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wiwa

Über die Macht Erich Mielkes in der DDR gibt es keinen großen Streit der Gelehrten. Man mag darüber fachsimpeln, ab wann und in welchem Ausmaß Figuren wie Mischa Wolf die Geschäfte in die Hand nahmen, aber den generellen Einfluss der Stasi auf den Staat bestreitet schon deshalb niemand, weil die es selbst nicht tat und ebenso wenig die Nomenklatura. So transparent war die DDR.

Gorbatschow, Putin und George H. W. Bush zum Beispiel waren Geheimdienstler, letzterer sogar Direktor der CIA. Es ist also normal, dass Geheimdienstler unmittelbar politische Macht ausüben, und es ist schon aus dieser Sicht anzunehmen, dass eine entsprechende Vernetzung herrscht. Das ist ebenso normal wie undemokratisch.

Wenn in diesen Zeiten die Herrschaft der Geheimdienste offenbar wird und jede Verschwörungstheorie in den Schatten stellt, hat das entsprechende Folgen. Die Bundesregierung versteckt sich wortwörtlich hinter “geheimdienstlichen Gründen“, um die Erklärung ihrer politischen Einschätzungen und Handlungen zu verweigern. Die Regierung handelt also erklärtermaßen unmittelbar im Sinne der Geheimdienste, nicht umgekehrt.

Wer kontrolliert wen

Ebenso sieht es aus mit der Kontrolle: Niemand kontrolliert die ‘Dienste’. Der zuständige Ausschuss des Parlaments wird regulär vorgeführt, wenn Akten nicht verschwinden, werden sie halt komplett geschwärzt. Das ist nicht weniger als eine Demonstration der Dienste in einem offenen Machtkampf, den sie wohl nach ihrer Einschätzung gewonnen haben.

Wie auch nicht, wo wäre denn ein Gegner? Im Inneren haben sie gerade gezeigt, dass sie faschistische Mörderbanden finanzieren, unterhalten und gegen Strafverfolgung schützen können. Im Äußeren sind sie Teil einer NATO-Struktur, die ebenfalls völlig offen die Herrschaft über die Regierung ausübt, vom Parlament ganz zu schweigen: Informationen über jene Vorgänge, die schon aus geheimdienstlichen Gründen verweigert wurden, werden auf anderen Kanälen unterdrückt, um “die Freundschhaft zu den USA nicht zu gefährden“.

Aus solchen Gründen wird das Recht auf Information unterlaufen. Die Dienste verantworten sich nicht vor dem Parlament, die Regierung nicht vor der Öffentlichkeit. Priorität hat das Interesse eines militärisch-geheimdienstlichen Komplexes, der ausdrücklich Industriespionage für die USA betreibt.

Geheimhaltungsarbeit

Dagegen hilft auch keine Aufklärung, weil das Gegenteil stattfindet. Die mediale Öffentlichkeit, bestehend aus Medienmanagern, (politischen) Funktionären und Experten, hat ein unmittelbares Interesse an Desinformation. Die Informationen auch hierzu sind völlig öffentlich, die Clubs bekannt, in denen sich Industrielle, Banker, Politiker, Journalisten und sonstige Funktionäre treffen. Allen voran mein Lieblingsverein “Atlantik-Brücke“. Die Überschneidungen von deren Mitgliedern mit denen neoliberaler Think Tanks und anderer NATO-Anhängsel sind frappierend.

Der Sargnagel auf diesen Strukturen sind die eingebundenen Journalisten, Teils eitle Adabeis, teils überzeugte Propagandisten. Durch deren Einbindung, die vor allem schon im Frühstadium der Karrieren stattfindet, wird eine kritische Berichterstattung im Keim erstickt und eben durch Propaganda ersetzt. Die Resultate sehen wir nicht nur in der Propaganda für ‘Antiterrorkampf’ und Ukraine-Krieg, sondern vor allem in der Zurückhaltung gegenüber Totalüberwachung und Ermächtigung durch Geheimdienste.

Der feine Unterschied

Ich kann auf Anhieb zwei Dutzend deutsche Journalisten finden, die sich unter Industriellen, Politikern und sonstigen Mächtigen wohlfühlen und zur Geheimhaltung verpflichten lassen. Das sind nur diejenigen, die ohne Aufwand zu finden sind und ihre Kontakte nicht leugnen, darunter einige der einflussreichsten und höchst bezahlten.

Nur weil im ‘Westen’, der seit Jahrzehnten den fördernden Einfluss des Kapitals direktem Zwang vorzieht, keine offene Zensur herrscht, sind die Zustände keinen Deut demokratischer als im ehemaligen Ostblock oder sonstwo. Im Gegenteil fehlt noch die Hoffnung auf die Kraft der Wahrheit, weil diese untergeht im Dauerfeuer einer Propaganda, die gezielt alle die Aspekte der Wirklichkeit angreift, die nicht ins gewünschte Bild passen. Eine viel effektivere Strategie.

Wolfgang Storz hat mich einmal gefragt, ob ich glaubte, Blogger könnten die traditionellen Medien ersetzen; Jakob Augstein hat ähnliche Zweifel geäußert. Ich glaube das immer noch nicht, aber etwas muss sie ablösen, denn sie sind nicht mehr zu retten. Wir brauchen dringend eine Öffentlichkeit, die nicht komplett produziert ist, um den Interessen einer kleinen Minderheit zu dienen.

