journalismus


 
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Quelle: Worldmapper (CC BY-NC-SA 4.0)

Einige entsetzliche Dinge haben sich am heutigen Tage ereignet, die mich am Leben verzweifeln lassen - vor allem an der Moral der Menschen. Wie kann man nur, frage ich mich, wohlwissend, dass es darauf keine Antwort geben kann - an dem Tag, an dem der HSV als letztes Gründungsmitglied aus der Fußball-Bundesliga absteigt, einen "European Song Contest" veranstalten? Werden wir demnächst an Karfreitag den CSD feiern? Was ist nur aus der Pietät der Menschen geworden in diesem Land?

Also sitze ich hier und öffne meine zweite Flasche Fusel, obwohl ich schon seit gestern Morgen besoffen bin. Ohne das ganze Kiffzeugs gäbe ich eine echt traurige Figur ab. Vielleicht tröstet es mich ja, dass im Fernsehen heute "die schönsten Fernsehmomente Deutschlands" gezeigt werden und ein "deutsches Jahrhunderttalent" im Schach entdeckt wurde. Deutschland geht es also gut. Deutschland. Deutschland. Deutschland. Ach, und bald ist ja Fußball-WM beim Dopingputin. Da ist auch wieder Deutschland.

Experten: Deutschland ...

Schauen wir kurz beim Deutschlandexperten rein, beim Fleischhauer-Jan. Der findet, klagen gegen Abschiebung sollten Geld kosten. Die nämlich "explodieren", weil sie nix kosten. Der Asylant an sich kommt eigentlich nur hierher, weil er gern mal für lau klagen will, und nicht etwa, weil wir bei ihm daheim ganz andere Sachen explodieren lassen für unser Geld®. Dabei wird ihm dann auch noch geholfen, leck mich am Arsch, und zwar von, ja da schlägt es doch vierzehn, An-wäl-ten!

Aber nicht mit dem Fleischhauer Jan, dem Rechtsexperten für das Gute! Wir erinnern uns: In Sachen Strafrecht ist für ihn Karl Binding das Maß der Dinge, jener große deutsche Autor des Standardwerks "Die Freigabe der Vernichtung lebensunwerten Lebens". Der Jan weiß noch, was gute Zeiten waren. In Rechtsdingen ist er eine Instanz des deutschen Journalismus.

Es macht mich manchmal echt müde, wenn ich so durch die Medien surfe, macht aber nix, so lange genügend Koks auf dem Spiegel wartet. Wenigstens sind wir hier immer sicherer. Nach CSU-Land kriegt auch NRW jetzt sein Polizeiermächtigungsgesetz, was auch dringend nötig ist. Zuletzt hatte sich doch allzu oft gezeigt, dass die Bullen zu blöd sind, ihre Aussagen anständig abzusprechen an der Arbeit der Polizei häufiger gezweifelt wurde. Da hilft jetzt der Gesetzgeber. Danke, Gesetzgeber!

... und der Dope

Zum Schluss noch einmal zurück zum Fußball und ins böse Putinland. Hajo Seppelt darf nicht zur WM einreisen. Dieser verdammte Diktator und seine antidemokratische Pressezensur! Deutschlands fanatischster Russenhasser im Sportjournalismus kritischster Dopingexperte soll seine vorbildlich investigative Arbeit nicht tun dürfen. Wir sollten auch dieser Diktatur endlich den Krieg erklären Demokratie und Menschenrechte bringen.

Der Säzzer, der ein rechter Zyniker ist, meint dazu, das sei ja auch wirklich unsouverän, wenn man diesen Hajo davon abhält, sich zum Seppelt zu machen. Wir haben schließlich auch Anspruch auf gutes Entertainment für unsere Rindfunkgebühren - genau wie auf guten Dope, verdammt nochmal!

 
so

Das Wagenknecht-Monster

Der "freitag" hielt es jüngst für einen gelungen Scherz, dass Sahra Wagenknecht eine "linksnationale Partei" gründen wolle. Derweil entlarvt der "Focus" sie als unverbesserliche Kommunistin, die - Skandal - an den ideen von Karl Marx festhält.

Darf man als Deutscher noch Brot essen? Wie die Nachrichtenagentur Tasskaff herausgefunden hat, soll sich die linkssozialistische Kommunistin Sahra Wagenknecht von Brot ernähren. Damit hat sie geschafft, was selbst islamistischen Terroristen nicht gelungen ist: 78% der Deutschen schmeckt ihr Brot nicht mehr. ¹

Nahles kann Partei

Der "Spiegel" schrieb zu Andrea Nahles jüngst: "Die 47-Jährige ist jetzt die mächtigste Frau der SPD.", was zynisch ist, denn aus einer aktuellen Umfrage geht hervor: Wenn in Deutschland der Kanzler direkt gewählt würde, würden sich nur 13 Prozent der Wähler für Nahles entscheiden. Aber immerhin, sozenmächtig:

Gleich drei sieben Parteivorsitzende wurden vom Steinschlag in den Ruinen der Partei (SPD) erledigt, und Nahles steht noch immer nicht ganz jetzt an der Spitze. Sie wird wissen, warum. Es ist aussichtsreicher, zu warten. Es ist aussichtsreicher, sich mit allen und jedem zu verbünden, zu verabreden und zur rechten Zeit auf die Bühne und vors Mikrophon zu treten. Die Seilschaften der SPD funktionieren noch gut, die Intrigensolidarität bestimmt das Tagesgeschäft. In solchen Zeiten werden solche Charaktere befördert.
Daß sie “Partei kann” bedeutet, daß sie Risiken kalkuliert, weiß, wer wo was sagt und immer gerade die richtige Strippe in die Hand nimmt, wenn das Blitzlicht aufleuchtet. Dass sie abends ihr Geschwätz vom Morgen nicht mehr interessiert, sieht man ihr nach, weil man von ihr nur dann eine Meinung erwartet, wenn sie zuvor genügend Claqueure dafür gesammelt hat. In der Regel reicht ein Statement im Sinne dessen, was sich just als Mehrheit der zuständigen Gremien abzeichnet.
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Uns geht's gut!

