journalismus


 
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Wenn die Massenmedien, ihre Verlagshäuser, Redakteure und Lohnschreiber, den großen Holzhammer rausholen und ihren Kritikern "Verschwörungstheorien" vorwerfen, dann müssen wir das im Grunde ignorieren. Zu tief ist längst die Kluft zwischen den Erzählern der Mittelschichtsmärchen und den Werktätigen, mit denen sie außerordentlich hohen Kontakt haben. Dabei wirkt das Versagen der Medienprofis doppelt: Sie sind selbst auf Ignoranz getrimmt und ihre eindimensionale Kommunikation ermutigt auf der anderen Seite die größten Deppen, sich auch für qualifiziert zu halten.

Für das, was sich hierzulande noch "Journalismus" nennt, habe ich keine Hoffnung mehr. Gerade in den letzten Tagen und Wochen bin ich kurz vor der Verzweiflung, wenn ich 'Berichte' lese über Russland, Katalonien oder die Feiern zur "Reformation". Sie sind geprägt durch Unwissen, Dummheit und schlicht dreiste Lügen. Da helfen dann auch keine 'journalistischen Standards' mehr. Die verlangen etwa so etwas wie zwei unabhängige Quellen; wenn man aber ohnehin planvoll die ganz eigene Realität bastelt, fährt man halt auf Standspur und Gegenfahrbahn. "Du sollst nicht lügen" steht nicht im Pressekodex.

Wenn man das besser machen will, empfiehlt es sich, anders zu denken und dann anders zu sprechen bzw. zu schreiben. Beginnen wir hinten unten: Wenn mir die Galle überläuft, habe ich zwei Optionen: Ich halte die Klappe oder lasse laufen. Letzteres muss schon mal sein; dann gibt man es als Ranting zu erkennen und lässt keinen Zweifel daran, dass man sich gerade gehen lässt. Ein solcher Text ist unanständig, ungerecht und persönlich. Er sagt viel über den Sprecher aus und wenig über das Objekt seiner Rage. Es ist Pöbelei. So etwas kommt vor, aber es kann nicht den Anspruch auf irgendeine Seriosität erheben.

Wer wie was

Ansonsten halt sachlich. Wie macht man das? Indem man sich nicht mit dem befasst, was irgendwer will, wünscht oder für gut und richtig hält. Anders gesagt: Nur eine strikt materialistische Sichtweise schützt vor Spekulationen, die in VTen enden können. Es ist völlig nutzlos, sich vorzustellen, was mächtige Leute aufgrund ihres Charakters wollen, was sie planen oder verabreden; vor allem, wenn es nicht öffentlich ist. Schon die Vorstellung, ein Regierungschef könne quasi einen Befehl geben, der dann gehorsam umgesetzt wird, ist Unsinn.

Die erste Frage ist: Was kann ich wissen? Was ist wann wo wie passiert? Welche Kräfte sind wirksam? Mit wieviel Geld, wie vielen Waffen, Rohstoffen und Ressourcen sind bisher welche Ziele verfolgt worden? Welche davon wurden erreicht, welche nicht? Woran liegt das? Welche Interessen werden wie verfolgt? Dies klingt jetzt nach einem Widerspruch, schrieb ich doch gerade noch, man solle sich nicht mit "wollen, planen oder verabreden" befassen. Hier kommen wir zum zentralen Unterschied:

Interessen sind weitgehend objektiv; in der Regel handelt es sich um das, was uns als 'Wachstum' verbrämt wird und "Profite" meint. Profite brauchen Ressourcen, Rohstoffe, Handelswege, Einfluss, Militär. Es gibt hier Konzerne, Staaten, Verträge, Koalitionen. Einige davon bestehen seit Jahrzehnten, andere nur kurzfristig. Interessen werden in solchen Strukturen verfolgt, dazu gibt es Strategien. Diese sind teils erkennbar (NATO-Osterweiterung, Kriege im Nahen Osten), teils werden sie öffentlich kommuniziert (Weißbuch, Think-Tanks, Regierungserklärungen ...). Aus diesen Daten und Quellen ein konsistentes Bild zusammen zu fügen, ist die Kunst. Irrtümer stets vorbehalten, Korrekturen immer wieder nötig.