 
Ich habe in den vergangenen Jahren einiges an Journalismuskritik versucht. Der Versuch ist mir als Blogger weitgehend unter den Fingern zerronnen, weil das Objekt der Kritik vielleicht schon zu Beginn meinen ignoranten Ansprüchen nicht mehr genügte. Ansprüchen, die es längst nur noch suggerierte, vor allem sich selbst. Vielleicht ist der Journalismus aber auch gerade in diesen neun Jahren noch schneller noch tiefer gesunken.

Ich will da gar nicht mehr nachkeilen, das hat erstens keinen Zweck und zweitens auch keinen, weil sich ja kaum mehr ein gemeinsamer Raum ergibt, in dem sich Anspruch und Wirklichkeit des ‘Qualitätsjournalismus’ begegnen könnten – der als Begriff inzwischen selbst nur mehr zum traurigen Running Gag taugt.

Drittens, und darauf will ich hinaus, geht es sinnvollerweise eher darum. was dem entgegenzusetzen ist. Eine deshalb schwierige Frage, weil die Ansprüche ja durchaus formuliert sind und wie ein Türschild vor einer Ruine an all das erinnern, was hier eigentlich wohnen sollte. Wie ebenfalls bereits erwähnt, ist die Auszeichnung ausgerechnet Claus Klebers mit ausgerechnet dem Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis nicht mehr zu unterbieten, aber keineswegs unerreicht. Dessen Motto aber ist deshalb ja nicht falsch:

Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache.”

Laber mich nicht voll

Schall und Rauch. Was noch relevant ist, ist Quote, ist Umsatz, ist Profit. Da das gemeine Management es wiederum für geboten hält, diesem Prinzip folgend einen kritischen Anstrich für gewinnfördernd zu halten, werden Kritik und andere Qualitäten eben in grausamen Ritualen endgültig zugrunde gerichtet. Dagegen scheint nichts bestehen zu können.

Dennoch sind weder Qualität noch Kritik totzukriegen, nicht einmal im Business. Das liegt übrigens nicht daran, dass sie gegen die Prinzipien des Marktes bestehen könnten, im Gegenteil: Sie können und sie könnten vor allem bestehen, wo sie dem Geschäft nützen. Die Strukturen in den Medien sind offenbar so verkrustet, [via], dass die Unfähigkeit des Establishments es fertigbringt, miese Qualität, Selbstbeweihräucherung und Untertanengeist sogar gegen jeden Geschäftssinn zu fördern.

Dabei kann man das, was gewünscht wäre, nach wie vor auf einfache Formeln bringen. In Zeiten des Internets mag alles viel zu schnell gehen. Es mag sein, dass man zwischen lärmenden Schreihälsen und grellen Lichteffekten um Aufmerksamkeit buhlen muss. Das kann aber gekontert werden. Sicher nicht, indem man Berichte abfasst wie vor hundert Jahren oder wie von einer Software selbsttätig generiert. Es kann auch nicht so gehen, dass man einen Aufriss macht, als müsse man mit Porno und Koksparties wetteifern.

Es muss vielmehr berichtet werden, indem erzählt wird. Es muss erzählt werden, was passiert. Es muss erklärt werden, wie die Erzählungen funktionieren und warum passiert, was passiert, und zwar so, dass die Leute das verstehen, es hören, sehen und lesen wollen. Das kann man sich ganz einfach verdeutlichen: Ich kenne Menschen, die das erleben, was ich erlebt habe, die waren, wo ich selbst war. Dennoch erzählen sie mir eine ganz andere Geschichte als meine. Weil sie mehr wissen, weil sie anders sehen, weil sie anders denken oder anders sprechen. Es interessiert mich, weil es auf die eine oder andere Weise gut erzählt ist. So einfach ist das.

 
Ich hatte dieser Tage einige Gespräche mit jemandem, der sich erklärtermaßen nicht sonderlich “für Politik interessiert”. Der Mann hat hier und da seltsame Ansichten, und als ich jung war, hätte ich ihm vermutlich Tiernamen gegeben und ihn für hoffnungslos unwürdig erklärt. Stattdessen nahm ich seine Erlaubnis über uninteressante Dinge zu sprechen wahr, um ihm einige interessante Informationen zu geben; prüfbare Informationen, die er dann tatsächlich auch ganz interessiert aufnahm.

Derselbe sprach mich heute ganz von selbst auf das Thema Ukraine und Konvoi an; da hatte ich noch gar nicht zur Kenntnis genommen, was gleich noch folgen wird. Ehrlicherweise sagte ich, dass ich nur zwei Quellen hätte, aus denen ich Informationen dazu hätte, nämlich das, was die versammelte Journaille so recherchiert hatte: Die Ukrainische Regierung und Ria Novosti. Was soll ich mit solchen ‘Informationen’? Die meisten benennen dabei nicht einmal Poroschenkos Kriegspartei, und im Internet Zeitung lesen kann ich eh selber. Dazu brauche ich keine Zweitverwerter.

Abschreiben, verkünden, vollstrecken

Einen Schritt zurück kurz: Ich hatte mir eh gestern schon folgendes notiert:
In Spanien gibt es einen Ebola-Verdachtsfall“, meldete die FR. Soso, einen “Verdachtsfall”, und das ist dann eine Meldung? Wieso? Es kann nur einen Grund geben: Klingt gefährlich, erregt Aufmerksamkeit. Hat aber null Inhalt. Kann man da nicht warten, bis sich das bestätigt hat oder eben nicht? So geht Qualitätsjournalismus.

