Favoriten

2005-2013 (alle Beiträge)
org
 
-------
Best of 2005-2013

 
xx

"Solidarität" war einmal das Machtwort der Arbeiterklasse. Es wurde reichlich überfrachtet, wie sich schnell herausstellt, wenn das Kapital auch nur den kleinsten Keil in die Arbeiterschaft treibt. Linke Intellektuelle haben ihrerseits den Fehler gemacht, Solidarität mit Moral aufzuladen und mit nachgerade romantischen Ideen. Dabei ist ihr Kern, gerade da, wo sie half, dem Kapital die Stirn zu bieten, recht profan: Es sind gemeinsame Interessen.

Die andere Seite der Solidarität kannte und kennt der Mensch durchaus auch. Es ist die, wo sich in der Not welche zusammentun, die sich sonst kaum beachten. Es ist ebenso die in der Fankurve und drumherum, wo alle Standesdünkel zurücktreten und gemeinsam der Verein besungen wird. Aber diese sind entweder kurzlebig oder gefühlsduselig und jedenfalls nicht geeignet, "Solidarität" zu charakterisieren. Es muss da nur wer daherkommen und plausibel machen, dass man gar nicht zusammengehört oder allein besser dran wäre, schon ändert sich alles.

Interessen

Als gemeinsames Interesse steht die Arbeitersolidarität gegen die des Kapitals; diese stehen auf den beiden Seiten der Profitrechnung. Arbeiter wollen mehr Lohn, Kapital weniger Kosten. Es gab Zeiten, da wussten die Arbeiter das noch. Inzwischen hält sich noch der vorletzte Hilfsarbeiter für was Besseres. Im Zweifelsfall ist er Deutscher und besser als die Ausländer. Vor allem aber die durch die, Verzeihung, sozialdemokratischen Huren des Kapitals bitter verratenen Arbeitslosen dienen ihnen als Fußabtreter anstatt zu erkennen, dass sie es selbst sind, die sie da treten.

Solidarität aus Einsicht ist eine schöne Sache, aus das kommt vor, aber sie ist eben so selten wie aufgeklärte Geister generell. Die haben nicht gerade Konjunktur. Was Not täte, wäre wenigstens wieder zu erkennen, wo die Fronten der Interessen verlaufen: Im Widerstreit zwischen Arbeit und Kapital eben. Dass Kapital als solches auf Arbeit angewiesen ist, kann es in seiner jeweiligen Bilanz nicht berücksichtigen - einer der vielen Webfehler des Kapitalismus. Im Zweifel sorgen Lobbyisten und Dummköpfe dafür, dass selbst Gewerkschaften gegen die Interessen der Arbeiter handeln.

Kapital vs. Arbeiter

Die Macht des Kapitals besteht unter anderem darin, dass seine Krisen immer von den Arbeitern ausgebadet werden. Es sind die Arbeiter, die ihre Jobs verlieren, ausgeschlossen werden, verarmen, hungern und noch obendrein als faul und nutzlos beschimpft werden. Das Kapital sucht sich halt einen anderen Spielplatz, reiche Eigentümer bleiben auch bei Verlusten reich. In Zeiten, in denen Solidarität am nötigsten wäre, ist sie am geringsten: Wenn immer mehr Menschen verarmen, arbeitslos werden, der Konkurrenzdruck steigt.

Das Problem ist die Richtung, in die Konkurrenz und 'Solidarität' dann wirken: Gegen die Verlierer aus den eigenen Reihen und im Schulterschluss mit denen, die sich im Interesse des Kapitals tiefer bücken und sich billig machen. Dabei liegt eine der wenigen Hoffnungen auf eine Änderung des ewigen Elends gerade in den Abgehängten und der Solidarität mit ihnen. Wenn sie ohnehin aus dem Kreislauf des Kapitals fallen, müssen sie sich organisieren und jenseits des Ausbeutungsapparates etwas aufbauen. Nicht um wieder einzusteigen, sondern um zu zeigen, dass sie viele sind und dass sie zählen. Das würde den Fokus auch endlich darauf legen, dass es hier um Menschen geht - um die Mehrheit der Menschen - und nicht um eine organische Funktion des Profits.

 
cn

Ich muss zugeben, dass ich mich ein wenig habe blenden lassen von der vermeintlichen westlichen Propaganda. Insbesondere im Hinblick auf Putins Machenschaften war ich völlig verblendet und habe bislang gedacht, es sei übertrieben, wie der Machthaber dargestellt wird. So boshaft könne er nicht sein, dachte ich, und die Russen sind auch nur Menschen.