Haltbar bis

Das bedeutet von Alpha bis Omega, seine vermeintlichen Erkenntnisse täglich zu hinterfragen. Es gibt kein Wissen, das ewig währt und schon gar keine Mächte, die immer überall das Geschehen bestimmen. Nein, nicht einmal die NATO. Auch nicht Rockefeller oder die Bilderberger. Das liegt schon allein daran, dass ihnen ob ihrer Dummheit, Ignoranz, Eitelkeit oder schlicht der Grenzen des menschlichen Denkens die Fähigkeit fehlt, einen ganzen Planeten zu regieren. Wer sich schließlich mit den Gesetzen und Zwängen kapitalistischen Wirtschaftens beschäftigt, weiß, dass dessen Eigendynamik ohnehin nicht beherrschbar ist. Gerade die Reichen und Mächtigen rennen den Problemen längst hinterher, die das System erzeugt.

Verschwörungstheorie und Propaganda gehen Hand in Hand. Dem kleinen VTler aus der Klapse nebenan kann man freilich keine "Propaganda" vorwerfen, weil sein Gebrabbel zu irrelevant ist. Den großen Verlagen muss man hingegen Propaganda vorwerfen, wo sie statt der materialen Analyse regelmäßig mit Personenkult, Schuld, Gut und Böse und sonstigem alltagstheoretischen Kitsch daherkommen. Die Rollen sind darin vorab festgelegt und das Ganze wird in Endlosschleife wiederholt.

Auch das ist aber keine Verschwörung, sondern das Narrativ ihrer kleinen Welt. Sie sind vor allem so blöd, dass sie das selbst glauben; auch ihnen ist die Welt längst zu komplex geworden. Sie neigen daher selbst zu Verschwörungstheorien, die in ihre Propaganda einfließen (Russen, Hacker, Trolle, Terroristen). Sicher, ein paar von ihnen wissen, was sie tun. Aber selbst für die ist der Rahmen festgelegt, in dem sie sich bewegen können. Limousine und Golfclub wollen schließlich bezahlt sein.

 
tl

Abb.: Russische Hackertrolle bei ihren dunklen Machenschaften

Diese Russen! Alles haben sie in der Hand. Zum Beispiel Twitter und Facebook. Die Wochenschau hebt an mit den bekannten Geschichten von furchtbaren russischen "Trollen", die alle Diskussionen im westlichen Internet beherrschen. Tja, so ist das hier: Da wir die Guten sind, können wir so etwas nicht und sind ihnen hilflos ausgeliefert. Aber mehr noch: Ihnen gehört das Internet jetzt. "Millionen" haben sie in "Twitter und Facebook" investiert! Ein paar Zeilen weiter ist es schon "eine Milliarde", dann aber heißt es: "Die Anteile hatte DST mit Hilfe von Gazprom vor dem Börsengang von Facebook im Jahr 2012 bereits erworben und hält sie heute offenbar nicht mehr." und "DST hat die fraglichen Anteile an Twitter mittlerweile wieder verkauft."

Geht ab wie auf der "wilden Maus". Kaum hat es dir den Hals nach links verrenkt, fliegt die Bandscheibe schon wieder in die Gegenrichtung. Diese Russen machen Geschäfte mit unseren Social Media! Kaufen Aktien und verkaufen sie wieder! Und dann haben sie diese Trolle!!1! Geht aber noch weiter: Trump haben sie ja auch in der Tasche. Russische Oligarchen! Hier heißen diese hochverehrten Leistungsträger übrigens schlimmstenfalls "Milliardäre"; gemeinhin kennt man sie als Investoren®. Trumps Russen aber, die Oligarchen® und ihre Unternehmen, werden "aus Putins Umfeld gesteuert". Mit der Oligarchenfernsteuerung nämlich.

Oligarchen, Trolle, Steueroasen

Das haben sie jetzt alles knallhart recherchiert und rausgekriegt, also gelesen. In einem Leak. Ich bin verwirrt. Dachte ich doch, dieses Leaking sei Verräterei. War das nicht das, was diese Putinfreunde Assange und Snowden gemacht haben? Ah, ich sehe, es geht hier gegen die Bösen: "Korruption, Geldwäsche, Steuerhinterziehung". Wie machen die Russen das? Ah, hier: Über eine Steueroase. Auf den Jungferninseln. Warte, die sind doch britisch! Ach, und BP ist auch beteiligt. Und guck mal hier, der "unabhängige Aufsichtsrat" der Firma heißt Gerhard Schröder, genau wie der Exkanzler. Oops, das ist er ja höchstselbst!

Diese Russen, haben alles im Griff. Übrigens auch in der Ukraine, bei den Separatisten. Nein, warte, bei den anderen, den Guten, ihr erinnert euch? Joe Biden, sein Sohn und die lustige Seilschaft im Gasgeschäft? Nur mal so als Beispiel. Der Präsident des Landes ist übrigens Schokoladenmilliardär, so heißen Sieger. Alles klar so weit? Übersicht komplett verloren, Weltbild gefestigt? Mission accomplished.