Die nächste: “IS-Miliz soll 700 Stammesangehörige getötet haben“, steht in der Sueddeutschen und einem Dutzend anderer Medien, wird auch im Radio erzählt. “Soll”, könnte, hat vielleicht, vielleicht auch nicht. Ist das eine Meldung? Und was habt ihr für mich dahinter? Waren es vielleicht mehr oder weniger als 700? Vielleicht hat das gar nicht stattgefunden? Oder es hat etwas stattgefunden, man weiß aber nicht, wer, wo und was genau? Q-Journalismus halt.

Derweil hört man nach der gespielten Empörung der Propaganda überhaupt nichts mehr vom Flugzeugabsturz in der Ukraine. Nicht einmal Fragen. Der “Spiegel”, das Hetzblatt für transatlantische Gemütlichkeit, hatte doch so auf die Trommel gehauen. Was ist denn nun, ihr Superreporter? Kuhjournalismus ist, und die Viecher wieder im Stall. Auf jedem Dorf kriegst du Watschen, wenn du so einen Mist verzapfst und dann so tust, als hättest du nie etwas gesagt.

Suche nach dem Tiefpunkt

So ist es auch derselbe Stall, aus dem ernsthaft ein zweifelnder Leser, der nach Belegen für Behauptungen fragt, abgespeist wird mit der Gegenfrage: “Gibt es eigentlich konkrete Belege, dass dem nicht so ist?
So denken sie da. Es wird etwas verkündet, in der Regel auf Befehl aufgeschrieben oder stumpf abgeschrieben, und daran hat man gefälligst nicht zu zweifeln, bis das Gegenteil bewiesen ist. Der Leser ist hier dummer Untertan, sonst nichts.

In Grunde kann man sich solche Beispiele schon schenken, denn es gibt keinen Journalismus mehr. Wahrscheinlich wird dieser Nützliche Idiot noch einen Preis verliehen bekommen für seine treuen Dienste, so wie Obama den Friedensnobelpreis und Kleber den Hans-Joachim-Friedrichs-Preis. Diese Farce kann nämlich kein Ende finden, solange kulturell und intellektuell noch ein Stein auf dem anderen steht. Da gibt es immer etwas, das man noch nicht ganz ruiniert hat. Am Montag. Am Kiosk.

 
Mit Fußballtrainern und Journalisten ist das so eine Sache: Egal welchen Stil sie pflegen, was sie damit erreichen und ob sie wiederholt unter Beweis stellen, dass sie eigentlich nichts taugen, sie tauchen bald im nächsten Club auf und machen weiter. Sie werden stets gut bezahlt, wenn sie einmal in eine gewisse Gehaltsklasse aufgestiegen sind, und die meisten von ihnen haben noch nie belegt, dass es ohne sie nicht vielleicht besser ginge. Vor allem sind sie austauschbar.

Im Journalismus war es einmal so, dass es gewisse Linien gab, hie “Stern” und “Spiegel”, dort “Bild” und “FAZ”, wenn es um die Einordnung im Parteienspektrum ging; hie “Bild” und “Stern”, dort “FAZ” und “Spiegel”, wenn es um Niveau ging. Da konnte auch nicht jeder einfach überall – man stelle sich vor, Augstein Senior und Axel Springer hätten zum Spaß die Plätze getauscht! Die Republik hätte für Jahre die Orientierung verloren.

Jeder kann alles

Inzwischen geht das durch die Drehtür: Matussek zur “Welt”, Blumencron zur FAZ, Malzahn zur “Welt” (alle vom “Spiegel”), Blome von Springer zum “Spiegel”, Steingart vom “Spiegel” zum Handelsblatt, Kleber sollte zum Spiegel, blieb aber für eine knappe halbe Million im Jahr beim ZDF. Mascolo sollte vom “Spiegel” zu Springers, ging aber dann zu einem “Rechercheverbund” von NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung, Mohr (vom “Pflasterstrand Cohn-Bendits über die TAZ) ging vom “Spiegel” zur FAZ. Das sind nur ein paar Beispiele, die mir bekannt sind.

Die schreibenden Adabeis tummeln sich überdies in NATO-Clubs wie der Atlantik-Brücke, dort zum Beispiel Kai Diekman, Tina Hassel, Claus Kleber, Ingo Zamperoni, Stefan Kornelius und ein ganzer Haufen von USA-Korrespondent/innen und für Außenpolitik zuständige Journalisten. Die Mischung macht’s: Der eine war sowohl Geschäftsführer der INSM als auch ‘Fachjournalist’, der nächste “moderiert” bei der Atlantikbrücke, noch ein anderer – Kai Diekmann – ist vom “Young Leader” zum Vorstandsmitglied der Brücke avanciert und ist Chef der Bildzeitung.

Die Herren und Damen kommen bei artgerechter Pflege auf sechsstellige Gehaltssummen plus Nebeneinkünfte, die Upperclass der Mittelschicht und somit das Nützlichste, was sich ein echter Herr vorstellen kann – so lange sie die richtigen ‘Meinungen’ produzieren. Was sie nicht produzieren, ist Hintergrund, Zusammenhang, offene Debatte. Was sie scheuen, ist Kritik, weshalb sie einander auch seltenst attackieren, es sei denn, einer wäre zum Abschuss freigegeben. Ich bedaure das seit Jahren und kann es nicht verstehen, dass der Stuss, den viele da ablassen, nicht von der Konkurrenz abgewatscht wird.