Vor allem die von Putin befehligten Hacker hatte ich nicht so eingeschätzt, dass sie einen Weltkrieg auslösen oder ernsthaft jemanden angreifen wollten. Schließlich ist es nicht nur so, dass die Möglichkeiten für Computerkriminelle bislang begrenzt waren; es gebe, so dachte ich, ja auch noch die Hackerehre. Was habe ich mich da hinter die Fichte führen lassen! Putins Horden kennen keine Gnade und schrecken vor nichts zurück.

Es reicht, Putin!!

Was ich jetzt aus sicherer Quelle erfahren habe, ist so grausam, dass ich es kaum zu publizieren wage. Nichts für schwache Nerven, ich habe großes Verständnis für alle, die ab hier nicht weiterlesen, aber ich muss es tun:
Diese Invasoren haben offenbar den gefährlichsten Angriff in der Geschichte des Cyberkrieges erfolgreich durchgeführt. Russische Hacker haben mutmaßlich eine virale Blockchain aus dem Darknet in die Cloud hochgeladen!!

Es ist noch nicht endgültig geklärt, was alles damit in Gefahr gerät, aber man muss nach Erkenntnissen von Experten davon ausgehen, dass wir alle betroffen sind. So könnte Ransomware Atomkraftwerke oder Krankenhäuser mit Code destabilisieren. Ebenso wird gemutmaßt, ganze Produktionsanlagen seien von Zeroday-Exploits bedroht. Sogar Privatautos könnten bei voller Fahrt durch Blockchainwürmer und -trojaner übernommen werden.

Höchste abstrakte Bedrohungsstufe

Wohlgemerkt. Es handelt sich hier nicht um die üblichen Viren und Schadsoftware, sondern um Blockchain, die modernste und unangreifbare kryptographische Macht aus dem Internet – und zwar aus dem Darknet, jenem unerforschten Gebiet des weltweiten Netzes, das durch Kinderpornographie, Drogen-, Waffenhandel und die schrecklichsten Verbrechen bekannt ist. Westliche Geheimdienste gehen inzwischen davon aus, dass daher auch das Nowitschok stammt, das ganz Europa auslöschen könnte.

Wer jetzt noch meint, Russland, Putin und seine Scharen von Hackern und Trollen seien irgendwie harmlos oder sie sonstwie unterschätzt, dem ist nicht mehr zu helfen. Gegen diese Gefahr helfen keine Virenscanner oder Vorsichtsmaßnahmen. Wann immer ihr eine Blockchain bemerkt, bringt euch sofort in Sicherheit. Nehmt eure Rechner so oft wie möglich vom Netz, vor allem in der Dunkelheit. Sollte euch etwas ungewöhnlich vorkommen, informiert unverzüglich das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik oder die nächste Cyberabteilung der Polizei!

 
xx

In einem sehr lesenswerten Interview mit Walter Ötsch wird u.a. ein Gedanke angerissen, den ich hier ein wenig weiter verfolgen will: Es ist die Nähe des Neoliberalismus zu faschistischem Gedankengut. Nicht nur das Experiment unter Pinochet oder die Junta in Argentinien belegen das; gerade aktuell zeigen sich deutliche Parallelen.

Zurecht wird im genannten Interview darauf hingewiesen, dass es Neoliberale wie Lucke (sowie Henkel und andere) waren, die eine von Anfang nationalistische Partei gegründet und den Rechtsradikalen wie Höcke und seinen Anhängern Tür und Tor geöffnet haben. Die Faschisten haben sich in dieser elitären Partei sofort wohlgefühlt, sind doch autoritäres Denken, Abwertung bestimmter Menschengruppen und entsprechende Strategien der Markenkern. Das Vorbild FPÖ funktioniert ähnlich.

