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Der Rechtsstaat bröselt weltweit, vor allem im 'Westen'. Die Demokratie heißt noch so, weil sie als herrschende Religion in Ritualen immer wieder so genannt und als das 'Gute' zu Geltung gebracht wird. Tatsächlich ist ihr Kern verrottet. Wir sind hinter die Errungenschaften des 18. Jahrhunderts zurückgefallen. Es herrscht de facto das Feindrecht, und genau das wurde einst durch die Bürgerliche Demokratie und ihren Rechtsstaat abgeschafft.

Das Gewaltmonopol des demokratischen Staates ist eines Errungenschaft, die sich die Bürger und Arbeiter gegen den Staat erkämpft haben. Es ist nur verliehen, was in jeder maßgeblichen Verfassung steht, im GG Artikel 20: "Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus". Das bedeutet erstens das Ende eines Jahrhunderte währenden Verhältnisses, nämlich das vom Untertan zur Herrschaft. Staat und Bürger sind gleichberechtigt. Im Zweifel ist es der Staat, der sich rechtfertigen muss und der verändert werden muss, wenn die Bürger es so wollen. Dieses Verhältnis wurde wieder umgekehrt.

Zurück zum Feindrecht

Maßgeblich dafür ist das US-Regime unter George W. Bush, das - quasi verbindlich für alle NATO-Staaten und in der Folge für die EU und weitere - das Feindrecht über die Prinzipien des Rechtsstaats gestellt hat, und zwar im Inneren wie im Äußeren. Zunächst wurden Folterlager und Mordkommandos ausschließlich jenseits des Territoriums der USA betrieben, gleichzeitig aber bereits Bürgerrechte eingeschränkt und demokratiefeindliche Strukturen mit einer umfassenden Macht ausgestattet. Spätestens damit hat der Staat keine Legitimation mehr für sein Gewaltmonopol.

Geheimdienste, die in den USA von Faschisten der McCArthy-Fraktion mithilfe von Nazis aufgebaut wurden und vor allem umgekehrt, waren von Anfang an ein Schandfleck für Demokratie und Rechtsstaat. Im Kalten Krieg mag man diese noch als Sicherheitsmaßnahme betrachtet haben, aber solche undemokratischen und konspirativen Einrichtungen bedürfen dann strengster Kontrolle. Diese findet effektiv gar nicht mehr statt. Die Dienste weigern sich sogar, ihren Kontrolleuren die nötigen Informationen zu geben. Dafür bekommen sie dann mehr Geld und noch mehr Befugnisse, das Recht zu missachten.

Damit ist wie gesagt das Gewaltmonopol hinfällig, denn vor diesen Einrichtungen haben die Bürger keine Rechte mehr. Von der Privatsphäre bis hin zum Recht auf Unversehrtheit von Leib und Leben wurde es ihnen genommen; sie sind wieder Untertanen. Obendrein werden die maßgeblichen Organe dieser Unterwerfung nicht gewählt, nicht kontrolliert und haben keine zeitliche Begrenzung. Man nennt sie daher auch "tiefen Staat". Gleichzeitig werden auf Staatsebene immer mehr Verabredungen getroffen (sogenannte Freihandelsverträge, Kriege, Finanzpolitik), die keinem rechtlichen Standard standhalten. All dies hat das Recht der Staaten, über ihre Bürger zu herrschen, untergraben.

Erosion

Die Entwicklung der Weltwirtschaft, d.h. des Kapitalismus, sorgt derweil dafür, dass immer mehr Menschen verarmen und die Arbeitsbedingungen immer schlechter werden. Der Neoliberalismus hat u.a. für Arbeitszwang und Lohndumping gesorgt. Viele Bürger haben also gar nichts mehr vom ursprünglichen Vertrag zwischen Bürger und Staat. Sie sind vielmehr in jeder Hinsicht dessen Gegner. Noch können viele durch die eingangs geschilderte Religiosität der Restdemokratie mental unter Kontrolle gehalten werden, aber auch das wird immer schwerer, weil die nötigen Manipulationen eine weitere Säule der Demokratie gesprengt haben: den Bezug auf Vernunft.