Man kennt sich

Nun, es gibt eben fast keine. Jeder muss Angst haben, dass es künftige Kollegen sind, die man angreift, und da verschanzt man sich lieber im selben Graben und zieht sich eine papierne Decke übern Kopf. Darunter steckt immer ein feiger Hanswurst, meist sind’s mehrere. Wer es anders hält, riskiert viel, vor allem den Vorwurf, ein Nestbeschmutzer zu sein, einer der ausschert, einer der seine Meinung über den großen Konsens der Gatekeeper stellt und womöglich glaubt, der Leser sollte mehr wissen.

Solche Nestbeschmutzer, wenn ich sie erwische, will ich hier outen, heute ist Stephan Hebel reif, der ohnehin regelmäßig durch kaum abgeschliffene Meinung auffällt. Den Mann wird niemand auf einem Panzer durch die Wüste fahren, und vermutlich werden auch die Schnittchen verdammt schnell knapp, wenn er sich dem Buffet nähert. Gute Türsteher lassen so etwas gar nicht erst hinein. Reinhard Mohr schreibt gegorenen Meinungsmüll. Hebel kippt ihm den vor die Füße. Weil er’s kann.

 
milipfaf

Was soll man sagen über das, was sich in den Massenmedien abspielt, die Beschuldigungen “Putins”, den von Russland und den Nachbarländern zu unterscheiden die Journaille schon völlig überfordert? Ihr wisst schon: Das größte Land der Erde, Riesenvölker, alte Kulturen mit vielen Facetten, vom Erzstaatssozialismus zum Brutalkapitalspielplatz mutiert – das alles ist eine einzige Person für den Lohnschreiber, und die ist vor allem eines: schuld! Zwei beliebige Beispiele hier bei fefe verlinkt.

Hier noch ein schöner Kontrast aus derselben Kiste, und ich möchte den Kommentar von Max dazu auch zitieren:
“der Westen” ist sich einig. Von der moralischen Schuld am ganzen verdammten Ukraine-Krieg fangen wir lieber nicht an, lieber “Westen”, ne? Oder von der moralischen Schuld am Gaza-Gemetzel, an der Syrien-Abschlachterei, an… aaach geh mir weg, du Westen

Wertegemeinschaft

Es ist wichtig, dass wir das einmal festhalten, was dieser sogenannte “Westen” ist: Es ist die NATO einschließlich der mit ihr kooperierenden Staaten. Das kann und muss man heute so eindeutig sagen, genau wie man damit feststellt, dass es ein militärisch-kapitalistischer Komplex ist, der gemeinsame Interessen (unter Vorbehalt einer gewissen Hierarchie) durchzusetzen versucht.

Das sollen wir natürlich anders wahrnehmen, und dahinter steckt die alte Erzählung von Freiheit und Demokratie, die man selbst dann nicht wiedererkennt, wenn man an sie glaubt. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte sich diese Erzählung eingebrannt, und es war ja tatsächlich ein Mehr an Freiheit, Rechtssicherheit, Zivilisation erkennbar. Nicht nur in Deutschland, wo selbst der Muff der Adenauerzeit wie ein frischer Wind erschien gegenüber dem Gas der Faschisten, wo Nazirichter immerhin niemanden mehr zum Tode verurteilt haben.

So lange es dann wirtschaftlich gut lief, leistete man sich auch echte Menschenrechte, Bürgerrechte, es entwickelte sich sogar eine pluralistische Medienlandschaft. Die Parole “nie wieder Krieg” war stärker als die Schlächter von Vietnam, Volk beteiligte sich an Politik. Es ging beinahe demokratisch zu – und friedlicher. So friedlich, dass sogar der Kalte Krieg sich einem Ende zuneigte. Dann brachen die Dämme.

Als die Dämme brachen

Der Eiserne Vorhang fiel, die Soldaten hätten nach Hause gehen können. Die russischen gingen auch, aber ‘der Westen’, die NATO unter Führung der aggressivsten US-Machthaber expandierte gegen jede Notwendigkeit und besetzte den militärisch und ökonomisch vakanten Raum. Der Weltkapitalismus fand sich schon bald in jener Endphase, in der jede Regel aufgehoben oder gebrochen wird, die dem Profit im Wege ist.

Ich mache es kurz: ‘Der Westen’ hat seine angeblichen Werte in die Tonne gehauen, und je weniger noch irgendwer angesichts von Folter, Krieg, Drohnenmord und Verarmung an solche Werte glaubt, desto lauter wird sie beschworen, die Gemeinschaft ohne. Es klingt wieder wie 1914, weit und breit keine Kritik, die nicht ‘Extremismus’ genannt würde. Dafür durchsichtige Lügen unter Pauken und Fanfaren.

Dabei fällt denen, die die Musik bestellt haben, nicht einmal auf, dass trotzdem keine Begeisterung aufkommen mag. Niemand glaubt an irgend etwas, der Dritte Weltkrieg ist postmodern abgebrüht, wie maschinell organisiert. Was da von den Kriegshetzern “Verantwortung” genannt wird, ist genau das Gegenteil: Niemand ist verantwortlich, außer dem Abziehbild des Feindes in der Propaganda. Der ist halt alles schuld, egal was er tut.

p.s.: Wenn die Scharfmacher jetzt ausgerechnet fordern, der korrupte Autokrat dürfe kein Turnier der FIFA veranstalten, dringt die unfreiwillige Komik in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.