“Die deutsche Wirtschaft wächst derzeit so stark wie seit zwölf Jahren nicht mehr. Auch die Finanzkrise ändert daran nichts. Die Krise kommt auf dem Arbeitsmarkt an. Sogar junge Menschen ohne Abschluss haben wieder Chancen.”

Ähm, nein, ihr geht es ja so gut wie "seit Langem", "seit zehn Jahren", "seit Jahrzehnten" nicht mehr oder gar "wie nie zuvor". ³

Managermoral meets Strafrecht

Tzia, und dann haben wir da noch diesen fiesen Manager-Skandal um Martin Winterkorn (VW).

Die “Eliten” in Deutschland machen schwere Zeiten durch. Ein ums andere Mal lassen sich Top-Manager dabei erwischen, wie sie in kriminelle Machenschaften verwickelt sind:
Zumwinkel bei Steuerhinterhinterziehung, die Siemens-Leute wie schon zuvor Peter Hartz bei Korruption, Telekommanager bei der Bespitzelung von Journalisten und Mitarbeitern. Im Einzelhandel werden die Beschäftigten überwacht. Gewerkschafter werden gekauft, wechseln, wie bei der Bahn/Transnet ins Management. Nicht wenige Manager, die mittelbar oder unmittelbar mit solchen Machenschaften zu tu haben, “beraten” Kanzler und Regierung. Politiker werden Vorstände und Aufsichtsräte bei Firmen, die sie zuvor begünstigt haben. Ein Konglomerat von Interessenvertretern, Vorteilsnehmern und Maklern geht in den Ministerien ein und aus.

Die kursiv gesetzten Textstellen sind allesamt zehn Jahre alt, aus einem einzigen Monat, dem Mai 2008. Fragt da noch irgendwer, warum ich diesen Zirkus nicht mehr ernst nehme? Da mache ich doch lieber mein Murmeltier besoffen.

Quellen:
Eins
Zwei
Drei
Vier

 
vn

Heute wollen wir einen kleinen Vergleich wagen zwischen nichts und nichts, Medien und Medien, ganz viel Luft (heiß) und lernen dir Kultur. Eingangsfrage: Welcher berühmte Dichter sagte: "Im Hennessy für meine Enemies und lasse deine Family verbrennen an 'nem Waldrandparkplatz" sowie "Bitch", "Bitch", "Bitch" und äh ... "Bitch" - und warum kennt ihr den Text nicht?

Wir schalten kurz um in die Hochkultur. Anzug, Kostümchen oder Galakleid, Krawatte. Wir sind belesen und wissen, wozu die kleine Gabel da gut ist. Parat? Okay, los geht's noch mal, weil's so schön war "dabei zuzusehen, wie einer Sechsjährigen bei vollem Bewusstsein gleichzeitig mit kochendem Schwefel die Netzhaut ausgebrannt und irgendein Schwanz in den Arsch gerammt wird, und danach verblutet sie halt mit weit geöffneten Augen auf einem Parkplatz."

Unterschiedliche Parkplätze

Wo ist jetzt genau der Unterschied? Ganz einfach: Sie hat nicht "Auschwitz" gesagt und der von ihr geklaute und versilberte Text wurde zuvor von keinem Ethikrat gecheckt. Der aufmerksame Analytiker fragt sich zudem, was die bloß mit Parkplätzen haben. Ist das wieder so ein Szenespeak, den ich nicht raffe? Man weiß es nicht. In dem Text von oben sind übrigens noch viele andere süße Sachen wie etwa: "Fick' eure Mütter auf Tour, diese Rapper sind alle Behindi-Fotzen" (beliebiger Serviervorschlag). Ich habe mit dieser Klientel gearbeitet. Was glaubt ihr, welche Beschäftigung die meisten beim Beruferaten bezüglich meiner Mutter getippt haben?

Nun, ist das also korrekt, wenn die Mütter Fotzen, die Weiber Bitches und überhaupt alles Fickifickischeiße ist? Keine Ahnung. Verkauft sich das? Yeah! Wurde das deshalb ausgezeichnet? Yeah. Haben die anderen Stricher der Kulturindustrie auch dafür ihren Pokal gekriegt? Ja-doch! Hat auch nur einer dieser Geiger den millionenfach publizierten vermeintlichen Aufruf zum Terror bemängelt bevor irgend ein Twitterheini Anstoß an einer infantilen Provokation nahm? Nope. Jetzt wird übrigens der Preis abgeschafft und statt einer Jury und eines Ethikrates gibt es künftig - eine Jury. Alles wird gut!

Das vermutlich nichtjüdische Kind von Parkplatz zwei hingegen war derweil temporibus illis ("damals" in der Sprache der Theatergänger) nur Anlass zu einer Debatte über Urheberrechte. Der gehobene Rezipient weiß um die Virtualität der dargestellten Personen und dass es sich ohnehin nur um eine Provokation handelt, die jederzeit durch die künstlerische Freiheit gedeckt ist. Die junge Autorin ist aus gutem Hause und kennt ihren Katechismus.

p.s.: Nach wie vor kante ich hier alles raus, was glaubt, das sei jetzt ein prima Anlass für antijüdisches Gesabbel. säzzer

 
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Vor sieben Jahren bereits schrub ich Unerhörtes. Da ging es noch gar nicht um den Gift-Assad; ich weiß auch gar nicht mehr, um welchen Gift-Machthaber es ging. War es der Irre von Tripolis? Der Hitler von Bagdad? Der Taliban-Kaiser von der Mordallianz? Wer soll sich noch erinnern, wohin wir wann unsere Brunndenbohrpanzer, Friedensschießpistolen und Handelswegwerfmunition verklappt haben? Verantwortung! Zitat:"

Unsere Freiheit in Ouagadougou

Erst geht es jetzt erst mal nach Tripolis, dem Libyer in den Arsch treten. Der Deutsche stellt sich da etwas sperrig an und ist nicht immer zufrieden damit, irgendwen zu erschießen, weshalb er noch immer den Ami vorschickt, der ihm dann konkrete Ziele vorgibt.