Schon moralisch nicht mehr haltbar, macht sich die staatliche Herrschaft durch ihre Techniken zunehmend lächerlich. Aussagen von Politik und Medien werden immer öfter widerlegt; in den USA regiert gar ein böser Clown. Dies führt wiederum dazu, dass sich ausgerechnet die Vernünftigen abwenden, weil sie nicht mehr durchdringen. Was bleibt, ist irrationale Parteilichkeit. Du bist für etwas oder dagegen, Gründe sind hinfällig - das gelebte Feindrecht als Politik. Es war aber Vernunft, die überhaupt erst den Glauben an Gleichberechtigung ermöglichte - und sei es nur die von Handelspartnern.

Verträge beruhten auf nachvollziehbaren Prinzipien, Eindeutigkeit, Schlüssigkeit, Prüfbarkeit. Abweichungen wurden unter dem Primat dieser Prinzipien verhandelt. Das Recht des Stärkeren und des Fürsten wurde durch freiwillige Vereinbarungen ersetzt. Dies ist das Prinzip des demokratischen Rechtsstaats. Dass dieses Prinzip immer durch faktische Macht eingeschränkt war, ist nicht zu leugnen, inzwischen aber dient es nur mehr als Feigenblatt. Die Stärkeren haben die Macht und lassen sich nicht mehr einschränken. Das Gewaltmonopol ist ein reines Machtmittel geworden. Seine moralische und juristische Autorität ist zerbrochen.

 
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Mir wurde oft gesagt, ich beschäftigte mich hier zu oft mit unpolitischen Dingen wie "Fake News", dem "Narrativ" und Ähnlichem. Nun, es ist nicht nur so, dass ich versuche, die Welt aus vielen Perspektiven zu betrachten, sondern dass gerade diese Dinge ungemein politisch sind. Selbst das Radikalste, Extremste in Bezug auf ein System: die revolutionären Ansätze, funktionieren nicht ohne ein Narrativ und die Bereitschaft, sich darauf einzulassen.

Niemand wird den Umsturz proben, nur weil er die Schnauze voll hat. Im Gegenteil lassen sich viele Menschen ausbeuten, quälen, betrügen und unterdrücken, solange niemand ihnen eine sehr konkrete Alternative bietet. Das geht so weit, dass die Ordnung selbst verteidigt wird, sei sie noch so nachteilig, selbst also wenn sie dafür sorgt, dass Menschen zunehmend verarmen und entrechtet werden. Sie wird verteidigt von denen, die unter ihr leiden.

Krieg oder Schnupfen?

Die Krawalle in Hamburg sind en gutes Beispiel dafür. Es ist der völlig falsche Ansatz, hier 'gute Gründe' für Krawall zu verlangen. Die Einschätzung der Situation ist schon kaum möglich, weil die Propaganda, die darauf aufsetzt, ein Hinweis darauf ist, dass alle Beteiligten(!) diese Krawalle wollten. In Deutschland, einem unglaublich reichen Land, in dem die Massen weiter verarmen, während die Kanzlerin von "Vollbeschäftigung" faselt, kann ein solches Ereignis der überwältigenden Mehrheit als ein Angriff auf sie - die Bevölkerung - verkauft werden. Als könne man bald nicht mehr vor die Tür gehen.

Ein Blick in die Nachbarschaft rückt die Verhältnisse zurecht: Anlässlich des Nationalfeiertags brennen in Frankreich 900 Autos, und zwar nicht zum ersten Mal. Das ist dort bereits Folklore. Hier wäre die Bundeswehr ausgerückt, in ganz Deutschland hätte es Hamsterkäufe gegeben und es würden alle Abgeordneten der Linkspartei verhaftet. Dergleichen passiert drüben übrigens trotz schon jahrelangem "Notstand". Sie sind dort allerdings etwas weiter, was ihre Frustrierten und Abgehängten angeht.

Die hegt man so gut wie möglich ein und lebt mit regelmäßiger Randale. Was hier in lächerlicher Weise als "Krieg" beschrien wird, ist längst Standard in Europa. So ist das nämlich, wenn man Menschen benutzt oder als nutzlose Reserve vegetieren lässt. Aber nur keine Systemkritik, wir sind ja keine Kommunisten! Wir müssen gegen die Chaoten zusammenstehen. Es wird bereits überwacht in einem Maße, das die Stasi aussehen lässt wie einen Verein von Hobbypolitessen, aber das hilft nicht. Die stadtbekannten Terroristen lässt man trotzdem gewähren und randalierender Ausschuss ist damit auch nicht unter Kontrolle zu halten.

Sei, was du kaufst!