Man kann das nach Belieben veranstalten. Eurasien, Ozeanien, Russland, der IS, Juden, Türken, Aliens. Am Klang der Worte erkennt jeder Halbgescheite, auf welcher Seite er zu stehen hat. Kann sein, dass da mal einer auf dieser Seite auftaucht und dann wieder auf jener, aber das ist Inhalt, den merkt sich eh keiner. Na ja, und einiges hat ja doch Bestand - oder hat schon mal jemand was vom guten Russen gehört? Haha. Hahahaha! Sehr praktisch übrigens auch, dass das ganze Gewese um Geiz, Gier und Steuerverbrechen, Verzeihung, Steuersünden gar nicht erst groß auffällt. Man stelle sich mal vor, wir hätten hier Medien, die Wörter wie "Klassenkampf" kennten. Nee, hör auf jetzt! Der war gut. Hahahaha. Haaahahahahaa!

 
ct

Endlich gesiegt! Wir haben die rechte Hand Bin Ladens erwischt. Das ist ein Running Gag bei Fefe seit vielen Jahren. Dessen Leser wissen das. Wer in diesem Land die Schrottmedien konsumiert, weiß es nicht. Keine Ahnung, wie deren Leser und Zuschauer es fertigbringen, sich jahrzehntelang dieselben Lügen auftischen lassen; wie das noch immer funktioniert, obwohl sie inzwischen allesamt auffliegen.

Wir erinnern uns an Taliban aus der "Nordallianz", die "gemäßigten", die dann Al Kaida wurden. Dieselben Leute, 'unsere Verbündeten', waren plötzlich so schrecklich, dass wir seit 16 Jahren Krieg führen - niemand weiß, wohin das führen soll. Zuletzt gab es eine "gemäßigte Opposition" von "Rebellen" in Syrien, die sich kurz nach dieser medienweiten Einheitsbezeichnung dabei haben erwischen lassen, wie sie einem Teenager gemäßigt den Kopf abgeschnitten haben.

Gemäßigt brutal

Heute wird gemeldet, wie eine Drohne den "Anführer der brutalsten und aktivsten pakistanischen Talibangruppe" getötet hat. Nicht gemeldet wird, wer dabei noch getötet wurde. Nicht gemeldet wurde, was so brutal an ihm ist. Einziger Hinweis: "JuA steckte zum Beispiel 2016 hinter einem schweren Anschlag in der Großstadt Lahore, wo sich ein Selbstmordattentäter in einem Park voller Ostern feiernder Familien in die Luft sprengte. 70 Menschen starben."

Schon 2015 betrug die Zahl der Opfer der NATO-Kriege von Irak bis Afghanistan über eine Million Tote. Eine Million Menschen in unserem gerechten, "Krieg gegen den Terror", der gemäßigt ist, rücksichtsvoll und für die Menschenrechte. Wie kann man so etwas glauben? Wie kann man so etwas schreiben? Wie kann man dann noch erwarten, dass die Leser das auch alle glauben?

Die andere Baustelle, unsere von Gestapo und anderen Nazis in Kooperation mit den Faschisten der McCarthys aufgebauten Geheimdienste und Sonderpolizeien, wird derweil noch immer behandelt als seien das nette Leute, die sich öfter mal in der Tür vertun. Pannen über Pannen. Immer mehr Geld für immer mehr Pannen und immer mehr Anschläge, die mutmaßlich oder bewiesenermaßen von ihnen selbst begangen werden. Wer darin keine Panne sieht, ist Extremist oder irre.

So dumm sind die Leute nicht

Ein geschlossenes Weltbild ist nötig, um die offensichtlichen Zusammenhänge zu leugnen und anstelle derer welche zu konstruieren, die so verstrahlt sind, dass sie im Dunkeln leuchten. Ein Nebeneffekt dieser Märchen ist der, dass in einer Atmosphäre, die so etwas als Narrativ durchprügelt, wirklich jede Idiotie zur attraktiven Alternative wird. Wahrheit ist eine Behauptung, es regiert die These als Beweis. Der Versuch etwas zu widerlegen, ist Ketzerei.

Seit dem 11.09.2001 gilt: Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Wer Fragen stellt, ist nicht für uns. Das führt längst nicht mehr zu der Trotzreaktion, jetzt erst recht alles zu hinterfragen und sich auf die Suche nach konsistenten Antworten zu machen. Inzwischen bastelt sich jeder Verein seine eigene Religion. Ständig höre ich von Halbgescheiten, die es wagen, mir Diskussionen aufzudrängen, "das glaube ich nicht", wenn ich ihnen Hintergrundinformationen gebe.