Das spart dann eigentlich auch Munition, was der NATO doch entgegenkommen sollte. Der Ami aber weiß: Kann man nicht genug von haben, dem entsprechend ist sein Schussverlauf wie beim Schlussverkauf: “Alles muss raus”, danach gibt’s neu. Neue Munition, neue Ziele und immer das Eine: Freiheit! Freiheit von dem Feind, dem heidnischen. Jeder kann mitmachen.

Jeder? Im Prinzip ja. Der Heide muss, wenngleich selten so recht klar ist, ob als Ziel oder Schütze. Ziel muss er sein, Schütze kann er sein, wenn’s ein guter Hurensohn ist.

Vor dem Gefecht ist vor dem Geschäft

Der Christenmensch wiederum muss können, da wird jetzt differenziert. Wer sein Arbeitszeug in Ordnung hält und genügend davon vorhält, ist Vollmitglied, die anderen können zwar auch müssen, dürfen aber künftig nur, wenn sie auch können wollen. Der Rest geht in die zweite Liga. Wie bei Euro Nord und Euro Süd gibt es dann NATO Mord und NATO müd. Für alle gilt dann: Dabeisein ist alles, aber Mitreden darf nur, wer können kann. Das Nähere regelt der Commander in Chief.

Internationale Verantwortung übernehmen, für die Freiheit einstehen, die Handelswege sichern. Wer kann dazu schon nein sagen? Der Demokrat in Uniform weiß: Vor dem Gefecht ist vor dem Geschäft. Afghanistan war nur keine Übung, der Ernstfall kommt jetzt erst. Da machen wir mit, da müssen wir hin, das wollen wir auch. Wir sind nämlich nicht nur Papst, wir sind jetzt auch Freiheitsmedaille. Und das mit Recht, denn alles, was zugrunde geht, ist wert, dass das, was hier entsteht, auch stets an alle Fronten geht.

Ick bin schon da

Denn bei aller Freundschaft zu grundgesetzwidrigen Angriffskriegen, bei denen Deutschland auch weiterhin gern symbolisch mitkämpfen wird, weiß auch der Freiheitsnobelpreisträger: Wenn die NATO bombt, muss die Bundeswehr nicht viel deutsches Kriegsmaterial mitbringen. Das haben wir längst voraus exportiert. Unsere Handelswege sind eurer Nachschub. Also Ball flach halten, Mr. President!

" (Zitat Ende.) Wo hatte eigentlich Gaddafi sein Gas? Oder hatte der Embryos? Wir wissen es nicht. Was wir noch wissen, ist: "Weißer Phosphor ist eine konventionelle Munition, keine chemische Waffe.” Ah, wir erinnern uns nicht? Das war der Kommentar des Pentagons zu der im Irak eingesetzten Massenvernichtungswaffe. Die war freilich demokratisch legitmitert und wurde von den USA eingesetzt, so wie Clusterbomben oder die Mutter des Terrors.

Während wir also viel von Menschenrechten, Machthabern, Putin und Giftgas hören, werden unsere anderen schönen Waffengattungen schmählich verschwiegen, als wären wir nicht stolz auf unsere Verantwortung® an der Heimatfront, aka "Exporte". Wir hören von Weißhelmen, jenen scheuen Helden, die regelmäßig Sekunden nach einem Giftgasangriff® auftauchen, Farbfotos twittern und dann spurlos verschwinden. Wir hören vieles und sehen manches, aber eines fiel mir auf neulich: Hat man jemals in der Tagesschau das Wort "Geostrategie" gehört? Aha.

 
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Es ist atemberaubend, wie durchsichtig die Propaganda ist, wenn es gegen Russland geht. Die Technik ist dieselbe wie bei den Trollen, die sich in Foren und Kommentarspalten tummeln. Es ist mithin nicht nur so, dass diejenigen, die sich ständig über angebliche "Fake News" echauffieren, selbst betriebsbedingt hektische Copy&Paste-Falschmelder sind; sie bedienen sich inzwischen der billigsten Strategien, um Gegner an die Wand zu quatschen.

Eine der häufigsten Trolltechniken ist die Projektion. Man wirft dem Feind vor, was man selbst bis zum Exzess betreibt. NATO-Regierungen und -medien haben sich wiederholt bei Vorverurteilungen und Falschbeschuldigungen erwischen lassen. Der kriegslüsterne Spiegel-Titel "Stoppt Putin jetzt!" steht noch Jahre danach ohne jede Faktenbasis da. Diplomatisch ein Unding, hätte in Zeiten des ersten Kalten Krieges niemand den Mund derart voll genommen. Seit G.W. Bush verzichtet der Westen jedoch auf jede Raison und stellt Putin® dar, als sei er der Teufel selbst.

Wahrscheinlich kein Zweifel

Die Anschuldigungen sind äußerst aggressiv, dabei könnte Russland das Ganze als "Innere Angelegenheit" abtun. Selbst wenn es einen Grund gibt, einen Doppelagenten zu töten, der zuvor freigelassen worden war, ist das wohl eher kein Grund, nach dem Bündnisfall zu schreien, wie die "Zeit" es sich dennoch nicht hat nehmen lassen. Da will sich offenbar jemand ein Sarajevo basteln. Gut, dass Russland sich davon nicht provozieren lässt. Wie danken es ihm der POTUS und seine Q-presse?
"Die Vorwürfe: immer dreistere boshafte Aktivitäten der russischen Regierung - überall in der Welt."