Was noch am besten funktioniert, ist die große Maschine, die unsere Wirklichkeiten in schöne dünne Scheiben schneidet. Auf der einen Seite wird das zerbröselnde Narrativ von den Verlagen und ihren nützlichen Idioten mit aller Härte ihrer Ignoranz weiter erzählt. Auf der anderen Seit werden wir mit ausgesuchten Infohäppchen versorgt; jeder nach seinem Profil, um alle zu gehorsamen Konsumenten abzurichten. Letztes Beispiel: Google News.

Was einmal eine Hoffnung war und eine Möglichkeit, einen gigantischen Fundus an Informationen jedermann zugänglich zu machen, ist zu einer Karikatur verkommen. Das Kapital hat die Suchmaschine zu einem verfolgungswütigen Verblödungsroboter umfunktioniert. Das deckt sich übrigens mit den Geschäftspraktiken des Konzerns. Was mir ein Vögelchen dazu flüstert, zieht einem die Schuhe aus. Sie haben nicht nur die Macht, sie nutzen sie. Sie wollen unser Produkt nicht? Och! Schöne Frima haben sie da; wäre doch schade, wenn die pleite ginge ...

Wir leben in einem riesigen Scheißhaufen, der permanent fröhlich durchgequirlt wird. Das ist sehr schwer zu ertragen, für die meisten schlicht unerträglich: Hier in meiner Ecke riecht es aber doch gar nicht so schlimm, und ich kenne eine, das ist es sogar noch sauber. Hauptsache, die Extremen kommen nicht an die Macht und machen alles noch schlimmer!

Wir brauchen Phantasie, um zu überleben. Ohne eine Vorstellung davon, wie es ganz anders ginge - für alle, nicht nur für diejenigen, die es noch nicht erwischt hat, geht es nicht weiter. Die Angst vor Veränderung lähmt. Vielleicht brauchen wir keine Politiker und Philosophen, sondern vor allem Künstler, um sie uns zu nehmen. Wir könnten sonst schon bald zu phantasielos sein, um aus unserer Filterwelt noch auszubrechen.

 
am

Der Wind weht stramm und kalt von rechts, da war es ein Schmaus, in Hamburg Krawalle filmen zu können und den roten Teufel an die Wand zu malen. Die Infamie kennt keine Grenze und keine Scham; es kommt den Rechten wie de Maizière und Scholz entgegen, dass sich die Verdrehung von Tatsachen längst als erfolgreiche Strategie erwiesen hat. Was Trump kann, können sie auch. Es habe "keine Polizeigewalt gegeben", so Scholz. Dieser Stuss ist eine reine Machtdemonstration, eine Demonstration kommunikativer Macht.

Hätte es wirklich keine gegeben angesichts der Krawalle, wie stünde sie denn da, die ausführende Staatsgewalt? Das muss eigentlich vor allem die Polizei selbst dementieren. Dass es reichlich filmische Belege für deren Gewalt gibt - geschenkt! Noch infamer aber die Gleichsetzung marodierender Autogegener mit den rechten Mördern, die schlafende Familien anzünden. Schaut man sich die Verletztenliste auf Seiten der Polizei an, ist eher Stirnrunzeln angesagt.

Wo ist sie denn?

'Linke', die sich in einigen Kilometern Umkreis einer Tat befinden, bei der theoretisch jemand hätte getötet werden können, sind allesamt "Mörder". Derweil kann regelmäßig "kein fremdenfeindlicher Hintergrund der Tat festgestellt werden", wenn Ausländer in diesem Land von bekannten Neonazis (halb)totgeprügelt werden. Vor allem aber eines ist ein reines Phantasieprodukt: Eine organisierte militante Linke in Deutschland. Weder militant noch sonstwie radikal - nachdem die KPD zerschlagen war und die 68er nicht in der Lage waren, sich wirksam zu organisieren, gibt es sie nicht mehr.

Das hat auch seine Logik, und es ist das vermutlich größte Problem der progressiven Linken: Sie muss selbstverständlich den Kapitalismus ablehnen, ebenso aber seine politischen Organisationen. Sie muss daher - und wenn sie die nötigen Schlüsse aus der Geschichte der Kommunisten zieht - gegen Parteien sein und kann selbst keine bilden. Nicht innerhalb des Systems und auch nicht in einem imaginären neuen Staat. Real hätte sie zudem überhaupt keinen Zulauf. Der letzte vielversprechende Ansatz, eine Partei zu gründen, die nicht korrumpiert werden würde, waren die Grünen. Er ist mit erschütterndem Ende gescheitert.