Diese Simulation von Verstand beleidigt meine Intelligenz. Erst stellen sie Fragen als sei ich Google, und wenn ihnen die Antwort nicht gefällt, kommen sie mir mit ihrem Glauben. Für euch, hiermit beschlossen und verkündet: Das nächste Mal, wenn ihr mich fragt, schreib' ich für die Antwort eine Rechnung. Vielleicht glaubt ihr ja an Mahnbescheide.

 
seDie Propaganda ist schon lange unerträglich, insbesondere was das dümmliche Getrommel gegen Russland anbetrifft, das gemeinhin mit seinem Präsidenten identifiziert wird. Es ist ja nicht Russland, das handelt, seine Regierung, seine Verbündeten oder seine Armee, es ist in der Regel "Putin".

Man muss inzwischen, wenn man an "die jüngere Geschichte" erinnert, schon den Zeitraum vor ein paar Monaten einbeziehen, nicht nur die Jahrzehnte seit den Weltkriegen. "Stoppt Putin jetzt!" war der Titel, der die bedingungslose Kapitulation des Journalismus beim "Spiegel" vor der NATO-Propaganda bedeutete. Der Absturz der MH17 über der Ukraine ist bis heute nicht aufgeklärt, bis auf die Tatsache, dass eine private Maschine in diesem Luftraum nichts zu suchen hatte und das Überfliegen der Region bewusst das Leben der Passagiere aufs Spiel setzte.

Putin kommt immer näher

Der "Spiegel" aber machte sein Vorurteil nicht nur zur vermeintlichen Meldung, er machte nicht nur einen Titel daraus, missbrauchte nicht nur die Opfer des Absturzes für seine Propaganda, er rief auch zum Krieg gegen Russland auf, wobei man tatsächlich offen lassen muss, ob nur der 'kalte' gewünscht war. Nicht erst seitdem wird Putin als irrer Diktator dargestellt und Russland als Drohung. Heute gibt es wieder einmal so eine Verdrehung aller Tatsachen und der Regeln des Verstandes, um die Demagogie um ein weiteres Kleinod zu bereichern.

"Russische und weißrussische Truppen starten ein Großmanöver nahe der Nato-Grenze" heißt es da. Die souveränen Staaten Russland und Weißrussland (was immer man von ihren Regierungen halten mag) bewegen sich innerhalb ihrer Grenzen, und die aggressive Ausdehnung des westlichen Militärbündnisses an diese Grenzen heran wird dargestellt, als habe Russland sein Territorium in das der NATO hinein verlegt. Immerhin zeigt diese verlogene Sprachregelung, dass es ein NATO-Territorium gebe. Wenn aber eine Macht ihr Territorium Jahr um Jahr vergrößert, wie nennt man das noch gerade? Ach ja: "Putins Imperialismus".

no

 
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Die Lahmarschigkeit der hiesigen Medien lässt sich kaum mit den Klimawandel erklären. Einfach die Redaktionsräume ins Erdgeschoss (Altbau) verlegen, und schon wären die Temperaturen auch ohne Klimaanlage so, dass ein Gehirn arbeiten kann. Okay, das ist keine hinreichende Bedingung.

Es macht schon lange keinen Spaß mehr. Wer Feynsinn noch aus den Tagen seiner Weltherrschaft kennt, als ein paar launig dahergebloggte Zeilen reichten, um Präsidenten zu stürzen, weiß, dass hier einmal täglich Kommentare zu lesen waren über alles, was da draußen passierte und berichtet wurde. Nun, inzwischen ist egal, was passiert, man weiß schon vorher, was berichtet werden wird. Vermutlich haben sie die Artikelchen schon auf Halde liegen und ziehen sie morgens nur noch raus. Lediglich Namen und Datum werden geändert.

Nichts Böses im Guten

Schulter an Schulter mit ihren kondebilen politischen Klappbetten kippen sie so etwas hier aus: Da wird die tapfere Frau May zitiert, wie sie Tag für Tag für die Sicherheit der Briten kämpfe, während der Linksradikale Corbyn sie lieber alle sterben ließe. Die FAZ lässt dabei den einzig spannenden Part lieber weg, dass May nämlich Corbyn implizit vorwarf, Terrorismus zu entschuldigen.

Tatsächlich hat Corbyn nicht nur ausgesprochen, was jeder wissen kann, dessen Hirn nicht mit Atlantikwasser gewaschen wurde, dass nämlich die Kriege (Irak, Libyen) unter britischer Beteiligung solchen Terrorismus erst hervorgerufen haben. Selbst die eigenen Geheimdienste wussten und wissen das. Sie wissen auch, dass Attentäter sich gern filmen lassen, ehe sie sich in die Luft sprengen. Frau May und ihresgleichen antworten darauf mit mehr Krieg und mehr Kameras und erhalten dafür die ungeteilte Zustimmung der patriotischen Presse.