Nach dem Motto "Es bleibt schon etwas hängen" werfen sie fortgesetzt mit Dreck, um dann den schmutzigen Lumpen zu beschimpfen. Dabei sind sie sich auch nicht zu blöd, den unbewiesenen Beweis als Mittel einzuführen, der das Widerlegen aller Zweifel durch die schlichte Behauptung ersetzt: "Es gebe keinen Zweifel an der Täterschaft Russlands. Beweise hierfür wurden öffentlich jedoch bisher nicht vorgelegt." Wie kann man das dann so zitieren? Man ist geneigt nach einem Funken Anstand zu fragen, aber hier geht es nicht um Ehre und Moral, sondern um Krieg und Frieden. Fürwahr: boshaft und dreist.

Mord überlebt

Nachdem also Russland durch Behauptung und Verdacht bereits als verurteilt galt, wurde zunächst Boris Johnson, auf den sich alle vorsichtshalber schon einmal berufen, beim Lügen erwischt. Die angebliche Aussage des Giftlabors, es gebe keinen Zweifel, war das exakte Gegenteil der Wahrheit. Wie reagiert die Journaille?
"Der vergiftete Ex-Doppelagent Sergej Skripal ist nicht mehr in kritischem Zustand. Die Vorwürfe gegen Russland werden lauter." Wie können die denn "lauter" werden, wenn von zweifelloser Täterschaft bei einem "Mord" bereits die Rede war? Dazu passt auch:

"Die rund 100 Varianten [des Giftes "Novichok"] gehören zu den tödlichsten Nervenkampfstoffen, die jemals hergestellt wurden." Aha, deshalb haben die beiden Opfer das Attentat auch überlebt, richtig? Tödlicher geht nicht, denn es sind die Russen. Passt nicht? Egal, wir haben noch einen:
"Man sehe ein "Muster russischen Verhaltens", das immer wieder völkerrechtswidriges Vorgehen zeige." Der Fall der Skripals hat mit Völkerrecht zwar herzlich wenig zu tun und schon gar nicht mit anderen, meist widerlegten Vorwürfen gegen Russland, aber viel Wiederholung hilft viel.

Auf Sie!

Man konnte halt nicht anders, denn die anderen sind böse. "Somit komme man zum Schluss, dass der Angriff "höchstwahrscheinlich ein Anschlag des russischen Staates war, und deshalb mussten wir alle gemeinsam reagieren." Auf einen Verdacht hin muss man völkerrechtlich reagieren? Nachdem bereits hinreichend deutlich wurde, was von den 'Schlüssen' und Berichten aka Lügen westlicher Geheimdienste zu halten ist, die die Giftkarte seit Irak schon rituell ausspielen, wenn sie einen Blankoscheck brauchen?

George W. Bush hat die Geheimdienste ermächtigt zu tun, was sie wollen. Sie überwachen ihre Völker total, sie lügen und intrigieren. Letzteres ist ihr Geschäft, seit es sie gibt, aber eines hat sich geändert: Ihre Auswürfe werden ungefiltert durch die Presse und gewählte Politiker an die Öffentlichkeit gebracht. Ausdrücklich wird dabei auf jegliche Belege verzichtet, das sei halt geheim. Diese Methoden des Mobbings und der Schwarzen Pädagogik sind offizielle Politik und werden von willigen Lohnschreibern zur alternativlosen Moral verklärt. Wer dabei nicht mitmacht, ist Putinversteher®.

On Top moralisiert hier eine Macht, die seit Jahrzehnten fast ununterbrochen Angriffskriege führt, regelmäßig auf Basis später nachgewiesener Lügen. Das Morden machen sie sich auch nicht schwer. Während es ein schlimmer Verstoß gegen das Völkerrecht sei, wenn Russland angeblich einen Spion liquidiert, ermordet die NATO bei hellichtem Tag 'Feinde', die sie selbst bewaffnet hat und anbei gern ein paar Dutzend "Kollateralschäden" wie eine Hochzeitsgesellschaft oder zivile Bunkerinsassen. Ups! Im Kampf für das Gute® hat das Völkerrecht halt Pause..

p.s.: Zu Fakten und Hintergründen: Craig Murray, via Kay Sokolowsky

 
vg

Quelle: Pixabay

Via Kay Sokolowsky wurde mir folgendes Zitat zuteil:

"Mir ist sehr unwohl dabei, dass in diesen Tagen ein sehr kleiner Teil der Bevölkerung darüber bestimmt, ob wir nun jetzt endlich eine neue Regierung bekommen oder nicht. Ich bin mir auch nicht sicher, ob Abstimmungen wie der Mitgliederentscheid der SPD über die große Koalition unsere Demokratie wirklich besser machen – oder ob sie nicht am Ende (unabsichtlich) die Demokratie gefährden." Keinen Link dafür, "Zeit" und Michael Thumann.

In Ergänzung widme ich mich kurz dem Verbrechen gegen die Logik, das solche 'Argumente' ermöglicht: Entscheidet demnach also immer derjenige, der in der Zählung die Anzahl der Minderheit überbietet? Wenn also 199 für etwas sind und 199 dagegen, entscheidet dann der Zweihundertste (bzw. der 399.) ganz allein? Oder ist es so, dass eine Partei einer Koalition beitreten muss, weil eine andere, womöglich größere, sich schon dafür entschieden hat? Ausgerechnet in eine Koalition, die vorab bereits die Verschwörung gegen das Grundgesetz festgelegt hat? in einem politischen System, in dem schon traditionell kleine Klientelparteien die Richtung bestimmt haben?