Es wird jenseits der rein theoretischen Diskussion (wie sie auch hier geführt wird) darauf ankommen, Organisationsformen zu finden, die weder auf Machtoptionen ausgerichtet sind noch zersplittert bleiben. Dabei kommt es keineswegs darauf an, tatsächliche oder vermeintliche Konflikte beizulegen und möglichst jedem, der sich "links" nennt, in den Hintern zu kriechen. Im Gegenteil muss jeder anstehende Konflikt ausgetragen werden, und zwar in einer wenig erbaulichen Situation: Es gibt in diesem System weder ein Mitmachen, noch eine Machtoption oder die Hoffnung auf ein "revolutionäres Subjekt". Was auch immer eine Hoffnung birgt, es muss erst noch entwickelt und organisiert werden.

 
hg

Über die Strategie des Staates beim G20-Gipfel ist vieles gesagt worden, auch hier. Näher betrachten muss man noch die Propaganda rund um den Gipfel und seitdem. Das beginnt mit dem Feindbild der "Linken", das schon fest im Narrativ verankert ist, aber mangels Linker immer blöder wird. Deutschland hat den Kommunismus ausgerottet. Es gibt keine organisierte antikapitalistische Kraft mehr. Die Ideologen des Kalten Krieges können aber nicht ohne und freuen sich umso mehr, dass sie sich kurzfristig welche herbeiphantasieren können.

Beispielhaft ist de Maizières Wahnvorstellung von "orchestrierter" Randale, die von Verschwörern mit "Knopf im Ohr" geleitet worden seien. Propaganda darf jetzt alles. Von der einfachen Lüge bis zur klinischen Paranoia wird alles in die Mikrophone gefeuert, was aus dem geräumten Oberstübchen purzelt. "Knopf im Ohr" - kenne ich. Wenn meine Tochter joggen geht, hat sie so etwas. Sicher orchestriert sie nebenher den kommunistischen Widerstand. Sie behauptet freilich, sie höre Musik. Oder eine Freundin - die fährt sogar Auto mit Knopf im Ohr, um Polizei und Nachbarn zu überwachen. Ihre Schutzbehauptung: sie telefoniere nur.

Welches Detail man sich auch vornimmt, nichts von dem Geplärre hält stand. Es soll aber ja auch gar nicht genauer hingehört werden. Wie gesagt geht es um ein Feindbild, um "die". "Die Chaoten", "die Schwerstverbrecher", "die Mörder". Auch das sind Lügen, aber vor allem Projektionen. Der Feind ist "barbarisch", gewalttätig, und zwar "sinnlos", "radikal", "extremistisch" und diesmal "links" (sonst ja regelmäßig "islamistisch"). Er ist dabei eine Einheit. Er ist nicht einmal eine Gruppe, denn die wäre noch differenzierbar. Nein, er ist ein homogenes Wesen. Alle gleich, alle eins, alle Feind.

Kein Recht

Mir fielen sofort wieder die Riots in England 2011 ein, als die Unruhen losgingen. Der Anlass wird oft sehr schnell irrelevant, das hält aber die Ereignisse nicht auf. Polizei geht auf Demonstranten los, Hooligans schlagen zurück, Plünderer und Frustrierte schließen sich an. Jeder Einzelne mit seinem eigenen Motiv, seinem eigenen Hintergrund, seiner eigenen Lage. Ihre äußere Erscheinung so unterschiedlich wie die innere Einstellung. Ich habe sie "Hooligans" genannt, weil das Einzige, das sie scheinbar eint, ihre Gewalthandlungen sind.

Der Staat braucht sie, gebraucht sie. Wie nach 2001 ein halber Kontinent in die Steinzeit bombardiert wurde, weil seitdem das Feindbild "Islamist" gepflegt wird, wie seitdem bereits Bürgerrechte im Hintergrund rasiert wurden, soll es jetzt roh und offen zugehen, dank des aktuellen Feindbilds. Hausdurchsuchungen, Festnahmen, Polizeibrutalität - es werden Exempel statuiert. Der Rest des Rechtsstaats weicht dem starken Staat, dem "wehrhaften". Es sind ja nur die Linken. Wer Einwände hat, ist linksgrünversifft oder "rechtfertigt Gewalt".