Beugt euch der Übervernunft!

Zunächst eine Charakterisierung des Neoliberalismus‘ Hayekscher Prägung, angelehnt an den o.g. Artikel: Hayek hat ein Gesellschaftsmodell entworfen, in dem eine kleine Elite die Geschäfte führt. Darin unterscheidet er sich nicht von den Faschisten. Wo die freilich Nation, Blut und Boden anbeten, ist bei Hayeks der Markt nicht weniger als ein Gott. Dessen "Übervernunft" hat sich alles zu beugen, sprichwörtlich:

"Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass wenn erst einmal der aktive Teil der Intellektuellen zu einem bestimmten Set an Glaubenssätzen bekehrt ist, der Prozess der allgemeinen Akzeptanz dieser Sätze nahezu automatisch und unwiderstehlich verläuft. Die Intellektuellen sind das Organ, das moderne Gesellschaften entwickelt haben, um Wissen und Ideen zu verbreiten und ihre Überzeugungen und Meinungen wirken wie ein Sieb, durch das alle neuen Vorstellungen hindurchmüssen."

Tiefer!

Dies beschreibt exakt eine religiöse Mission, in der die Kardinäle, Priester, Prediger und Laien ihre feste Aufgabe haben. "Intellektuelle" sind hier das Gegenteil geistig beweglicher Zweifler, sondern eben Verkünder und Missionare. Dementsprechend wird jede Form von "Demokratie", die sich erdreistet, in Märkte einzugreifen, ernsthaft als "totalitär" bezeichnet. Diese Strategie der Projektion eint Nazis, Trolle und eben Neoliberale.

Während dem "Markt" totale Herrschaft gesichert wird, werden schon Zweifel daran als "totalitäres" Gedankengut diffamiert; die Verhältnisse in der Propaganda auf den Kopf gestellt. Exakt so sehen Rechtsradikale, vor allem AfD-nahe, überall Faschisten, nur nicht in den eigenen Reihen. Sie selbst betrachten sich gern obszön als "Juden", als gnadenlos verfolgte, ein Motiv, dass wir u.a. von Boris Johnson auch in Bezug auf die Superreichen oder von Hans-Werner Sinn über Manager kennen.

Demokratie ist totalitär

Es ist nun typisch für die BRD, ihre Geschichte und ihre politische Kaste, dass sie die radikalsten antidemokratischen Kräfte, sofern sie die Eliten stellen, als 'demokratisch' verkaufen müssen. Das gilt für die brutalsten Wirkungen des Kapitalismus, seine neoliberale Variante ebenso wie für den Nationalsozialismus. Der Kernwiderspruch des deutschen Narrativs besteht darin, ein autoritäres Regime und dessen Funktionsträger eben als Demokratie zu etikettieren.

So ist es erstens nicht verwunderlich, dass eine Kanzlerin, zu der es strategisch seit 2005 keine Alternative gibt, kein Problem damit hat, eine Chimäre wie "marktkonforme Demokratie" zu ihrer Aufgabe zu erklären. Ebenso wenig überrascht es, dass als vermeintliche 'Alternative' ein Konstrukt auftrumpft, das beide autoritär-religiösen Politikströmungen vereint; nämlich die Anbeter des Marktes und die von Volk und Nation. Der mythische Kampf der Mächte bietet obendrein schaurige Untergangsvisionen. Auch im globalen Wettberwerb® gibt es nur Endsieg oder totale Niederlage.

 

#FRÜHAUFSTEHEN

#HARTARBEITEN

 
xx

Ich möchte kurz die Ansätze zusammenfassen, die in der Diskussion im ersten Artikel "zu Rassismus" hervorgebracht wurden. Vor allem eine Unterscheidung erscheint sinnvoll, wobei die zu trennenden Aspekte durchaus Überschneidungen aufweisen, was sich daher als nicht einfach erweist:

Es gibt Formen von Diskriminierung, die nicht rassistisch sind, selbst wenn sie sich auch gegen Menschen bestimmter Hautfarbe bzw. Äußerlichkeiten richten, die auf ihre Herkunft schließen lassen. Schon hier fällt auf, dass es Äußerlichkeiten gibt, die in kein Schema von 'Rassen' passen und dass dieselben Mechanismen und Verhaltensweisen eben auch 'Landsleute' treffen können, deren Vorfahren in x-ter Generation heimisch sind.