Man könnte all das stattdessen auch öffentlich diskutieren, bestünden Meinungsvielfalt® und Pluralismus® nicht bloß noch in unterschiedlichen Kürzeln unter der Abschrift der Agenturmeldung. Leider sind auch Plausibilität und Schlüssigkeit keine Kriterien mehr, auf die die Märkte® reagieren. Die knallharte Konkurrenz um die schnellste Abschrift lässt dergleichen gar nicht mehr zu.

Zusammenfassung: Merkel hat recht. Weiter so! Putin ist schuld.

 
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Ein täglicher Offenbarungseid der Nützlinge aus Journaille und Politik ist die Verwendung des Begriffs "Cyber" und eigentlich alles, was mit Internet zu tun hat. Sehr großes Tennis aktuell der Satz: "IP-Adressen sind aus dem Internet nicht mehr wegzudenken." (tagesschau.de). Ja wahrlich, telefonieren ohne Telefonnummern, das gibt es praktisch nicht mehr. Selbst die Postzustellung ohne Anschrift gehört der Vergangenheit an.

"Cyber" hat exakt eine Funktion: Verblödung. Cyber klingt nach Magie, Mythos, Unheimlichem. Darknet, Blackjack, finsteres Tal. Cyber ist "Angriff", "Terrorist" und Hui Buh. Ganz schlimm auch der Missbrauch des Begriffs "Hacker". Ich habe hier einmal versucht, "hacken" zu erklären. Im Fernsehen und am Kabinettstisch ist es "hacken", wenn DDoS-Attacken gefahren werden oder jemand Mails mit Malware verschickt.

Kapuzenpulli aus Moskau gefunden

Nennt man jemanden einen "Mechaniker", wenn er mit dem Schraubenschlüssel Scheiben einschlägt? Ist es "reparieren", wenn wer damit droht, mir die Radmuttern zu lockern? Nur weil einer Kenntnisse und Werkzeuge aus dem Bereich Computer und Netzwerk nutzt, ist er noch lange kein "Hacker". Die meisten sind Verbrecher oder gelangweilte Randalierer. Von denen gibt es tausende, vielleicht Millionen, während echte Hacks selten bleiben und meist keine Schäden anrichten.

Wie dumm die Autoren von "Hacker"- Und "Cyber"-Berichten sind, lässt sich gar nicht hoch genug einschätzen. Sie haben in der Regel null Ahnung, wovon sie reden und ersetzen diese durch geradezu religiösen Glauben. Dieser wiederum befähigt sie, die dümmstem Gerüchte und Propagandalügen zu verbreiten. Sie kennen die Guten und die Bösen, und sobald ihnen wer zuraunt, die Bösen hätten gecybert, singen sie "Putin", "Assad", "Nordkorea". Jeder Verdacht, der die abonnierten Bösen trifft, wird breitgetreten. Niemand hält es für nötig, sich so weit mit der Materie zu beschäftigen, dass er wenisgtens erkennt, wenn er kompletten Schwachsinn faselt. Der Leser weiß ja auch nicht mehr, und das soll auch genau so bleiben.

 
sr

Ein grausames Experiment zieht der Kapitalismus da mit seiner Mittelschicht durch, indem er ausprobiert, wie laut es in der Echokammer werden muss, bis es für immer still bleibt. Es ist nicht zielführend zu fragen: "Wieso merken sie das nicht?". Ein krudes Beispiel aus der letzten Woche: Im WDR Radio ging es um die Reaktion auf ein sogenanntes "Duell" zwischen Hannelore Kraft und Armin Laschet im NRW-Wahlkampf. Eine Umfrage hatte ergeben, dass 52% der Zuschauer Kraft als Gewinnerin sahen und 35% Laschet.

Der Gesprächspartner des Moderators erzählte dann, "die Profis", die Kommentatoren der Medien, sähen aber beide Gleichauf. In der Folge bestätigten sich die Sprecher gegenseitig, dass Laschet eigentlich gewonnen habe, weil er ja überraschend "auf Augenhöhe" mit Kraft gewesen sei. Die Frage kam überhaupt nicht auf, ob die 'Journalisten' da vielleicht eine gefärbte Sicht der Dinge hätten. Sie sind ja "Profis", Experten, und die haben immer recht.