Wir sind Volker

Ausgerechnet in einem System, das die Stellvertretung der Stellvertretung für "Demokratie" erklärt, in dem Fraktionsvorstände und Hinterzimmerzirkel abnicken lassen, was zuvor in Gremien oder undurchschaubaren Strukturen ausbaldowert wurde, ist "ein kleiner Teil der Bevölkerung" zu wenig und "gefährdet die Demokratie"? Ja genau, eben diese Demokratie®, die mit Mehrheiten nichts zu tun hat und schon gar nicht mit der "Bevölkerung" dem Volk, das sie im Titel trägt. So ist sie, die Demokratie der "Zeit": elitär, atlantisch, demagogisch.

Dabei ist der Spaß noch gar nicht zu ende. Ernsthaft, Sozen? Heiko Maas? Der reaktionärste, autoritätshörigste Nützling, der je im Amt des Bundesjustizministers dilettierte? Der den Faschisten hier dasselbe Bett gemacht hat, in dem sie sich in Österreich derzeit wälzen? Fefe fragt völlig zurecht (aus Sicht von Russen und Chinesen): "Sagen Sie, waren Sie nicht der Erfinder des Gesetzes, mit dem die Russen jetzt ihre Medien zensieren? Und SIE wollen UNS Vorhaltungen machen!?"

Not Amused But Entertained

Ich freue mich jedenfalls auf den Versuch, Nahles zur Vorsitzenden wählen zu lassen. Das wird sicher eine Riesenparty, diese Erneuerung®. Fürs Protokoll: Nein, ich bin keineswegs der Ansicht, dass die personelle Besetzung relevant für politische Strukturen ist in dieser Demokratie®, aber sie ist ein Symptom, so wie es die Besetzung des POTUS mit Donald Drumpf ist. So weit konnte es kommen. Im Schatten dieses Bösen gedeiht die Verschwörungstheorie auf offener Bühne. Wissens schon: Die Russen kommen!!1!

Alles, was bleibt, und das muss man ihnen lassen, ist Entertainment, und zwar vom Gröbsten. Jeden Tag etwas Neues zu lachen, zum Weinen, zum Spielen und Schokolade Popcorn. Der zuletzt Genannte trifft sich demnächst mit dem komischen dicken Jungen; sie spielen "Meiner ist aber Größer". Mal gucken, wohin sie zielen und womit und wo das dann landet. Wie auch immer; Putin wird sich freuen®.

 
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An einem Donnerstagabend saß ich hier und trank ein Bier, als ich mich fragte, ob ich etwas über Nahles schreiben sollte. Etwas in mir meinte, es hätte dann lieber die Grippe. Ich stand irgendwann auf, um die Toilette zu frequentieren, da erschien ein Ding auf dem Flur, schlug mir in die Fresse und schickte mich für die folgende Woche auf die Bretter.

Johannes Kahrs, jener verurteilte Stalker, der nie zu etwas gewählt wurde und seit Jahrzehnten für den "Seeheimer Kreis" die SPD auf braunem Kurs hält, hatte beschlossen, Nahles zur Parteivorsitzenden zu erklären. Ich bin erstaunt, dass die Vollidioten, die glauben, ihre glühende Verachtung gegenüber allem, das sie für unter sich stehend halten, ergäbe ein treffendes Bild ihrer Untertanen, mich noch immer überraschen können. Nicht nur, dass sie gar keinen Gedanken mehr daran verschwenden, was eine "Wahl" ist. Nein, sie sind auch zu und zu dämlich, wenigstens einen Blick ins Manual zu werfen. Nahles kann gar nicht kommissarisch bestimmt werden. Haben sie jetzt immerhin auch bemerkt.

Schnittstelle verödet

Einen kurzen Blick nach Pjöngjang: Dort treten nordkoreanische Zombieroboter auf, um das Restpublikum zu verstören. Man hat diesen Winke-und Grinsepüppchen jegliche Schnittstellen zur Realität verödet, was dem nicht-Nordkoreaner sofort auffällt. Ein sehr vergleichbares Syndrom. Die Gefilterten aus dem Politmedienzirkus haben ebenfalls den mental stabilen Orbit verlassen. Für sie ist es ganz selbstverständlich, dass selbst nach der ungemein peinlichen Inszenierung von Martin Schulz ihre Hohlphrasen über Hohlphrasen noch immer das Maß der Dinge seien. Ein kurzer Realitätsabgleich:

"Wir [orientieren] uns an Arbeit und Leistung und nicht nur an staatlicher Umverteilung wie die Linkspartei."
"Es kann nicht sein, dass Arbeit nicht zum festen Tagesablauf gehört."
"Es kann nicht sein, dass Partikularinteressen die Interessen anderer bestimmen." (zum angestrebten Streikverbot für kleinere Gewerkschaften)
"Pünktlichkeit ist hier aber ein so zentraler Punkt. Muss man sonst nicht sagen: Dann gibt es Konsequenzen?
Wer das nicht tut, wer sich nicht integrieren will, dem werden wir die Leistungen kürzen.

Einige Zitate von der 'Linken' Nahles, die auch prominent forderte, man solle Flüchtlingen ihr Vermögen abnehmen. Hier draußen sehen wir eine in der Wolle gefärbte Neoliberale, die in ihrem Eifer gar nicht heftig und oft genug nach unten treten kann; die permanent Menschen zu harter Arbeit® zwingen will, ohne je selbst etwa Nützliches geleistet zu haben. Niemand glaubt ihr irgendetwas. Ihre Sprüche sind aufgesetzt, ihre Attitüde schal, ihre Auftritte mitunter peinlich und hart an der Grenze zum Irrsinn.