Das ist bei denen angeboren

Typisch rassistisch ist demnach überhaupt die Unterstellung, äußerliche Merkmale wie Körperbau, Hautfarbe o.ä., die auf eine geographische Herkunft hinweisen, hätten etwas mit Charaktereigenschaften zu tun. Dies prägt dementsprechende Rassentheorien. Ebenso unterstellt Rassismus, Menschen 'gleicher' Rasse seien generell 'gleich'.

Vor allem Letzteres ist der Mechanismus, der auch ganz ohne Rassismus geht und von dem reichlich Gebrauch gemacht wird, um Menschen zu diskriminieren. Eine Gruppe wird mit (schlechten) Eigenschaften belegt und deren Mitglieder sind dann "alle so": Schwarze, Arbeitslose, Muslime, Kölner. Als Objekt von Projektionen eignen sich beliebige Gruppen. Auch hierzu bilden sich Narrative, die keinem Realitätsabgleich standhalten.

Abgrenzungen

Strittig blieb die Rolle der "Angst" - die der Rassisten wohlgemerkt – als Motiv für Rassismus. Der Begriff blieb aber schon diffus, so dass ich mir erlaube, das für schlicht falsch zu halten. Zur Debatte um beleidigende und klischeehafte Äußerungen gegenüber nicht als vermeintlich blutsdeutsch erkannten Menschen ist festzustellen, dass sich darin Dummheit, Ignoranz und – eingeschränkt – Geringschätzung Ausdruck verleihen.

Während die davon Betroffenen allen Grund haben, genervt zu sein und sich beleidigt zu fühlen, ist es aber sinnvoll, dergleichen von jener abwertenden Diskriminierung zu trennen, die am Ende den Betroffenen schaden soll, bis hin zu Mord und Völkermord. Würde man jede Unachtsamkeit oder Ignoranz als "Rassismus" bezeichnen, verharmloste man wohl eher das, was ihn im Kern ausmacht.

 
cd

Oh knupsriges Eis, oh schattiges! Fernab des hiesigen Bodens wohnst du, unerreicht, in einer Diele.
Verließe ich die meinen, mir schmölze der Schuh, noch ehe der Hahn aufgedreht. Vortürig löst es sich. Nicht mein Problem - das Pech aus dem Asphalt. Pech. Es klebt sich an Hacke wie an Sohle. Geh' nicht da raus! Und wenn doch, dann nicht allein, und dreh' dich öfter mal um, das Böse kommt doch immer von hinten. Kennt man doch. Außerdem kommt vorher immer diese schrille Musik. Also spätestens dann kann man sich doch mal umdrehen, Herrgottnochmal!

Von hinten kommt das Böse also, von oben der Missionar, das Gute und und der Befehl. Wieso eigentlich? Das ist doch kein Zusammenhang. Schlimmer noch: Drei Viertel der Twitter-User glauben, alles, was von oben komme, sei gut, weil alles Gute von oben kommt. Ich hasse sie. Ich bin ja tolerant, aber wer Schindluder mit der Logik treibt, gehört an die Wand gestellt und ABGEKNALLT!!11! Egal übrigens, ob das Schindluder von oben oder hinten. Dazu ist es ohnehin zu heiß. Es ist sogar zu heiß für Sexismus. Musst du dir begreifen!

Ein Plan

Es heißt aber: "Kommt der Prophet nicht zum Berge, so kommet der Berg zum Propheten". Woher kriege ich jetzt bloß einen verdammten Propheten? Gelbe Seiten? Lieferando? Emmesen? Und wenn, frisst der mein Eis doch sicher selbst auf. Scheißpropheten! Fressen uns alles weg, das Pack! Und dann sind sie noch zu faul, den Scheißberg selbst aufzusuchen. Kriegen die auch noch hinterhergetragen, während unsereiner frühaufstehtundhachtarbeitet. Mit Helm im Buchladen. Ja, da wär' ich dann auch lieber Prophet und ließe mir das Eis zum Berg bringen. Muss man sich nicht wundern, wenn dann alle Affen-D wählen oder wie die heißen.