 
Frank Schirrmacher ist tot. Das ist ein großer Verlust für alle, denen etwas am Lesen und Diskutieren liegt, für alle Republikaner, die Politik und Kultur als öffentliche Sache sehen, für alle Liberalen, denen etwas an einer Streitkultur liegt, in der es nicht bloß um den Erhalt der Meinung und der Macht ihrer Produktion geht. Für alle Linken, die einen suchen, an dem sie sich reiben können ohne dabei das Gefühl zu haben, sie könnten auch mit einer Cervelatwurst reden und für alle Konservativen, die noch interessiert, was es denn eigentlich sein kann, das noch erhaltenswert ist.

Ich schrieb vor einigen Jahren bereits, dass es sein Zweifel ist, der Schirrmachers Diskurspflege ausmacht. Da war immer Bewegung, immer eine Frage hinter der Frage, die wichtiger war als die Antwort. Schirrmacher war ein philosophischer Journalist und damit sowohl einer, der sich vom traurigen Rest seiner Zunft wohltuend abhob als auch einer, der all das für eine lebendige philosophische Kultur getan hat, was Boulevardschwätzer wie Sloterdijk oder Precht vermissen lassen.

Was bleibt?

Ich war eher selten seiner Meinung. Ich habe nicht die Art konservativer Geisteshaltung, die sich als solche mitunter auch abgehoben und schwelgerisch verzettelt, wo die nackte somatische Not längst den Weg weisen müsste. Die Schwäche des Konservativen, dass er nicht zerstören mag, was nicht mehr zu retten ist, dass er nicht in Rage gerät angesichts einer Ungerechtigkeit, die keine Salonatmosphäre mehr aufkommen lässt, hat auch ihn beeinträchtigt. Andererseits liegt in dem Vermögen zu abstrahieren eine Kraft, die konkreter Kritik abgeht – wenn man den Weg zu dieser zurück findet.

Daher ist ein wirklich kritischer Konservativer eine seltene Erscheinung, der Verlust dementsprechend beklagenswert. Wir sind nicht bei Wünschdirwas, schon gar nicht im Spiel der Verlage um Profite, aber ich äußere einmal eine vage Hoffnung: Möge Frank Schirrmacher seine Redaktion schon so mit Niveau infiziert haben, dass es Früchte trägt. Wenn er schon nicht ersetzbar ist, dann vielleicht wenigstens ein Vorbild.

 
kleb

Bevor ich meine Erklärung abgebe zu einer Frage, die derzeit erfreulich offen und unbekümmert diskutiert wird – nämlich ob die Parolen in den Medien “zentral gesteuert” werden, muss ich ein kleines Highlight [Video dürfte in wenigen Tagen offline sein] kommentieren von einem, der so dreist Meinung macht, dass das ganze Elend des deutschen Journalismus deutlich wird.

Es ist Claus Kleber, der sich bei dem Versuch zum Spaten macht, einen Topmanager zu angemessenen Lippenbekenntnissen zu zwingen. Ich zitiere dabei nur Kleber. Siemens-Chef Kaeser wäre auch einer Analyse wert, der tut aber nur, wofür er bezahlt wird: Profit als Wohltat darstellen und den Seppel am anderen Ende erden, weil der und seine Mitschüler das Geschäft zu ruinieren drohen.

Ein Highlight

Zu Beginn kritisiert Kleber einen Ausdruck Kaesers. Das erleben wir so gut wie nie, dass einer so etwas wagt, schon gar nicht gegenüber einem Vertreter der Wirtschaft. Geschweige denn legte Kleber dieselbe Messlatte auch bei sich selbst an. Er belehrt Kaeser, der von “Turbulenzen in unserer Planung” gesprochen hatte, über die korrekte Wortwahl:

Das Weltereignis des russischen Eingreifens in der Ukraine, des wenn man so will Diebstahls der Krim, der internationalen Krisen, da ist „Turbulenzen” ein Ausdruck, der die Sache künstlich kleinmachen will.

Die Sache ist groß zu machen, und es ist Diebstahl. Der Journalist bestimmt hier autoritär die Sichtweise gegenüber einem Interviewgast.

Wir berichten immer wieder aus Russland wie in der Innenpolitik, wie in den Medien, wie in der Kunst, wie in Prozessen und in der Außenpolitik von Putin die Zügel angezogen werden, und Sie reden heute in Moskau von einer Werte-Gemeinschaft? An was für Werte ist da gedacht? Sicher nicht nur in Dollar und Euro.”

Wieder pocht Kleber auf die einzig wahre Sichtweise. Er macht deutlich, dass ‘sie’ (Nachrichten, Medien) “immer wieder” dasselbe sagen und erwartet, dass man dem nicht widerspricht. Diesen Vorgang, der in der Wertung “zieht die Zügel an” mündet, einer Wertung, die bedeutet, dass mit der Personalisierung auf Putin und dessen Verhalten keine “Wertegemeinschaft” mehr möglich sei, nennt er “berichten”.

Die Frage ist wie man sich gegenüber Russland im Moment verhält, und da ist Ihr Besuch eindeutig ein Zeichen gegen alles, was von Merkel bis Obama, von NATO bis EU und OSZE gegen und mit Russland unternommen wird. Sie besuchen da ein Land, das im Moment niemanden mehr im Weltsicherheitsrat hat, das auf seiner Seite abstimmt, und es gibt konkrete Gründe dafür.