Lauter ist lauter

Ein besonders trauriges Beispiel ist auch Kollege Misik, der ultimativ auf die Seite der Alternativlosen gewechselt ist. Wer Macron nicht unterstützt als "Linker" ist "dumme Linke" (stupid left). Nichts gelernt aus Brexit, Trump, Erdogan, Orbán und Kaczyński, und je weniger sie es kapieren, desto lauter krakeelen sie. Eine eher leise Stimme ist daher die von Sibylle Berg, die das Problem immerhin an der Oberfläche erkannt hat. Sie ist leise, weil sie Selbstzweifel äußert. Hier droht die Gefahr der Einsicht.

Es brodelt, und zwar gewaltig. Während es den "Nützlichen Idioten" allerdings um Inhalte geht, entgeht ihnen vollends, dass die Substanz des Parlamentarismus, den sie verteidigen wollen, das Gelaber ist. Ob links, rechts, reaktionär oder pseudorebellisch, sie tun ja nichts. Europas Jugend ist bereit, sich einer Revolte anzuschließen. Solange keiner vorangeht, können sie gefahrlos solche Töne spucken. Mal sehen, wer wirklich losmarschiert, wenn der Führer ruft.

Dieser Führer ist weder Le Pen noch Trump. Erdogan ist so einer, dort, wo er ist. Zu allem entschlossen, mit einem Haufen schäumender Idioten hinter sich, aber immerhin auch gegen die andere Hälfte der Türken. Was lernen wir daraus? Dass wir immer schön auf 50% Zustimmung setzen, schon immer am besten wussten, was richtig ist und auf jeden Widerstand mit mehr Härte® reagieren? Prima, dann muss der Diktator sein Bett gar nicht mehr selbst beziehen.

Bewährte Werte

Der deutsche Volkstribun ist derweil wieder unter Kontrolle, Gott sei Dank. Hauptsache kein Linker! Die Spezialdemokratie hat ihre Sprache wiedergefunden und übersetzt soziale Gerechtigkeit® wieder in aktuelles Neusprech (jetzt seit 35 Jahren!). "Linke Umverteilungslogik®", "globale Wirtschaft®", "echtes Angebot an die Mitte®" "wirtschaftspolitischen Realitätsschock", "ideologiefrei über wirtschaftspolitische Themen sprechen" - so kennen wir sie. Chuuulz!

Zum Schluss noch ein kleiner fieser Hinweis auf die westlichen Werte. Ihr wisst schon: Das sind Terroristen. Die muss man alle ... Guantanamo, Abu Ghreib, Wien, Berlin - gelebte Demokratie. Das Supergrundrecht Sicherheit® hat viele Gesichter. Sein Markenzeichen ist der Stiefelabdruck.

p.s.: Oh, fast vergessen: Putin ist schuld®.
Einhundert Mal schreiben und drölf Avemaria!

 
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Mein Fundstück des Monats [via]:

"Wirkung von Werbung unterliegt noch immer häufig mythischer Einordnung. Dagegen differenzieren Wissenschaftler. "In der öffentlichen Diskussion werden Kinder gern als Opfer von Werbestrategien dargestellt. Tatsächlich vermittelt Werbung emotionale Orientierung, die Kinder bedürfen, um in der modernen Gesellschaft zurechtzukommen".

Das nenne ich einen Clusterfuck unverschämter Verlogenheit. "Wissenschaftler" also. Welche jetzt genau? Egal, wird ja nicht belegt. "Differenzieren"? Wo? Da ist keine Differenzierung, sondern nur eine unbelegte Behauptung. Diese wiederum ist ja nicht nur gelogen und völlig einseitig; das halten diese professionellen Lügner ja für ihren Job. Nein, was daran beeindruckt, ist die Selbstwahrnehmung im Zusammenhang mit der Vorstellung davon, was man Adressaten noch zumuten kann.

Die Grenze zwischen Ideologie und Schwachsinn ist hier um Lichtjahre überschritten. Diesen Totalquatsch glaubt niemand mehr. Lediglich die Auftraggeber glauben, es könnte noch jemanden geben, der das glaubt. Vielmehr: Man müsste das nur sagen, dann würde es wer glauben. In der Filterblase der Psychose folgt alles nur noch dem freidrehenden Subjekt, alle Gesetze gehorchen dem Wahn. Emotionale Orientierung. Durch Werbung. Das wäre fürs Kabarett so weit drüber, dass man die Nummer nicht aufführen würde.

Jenseits der Sinne

Die dem Schwachsinn anheim gefallenen Urheber sind dieselben, von deren Wohlwollen die Existenz der Verlagsmedien abhängt. Deren aktuelle Paranoia vor den Fake News® ist nicht minder komisch, gibt es solche doch schon lange. Etwas, das vorgibt, eine Nachricht zu sein, so aussieht und sogar dieselben Autoren hat, kennen wir als Auftragsartikelchen, über denen im Glücksfall "Anzeige" steht. "Native Advertising" als "Werbeform" ist die Definition von Fake News.