Sicher lungern vor meiner Eisdiele die ganzen Flüchtlinge rum. Jaa, diee haben das Problem nicht. Kommen aus der Hitze hierher und schon dreht unser Sommer durch. Zufall? Zufall??? Wie können die sich das überhaupt leisten? Sicher vonmeinemgeld®. Kann man nix machen. Merkel wird schon wissen, was sie damit bezweckt. Mal sehen, ob sie die Gullys schon verschweißt haben. Wenn nicht, ist das mein Weg. Ha! Unerkannt durch die Kanalisation. Da unten ist es vielleicht noch unter vierzig Grad. Am Markt hinter dem Brunnen raus, rein in die Eisdiele und Zack!! Nimm das, Prophet, Nimm DAS! Haaahahahaa!

 
xx

Angesichts der bei 35° für mich überraschend lebhaften Dikussion zum Thema "Rassismus" (ich werde darauf auch in einem weiteren Artikel Bezug nehmen) möchte ich die Sommerpause nutzen, um einmal mehr auf die hiesigen Regularien hinzuweisen, und zwar in Form von Deppenbashing. Vermutlich ist das 'Ableismus', aber einige da draußen sind einfach zu und zu dämlich. Ab und an muss das raus.

Das beginnt und wird in einer sehr fernen Zukunft enden, in der mein Name längst verschwunden sein wird wie am Strand ein Gesicht im Sand, mit den Nutzungsbedingungen. Ja, du bist gemeint! Du selbstverliebter Dummschwätzer ohne An- und Verstand, der du unterschrieben hast, jene zu beachten. Read the Fuckin Manual! Da stehen ganz selbstverständliche Dinge drin, für die du schon zu doof bist, und dann bist du noch zu doof, sie zu lesen.

RTFM

Guck‘ einfach mal nach: Der Zensor hier schränkt nämlich deine Grundrechte ein, weil er als Erzfaschist darauf besteht, dass jemand hier nicht reinstürmt wie Graf Rotz, dem Autor oder den Kommentatoren vorhält, wie doof die alle sind und überhaupt Gülle über teilnehmende Personen auskippt. Du bist dumm, mein Junge, und obendrein ein Arschloch. Und weil ich nicht möchte, dass du das von allen hier einzeln gesagt kriegst und weinen musst, zeige ich dir einfach den Weg nach Hause aka "Spamfilter".

Überhaupt ist das ja so: Hier kommt nur jemand in den Klub, der gewisse Intelligenzleistungen erbringt. Einige schaffen es auch, solche vorzutäuschen, aber das trägt nicht weit. Also: Stell' dir vor, du kommst in eine Kneipe. Da sitzen Leute, die vermutlich häufig da sitzen und unterhalten sich. Wie begegne ich denen, wenn ich zum ersten Mal dort erscheine?

Nix zu machen

- Ich erkläre dem Chef, dass er keine Ahnung von gar nix hat und ein Fascho/Stalinist/Wichser ist.
- Ich nehme den erstbesten Gesprächsfaden auf, knüpfe an ein beliebiges Stichwort an und halte lautstark einen Vortrag.
- Ich gröle in die Kneipe, dass ja nur Leute, die aus guten Gründen keine Freunde haben, dauernd in Kneipen hocken, dass ich aber großzügig ein Getränk zu kaufen bereit bin.
- Ich rufe einen Blondinenwitz in den Schankraum und beschwere mich kurz darauf, dass niemand antwortet.
- Ich pöble ein paar Gäste an und drohe dem Wirt, der mir den Asphalt vor der Tür zeigt, mit dem Anwalt.