Das Gegenteil ist der Fall. Ich rechtfertige diese Gewalt nicht. Dieser Polizeistaat hat erst alles dafür getan, dass sie eskalierte und übt jetzt die Praktiken totalitärer Regimes. Das ist nicht zu rechtfertigen, zu allerletzt mit der Rechtsordnung, auf die sich die Brandstifter in Nadelstreifen berufen.

Bildquelle oben: Pixabay

 
udowahrIch werde alt. Mir ist selbst die hauseigene Korruption inzwischen zu langweilig, da nehme ich mir lieber ein Rätselheft vor (um ein Auto damit anzuzünden). Schlimmer noch: Ich lasse mir von Lesern Vorschläge machen und nehme sie an. Leser! Dieses Volk, das meine schöne Datenbank mit ekligen Inhalten vollsaut, meine gute Laune mit Meinungen torpediert und im ärgsten Fall einfach still liest. Widerlich. Das seht ihr doch auch so, richtig? Sag' ich doch.

Muss ich Pantoufle erwähnen? Der hat zum elften Mal den zweiten Platz gemacht. Das nur am Rande. Aber ehe ich den behänge, preise ich mich selber. Wie, das mache ich schon dauernd? Okay, dann vielleicht nächstes Jahr. Ihr seht, der Text kommt voran. Worum geht es noch? Ach so, ja, um den Hund und das neue Teilzeitfrauchen. Er kommt ja auch viel besser mit Frauen zurecht. Oder kam jedenfalls. Also das Original. Hier musste er ja meist bei Kerlen abhängen.

No. 11

Kommen wir also zu ihr, der Preisträgerin. Das ist lustig. Ich lese unvermeidbar gelegentlich Artikel, die mich interessieren, will heißen: thematisch. Dann fängst du an zu lesen und denkst irgendwann - die hohe Kunst schafft das in wenigen Zeilen - "Nee, ne? Och nee, lass ma!" Hat nix zu sagen, kann nich schreiben, redet Blödsinn, weiter geht's. Bei der Dame® nunmehr ging es andersherum. Da ihr mich lesen geschickt habt, fügte ich mich und las. Nicht alles meines Ding. Oft sehe ich die Welt® anders. Kurzum: Ich war in der Fremde, beim Anderen! Gruselschauer!

Was es aber auch war, ich war schnell im Text und blieb. Ob Kollage oder Kommentar; es fällt mir auf, wenn ich nichts vermisse. Viel zu wenige hier draußen können schreiben, wissen, wovon sie reden und halten sich mit ihrer Mission zurück. Bei ihr kommt schreiben von lesen; wer Quellen sucht, wird hier reichlich bedient. Mag ich. Kann ich leiden. Andere haben sie lange vor mir entdeckt. Auch wenn ich ich denke, ich denke ganz anders als sie - oder vielleicht gerade darum: Willkommen im Club, dame.von.welt!

 

"Polizeistaat" ist keine Metapher. Er ist nicht erst real, wenn der Führer Uniform trägt.

 
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Ich beginne mit einem Zitat des Cyberphilosophen R@iner: "Die einen zünden die Welt an, die anderen Autos - Lasst uns also über Autos reden!" Das ist nur ein Detail dieses ganzen Kindertheaters, das wie immer in die Frage mündet: Sind die so blöd oder ist es Kalkül? Es waren nicht die ersten Sommerspiele dieser Art, im Gegenteil: Fast jedes Gx-Treffen wird von Krawallen begleitet, und Hamburg ist neben Berlin bekannt dafür, dass solcherart Feuerwerk gern etwas größer ausfällt.

Erste Konklusion ist daher: Hamburg als Austragungsort zu wählen ist siehe oben. Kalkül oder Blödheit. Womit wir zunächst bei Scholzofon Olaf wären, dem Regierenden Bürgermeister, den der Schwachsinn endgültig heimgeholt hat, es sei denn. Man werde gar nicht merken, dass ein Gipfel stattgefunden habe, hatte er prophezeit. Nun sollte er wenigstens demütig schweigen; stattdessen tönt er, die Polizei habe "alles richtig gemacht". Aha. Angesichts des Resultats drängt sich spätestens hier auf, dass Schwachsinn als Ursache ausfällt.

Hätte uns wer gewarnt ...