Hier wird in Stellung gebracht, wer die Front bestellt. Die OSZE betreffend, ist das nebenbei bemerkt eigensinnig interpretiert. Aber Obama, Merkel, die EU und die NATO sind diejenigen, deren Linie unwidersprochen hinzunehmen ist. Das ‘Argument’ bezüglich des Sicherheitsrats ist schlicht Unsinn, aber damit wäre noch eine ‘wichtige’ Instanz genannt. Was so viele wichtige Instanzen sagen, muss richtig sein, alles andere falsch. Das ‘Interview’ hat hier übrigens längst aufgehört, eines zu sein. Kleber will Kaeser aggressiv auf Linie bringen.

Ihnen kann nicht entgangen sein, dass sie mit dem heutigen Besuch konterkarieren, was die westliche Politik versucht aufzubauen, nämlich eine Kulisse, die Russland sagt: Es gibt ein internationales Verhalten, das nicht toleriert wird, für das ein Preis bezahlt wird und das Russland ändern sollte.”

Noch einmal das Drängen auf die Annahme der ‘westlichen’ Sichtweise, ohne jedes inhaltliche Argument, ohne historischen Bezug, ohne ein einziges Argument der Gegenseite zu achten, ohne die vorgeblichen Anforderungen an “internationales Verhalten” zu problematisieren. Schlichtes Beharren auf eine sehr konkrete – im übrigen interessengeleitete – Sichtweise. Die Wahl des Begriffs “Kulisse” dürfte eine Freudsche Fehlleistung sein und wirkt erfrischend entlarvend.

Das mag bis hierhin reichen, das ganze Transkript hat Pantoufle gestern schon geleistet.

Ausgezeichnet

Ein besonderer Witz an diesem Tiefpunkt journalistischer Propaganda ist der Orden, mit dem Kleber 2010 behängt wurde, nämlich der Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis, der mit dessen Spruch garniert ist:

Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache.

Es scheint, als würden inzwischen solche Journalisten ausgezeichnet, die in besonderer Weise illustrieren, was damit gemeint ist. Schaut euch den Kleber an; wann immer ihr den Verdacht habt, ihr könntet auf dieses Niveau sinken, kehrt um!
Für eine halbe Million Jahresgehalt ist das die Unabhängigkeit, die man geliefert bekommt. Vielen Dank für Ihre Rundfunkgebühren! Es ist nur konsequent, dass sich solche Operettengeneräle noch mit Orden behängen lassen.

Albrecht Müller weist zurecht auf die atlantischen Zirkel hin, in denen die geostrategische Logik der NATO gepaukt wird, zieht aber nicht die richtigen Schlüsse daraus. Es geht nämlich nur sehr nebensächlich um die Inhalte und deren Steuerung. Hier sind die Think Tanks der Industrie – die pikanterweise gerade über Kreuz zu liegen scheinen mit denen der Atlantiker – vermutlich effizienter. So lange da kein Konflikt besteht, die Vertreter des Kapitals sich also einig sind, gibt es da allerdings kaum einen Unterschied.

Das Wesentliche aber an den Atlantikern, den Think Tanks, den ganzen Clubs und Grüppchen, in denen natürlich auch die Marschroute abgestimmt wird, ist die Bildung von Seilschaften und Anhängern. Wer dazugehört, darf sich wichtig fühlen – das Adabei-Syndrom halt. Wer wirklich relevant ist, trifft hier Leute, die ihm nützlich sind und denen er selbst nützlich sein kann. Das macht Karrieren und das prägt sie. Am Ende steht dann einer im Rampenlicht, der gelernt hat, Rücksicht zu nehmen und denken zu lassen. Dumm nur, wenn er es selbst nie lernt. Dann steht er da wie Claus Kleber und weiß plötzlich nicht mehr, welchem Herrn er eigentlich dienen muss.

 
adolflatterMan kann Putin nicht mit Hitler vergleichen. Putin ist nicht Hitler. Hitler ist tot. Putin ist schlimmer als Hitler. Außerdem ist Putin Russland. Russland ist derweil immer noch das kommunistische Moskau. Russland ist das Böse. Putin ist das Böse. Ja, so primitiv ist die Propaganda. Sie ist auch so primitiv:

Dabei hat es wohl noch nie einen weniger aggressiven Militärpakt gegeben als die Nato [...] Und dennoch wird jetzt wieder gern die Behauptung Moskaus geglaubt, es sei der Westen, der sich nicht an Vereinbarungen gehalten habe: Er habe Russland im Zuge der Verhandlungen über die Wiedervereinigung Deutschlands versprochen, die Nato nicht nach Osten auszudehnen.

Der Lügner, einmal in Fahrt, kennt nur noch Feindrecht, Feindsicht, Feindjournalismus. Wir gut, die böse. Wer übrigens wissen möchte, was es mit dem Versprechen der NATO-Staaten an die Sowjetunion auf sich hat, ist mit diesem Artikel ganz gut bedient. SpOn einmal gar nicht so schlecht. Und auch so primitiv ist die Propaganda: Das hier hat absolut nichts mit Putin, Russland oder der Ukraine zu tun. Da aber wem Unrecht geschieht, muss das sein “wie in Putins Russland“. Das alles an einem Tag, von einem einzigen Medienerzeugnis. Die anderen sind übrigens auch kaum besser.