Okay, das sind jetzt komische Beispiele, richtig? Du ahnst nicht einmal, dass die etwas mit dir zu tun haben. Du weißt nur, dass der Sektenchef hier deinen Kommentar nicht freigeschaltet hat, weil er Kritik mit Gewalt unterdrückt. Macht nix. Ich hatte bis hierhin meinen Spaß und du kommst halt nicht rein. Genau wie in alle anderen halbwegs kultivierten Kneipen. Und warum? Weil diese Kleingeister deinen überlegenen Intellekt nicht ertragen. Die Welt ist scheiße.

 
xx

Es gäbe eine ganze Reihe von Anlässen, über Rassismus zu reden, aber damit sind wir schon bei einem der größten Probleme nicht nur dieses Themas: Es ist zu grundsätzlich, um es an einen Anlass zu knüpfen, zumal solche nur Trollen und ihrer Aufmerksamkeitsökonomie dienen. Ich bin gar nicht dagegen, auf Anlässe Bezug zu nehmen, sofern deutlich wird, dass der Bezug so oberflächlich ist wie das Ereignis untauglich, ein grundsätzliches Problem zu repräsentieren. Es ist dann eben ein Symptom, nicht mehr und nicht weniger.

Grundsätzlich also: Rassismus trägt Züge quasi unvermeidlicher Reaktionen. Es muss hier genau hingeschaut werden, wo es noch menschelt und wo schädliche Diskriminierung beginnt. Wenn unter elf Menschen zehn dieselbe Hautfarbe haben, fällt einer auf. Das festzustellen, ist noch kein Rassismus. Auch zu fragen, wo einer herkommt, ist es nicht. Festzustellen, dass jemand irgendwie anders ist, gehört zum Umgang. Ihn deshalb zu bewerten, ist Diskriminierung.

Wer bist'n du, ey?

Es ist auch egal, ob ein Verhalten rassistisch ist oder sonstwie diskriminierend. Es sind die Techniken, die das Ausgrenzen und Abwerten besorgen. Ja, und es gibt durchaus Denkmuster, die einen verkrusteten Rassismus beinhalten. Diese aufzubrechen ist ein dickes Brett. Im Einzelfall mag es helfen, freundlich darauf aufmerksam zu machen. In anderen hat man es mit Arschlöchern zu tun, die gar nicht wissen wollen, dass sie welche sind.

Ich habe jüngst vor einer Kneipe gesessen; es hatten sich vier Schwarze hinzugesellt sowie ein Weißer mit leichtem französischem Akzent. Mir fiel auf, dass sie alle Deutsch miteinander sprachen, fließend, man konnte aber hören, dass sie keine Natives sind (das kann man btw schon deshalb meist, weil kaum ein Migrant einen regionalen deutschen Akzent hat).

Die Jungs haben keine Ahnung, wie man sich in Deutschland benimmt. Sie hatten Pizza und boten mir an, mich daran zu bedienen. Ist es jetzt Rassismus, wenn ich das so sage? Wäre mir extrem egal. Es gibt eben Unterschiede. Ist es Rassismus, wenn viele meiner Bekannten Sachsen spontan unsympathisch finden? Tendenziell eher, würde ich denken, es kommt halt darauf an, was man daraus macht.

Die stinken doch

Es braucht Raum für Gespräch, für Missverständnisse, Fehler und Korrekturen. Es braucht vor allem Begegnung und bei der Begegnung entspannte Kommunikation. Das gilt ja nicht nur für kulturübergreifendes Kennenlernen, sondern für solches generell. Da braucht niemand einen inquisitorischen Verhaltenskodex, da sollte man locker bleiben.

Auf der ganz anderen Seite kommt es gar nicht zu Begegnung, was in einen Teufelskreis mündet: Weil man das Fremde nicht kennt, versteigt man sich in wüste Projektionen ("Die sind so") und weil man nur diese Projektionen kennt – die in Deutschland quasi automatisch mit Abwertung einhergehen - hält man sich fern. Daher bin ich der Auffassung, dass zu begrüßen ist, was Begegnung fördert und abzulehnen, was sie hemmt. In diesem Lichte kann man durchaus auch Konzepte sogenannter 'Antirassisten' betrachten.

 
pn

Vier Jahre ist es jetzt her, da der 'Spiegel' seinen erfolgreichsten Titel designt hat: "Stoppt Putin jetzt!". Tja; bis heute ist der Hintergrund ungeklärt, aber germanischer Spitzenjournalismus mit heißestem Draht zu den Diensten® ist schneller als jeder andere. Wir sind Weltspitze (im vor-die-Wand-Rasen und gleich die nächste Ansteuern)!

