es ist in der Regel "Putin".

Man muss inzwischen, wenn man an "die jüngere Geschichte" erinnert, schon den Zeitraum vor ein paar Monaten einbeziehen, nicht nur die Jahrzehnte seit den Weltkriegen. "Stoppt Putin jetzt!" war der Titel, der die bedingungslose Kapitulation des Journalismus beim "Spiegel" vor der NATO-Propaganda bedeutete. Der Absturz der MH17 über der Ukraine ist bis heute nicht aufgeklärt, bis auf die Tatsache, dass eine private Maschine in diesem Luftraum nichts zu suchen hatte und das Überfliegen der Region bewusst das Leben der Passagiere aufs Spiel setzte.

Putin kommt immer näher

Der "Spiegel" aber machte sein Vorurteil nicht nur zur vermeintlichen Meldung, er machte nicht nur einen Titel daraus, missbrauchte nicht nur die Opfer des Absturzes für seine Propaganda, er rief auch zum Krieg gegen Russland auf, wobei man tatsächlich offen lassen muss, ob nur der 'kalte' gewünscht war. Nicht erst seitdem wird Putin als irrer Diktator dargestellt und Russland als Drohung. Heute gibt es wieder einmal so eine Verdrehung aller Tatsachen und der Regeln des Verstandes, um die Demagogie um ein weiteres Kleinod zu bereichern.

"Russische und weißrussische Truppen starten ein Großmanöver nahe der Nato-Grenze" heißt es da. Die souveränen Staaten Russland und Weißrussland (was immer man von ihren Regierungen halten mag) bewegen sich innerhalb ihrer Grenzen, und die aggressive Ausdehnung des westlichen Militärbündnisses an diese Grenzen heran wird dargestellt, als habe Russland sein Territorium in das der NATO hinein verlegt. Immerhin zeigt diese verlogene Sprachregelung, dass es ein NATO-Territorium gebe. Wenn aber eine Macht ihr Territorium Jahr um Jahr vergrößert, wie nennt man das noch gerade? Ach ja: "Putins Imperialismus".

no

 
xx

Die Lahmarschigkeit der hiesigen Medien lässt sich kaum mit den Klimawandel erklären. Einfach die Redaktionsräume ins Erdgeschoss (Altbau) verlegen, und schon wären die Temperaturen auch ohne Klimaanlage so, dass ein Gehirn arbeiten kann. Okay, das ist keine hinreichende Bedingung.

Es macht schon lange keinen Spaß mehr. Wer Feynsinn noch aus den Tagen seiner Weltherrschaft kennt, als ein paar launig dahergebloggte Zeilen reichten, um Präsidenten zu stürzen, weiß, dass hier einmal täglich Kommentare zu lesen waren über alles, was da draußen passierte und berichtet wurde. Nun, inzwischen ist egal, was passiert, man weiß schon vorher, was berichtet werden wird. Vermutlich haben sie die Artikelchen schon auf Halde liegen und ziehen sie morgens nur noch raus. Lediglich Namen und Datum werden geändert.

Nichts Böses im Guten

Schulter an Schulter mit ihren kondebilen politischen Klappbetten kippen sie so etwas hier aus: Da wird die tapfere Frau May zitiert, wie sie Tag für Tag für die Sicherheit der Briten kämpfe, während der Linksradikale Corbyn sie lieber alle sterben ließe. Die FAZ lässt dabei den einzig spannenden Part lieber weg, dass May nämlich Corbyn implizit vorwarf, Terrorismus zu entschuldigen.

Tatsächlich hat Corbyn nicht nur ausgesprochen, was jeder wissen kann, dessen Hirn nicht mit Atlantikwasser gewaschen wurde, dass nämlich die Kriege (Irak, Libyen) unter britischer Beteiligung solchen Terrorismus erst hervorgerufen haben. Selbst die eigenen Geheimdienste wussten und wissen das. Sie wissen auch, dass Attentäter sich gern filmen lassen, ehe sie sich in die Luft sprengen. Frau May und ihresgleichen antworten darauf mit mehr Krieg und mehr Kameras und erhalten dafür die ungeteilte Zustimmung der patriotischen Presse.

Man könnte all das stattdessen auch öffentlich diskutieren, bestünden Meinungsvielfalt® und Pluralismus® nicht bloß noch in unterschiedlichen Kürzeln unter der Abschrift der Agenturmeldung. Leider sind auch Plausibilität und Schlüssigkeit keine Kriterien mehr, auf die die Märkte® reagieren. Die knallharte Konkurrenz um die schnellste Abschrift lässt dergleichen gar nicht mehr zu.

Zusammenfassung: Merkel hat recht. Weiter so! Putin ist schuld.

 
zn

Ein täglicher Offenbarungseid der Nützlinge aus Journaille und Politik ist die Verwendung des Begriffs "Cyber" und eigentlich alles, was mit Internet zu tun hat. Sehr großes Tennis aktuell der Satz: "IP-Adressen sind aus dem Internet nicht mehr wegzudenken." (tagesschau.de). Ja wahrlich, telefonieren ohne Telefonnummern, das gibt es praktisch nicht mehr. Selbst die Postzustellung ohne Anschrift gehört der Vergangenheit an.

"Cyber" hat exakt eine Funktion: Verblödung. Cyber klingt nach Magie, Mythos, Unheimlichem. Darknet, Blackjack, finsteres Tal. Cyber ist "Angriff", "Terrorist" und Hui Buh. Ganz schlimm auch der Missbrauch des Begriffs "Hacker". Ich habe hier einmal versucht, "hacken" zu erklären. Im Fernsehen und am Kabinettstisch ist es "hacken", wenn DDoS-Attacken gefahren werden oder jemand Mails mit Malware verschickt.

Kapuzenpulli aus Moskau gefunden

Nennt man jemanden einen "Mechaniker", wenn er mit dem Schraubenschlüssel Scheiben einschlägt? Ist es "reparieren", wenn wer damit droht, mir die Radmuttern zu lockern? Nur weil einer Kenntnisse und Werkzeuge aus dem Bereich Computer und Netzwerk nutzt, ist er noch lange kein "Hacker". Die meisten sind Verbrecher oder gelangweilte Randalierer. Von denen gibt es tausende, vielleicht Millionen, während echte Hacks selten bleiben und meist keine Schäden anrichten.

Wie dumm die Autoren von "Hacker"- Und "Cyber"-Berichten sind, lässt sich gar nicht hoch genug einschätzen. Sie haben in der Regel null Ahnung, wovon sie reden und ersetzen diese durch geradezu religiösen Glauben. Dieser wiederum befähigt sie, die dümmstem Gerüchte und Propagandalügen zu verbreiten. Sie kennen die Guten und die Bösen, und sobald ihnen wer zuraunt, die Bösen hätten gecybert, singen sie "Putin", "Assad", "Nordkorea". Jeder Verdacht, der die abonnierten Bösen trifft, wird breitgetreten. Niemand hält es für nötig, sich so weit mit der Materie zu beschäftigen, dass er wenisgtens erkennt, wenn er kompletten Schwachsinn faselt. Der Leser weiß ja auch nicht mehr, und das soll auch genau so bleiben.

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