Der Wirrwahn beginnt wie immer an der ganz anderen Ecke. Man stelle sich vor, die Welt wäre eine Schreinerei, in der niemand von Bäumen sprechen dürfte. Man kennt Holz und dessen Verarbeitung in allen Formen und Feinheiten, aber das Thema "Bäume", womöglich "Natur", wäre absolut tabu. So geht das in der wirklich unwahren Welt mit dem Kapital und den Profiten. Wenn man nur ein paar Jahrzehnte in diesem Irrenhaus gelebt hat und die dritte Generation irrer Aufseher für den reibungslosen Ablauf sorgt, geht alles, nur nicht mehr Realität.

Eine Welt, die solche Konsumgüter vorhält, kennt kein wahr und falsch mehr, kein echt und gefälscht, es sei denn als Zeichen der Herrschaft. Wer das falsche Echte bestimmt, bestimmt auch das Echte als Falsches. Das ist eine schlichte Statusfrage. Was ist das Bemühen um Wahrheit, um aussagefähige Untersuchungen, wissenschaftliche Methoden, Theorien und Zweifel gegen die Expertise des prominenten Mietmauls? Was die Geschichte eines Malochers gegen Designerjeans, die den Schmutz schwerer Arbeit authentisch, aber hygienisch und in höchster Qualität repräsentieren?

p.s.: Zum Eingangssatz: Dieser Satz ist m.E. auch im ursächlichen Zusammenhang (.pdf) Bullshit. Er biedert sich einer Nutzung wie der durch den ZAW nachgerade an. Allerdings bezieht er sich ausdrücklich nicht auf simple Produktwerbung. Im Übrigen halte ich auch das ganze Werk für Tinnef.

 
bb

Quelle: Pixabay

Der Kampf um die Deutungshoheit hat mit der Jagd nach angeblichen "Fake News" die letzte Stufe erreicht: Die Manager des Narrativs versuchen, ihre schlicht absurde Weltsicht den Massen aufzuzwingen, während sie sich gleichzeitig als Instanz inszenieren, die neutral, objektiv und kritisch sei. Was sie dabei produzieren, ist so lächerlich, dass es die Erzählung "des Kaisers neue Kleider" locker in den Schatten stellt. Zwei aktuelle Beispiele:

Tina Hassel, eine der höchst dotierten "Journalistinnen" in Deutschland, wie ihresgleichen selbstverständlich Mitglied im Verein Atlantik-Brücke e.V., sollte doch eigentlich Englisch können und keine Schwierigkeiten damit haben, einen einzigen Satz korrekt zu übersetzen. Ihre Karriere folgte dem üblichen Muster; sie war wie viele Kollegen (u.a. Zamperoni und Kleber) zunächst US-Korrespondentin, um dann Chefredakteurin zu werden.

2 + 2 = 5

Der Satz, den sie ins Gegenteil übersetzt hat, ist nicht schwer zu verstehen. Wie kommt es dann, dass eine ehemalige US-Korrespondentin ihn so falsch übersetzt? Wie kommt es zudem, dass sie offenbar keinerlei Kenntnisse der aktuellen Entwicklung in den USA hat, denn auch das ist ja Voraussetzung für diese Fehlleistung? Nun, es ist nicht endgültig zu klären, aber ganz offenbar sieht Frau Hassel die Welt so, dass das passt. Gegen diesen Filter versagt jede Realitätsprüfung. Ausgrechent Hassel ist die Erklärbärin der Tagesschau zu Donald Trump.

Auf der anderen Seite grassieren derzeit sogenannte "Faktenchecks", die derselben Propaganda dienen. Michael Lüders haben sie derzeit besonders auf dem Kieker, weil dessen Analysen zu Syrien so gar nicht ins Konzept der Atlantiker passen. Die FAZ veröffentlicht ein überspezifisches Dementi* zu einem Satz von Lüders, und schon rollen die publizistischen Panzer, bis der Boulevard ihn endgültig abknallt und mit dem ganzen Schmutz der vermeintlichen Defintionsmacht bewirft.

Der ehemalige Journalismus befindet sich längst in einem Teufelskreis. Die aus einem immer engeren Kreis rekrutierten Bosse des Betriebs lassen ihr Weltbild verbreiten, das nun einmal nicht dem der Restbevölkerung entspricht. Diese erkennt zunehmend, dass sie einseitig informiert wird und bedient sich anderer Quellen. Diese Quellen wiederum werden aus derselben ideologischen Verblendung heraus zurückgewiesen und angegriffen, und zwar weiterhin mit dem Anspruch von Objektivität, der dabei zwangsläufig mit Füßen getreten wird.