Wir erinnern uns: Über einem Bürgerkriegsgebiet, dass hie von der NATO und dort von Russland mit Mordspielzeugs versorgt wird, wird ein Linienjet abgeschossen. Nun könnte man so etwas titeln wie "Obacht bei der Routenplanung" oder "Shortcut to Hell", aber nein: Erst mal einen Schuldigen hängen, dann eine Klickstrecke einrichten und seine eigene Airline in der Nase explodieren lassen. Willkommen in der Ericusspitze!

Überholspur, Lichthupe

Dass sie, um Putin zu bespucken, ungefragt Fotos der Absturzopfer missbraucht haben, trug ihnen dann obendrein hochwillkommene Publicity durch den Presserat ein.
"Hahaha, friss das, 'Bild!' ist noch Koks da? Ich bin so geil, ich könnte mich selbst von hinten ficken. Genial!" soll mutmaßlich offenbar ein Insasse gesagt haben, der als Redakteur gilt. Protokolle der nämlichen Redaktionssitzung konnten auf dem Weg in die Botschaft Ecuadors abgefangen und rechtzeitig neutralisiert werden.

Aber auch in anderen Redaktionen wird feste gefeiert. Schließlich wird journalistisches Spitzenpersonal herumgereicht wie ein Wanderpokal und bringt daher entsprechende Ressourcen an den je neuen Arbeitsort mit. Nie wieder nüchtern! Die Schreibroboter aus der Etappe werden mit billigem Fusel versorgt, der gute Stoff ("Atlantiker-Popcorn") ist nur für die Erwachsenen.

Neuland über alles

Die Kriterien für Qualitätsjournalismus® haben sich kaum geändert: Brauchte es einst eine hervorragende Orthographie und Interpunktion, sind heute die Bedienung einer Office-Software und souveränes Auftreten gegenüber Praktikanten die entscheidenden Skills. Wer trotz hohen Bildungsgrades das Mobbing der Kollegen überlebt, wird Sportredakteur. Nutzer mehrerer unabhängiger Quellen (Gras, Rum, Zigarren) mit guten Beziehungen zum Chef werden befristet als Kolumnisten gehalten.

Am schwersten zu leiden hat die Branche nach wie vor unter den hektischen Anpassungen an das komplexe und weitgehend unbekannte neue Medium "Internet". Vor allem die Millionen Hacker ("User", "Foristen", "Verschwörungstheoretiker") nutzen die riesige Angriffsfläche des sog. "Web 2.0", um durch kriminelle Akte wie Schmähungen, Morddrohungen und Kritik Angst und Schrecken zu verbreiten. Viele Medienhäuser sahen sich daher gezwungen, Sicherheitsdienste damit zu befassen ("Facebook", "Google", ukrainische Mafia).

Dings, äh ...

Um die Deutungshoheit nicht an Kriminelle und Diktatoren zu verlieren, werden mithilfe von Bundeswehr, BND und T-Systems derzeit 'Zentren für Fairness in der Meinungsfreiheit' eingerichtet. Hier sorgen Fachkräfte dafür, dass die öffentlichen Meinungsäußerungen einem repräsentativen Querschnitt entsprechen. Außerdem bereichert dieses Angebot die Kommunikation durch interessante Produktinformationen, die zwanglos in Kommentare eingeflochten werden.

Wie ein Sprecher aus gut unterrichteten Kreisen gegenüber Medienvertretern nach Berichten zuverlässiger Quellen gemäßigter Rebellen verlautbaren ließ, hat der Machthaber ein Regime. Bundeserweißesauchnichtsogenau Seibert wiederholte vor Pressevertretern, er kaufe nichts an der Haustür es lägen ihm keine neuen Erkenntnisse vor als diejenigen, die bereits nur den Schluss zuließen, es gebe keinen.

Wer ausschläft,
ist ein dreckiger Schmarotzer.

Heinz Luther

Nächste Seite »