Kasperletheater

Wenn man freilich meint, jemand der seine Krawatte lockert und die Stimme künstlich presst, halte eine 'kämpferische Rede' und sich niemals fragt, was er da eigentlich redet, sieht die Welt anders aus. Vermutlich legt es sich der Journaill so zurecht, dass der dumme Pöbel, dem man die Welt erklärt, die Inszenierung nicht erkennt und meint, "authentisch" sei, was jener eben zu glauben habe. Das geht dann so weit, bis man selbst glaubt, was man selbst inszeniert. Alles eine Frage der Übung, bis man so etwas schreibt:

"Sie kennt die Sprache der Malocher und kann eben auch Mal so richtig auf den Tisch hauen, wenn es sein muss. Sie kann aber auf Menschen zugehen, Nähe erzeugen, mit einem der typischen, lauten Nahles-Lacher das Eis brechen. Diese Volksnähe und die Kämpferqualitäten á la Gerhard Schröder werden für den Neustart in der SPD gebraucht. Die Partei muss zu ihren Wurzeln und Wählern zurück. Dass sie da liefern kann, ist ein großer Pluspunkt für Nahles."

bzw.

"Andrea Nahles hat als Politikerin viele Talente. Sie kann die Volksnahe, Bodenständige geben. Die Frau aus der Eifel verkörpert die Rolle der Arbeiterführerin glaubwürdig." - "Auf Menschen zugehen, ihre Sprache sprechen - das gelingt Nahles mühelos." - "Nahles kann aber auch das andere, das Staatstragende, Seriöse." - "Sie schafft das nicht nur, weil sie authentisch wirkt."

For The Record

So authentisch wie M.Chulz, der "die Ärmel hochkrempelt und den Helm aufzieht", wenn er in seinen Buchladen geht. So bodenständig wie das Gör, das vom Studium unmittelbar ins Präsidium aufgerückt ist, "die Sprache der Malocher" kennt. Jemanden "geben", etwas "verkörpern" - das mag ja aus Sicht der Claqueure die Kunst der Politik sein, aber haben sie sich jemals gefragt, warum der Erfolg ausgerechnet dieser Partei mit ausgerechnet diesen Figuren ausgerechnet diese Entwicklung nahm? Weil das "authentisch" ist? Wirklich?

Vom Hundertsten in Tausendste, es gibt zwei Anforderungen: einen kompromisslos neoliberalen Kurs und die Befehlsgewalt in Händen derer, die man darauf eingeschworen hat. Warum ich das so episch darlege, fragt ihr? Weil es die Wirklichkeit beschreibt. Was parallel dazu von den Lohnschreibern aufgeblasen wird, ist nordkoreanische Choreographie. Am totalen Untergang der SPD ändert beides nichts. Ich finde, der Name "Nahles" sollte getrost damit verbunden werden.

 
bn

Im Disput über einen 'Panorama'-Beitrag vom Oktober zu kurdischen Organisationen erklärt die Redaktion kurzerhand alle, die sich auf Öcalan beziehen, für "PKK" und diese - trotz erheblicher programmatischer Veränderungen - für "marxistisch", so dass der Zuschauer weiß: Hier sind linke Terroristen am Werk. Im noch immer felsenfest antikommunistischen deutschen Narrativ werden die Kurden, die im Irak, der Türkei und Syrien um ihr Überleben kämpfen, auf 'böse' gelabelt. Verheerend sind die Argumente der Redaktion, die keine Untiefen scheuen und so etwas hervorbringen:

"Alle wissen: es ist die PKK [...]. Diese Formulierung ist dann gestattet, wenn Belege für einen Sachverhalt so überwältigend und ubiquitär sind, dass man den Sachverhalt als Gegenstand einer breiten öffentlichen Übereinstimmung, eines Konsenses, des sogenannten "Weltwissens", betrachten kann. "Konsens" und "Weltwissen" bedeuten nicht, dass die Zustimmung 100 Prozent der Subjekte betragen muss. Es geht um die Zustimmung der überwältigenden Mehrheit.", vom 'lowerclassmag' zusammengefasst:
Es muss stimmen, weil ein Großteil der Menschen denkt, dass es stimmt.“

Weiß doch jeder

Von diesem bizarren Glaubensbekenntnis ("Weltwissen") ist es nur mehr ein winziger Schritt zum bedingungslosen Nachplappern dessen, was die Bezugsgruppe für wahr und richtig hält. Die Kapitulation jeder Kritik, für wahr zu erklären ("öffentliche Übereinstimmung"), was eine Mehrheit angeblich denkt, ist der Untergang der Aufklärung. Da die angebliche Mehrheit aber jeder seriösen Überprüfung entbehrt, wird hier konsequent erklärt: Wahr ist das, von dem wir annehmen, dass es wahr ist, weil das "alle so sagen." - die Definition einer Filterblase ohne Korrektiv. "Theorie-Diskussionen müssen andere führen", sagt die Redaktion dazu. Klar, wenn man nur verkündet, muss man nicht selbst denken. Das ist es, was kritischen Journalismus® heute ausmacht.

Der Burschenschaftler und gut vernetzte Atlantiker Claus Kleber hat derweil ein Büchlein verübt, in dem er uns erklärt, warum Gott groß ist und seine Stellvertreter auf Erden ("von Berufs wegen faktenorientierte Wesen") uns von der Weltweisheit künden. Tausende mies bezahlter Schreibarbeiter, die am Hungertuch nagend Auftragsartikelchen zusammen hecheln und Agenturmeldungen variieren, werden einmal mehr pauschal für kritisch®, hier "faktenorientiert" erklärt, weil sie eben von denen bezahlt werden, die solche 'Fakten' verkaufen. Die Abhängigkeit von diesem Geschäft wird hier ausdrücklich mit dem Besitz der Wahrheit identifiziert. Der verlinkte Artikel antwortet der Kleberschen Anmaßung angemessen.