Was die andere Seite betrifft, so müsste man doch irgendwann lernen, dass die Hooligans umso wirksamer und befreiter ihr Werk tun können, je mehr sie sich im Recht fühlen und je mehr Unterstützung sie erhalten. Der Startschuss zu den Spielen war daher die völlig widersinnige Attacke der Polizei am Donnerstag, als sie viele tausend Demonstranten angriffen, weil eine Handvoll Heinis die Schals nicht vom Gesicht nahmen. Ich wusste an dieser Stelle, wie das kommende Wochenende sich gestalten würde. Jeder, der sich ein bisschen auskennt, wusste das.

In der Folge haben beide Seiten eskaliert, was das Zeug hielt. Was zur Hölle haben Polizisten mit Sturmgewehren auf der Straße verloren? Ist die Einsatzleitung komplett irre? Einer der wenigen 'Fehler', die die Polizei ausgelassen hat, war, in die Menge zu schießen. Vielleicht beim nächsten Mal. Was glauben die eigentlich, wie die Testosteronfront auf solche Maßnahmen reagiert? Ich schätze so: "Krieg? Lecker!"

Kalkuliertes Risiko

Diejenigen, die das Gewaltmonopol innehaben wollen, die es bei solchen Gelegenheiten verteidigen, tun alles, um sich zu delegitimieren. Minister, die gleichzeitig Gesetzgeber sind, schreien nicht nur nach "hartem Durchgreifen" der Polizei (was man dem Innenminister noch zubilligen kann), sondern sie wollen gleich auch ebensolche Strafen verhängt sehen, womit die Gewaltenteilung endgültig ausgesetzt ist.

Die Polizei hat verstanden, sich ihrerseits über Verfassung, Gerichte und sowieso die Ausübung des Mandats von Rechtsanwältinnen hinweggesetzt. Wenn die Politik unisono nach dem Polizeistaat schreit, muss man sich nicht wundern. Das Problem hiermit ist aus Sicht der Friedliebenden, dass der Mob sich dadurch nicht nur angestachelt fühlt. Er kann sich sogar darauf berufen, dass das Gewaltmonopol geradezu frivol missbraucht wurde. So zündet man direkt die Lunte zum 'Widerstand'.

Die Hooligans interessieren mich an dieser Stelle gar nicht. Ich sehe nicht, was man in diesem Spiel gewinnen kann außer Spaß an der Randale, daher muss ich mich hier auch nicht mit angeblichen politischen Zielen befassen. Diejenigen aber, die behaupten, einen Rechtsstaat zu vertreten, haben nichts falsch gemacht. Weil sie es nur behaupten und die ganze Show genau so haben wollten. Ich beglückwünsche diese Helden; ausdrücklich auch die verantwortliche Heeresleitung.

p.s.: Siehe auch diesen Kommentar.

Bildquelle oben: Pixabay

 
ac

Erwähnte ich, dass meine Stimmung gelegentlich zu Reizungen in der Bartrandzone führen? Desweiteren, dass die Bartrandzone sich über mehrere Stadtteile ausbreiten kann, in denen die Menschen in Angst spontan Schutz suchen? Gewitter waren zwar erst für heute Abend angesagt, aber bereits am Vormittag donnerte es und blitzte aus einer Wohnung im Süden der Stadt, wo ein Einzelfall explodiert war. Ganz recht, der Einzelfall war ich, und das kam so:

Soll ich das Wort wieder sagen? Das mit K? Aus dem paranoiden Kindergarten? Okay, das wäre öde, also kaufe ich ein C: Fuck that fucking arse of pissing bloodspraying CAPITALISM! Argh! Die verfickte POST! Ich meine jetzt ausnahmsweise einmal nicht das magentafarbene Stück Scheiße, das sie aus dem Gedärm der Genannten geholt und rosa lackiert haben, auch nicht den Dödel auf dem Fahrrad in der bescheuerten Jacke, dessen Fahne man erst dienstags riechen muss, weil er montags nicht nur blau ist, sondern auch macht; ich meine De Ha El. What the FUCK!

Wie lange dauert es im Jahr 2017 in einer deutschen Großstadt, ein Paket aufzugeben? Kommt wohl drauf an. Ich weiß ja nicht, was andere machen, aber ich habe schon fast eine Stunde gebraucht, um das behämmerte Label auszudrucken, das man auf das Paket kleben muss. Ich weiß schon, warum ich einen verdammten Skriptblocker benutzte. Wenn ich bei dhl.de die Skripte freigebe, damit ich das mistige Pickerl bekomme, friert mir der Browser ein. Drei verschiedene Browser in zwei verschiedenen Betriebssystemen. Was haben die da für einen verkackten Ranz gecoded?