Geschichte wird gemacht

Ich bin immer noch kein Freund von Jakob Augstein, schon gar nicht von SpOn, aber dem einen im anderen noch einmal ein Lob, weil er nicht einstimmt ins Gebrüll. Stattdessen ein wenig Geschichtsunterricht. Das bildet, wird aber als Argument nicht gehört werden. Im übrigen muss natürlich festgestellt werden, dass die Propaganda des “Spiegel” keinen Deut besser ist. Allein das Titelblatt “Der Brandstifter – wer stoppt Putin” hält stolz die Stellung ganz unten in der Kommode.

In der nämlichen Schublade aber hält heute Berthold Kohler den Spitzenplatz am Boden. Seine Argumente sind so dumm, dass man sie am Stammtisch genau deshalb gern hört, weil sie eine Aufforderung sind, die nächsten fünf Biere zu exen. Anders nicht auszuhalten. Sie sind von der Art, dass 3+3 nicht 6 sein kann, weil 4+2 schon 6 ist. Ich kann gar nicht böse sein, weil du es bist. Noch ein ‘Argument’:

Wie hätte da ausgerechnet eine deutsche Regierung Nebenabreden mit Moskau treffen können, die den postkommunistischen Ländern in Ostmitteleuropa das Selbstbestimmungsrecht (auch in Bezug auf Bündnisse) verweigern, das Deutschland für sich selbst zu Recht beanspruchte – und das Putin nun vorbehaltlos der Krim zugestand?”

Nichts zu blöd

Na, dreht sich alles? Was Genscher gegenschert hat, tat er im Namen der West-Verbündeten. Der US-Außenminister bestätigte diese Zusage. Okay, das war gelogen und kein Teil des Vertrages. Aber die Guten müssen die Bösen belügen, richtig? Wer in dem Zitat da oben Subjekt, Prädikat und Objekt eindeutig zuordnen kann, möge sich btw bitte melden. Es bedeutet also ungefähr das hier: Ein Militärbündnis kann einem anderen keine Zusagen machen über künftige Mitglieder. Das wiederum ist dasselbe wie die Anerkennung der Souveränität einer Region durch einen annektierenden Staat? Und selbst wenn man dabei bleibt, Deutschland mit der Krim zu vergleichen, wo ist der verdammte Zusammenhang? Hilfe!

Ich könnte wochenlang so weitermachen, mir ginge der Stoff nicht aus. Kollege Pantoufle hat ebenfalls etwas hingelegt, das die Dinge ein wenig zurechtrückt. Wir werden vereimert in galaktischen Dimensionen. Nähme man sich die Argumentationen des Feindjournalismus zum Beispiel, liefe das darauf hinaus, dass Putin ein Heiliger sein muss. Warum? Weil Obama lügt zum Beispiel. Obama hatte versprochen, Guantanamo zu schließen, lässt aber weiter foltern. Er hat den Friedensnobelpreis durch eine Ausweitung der von ihm angeordneten Drohnenmorde gerechtfertigt, mit der er sich auch noch brüstet.

Die USA und die EU destabilisierten außerdem wiederholt die Ukraine, paktieren mit Faschisten und irren Oligarchen. Aus diesen und anderen niederträchtigen Vorgängen muss man also schließen, dass der Feind dieser Feinde nur ein Guter sein kann? Nach dieser Logik schon, denn das kommt dabei herum, wenn man in solchen Kategorien denken lässt. Propaganda von Idioten für Idioten.

 
brainpipeSie sind der Kitt zwischen Himmel und Hölle, zwischen superreich und sackarm, verblödet und ungebildet. Sie sind der beste Schutz, den es gegen Fortschritt und Aufklärung gibt, die wahren und einzig Gläubigen, Radfahrer, Leuteschinder, Eichmänner, Pflichttuer, Fahnenträger, kurzum: Die Nützlichen Idioten, ohne die es Oberschicht und Unterschicht, Herren und Sklaven, Ordnung und Ungerechtigkeit nicht lange geben kann.

Die Kriecher der Mittelschicht, die stets mit großem G vor ihrem Eifer die Gebetsmühle drehen, der Freiheit das “Ja aber” ins Gesicht prügeln und jede Maßnahme, jeden Befehl mit sadomasochistischem Genuss exekutieren. Sie sind der Double Buttplug, analfixierte Strafbefürworter, die sich nichts sehnlicher wünschen als Härte im Namen der Obrigkeit, die unten zu sicht- und hörbarem Elend führt. Sie kriegen den Finger nicht aus dem eigenen Rektum, während sie ihren Autoritäten so weit von hinten entgegen kommen, dass es schon wieder hell wird.

Nützlich

Nützlich sind sie, weil ihre Herren sich nicht selbst die Finger schmutzig machen. Selbst ihre Lügen lassen die Großen und Mächtigen von ihren Kriechern verbreiten, von ausgebildeten Lügnern, wobei ihnen natürlich die Idioten am liebsten sind, jene verklärten Prediger, die an alles glauben, wenn man ihnen nur eintrichtert, dass es dem Ganzen dient, weil es den Großen dient. Ein bisschen dürfen sie sich dann selbst groß fühlen, immer ein bisschen größer, je weniger noch vor ihnen stehen, die selbst in etwas Größerem stecken.