Es ist Propaganda, und zwar auf einem Niveau, das sie inzwischen sehr durchschaubar macht. Der Akt, in dem die unterschiedlichen kurdischen Organisationen allesamt mit der PKK identifiziert und für "marxistisch" erklärt werden, ist ja noch regulär komplex im Vergleich zum haarsträubend simpel gestrickten Feindjournalismus in Bezug auf Russland - das größte Land der Erde mit der zweitgrößten Militärmacht, das regelmäßig "Putin" genannt wird. Wie kritisch® berichten sie da? Wer erwähnt je den Einfluss der CIA auf die Wahl Jelzins, der seinerseits Putin hervorbrachte? Wer erwähnt je die Geschichte der NATO-Osterweiterung? Das gehört offenbar zur dunklen Seite des Weltwissens®. Das muss der Zuschauer nicht wissen.

 
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Der November geht in die dritte Verlängerung, diesmal mit Schnee. Es pladdert oder schneit wie aus Eimern, monatelang, um die dunkle Jahreszeit nicht etwa mit Sonnenstrahlen zu verunzieren. Was tun die Finnen dagegen? Komm, tu' ma noch einen! Wenigstens werden wir nicht regiert, und das desinspiriert unsere Journaille on top. Schlafwagen im Sackbahnhof, unterirdisch (das wäre übrigens eine lustige Lösung für Stuttgart 21 gewesen).

Mit Liebesentzug droht in Slowenien derweil der Tiefe Staat, weiß der Spon. Musst du dir vorstellen! Was ist eigentlich noch schöner als unregiert? Richtig, unbespitzelt. Nun streikt sogar die Stasi in Nordjugoslawien, man möchte sich kringeln. Prompt humpelt der Lohnschreiber zum nächsten lahmen Vergleich. Was wäre da angemessen? Der Thüringer Heimatschutz droht mit der Verbrennung von "Mein Kampf"? NSU legt die Waffen nieder? Terrormuslime geben ihre Ausweise zurück? Nein, das käme ggf. zwar der Wahrheit nahe, entspricht aber nicht dem Auftrag.

Der besteht darin, die losgelassenen Helfershelfer als Die Guten® darzustellen, schließlich ist Slowenien NATO-Mitglied. Okay, wie machen wir das am besten? Ja richtig. Ernsthaft. Ein Foto von Daniel Craig. James Bond. Ja doch. Nein, dafür gibt es keinen Link hier. Der Text ist auch geil: "Um das Land nicht in Gefahr zu bringen, werden die dringendsten Aufgaben allerdings weiterhin erledigt." Was mögen das für wichtige Aufgaben sein? Erfahren wir leider nicht, da muss also Phantasie her. Land in Gefahr! Genau. Wenn die scheiß Spitzel mal was Vernünftiges tun, nämlich nichts, ist sofort das Land in Gefahr. Wissen's schon: Dr. No. Goldfinger. Der Imperator. Hui Buh!

Alles paletti

Ansonsten alles roger auf der Titanic. Stimmung bestens. Immer positiv titeln: "Sechs von zehn Arbeitnehmern fühlen sich gerecht bezahlt". Du sollst. Nicht. Denken! Wenn sie das doch fühlen! Dass eine "gerechte Bezahlung" schlicht absurd ist und jedenfalls nicht definierbar, musst der Leser nicht wissen. Dass offenbar bald die Hälfte etwas anderes denkt und die Ausbeutung regulär "fühlt", zumal: was das in der Praxis bedeutet, wenn am Ende des Geldes noch verdammt viel Monat da ist? Who cares. Wir sind doch eine dolle Gemeinschaft, denn:

"Die Mehrheit der Deutschen schätzt den gesellschaftlichen Zusammenhalt im eigenen Umfeld als gut ein"
oder : "Gesellschaftlicher Zusammenhalt ist gut - aber gefährdet". Weder das Eine noch das andere lässt sich belastbar aus einer dusseligen Umfrage ableiten, selbst wenn die sonst korrekt wäre. Das beginnt wie fast immer damit, dass das Objekt der Frage nicht bestimmbar ist: "Gesellschaftlicher Zusammenhalt". Etwas so Vages, unter dem sich jeder etwas ganz Eigenes vorstellt, kann nicht Gegenstand einer validen Aussage sein. Das Ergebnis ist Datenmüll, von dem sich der Journaill wiederum ernährt. Na dann: Mahlzeit!

Auch immer wieder spannend, was der Spon so für relevant hält. Heute an prominenter Stelle: "Diese Speisen sollten Sie beim Geschäftsessen auf keinen Fall bestellen". Immer am Puls der Zeit. Wer schlägt sich nicht mindestens zwei Nächte pro Woche mit dieser existenziellen Frage schlaflos herum? Leider auch in dieser Nullrubrik entsprechend zero points, zumal sicher die wichtigsten Items fehlen: Asischale (aka "Pommes Schranke"), weil das Proletariat beim Geschäftsessen nix zu suchen hat; Dito "Nüdelkes mit Hackepeter". Man outet sich nicht als Prolet. Dann schon besser als Idiot, aber: Auch bei den Getränken ist Vorsicht geboten. Ein Pils oder ein Hefeweizen geht in Ordnung. Als sexistisch hingegen gilt es, bei der Kellnerin "Hefepilz" zu bestellen. Ja sicher; hier werden Sie geholfen.

 
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Wenn die Massenmedien, ihre Verlagshäuser, Redakteure und Lohnschreiber, den großen Holzhammer rausholen und ihren Kritikern "Verschwörungstheorien" vorwerfen, dann müssen wir das im Grunde ignorieren. Zu tief ist längst die Kluft zwischen den Erzählern der Mittelschichtsmärchen und den Werktätigen, mit denen sie außerordentlich hohen Kontakt haben. Dabei wirkt das Versagen der Medienprofis doppelt: Sie sind selbst auf Ignoranz getrimmt und ihre eindimensionale Kommunikation ermutigt auf der anderen Seite die größten Deppen, sich auch für qualifiziert zu halten.