Privat kann besser

Da sind wir übrigens schon an der Baustelle vorbei, wo du alles fünfmal eingegeben hast, weil der Scheißladen Cookies nur setzen kann, wenn du vorher drei Formulare unterschrieben hast, dass er das darf. Mal abgesehen davon, dass er eine Adresse, bei der ich auf Google Street View die Vase auf dem Wohnzimmertisch sehen kann, für nicht existent erklärt. Woher soll auch die Post wissen, wie man eine Adresse findet?!

Okay, irgendwie fummelst du dich da durch, natürlich frisst der ätzende Drucker das Papier erst mal quer, weil er ein eins A Teil ist, das sich dieser Qualitätsoffensive selbstverständlich ungespitzt anschließt. Der liegt jetzt übrigens auf dem Dach gegenüber, die dumme Sau. Also, trotzdem alles irgendwie geregelt, der Lappen mit dem Strichercode klebt auf dem Karton, also auf zur Post.

Die Post - das Postamt - die Hauptstelle dieses Stadtteils, in der noch Beamte in die Pension hinüber gepflegt werden, also das Ding, in dem früher beim Wort "korrekt" die Serifen auf den tausendstel Millimeter ex-akt ausgerichtet waren, die hat hier Öffnungszeiten wie in einem Hunsrückweiler anno 1970 bei Tollwutbefall. Immerhin aber heute bis 12:30 Uhr. Ich stehe um 11:50 da vor der Tür, und was ist? ZU IST! ZU!!

Ich hab keinen Bock mehr, diesen Drecksartikel zu Ende zu schreiben, macht euren Scheiß doch alleine!

 
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Bundesarchiv B 145 Bild-F041446-0036 / Reineke / CC-BY-SA 3.0

Er war der Kanzler der Einheit. Der deutschen Einheit. Der europäischen Einheit. Der Währungseinheit. Der Einigkeit. Der Dreieinheit. "Noch im Tod brachte er Menschen zusammen", stellt der kritische Journalismus fest. Ja, ich habe es am eigenen Leibe erfahren. Als mir Helmut erschien, überkam mich sofort, unverzüglich, der Drang mich zu vereinen. Hunderte Kollegen standen beieinander, nachdem sie die Fotos von Kohls Erben geschossen hatten. Vereint in Trauer und Helmut Demut.

Allein die deutsche Einheit, sie ist sein Werk und alle danken es ihm unter Tränen. Wer erinnert sich nicht daran, wie die DDR-Bürger, die nichts hatten, ihm ihre letzten Lebensmittel zuwarfen als Zeichen ihres Respekts. Wie er sich durch die Massen wälzte, um den Spender persönlich zu umarmen? Seine Dankbarkeit gegenüber Spendern war legendär wie seine Treue und Zuverlässigkeit. Wer sich ihm anvertraute und die richtige Einheit mitbrachte, war sicher wie das Gold in Fort Knox.

Gleich nach dem ersten Schultag bringt "Helle" – das war sein Spitzname – ein paar seiner neuen Freunde mit nach Hause. Als Schüler ist er eher mittelmäßig.

Die europäische Einheit, der Euro, eine einzige Erfolgsgeschichte. Alle sind unter einem Dach vereint: Geber, Nehmer, Schuldner, Gläubiger, Importeure und Exporteure, Große und Kleine, Arme und Reiche, Schwache und Starke - und alle lieben Helmut. Sie werden auch Wolfgang lieben lernen, Helmuts treuen Truchsess, der den deutschen Koffer längst gegen die europäische Kreditkarte getauscht hat. Es ist Ordnung, wo Helmut seinen Samen gesät hat. Deutsche Ordnung ist europäische Ordnung, und alle folgen sie. Alle sind sie vereinigt und können gar nicht mehr loslassen von Helmuts Europa.

Wir werden sein großes Herz vermissen. Sein Herz für Spender - Flicks, Schreibers, Ehlerdings, seine jüdischen Freunde; unvergessen! Sein Herz für Gestrauchelte und Vergessliche wie seine Minister Zimmermann, Kanther und Lambsdorff oder seinen Vize Leisler-Kiep. Bei Kohl hatten viele eine zweite Chance auf ein drittes Gehalt. Rührend auch sein väterliches Verhältnis zu Journalisten und Medien; bald streng, wenn die Kleinen dem gefährlichen Rotfunk zu nahe kamen, bald großherzig, wenn die Großen auf dem rechten Weg waren.