Der eine verwechselt da schon mal einen anderen mit den Großen selbst. Nehmen wir mal einen Journalisten und nennen ihn “Denkler”, weil er verkündet, was andere denken sollen, ohne dass er selbst auch nur die Regung einer einzigen Synapse verschwendet. Was er zu ‘denken’ gibt, ist das Konstrukt, hinter dem sich der schiere Machterhalt verbirgt. Thesen, die selbst nicht gedacht, sondern nur gemacht wurden, Widerhall vermeintlich göttlicher Ordnung. Ein Denkler schafft es daher, jemanden regulär anzubeten, der seinerseits selbst nur das Mantra derer betet, die noch über ihm stehen. Ein Vasall zweiter Ordnung, der den Präsidenten nicht von der Macht unterscheiden kann, seine abstrakte Eloge aber notfalls auch über eine Parkuhr halten würde, käme die ihm nur wichtig vor.

Zahnlos

Oder nehmen wir einen anderen, meinetwegen namens “Beise”, weil er wie ein Hund daherkommt, der es nicht wagen würde, sein Herrchen je zu beißen und deshalb präventiv den Konsonanten entschärft. Zahnlos, treu und ergeben eben. Dessen Sportlichkeit bleibt unerreicht; wo andere spätestens bei der zweiten Kurve stecken bleiben, kommt er tiefer hinein, kein sperriges Rückgrat stört die Flexibilität. So gelingt es ihm, in tief religiöser Andacht alle die Glaubenssätze zu wiederholen, auch tausendfach, die nur eine Wirklichkeit kennen: Dass alles gut ist.

Was über allem thront, ist unbezweifelt und unfehlbar. Wer es anzweifelt, ist fehlgeleitet, falsch und sündig. Was nicht gut ist, ist eine Prüfung, und wer sie nicht besteht, fehlt im Glauben.
Das tradierte Wort, die heiligen Schriften, sie sind wahr. Die Heiligen, sie sind anzubeten. Frömmigkeit allein verspricht Heil. Ein frommes Volk wird belohnt werden, und wer die Hohen und Heiligen ehrt, wird daran teilhaben. Amen.

Und das noch

Wer das Allerletzte aus der Charge auch noch erträgt, kann sich gern noch mit den kniefälligsten Inquisitoren der Neuzeit befassen, die einem mit seligem Lächeln den Opferdolch in den Leib stoßen und ihn drehen, bis der Deutschlandfunk erklingt. Die aus der Sekte “SPD” und deren Folgeerscheinungen. Religiöser Fanatismus der widerlichsten Sorte.

 
Ach, es ist herrlich. Wunderbares Wetter, die Leute sind zufrieden, man kann sie mit allem vollstopfen, was die Kreativität der Kreativen hergibt; das Produktmanagement der Mediagroupies schaltet einen Gang höher, der internationale Wettbewerb® macht auch hier keine Atempause. Geschichte wird gemacht, es geht voran.

Krims Märchen

Keine Wertung haben wir heute für die Nachrichtenlage der Sportereignisse zwischen Kiew und Sewastopol. Der eine will russische Truppen anhand russischer Uniformen erkannt haben, der andere sah Söldner von Blackwater/Xi/Academi oder wie ich sie zu nennen pflege: Donald’s Daisies. Einer zählt 20 Demonstranten anti und 3000 pro, der nächste kommt mit dem mindestens Zehnfachen um die Ecke, weiß aber nicht wovon und wofür. Na ja, die Russen, immer besoffen und im Delirium, und diese Ukrainer sind ja auch nur Russen. Oops, hab’ ich das was missverstanden? Wie dem auch sei: Jeder Depp macht sich seine passenden ‘Nachrichten’ draus und überzeugt sich selbst..

Free Uli

Auf Platz vier der heutigen Charts findet sich alles, was Uliuliuli His Royal Hoeneß erwähnt. Ob ernst oder satirisch, kurz oder lang, ein Musthave und Nogo, inhaltsleerer Großskandal in Wartestellung. Der Uli kann nicht in den Knast. Schon weil der Multimillionär, Großschlachter und schwerkriminelle Schweiztourist ein Arschloch von einer solchen Dimension verkörpert, dass es unangreifbar bleiben muss. Woran soll der Zuschauer sonst noch glauben? Wozu sich noch anstrengen, wenn selbst solche Karrieren im Topf enden?

Daily Terror

Platz drei geht an uuuh, Gruusel Al-Kaida, Qaeda oder weiß der Kuckuck wie sich das am besten römisch buchstabieren lässt. Die kommen nämlich jetzt mit der Bravo für Talibanse, dem Terrortagesspiegel, der Dschihaddington Post. Was trägt man heute zum Anschlag, wo ist der Feind am attraktivsten, welche Sure passt am besten zum explosiven Vorhaben? Täglich aktuell und online.

Ill Kim

Nur auf Platz zwei schafft es der dicke Diktatorjunge von Pjöngjang. Vorbei die Zeiten, da sich ‘kommunistische’ Komiker Wahlerfolge von neunundneunzig Komma etwas Prozent bescheinigten und sich damit vor der Welt und den angrenzenden Ortschaften blamierten. Kim 100% kann hundert Prozent. Drunter kann nämlich jeder. Wie er das noch steigern kann, werden wir sicher auch bald erfahren.

Rent a Friend

Da sind wir doch hoch und höchst überlegen in der besten freiheitlichen Demokratie, an die sich mit den passenden Drogen noch glauben lässt – um dennoch brav produktiv und arbeitsfähig zu bleiben. Platz eins geht klipp und klar an David Cameron, der so viele Freunde hat, weil er sich’s eben leisten kann. So macht’s der Profi, der Demokrat, der gewählte Vertreter®. Zeit für den Adelsstand, wenn ihr mich fragt.

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