Für das, was sich hierzulande noch "Journalismus" nennt, habe ich keine Hoffnung mehr. Gerade in den letzten Tagen und Wochen bin ich kurz vor der Verzweiflung, wenn ich 'Berichte' lese über Russland, Katalonien oder die Feiern zur "Reformation". Sie sind geprägt durch Unwissen, Dummheit und schlicht dreiste Lügen. Da helfen dann auch keine 'journalistischen Standards' mehr. Die verlangen etwa so etwas wie zwei unabhängige Quellen; wenn man aber ohnehin planvoll die ganz eigene Realität bastelt, fährt man halt auf Standspur und Gegenfahrbahn. "Du sollst nicht lügen" steht nicht im Pressekodex.

Wenn man das besser machen will, empfiehlt es sich, anders zu denken und dann anders zu sprechen bzw. zu schreiben. Beginnen wir hinten unten: Wenn mir die Galle überläuft, habe ich zwei Optionen: Ich halte die Klappe oder lasse laufen. Letzteres muss schon mal sein; dann gibt man es als Ranting zu erkennen und lässt keinen Zweifel daran, dass man sich gerade gehen lässt. Ein solcher Text ist unanständig, ungerecht und persönlich. Er sagt viel über den Sprecher aus und wenig über das Objekt seiner Rage. Es ist Pöbelei. So etwas kommt vor, aber es kann nicht den Anspruch auf irgendeine Seriosität erheben.

Wer wie was

Ansonsten halt sachlich. Wie macht man das? Indem man sich nicht mit dem befasst, was irgendwer will, wünscht oder für gut und richtig hält. Anders gesagt: Nur eine strikt materialistische Sichtweise schützt vor Spekulationen, die in VTen enden können. Es ist völlig nutzlos, sich vorzustellen, was mächtige Leute aufgrund ihres Charakters wollen, was sie planen oder verabreden; vor allem, wenn es nicht öffentlich ist. Schon die Vorstellung, ein Regierungschef könne quasi einen Befehl geben, der dann gehorsam umgesetzt wird, ist Unsinn.

Die erste Frage ist: Was kann ich wissen? Was ist wann wo wie passiert? Welche Kräfte sind wirksam? Mit wieviel Geld, wie vielen Waffen, Rohstoffen und Ressourcen sind bisher welche Ziele verfolgt worden? Welche davon wurden erreicht, welche nicht? Woran liegt das? Welche Interessen werden wie verfolgt? Dies klingt jetzt nach einem Widerspruch, schrieb ich doch gerade noch, man solle sich nicht mit "wollen, planen oder verabreden" befassen. Hier kommen wir zum zentralen Unterschied:

Interessen sind weitgehend objektiv; in der Regel handelt es sich um das, was uns als 'Wachstum' verbrämt wird und "Profite" meint. Profite brauchen Ressourcen, Rohstoffe, Handelswege, Einfluss, Militär. Es gibt hier Konzerne, Staaten, Verträge, Koalitionen. Einige davon bestehen seit Jahrzehnten, andere nur kurzfristig. Interessen werden in solchen Strukturen verfolgt, dazu gibt es Strategien. Diese sind teils erkennbar (NATO-Osterweiterung, Kriege im Nahen Osten), teils werden sie öffentlich kommuniziert (Weißbuch, Think-Tanks, Regierungserklärungen ...). Aus diesen Daten und Quellen ein konsistentes Bild zusammen zu fügen, ist die Kunst. Irrtümer stets vorbehalten, Korrekturen immer wieder nötig.

Haltbar bis

Das bedeutet von Alpha bis Omega, seine vermeintlichen Erkenntnisse täglich zu hinterfragen. Es gibt kein Wissen, das ewig währt und schon gar keine Mächte, die immer überall das Geschehen bestimmen. Nein, nicht einmal die NATO. Auch nicht Rockefeller oder die Bilderberger. Das liegt schon allein daran, dass ihnen ob ihrer Dummheit, Ignoranz, Eitelkeit oder schlicht der Grenzen des menschlichen Denkens die Fähigkeit fehlt, einen ganzen Planeten zu regieren. Wer sich schließlich mit den Gesetzen und Zwängen kapitalistischen Wirtschaftens beschäftigt, weiß, dass dessen Eigendynamik ohnehin nicht beherrschbar ist. Gerade die Reichen und Mächtigen rennen den Problemen längst hinterher, die das System erzeugt.

Verschwörungstheorie und Propaganda gehen Hand in Hand. Dem kleinen VTler aus der Klapse nebenan kann man freilich keine "Propaganda" vorwerfen, weil sein Gebrabbel zu irrelevant ist. Den großen Verlagen muss man hingegen Propaganda vorwerfen, wo sie statt der materialen Analyse regelmäßig mit Personenkult, Schuld, Gut und Böse und sonstigem alltagstheoretischen Kitsch daherkommen. Die Rollen sind darin vorab festgelegt und das Ganze wird in Endlosschleife wiederholt.

Auch das ist aber keine Verschwörung, sondern das Narrativ ihrer kleinen Welt. Sie sind vor allem so blöd, dass sie das selbst glauben; auch ihnen ist die Welt längst zu komplex geworden. Sie neigen daher selbst zu Verschwörungstheorien, die in ihre Propaganda einfließen (Russen, Hacker, Trolle, Terroristen). Sicher, ein paar von ihnen wissen, was sie tun. Aber selbst für die ist der Rahmen festgelegt, in dem sie sich bewegen können. Limousine und Golfclub wollen schließlich bezahlt sein.

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