Bahnbrechend seine Genderpolitik. Kein anderer Kanzler lebte so offen seine Männerfreundschaften: Strauß, Flick, Kirch, Mitterrand, Thatcher, Reagan, Clinton, Jelzin. Zwischen Sauna und Saumagen steht Kohl für die zweite sexuelle Revolution. Auch seine Expertise in Fragen einer visionären Wirtschaftspolitik ist sprichwörtlich: Treuhand, Soli, sechzehn Jahre Aufschwung. Schon in fünf Jahren wird niemand mehr von Problemen der Einheit sprechen und die blühenden Landschaften bewundern, die seine Politik wird geschaffen haben. Ein Gigant. Ein Koloss. Ein Titan. Ein Gott!

 
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Romantische Vorstellung, Serviervorschlag; Quelle: Pixabay

Sie haben alle recht: Fefe, Burks und Max. Wer kein Klopapier hat, findet sicher noch irgendwo ein Grundgesetz, vor allem wenn er beim Bundesminister für Justiz arbeitet. Dessen totalitäre Gesinnung wurde hier bereits regelmäßig gewürdigt, und auch am Ende dieses Tages murmelt es wieder: "Eine Änderung des Grundgesetzes halten wir für nicht erforderlich". Wozu auch? Es ist doch so nützlich. Man kann es wie gesagt als Kackpappe benutzen, als Fußabtreter, als Grillanzünder oder Flieger daraus basteln.

Während sich ein kognitiv limitierter Homo zur Freude der Medienhändler mit Konfetti einreibt, landet hinter dieser Kulisse zuallererst der Hubschrauber mit der Taskforce Zensur aka "Gesetz gegen Hass im Netz". Das Geile an dieser Attacke auf die Geltung einer Verfassung in diesem Rechtsstaat® ist dessen Wirkung ganz unabhängig von rechtlichen Mitteln. Die Drohung allein wirkt. Es wird Zensur geben, allerorten, denn man kann es sich nicht leisten, darauf zu verzichten. Das Risiko ist einfach zu groß.

Diese Infamie ist der Brennpunkt dessen, was das BVerfG in dutzenden Urteilen gestoppt hat: dass der Gesetzgeber eine Atmosphäre schafft, in der der Bürger sich schlicht nicht mehr traut, seine Meinung zu sagen. In diesem Fall geht der Stoß über Bande: Die Betreiber trauen sich nicht mehr, Meinungsfreiheit zuzulassen. Wer nicht löscht, kann bald Konkurs anmelden.

Nachwuchsproduktion

Kommen wir also zur sogenannten "Ehe". Inhaltlich bin ich dagegen. Sie fußt kulturell auf Religionen, von denen unsere Geschmacksrichtung mir die Assoziation aufzwingt, die Amtsträger (mit "Würde" hat das nichts mehr zu tun) dürften künftig ihre Opfer auch noch ehelichen. Wie dem auch sei: Das hat nichts im Gesetz zu suchen. Darin wiederum, das belegt u.a. die von Burks zitierte Quelle, ist die Ehe eine Funktion der Familie, will heißen: der Nachwuchsproduktion.

De facto ist das Ganze auch noch eine Steueroase für Besserbezahlte. Die braucht kein Mensch, das kann weg. Stattdessen, um für eine Sekunde so zu tun, als fragte mich wer, hätte ich lieber mehr Ressourcen für Kinder. Viel mehr. Aber gefragt ist das Gesetz, und das ist eindeutig. Mann und Frau, perspektivisch mit Kindern; das ist Ehe. Alles andere ist Party und lässt sich hervorragend ohne Trauschein organisieren. Vieles davon - wie etwa Patientenverfügungen - gibt es längst.

Was aber überhaupt nicht geht, ist wie jeden Freitag das, was Heiko, die amtliche Haltevorrichtung für Manschettenknöpfe, einmal mehr hervordilettiert. Ich frage mich, ob dieses Spiel nicht überhaupt bloß Karneval für Clowns wie Volker Beck ist, denen man ein buntes Spielzeug zuwirft, um es ihnen alsbald wieder abzunehmen. Das böse, böse Verfassungsgericht will das alles nicht. Och schaadö! Auf der Empore macht Chucky derweil die Raute und lacht sich nen Ast. Welch eine erbärmliche Operette!

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