Wir sind die Wahrheit

Am Ende werden alle Quellen, die nicht dem eigenen Weltbild entsprechen, niedergemacht, als "Fake News", "Verschwörungstheorie" oder gar "Hassbotschaften". Der Furor des ehemaligen Journalismus, der sich dabei zum Werkzeug politischer Kumpane macht, geht so weit, dass jeder Gegner um jeden Preis pathologisiert oder kriminalisiert wird. Wer nicht folgt, ist ein Verbrecher, der auch Hasskommentare und Drohbriefe schreibt. Dieser Feind muss verfolgt und bestraft werden. Wohlgemerkt ist das die unmittelbare Folge des Handelns derer, die sich ernsthaft als "kritische Journalisten" bezeichnen.

Diese Farce findet obendrein statt in einer Medienwelt, die zunehmend von der schieren Aufmerksamkeitsökonomie bestimmt wird. Die Alternative zu den Propagandisten ist leider eben nicht "das Netz", in dem sich Millionen tummeln, die leider auch nicht gelernt haben, das Hirn einzuschalten, ehe sie in die Tasten hauen. Es stellt sich die Frage, wie Information und Kritik überhaupt noch organisiert werden können. Bei aller Schadenfreude über das Scheitern der Talkshows bräuchten wir drigend Alternativen.

*Überspezifisches Dementi: Um von einer Sache abzulenken, wird ein kleiner Teil der Sache geleugnet.
Beispiel:
"Dort fahren Panzer auf."
Dementi: "Kein einziger Schuss wurde dort von einem Panzer abgegeben."
Damit ist dann eben nicht widerlegt, dass Panzer auffuhren.
Noch ein Beispiel hier.
Die FAZ schließt im Beispiel oben aus einem irrelevanten Detail, das nicht ganz korrekt wiedergegeben wurde, dass der ganze Bericht eine Falschmeldung sei.

 
autos

© Copyright SASI Group (University of Sheffield) and Mark Newman (University of Michigan) worldmapper

Wer noch nicht genug hat vom Ostereier suchen, kann ja mal in den Verlagsmedien blättern und einen Bericht über die Hintergründe der Schlachtplatte Nahost suchen. Geld, Gas, Geschäfte? Ach was, es geht doch um Demokratie! Die Endlösung ohne Assad® wird angestrebt, jetzt noch offizieller und noch blöder. Zuerst sollten wir aber dem Iwan, Verzeihung, Vlad, in den Arsch treten, das ist nämlich die Grundvoraussetzung dafür.

Pipelines? Korruption? Knallharte Kapitalinteressen? Das ist unendlich unverständlich, das kann man dem Leser nicht zumuten. Ich weiß, das ist nicht neu, aber man muss sich ja wenigstens selbst auf dem Laufenden halten, wenn man nicht mitverblöden soll. Lesen Sie jetzt, was wir wissen®, schunkeln Sie mit und merken Sie sich gut, was wir nicht wissen®, denn das geht Sie nichts an.

Im Westen nichts Neues

Im heldenhaften Kampf gegen FuckFake News geht der Mainstream an den Rand des Bewusstseins, wie immer von der falschen Seite aus. RT (deutsch) ist ein Sender, der auch ohne den Anspruch zurecht kommt, ausgewogen zu berichten. Wenn aber ausgerechnet der die ARD bis auf die Knochen blamiert, hören und lesen wir davon ...

Auf die Farbe kommt es an. Die Weißhelme® zum Beispiel. Erinnert sich noch wer an die "Blauhelme"? Die hatten sogar ein echtes Mandat, nämlich von der UNO, und mussten damit dem einen oder anderen Massaker® tatenlos zuschauen, so dass nur noch ein Angriffskrieg rückwirkend Auschwitz verhindern konnte. Die "Farbenrevolutionen" überspringen wir und kommen direkt zu den Helmen, die im Dienste eines britischen Milliardärs die offiziellen Non-Fake-News in Szene setzen. Jetzt weiß, jetzt noch unschuldiger - die reine Wahrheit, präsentiert von Henkel.

Derweil rollt uns der unsägliche Klüngel der Atlantiker mit dem türkischen Diktator vor die Füße. Entgegen seiner Ankündigung wird er für die Nibelungentreue seiner Nützlichsten Idiotin und zur Feier seiner selbst demnächst Deniz Yücel freilassen lassen. Dann ist alles wieder gut. Es werden Autobahnen entstehen, die auch in Deutschland Arbeitsplätze sichern. Es ist ja doch nicht alles schlecht.

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